Columbo: Mord nach Rezept - Richard Irving (1968)

Eine Frage hätten wir da noch...

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buxtebrawler
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Columbo: Mord nach Rezept - Richard Irving (1968)

Beitrag von buxtebrawler »

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Originaltitel: Columbo: Prescription: Murder

Herstellungsland: USA / 1968

Regie: Richard Irving

Darsteller(innen): Peter Falk, Gene Barry, Katherine Justice, William Windom, Nina Foch, Andrea King, Susanne Benton, Sherry Boucher, Jim Creech, Virginia Gregg, Ena Hartman, Anthony James u. A.
Ein erfolgreicher Psychiater ermordet seine Frau und schafft sich mit Hilfe einer jüngeren Schauspielerin ein Alibi. Jedoch im dramatischen Duell mit dem Kriminalinspektor ist er schließlich der Verlierer.
Quelle: www.ofdb.de
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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buxtebrawler
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Re: Columbo: Mord nach Rezept - Richard Irving (1968)

Beitrag von buxtebrawler »

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Columbo: Mord nach Rezept

„…ist das vielleicht eine neue Art polizeilicher Ermittlungen?“

Die Figur des Ermittlers Columbo wurde einst von William Link und Richard Levinson erdacht, die ihre Inspiration Überlieferungen zufolge aus Untersuchungsrichter Porfirij Petrowitsch aus Dostojewskis „Schuld und Sühne“ bezogen. Columbo debütierte im Jahre 1960 in der Episode „Enough Rope“ der Serie „The Chevy Mystery Show“. Link und Levinson schrieben zwei Jahre später das erfolgreiche Theaterstück „Mord nach Rezept“, das wiederum einige Jahre später für einen gleichnamigen Fernsehkrimi unter der Regie Richard Irvings („Istanbul-Express“) adaptiert wurde. Dieser wurde am 20. Februar 1968 im US-Fernsehen erstausgestrahlt und wartete mit Peter Falk („Penelope“) in der Rolle des Columbo auf. Der Film avancierte zum ersten von zwei Pilotfilmen, denn ab dem dritten „Columbo“ aus dem Jahre 1971 ging man in Serie und entwickelte damit eine der beliebtesten und langlebigsten TV-Krimireihen.

„Sie sind bei Weitem der beharrlichste Mensch, der mir begegnet ist!“

In seinem Debüt „Mord nach Rezept“ ermittelt Columbo, hier noch Lieutenant, gegen den Psychiater Dr. Ray Flemming (Gene Barry, „Kampf der Welten“), ein angesehenes Mitglied der Oberschicht, das jedoch seine Frau Carol (Nina Foch, „Mein Name ist Julia Ross“) ermordet hat. Der Grund: Sie ahnte, dass ihr Mann eine Affäre hat und setzte ihm die Pistole auf die Brust: Entweder er beende sein Techtelmechtel oder sie würde sich nicht nur von ihm scheiden lassen, sondern einen Skandal heraufbeschwören und ihn finanziell ruinieren. Dr. Flemming machte daraufhin seine Geliebte, die attraktive junge Schauspielerin Joan Hudson (Katherine Justice, „Todfeinde“), zu seiner Komplizin. Er gab seiner Frau gegenüber vor, mit ihr in „zweite Flitterwochen“ nach Acapulco fliegen zu wollen. Stattdessen erwürgte er sie in der gemeinsamen Wohnung, ließ es wie einen Raubmord aussehen und trat die Reise mit Joan, verkleidet als seine Frau, an, die nach einem fingierten Streit im letzten Moment das Flugzeug verließ und ihn allein nach Mexico reisen ließ. Damit war sein Alibi perfekt – glaubte er…

„Eine natürliche Reaktion in Anbetracht der Umstände.“

Der spacige Vorspann erinnert an Rorschachtests, die ersten Szenen zeigen eine Feier der Wohlsituierten, zu der die Flemmings in ihr Anwesen geladen haben. Man spielt „Wer bin ich?“, Essen wird serviert – und Dr. Flemming ans Telefon gerufen. Angeblich ein dringender Fall, er müsse sofort los. In Wirklichkeit zieht es ihn jedoch zu Joan. Man erfährt nun, dass sie etwas zusammen planen, kann zu diesem Zeitpunkt jedoch allenfalls ahnen, worum es sich handelt. Die Durchführung des Mords wird anschließend minutiös gezeigt und dürfte manch sensibler Zuschauerin und manch ebensolchem Zuschauer ob Dr. Flemmings Kaltblütigkeit bei gleichzeitigem Perfektionismus tatsächlich etwas an die Nieren gehen. Schon früh verdeutlicht die Handlung, dass Joan bei Weitem nicht so abgebrüht ist und etabliert sie damit als mögliche Bruchstelle des Plans.

