Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Moderator: jogiwan

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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

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24.01.2026, Lobusch, Hamburg:
STUMBLING BOI!S + HARBOUR REBELS


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Dieses Konzert mit zwei Hamburger Oi!-Bands war in mehrfacher Hinsicht ein Besonderes: Es war das erste Konzert der HARBOUR REBELS, nachdem ihr Drummer Chris wegen gesundheitlicher Probleme mehrere Monate ausgefallen war (Willkommen zurück, Chris!), zudem das erste Konzerte mit Keith als zweitem Gitarristen der HARBOUR REBELS, nachdem die Band die letzten Jahre mit Dennis als alleinigem Klampfer unterwegs war, und es war das erste Konzert der STUMBLING BOI!S, das ich zu sehen bekam – schön, dass es endlich mal geklappt hat, zumal dort nun wieder mein BOLANOW-BRAWL-Bandkollege Christian als zweiter Gitarrist eingestiegen ist. Und nicht zuletzt handelte es sich um eine Soli-Veranstaltung, um Geld für jemanden zu sammeln, der von Repressionskosten betroffen ist.

Als ich gegen Viertel nach neun oder so die Lobusch betrat, traf ich lediglich einen versprengten Haufen an, was sich innerhalb der nächsten halben Stunde aber ändern sollte: Bald war die Bude voll. Etwas überraschend machten die HARBOUR REBELS den Anfang. Man war sich noch nicht ganz sicher, wie lange Chris, dem es natürlich erst einmal noch an Live-Routine mangelte, durchhalten würde. Antwort: offenbar problemlos das ganze Set durch. Nach einem Intro aus der Konserve führte Sängerin Jule souverän durch die deutsch- und englischsprachigen, eingängigen und überwiegend pogotauglichen Songs und war auch um keine inhaltlich durchaus gehaltvolle Ansage verlegen. Einer meiner Favoriten, „Die Masken sind gefallen“, kam gleich als zweite Nummer zum Zuge, während der kurioserweise kurz die Lichtanlage ausfiel. Vorm Anti-Scholz-Song erklang wie auf der Platte das G20-Lügengelaber des ehemaligen Hamburger Bürgermeisters und ja sogar Ex-Bundeskanzlers, „Raus aus dem Dreck“ ist einer meiner weiteren Lieblinge dieser Band und spätestens der Ska-Punk-Sommerhit „Beach, Beer & Sun“ brachte richtig Stimmung ins altehrwürdige Gemäuer. Das geniale „Trunkenbold“ gab’s als Zugabe. Die zweite Gitarre macht den Sound deutlich satter, mehr ist eben manchmal einfach mehr. Fazit: Die HARBOUR REBELS sind back – aber so was von!

„Ich verliere mich hier in der Ansage…“ (Stammling Boi! Christian)

Die STUMBLING BOI!S haben sich nicht nur um Christian verstärkt, sondern auch den Drumposten neu besetzt. Für meinen ehemaligen Bandkollegen Keith geriet der Abend zur Doppelschicht, denn auch hier spielt er Gitarre. Frontmann der Band ist Bommy, der mit schön heiserer Gesangsstimme die sich an klassischem 80s-UK-Oi! orientierenden englischsprachigen Stücken schmettert. Da Christian jedoch der Meinung ist, dass dieser zu wenig mit dem Publikum kommuniziere, übernahm kurzerhand er diese Aufgabe. Und zwar vor jedem Song. Da verwechselte er Bommy auch schon mal mit mir. Dass er die Bandkollegen meist erst fragen musste, worum es im jeweils folgenden Song überhaupt geht: geschenkt. Tat er’s nicht, wurde beispielsweise aus „Stumbling BOi!s Beat“ schnell ein „Song über Beatmusik“. Irgendwann kritisierte er seine Band sogar – von der Bühne aus durchs Mikro an mich gerichtet. Das hatte abseits der Musik bereits einen hohen Unterhaltungsfaktor; die Boi!s nahmen’s mit Humor und taten das, was sie am besten können: musizieren. Die Melodien wurden meist durch den dominanten Bass vorgegeben; keine Ahnung, ob das beabsichtigt war, kam aber sehr geil. Und zockte Keith mal ein herausstechendes Gitarrenlead, setzte es sich im Sound trotzdem durch. Wie bereits bei den HARBOUR REBELS gefiel mir der P.A.-Sound (wie meist in der Lobusch) ziemlich gut, zumal das Songmaterial der STUMBLING BOI!S – insbesondere bei den ältesten Stücken – mehr Pepp und Wucht aufwies als aus der Konserve. Auch hier macht sich die zweite Gitarre positiv bemerkbar. Am besten gefällt mir der leichte Anflug von Melancholie, den die STUMBLING BOI!S in ihren „Casual Oi!“ legen und der zur No-Bullshit-Attitüde beiträgt. Zwischen den eigenen Songs coverte man „Emergency“ von GIRLSCHOOL bzw. MOTÖRHEAD in einer sehr geilen, flotten Version, die als frenetisch geforderte Zugabe ein zweites Mal erklang und den Sack zumachte. Die Band hat mich überzeugt und ich wünsche ihr, dass sie in der aktuellen Besetzung mehr Glück hat als mit der vorherigen.

Spitzenabend bei Top-Stimmung wieder, der hoffentlich reichlich Soliknete eingebracht hat!

