Das Geheimnis der blutigen Lilie - Giuliano Carnimeo (1971)

Bava, Argento, Martino & Co.: Schwarze Handschuhe, Skalpelle & Thrills

Moderator: jogiwan

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horror1966
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Re: Das Geheimnis der blutigen Lilie - Giuliano Carnimeo

Beitrag von horror1966 »

Ich liebe diesen Giallo und freue mich schon tierisch darauf, ihn heute Nacht das erste Mal in deutscher Sprache zu sehen. :thup:
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horror1966
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Re: Das Geheimnis der blutigen Lilie - Giuliano Carnimeo

Beitrag von horror1966 »

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Das Geheimnis der blutigen Lilie
(Perché quelle strane gocce di sangue sul corpo di Jennifer?)
mit Edwige Fenech, George Hilton, Paola Quattrini, Giampiero Albertini, Franco Agostini, Oreste Lionello, Ben Carra, Carla Brait, Gianni Pulone, Carla Mancini, Georges Rigaud, Annabella Incontrera
Regie: Giuliano Carnimeo
Drehbuch: Ernesto Gastaldi
Kamera: Stelvio Massi
Musik: Bruno Nicolai
Ungeprüft
Italien / 1971

In einem mehrstöckigen Wohnkomplex mitten in Rom werden nacheinander mehrere attraktive junge Frauen ermordet. Das Fotomodell Jennifer gerät in einen Mordfall, bei dem um sie herum mehrere Menschen blutig einem Schlitzer zum Opfer fallen. Wer ist der Mörder?



Giuliano Carnimeo's Werk ist ein wirklich waschechter Giallo und beinhaltet sämtliche Zutaten, um dem Zuschauer ein wunderbares Rätsel-Spiel zu präsentieren, an dem dieser durchgehend seine helle Freude hat. Dabei erscheint die Geschichte zwar teilweise recht arg konstruiert und nicht gerade logisch, doch ist dies in vorliegendem Fall keinesfalls als negative Kritik anzusehen. Das Szenario macht nämlich richtig Spaß und lässt die Identität des Killers bis kurz vor dem Ende im Dunkeln, so das man gern einmal über die ein-oder andere inhaltliche Schwäche hinwegsehen kann. Verdächtige werden einem wirklich zur Genüge offenbart und einige Verhaltensweisen der durch die Bank misstrauisch erscheinenden Protagonisten verführen einen nicht selten dazu, sich auf einen Mörder festzulegen und etliche bewusst gelegte falsche Fährten führen in die Irre. Carnimeo achtet dabei ganz besonders darauf, das die einzelnen Figuren nicht zu offensichtlich in Verdacht geraten, dennoch ergeben sich im Laufe des Filmes immer wieder neue Kleinigkeiten und Indizien, die mehrere Figuren in den Kreis der möglichen Täter rücken. Und so entwickelt sich auch recht schnell ein dramaturgisch erstklassiger Spannungsaufbau, der von einer größtenteils knisternden Grundstimmung untermalt wird. Mit zunehmender Laufzeit bekommt man immer bedrohlichere Passagen geboten, was auch durch die erstklassige Geräuschkulisse und die musikalische Untermalung ganz besonders hervorgehoben wird.

Weist das Drehbuch stellenweise kleinere Defizite auf, so wird dies durch die kräftige Farbgebung und die herausragende Kameraarbeit von Stelvio Massi wieder ausgeglichen, teilweise bekommt der Betrachter wirklich wunderschön eingefangene Sequenzen zu Gesicht, so das man durchaus von einem visuellen Hochgenuss sprechen kann. Und auch das dargebotene Schauspiel kann sich jederzeit sehen lassen, wobei ich besonders Edwige Fenech und George Hilton hervorheben möchte. Hier wird für beide Geschlechter etwas geboten, denn handelt es sich bei Hilton doch um einen typischen Womanizer der damaligen Zeit, so ist Frau Fenech wohl ganz eindeutig der unerfüllte Wunsch so manchen Männer-Traumes. Natürlich spielt die gute Frau hier wieder einmal ein Modell und es ist allein schon ein absoluter Genuss, ihr beim posieren zuzusehen. Man kann ins Träumen geraten und schnell vergessen, das man sich in einem Film befindet. Es ist immer wieder erstaunlich, welche Sinnlichkeit von dieser wunderschönen Schauspielerin ausgeht, die Männerherzen höher schlagen lässt.

