Bait - Hugo Haas (1954)

Moderator: jogiwan

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Maulwurf
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Bait - Hugo Haas (1954)

Beitrag von Maulwurf »

 
Bait
Bait
USA 1954
Regie: Hugo Haas
Cleo Moore, Hugo Haas, John Agar, Emmett Lynn, Bruno VeSota, Jan Englund, George Keymas, Cedric Hardwicke


Bait (1954).jpg
Bait (1954).jpg (124.06 KiB) 112 mal betrachtet
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Das müssen früher wahrlich schlimme Zeiten gewesen sein für alleinstehende Frauen. Peggy zum Beispiel. Peggy war glücklich verliebt, man heiratete, doch irgendwie ging an dem Tag alles drunter und drüber, und am Ende haben die Dokumente gefehlt, welche die Hochzeit belegt haben. Und die Behörde hat diese Dokumente auch nicht mehr hergebracht. Kurz danach musste ihr Mann fortgehen, in einen fernen Krieg, und das nächste was sie über ihn hörte war das widerliche Wort Gefallen. Und seitdem gilt ihr Kind als unehelich und Peggy als, na ja, so eine halt. Jeder sagt das. Sie ist Freiwild für die Männer, und ein Objekt des Spottes und des Hasses für die ganze Gegend.
Doch jetzt kommt dieser ältliche, etwas korpulente Mann. Mr. Marko. Ein Abenteurer serbischer Abstammung, der vor 15 Jahren hier in der Gegend mal eine Goldmine entdeckte. Behauptet er zumindest. Seinen Partner fand man kurz darauf tot im Schnee, erfroren, und Mr. Marko sucht seit sage und schreibe 15 Jahren diese Mine, weil er nicht mehr weiß wo sie lag. Und jetzt steht er hier vor Peggy, die er bisher in den buntesten Farben und mit den saftigsten Ausdrücken zur Sau gemacht hat, entschuldigt sich bei ihr, und macht ihr einen Heiratsantrag, unter der Bedingung dass sie mitkommt auf seine Hütte in den Bergen. Wo, wie sie lernt, tatsächlich jede Menge Gold darauf wartet, abgebaut zu werden. Und wo auch der junge und attraktive Ray, Mr. Markos Partner, haust. Und sie lernt auch, dass Mr. Marko sie nicht ein einziges Mal umarmt oder küsst, sogar ganz im Gegenteil Ray auffordert sie zu küssen. Die Absichten von Mr. Marko bei dieser Ehe sind nicht so ganz klar …

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Sind sie eigentlich schon. Denn der Zuschauer hat einen gewissen Wissensvorsprung gegenüber Ray und Peggy, und er ahnt den Plan von Mr. Marko bereits. Denn diesen Plan hat ihm der Teufel eingeflüstert. Und was hier vielleicht noch pathetisch klingen mag wird im Film schnell zur bittersüßen Realität, beginnt BAIT doch mit einem älteren Mann, der eine endlos erscheinende Treppe hinaufsteigt, oben dann Autogrammwünsche gesichtsloser Fans befriedigt, in die Kamera schaut und in bestem Upperclass-Englisch sagt: „Let me please introduce myself – I am the devil.“

Wer kichert da? Setzen, eins. Der Leser hat in moderner Popkultur gut aufgepasst und weiß jetzt, dass Mick Jagger diesen Film irgendwann mal gesehen haben muss …

Auf jeden Fall ist dies ein starker Beginn, der dann aber leider etwas nachlässt und in ein nicht allzu aufregendes Drama mit zunehmenden Ansätzen eines Thrillers hinübergleitet. Es ist wird relativ schnell klar, dass Mr. Marko und Ray nicht unbedingt die allerbesten Freunde werden (Ray heißt nicht umsonst mit Nachnamen Brighton, was schon auf eine gewisse Leichtfüßigkeit im Leben hinweist, während Mr. Marko sein Heil in der Religion gefunden hat und keine Freude kennt, außer in der Bibel zu lesen), aber das Gold hält sie zusammen. Doch genauso, wie sie beim Abbau der Mine aufeinander angewiesen sind, genauso glitzert auch die Habgier in ihren Augen, und es stellt sich die Frage, wie man die vereinbarte 50:50-Partnerschaft ein wenig umgestalten könnte. Zum Vorteil des einen oder des anderen. Und an dieser Stelle kommt eben Peggy ins Spiel …

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Das letzte Drittel des Films, in dem der namensgebende (blonde) Köder seine Aufgabe erfüllt und die Falle allmählich zuschnappt, dieses letzte Drittel ist tatsächlich recht spannend geraten und unterhält vortrefflich. Doch die Mühe der vorhergehenden Minuten wird damit nur teilweise aufgehoben – So sehr sich die drei Schauspieler auch anstrengen dieses Kammerspiel interessant zu gestalten, da fehlen einfach ein wenig der Kniff und die Spannung in der Handlung, die das Kammerspiel in etwas Klaustrophobisches und Enervierendes transformieren könnten. Es plätschert einfach ein wenig zu sehr um richtig Freude zu machen, und um aus dem Begriff der schlichten Unterhaltung herauszukommen. Drehbuchautor, Hauptdarsteller und Regisseur Hugo Haas, der zum Zeitpunkt des Drehs bereits runde 30 Jahre Erfahrung in der Filmindustrie hinter sich hatte, schafft es nicht wirklich, dem Plot etwas Überraschung oder Aufregung einzuhauchen. Die englische Wikipedia schreibt über Haas unter anderem „ … he launched a successful if unacclaimed career as a film director in Hollywood with a string of B movie melodramas, usually starring blonde actresses in the role of a predatory mantrap. Haas usually cast himself as the male lead in the films although the female role almost always dominated the storyline and was usually exclusively promoted on film posters.“ (1) Jedes einzelne Wort dieses Textes trifft auf BAIT zu! Was dann irgendwie schon wieder bemerkenswert ist …

BAIT ist angenehme Unterhaltung zum schnellen Schauen (der Film hat gerade mal 80 Minuten) und zum genauso schnellen Vergessen. Cleo Moore reißt es raus, die in ihrer ersten Szene im Film tatsächlich barfuß läuft (und damit zumindest einen Teil der Gerüchte über Peggy bestätigt, gibt sie damit doch zu dass sie einen gewissen Hang zur Unabhängigkeit hat), und sowohl in Jeans wie auch im Negligé oder im Bademantel sehr sexy rüberkommt. Neben ihrer handfesten und charakterstarken Figur verblassen der solide John Agar als Ray und der biedere Hugo Haas als Mr. Marko weitgehend. Dazu ein durch seine billigen Effekte und eine merkwürdig geschnittene Parallelmontage verschenktes Ende, und fertig ist das Filmchen für zwischendurch. Nichts wirklich Besonderes, aber ein Pinup von Cleo Moore würde ich mir trotzdem jederzeit übers Bett hängen …

(1) https://en.wikipedia.org/wiki/Hugo_Haas

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