„Es ist eine gefährliche, zersetzende Intelligenz…“

Überraschend billig wirkt nach aller zur Schau gestellten Eleganz die Bluescreen-Projektion des Meers, auf dem sich Dr. Flemming angeblich in einem Boot befindet, um das vermeintliche Diebesgut verschwinden zu lassen – einer der wenigen Schwachpunkte dieser Inszenierung. Als Dr. Flemming schließlich nach Hause zurückkehrt, erwartet ihn bereits Columbo (damals noch mit anderem Synchronsprecher und sich selbst so aussprechend, wie er geschrieben wird, also mit „u“-Laut). Mrs. Flemming sei nach einem Mordversucht schwerverletzt noch am Leben. Sie läge im Krankenhaus und habe mehrmals Dr. Flemming Namen geröchelt. Für Columbo ist eigentlich bereits alles klar, doch als Mrs. Flemming dann doch ihren Verletzungen erliegt, beginnen seine Versuche, Dr. Flemming zu überführen.

„Ich mag Leute mit Ehrgeiz!“

Die Figur Columbo tritt hier zu großen Teilen bereits auf ihre unvergleichliche Weise auf, die zu ihrem Markenzeichen werden sollte: Columbo, ein etwas schlurfig und unbeholfen wirkender Ermittler italienischer Abstammung, behält sein exzellentes Kombinationsvermögen, seinen Spürsinn und seine Menschenkenntnis für sich, damit die Täter(innen) sich in falscher Sicherheit wähnen. Er inszeniert sich auf mehr oder weniger subtile Weise unterwürfig, schmiert den Verdächtigen Honig um ihre Mäuler, macht sich deren Eitelkeit zunutze und verwickelt sie in scheinbar belanglose, gespielt naive Plaudereien, um an Informationen zu kommen. Um Gelegenheiten zum Nachhaken zu erhalten, spielt er den Zerstreuten. Dass er ein einfacher Mann im (hier noch nicht so sehr) knittrigen Trenchcoat und mit betagtem Wagen ist, der gern von seiner Frau und seinem Hund erzählt, verstärkt das Identifikationspotential mit der Figur, zumal er es häufig mit sozial deutlich höhergestellten, erfolg- und einflussreichen Persönlichkeiten zu tun bekommt.

„Sie wirken auf mich wie ein durchtriebener Kobold, der seine Giftpfeile losschwirren lässt!“

Mehr als in späteren Episoden wird hier jedoch auch noch mit anderen polizeilichen Methoden wie einem falschen Geständnis oder dem Unterdrucksetzen der Komplizin gearbeitet (so forsch kennt man Columbo gar nicht bzw. wird er in Zukunft nur selten werden). Beides sorgt für zusätzliche Spannung, führt jedoch nicht zum Erfolg, sodass Columbo letztlich zum Fallensteller avancieren muss. „Mord nach Rezept“ zurrt das konzeptionelle Korsett, das für die gesamte Reihe Anwendung finden sollte, bereits fest und definiert den Verzicht aufs Whodunit? und den Wissensvorsprung des Publikums gegenüber dem Ermittler ebenso als Grundpfeiler einer jeden Episode wie den stets aufs neue angetretenen Beweis, dass dies keineswegs mit dramaturgischen Einbußen einhergehen muss, sowie die ebenso faszinierende wie charmante bis amüsante Art Columbos, seine Ermittlungen zu führen.

Ohne dass es ihm am Ende etwas genützt hätte, durchschaut Psychiater Dr. Flemming seinen Gegner und erklärt ihn innerhalb eines kongenialen Gesprächs zwischen Pro- und Antagonist gewissermaßen den Zuschauerinnen und Zuschauern. Diese mussten sich aber satte drei Jahre gedulden, bis sie nach diesem starken, mit einigen Überraschungen aufwartenden und clever erzählten Einstand Peter Falk erneut seine Paraderolle verkörpern zu sehen Gelegenheit bekommen sollten.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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fritzcarraldo
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Re: Columbo: Mord nach Rezept - Richard Irving (1968)

Beitrag von fritzcarraldo »

Als der Lieutenant noch der Lieutenant war.
Columbo - Mord nach Rezept (1968)
Der erste Columbo-Pilotfilm ist Blaupause für die Figur des Lieutenant/ Inspektors und ungewöhnlich zu gleich.
In Spielfilmlänge von 94 Minuten wird ein typischer Fall präsentiert. Ein Psychiater bringt seine Frau um. Ein ausgeklügelter Plan unter der Beihilfe seiner Geliebten und Patientin wird erdacht und ausgeführt. Columbo ermittelt und verdächtigt sofort den Psychiater, da es aus seiner Sicht viele Ungereimtheiten gibt. Alles was Columbo ausmacht ist hier schon zu sehen. Beharrlichkeit, Intelligenz, Schrulligkeit usw. Und nicht nur das. Es wird in den Gesprächen mit dem Verdächtigen auch gleich von seinem Gegenspieler erkannt und thematisiert. Ungewöhnlich ist natürlich die Laufzeit des Falls und daher sind eben diese Gespräche ausführlicher als das, was man dann später in der Serie zu sehen bekommt. Überhaupt ist alles ausführlicher. Die Einführung der Charaktere, die Planung, die Ausführung, die Beweisführung, die Auflösung usw. Ungewöhnlich ist auch Columbos Verhör der zweiten Verdächtigen, bei dem er sich im Prinzip wie ein "normaler" Cop verhält.
Alles in alles ein guter Columbo-Auftakt und ganze einfach ein toller Krimi.
"Das Leben ist noch verrückter als Scheiße!" (Es war einmal in Amerika)
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