Dabei rückt sie das erotische Vollblutweib ebenso gut ins Licht wie die ängstliche-und schutzbedürftige Person, die in dieser Geschichte mit den Altlasten ihrer Vergangenheit zu kämpfen hat. Mimik-und Gestik sind dabei immer nahezu perfekt, so das ihre Performance auch einen sehr glaubwürdigen Eindruck hinterlässt. Doch auch die anderen Akteure brauchen sich nicht zu verstecken, wobei einem sofort das äußerst ungleiche Ermittler-Duo der Polizei ins Auge fällt. Da ist auf der einen Seite der ermittelnde Komissar Enci (Giampiero Albertini), der einen sehr ernsten und manchmal fast schon bärbeißigen Eindruck hinterlässt. Dabei scheut er auch nicht davor zurück, in einem Verhör einmal seine Rechte kreisen zu lassen. Ihm gegenüber steht dann sein Assistent Redi (Franco Agostini), der allein optisch gesehen das genaue Gegenteil darstellt. An dieser Stelle kann man sich teilweise das Schmunzeln schwerlich verkneifen, denn der gute Redi wirkt doch zumeist wie ein trotteliger Lakai, dem selbst das Ausführen von Befehlen an so manchen Stellen schwerfällt. Diese skurrile Kombination sorgt jedoch für eine Menge Erheiterung und zeigt aber auch gleichzeitig auf, das sich das Team trotz der auffälligen Unterschiede im Endeffekt ganz gut ergänzt. Und so kann man in schauspielerischer Hinsicht im Prinzip überhaupt nichts bemängeln, was auch nicht in jedem Film dieser Art der Fall ist.

Letztendlich ist "Der Satan mit dem Skalpell" (so der Alternativ-Titel) ein absolut sehenswerter Vertreter seiner Art, der trotz manch konstruiert erscheinender Phasen eine wirklich spannende Geschichte erzählt. Zudem beinhaltet der Film auch im Gegensatz zu den meisten Genre-Kollegen eine kleine Seltenheit, denn ist der ominöse Mörder ansonsten eigentlich immer mit schwarzen Handschuhen ausgestattet, so hat man hier auf eine beige-farbene Variante zurückgegriffen. Sicherlich keine Sensation, aber immerhin ein Umstand, der doch Erwähnung finden sollte. denn ich kann mich auf Anhieb an keinen anderen Giallo erinnern, in dem das auch der Fall war. Wer also ein Liebhaber des Sub-Genres ist, sollte sich dieses Werk auf keinen Fall entgehen lassen, da die vielen positiven Aspekte ganz eindeutig überwiegen und das manchmal leicht schwächelnde Drehbuch den insgesamt hervorragenden Eindruck kaum schmälern kann.


Fazit:


Manch einer mag es vielleicht anders sehen, aber "Der Satan mit dem Skalpell ist ein ganz ausgezeichneter italienischer Giallo, bei dem man sich nur zu gern am Rätselspaß beteiligt. Falsche Fährten, gekonnt eingebaute Neben-Erzählstränge, jede Menge Spannung und eine glänzend aufgelegte Darsteller-Riege sorgen hier für ein Film-Erlebnis, das sich meiner persönlichen Meinung nach weit über dem Durchschnitt ansiedelt. Nachdem es den Film ja die ganzen Jahre nur mit deutschen Untertiteln erhältlich war, gibt es mittlerweile auch eine Doppel-Veröffentlichung unter dem Namen "Drops of Blood", in der man das Werk nun endlich auch in deutscher Sprache genießen kann. Der zweite Film der VÖ ist "Der Schwanz des Skorpions", der auch ganz eindeutig zu den besten Vertretern seiner Art gehört, so das die Anschaffung der großen Hartbox durchaus lohnenswert erscheint.


