Columbo: Lösegeld für einen Toten - Richard Irving (1971)

Eine Frage hätten wir da noch...

Moderator: jogiwan

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buxtebrawler
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Columbo: Lösegeld für einen Toten - Richard Irving (1971)

Beitrag von buxtebrawler »

Columbo - Ransom for a Dead Man.jpg
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Originaltitel: Columbo: Ransom for a Dead Man

Herstellungsland: USA / 1971

Regie: Richard Irving

Darsteller(innen): Peter Falk, Lee Grant, John Fink, Harold Gould, Patricia Mattick, Paul Carr, Jed Allan, Charles Macaulay, Henry Brandt, Jean Byron, Richard Roat, Norma Connolly u. A.
Eine arrivierte Rechtsanwältin ermordet ihren Mann, schafft die Leiche fort und täuscht eine Entführung vor. Durch die Hartnäckigkeit des ermittelnden Polizeileutnants Columbo gerät sie aber unter Druck...
Quelle: www.ofdb.de
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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buxtebrawler
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Re: Columbo: Lösegeld für einen Toten - Richard Irving (1971)

Beitrag von buxtebrawler »

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Columbo: Lösegeld für einen Toten

„Wie Sie Ihre Haltung bewahren – wirklich bewundernswert!“

Drei Jahre nach der ersten „Columbo“-Verfilmung „Mord nach Rezept“, einem für sich allein stehenden Film, produzierte man einen Pilotfilm für eine ganze Serie um den US-amerikanischen Mordermittler, die bekanntlich überaus erfolgreich jahrzehntelang eine Staffel nach der anderen hervorbrachte und der Figur Columbo zu ungeheurer Popularität verhalf. „Lösegeld für einen Toten“ ist der Titel dieses Pilotkrimis, für den erneut der erfahrene Fernsehserien-Regisseur Richard Irving gewonnen werden konnte. Das Drehbuch stammte von Dean Hargrove und die Erstausstrahlung erfolgte am 1. März 1971.

„Ich weiß, wie hysterisch Teenager sein können!“

Staranwältin Leslie Williams (Lee Grant, „Scheidung auf Amerikanisch“) täuscht die Entführung ihres Mannes Paul (Harlan Warde, „Ritt zum Galgenbaum“) und eine Lösegeldforderung vor, um an sein Vermögen zu gelangen. Als er eines Abends nach Hause kommt, erschießt sie ihn und fährt seinen Leichnam weg. Das von ihr eingeschaltete FBI glaubt, in einem Entführungsfall zu ermitteln und begleitet auch die ebenfalls fingierte, per Helikopter in der Luft stattfindende Lösegeldübergabe, doch Lieutenant Columbo beginnt schon früh zu zweifeln. Am nächsten Tag wird Pauls Leiche angeschwemmt, womit es sich von nun auch offiziell um einen Mordfall handelt, in dem Columbo ermitteln darf. In Margret (Patricia Mattick, „Panik in den Wolken“), der aus einem Schweizer Internat zurückgekehrten Tochter Pauls, findet er eine Verbündete, die wie er Leslie für die Mörderin hält…

„Ich bin ein komischer Kauz!“

In den ersten Minuten sieht man Leslie, wie sie einen klassischen Erpresserbrief aus Zeitungsschnipseln bastelt und ein Anrufbeantwortertonband manipuliert. In einer schönen Freeze-Frame-Szene erschießt sie ihren Mann. All dies geschah unaufgeregt, kontrolliert und perfektionistisch. Wer sie ist, wer ihr Opfer war und weshalb das alles, erfährt das Publikum nach und nach im weiteren Verlauf, beispielsweise wenn sie als Anwältin im Gerichtssaal auftritt – der Ort, an dem man ihr auch die Nachricht vom Tode ihres Mannes übermittelt, woraufhin sie einen von Columbo kritisch beäugten Nervenzusammenbruch simuliert. FBI-Agent Carlson (Harold Gould, „Das Arrangement“) verlangt, dass Columbo die Dame endlich in Ruhe lasse, doch das Gegenteil ist der Fall. Spätestens hier stellt sich aber auch die Frage, weshalb Columbo vorher überhaupt bereits involviert war; ein Aspekt, den die Handlung nicht erläutert.

„Sie denken wirklich sehr viel nach über Ihre… ‚kleinen Details‘.“

Mehr noch als im Gericht oder in den Unterredungen mit der Polizei lernt man Leslie Williams jedoch über Margret, die Tochter des Toten, kennen, die Leslie überraschend aufsucht und auch gleich ins Haus mit einzieht. Leslie und Margret hassen sich. Treten beide gemeinsam in Erscheinung, ist die Luft zum Schneiden. Bei der Beerdigung kommt es gar zum Eklat: Margret ohrfeigt Leslie. Leslie streicht ihr wiederum sämtliche Einkünfte. Margret sieht wie eine gruselige Streberin aus der Klosterschule aus, sodass es schwer – vermutlich schwerer als intendiert – fällt, mit ihr zu sympathisieren. Sie fälscht sogar Beweismaterial und wird aggressiv, woraufhin Columbo sie zur Ordnung rufen muss. Später wird sie Leslie richtiggehend terrorisieren und auf ihrem Anteil am Erbe bestehen.

