Columbo: Wenn der Schein trügt - Harvey Hart (1976)

Eine Frage hätten wir da noch...

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Columbo: Wenn der Schein trügt - Harvey Hart (1976)

Beitrag von buxtebrawler »

Columbo - Now You See Him.jpg
Columbo - Now You See Him.jpg (18.24 KiB) 319 mal betrachtet

Originaltitel: Columbo - Now You See Him

Herstellungsland: USA / 1976

Regie: Harvey Hart

Darsteller(innen): Peter Falk, Jack Cassidy, Thayer David, Bob Dishy, Robert Loggia, Nehemiah Persoff, Cynthia Sikes u. A.
Der "Große Santini" (Jack Cassidy) ist ein gefeierter Bühnenmagier, der mit seiner Tochter Della im "Cabaret der Magie" einen vielbejubelten Auftritt allabendlich absolviert. Mit Clubbesitzer Jesse Jerome (Nehemiah Persoff) verbindet ihn jedoch eine ziemlich gezwungene Arbeitsbeziehung: da dieser seine SS-Vergangenheit aus Deutschland kennt, erpresst er Santini, die Hälfte seiner Einnahmen an ihn abzugeben. Als Santini die Nase voll hat und Jerome ihn an die Behörden bzw. Israel verraten will, entwirft Santini einen genialen Plan, den Besitzer zu erschießen, während er angeblich in einer mehrfach verschlossenen Kiste in einem Wassertank auf offener Bühne steckt. Natürlich ist das ein Trick, aber Cassidy sichert sich doppelt ab - doch Columbo (Peter Falk) fällt schnell etwas auf, was er sich einfach nicht erklären kann...
Quelle: www.ofdb.de
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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Re: Columbo: Wenn der Schein trügt - Harvey Hart (1976)

Beitrag von buxtebrawler »

„Könnten Sie ihn nicht einfach verschwinden lassen?“

Staffel 5, Episode 5 der langlebigen US-TV-Krimireihe: Wie gewohnt wird auf Whodunit? und Motivsuche verzichtet, wenn der Schein unter der Regie Harvey Harts trügt, der mit seiner letzten von vier „Columbo“-Episoden ein Drehbuch Michael Sloans verfilmte. Die US-Erstausstrahlung erfolgte am 29. Februar 1976.

„Santini ist schwer zufriedenzustellen…“

Der Zauberkünstler „Der große Santini“ (Jack Cassidy, „Im Auftrag des Drachen“) ist eine gefeierte Attraktion im Club „Cabaret der Magie“, regelmäßig führt er dort zusammen mit seiner Tochter Della (Cynthia Sikes, „Frauen waren sein Hobby“) sein Programm auf. Vom Clubbesitzer Jesse Jerome (Nehemiah Persoff, „Playhouse 90“) wird er jedoch erpresst: Er muss ihm die Hälfte seiner Einnahmen abtreten, damit dieser Stillschweigen darüber bewahrt, dass Santini eigentlich Stefan Müller heißt und ein gesuchter NS-Kriegsverbrecher ist. Als Santini das Spiel nicht länger mitmachen will, will Jerome sein Wissen mit der Einwanderungsbehörde und dem Staate Israel teilen, was Santini zu verhindern weiß: Inmitten seiner Aufführung, während seines Entfesselungstricks in einem Wassertank, bricht er Jeromes Bürotür auf und erschießt ihn, ohne persönliche Spuren zu hinterlassen. Da es nicht nur für versierte Ermittlerinnen und Ermittler leicht zu erraten wäre, dass es sich bei der Wassertanknummer um einen Trick handelt und zudem Teile der Belegschaft wissen, dass sich Santini nicht wirklich im Wassertank aufhält, illusioniert er zudem seine Anwesenheit in seiner Garderobe. Inspektor Columbo (Peter Falk) indes kommt bald dahinter, dass wohl nur Santini in der Lage war, das Türschloss aufzubrechen, sucht aber fieberhaft nach Beweisen für dessen Schuld…