8,5/10
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Magia Gialla
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Re: Das Geheimnis der blutigen Lilie - Giuliano Carnimeo

Beitrag von Magia Gialla »

Hier auch nochmal ein paar Worte von mir zu dem Film...

http://magiagialla.wordpress.com/2013/0 ... -jennifer/
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jogiwan
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Re: Das Geheimnis der blutigen Lilie - Giuliano Carnimeo

Beitrag von jogiwan »

Vielleicht habe ich einfach schon zu viele Giallos und Carnimeos Streifen auch schon zu oft gesehen, aber so richtig hat die gestrige Erneut-Sichtung nicht gezündet. Irgendwie ist es auch schwer, ein Film mit dieser Handlung und dem Titel-Gespann nicht mit ungleich besseren Genre-Glanzleistungen a la Sergio Martino zu vergleichen und dagegen stinkt der Streifen ja auch schon etwas ab. Auch die deutsche Neu-Synchro kann mich so gar nicht begeistern und im Grunde bietet "Das Geheimnis der blutigen Lilie" abseits der komödiantischen Momente mit dem Polizisten, die mir ebenfalls nicht sonderlich gefallen, irgendwie nichts, was man in anderen Filmen nicht schon besser gesehen hätte. Schon gut, aber irgendwie nicht gut genug, aber mag sein, dass der Streifen gestern einfach nicht gepasst hat und/oder ich bei Giallos über die Jahre einfach viel kritischer geworden bin.
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Salvatore Baccaro
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Re: Das Geheimnis der blutigen Lilie - Giuliano Carnimeo (1971)

Beitrag von Salvatore Baccaro »

Gleich wird Sergio Martinos Name auf der Leinwand erscheinen. Die Geschichte hat sich Ernesto Gastaldi ausgedacht, der schon bei den Drehbüchern von LO STRANO VIZIO DELLA SIGNORA WARDH und LA CODA DELLO SCORPIONE, beide 1971, federführend beteiligt gewesen ist. Mit denen hat Sergio Martino, wie man sich erinnern wird, Giallo-Historie geschrieben. Beide Filme, der Wiener Killer wie der Skorpionsschwanz, sind, wie ich meine, prototypische Klassiker ihres Genres. Dieser Film nun heißt PERCHÉ QUELLE STRANE GOCCE DI SANGUE SUL CORPO DI JENNIFER? Was für ein umständlicher, schöner Titel, nicht? Veröffentlicht wurde er ebenfalls 1971. Seinen schmissen Score steuerte natürlich Bruno Nicolai bei. Wann erscheint endlich Sergio Martinos Name auf der Leinwand? Produziert wurde er übrigens von seinem Bruder, Luciano. Der wiederum ist liiert mit Edwige Fenech, die die weibliche Hauptrolle verkörpert. Doch nicht nur sie, sondern auch die meisten übrigen Hauptdarsteller wie George Hilton oder George Rigaud sind uns bekannt. Bis auf die hinterletzte Nebenrolle scheint mir dieser Film mit Schauspielern besetzt, die man in sämtlichen Sergio-Martino-Gialli von LO STRANO VIZIO DELLA SIGNORA WARDH bis hin zu I CORPI PRESENTANO TRACCE DI VIOLENZA CARNALE mindestens einmal antreffen kann. Dann noch: Stelvio Massi an der Kamera und Michele Massimo Tarantini als Regieassistent. Lauter bekannte Gesichter, hinter und vor der Kamera. Nur das von Sergio selbst taucht nicht auf. Stattdessen wird als Regisseur ein gewisser Anthony Ascott genannt. Sollte das etwa ein Pseudonym sein?