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karlAbundzu
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitrag von karlAbundzu »

24.1.2026
Schlachthof Bremen
Masa Daiko
Ein beeindruckender Teil meiner Japanreise war der Aufenthalt auf Izu, genauer Kawazu, wo wir in einem wunderschönen Hotel direkt am Meer wohnten. Dort gab es ein tägliches nachmitgliches Unterhaltungsprogramm einer regionalen Daiko-Truppe. Im Grunde sind das Trommelgruppen. Verschieden große Trommeln werden in sowohl vom Sound als auch einer Art beeindruckender Athletik bearbeitet.
Seit nun 30 Jahren gibt es eine Daiko-Gruppe auch in Bremen, und zu diesem Jubiläum spielten sie im Schlachthof. Geleitet von Masakazu Nishimine, den einst das Studium nach Bremen spülte, mit wechselnden Mitspieler*innen.
Momentan sind es auf der Bühne mit Masakazu sieben Personen. Der Gründer mit den kleinen oder ganz großen Taikos, die anderen meist an den mittleren Stand-Taikos.
Es gibt inzwischen nur Eigenkompositionen Nishimines, er läßt auch mal andere Einflüsse wie südamerikanisches zu, aber immer nur sehr dezent. Zwischen den Songs erklärt er etwas zur 30jährigen Geschichte der Gruppe und auch zu seinem eigenen Lebenslauf, führt sozusagen durch den Abend, doch läßt meist die Tromeln sprechen. Im ersten Teil gibt es meist von der Natur insoiriertes (Meer, Wald, Sommer, Herbst), im zweiten Teil eher von der Mythologie und Geschichten inspiriertes, inklusive einiger szenarischer Darbietungen. Der zweite Teil ist so auch abwechslungsreicher, da kommt ein Musiker mit einer großen Holzflöte für ein langes Intro, oder es gibt ein langes Solo des Meisters auf der sehr großen Trommel. Insgesamt hat er gerne eine Art Staffel (also Beats, die übergeben werden, dann vielleicht schneller werden, oder mehrere, die ineinanderübergehen, zum Teil mit Wechseln der Trommeln zwischen den Musikern).
Die Genauigkeit und die Intensität und Körperlichkeit der Musiker*innen ist beeindruckend, das nahm mich und meine Begleitung wirklich mit. Schon irgendwie anders als in Japan, aber jeglicher Vergleich wäre auch für beide Seiten ungerecht, da vollkommen andere Situation.
Wunderbarer Nachmittag.
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Maulwurf
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitrag von Maulwurf »

Bestimmt eine tolle Veranstaltung! Ein Film, den ich vor Jahren nur aus Versehen eingeschaltet hatte, und der mich dann vollkommen überrollt hat, war DIE REISE DES CHINESISCHEN TROMMLERS. Ich vermute, dass dieses Konzert in die gleiche Richtung ging. Da wäre ich gerne dabei gewesen. Vielen Dank für den Bericht!
Der Sieg des Kapitalismus ist die endgültige Niederlage des Lebens.
(Bert Rebhandl)
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buxtebrawler
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitrag von buxtebrawler »

31.01.2026, Kulturforum am Hafen, Buxtehude:
HEADLIGHT


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Mein erstes Country-Konzert

Norman war zusammen mit Timo (R.I.P.) das kreative Zentrum der Streetpunk’n’Roll-Band SMALL TOWN RIOT, aber auch schon immer Vollblutmusiker, der an allen möglichen Stilen handgemachter Musik nicht nur Freude findet, sondern diese auch spielt. Eine ganze Weile war er als Mitglied der APPELTOWN WASHBOARD WORMS sogar jüngster Skiffle-Musiker Deutschlands. Als irgendwann gefühlt alle nach Hamburg zogen, hielt Norman als echtes Dorfkind die Stellung und trat lieber überall im Nirgendwo live auf, ob mit einem seiner Bandprojekte oder als Alleinunterhalter, statt sich stumpf auf dem Kiez zu besaufen. Mit den APPELTOWNs hatte ich ihn früher dann und wann live gesehen, mit der spektakulären Oldschool-Rock’n’Roll-Cover-Combo SPECTATORS leider nur einmal (das aber tatsächlich auf dem Kiez). Seit langem wirkt er auch als Gitarrist und Sänger bei der Country-Cover-Band HEADLIGHT mit, die Ende Januar zwei Gigs in Niedersachsen unweit von Hamburg spielte. Als ich bei Facebook zufällig Wind davon bekam, dachte ich mir kurz, dass es vielleicht nett sein könnte, da mal vorbeizuschauen. Früher hatte Timo das zumindest hin und wieder getan, was ich immer klasse fand. Hätte ich eigentlich auch mal mitkommen können. Tja…

