Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen

Moderator: jogiwan

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ugo-piazza
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Re: Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen

Beitrag von ugo-piazza »

Reinifilm hat geschrieben:
Mi 2. Jun 2021, 23:37
"Polizeiruf 110: An der Saale hellem Strande" - der war mal etwas anders, aber gut. Mehr Milieustudie als Krimi und
► Text zeigen
kommt natürlich nicht bei allen gut an (gab es auch schon mal bei einem Tatort, da aber dramaturgisches etwas besser verpackt).
Das neue Team ist super und die Darstellerinnen und Darsteller bis in die Nebenrollen auch großartig besetzt.
Wie gesagt - kein klassischer Krimi, aber mir hat der echt gefallen. 08/10
Ich hab den letzte Woche eher zufällig gesehen, und war dann doch so vom Werk eingenommen, dass ich Robert Aldrich beiseite schob und dran blieb. Ein verdammt mutiger Ansatz, einem Millionenpublikum eine Milieustudie unterzuschieben, bei dem die Auflösung des Mordfalls am Ende keinen Zentimeter weiter gekommen ist, aber mir hat der wirklich gefallen.

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karlAbundzu
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Re: Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen

Beitrag von karlAbundzu »

Tatort Berlin: Die Dritte Haut
Interessanterweise berichtete mir mein Bruder von Gegenden in Berlin, in dem wir beide gerne langschlawinerten, dass da die WOhnungsnotproblemtaik nicht mehr zu übersehen ist: Überall auf halbwegs graden Naturflächen sind Menschen am campieren oder einfach so am nächtigen, leben. Das war vor dem Tatort.
Und als er gedreht wurde, war noch nicht mal der Mietenspiegel wieder einkassiert.
Hier wird einiges verwoben, was das Thema hergibt: Mietervetreibung, halbgare Sanierung zur Mieterhöhung und Mietervertreibung, soziale Kälte, Problematik der Älteren, der Alleinerziehenden, Junge Leute, die auf Missstände aufmerksam machen, wie Hausverwalter, die erpressen. Aber auch die Zwänge, denen mittelständische Hausverwaltungen ausgesetzt sind.
Mittendrin Rubin und Karow, verbunden durch den Fall und harten, emotionslosen Sex, getrennt in Ansichten und Vorgehensweise.
Eingeblendet auch immer wieder Zitate und Gesichter Echter (?, weiß ich nicht genau, wirkt aber so) Obdachloser dass dem ganzen natürlich noch ein wenig mehr brechtschen Realismus gibt.
Auffällig auch, das der letzte Tatort der Saison der auffälligste Corona-Tatort ist, immer wir werden Masken getragen. Passt.
Und auch der Fall und das Whodunit war spannend, man rätselt mit, und ich persönlich wäre RUbins Vorschlag am Ende gefolgt, ich Sozialromantiker.....
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.

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Reinifilm
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Re: Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen

Beitrag von Reinifilm »

karlAbundzu hat geschrieben:
Mi 9. Jun 2021, 15:34
Tatort Berlin: Die Dritte Haut
Interessanterweise berichtete mir mein Bruder von Gegenden in Berlin, in dem wir beide gerne langschlawinerten, dass da die WOhnungsnotproblemtaik nicht mehr zu übersehen ist: Überall auf halbwegs graden Naturflächen sind Menschen am campieren oder einfach so am nächtigen, leben. Das war vor dem Tatort.
Und als er gedreht wurde, war noch nicht mal der Mietenspiegel wieder einkassiert.
Hier wird einiges verwoben, was das Thema hergibt: Mietervetreibung, halbgare Sanierung zur Mieterhöhung und Mietervertreibung, soziale Kälte, Problematik der Älteren, der Alleinerziehenden, Junge Leute, die auf Missstände aufmerksam machen, wie Hausverwalter, die erpressen. Aber auch die Zwänge, denen mittelständische Hausverwaltungen ausgesetzt sind.
Mittendrin Rubin und Karow, verbunden durch den Fall und harten, emotionslosen Sex, getrennt in Ansichten und Vorgehensweise.
Eingeblendet auch immer wieder Zitate und Gesichter Echter (?, weiß ich nicht genau, wirkt aber so) Obdachloser dass dem ganzen natürlich noch ein wenig mehr brechtschen Realismus gibt.
Auffällig auch, das der letzte Tatort der Saison der auffälligste Corona-Tatort ist, immer wir werden Masken getragen. Passt.
Und auch der Fall und das Whodunit war spannend, man rätselt mit, und ich persönlich wäre RUbins Vorschlag am Ende gefolgt, ich Sozialromantiker.....
Kann dem nur 100% zustimmen - ein sozialkritischer Tatort muss nicht immer automatisch ein guter Krimi sein, hier hat die Kombi aber sehr gut gepasst. Äußerst unangenehme Folge...
_______________________________________________________
http://www.reinifilm.blogspot.com / http://www.gamesunit.de