„Ich kann in diesem Mantel nicht denken!“

Santini ist der Typ Mensch, der jedes einzelne Wort wohlüberlegt und elaboriert formuliert, der Wert auf Stil, Höflichkeit und Umgangsformen legt, der hochgradig intelligent und kontrolliert agiert, nichts dem zufällig überlässt – und damit genau Columbos Kragenweite, ein typischer Antagonist der Krimireihe. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Laufzeit wird für seine Auftritte vor Publikum aufgewandt, während derer er ganz klassisch Kaninchen aus dem Hut zaubert und auf Houdinis Spuren wandelnd Entfesselungstricks aufführt. Die Ausführung des Mordplans findet in Echtzeit statt und ist inszenatorisch ein noch einmal etwas faszinierenderer Kunstgriff als manch andere „Columbo“-Exposition. Das Spielchen, das Santini mit einem der Kellner aus der wuseligen Großküche spielt, ist Teil des minutiösen Plans, wenn auch etwas sehr leicht zu durchschauen.

„Ich weiß nicht, wie Sie das machen!“ – „Das will ich auch hoffen!“

Columbo erscheint schließlich in einem irritierenden neuen Mantel am Tatort – ein Geschenk seiner Frau –, was der Startschuss eines Running Gags ist: Ständig lässt er den ungeliebten Mantel irgendwo liege, um ihn loszuwerden, doch Sergeant Wilson (Bob Dishy) treibt ihn immer wieder auf und schleppt ihn dem Inspektor hinterher. Jener bereits aus „Blumen des Bösen“ (S2E2) bekannte Wilson tendiert generell ein wenig gen Comic Relief, wenn er Columbo einen Verdächtigen nach dem anderen präsentiert, obwohl dieser den Täter längst im Visier hat. Wie üblich pendelt der Inspektor bei seinen Versuchen, den Täter erst um den Finger zu wickeln und schließlich zu überlisten, zwischen charmant und nassforsch. So schaut er sich Santinis nächste Show an – die kurioserweise mir nichts, dir nichts ungeachtet der Ermordung des Clubbetreibers stattfindet –, bekommt sogar den Ehrenplatz und applaudiert frenetisch, als sei er leicht zu beeindrucken und dementsprechend im Geiste eher schlicht, nur um den Maestro währenddessen mit einer Handschellenwette zu überfallen. Eine große Rolle spielt auch besagte Küche, die nicht sonderlich vertrauenserweckend anmutet, kann sich mit der richtigen Jacke übergeworfen doch anscheinend jeder dort tummeln…

„Ich würde eher einen Mord gestehen als meine Tricks zu verraten!“

Das macht alles großen Spaß und ist schwer unterhaltsam – sowohl wegen der (wenn auch zuweilen etwas altbacken wirkenden) Zaubershows (mit Cynthia Sikes als Hingucker) als auch aufgrund des klassischen Columbo-versus-Täter-Intelligenzduells und nicht zuletzt der Kamera, die die Szenen häufig von starken Zooms auf Details ausgehend eröffnet. Am Ende schlägt Columbo Santini mit dessen eigenen Waffen und entzaubert so im wahrsten Sinne des Wortes einen alten Schlächter. Allein: Man mag sich den Einzelgänger Santini gar nicht so recht als uniformierten Teil einer Masse vorstellen und hätte dementsprechend gern mehr von seiner Vergangenheit erfahren. Diese gänzlich zu verbergen versuchte bezeichnenderweise die deutsche Synchronisation, die aus Santini einen englischen Bankräuber machte. Erst die Neusynchronisation aus den 1990ern hielt sich ans Original. Daraus, dass Santini etwas gegen den Freund seiner Tochter hat, hätte man gern noch etwas mehr machen können, aber das ist kritteln auf hohem Niveau. Cassidy mimte übrigens insgesamt dreimal den Täter innerhalb der „Columbo“-Reihe, bevor er leider bei einem Wohnungsbrand verstarb.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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