Ja, das ist es, doch nicht etwa von Sergio Martino. Vielmehr steckt Giuliano Carnimeo dahinter, ein Regisseur, den man heute wahrscheinlich vor allem dann noch kennt, wenn man sich in der Gesellschaft von Sartana, Ringo und Django gutaufgehoben fühlt. Mitten in einem Abonnent für Italo-Western, das er in den Jahren zwischen 1968 und 1974 abgeschlossen zu haben scheint, übernimmt er zum ersten und einzigen Mal die künstlerische Leitung eines Giallos. Hatte Sergio Martino keine Zeit? Doch braucht es ihn überhaupt, um einen sehenswerten Thriller zustande zu bekommen? Wie wichtig ist ein Regisseur überhaupt, wenn das zugehörige Team eine in sich stimmige Einheit ergibt? PERCHÉ QUELLE STRANE GOCCE DI SANGUE SUL CORPO DI JENNIFER? ist wie prädestiniert dafür, mir diese Fragen zu beantworten.

Alles spielt sich ab in einem Hochhaus. Morde geschehen, vorzugsweise, wie man das kennt, an jungen Frauen. Die erste erwischt es im Fahrstuhl. Die, die ihre Leiche findet, wird später auf ziemlich grausige Weise in der eigenen Badewanne ertränkt. Obwohl die Szene graphisch überhaupt nichts hergibt, schnürt sie einem die Kehle zu. Das nackte, gefesselte Opfer fleht um sein Leben, während der gesichtslose Killer den Wasserhahn aufdreht und, ein, zwei Meter von der Wanne entfernt, ihrem Todeskampf beiwohnt. Er repräsentiert nicht nur seine eigenen sadistischen Gelüste, sondern auch die unseren. Übrigens trägt er keine schwarzen, sondern gelbe Handschuhe. Ansonsten werden die Genrekonventionen sowas von eingehalten, dass es manchmal wirkt, man wolle sich ja nicht allzu weit von der Grundformel entfernen. Genau das wird Sergio später ja mit Erfolg tun, mit TUTTI I COLORI DEL BUIO (1972) zum Beispiel, diesem völlig zugedrogten Höllentrip, an den ich mich die erste Viertelstunde vorliegenden Films ein bisschen erinnert. Edwige Fenech, hier ein aufstrebendes Model namens, was für ein Zufall!, Jennifer, und verknallt in einen Architekten, der aussieht wie George Hilton, hat sich einst fürs Hippietum entschlossen, sich jedoch versehentlich Blumenkindern angeschlossen, die die Blüten des Bösen verteilten, sprich: einer elitären Sexsekte, deren Mitglieder ihr nun, nach ihrer Apostasie, nach dem Leben trachten. Vor allem ihr angeblicher Ehegatte hat es auf sie abgesehen. Wenn Edwige bzw. Jennifer von ihrer Vergangenheit eingeholt wird, experimentiert Carnimeo hier und dort mit der Kamera, lässt sie kippen, herumwirbeln. Das macht nicht seekrank, ist jedoch eine angenehme Abwechslung in diesem doch eher statischen, konventionell inszenierten Film.

