Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

It couldn't happen here / Pet Shop Boys - Der Film

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01.png (157.37 KiB) 120 mal betrachtet
Die beiden Musiker der Pet Shop Boys streifen durch einen britischen Küstenort, der im Herbst nur noch von wenigen Menschen bevölkert ist. Dort treffen sie allerdings rasch auf Menschen mit sehr sonderbaren Befindlichkeiten irgendwo zwischen humorvoll verschroben und völlig daneben. Selbst die seltsamsten Begegnungen werden jedoch mit britischer Gelassenheit und einer natürlichen Selbstverständlichkeit quittiert und zwischendurch ein paar Songs zum Besten gegeben.

Sonderbare Musikfilme gibt es ja gar nicht so wenige, aber „It couldn’t happen here“ ist wohl ganz vorne dabei, wenn es um Filme geht, die die Erwartung der Fans wohl nicht erfüllt haben. Der Streifen entpuppt sich ja als Musikfilm-Kuriosum bzw. britisches Roadmovie mit den zwei Mitgliedern der Pet Shop Boys, die von einer skurrilen Situation in die nächste kommen und dabei völlig verschrobenen Figuren begegnen. Dabei ist der Film teils auch sehr surreal und wirkt traumartig, rätselhaft und ohne lineare Handlung bzw. wird auch gar keine Geschichte erzählt geschweige denn die Songs des Duos irgendwie harmonisch in die bizarr anmutende (Nicht-)Handlung integriert. Der Auftakt ist ja schon sehr schräg bzw. gewöhnungsbedürftig und auch wenn die Songs der Pet Shop Boys sehr zugänglich sind, so ist bei „It couldn’t happen there“ dann wohl das Gegenteil der Fall. Fast so als hätten sich Ken Russel und Monty Python zusammengeschlossen um britische Befindlichkeiten zu zelebrieren, die man außerhalb des Königreichs wohl nur noch verwundert zur Kenntnis nehmen kann. Figuren kommen und gehen und seltsame Dinge geschehen - dazu gibt es „West End Girls“, „It’s a Sin“ und „You are always on my Mind” und zwei Musiker, die sich mit stoischer Miene und ohne Gefühlregung auch durch nichts aus der Ruhe bringen lassen. Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht so recht, was ich davon halten soll und auch wenn man neidlos zugestehen muss, dass hier ein völlig sonderbares Feuerwerk der Skurrilitäten abgefackelt wird, dass aber sehr eindeutig nicht das Ziel hat, sich dem Zuschauer zu erschließen oder etwas über das Leben der beiden Musiker zu verraten.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Der Phantom-Killer schlägt zu

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01.png (150.8 KiB) 110 mal betrachtet
Die durchtriebene Ex-Tänzerin Denise betrügt ihren wohlhabenden Ehemann Peter ausgerechnet mit dessen Zwillingsbruder John, der so wie die untreue Gattin jedoch finanziell von ihm abhängig ist. Als auch noch ein Ex-Lover aus der Vergangenheit auftaucht um Geld zu erpressen, beschließen John und Denise einen lang gehegten Plan in die Tat umzusetzen. Mit Hilfe eines Drogencocktails, die Macht der Suggestion und anderen unschönen Dingen soll der Epileptiker Peter in den Wahnsinn getrieben werden, damit die Gattin und ihr Lover als Sachwalter über dessen Vermögen bestimmen können. Der Plan scheint auch aufzugehen und während John und Denise die Unschuldigen mimen, droht Peter immer mehr den Verstand zu verlieren…

Als eingefleischter Giallo-Fan ist man ja bizarre Handlungsverläufe, krude Auflösungen und seltsame Motive eigentlich gewohnt, aber was die italienisch-spanische Co-Produktion aus dem Jahr 1969 dem Zuschauer zumutet, spottet ja schon jeglicher Beschreibung und muss man auch mit eigenen Augen sehen haben. Ich habe schon lange nicht mehr einen derart wirren Streifen gesehen, bei dem man auch wie der Hauptprotagonist auch zwangsläufig die Orientierung verlieren muss. Die Sache mit den eineiigen Zwillingen, die auch gerne mal die jeweilige Rolle übernehmen macht die Sache ja auch nicht gerade einfach und auch die Handlung ist völlig konfus geraten. Diese beginnt ja eigentlich recht hoffnungsvoll mit ein paar saloppen Sprüchen um dann auf einmal völlig durch die Decke zu gehen. Dann ist „Der Phantom-Killer schlägt zu“ auf einmal nicht mehr der simple und leicht trashige Thriller mit spanischer Note, sondern überraschend düster und nihilistisch ausgefallen. Alles in dem Streifen wirkt dann hochgradig seltsam, unvorhersehbar und trotz seiner kleineren Mängel zugleich auch schwer unterhaltsam. Vielleicht ist Javier Setòs Streifen dabei eher nicht als zugängliche Einstiegsdroge für Neulinge in Giallo-Genre geeignet, sondern präsentiert sich eher wie der überdosierte Speedball, der den geneigten Fan ins Nirvana schießt. Für mich als Gialloholic schon eine der schönsten Entdeckungen des heurigen Jahres.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Mein Lehrer, der Krake