„Ich werde nie wieder fliegen!“

Über Columbo erfährt man unterdessen, dass er unter leichter Flugangst leidet. Klar, dass er da nicht nur einen Rundflug mit der Mörderin unternehmen, sondern das Flugzeug zeitweise sogar selbst steuern muss! Peter Falks köstliches Mienenspiel währenddessen trägt leicht komödiantische Züge. Ferner lernt man die Gastwirtschaft kennen, in der Columbo mit Vorliebe Chili mit Crackern speist. Wie im Vorgänger „Mord nach Rezept“ kommt es zu einer Szene, in der der bzw. die Täter(in) Columbos Masche der gespielten Naivität, Unbeholfenheit und Zerstreutheit durchschaut und ihre Persönlichkeitsanalyse mit dem Lieutenant und somit auch den Zuschauer(inne)n teilt. Dennoch entspricht sie in erster Linie einer kultivierten und hochintelligenten, aber habgierigen und gewissenlosen schwarzen Witwe, die Columbo eine harte Nuss zu knacken gibt, letztlich aber seinen Spürsinn für Details unterschätzt hat. Bei diesen Details – und das macht einen großen Teil des besonderen Reizes dieser Episode und der Serie generell aus – handelt es sich um Kleinigkeiten, die auch dem Zuschauerinnen und Zuschauern sicherlich nicht aufgefallen sind, obwohl zumindest theoretisch die Möglichkeit dazu bestanden hätte.

„Und jetzt verhaften Sie mich oder verschwinden Sie von hier!“

Die Überführung der Mörderin am Ende ist von großem gegenseitigem Respekt geprägt, wie es ebenfalls ein Markenzeichen der Reihe werden sollte. Eine witzige epilogische Pointe schließt den Pilotfilm ab, der neben seinen erzählerischen Vorzügen auch mit leicht psychedelischen Effekten, während Columbo den Mord „nachstellt“, und etlichen kreativen Szenenübergängen beeindruckt. An den Nerven zerrt jedoch die höchst unsympathische Figur der Margret, von der niemand so genau weiß, weshalb sie diesen Fall eigentlich überlebte…
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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ugo-piazza
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Re: Columbo: Lösegeld für einen Toten - Richard Irving (1971)

Beitrag von ugo-piazza »

buxtebrawler hat geschrieben: Mi 17. Feb 2021, 17:09
Über Columbo erfährt man unterdessen, dass er unter leichter Flugangst leidet. Klar, dass er da nicht nur einen Rundflug mit der Mörderin unternehmen, sondern das Flugzeug zeitweise sogar selbst steuern muss!

Eine witzige epilogische Pointe schließt den Pilotfilm ab,
JETZT endlich verstehe ich, warum man von einem Pilotfilm spricht. :D
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Maulwurf hat geschrieben: Ugo, Du bist 'ne Wucht.
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buxtebrawler
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Re: Columbo: Lösegeld für einen Toten - Richard Irving (1971)

Beitrag von buxtebrawler »

ugo-piazza hat geschrieben: Mi 17. Feb 2021, 19:53 JETZT endlich verstehe ich, warum man von einem Pilotfilm spricht. :D
Haha, diese Analogie war mir gar nicht aufgefallen :D
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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fritzcarraldo
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Re: Columbo: Lösegeld für einen Toten - Richard Irving (1971)

Beitrag von fritzcarraldo »

Immer noch der Lieutenant.
Columbo - Lösegeld für einen Toten (1971)
Eine erfolgreiche Anwältin tötet ihren Mann und inszeniert darüber hin aus noch eine Entführung. Gewisse Ungereimtheiten lassen dabei nicht nur ihre Stieftochter misstrauisch werden, sondern auch Lieutenant Columbo.
Der zweite Pilotfilm. Deswegen immer noch eine längere Laufzeit von 94 Minuten. Aber auch hier wird schon ein höheres Tempo vorgelegt. Genau wie im ersten Fall holt sich Columbo Hilfe bei einer weiteren Person, also der Stieftochter. Darüber hinaus werden gewisse wiederkehrende Schrulligkeiten eingeführt. (Stichwort: Chili) Die Auflösung an sich ist schon sehr kurz geraten, aber Columbos Analyse der Mörderin ist schon ganz groß. ("Sie haben kein Gewissen!")
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