The Doom Generation - Gregg Araki (1995)

Moderator: jogiwan

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jogiwan
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The Doom Generation - Gregg Araki (1995)

Beitrag von jogiwan »

The Doom Generation

Bild

Originaltitel: The Doom Generation

Herstellungsland: USA / 1995

Regie: Gregg Araki

Darsteller: James Duval, Rose McGowan, Johnathon Schaech, Cress Williams, Dwayne R. Goettel

Story:

Jordan und Amy sind seit drei Monaten ein Paar und furchtbar von ihrem Leben und ihrem Umfeld gelangweilt. Also planen die Beiden mit dem Auto die Stadt und ihre langweilige Partyszene zu verlassen und treffen dabei auf den geheimnisvollen Xavier, der gerade von einer Gruppe verprügelt wird. Flugs wird zu dritt die Flucht ergriffen und dabei auch dem konventionellen Lebensstil Adieu gesagt. Fortan liebt und mordet man zu dritt und angefixt von Sex und Gewalt beginnt ein Roadtrip durch das verkommene Amerika, der seine Protagonisten und allen, die ihnen über den Weg laufen, geradewegs ins Verderben führt.
it´s fun to stay at the YMCA!!!



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jogiwan
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Re: The Doom Generation - Gregg Araki (1995)

Beitrag von jogiwan »

Gregg Arakis erster explizit als heterosexuell ausgewiesener Film ist eine Teenager-Variante von „Natural Born Killers“, der jedoch ebenfalls keine Gefangenen macht und ebenfalls herrlich überzogen daherkommt. War Oliver Stones Variante aber noch mit Kritik an der Sensationsgier der Menschen verbunden, so ist Arakis Version eher ein Abgesang an die Jugend Amerikas, die offensichtlich weder Moral noch Ideale mehr kennt. Statt politischer Korrektheit gibt es hier derbe Flüche, überzogene Morde und am Ende schaut auch noch die Nazi-Gang vorbei um alles aufzumischen. An kontroversen Themen mangelt es dem Film jedenfalls nicht und so ist es auch kein Wunder, dass dieser Streifen bisher nicht im deutschsprachigen Raum ausgewertet wurde. Auffällig auch der gute Soundtrack zwischen Techno und Industrial und wo sieht man schon mal eine Liebesszene, die mit der Musik von Aphex Twin begleitet wird. Also alles im grünen Bereich und mit viel schwarzen Humor ist auch dieser Streifen von Gregg Araki ein kurzweiliger Trip in die Abgründe von Teenager-Seelen, der nebenher aus jeder Pore auch noch den naiven und unbeschwerten Charme der Neunziger versprüht.
it´s fun to stay at the YMCA!!!



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karlAbundzu
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Re: The Doom Generation - Gregg Araki (1995)

Beitrag von karlAbundzu »

Im Kino
Ein junges Paar ist gelangweilt in einer Disco und will wegfahren. Auf ihrem Auto wird Xavier angegriffen, springt in ihr Auto und der Road Trip beginnt. Sex, Gespräche und Gewalt.
Hui, willkommen zurück 90er. Zwei junge Menschen auf dem Sprung, der naive Jordan, Typ Slacker, nimmt fasziniert vieles hin, freut sich über sein vermeintliches Glück. Amy grundwütend, zwischen Fassade und Tiefsinn, erstaunt über ihre eigene Bedürfnisse, beide im coming of age - Modus. Dazu der ältere Xavier, erfahren, bisexuell, tatkräftig.
Die Chemie zwischen den drei Schauspielern stimmt, es ist interessant, der Figurenentwicklung zu folgen.
Auch wenn der Film im Sinne eines Road Trips im Realen spielt, gibt es fantastische Ausbrüche: over the top splatter, abgedrehte Kostüme einiger Nebenrollen, fantasievolle Ausgestaltung einiger Drehorte. Die Alu-Kneipe!
Aber sehr passend in den 90er Road Trips, eigentlich sehr vorstellbar, bis auf die Morde wäre das so vorstellbar, vielleicht nur mit mehr Drogengebrauch. Spielen hier keine Rolle.
Dazu klasse Musikauswahl: Einerseits starke Industrial der Zeit, andererseits Showgaze. Bekam ich richtig Lust drauf, eher die Frage, was von den beiden ich zuerst auflege.
Also ein scheinbarer Ausflug aus der Hölle Richtung Himmel, doch wird das Inferno nie verlassen. Der Schutzraum ist das Auto und der Sex.
Gesehen den ungeschnittenen Director's Cut, mit dem langen, unangenehmen Ende.
Empfehlung.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Arkadin
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Re: The Doom Generation - Gregg Araki (1995)

Beitrag von Arkadin »

Die 90er habe ich im Kopf immer irgendwie mit „Naja“ abgespeichert. Vielleicht, weil da aus Europa nicht mehr so viel kam und Europloitation mehr oder weniger tot war. Oder es keine Auf-die-Fresse-Actionfilme mehr wie in den 80ern gab. Oder die alten Recken oftmals nur noch durchschnittliches produzierten. Und natürlich ist das Quatsch. Auch die 90er rockten noch und es gab etwas zu entdecken. Zum Beispiel „The Doom Generation“, den ich nun erstmals und das auf der großen Leinwand sehen konnte. Irgendwo zwischen „Natural Born Killers“, MTV, John Waters und David Lynch. Alles ist möglich, alles geht. Teilweise saubrutal, dann wieder cartoonhaft. Cool-arrogant und dann wieder mit Herz. Das zieht einen schnell rein und man ist nah dran an den Figuren. Auch, wenn die auf den ersten Blick komplett unsympathisch erscheinen. Nein, das nehme ich zurück. Ich habe mich irgendwie in die Figur des von James Duval gespielten Jordan verliebt. Den hätte ich gerne mal in den Arm genommen. Umso mehr hat mich das Finale komplett aus der Bahn geworfen. Da konnte ich gar nicht mehr hinschauen. As war richtig körperlich schmerzhaft. Auch den von Johnathon Schaech gespielten, geheimnisvollen Xaver fand ich faszinierend und ungeheuer präsent. Ich hätte Jordan so sehr was mit Xavier gegönnt. Und umgekehrt auch. Aber auch Rose McGowans Amy eine leidenschaftliche menage a troi. Überhaupt Amy. Die konnte einen auch verrückt machen. Wobei ich weiß, dass man sich im wirklich wahren Leben von solchen Frauen besser fernhält. Das Ganze ist bitter, aber durchaus auch mit einem ganz speziellen Humor, der mir ebenso gut wie der geniale Soundtrack gefallen hat. Toller Film. Unbedingt etwas für die große Leinwand. Schön, dass wir den dort zeigen konnten.
Früher war mehr Lametta
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