Naja, jedenfalls dachte sich Kiki, die HEADLIGHT bereits live gesehen hatte, ähnliches, und so klügelte sie den Plan aus, noch ein paar Freundinnen und Freunde zusammenzutrommeln, ohne Norman davon zu erzählen. Von allen, die Interesse bekundet hatten, blieben neben Kiki und mir letztlich George, Leiti alias Holger und Eike übrig, außerdem hatte ich den wieder in Buxtehude lebenden Rolf akquiriert. Bei lausig kaltem Winterwetter und nach einer weiteren verkackten Partie des FCSP (während der bereits meine ersten Biere flossen) traten wir per Bahn den Weg in die sympathische Kleinstadt an der Este an und trudelten kurz vor knapp am Kulturforum ein. Jene Location ist eine wichtige, ehrenamtlich betriebene Buxtehuder Institution, um ein kulturelles Programm das ganze Jahr über abseits von Jugendzentrum, Altstadtfest oder Irish Pub anzubieten. Die Mischung aus „Kiki +1“ auf der Gästeliste, QR-Codes auf den Kauftickets ohne vorhandenem QR-Code-Leser und seitens der Veranstalter ausgedruckten Namenslisten der Kartenbesteller, die in unserem Falle aber nicht immer identisch mit den Karteninhabern waren, sorgte für leichte Konfusionen beim Einlass. Und die Bude war quasi ausverkauft, im bestuhlten Saal hatten längst alle platzgenommen. Außer uns. Damit wir zusammensitzen konnten, blieb nur noch die erste Reihe direkt an der Bühne. Also getreu dem alten Hardcore-Motto „Always first row!“ hingefläzt und am Bierchen genippt. Noch schnell eine zu dampfen blieb keine Zeit mehr, pünktlichst um 20:00 Uhr betrat das Sextett die Bühne.

Nun hatte ich also den Schlamassel: Ich saß angetrunken zwischen weiteren angetrunkenen und mitunter etwas aufgedrehten Mitgliedern unserer Delegation, mein Nikotinspiegel sank in bedenkliche Tiefen, hinter und neben uns ein Publikum, das konzentriert der Darbietung der Band lauschen wollte und dessen Altersdurchschnitt selbst wir noch deutlich messbar drückten, und fragte mich, was ich eigentlich mit Country-Musik am nicht vorhandenen Cowboy-Hut habe? Eike protzte stolz mit seiner eigens mitgebrachten Stirnleuchte („Guckt mal, ein Headlight!“), womit er sofort im Mittelpunkt stand. Die Band zeigte sich begeistert und konterte mit einer LED-Lichterkette. Norman erkannte uns nach und nach, als er durch die Noten- und Mikroständer hindurchblicke, lachte und freute sich. Was aber hatte ich denn nun also mit Country am Hut? Klar habe ich die JOHNNY-CASH-Standards in der Sammlung (und sogar ein bisschen mehr), und JOHN LEYTON, CHIP HANNA und MR. BLUE finden sich hier ebenfalls, dann wird’s aber auch schon eng. Und Ahnung habe von Country nun wirklich null.

Doch HEADLIGHT sorgten dafür, dass das völlig egal war, um den Abend genießen zu können. Als Norman zu spielen begann, wurde mir wieder bewusst, welch großartiger Musiker er ist. Er könnte wahrscheinlich auch ‘90er-Eurodance- und Schlumpftechno-Scheußlichkeiten nachspielen und dabei das Telefonbuch singen, es würde geil werden. Zusammen mit Manuela teilte er sich den Hauptgesang, mal jeweils solo, mal abwechselnd, mal gleichzeitig, und nicht nur diese beiden Stimmen harmonierten perfekt miteinander. Die Backgrounds waren bestens auf die Stücke abgestimmt. Die klassische Rock-Instrumentierung mit zwei Gitarren, Schlagzeug und Bass ergänzte Klaus am Keyboard, der die Nummern dezent begleitete. Die Rhythmusfraktion aus Volker am Tieftöner und Matthias am Schlagzeug war supertight. Zunächst offerierte man ein paar eher getragene Nummern, bis Norman die akustische gegen die E-Gitarre tauschte und die flotteren Stücke ausgepackt wurden (im weiteren Verlauf wurde die Klampfe immer mal wieder gewechselt). Das machte tierisch Laune; die in Sachen Country vorbelasteten Kiki und Eike waren in ihrem Element und kannten jeden Song, während ich vieles zum ersten Mal hörte. Aber bei Weitem nicht alles! Einiges erkannte ich beispielsweise aus dem Radio wieder und hätte ich gar nicht zwingend im Country-Bereich verortet, bei mancher Nummer dürfte es sich auch um eine genrefremde, durch den Countrywolf gedrehte gehandelt haben. Überhaupt wiesen die meisten Songs eine angenehm starke eigene Note auf. Ein Lied über Alkohol widmete man der ersten Reihe, warum auch immer!? Manuela erwies sich nicht nur als Spitzensängerin mit ebenso viel Kraft und Ausdruck wie Seele, sondern auch als Entertainerin, ferner gar als Country-Dozentin, die immer wieder ins Publikum fragte, ob es Fragen zum Stück gebe. Sie plauderte aus dem Nähkästchen, u.a. über die Schriftgröße der Setlists, und forderte das Publikum dazu auf, sich untereinander bekannt zu machen. „Blue Moon of Kentucky“, unheimlich stark von Norman gesungen, war mein persönlicher zwischenzeitlicher Höhepunkt. Nach der Hälfte des Sets gab’s eine Pause.

