Die toten Augen des Dr. Dracula - Mario Bava (1966)

Grusel & Gothic, Kannibalen, Zombies & Gore

Moderator: jogiwan

untot
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Die toten Augen des Dr. Dracula - Mario Bava (1966)

Beitrag von untot »

operazione-paura.jpg
operazione-paura.jpg (274.37 KiB) 112 mal betrachtet

Originaltitel: Operazione paura

Herstellungsland: Italien

Erscheinungsjahr: 1966

Regie: Mario Bava

Darsteller: Giacomo Rossi-Stuart, Erika Blanc, Fabienne Dali, Piero Lulli, Luciano Catenacci, Micaela Esdra,
Franca Dominici, Giuseppe Addobbati, Mirella Pamphili, Valerio Valeri, Giovanna Galletti...

Inhalt:
Der Arzt Paul Eswai wird in ein kleines Dorf gerufen, wo sich in letzter Zeit mysteriöse Todesfälle ereigneten. Während Eswai glaubt, dass das jüngste Opfer schlicht Selbstmord begangen hat, sind die abergläubischen Dorfbewohner der Ansicht, dass der Geist eines toten Kindes für das ganze Unheil verantwortlich ist.
Die Spuren führen Eswai schließlich auf das geheimnisvolle Schloss der Baronesse Graps.
Dort muss er feststellen, dass die Dorfbewohner mit ihrem Glauben an dunkle Mächte offenbar gar nicht so falsch lagen...

Fazit:
Zuerst sollte man sich nicht vom ziemlich dämlichen deutschen Titel des Filmes blenden lassen, denn mit Dracula hat der Film mal überhaut nichts zu tun, man sollte sich lieber am Originaltitel (Operazione paura), auf gut Deutsch Operation Angst, orientieren, das triffs eher.
Bava hat hier ein kleines Meisterwerk geschaffen, das Bild und stimmungsgewaltig in Szene gesetzt wurde.
Der Film besticht durch eher feinsinnigen, subtilen Grusel, als durch spektakuläre Schockmomente, Bava versteht es hier den Zuschauer durch ganz alltägliche Dinge, wie Schritte, das hüpfen eines Balles, oder ein Kinderlachen in Angst und Schrecken zu versetzen, die surreale Kulisse tut ihr übriges.
"Operazione paura" ist ganz großes Bavakino und ein Muss im Regal eines jeden Italo Fans!

9/10
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Reinifilm
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Re: Die toten Augen des Dr. Dracula - Mario Bava

Beitrag von Reinifilm »

Allein was Bava hier beleuchtungstechnisch hier leistet ist unglaublich - die Laser Paradise DVD wird immer noch zu Spottpreisen auf Grabbeltischen verhökert, dennoch wünsche ich mir echt mal 'ne Blu-Ray-Veröffentlichung von diesem Meisterwerk!
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italofreak1970
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Re: Die toten Augen des Dr. Dracula - Mario Bava

Beitrag von italofreak1970 »

Ganz großes Kino von Herrn Bava :thup:
Ich habe die DVD von Anolis, dort sind auch noch einige Extras mit drauf, wie ein Interview mit Erika Blanc.
Habe gar nicht gewußt das auch LP den Film herausgebracht hat. Ich vermute mal eine abgespeckte Version.

dr. freudstein
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Re: Die toten Augen des Dr. Dracula - Mario Bava

Beitrag von dr. freudstein »

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buxtebrawler
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Re: Die toten Augen des Dr. Dracula - Mario Bava

Beitrag von buxtebrawler »

