Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

The Ugly Stepsister

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01.jpg (34.13 KiB) 159 mal betrachtet
Grotesker und definitiv nicht schön anzuschauender Streifen über Selbstwahrnehmung, die Auswüchse des Schönheitswahns und was so alles passieren kann, wenn man als Frau der Männerwelt gefallen möchte. Die Geschichte ist eine Abwandlung des bekannten „Aschenputtel“-Motivs, nur dass dieses aus der Sicht der Stiefschwester erzählt wird, die hier im Schatten ihrer hübschen Konkurrentin um die Gunst eines reichen Prinzen buhlt. Der ist zwar eine ordinäre Milchsemmel, aber dennoch ist die etwas naiv wirkende Agnes und vor allem ihr Umfeld wirklich zu allem bereit, wenn es darum geht, diesen für sich zu gewinnen. Dabei wandelt „The Ugly Stepsister“ auf Body-Horror-Pfaden, hat mehr als nur einmal Szenen, die nicht so einfach zu verdauen sind und ist dabei verdammt originell und stets unberechenbar. Bisweilen wirkt das Ganze wie eine grobschlächtige Abrechnung mit Disney-Prinzessinnen und Märchen-Mythos und recht eindrucksvoll zeigt, wie Generation schon von sehr früh an mit brutalen Geschichten samt seltsamer Entwicklungen, Körperbildern und Geschlechterrollen konfrontiert werden, die im Grunde als völlig normal erachtet werden. Dabei ist der wohl auch sehr stark polarisierende „The Ugly Stepsister“ für mich mehr Drama als Horror, aber angenehmer macht es den Streifen trotzdem nicht. Für Aufgeschlossenen und Hartgesottene: Tipp!
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Blink

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01.jpg (60.29 KiB) 141 mal betrachtet
Nach einem traumatischen Erlebnis in ihrer Kindheit die die Musikerin Emma blind, als ihr nach zwanzig Jahren Dunkelheit durch eine neuartige Netzhauttransplantation wieder das Augenlicht zurückgegeben wird. Doch kurz nach der Operation ist ihre Wahrnehmung verschwommen und manche Bilder erreichen auch nur mit langer Verzögerung ihr Gehirn. Als ihre Nachbarin ermordet wird, vermutet sie den Killer im Stiegenhaus gesehen zu haben, doch auch diese Erinnerung ist verschwommen und so für den ermittelnden Beamten John nicht wirklich brauchbar. Trotzdem beharrt Emma auf ihren Wahrnehmungen und auch John findet Gefallen an der resoluten und selbstbewussten Frau, die wenig später durch ihre forsche Art erneut ins Visier des Serienkillers gerät.

Im Zuge meiner Thriller-Retrospektive tauchen ja immer mehr sehenswerte Filme auf, so wie Michael Apteds „Blink“ mit einer großartigen Madeleine Stowe als Musikerin, die gemeinsam mit der Polizei einem Serienkiller auf der Spur ist. Auffällig ist hier vor allem der trockene Humor, der sich zur Thriller-Handlung gesellt und den lebendigen Charakteren, mit denen man gerne mitfiebert. Zwar ist die Rahmenhandlung mit der verzögerten Wahrnehmung und das Motiv des Killers bei näherer Betrachtung etwas arg konstruiert, aber das hat mich hier nicht sonderlich gestört. Das Tempo passt, die Spannung steigt stetig und ehe man sich versieht ist man schon mitten drin in der spannenden Geschichte, bei der man sich bei der optischen Wahrnehmung nie hundertprozentig sicher sein kann. „Blink“ ist jedenfalls meines Erachtens einer der besseren Beiträge der Neunziger, bei dem es verwundert, dass der hierzulande anscheinend nicht so einfach zu bekommen ist. Auch wieder eine positive Überraschung.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Spurlos

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02.jpg (22.53 KiB) 123 mal betrachtet
Im Urlaub kommt es bei Jeff und Diane zu einer kleinen Meinungsverschiedenheit mit anschließender Versöhnung auf einer Raststätte. Wenig später kommt Diane aber nicht mehr von der Toilette zurück und für Jeff beginnen drei quälende Jahre, in denen er seine Freundin verzweifelt und auch vergeblich sucht. Er triff auf die verständnisvolle Rita, mit der er ein Verhältnis beginnt und schreibt an einem Buch über seine Erlebnisse und der Ungewissheit, was mit Diane passiert ist. Dann meldet sich auf einmal Barney, mein schrulliger Chemie-Lehrer und behauptet mehr über das Verschwinden von Diane zu wissen und liefert auch entsprechende Beweise. Für Jeff beginnt ein gefährliches Spiel, in dem er sich für Antworten einem Psychopathen ausliefert, dessen finsterer Plan noch nicht zu Ende ist.