Geil, endlich eine schmauchen. Vorher galt es aber noch, die von Manuela prophezeite Theken-Polonaise zu überstehen, womit nichts anderes als die mordslange Schlange am Tresen gemeint war. Doch das Kulturforum-Ausschankteam war auf zack. Zeit zum Durchzählen: Einer von uns hatte die Biege gemacht, sogar schon nach zehn Minuten. Er war von seinen Körperfunktionen übermannt worden. Ok, kommt vor. Der Rest war am Start und holte Runde um Runde. Als es weiterging, sang Eike lautstark „Wagon Wheel“ mit, woraufhin die Band ihm für die Dauer des Songs ein Mikro überließ. Wäre die Bude nicht bestuhlt gewesen, wäre wohl spätestens jetzt ausgelassen getanzt worden. So aber blieb es dabei, mit dem Fuß zu wippen, unruhig auf dem Sitz hin und her zu rutschen und sich seiner Hyperaktivität darin zu ergeben, ständig Teile des Bühnenaufbaus zu befummeln (wie es zumindest einer von uns tat, was etwas kurios anzusehen war). Zugegebenermaßen erreichte unsere erste Reihe auch der eine oder andere Ordnungsruf, vor allem, wenn zwischen den Songs zu laut miteinander gequatscht wurde. Harndrang und Bierdurst trugen ihr Übriges dazu bei, Unruhe zu verursachen und unangenehm aufzufallen, aber wat willste machen? Diese zweite Hälfte des Sets jedenfalls hatte es so richtig in sich, ein Hit (und „Das kennste doch…“-Moment meinerseits) jagte den nächsten, Norman und Finn-Ole gniedelten voller Spielfreude Soli und Leads, „Valerie“ (einst bekannt gemacht von AMY WINEHOUSE) machte auch in dieser Interpretation eine tolle Figur, und erst mit der zweiten Zugabe („Aber nur, wenn ihr alle dann auch geht!“), dem unvermeidlichen „Country Roads“, endete der Abend. Das war ‘ne Eins-A-Performance auf spielerisch höchstem Niveau von einer Band, die zudem echte Leidenschaft in die Musik legt und diese auch ihrem Publikum zu vermitteln versteht.

Als Eindruck nehme ich vor allem mit, welch breites Spektrum Country-Musik doch ist, vor allem, wenn man es mit den Genregrenzen etwas lockerer nimmt – zudem wie bereichernd es sein kann, auch in Sachen Livemusik ab und zu mal über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Schön natürlich auch, dass Norman begeistert war, uns Kapeiken mal wiederzusehen. Zu einer echten Herausforderung wurde es dann noch, auf dem Weg zum Bahnhof noch ein paar Pilsetten für die Fahrt aufzutreiben, aber selbst das hat irgendwie noch geklappt. Danke allen, die den Arsch hochbekommen haben, an Kiki fürs Organisieren unserer kleinen Ausfahrt sowie an HEADLIGHT und das Kulturforum für den fantastischen Abend! Buxtehude – immer einen Ausflug wert!

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karlAbundzu
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitrag von karlAbundzu »

30.01.26
Eisen
Bremen
Fatigue
Da mir das letzte Mal mit den Death By Horses in meiner ehemaligen Stammkneipe so gut gefiel, wollte ich dort Konzerte häufiger nutzen.
Eintritt auf Spendenbasis (aber im Grunde 10€+), und eigentlich ein ungeeigneter Raum, da Eckkneipe, zwar mit leicht erhöhtem Podest, aber keine Bühne.
Umso schöner und näher kommt man den Musiker*innen.
Diesmal Fatigue aus Berlin. Die sich wahnsinnigerweise am selben Tag hinter das Steuer setzten, um nach Bremen zu düsen, fieses Wetter und Feierabend-/Wochenendverkehr zum Trotz. Um übrigens am nächsten Tag zurück zu gondeln, ein Gig im Schokoladen Berlin stand an. Dafür haben sie sich beim Spazierengehen vor dem Gig durch das Viertel wohl auch gleich in die Stadt und ihr Bier verliebt.
So begannen sie auch gut gelaunt fast pünktlich um kurz nach acht. Und obwohl der Veranstalter noch ein Tag vorher die Trommel rührte, und ich schon dachte, dass da kaum wer kommt, war es dann auch sehr gut gefüllt. Als wir eine halbe Stunde vor Beginn reinkamen, war nur noch ein Stehtischplatz direkt vor den Musikerinnen frei. Ich stellte mich ob meines Größenvorteils ein wenig hinter meinen Leuten, stand aber immer noch beinahe auf Sichthöhe der Bassistin.
Selbst bezeichnen sie sich als „Four piece FLINTA* grunge spiced riot/punk band“. Und das passt schon gut, wir befinden uns knietief in den 90ern. Sehr grungy Gitarre, schlichter aber deutlicher und tiefer Bass, Schlagzeug mit viel Stand-Tom, und ein Gesang, der mal an Courtney Love, mal an Inga Humpe, meist an Riot Grrrrl erinnerte. Die Songs eher halb schnell, auch mal mit kurzen HC/Pogo-Tempo Ausflügen. Der Sound sehr tief gelegt, also eher Mudhoney und AmRep-Bands denn Nirvana oder Pearl Jam. Sowieso wurden sämtliche rockistischen Anteile vermieden.
Dazu kippte die Gitarristin zweimal ihr Bier um (alkoholfrei) und entschuldigte sich wegen ihrer Ungeschicklichkeit und ihrer Lernunfähigkeit. Das ist Rock n Roll!
Sehr gut aufgelegt zockten sie die ersten Songs ohne Pause durch und nahmen uns sofort mit. Da wurde Kopf genickt, leichte Tanzanflüge, die extrovertierten Frauen (Sängerin und Gitarristin sorgten für Stimmung, die Bassistin war sehr cool, aber auch ihr huschte ab und an ein Lächeln über das Gesicht. Schlagzeuger* freute sich sehr, selten jemand an den Stöcken gesehen, der dabei die ganze Zeit das Publikum beobachtet und sich so über die gute Stimmung freute.
Schöne kleine Geschichten auch: Der Bierfluss lief, einfach, wenn der Veranstalter ganz vorne steht und auf ein Wink neue Getränke für die Band bekam. Ein Song, bei dem das zweite Mikro der Gitarristin nicht ging, wurde einfach nochmal gespielt. Als der Zugabenblock durch war, und kein Song mehr übrig, gab es auf Druck des Publikums noch mal ihre neue „Single“, also das Lied, wozu es ein Video gibt (Anspieltipp). Nach 80 bis 90 Minuten war es leider vorbei. Ich hatte dann noch einen netten Plausch, inklusive LP-Kauf. Der Abend klang dann in einer anderen, ruhigen Kneipe aus.
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jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitrag von karlAbundzu »