In den 1960ern erfreute sich Gothic-Horror größter Beliebtheit, so dass auch Italo-Regisseur Mario Bava mit einem weiteren Werk dieses Genres beauftragt wurde. 1966 erblickte „Operazione paura“ alias „Die toten Augen des Dr. Dracula“ das Licht der Leinwand, wobei der deutsche Titel einmal mehr nicht viel mit dem Inhalt und – ebenso wie in ein, zwei Sätzen gegen Ende ärgerlicherweise auch die deutsche Synchronisation – krampfhaft auf die „Dracula“-Thematik getrimmt wurde. Bei „Operazione paura“ handelt es sich mitnichten um einen Vampirstreifen, sondern um eine schöne, klassische Geistergeschichte im Gothic-Horror-Ambiente inkl. typischer Genrezutaten wie einem Dorf mit verschlossenen, abergläubischen und ängstlichen Bewohnern, das ein dunkles Geheimnis birgt, einem alten Schloss voller Nebel, Spinnengewebe und einer verschrobenen Bewohnerin und natürlich einem weltlichen Mann, der nicht an Übersinnliches glaubt und dem Spuk auf den Grund gehen möchte, da er zunächst von einer logischen Erklärung überzeugt ist – hier in Form des Arztes Dr. Paul Eswai, dargestellt von Giacomo Rossi-Stuart. Die mysteriösen Todesfälle scheinen mit der Erscheinung eines kleinen Mädchens in Zusammenhang zu stehen, das, wie sich herausstellt, bereits vor einiger Zeit gestorben ist… Mario Bava nimmt auch diesen Film wieder zum Anlass seiner experimentierfreudigen Kameraarbeit und künstlich-künstlerisch ausgeleuchteten Kulissen, die die Realität verfremden und sie unwirklich bis surreal erscheinen lassen. Beim Umgang mit den unterschiedlichen, satten Farbtönen übertreibt er es diesmal fast ein wenig, was etwas zu Lasten der ansonsten wunderbar schaurigen Gothic-Atmosphäre geht. Einige härtere Szenen, so beispielsweise direkt beim Prolog eingesetzt, setzen Akzente und reißen die Handlung und ebenso den Zuschauer pointiert aus ihrer (Alp-)Traumwelt. Die musikalische Untermalung leistet ihren Anteil zur geheimnisvollen, bedrohlichen Stimmung des Gezeigten. Die Namen der Schauspieler sagen mir ehrlich gesagt nichts, sie machen ihre Sache aber gut, wenn sie auch Bava-typisch von der in Besitz nehmenden Optik eher in den Hintergrund gedrängt werden. Mit „Operazione paura“ verstand es Bava geschickt, mithilfe seiner Markenzeichen eine geradezu traditionelle Geschichte ungewöhnlich und interessant in Szene zu setzen und sozusagen die Klassik mit der Moderne zu verbinden. Auf seine Art zeitlos.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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Blap
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Re: Die toten Augen des Dr. Dracula - Mario Bava

Beitrag von Blap »

Ein prachtvoller Film, Gruselschauer der allerbesten Sorte!

Der übliche Kurzkommentar älteren Datums:


Operazione paura

Der Mediziner Dr. Paul Eswai (Giacomo Rossi-Stuart) reist in ein kleines Dorf, dort soll er den Leichnam einer jungen Frau untersuchen. Der Kriminalbeamte Kruger (Piero Lulli) hatte den Arzt angefordert, er erhofft sich von einer Obduktion endlich Aufschluss über die tatsächliche Todesursache der Frau. Die Bewohner des Dorfes erweisen sich als wenig gastfreundlich, zeigen sich teils gar offenkundig feindselig. Der gesamte Ort lebt in Angst und Schrecken, bei weiteren Ermittlungen stellt sich heraus, dass hier schon etliche, unerklärbare Todesfälle aufgetreten sind. Der bösartige Geist der kleinen Melissa Graps soll die Menschen in den Tod treiben. Vor zwanzig Jahren verblutete das damals siebenjährige Mädchen nach einem tragischen Unfall. Natürlich glaubt Dr. Eswai nicht an übernatürliche Erscheinungen, doch je tiefer er unter der Oberfläche nachforscht, umso stärker geraten seine wissenschaftlichen Ansichten ins Wanken. Immerhin kann er auf die Unterstützung der bezaubernden Monica (Erica Blanc) bauen, und auch die übernatürlich begabte Frau des Bürgermeisters, Ruth (Fabienne Dali), stellt sich dem Grauen entgegen...