Na gut, nun ist es schon vor seiner Zeit heraus: mich hat PERCHÉ QUELLE STRANE GOCCE DI SANGUE SUL CORPO DI JENNIFER? nicht ansatzweise so sehr entzückt wie das, was Sergio Martino in dem Genre zuvor realisiert hat, und schon gar nicht so sehr wie die drei Meisterwerke, die von ihm in dem Genre noch kommen sollten. Bin ich ungerecht? Gebe ich Carnimeo keine Chance? Der Anfang hat mich, wie gesagt, regelrecht in den Film eingeladen. Der eine oder bizarre Einfall führte dazu, dass ich mich angenehm verstört fühlte. Ich meine, was soll das denn mit dem Nachtclub, in dem eins der Mädchen als Stripperin arbeitet? – das heißt: man sollte den Begriff Stripperin mit Vorsicht gebrauchen, denn im Grunde wrestelt sie eher mit den sie begaffenden Männern, die sie zu sich in den Ring bittet, um ihnen nach aller Regel der Kunst die Knochen zu verdrehen. Einige der Mordszenen – vor allem die mit der Badewanne – gehen mir effektiv an die Nieren und zupfen daran. Die Rückblenden, die Edwige in den Fängen der Hippie-Sekte zeigen, liefern Bildkompositionen zum Rahmen. Trotzdem: etwas fehlt mir, und irgendwie habe ich mich mit zunehmender Laufzeit weniger und weniger interessiert für die Schicksale der Charaktere und den Ausklang der Handlung. Lag es an den beiden Polizisten, einen lauten, grimmigen, zuweilen ordentlich zulangenden, wenn sein Gegenüber die Aussage verweigert, und einen jüngeren, tölpelhaften, der, je nach Synchronfassung, mal mehr oder weniger nerviger ist, deren Ermittlungsarbeiten relativ viel Raum bekommen? Oder an der irgendwann derart undurchsichtigen Story, dass mich die bei schätzungsweise tausend Skalps herbeigezogene Auflösung der Killeridentität nicht mal sonderlich verblüfft, sondern eher den Eindruck verstärkt hat, das Skript sei irgendwann auf wenig surreale, eher inkompetente Art auseinandergefasert, um sich in viel zu vielen Nebenschauplätzen zu verlieren wie eben Edwiges vergangenes Kommunenleben oder den verunstalteten Sohn einer ihrer Nachbarinnen, der, unbemerkt von der Außenwelt, versteckt in einem Schrank haust?

Aber nein, das kann es nicht sein, denn Sergio Martino ist ebenfalls nie ein begnadeter Geschichtenerzähler gewesen. Was seine Gialli so groß macht, das ist ihre Atmosphäre. Was seine Gialli so gelb macht, das sind Szenen, die vignettenhaft in ihnen stehen, wie abgeschlossenen Einheiten, die komplett für sich funktionieren, selbst wenn sie nicht in ein größeres Ganzes eingebettet wären. Ich denke an den Mord in diesem Wiener Park. Ich denke an die nervenaufreibende letzte halbe Stunde in dem entlegenen Landhaus. Ich denke an die Schwarze Messe mit ihren Hundeschlachtungen. Wenn man so will, ist PERCHÉ QUELLE STRANE GOCCE DI SANGUE SUL CORPO DI JENNIFER? da viel bodenständiger. Ich bin nicht so sehr bodenständig. Mich würde es nicht so sehr wundern, würde ein Siebenschläfer mich plötzlich in einer mir verständlichen Sprache anreden. Deshalb kann ich wahrscheinlich Carnimeos Ansatz weniger abgewinnen als dem Martinos. Das heißt nicht, dass es hier keine Szenen gibt, die mich begeistern konnten. Noch einmal muss ich auf das schlimme Badewannenersäufnis verweisen. Oder auf den Autofriedhof, wo Edwige sich von Gestalten gehetzt fühlt. Oder auf die, wenn auch völlig zusammenhanglosen, Szenen, in denen man auf ein Kindheitstrauma der George-Hilton-Figur zurückblickt. Nichtsdestotrotz lautet mein Urteil: PERCHÉ QUELLE STRANE GOCCE DI SANGUE SUL CORPO DI JENNIFER? ist ein Film für Leute, die Gialli zwar mögen, denen aber Sergio Martinos Genreausflüge viel zu weit weg vom Schuss geführt haben, dessen Knall zu hören wichtig ist, um einen Rhythmus zu haben, an den man sich halten kann. Ein Film fast ohne Geheimnisse. Ich bin da eher so der Geheimniskrämer.
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Il Grande Racket
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Re: Das Geheimnis der blutigen Lilie - Giuliano Carnimeo (1971)

Beitrag von Il Grande Racket »