19.02.26
Eisen Bremen
Shirley Holmes
Wieder ins Eisen, macht halt Laune, diesmal Arkschi bescheid gesagt, da ich sein Faible für die Band kenne.
Es war natürlich vol, obwohl kurzfristig circa 20 Leute absagten (was die Hälfte der Besucher darstellt), aber die Wunschliste war lang. Klar, sonst spielen sie so hunderter Venues. Gerade auch in Bremen, da es bei dieser eigentlich Berliner Gruppe ja auch Bremen-Bezug gibt.
Sie kamen relativ pünktlich, wir hatten ein Platz an der Theke, mit mittelmäßiger Sicht.
Sie waren ein wenig aufgeregt, aber gut aufgelegt, und hatten richtig Lust auf Musik machen und auch auf diese Situation. Sie nutzen zu dritt auch die ganze Breite der "Bühne", so das ein hin- und herschauen nötig war. Wir haben klassisch Bass, Gitarre (beides auch Sängerinnen) und Schlagzeuger.
Die Musik fußt im Punk, mit Einflüssen aus dem grungigen, aber auch undergroundige und (jedenfalls auf Platte) noisige NDW, meist deutsche Texte, auch hier ist man bei einigen Sachen bei NDW. man ist bei persönlichen Texten, auch bei ernsten Sachen mit zumindest Quentchen Humor, und sozial-politischem.
So rockten sie von Anfang an sehr derbe, suchten sich eher die harten, rifflastigen Lieder, zwischendurch gab es muntere "Streit"gespräche zwischen den beiden Sängerinnen, die einmal auch BAss und Gitarre tauschen.
Nach ein paar Stunden wollte sie auch niemand gehen lassen. Der Schlagzeuger ließ sich vom Veranstalter, der immer ganz gerne vorne steht immer wieder mal ein Bier reichen, und sie blieben auch nach dem Konzert sowieso da, für mich die Gelegenheit, noch eine ältere LP zu kaufen.
So verließen Arkschi und ihc lächelnd die Lokalität, noch den einen oder anderen Titel im Ohr.
Für Photos verweise ich diesmal auch auf Arkschi, meine sind tatsächlich nichts geworden, seine sahen ganz gut aus.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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karlAbundzu
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitrag von karlAbundzu »

