Hirnkost-Verlag in der Insolvenz

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Moderator: jogiwan

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sid.vicious
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Re: Hirnkost-Verlag in der Insolvenz

Beitrag von sid.vicious »

Folgende Mail war heute Morgen in meinem Postfach:

Liebe Freundinnen und Freunde des Verlags,

Hirnkost ist zahlungsunfähig – Klaus hat es in seinem letzten Newsletter verkündet. Er hat den Verlag 2003 als Vorsitzender des Archiv der Jugendkulturen initiiert und 22 Jahre ehrenamtlich geleitet. Der Verlag war sein Lebenswerk. Und das ist nun vermutlich gescheitert. Das ist sehr tragisch.

Doch wir – die letzte Angestellte des Verlags und einige Freunde und Gesellschafter – wollen noch nicht aufgeben. Ob Hirnkost in seiner jetzigen Form gerettet werden kann, ist sehr zweifelhaft. Ein Neustart als Genossenschaft etwa setzt sehr viel ehrenamtliches Engagement voraus – vom Verpacken und Versenden der bestellten Bücher über die Druckbetreuung bis zur Pflege unserer Social-Media-Kanäle und anderer PR – all das, was bisher überwiegend Angestellte gemacht haben. Wir werden uns in den nächsten Wochen beraten lassen.

Doch da sind immer noch rund 30 Paletten mit Büchern. Wenn wir nun einfach die Schlüssel zu unseren Räumen übergeben und den Betrieb schließen, werden die mit Sicherheit alle geschreddert. Das darf nicht geschehen! Wir werden versuchen, ein sicheres Lager für sie zu finden, das wir hoffentlich auch finanzieren können.

Ihr könnt uns jedenfalls helfen. Zum einen natürlich, indem Ihr in den nächsten Tagen und Wochen noch möglichst viele Bücher kauft und damit rettet. Seht Euch zum Beispiel unsere vielen Buchpakete und Sonderangebote an, die wir – oft preisreduziert – erst in den letzten Wochen im Shop eingestellt haben. Ihr findet sie alle unter Specials.

Auch Spenden sind möglich. Größere Spenden ab 300 Euro aber bitte nicht auf das Verlagskonto, sondern auf das der Stiftung Respekt!, IBAN: DE13 4306 0967 1126 1636 00, Zweck: Hirnkost Kredit.

Traurig, aber nicht ganz hoffnungslos

Melanie

P. S. Wir suchen zwei Menschen, die uns ab Januar beim Verpacken und Versenden der Bestellungen (1x wöchentlich ca. 5 Stunden) ehrenamtlich unterstützen könnten.
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buxtebrawler
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Re: Hirnkost-Verlag in der Insolvenz

Beitrag von buxtebrawler »

Aktueller Newsletter, ich zitiere:

"Liebe Freundinnen und Freunde des Hirnkost Verlags,

ich habe mir vorgenommen, Euch etwa alle 14 Tage kurz über den aktuellen Stand zu informieren. Ich hoffe, das wird Euch nicht zu viel. Also:

Ob Hirnkost noch eine Zukunft in Form einer Genossenschaft hat, ist sehr unsicher. Zwar haben sich 32 Menschen gemeldet, die Mitglied der neuen Hirnkost Genossenschaft werden wollen, aber nur eine Person, die auch den Verlag aktiv unterstützen kann. Vor allem brauchen wir für die Genossenschaft also dringend einen geschäftsführenden Vorstand. Ohne den geht es nicht. Klaus Farin kann dies u. a. wegen der Insolvenz auf keinen Fall machen. Klaus hat sich zwar bereiterklärt, weiterhin in Vollzeit ehrenamtlich für den Verlag zu arbeiten, doch fokussiert sich das hauptsächlich auf Kommunikationsprozesse, Mitwirkung bei der Programmplanung und vor allem das Lektorat der Neuerscheinungen. Auch alle anderen Tätigkeiten müssten ehrenamtlich übernommen werden, da die Genossenschaft nicht nur schuldenfrei starten, sondern auch schuldenfrei bleiben soll. Ohne zu finanzierende Stellen kann der Verlag schon mit seinen heutigen Umsätzen schwarze Zahlen schreiben und sogar kleinere Rücklagen bilden. Für die Weiterfinanzierung meiner Stelle wäre also ein Sponsor nötig, und der ist nicht in Sicht. Wenn meine Tätigkeit Ende Februar endet, verfügt der Verlag somit über keine Angestellten mehr.

Bis Ende Februar ist auch unser Shop noch online; für die Zeit danach haben wir noch keine Lösung. Nach heutigem Stand müssen wir unsere Verlagsräume und das Lager bis Ostern räumen. Im Buchhandel werden unsere Bücher, die schon bei unserer Auslieferung in Niedersachsen sind, jedoch weiterhin lieferbar sein, denn der Insolvenzverwalter ist ja daran interessiert, dass Hirnkost weiterhin Umsätze zur Schuldentilgung macht.

Neue Titel aus eigenen Mitteln drucken können wir nicht, aber wir haben vielleicht eine Lösung gefunden, die Frühjahrstitel dennoch zu retten; denn die meisten liegen ja schon komplett layoutet vor, und die Autor:innen werden kaum kurzfristig einen anderen Verlag finden. Ein Verlag, mit dem wir schon über einen Titel verhandelt hatten, hat soeben zurückgezogen: Er stellt ebenfalls im Sommer seinen Betrieb ein. Wir haben jedoch heute eine Crowdfunding-Kampagne bei Startnext gestartet. Sobald ein Titel genügend Vorbestellungen für die Bezahlung der Druckerei erhält, kann das betreffende Werk in Druck gehen. Wir hoffen so, die meisten Titel noch retten zu können.

Auch eine kleinere zweite Auflage unseres Herbstbestsellers Tanz auf dem Vulkan – die Erstauflage von 2.000 Exemplaren war nach knapp sechs Wochen ausverkauft – ist dank Spenden aus der Punkszene schon im Druck. Anfang Februar ist das Buch wieder lieferbar. Mit der Crowdfunding-Kampagne wollen wir schon frühzeitig die dritte Auflage absichern.

Das E-Book gibt es schon heute bei allen Anbietern.

Bitte verbreitet den Newsletter bzw. vor allem den Link zum Crowdfunding auch in Euren Netzwerken. Ich bin immer wieder überrascht, wie viele Menschen noch überhaupt nichts von unserer Lage gehört haben. Dabei wird zumindest online viel darüber geredet. So haben wir gerade diese sehr fundierte Hintergrundanalyse entdeckt.

So viel für heute. Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Viele Grüße aus Neukölln
Melanie"
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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