"Operazione Paura" (1966) hat man in Deutschland den völlig unsinnigen Titel "Die toten Augen des Dr. Dracula" verpasst. Selbst der -in diesem Zusammenhang- platte US-Titel "Kill, Baby... Kill!" ist besser gewählt. Diese Tatsachen ändern jedoch nichts daran, dass Mario Bava der Nachwelt einen weiteren ganz, ganz wundervollen Gothic-Horrorfilm hinterlassen hat. Ein Werk welches sicher zu den besten des italienischen Meisters der Filmkunst gezählt werden darf! Ein Film den sich kein Freund prächtiger Gruselunterhaltung entgehen lassen darf! Man wird umgehend von dieser typischen, einzigartigen Atmosphäre eingesogen, wie es für einen Bava üblich ist, wird die Beleuchtung sehr kunstvoll eingesetzt, fängt die Kamera wunderschöne Bilder ein. Die Rollen wurden sehr ansprechend besetzt, so gibt Giacomo Rossi-Stuart den "Helden" überzeugend, Luciano Catenacci hat mir als Bürgermeister sehr gut gefallen. Mit Erica Blanc und Fabienne Dali sind zwei recht hübsche Damen am Start, während die "Erscheinung" Melissa Graps ist in der Tat extrem unheimlich anmutet...wuuuahhh... Bava setzt hier weniger auf Blut und Gewalt. Diese Elemente werden bei "Operazione Paura" auch gar nicht benötigt, denn durch die unglaublich intensive Atmosphäre, wird bereits eine plötzlich auf dem Bett liegende Puppe zum puren Terror. Da taucht ein kindliches Gesicht am Fenster auf, versetzt dem Zuschauer Gruselschauer, nicht zu vergessen dieses immer wieder auftretende, sehr unheimliche Gekicher und der sehr schöne Score.

Kein Fan klassicher Gruselunterhaltung kommt an diesem Prachtstück von Film vorbei. In Deutschland hat Anolis diesen Bava vor einigen Jahren auf DVD gepresst, die Veröffentlichung trägt den hier bekannten Namen "Die toten Augen des Dr. Dracula" und ist gut ausgestattet. Leider ist die Scheibe schon länger vergriffen, und nur noch zu hohen Preisen erhältlich. Ok, bekanntlich sind solche Schätze sowieso nicht mit Geld aufzuwiegen, doch oft zwingt der Kontostand auch dem grössten Liebhaber seinen (Un)Willen auf. Daher bietet sich die bildtechnisch identische Auswertung "The Curse of the living Dead" als Alternative an. Diese ist für deutlich weniger Geld zu bekommen, allerdings muss man auf jegliche Boni verzichten und ein unhübsches Cover in Kauf nehmen. Da der Film aber in recht ordentlicher Qualität vorliegt, kann man diese Scheibe durchaus in Betracht ziehen. Ansonsten muss zu Veröffentlichungen aus dem Ausland gegriffen werden, dann scheinen die DVDs von Anchor Bay eine gute Wahl zu sein. Das Label ist für -überwiegend- gute Arbeit bekannt, und hat einige Bava Perlen auf den Markt gebracht.

Wunderschön und unverzichtbar! Grazie Signore Bava!

8,5/10

***

Seit einiger Zeit liegt mir auch die Anchor Bay DVD vor, ich kam aber noch nicht zur Sichtung. Fakt ist und bleibt: Ein unverzichtbares Meisterwerk!
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sid.vicious
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Re: Die toten Augen des Dr. Dracula - Mario Bava

Beitrag von sid.vicious »

Paul Eswai wird in ein kleines Dorf gerufen, um dort den angeblichen Selbstmord eines jungen Mädchens zu entschlüsseln. Die Dorfbewohner sind der Meinung, dass der Geist eines toten Kindes für den Tod verantwortlich ist. Paul Eswai will den Fall klären und wird dabei ständig mit dem Schloss der Baronesse Graps konfrontiert.

Technik und Farbgestaltung ist in einem jeden Bava-Film von Perfektion gezeichnet. Allerdings ist dem Kenner europäischen Kinos auch nicht verborgen, das Mario Bava auch manch schwächeren Film gedreht hat. Dieses trifft allerdings hier nicht zu. Die Toten Augen des Dr. Dracula oder Curse of the Living Dead oder wie auch immer man den Film nennen mag, ist ein sehr beeindruckendes Werk. Ein Film der neben seinem herrlichen, vereinzelnd märchenhaften Ambiente, einiges an Atmosphäre und Spannung zu bieten hat. Die Story ist sehr spärlich, baut sich allerdings nach und nach am Handlungsstrang auf und mündet in einem guten Finale. Dazu kommen einige sehr gut eingesetzte Kamerafahrten und überzeugende Hauptdarsteller.