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01.png (184.64 KiB) 101 mal betrachtet
Ein Filmemacher mit Burn-Out besinnt sich seiner Jugend am Kap der Guten Hoffnung und beginnt sein Leben zu entschleunigen, neu zu ordnen, die Natur unter Wasser neu zu entdecken und begegnet dabei einem Octopus, den er sein eher kurzes Leben lang begleitet. Ein wirbelloses Lebewesen, das sich über die Jahrtausende perfekt an den Lebensraum unter Wasser und seine Feinde angepasst hat und auch sonst voller Überraschungen steckt…

Oscar-prämierte Doku auf Netflix über einen Filmemacher, der sich mittlerweile dem ökologischen Gleichgewicht im Meer verschrieben hat, 90 Minuten lang sich und das Leben unter Wasser präsentiert und dabei mit wunderbaren Bildern auch die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft erzählt. Womit wir auch schon beim größten Problem des Streifens sind. Der Mensch braucht bzw. verlangt nach guten Geschichten und neigt dazu, gerade bei Tieren bestimmte Dinge und Handlungen auf seine Weise zu interpretieren. Gerade in Zeiten wie diesen will man hoffnungsvolle Storylines über das Gute im Menschen und das Internet ist voll mit Vermenschlichung von Tieren und diesen Dingen, mit denen auch superhohe Klickraten generieren kann. Auch „Mein Lehrer, der Krake“ geht in diese Richtung und der ausgebrannte Filmemacher am Tiefpunkt seines Lebens projiziert seine Erwartungen und Hoffnungen in ein wirbelloses Wesen unter dem Meer, dass auch für einige Überraschungen gut ist. Doch die Natur zu schützen, auf sich und andere zu achten und den Kreislauf des Lebens zu akzeptieren sind Dinge, dafür brauche ich keine hübsch erdachte Storyline. Leutchen, die hier eine Träne verdrücken, ihr Schnitzel beim Diskonter kaufen und auch sonst nichts auslassen um die Ressourcen des Planeten nachhaltig zu zerstören halte ich persönlich auch für sehr heuchlerisch. „Mein Freund, der Krake“ ist auch als Doku auch eher zu vernachlässigen, sondern ist eher die märchenhaft wirkende Geschichte, nach der sich offensichtlich gerade sehr viele Menschen sehnen.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Searching for Sugar Man

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01.jpg (19.45 KiB) 89 mal betrachtet
Ich mag den Film immer noch sehr, auch wenn sich in der Zwischenzeit doch einige Dinge über "Searching for Sugarman" etwas relativiert haben. Die märchenhafte Geschichte des Streifens hält der Realität nicht ganz stand und der Regisseur war wohl depressiv und hat zwischenzeitlich Selbstmord begangen. Ja, der Sänger ist wohl mit schlechten Verträgen übelst abgezockt worden und blieb bei seinem bescheidenen Leben, während sich andere wohl eine goldene Nase verdient haben. Die späte Anerkennung präsentiert sich ebenfalls wunderbar und als ausgleichende Gerechtigkeit, die man dem Sänger so sehr wünscht. Es hat aber wohl auch seinen Grund, warum man recht wenig über den Menschen, sein Leben, die Entstehung seiner Musik, seine politischen Ambitionen und dergleichen erfährt. Erfolge und Tourneen in Australien werden nicht erwähnt und so viele andere Dinge werden entweder nur kurz angerissen oder gleich weggelassen, die der Storyline des von der Bildfläche verschwundenen und zufällig wieder entdeckten Künstlers torpedieren könnten. Der Mythos wird weiter aufrecht erhalten und man wählt eine einseitige Schilderungsweise, die mit schönen Bildern und bestimmten Statements noch weiter befeuert wird. Der Mensch sehnt sich nach guten Geschichten und dennoch ist das schade und man fühlt sich irgendwie schlecht, diese mit seiner eigenen Neugier zu relativieren. Manche Geschichten sind dann einfach tatsächlich zu gut um wahr zu sein, oder werden im bestimmten Anlässen einfach dazu gemacht.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Psycho Goreman