In einem Appartment-Haus werden nacheinander zwei junge Frauen ermordet. Die Wohnung des letzten Opfers, der „exotischen Tänzerin“ Mizar, vermietet Makler Andrea den beiden Models Jennifer und Marilyn. Jennifer wird von ihrem Ex-Mann gestalked, der auch Andrea, mit dem sie zarte Bande knüpft, bedroht. Ist er der Mörder?
Schön sleaziger, vor allem Edwige Fenech als Jennifer macht sich öfters mal nackig, und auch sehr spannender Giallo von Giuliano Carnimeo, den man vorher eher als Western-Regisseur kannte. Den Andrea, der im Verlauf des Films auch als Verdächtiger aufgebaut wird, gibt George Hilton. Der Film ist recht geschickt erzählt, er folgt erst Andrea, bis der auf Jeniffer trifft und dann sie als zentrale Figur aufbaut. Der zweitweise aufkeimende, etwas debil-schräge Humor, vornehmlich dargebracht durch den ermittelnden Kommissar und seinen etwas tapsigen HiWi, scheint nicht immer angebracht. Trotzdem, feines Filmchen...7,5/10
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Pippolino
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Re: Das Geheimnis der blutigen Lilie - Giuliano Carnimeo (1971)

Beitrag von Pippolino »

Lustig. Dieser Giallo ist als Bonusfilm in der X-Rated Kultfilm Collection Nr. 4 enthalten. Auf der Hartbox-Packung wird davon nichts erwähnt.
Grund: Die Hartbox ist vertauscht worden. Unbewusst habe ich ein Schnäppchen gemacht, da die DVD gebraucht gekauft habe und nicht in Schweißfolie verpackt war. :thup:
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CamperVan.Helsing
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Re: Das Geheimnis der blutigen Lilie - Giuliano Carnimeo (1971)

Beitrag von CamperVan.Helsing »

Wie ist eigentlich die deutsche Synchro? Ich hab die X-Erstauflage, bei der es nur deutsche Untertitel gab.


Und die habe ich gestern mal wieder geschaut. Ich mag den Film wirklich gern mit seinem Figurenpanoptikum. Die unfreundliche Alte, die ihren Sohn im Wandschrank versteckt und mit Gewaltgeschichten füttert. Der geigespielender Professor mit seiner lesbelnden Tochter. Der ermittelnde Kommissar, der das Wesentliche (seine Briefmarkensammlung) nicht aus dem Auge verliert und sein Assistent, der sich von belegten Broten ernähren muss, während der Fenech und Hilton erst beim Luxusmahl und dann beim Sex zuschauen muss. Jennifers zukünftiger Ex-Mann, der eine obskuren Gruppensexsekte angehört, aber dennoch eifersuchtsbedingte Stalkingallüren und Besitzansprüche. Der Fotograf, der fast als Doppelgänger von Woody Allen durchgehen würde (tatsächlich war Oreste Lionello auch Allens italienischer Synchronsprecher). Misa Harrington, die in einem Nachtclub männliche Arschlöcher aufs Kreuz legt (die dunkelhäutige Carla Brait wurde laut OFDB in Innsbruck geboren). Jennifers Modelfreundin Marilyn, bei der man(n) hofft, dass ihre Fotos nicht ganz so unterbelichtet sind, wie sie selbst. George Hilton als Architekt mit Blutphobie, und natürlich Edwige Fenech als Jennifer, die nie so schön war wie hier, und die natürlich der wahre Grund ist, den heiligen Abend zu feiern.

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Ja, "Der Killer von Wien" ist deutlich der bessere Film, die "Lilie" wirkt nicht ganz ernstzunehmen, ist aber ein wunderbares Mittel zur Stimmungsaufhellung.
The more I see
The less I know
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buxtebrawler
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Re: Das Geheimnis der blutigen Lilie - Giuliano Carnimeo (1971)

Beitrag von buxtebrawler »

Erscheint voraussichtlich am 25.01.2024 bei X-Rated auf Blu-ray in verschiedenen Mediabooks:

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Cover A

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Cover B

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Extras:
- Audiokommentar mit Gerd Naumann, Matthias Künnecke und Christopher Klaese
- Original Kinotrailer
- Exkluisves Interview mit Danilo Massi (17 Minuten)
- Alternativszene 1 und 2
- Verlängertes Ende
- Interview mit Ernesto Gastaldi (16 Minuten)
- „tenebrarum“-Booklet von Martin Beine (20 Seiten)
- Werbematerial

Quelle: OFDb-Shop
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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