27.02.2026, 20:00, Kesselhalle, Magazinkeller, Magazinboden
Boots Night Festival 2026
Die Boots Nights sind eine Reihe im Kulturzentrum Schlachthof, bei der gerne zwei Bands aus dem Bereich, Ska, Street Punk, Reggae im Keller auftreten. Einmal im Jahr machen sie ein Festival über zwei Tage, in dem dann auch mal über den Tellerrand geschaut wird. Dieses Jahr hatte ich nur am Freitag Zeit, doch waren da auch die Sachen dabei, auf die ich mich freute.
Vor zwei Jahren waren noch alle Konzerte in der obigen Halle. Dieses mal wurden die Konzerte zwischend er großen Halle und dem kleineren Keller abgewechselt. Vielleicht um die Umbaupausen abzukürzen, oder bei nicht so bekannten Gruppen eine bessere Atmosphäre zu schaffen.
Die Halle hat den Vorteil, dass sie Atriummäßg aufgebaut ist, so dass man von überall gut sehen kann, und alte Leute auch im Sitzen zugucken können. Nachteil bei so einem Event ist natürlich die kürzere Spielzeit der einzelnen Gruppen, im Gegensatz zu einem Einzelkonzert.
Los ging es nach einer Ansage zwei der Veranstalter (die auch auf eine Ausstellung in dem dritten sehr kleinen Veranstaltungsraum aufmerksam machten, die ich mir später hätte angucken können, aber verbaselt habe, nunja) mit den Ramenoes, einer hiesigen Ramones-Cover-Band. Die einzelnen Musiker rekrutieren sich aus gedienten Bremer Musikern sowohl aus dem Garagenpunk als auch dem hardcore – Umfeld. Ich mag die ja, sie brauchten ein bisschen, um rein zu kommen, ist als Opener ja auch immer ein wenig schwierig. Die Leute kommen rein, dann auch nicht genau ihre Klientel, doch nach ein paar Liedern machte es Laune, denen auf der Bühne auch. Sie bedienten sich ausschließlich auf Songs der ersten drei LPs. Die werden recht originalgetreu gespielt, aber es gibt kein Re-Enactment bis auf die Hose des Sängers. Aber die trägt er tatsächlich auch privat.
Nun zügigen Schrittes nach unten, mit Stopp am Klo und Bierstand. Und während es ben noch recht luftig war, war es hier bereits sehr voll. Es spielten The Altones auf, eine sehr soulige Ska Band. Auf der kleinen Bühne tummelten sich sieben Leute, dabei gab es noch nicht Mal Bläser. Zwei Sängerinnen, ein Mundharmonikaspieler und Sänger, Gitarre, Keyboard, Standbass, Schlagzeug. Am Tresen konnte ich sie schon gut hören, aber wenig sehen, es gign aber in die Beine, und meist findet man weiter vorne ja noch ein bisschen mehr Luft. Viele gehen ja erst mal rein zum Gucken.
So stand ich bald rechts vor der Bühne und so sah ich immerhin fünf der Musiker*innen, eine Sängerin und der Drummer wurden meist von einer Säule verdeckt.
Sie spielten eine schöne Nothern Soul Variante des Ska, immer laid back, mit hübschen Cover Versionen (scheinbar ist ihre Tainted Love Variante ein Szene Hit). Mir gefiel es besonders, wenn die beiden Frauen sangen, so im Wechsel, oder der Mann Mundharmonika spielte, ansonsten war dessen Gesang eher Story Telling, ok, aber die Frauen machten mehr Stimmung. Das gefiel mir gut, und ich werde sie im Auge behalten.
Dann wieder locker hoch, da war dann auch wieder ausreichend Platz für die nimmermüden Los Fastidios aus Italien. Was die so an Konzerten im Jahr abreißen ist der Hammer. Und dadurch super eingespielt auf der Bühne. Da sitzt alles: Kleine Choreos des Gesangpaares, Schlagzeug und Bass. Das ist ja Ska-Street-Punk vom feinsten, tolle Singalongsongs, und in der Kürze der Zeit hauen sie ein Hit nach dem anderen heraus. Und hier wird Bewusstsein mit sehr sehr viel Spaß verbunden.
Kleine Geschichte am Rande: Ein Freund war mit Bruder, Schwägerin und Nichte da, letztere feierte sozusagen in ihren 18 Geburtstag, vom Style eher Gothic oder Emo, und war noch nie auf einen Konzert, dass ist in ihrem Freundeskreis überhaupt nicht angesagt. Gut, die alten Männer von den Ramenoes hat sie nicht verstanden, aber schon bei den Altones ging sie mit, ebenso hier bei den Fastidios. Und am meisten bei der folgenden Band, wieder im Keller. Die Dakka Skanks, angekündigt als Mischung aus Punk, Ska, Reggae und Dub. Klang aus Brighton. Klang auch spannend. Ich musste aber erst mal 10 Minuten Luft holen an der frischen. Tja, und dann war es unten voll, so dass man nicht mehr rein kam. Fand ich dann doch unglücklich (Später viel mir ein, dass da auch die Garderobe drin war, ich hätte gar nicht mit Jacke nach Hause gehen können).
Nun, so haben wir die Stunde zum Quatschen genutzt.
Dann oben Ruts/Ruts DC. The Ruts haben wohl 1979 eins der besten Debut Alben heraus gebracht, The Crack. Für mich das beste Opening eines Albums. Punk mit leichten Abwegen zum Reggae. Mit einem sehr eigenen Style. Doch bevor sie wirklich groß wurden gab sich der Sänger den goldenen Schuss, das große H war da wirkliche eine Plage. Die übrigen drei machten als Ruts DC weiter. Es ging aber mehr in Richtung New Wave, die LP Animal Now, gefiel mir auch sehr gut, geht aber deutlich Richtung Post-Punk und Malcolm war halt ein spezieller Performer.
Vor ein zwei Jahren hörte, dass sie wieder unterwegs sind, sich eher wieder an der frühen Sachen orientieren. Von den originalen sind auch nur noch zwei dabei: Bassist und Schlagzeuger, da der Gitarrist Paul Fox 2007 verstarb. An der Gitarre jetzt Leigh Haggerty, auch alt gedient in diversen Punk und Ska – Formationen, den Gesang übernahm der Bassist Segs.
Die drei waren gut drauf, spielten viel von der ersten LP, aber auch einiges aus ihrer Rhythm and Collision Zeit, das war Punk und Reggae und ein wenig Wave. Mir gefiel das sehr gut, ich behielt meine richtig gute Laune, wundersame Weise hielt ich auch bis zum Schluss, trotz der vielen Bands, und bei der Musik auch niemals sitzend, durch.
Danach gab es noch einen launigen Plausch bei den Italienern am Stand.
Wirklich ein rundes Vergnügen, schade, dass ich am zweiten Tag keine Zeit hatte.
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jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitrag von karlAbundzu »