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buxtebrawler
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Re: Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen

Beitrag von buxtebrawler »

Zum "Tatort: Der Mann aus Zimmer 22" geht's hier:

:arrow: deutschland-f30/tatort-der-mann-aus-zim ... t5426.html
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Diese Filme sind züchisch krank!
Suche (dt. Sync): Dr. Jekyll und Mr. Hyde ('31) / The Last Song (Permanent Record)

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karlAbundzu
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Re: Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen

Beitrag von karlAbundzu »

Polizeiruf 110 München: Frau Schrödingers Katze
Eine alte Dame kommt in ein Polizeirevier, um das Verschwinden ihrer Katze zu melden. POK Elisabeth Eyckhoff findet gefallen an ihr, fährt sie nach Hause und hilft dann, die Katze zu finden. Das löst eine Ereignisreihe aus, die zu einem Unfall, verschiedenen Morden, Einbrüchen und zur Verhinderungen anderer Straftaten führen.
Wie schon der Titel zeigt, lehnt man sich hier an die Quantenphysik an, aber natürlich auf populärer Ebene und mit ironischem Unterton.
Also eher leichtfüssig, und das passt hier sehr gut. Klar, gibt es auch immer wieder tragische Töne und schließlich passieren auch Morde und die Gier der Menschen wird auch unverblümt gezeigt, andererseits gibt es mit dem Flirtereien zwischen Eyckhoff und dem theoretischen Physiker auch RomCom - Anteile. Die Musik macht dann auch den Ton: Ein Neo-Schlager von Erobique & Jacques Palminge feat. Yvon Jansen läuft am Anfang und hat eben genau die Mischung drin.
Eyckhoff ist ein Ein-Personen-Team, die sich zwar mit ihrem Chef reibt, aber beide in die gleiche Richtung mit ähnlicher Leidenschaft gehen. Fast schade, dass Eyckhoff zur Kripo wechselt, die Geschichte einer unterrangigen Uniformierten die die komplizierten Mordfälle aufklärt hat auch etwas. Aber Verhalten tut sie sich schon wie eine Tatort-Kripo-Kommissarin: Der Hang zu Selbstgängen, Verstärkng erst rufen, wenn es fast zu spät ist, Privatleben dem Job unterordnen, grüblerische Tendenzen. Wunderbar gespielt Verena Altenberger.
Apropos gespielt, auch hier wieder ein guter Cast, bei dem neben Altenberger vor allem Ilse Neubauer heraussticht. Wie umwerfend sie die leicht schusselige, ein wenig gutgläubige, doch sehr sympatische Seniorin spielt, das hat Verve, sie nimmt einen sofort für sich ein. Schöne Rolle für die erfahrene Schauspielerin, hätte ich als Gast gerne weiterhin dabei.
Gut!
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.

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Re: Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen

Beitrag von fritzcarraldo »

karlAbundzu hat geschrieben:
Mo 21. Jun 2021, 15:08
Polizeiruf 110 München: Frau Schrödingers Katze
Eine alte Dame kommt in ein Polizeirevier, um das Verschwinden ihrer Katze zu melden. POK Elisabeth Eyckhoff findet gefallen an ihr, fährt sie nach Hause und hilft dann, die Katze zu finden. Das löst eine Ereignisreihe aus, die zu einem Unfall, verschiedenen Morden, Einbrüchen und zur Verhinderungen anderer Straftaten führen.
Wie schon der Titel zeigt, lehnt man sich hier an die Quantenphysik an, aber natürlich auf populärer Ebene und mit ironischem Unterton.
Also eher leichtfüssig, und das passt hier sehr gut. Klar, gibt es auch immer wieder tragische Töne und schließlich passieren auch Morde und die Gier der Menschen wird auch unverblümt gezeigt, andererseits gibt es mit dem Flirtereien zwischen Eyckhoff und dem theoretischen Physiker auch RomCom - Anteile. Die Musik macht dann auch den Ton: Ein Neo-Schlager von Erobique & Jacques Palminge feat. Yvon Jansen läuft am Anfang und hat eben genau die Mischung drin.
Eyckhoff ist ein Ein-Personen-Team, die sich zwar mit ihrem Chef reibt, aber beide in die gleiche Richtung mit ähnlicher Leidenschaft gehen. Fast schade, dass Eyckhoff zur Kripo wechselt, die Geschichte einer unterrangigen Uniformierten die die komplizierten Mordfälle aufklärt hat auch etwas. Aber Verhalten tut sie sich schon wie eine Tatort-Kripo-Kommissarin: Der Hang zu Selbstgängen, Verstärkng erst rufen, wenn es fast zu spät ist, Privatleben dem Job unterordnen, grüblerische Tendenzen. Wunderbar gespielt Verena Altenberger.
Apropos gespielt, auch hier wieder ein guter Cast, bei dem neben Altenberger vor allem Ilse Neubauer heraussticht. Wie umwerfend sie die leicht schusselige, ein wenig gutgläubige, doch sehr sympatische Seniorin spielt, das hat Verve, sie nimmt einen sofort für sich ein. Schöne Rolle für die erfahrene Schauspielerin, hätte ich als Gast gerne weiterhin dabei.
Gut!
Alles drin! Alles gesagt bzw. geschrieben.
Wirklich guter Polizeiruf.
Hatte wirklich ein ruhiges Tempo, welches auch fast über die kompletten 90 Min. beibehalten wurde und trotzdem nicht langweilte.
"Das Leben ist noch verrückter als Scheiße!" (Es war einmal in Amerika)