Mit „Spurlos“ hat der niederländische Regisseur George Sluizer das Remake zu seinem grandiosen „Spoorlos“ gedreht und dafür auch das kompromisslose Ende zugunsten einem Hollywood-Ende geopfert, dass man natürlich nicht so gut finden darf. Ich liebe das nachhaltig verstörende Original sehr, an das der 1993 gedrehte Streifen mit Kiefer Sutherland und Jeff Bridges natürlich nicht herankommt. „Spurlos“ hat zwar mehr gekostet und bietet bekanntere Darsteller – Kenner greifen aber dennoch lieber zum Original, welches in der Gunst der Fans in der IMDB auch verständlicherweise besser wegkommt und die Frage, wie weit man für die Wahrheit gehen würde auch wesentlich eindringlicher und nachvollziehbarer schildert. Das Remake richtet sich an ein Publikum, welches sich keine OmU-Filme anschauen würde und auch mit einem Ende zufriedengestellt werden möchte, in dem gängige Werte-Ordnungen wieder hergestellt werden. Prinzipiell ist „Spurlos“ auch kein schlechter Film, wenn man nicht vorhat, das Original zu sichten und Inszenierung und Darsteller sind prinzipiell auch nicht schlecht. Andererseits braucht es das Remake wie so viele andere Neuauflagen ja nicht wirklich und alles was dem Stoff hinzugefügt wird, tut ihm nicht unbedingt gut und zweimal derselbe Film hätte ebenfalls nicht viel Sinn ergeben. Sozusagen von Anfang an keine gute Ausgangslange und für Fans des Originals ein Remake, dass man sicher nicht unbedingt benötigt.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Bound - Gefesselt

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01.jpg (47.17 KiB) 122 mal betrachtet
Die aus dem Knast entlassene Corky renoviert für einen Bekannten dessen geräumige Wohnung und trifft im Lift auf die Nachbarin Violet mit ihrem Freund Ceasar. Das Aufeinandertreffen der beiden ungleichen Frauen bleibt nicht ohne Folgen und die beiderseitige Anziehung ist förmlich spürbar. Nach etwas Zögern und gegenseitiges Abtasten beginnen die Beiden eine leidenschaftliche Affäre und beschließen gemeinsam die Mafia um eine große Menge Geld zu betrügen, um fernab ein neues Leben anzufangen. Gemeinsam wird ein kühner Plan entworfen, das Geld zu verstecken und Ceasar zum Schuldigen zu machen. Zuerst scheint der ausgeklügelte Plan auch aufzugehen, doch dann schöpft Ceasar verdacht und während sich in der Wohnung die toten Mafiosi stapelt, geraten auch Corky und Violet in größte Gefahr…

Keine Ahnung, warum ich mich so lange vor dem Film gedrückt habe, aber lesbische Liebe und der Matrix-Stempel der beiden Wachowski-Schwestern haben mich doch auch immer etwas abgeschreckt. Die erste Hälfte von „Bound“ ist auch ein prickelndes Erotik-Drama über zwei Frauen, die sich näherkommen und dabei auch überraschend explizit daherkommt. Dann switcht der Film in Richtung Noir-Thriller und bietet einen nur scheinbar perfekten Plan um an Geld zu kommen, der natürlich aus dem Ruder läuft. Dabei ist „Bound – Gefesselt“ immer sehr stylisch gemacht und besticht neben seinen Darstellern durch den reduzierten Handlungsort und blutigen Schauwerten, sowie einer Stimmung, die bis zum Ende unberechenbar bleibt, wenn es für alle Beteiligten ums Überleben geht. Ich muss auch nicht lange um den heißen Brei herumreden und ich fand „Bound – Gefesselt“ auch überraschend gut, obwohl ich gar nicht sagen kann, ob mir jetzt die erotische erste, oder die Thriller-artige zweite Hälfte besser gefallen hat. Hier kommt alles gut zusammen und ergeben ein Gesamtwerk, dass dank seiner lebendigen Figuren sehr gut funktioniert, stimmig wirkt und bei dem auch ordentlich die Post abgeht. Gina Gershon und Jennifer Tilly als forsche Corky und laszive Violet sind in Kombination eine fleischgewordene Männer-Phantasie und die Funken sind spürbar und dennoch weit davon entfernt, sich irgendwelchen Chauvie-Gedankenwelten anzubiedern. Alles super, alles toll und die nächste Überraschung, die ich so nicht am Schirm hatte.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Fargo