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01.png (183.41 KiB) 74 mal betrachtet
Beim Spielen im Garten finden die beiden Geschwister Mimi und Luke in einem aufgegrabenen Loch ein seltsames Ding, dass sich als Gefängnis eines bösen Warlords aus fernen Galaxien entpuppt. Flugs ist dieser aus seiner steinernen Behausung befreit und wird auf den Namen „Psycho Goreman“ getauft. PG macht auch keinen Hehl daraus, dass er die Menschen hasst und den Planeten zerstören möchte, doch da Mimi einen Kristall behält, mit dem sich das übellaunige Wesen kontrollieren lässt, wird dieser kurzerhand zum neuen Spielkameraden degradiert. Mimi ist von ihrer neuen Macht begeistert ist und nutzt diese um ihr Umfeld weiter nach ihrem Belieben zu gestalten. Als jedoch auch außerirdische Mächte von der Befreiung des bösen Warlords Wind bekommen, schicken diese ebenfalls Krieger auf die Erde, wo eine große Schlacht zwischen Gut und Böse unvermeidlich scheint…

Für „Psycho Goreman“ aus dem kanadischen „Astaron-6“-Umfeld wurde ja in den letzten Monaten online ja ordentlich die Werbetrommel gerührt, was mich persönlich bei den ganzen Vorschusslorbeeren ja in Kombination mit der eher niedrigen FSK-Freigabe etwas stutzig gemacht hat. Da der Streifen entpuppt sich rasch als schwer sympathische Mischung aus trashigen „Sci-Fi“-Spektakel, spaßiger Gore-Platte und „Coming-of-Age“-Komödie mit dem Herz am richtigen Fleck. Zwar ist der Streifen alles andere als perfekt und vor allem die Figuren wirken zuerst einmal etwas gewöhnungsbedürftig, aber ist man erst einmal in der völlig überdrehten Geschichte, macht diese auch großen Spaß. Die Macht eines übellaunigen Kriegers in den Händen einer frühreifen Göre mit Allmachtsfantasien kann auf Dauer ja auch nicht gutgehen und dennoch hat „Psycho Goreman“ auch gleichzeitig ein großes Herz für Außenseiter auf allen Seiten. Dazu kommen handgemachte Effekte und ein gelungenes Creature-Design, dass große Kinder, die mit den gleichen Einflüssen wie der Regisseur aufgewachsen sind, mehr als begeistern dürfte. Sicher hätte man das ein oder andere besser machen können, aber auch so ist „Psycho Goreman“ eine kurzweilige und humorvolle Angelegenheit, bei der auch kein Auge trocken bleibt. Ich bin mir noch immer nicht sicher, ob die Mischung so tatsächlich funzt, oder der Streifen nur meinen Geschmack getroffen hat, aber irgendwie ist das die „Stranger Things“-Variante für B-Movie-Fans, auf die ich zwar nicht gewartet habe, aber die ich dennoch nicht missen möchte. „Psycho Goreman“ ist eine lustige und prall gefüllte Wundertüte für humorvolle Menschen mit Hang zum Schmodder, bei der vielleicht nicht alle Beigaben gleichwertig daherkommen, aber dennoch im Gesamten durchaus begeistern kann.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Scare Campaign

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Seit mehreren Staffeln entwickelt und dreht Marcus und sein Team die erfolgreiche Serie „Scare Campaign“ in der ahnungslose Menschen mit furchterregenden Szenarien „geprankt“ werden. Doch das Konzept scheint ausgelutscht und überholt und die Produzentin fordert drastischere Bilder, mit denen man sich wieder ins Bewusstsein der breiten Masse zurückkatapultieren möchte. Daher sollen in einer weiteren Episode die Grenzen des Zeigbaren ausgelotet werden und man entwirft ein Szenario, dass an Mario Bavas „Die toten Augen des Dr. Dracula“ angelehnt ist. Als alles dafür konzipiert wird und das vermeintliche Opfer auf der Bildfläche erscheint, wirkt dieses jedoch psychisch labil. Als die Dreharbeiten entwickeln, läuft zunehmend alles aus dem Ruder und die Geschehnisse vor Ort entwickeln sind völlig anders als geplant…