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buxtebrawler
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Re: Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen

Beitrag von buxtebrawler »

Polizeiruf 110: Frau Schrödingers Katze

„Die theoretische Teilchenphysik find ich ganz spannend, aber viel leidenschaftlicher bin ich in der Beobachtung und Analyse menschlichen Verhaltens. Zum Beispiel frag ich mich, wie sich zwei völlig fremde Menschen an der Ampel treffen, ins selbe Restaurant gehen und sich dann auch noch gegenüber voneinander hinsetzen!“

Der dritte Münchener „Polizeiruf 110“ des Serienzweigs um die Polizeioberkommissarin Elisabeth „Bessy“ Eyckhoff (Verena Altenberger) ist Regisseur Oliver Haffners („Wackersdorf“) Debüt innerhalb der öffentlich-rechtlichen Fernsehkrimireihe. Er inszenierte ein Drehbuch Clemens Maria Schönborns. „Frau Schrödingers Katze“ wurde am 20.06.2021 erstausgestrahlt, es handelte sich um die letzte neue Episode vor der Sommerpause.

Die Seniorin Johanna Schrödinger (Ilse Neubauer, „Anna – Der Film“) beklagt bei der Polizeidienststelle das Verschwinden ihrer Katze Pandora. Während sich der unfreundliche Polizist in typischer Beamtenmanier für nicht zuständig erklärt, nimmt sich dessen Kollegin Elisabeth „Bessy“ Eyckhoff des Falls an. Sie fährt sogar zu Frau Schrödinger nach Hause und plauscht mit ihr, hängt anschließend Suchzettel aus. Karin (Lilly Forgách, „Die reichen Leichen: Ein Starnbergkrimi“) und Michael Meyer (Ferdinand Dörfler, „Sommer in Orange“) jedoch beobachten das mit Argwohn: Zwar geben die Eheleute vor, sich in erster Linie aus Nächstenliebe um den Haushalt Frau Schrödingers zu kümmern, in Wirklichkeit aber versuchen sie, die Dame übers Ohr zu hauen und mittels betrügerischer Machenschaften an ihr Haus zu gelangen. Derweil findet die jugendliche Vicky Neumann (Luna Jordan, „Kommissarin Lucas: Tote Erde“) Pandora und will sie nur gegen Finderlohn hergeben – und lernt Bessy den attraktiven Quantenphysiker Adam Millner (Camill Jammal, „Mutter reicht's jetzt“) kennen…

Zum wundervollen Titelstück „Wann strahlst du?“ von Erobique & Jacques Palminge, gesungen von Yvon Jansen, sind eine streunende Katze – das titelgebende Exemplar – und Bessy bei Dauerlauf und Training zu beobachten, bevor dieser „Polizeiruf 110“ seine eigentliche Richtung einschlägt: Die Verbindung einer zwar in München spielenden, jedoch wie eine schnurrige Provinzposse inszenierten, angeschwärzten Kriminaltragikomödie mit quantenphysikalischen Gedankenspielchen und einer leider nur halbherzig darauf ausgerichteten Handlung. „Frau Schrödingers Katze“ hat ein, zwei witzige Flirts Bessys mit Millner, ebenso viele Tote sowie ein prima aufgelegtes Ensemble und eine eigentlich recht sympathische Geschichte zu bieten, verzichtet jedoch zugunsten eines entschleunigten, gemütlichen, sommerlich-leichten Sonntagabends auf ernstzunehmende Spannung, gönnt seinem Publikum gar einen fast vollumfänglichen Wissensvorsprung gegenüber der Polizei.

Das ist „nett“, aber schnell alles andere als aufregend, zumal sich die Prämisse um die Quantenphysik als Rohrkrepierer erweist, der diese Episode nicht einmal ansatzweise in eine experimentelle Richtung drängt. So wohnt man der attraktiven Altenberger bei, wie sie sich rührend einer betagteren Dame annimmt und ihren Flirt für die Klärung eines Falls im Restaurant sitzenlässt, kann dabei aber gut seine Aufmerksamkeit teilen und nebenbei andere Sachen erledigen – die Dinge nehmen nachweisbar ihren Lauf, auch ohne dass sie unter permanenter Beobachtung stehen…
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Diese Filme sind züchisch krank!
Suche (dt. Sync): Dr. Jekyll und Mr. Hyde ('31) / The Last Song (Permanent Record)

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