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01.jpg (15.91 KiB) 111 mal betrachtet
Natürlich darf auch „Fargo“ nicht fehlen, wenn es um Thriller der Achtziger und Neunziger geht, auch wenn das hier mehr in Richtung schwarze Komödie tendiert. Wie schon in „Blood Simple“ gibt es hier sehr viele schrullige Charaktere, wobei diese im Falle von „Fargo“ noch viel exzentrischer daherkommen und mit seinem Achtziger-Look und viel Schnee macht „Fargo“ auch noch mehr Spaß. Das liegt vor allem an den Charakteren, die sehr lebendig gestaltet sind und deren Leben durch eine geplante Entführung völlig aus dem Ruder laufen. Frances McDormand als schwangere Polizistin ist großartig, aber am besten finde ich eigentlich William H. Macy, der einem wirklich leidtun kann und von allen Seiten unter Druck gerät. Aber das sind nur Teile eines großartigen Gesamtbilds aus toller Geschichte, starken Figuren und bis ins kleinste Detail großartig besetzte Darsteller. Eigentlich wirkt der Streifen mit seinem provinziellen Charakter immer wie aus der Zeit gefallen und wie ein Gegenentwurf zu diesen ganzen Hochglanz-Yuppie-Filmen und finsteren Psycho-Thrillern derselben Entstehungszeit. Ich hab „Fargo“ ja schon oft gesehen und dennoch macht jedes Wiedersehen große Freude.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

The Opposite of Sex - Das Gegenteil von Sex

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jogiwan hat geschrieben: Mo 23. Apr 2018, 07:34 Bitterböse und schwarze Komödie über eine sarkastische Sechzehnjährige, die loszieht um alles Harmonische im Leben anderen Menschen von Grund auf zu zerstören und dabei auch keinen Genierer kennt. „The Opposite of Sex“ ist dabei erfrischend unverkrampft und erinnert so gar nicht an die üblichen und eher seichten Komödien aus den Staaten, sondern erinnert in seiner Mischung aus Witz und ernsten Themen auch eher an europäische Produktionen. Irgendwie hat der Streifen auch starke Ähnlichkeit mit Francois Ozon’s „Sitcom“, in dem ebenfalls (spieß-)bürgerliche Werte auf hübsche Weise auseinandergenommen werden. Dennoch ist „Das Gegenteil von Sex“ keine destruktive Angelegenheit, sondern eine sehr vergnügliche Sache und zeigt Homos wie Heteros auf der Suche nach dem Sinn im Leben, jede Menge Vorurteile und überraschende Wendungen, ohne ins Lächerliche abzudriften. Die Figuren sind zwar schräg aber doch immer liebenswert und hier geht es auch nicht darum, jemanden mit Rachegelüsten eins auszuwischen, sondern wie bestimmte Personen reagieren, wenn sie unvermittelt aus ihrer persönlichen Komfortzone gerissen werden. Das gelingt mit neunzig Minuten an frechen Dialogen, dem gut gelaunten Cast und dem originellen Drehbuch auch sehr gut, selbst wenn man als Zuschauer dafür ebenfalls gelegentliche Irritationen in Kauf nehmen muss.
Schräge, eigentlich völlig "un-amerikanische" Komödie über Homos, Heteros, Vorurteile und sonstige Dinge, die verbal mit der Abrißbirne daherkommt und dem Zuschauer stets auf grelle Weise den Spiegel vors Gesicht hält. Toller, vor allem sehr spaßiger Film mit einer großartigen Christina Ricci, der auch mit jedem eigenen Lebensjahr wächst und immer wieder überrascht.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Die Regeln des Spiels

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Auf einem amerikanischen Universitäts-Campus in den Achtzigern wird das Leben in vollen Zügen genossen. Der bisexuelle Paul interessiert sich für Sean, der jedoch alle Frauen vögelt, die ihm vor die Linse kommen und seine Mit-Kommilitonen mit Drogen versorgt. Dieser trifft eines Tages auf Lauen, die noch Jungfrau ist und sich für Freund Victor aufheben möchte, der gerade Europa bereist. Als Sean Liebesbriefe erhält, fällt sein Verdacht auf Lauren, die ihn jedoch weiter ignoriert. Auch Pauls Versuche Sean näher zu kommen sind nicht von Erfolg gekrönt und schon bald führt das gegenseitige wie unbefriedigte Begehren zu weiteren Verwicklungen, während auch der hedonistische Lebensstil der überprivilegierten Kids unweigerlich nach einem unrühmlichen Ende verlangt.