5. März 26, Eisen Bremen
Tajanja Wu
Wieder mal ins Eisen, dieses Mal wurde Elektro-Punk von einer One Woman Band versprochen. Taranja Wu war mir nur bekannt von Naked in English Class, ein Duo – Projekt mit dem Schweizer, also ihr Landsmann, Guz, der ja leider viel zu früh verstarb.
Das mochte ich und so war ich gespannt, was Taranja so solo machte.
Das Eisen war leider nicht so gut gefüllt, der Veranstalter bat die Leute nach „Vorne“ (naja, zwischen Bühne und Tresen sind gerade zwei Meter, da kann man den Schritt schon mal machen)
Taranja Wu hatte ein Keyboard mit Computer und eine Gitarre und sehr viele Pedale dabei.
Und so baute sie aus Sounds und Loops und live Gitarre und Keyboard ihre Songs. Und die gingen gut ab. Elektro stimmte, doch nicht so wirklich Punk, doch, vielleicht von der Attitüde. Es ging viel ums Tanzen, aber auch um sich selbst finden und Selbstermächtigung, oder um alles gleichzeitig. Tanz die Befreiung. Das alles zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht und ging in die Beine.
Wirklich schöne, und ihr gefiel es auch, sie hatte sichtlich Spaß und es nicht bereut, aus Basel mit dem Nachtzug extra zu diesem Konzert gekommen zu sein. Daher hatte sie dann auch kein Merch mit.
Schaut es euch mal an!
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitrag von buxtebrawler »

21.03.2026, T-Stube, Rendsburg:
VIOLENT INSTINCT + HABGIER + BOLANOW BRAWL


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Ursprünglich sollte dieses Konzert in Bad Oldesloe stattfinden, denn unter Kurort machen wir’s eigentlich nicht mehr (Scherz!), doch wurde es schließlich nach Rendsburg in die gute alte (und jüngst gerettete) T-Stube verlegt – einem wichtigen selbstverwalteten Ort für Live-Aktivitäten auf dem flachen schleswig-holstein’schen Land. Eigentlich hätte das Konzert auch mit den niederländischen CITY RIOT als Headliner aufwarten sollen, die letztlich jedoch wegen einer Doppelbuchung passen mussten. Veranstalter Sven alias „Oidesloer“ hatte also gut zu schwitzen, letztlich aber alles prima hinbekommen. Auch unser spätes Aufschlagen – aus den heillos überfüllten Hamburger Straßen auf die Autobahn zu kommen, dauerte länger als der eigentliche Teil der Strecke – schien den Zeitplan nicht sonderlich durcheinandergeworfen zu haben.

Nach sieben Jahren also ein zweites Mal BOLANOW BRAWL in der T-Stube, wo uns Sven und die Crew freundlich empfingen, uns mit der Bühne und deren Technik vertraut machten, den Soundcheck mit uns durchführten und uns mit superleckerem Mampf sowie Freigetränken verwöhnten. Als nach und nach die ersten Besucherinnen und Besucher eintrudelten, wurde draußen die Feuertonne angeheizt. VIOLENT INSTINCT waren auch längst da, deren Sängerin Aga stellte mir freundlicherweise ihr Funkmikro für den Gig zur Verfügung – besten Dank! Irgendwann zwischen 20:00 Uhr und 20:30 Uhr legten wir als erste Band los, was vor allem denjenigen zugutekam, die mit einer der letzten Bahnen wieder nach Hause wollten, mein Körper aber offenbar als etwas ungewohnt empfand – ich kam erst während des Auftritts langsam auf Touren. Wir zockten die komplette LP in an die Live-Situation angepasster Reihenfolge durch, was weitestgehend pannenfrei verlief. Der Keil, der die Bassdrum vom Wandern abhalten sollte, tat dies nur höchst unzureichend und geriet – wie die ganze Bassdrum irgendwann – zu einer potenziellen Stolperfalle für mich, brachte mich aber nicht zu Fall. Ha! Ansonsten war technisch alles ok und unsere aus Leuchtreklamen bestehende Bühnendeko leuchtete, während bei uns die Lampen angingen… Dafür warfen wir die vorgesehenen (Nicht-)Pausen zwischen den Songs übern Haufen, ohne uns aber zu verzetteln. Als Zugabe gab’s wie üblich „Total Escalation“, die Leute schienen zufrieden und wir hatten nun Feierabend. Fast. Hektisch bauten wir unsere Plünnen inklusive unseres neuen Banners ab, verstauten das Zeug in den Karren…

…und tatsächlich hatten HABGIER (nach einem Ennio-Morricone-Intro) schon angefangen, als ich nach einer Kippenlänge von draußen wieder reinkam. Die Neubrandenburger HC-Punk-Band ist auf Duo-Größe geschrumpft, sprich: Gitarristin/Sängerin in Personalunion, Basser/Background-Shouter – aber kein Drummer. Dieser kam aus der Konserve. Dem angemessen rauen Sound, perfekt abgerundet von der herrlich dreckigen Stimme der Sängerin, tat dies keinen Abbruch; für die Optik wäre ein(e) Drummer(in), der/die sich Animal-mäßig so richtig schön reinlegt, aber schon geil gewesen. Das deutschsprachige Material deckte die für diese Musik üblichen, leider nie überholt scheinenden Themen ab, und irgendwann gab’s einen „Song für alle DDR-Punks und die, die’s noch werden wollen“, nämlich eine Coverversion von SCHLEIMKEIMs „Frage der Zeit“. Die Klampfe sägte amtlich, kein Song dürfte länger als 90 Sekunden gewesen sein, und gefühlt recht flott war der Gig auch schon wieder vorbei. Hat Spaß gemacht – und klasse auch, dass die Band relativ kurzfristig hatte einspringen können.