Bavas Film bereitet dem Zuschauer von der ersten bis zur letzten Sekunde sehr viel Freude und Spannung. Eine Spannung die auch durch eine absolut wirksam ausgewählte Musik entsteht. Bava verwendet im Prinzip all das was einen Horrorfilm groß gemacht hat und was heute eher in Vergessenheit geraten ist.

Fazit: Ein Film der den Anhängern von klassischen Horrorfilmen, voll zu empfehlen ist.
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jogiwan
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Re: Die toten Augen des Dr. Dracula - Mario Bava

Beitrag von jogiwan »

hier ein paar Screenies, dieses wunderbaren Films:
 ! Nachricht von: buxtebrawler
Entfernt, da beim Bildhoster TinyPic leider nicht mehr verfügbar.
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kinski
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Re: Die toten Augen des Dr. Dracula - Mario Bava

Beitrag von kinski »

Grusel vom Allerfeinsten aus dem Hause Bava. Mit DIE TOTEN AUGEN DES DR. DRACULA hat Mario Bava einen Klassiker des italienischen Grusel-Horrors geschaffen. Was der Kollege Dracula im deutschen Titel verloren hat bleibt allerdings bis zum Schluss ohne Auflösung … auf jeden Fall hat er mit der Story überhaupt nichts zu tun.

Bava schafft es, die Atmosphäre, die er früher mit Filmen wie „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ in schwarz/weiß schaffen konnte, auch im Farbfilm zu erzeugen. Dies gelang dem Altmeister leider nur bei sehr wenigen seiner Streifen. Diese sind dann aber wirklich herausragend, wie eben jener OPERAZIONE PAURA, bei dem mit Giacomo Rossi Stuart ein alter Weggefährte von Kinski (z,B. in "Churchills Leoparden" oder "Mörderbestien") die Hauptrolle spielt. Mit Piero Lulli steht ein weiterer Kinski-Mitstreiter (aus „Karate Jack“) im Aufgebot. Erika Blanc sorgt für die optischen Pluspunkte und gibt in den Extras der deutschen DVD-Ausgabe auch noch interessante Einblicke zu den Hintergründen des Films.

Bava ist es hier erneut gelungen, mit verhältnismäßig geringem Aufwand eine schaurige Atmo zu entwickeln. Ein paar Geistererscheinungen, ein bisschen Nebel hier und da … mehr braucht dieser Streifen eigentlich nicht und sorgt dennoch für mächtig Herzklopfen. Der Film zählt mittlerweile zu den Filmen, die ich am häufigsten gesehen habe und findet seit Jahren einen festen Platz in meiner ewigen Top 50.

9 / 10

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jogiwan
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Re: Die toten Augen des Dr. Dracula - Mario Bava

Beitrag von jogiwan »

"Operazione paura" ist Mario Bavas erdfarbener Trip in die Welt des klassischen Grusels mit viel Nebel, Spinnweben und einem heldenhaften Giacomo Rossi-Stuart, der in einem abgelegenen Ort einem düsteren Fluch auf die Pelle rückt. Die recht flotte Geschichte orientiert sich an den Geschichten eines Edgar Allen Poe und auch die Inszenierung wirkt auf die sympathischste Weise altbacken und ist trotzdem überraschend effektiv ausgefallen. Die Darsteller inklusive Erica Blanc spielen sich die Seele aus dem Leib, die Settings sind wunderbar stimmig und am Ende bietet "Die toten Augen des Dr. Dracula" ja gleich ein paar beeindruckende Momente, bei denen Bava sein Regie-Talent auch voll ausspielen kann. Spontan würde mich auch gar nichts einfallen, was ich an diesem absolut empfehlenswerten Streifen bemängeln könnte und besser gehts in Punkto Gothic Horror dann eigentlich gar nicht!
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