In Memoriam James van der Beek ist gestern „Die Regeln des Spiels“ im Player gelandet, dessen Vorlage aus der Feder von Bret Easton Ellis stammt und in dem er Sean, den Bruder von Patrick „American Psycho“ Bateman spielt, was jedoch auf die Story wenig Auswirkung hat. Aber auch bei Roger Averys Streifen geht es um eine oberflächliche, hedonistische Welt voller eher sehr unsympathisch wirkender Figuren, jedoch ohne ausufernde Gewalt, sondern um sexuelles Begehren und unerwiderte Gefühle. Dabei wirkt „Die Regeln des Spiels“ episodenhaft mit einer Unmenge an Figuren und glänzt mit einer exzentrischen Erzählweise, in der die Handlung immer wieder in den Rückwärtsmodus gerät, um einen neuen Handlungsstrang zu beginnen. Dabei wirkt das Ganze auch wie ein Abgesang auf Teenager-Komödien und die unbeschwerten Achtziger, mit haufenweise Sex, Drogen und Alkohol und legt mit seinen Figuren den Grundstein einer empathielosen Leistungsgesellschaft, in der weniger schulische Ambitionen, sondern viel mehr der familiäre Background über die wirtschaftliche Zukunft entscheidet und man kaum auf den anderen achtet. Herausgekommen ist ein doch etwas schräger, seltsam spröder Film, den man auch nicht mögen muss, um ihn dennoch interessant zu finden.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

The Devil's Exorcist

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exorcismo.png (102.4 KiB) 56 mal betrachtet
Die junge Schülerin Sheila wächst in einem reichen, jedoch auch etwas lieblosen Elternhaus auf, da ihr Vater beruflich viel unterwegs ist. Eines Tages erleidet sie zuhause am Pool einen seltsamen Anfall und hört ohrenbetäubende Geräusche, sieht verschwommen einen Mann, sowie Hände, die aus dem Pool nach ihr greifen. Wenig später wiederholt sich das Spiel und die besorgten Eltern informieren ihre behandelte Ärztin, die sich rührend um Sheila bemüht. Wenig später passieren im Umfeld der Schülerin seltsame Dinge und Sheilas charakterliche Veränderung, sowie zunehmend gewaltsame Neigungen bleiben auch ihrem Umfeld nicht verborgen…

Nach William Friedkins „Der Exorzist“ gab es ja eine Reihe von europäischen Filmen, die in eine ähnliche Kerbe schlugen. Im Gegensatz zu den italienischen Vertretern, die die Handlung der übergroßen Vorlage quasi nacherzählten, geht „The Devil’s Exorcist“ aber andere Wege und einen exorzierenden Geistlichen sucht man hier auch vergebens. Viel mehr wird hier versucht, wissenschaftlich und psychologisch der Veränderung des Mädchens auf den Grund zu gehen, ohne dabei auf Gott, Teufel und andere Dinge zu setzen. Dabei bleibt „El Juego des Diablo“, also „Das Spiel des Teufels“ relativ subtil, was die Ursache der Veränderung des Mädchens betrifft und im christlichen Franco-Spanien des Jahres 1975 gab es ja auch noch staatliche Zensur, die ebenfalls ein Wörtchen mitzureden hatte. Dennoch gibt es ein paar hübsche Momente und auch welche, die einem den Atem stocken lassen, wenn sich die Ereignisse immer mehr überschlagen. Dazu kommt auch ein teils sehr atonaler Soundtrack, der gut zu den Bildern passt und vom Zuschauer ebenfalls einiges abverlangt. Insgesamt betrachtet ist „The Devil’s Exorcist“ ein mehr als passabler spanische Genre-Streifen mit bekannten Gesichtern und einer Handlung, die eben mehr ist als nur ein weiteres „Exorzisten“-Rip Off auf der cineastischen Landkarte.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

I love you Phillip Morris

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Die Lebensgeschichte von Steven Jay Russell, der sich nach einem Autounfall von Frau und Kind trennt, um fortan ein schwules Leben in Saus und Braus zu führen. Da er jedoch kein Geld hat beginnt er mit kleineren Betrügereien, Versicherungsbetrug und Veruntreuung. Als er daraufhin ins Gefängnis muss, trifft er dort auf Phillip, der ebenfalls wegen Betrug einsitzt. Die beiden verlieben sich ineinander und kommen auch wenig später wieder auf freien Fuß, wo Steven mit immer größeren Gaunereien den exaltierten Lebensstil der Beiden am Laufen hält. Später wird er neuerlich verhaftet, doch so einfach lässt er sich nicht von seinem Lover trennen und schreckt dabei auch vor sehr drastischen Methoden nicht zurück.