Schwarzhumoriger Horror-Streifen der australischen „100 Bloody Acres“-Macher, die hier grenzwertige TV-Formate auf die Schippe nehmen und ein Szenario entwickeln, bei dem man sich irgendwie auch nie ganz sicher sein kann, wer hier gerade wem einen Streich spielt. Zuviel möchte man ja nicht verraten und lässt man sich unbefangen darauf ein, ist „Scare Campaign“ auch eine spaßige Sache, die mit ihrer relativ kurzen Laufzeit auch durchaus unterhalten kann. Andererseits mutet das Drehbuch auch ein paar Twists zuviel zu und vor allem gegen Ende wird es dann doch etwas zu turbulent und die Glaubwürdigkeit hat sich auch bereist in der Mitte verabschiedet. Lustig ist natürlich der vom TV-Macher ausgewählte Geist, der mit seiner Optik von Mario Bavas „Die toten Augen des Dr. Dracula“ inspiriert ist. Das freut natürlich den Italo-Fan und macht die ganze Sache gleich noch sympathischer. Auch sonst ist den beiden Regisseuren ein durchaus spannender Streifen gelungen, der als blutiger Snack zwischendurch gute Laune verbreitet.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Gretel & Hänsel

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01.jpg (16.02 KiB) 55 mal betrachtet
In einer Zeit voller dunkler Geschichten und Aberglauben werden die Geschwister Gretel und Hänsel von der eigenen Mutter vor die Türe gesetzt. Auf der Suche nach Essen und einer Siedlung von Waldmenschen landen sie relativ rasch vor dem Haus einer alten Frau, die die beiden Kinder mit Essen und allerlei seltsamen Ratschlägen versorgt. Also beschließt man ein paar Tage bei der vermeintlich freundlichen Frau zu bleiben und während Hänsel seine Tage im Wald und mit Essen verbringt, lernt Gretel von der alten Frau Kräuterkunde und erfährt auch mehr über ihr Leben, dass seit Kindheit an von seltsamen Visionen und düsteren Vorahnungen begleitet ist, ehe sich diese an dem düsteren Ort ebenfalls zu bewahrheiten scheinen…

Schön in Szene gesetzter Streifen für Erwachsene, die Motive von Grimms-Märchen aufgreift, die Geschichte auseinandernimmt und auch die Figuren in neuer Relation zueinander setzt. Dabei ist auch der Ansatz ein völlig anderer und der Streifen entwickelt in wunderschönen Bildern und ruhiger Erzählweise eine völlig eigene Atmosphäre, die ich auch sehr ansprechend fand. Natürlich wird es auch Leute geben, die „Gretel & Hänsel“ eher langweilig finden werden und auch die Geschichte etwas dem Zeitgeist angebiedert, aber ich fand die Mischung aus Arthouse, Horror und bedeutungsschwangerer Szenerie doch recht spannend. Die Bilder sehen grandios aus und auch die Settings und das Sounddesign, an denen sich die Handlungszeit nur schwer festmachen lässt, haben mir außerordentlich gut gefallen. Darstellerisch gibt es ebenfalls nichts zu meckern und sowohl Sophia Lillis als Gretel und das Wiedersehen mit Alice Krige („Schlafwandler“) hat mir große Freude bereitet. Am besten unvorbereitet und unbefangen in das Geschehen eintauchen, die Verweise an das italienische Genre-Kino entdecken und 85 Minuten herrlich entrückte Stimmung mit abgründigen Folklore-Horror am eigenen Leib und mit allen Sinnen genießen.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Winterbeast

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Es gibt gute und schlechte Filme und es gibt „Winterbeast“ – ein Film der sich dem Zuschauer als Herausforderung präsentiert und an dem viele Jahre mit vielen Unterbrechungen gearbeitet und auf Super8 und 16mm gedreht wurde. Dass in vielen Szenen die Darsteller merklich Jahrzehnte älter sind könnte man dem Streifen ja noch verzeihen, genauso die eher billig erscheinenden Gore-Momente und Stop-Motion-Effekte oder dass Figuren auftauchen und wieder verschwinden. Doch die Geschichte ist so wirr, die Dialoge so sinnbefreit und alles so dämlich zusammengeschustert, dass es jeglicher Beschreibung spottet und fast schon wieder irgendwie lustig ist. Naja, aber leider nur fast. Ohne Überraschungseffekt der Erstsichtung ist „Winterbeast“ ja schon irgendwie nicht so der Bringer und präsentiert sich eigentlich auch nur als bestes Beispiel, wie man es eigentlich machen sollte. Hier passt auch so gar nichts mehr zusammen und manche Szenen hat man einfach so in den Film gepackt um noch irgendwie auf 70 Minuten zu kommen. Dass so etwas mittlerweile sogar auf Blaustrahl veröffentlicht wird, zeigt aber, dass sich der Einsatz der Macher ja doch irgendwie ausgezahlt hat und ein langer Atem manchmal auch zu einem Happy End führen kann. Unterhaltsam ist „Winterbeast“ meines Erachtens beim zweiten Mal aber dennoch maximal nur aus den falschesten Gründen.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Donnie Darko

