#45 - THE HATEFUL EIGHT
Filmdaten:
OT: The Hateful Eight
Land/Jahr: USA/2015
Regie: Quentin Tarantino
Darsteller: Samuel L. Jackson, Kurt Russell, Jennifer Jason Leigh, Walton Goggins, Demian Bichir, Michael Madsen, Tim Roth, Bruce Dern, Channing Tatum, James Remar und Zoe Bell.
Handlung:
Irgendwo im verschneiten Wyoming, einige Jahre nach dem Bürgerkrieg. Eine Postkutsche auf dem Weg nach Red Rock kämpft sich durch die Landschaft. An Bord sind der Kopfgeldjäger John Ruth (Kurt Russell), seine Gefangene Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) und zwei erst auf dem Weg zugestiegene Passagiere: Major Marquis Warren (Samuel L. Jackson), ein ehemaliger Soldat, der sich nun ebenfalls als Kopfgeldjäger verdingt, und Chris Mannix (Walton Goggins), der angibt, der neue Sheriff von Red Rock zu sein. Ein Schneesturm zwingt sie alle, in einer Station Zuflucht zu suchen. Dort verstecken sich bereits Bob (Demian Bichir), der den Laden in Abwesenheit der eigentlichen Chefin schmeißt, Oswaldo Mobray (Tim Roth), der Henker von Red Rock, der Cowboy Joe Gage (Michael Madsen) und der ehemalige Konföderierten-General Sanford Smithers (Bruce Dern) vor dem Wetter.
Schnell nehmen die Spannungen in der Gruppe von misstrauischen Raubeinen zu, nachdem man sich anfangs noch bestens unterhalten hat. Doch bald ist klar, dass einer der Anwesenden alle anderen umbringen will…
Kritik:
Das ist er also, der von vielen Tarantino-Fans ersehnte 8. Film des noch immer nicht wirklich im Mainstream-Kino angekommenen Filmemachers.
- Reservoir Dogs meets Cocktail für eine Leiche -
So oder so ähnlich kann man THE HATEFUL EIGHT am besten auf den Punkt bringen.
Ein Western, der kein richtiger Western ist, also sich weniger dessen Mechanismen bedient, nichtsdestotrotz passt das gewählte Western-Szenario bestens, da die kalte, lebensfeindliche Bergwelt sich in den Charakteren der "Hasserfüllten" widerspiegelt. So findet der geneigte Zuschauer keine Identifikationsfigur, da hier wirklich jeder perfide ist und nur an seinen Vorteil denkt, wobei die Motive von Rache über Geldgier bis hin zu ... nein, es soll an dieser Stelle nicht zu viel verraten werden.
Nach der stimmungsvollen Einführung, bei dem die Totale des verschneiten Kreuzes, unterlegt vom Score des Meisters Morricone, bereits andeutet, was die Protagonisten erwartet, stellt die Kutschfahrt den ersten Höhepunkt des Filmes dar. Die typischen, pointierten Dialoge führen nicht nur gekonnt die Charaktere ein, sondern sprühen auch von Wort- und vor allem Situationswitz.
Leider gerät die nächste Stunde in "Mimis Miederwarenladen" etwas zu lang, sind die Dialoge für Tarantino-Verhältnisse teils ein klein bisschen zäh. Tarantino übertreibt es ein wenig mit dem Kammerspiel, da die Dialoge nur zum Teil originell sind und die Story einfach zu linear und etwas überraschungsarm ist.
Dann zieht aber das Tempo wieder an, die Atmosphäre ist zum Zerreißen gespannt, bevor sie sich in der für Tarantino typischen Gewalteruption entlädt. In einer Rückblende erfährt man mehr über das Geschehen vor dem Eintreffen der Kutsche, mit viel Blut wird in leichter Hitchcock-Manier (ohne dessen Genialität zu erreichen) die Auflösung präsentiert und die wenig komplexe Story zu ihrem zynisch-blutigen Ende geführt.
Die darstellerischen Leistungen reichen von blass, über solide bis grandios. Kurt Russell spielt souverän, Tim Roth überzeugt als "Christoph Waltz-Ersatz", stark, wie eigentlich immer, Samuel L. Jackson, dem aber von Walton Goggins (leider geht in der dt. Synchro der Südstaaten-Akzent unter) und vor allem Jennifer Jason Leigh die Show gestohlen wird. Blass bleiben Michael Madsen und Bruce Dern, der in seiner Rolle als ehemaliger Südstaatengeneral wenig Akzente setzen kann.
Die Kamera spielt ihre Stärken vor allem bei den Außenszenen aus, fängt aber auch geschickt das Spiel der Protagonisten in Mimis Laden ein.
Eine Demontage der Vorbilder Tarantinos konnte ich nicht ausmachen, da er weder versucht, ein Italo-Remake zu drehen, noch sich über deren "Schwächen" lustig macht. In einigen Einstellungen kann man Andeutungen bestimmter Szenen (Kreuz, "Engel") hineininterpretieren, die aber eher als Hommage erscheinen.
Fazit: Bei fast drei Stunden Laufzeit und einer sehr dialog-lastigen, nicht zu jeder Zeit überzeugenden ersten Hälfte, darf man sich auf eine furiose zweite Hälfte freuen, die geschickt klassischen Krimi mit blutiger Action zu verbinden weiß. Filmfreunde, die mit den Werken Tarantinos etwas anfangen können, werden nicht enttäuscht sein, sofern sie keinen weiteren Pulp Fiction oder gar einen Italo-Western erwarten.
8/10
(Wertung nach der Erstsichtung und mit leichter Tendenz nach oben)