Viel zu lange war’s her, dass ich VIOLENT INSTINCT zuletzt livegesehen hatte; eine ganze Weile hatten sich die Hamburger(innen) live auch eher rar gemacht. Drummerin Camila, mit der ich die Band bisher nie sah, war leider aus gesundheitlichen Gründen verhindert, die Band für diesen Auftritt also auf Quartettgröße geschrumpft. Einer der beiden Denisse hat kurzerhand von der Gitarre ans Schlagzeug gewechselt, man trat also mit nur einer Klampfe auf. Dadurch ging natürlich gerade während den Leadparts etwas Druck flöten, was man aber recht gut kompensiert bekam. Nachdem ich Aga kurz in Unruhe versetzt hatte, weil ich ihr Mikro so gut im Backstage abgelegt hatte, dass ich mich selbst nicht mehr erinnern konnte, wo genau (es sich dann aber doch noch anfand), gab’s 14 Songs lang deutsch- und englischsprachigen, klischeefreien Streetpunk vom Feinsten zu hören. VIOLENT INSTINCT stiegen mit „Lass dich fallen“ in ihr Set ein und setzten anschließend den Fokus verstärkt auf die jüngeren englischen Stücke, darunter auch eine unveröffentlichte Nummer. Und mit der geforderten Zugabe „Hamburg“ setzte man sogar noch einen drauf. Die Songs leben von ihren eingängigen Melodien, den klugen Texten und Agas melodischem Klargesang sowie ihrer Ausstrahlung. Nach wie vor eine großartige Band, von der ich hoffe, dass sie bald mal wieder neues Material veröffentlicht.

Nach dem Konzert ging’s betrunken mit Christian und Veranstalter Sven noch auf ein Bierchen in eine sehr anheimelnde Rendsburger Kneipe, woraufhin wir uns aber sputen mussten, noch die letzte Bahn zu kriegen. Am Bahnhof trafen wir einen anderen Sven, der auf dem Konzert gewesen war und zusammen mit uns weitertrinkenderweise zurückfuhr, bis ich irgendwann ziemlich zerschossen am Sonntag gegen 13:30 Uhr zu Hause wieder die Augen öffnete…

Hatte sich also mal wieder gelohnt! Danke an Sandy fürs Fahren und für die Fotos unseres Gigs, an Sheila fürs Video, an Aga fürs Mic, an Oidesloer-Sven für die Einladung und an dessen sowie das T-Stube-Team für die Gastfreundschaft mit allem Zipp und Zapp sowie nicht zuletzt allen Besucherinnen und Besuchern!

Reich bebildert auch hier:
https://www.pissedandproud.org/21-03-20 ... now-brawl/
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Diese Filme sind züchisch krank!
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karlAbundzu
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitrag von karlAbundzu »

24.3.26, Eisen Bremen, 20 Uhr
Death by Horse
Nicht mal neun Monate her, und wieder sind die Schweden in der Stadt. Der Veranstalter bekam mit, dass sie in England spielen und fragte die Band an, ob sie nicht einen Zwischenstopp machen möchten, von Malmö nach England in einem Rutsch ist doch zu weit. Sie könnten ja in Bremen übernachten, und wenn sie schon mal da sind....
So kam es. Death bH wieder im knackevollen Eisen. Und sie rissen wieder ab. Jahna, die Sängerin, war nicht zu halten und wieder überall unterwegs. Passt man einmal nicht auf, steht die auf dem Tisch neben dir und brüllt ein „I smell your fear“ ins Ohr. Auch das erst Mal Crowd Surfen im Eisen erlebt. Auch Tommy, der Gitarrist sehr aktiv. Bei Bass und Drums bin ich mir nicht sicher, ob es die selben waren, vielleicht haben sie auch nur ihren Look geändert. Auf jeden Fall schufen sie ein mehr als stabiles Gerüst für die Punk Alternativ Songs. Die meisten Songs haben ja eher eine Pogo-Strophe und nehmen ein wenig das Tempo für einen Groove aus dem Refrain. Die Hälfte des Gigs bestanden aus Songs der neuen LP, die inzwischen rauskam (ein paar spielten sie auch letztes Mal), die insgesamt schneller und härter waren als die älteren Songs. Alles ging mehr Richtung Hardcore. Wunderschön, die Liebe der Band zum Ort und des Publikums zur Band war deutlich zu spüren.
Nachdem Konzert schaute ich auf die Uhr, es waren nur 70 Minuten vergangen, bei der Energie, die so herum flog, wirkte es länger. Die Intensität war hoch, Jahna auch ein wenig angeschlagen.
Für die neue LP bin ich zu ihrem Merch-Stand, sie erkannte mich sogar wieder, und sprühte vor Begeisterung von dem Konzert, dem Ort, der Stadt, das Publikum.
Morgen in London, im kultigen Hope & Anchor, da wünsch ich denen eine gute Zeit.
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jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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