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01.jpg (53.49 KiB) 33 mal betrachtet
jogiwan hat geschrieben:
Mo 12. Mär 2018, 07:18
Wie bereits geschrieben, halte ich „Donnie Darko“ ja für einen der wichtigsten Filme der Nuller-Jahre, in dem auch vieles zusammenkommt, was ich an Genres mag. Einerseits ist Richard Kellys-Streifen ein packendes Teen-Angst-Drama über einen Jungen, der mit seinem Leben, seiner Umwelt und seinen Wahrnehmungen nicht so richtig zurande kommt und das mit Zeitreise-, Mystery- und Thriller-Elementen vermengt ist. Dabei geht es im Grunde um Verantwortung, Vorahnung, Schicksal und solchen bedeutungsschwangeren Kram, der hier aber auf sehr interessante Weise ohne viel Pathos präsentiert wird. Die Geschichte mit seinen spannenden Figuren lässt sich auf vielerlei Weise deuten, wächst mit jeder Sichtung und als Zuschauer bemerkt man neue Elemente, die eine neue Sicht auf die miteinander verwobenen Schicksale wirft. Darstellerisch ist der hübsch gemachte Streifen eigentlich ganz großartig und Seth Rogen in einer kleinen Nebenrolle ist mir eigentlich auch gestern erst so richtig aufgefallen. Auch die Musik weiß (in der von mir präferierten Kinoversion) zu gefallen und mit dem tollen 80er-Soundtrack passt das ja momentan auch ganz gut zu unserem derzeitigen 80er-Fred. „Donnie Darko“ ist dann wohl auch der ideale Auftakt für meine diesjährige Zeitreise-Film-Retrospektive, die mir in den nächsten Wochen hoffentlich noch die unterschiedlichsten Facetten dieser ungemein spannenden Angelegenheit näher bringen wird.
Gestern nochmal in Gesellschaft geguckt und mir ist ja bislang auch nie so richtig aufgefallen, wie viel John Hughes in dem Streifen steckt. Ich finde "Donnie Darko" immer noch ganz großartig. Toller Film!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Sklaven ihrer Triebe

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01.jpg (34.22 KiB) 22 mal betrachtet
Ein sehr seltsamer Film mit seltsamen Menschen und einer Geschichte über Macht, Korruption und wie die Aussicht auf Geld wieder einmal die schlechtesten Charaktereigenschaften hervorbringt. Hier ist es die völlig unsympathische Mudy mit Yacht und dickem Geldbeutel, die wie eine Gebieterin über ihr Personal und andere Menschen verfügt um einen höchst zweifelhaften Plan zur Genesung ihres psychisch labilen Jungen umzusetzen. Doch die Leutchen, die scheinbar ausgenutzt werden, sind charakterlich keinen Deut besser und haben ihrerseits keine Probleme, sofort gesellschaftlich schlechter gestellte Menschen ebenfalls ins Verderben zu führen. Geld regiert eben die Welt und die Aussicht darauf lässt auch eher unscheinbare Menschen ihren Stolz vergessen. Die eher hässliche Geschichte über Kapitalismus und Kolonialisierung wird aber stets mit körperlichen Vorzügen der beiden attraktiven Darstellerinnen Rosalba Neri und Edwige Fenech überdeckt und wer will, kann die Geschichte natürlich auch ganz anders interpretieren. Unterhaltsam sind natürlich auch die Dialoge und zwischenzeitlich passiert auch sonst genug, dass man aus dem Staunen nicht herauskommt. Hinter einer hübschen Fassade lauert bekanntermaßen auch oftmals das abgrundtief Hässliche. Sympathisch geht jedenfalls anders und daher ist "Sklaven ihrer Triebe" auch kein Film für die Kategorie „Lieblingsfilm“ sondern eher ein Kuriosum, bei dem ich mir aber nicht sicher bin, ob die Aussage das Streifen, so wie sie bei mir angekommen ist, auch tatsächlich so beabsichtigt war.
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