Die komödienhafte Verfilmung des eigentlich weniger lustigen Falles von Steven Jay Russell, der als Betrüger, Ausbrecher und was weiß ich sonst noch unrühmlich in die amerikanische Kriminalgeschichte einging. Unter der Regie von John Requa und Glenn Ficarra wird das Ganze zu einem sonnendurchfluteten Gauner-Märchen im Mid-Century-Look, bei dem vor allem Jim Carrey mit seiner Vorstellung eines homosexuellen Menschen nervt. Nicht, dass man Schwule unbedingt positiv darstellen muss, aber hier ist es schon so, dass die Chemie der beiden Hauptdarsteller nicht so wirklich passt und versucht wird, dieses mit einer übertriebenen Theatralik zu überdecken. Die Figuren sind furchtbar gezeichnet und statt ihnen Tiefe zu verleihen, wird versucht, die Handlung mit turbulenten und dramatischen Ereignissen davon abzulenken, wie oberflächlich das Treiben eigentlich zu jeder Sekunde ist. Sprachlich mag „I Love you Phillip Morris“ ja noch etwas freizügiger erscheinen, aber spätestens bei der Inszenierung wird es dann schon wieder ziemlich bieder und natürlich soll der märchenhaft-sonnige Charakter der überzeichneten Lebensgeschichte nicht mit nackten Tatsachen und Schwänzen bedroht werden. Wäre „I Love you Phillip Morris“ ein paar Jahrzehnte früher entstanden, könnte man das ja noch verzeihen, aber für 2009 ist der Streifen schon eher eine schwache Nummer.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Schatten der Vergangenheit

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01.jpg (14.38 KiB) 16 mal betrachtet
Im Jahre 1948 erschüttert ein Kriminalfall die noblen Kreise von Los Angeles, als ein europäischer Komponist seine Gattin mit einer Schere ermordet und zum Tode verurteilt wird. Jahrzehnte später taucht eine Frau ohne Gedächtnis in einem Waisenhaus auf und auf Geheiß der Leitung nimmt ein ehemaliger Schützling namens Mike, der nun als Privatdetektiv arbeitet, den Fall in seine Hände. Durch einen Zeitungsartikel wird ein Antiquitätenhändler auf die Sache aufmerksam, der die namenlose Unbekannte mit Hypnose zurückversetzt, um ihre Identität im verdrängten Unterbewusstsein zu finden. Doch es tauchen Erinnerungen an eine Zeit vor 1948 auf und die Frau erzählt von einer Zeit, als sie die Gattin des besagten Komponisten war und ermordet wurde. Mike hingegen bleibt skeptisch und versucht auf andere Wege hinter das Geheimnis der Frau zu kommen, doch wenig später deuten auch andere Hinweise darauf hin, dass sich das Schicksal einen grausamen Streich erlaubt und die damaligen Ereignisse bestimmt sind, sind Jahrzehnte später zu wiederholen…

Kenneth Branagh kenne ich ja eigentlich nur als arrivierter Shakespeare-Spezi und neuzeitlicher Remake-Spezialist für Agatha Christie-Verfilmungen und ich hätte mir nicht gedacht, dass er auch Hitchcock drauf hat. „Dead Again“ oder „Schatten der Vergangenheit“ steht jedenfalls in bester Suspense-Tradition und erinnert an Filme wie „Vertigo“ ohne dabei platt zu wirken. Viel mehr wirkt die Mischung aus Mystery und Suspense mit unterschiedlichen Zeiträumen und Handlungssträngen überraschend originell und auch wenn „Schatten der Vergangenheit“ etwas zu lang ausgefallen ist, zieht der Streifen die Spannungsschraube kontinuierlich an und hat auch überraschende Momente. Die Darsteller spielen mehrere Rollen und durch Rückblenden entwickelt sich auch ein spannendes Bild von einem Mord in der Vergangenheit mit Auswirkungen auf die aktuell handelnden Personen. Dabei ist der Streifen schön inszeniert, gut gespielt und bietet auch viele bekannte Gesichter aus der Zeit inklusive einer wie immer wundervollen Emma Thompson, die zu der Zeit auch mit Regisseur und Hauptdarsteller liiert war. Viel zu meckern gibt es nicht, nur eher Verwunderung, dass der gelungene Streifen nicht irgendwie bekannter erscheint. Die nächste Überraschung in meiner Neunziger-Thriller-Retrospektive und ein unvorhersehbarer Streifen, der mir insgesamt sehr gut gefallen hat.
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