Die Erben - Walter Bannert (1982)

Moderator: jogiwan

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florianignaz
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Re: Die Erben - Walter Bannert (1982)

Beitrag von florianignaz »

Ich verfolge den Film schon einige Zeit, aber bislang hört man von Bildstörung nichts offizielles, ob er denn wirklich neu aufgelegt wird.
Sowohl das deutsche VHS-Release, als auch die amerikanischen Fassungen sind ja leider geschnitten.
Das starvideo-Release ist eindeutig länger, aber hat sehr auffällige Cuts bei sexuellen Szenen. Unter anderem die Vergewaltigung fehlt.
Beim US-Release fehlt zum Beispiel die Szene mit Rudi Schippel als Kriegsveteran komplett.
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sid.vicious
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Re: Die Erben - Walter Bannert (1982)

Beitrag von sid.vicious »

Leider sind tatsächlich nur Gerüchte im Umlauf, dass er von BILDSTÖRUNG kommen wird. Ich habe mal die deutsche VHS gesichtet und fand den Film erschreckend und zu gleich faszinierend. Demgemäß warte ich auch ungeduldig auf eine digitale deutsche Veröffentlichung.
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florianignaz
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Re: Die Erben - Walter Bannert (1982)

Beitrag von florianignaz »

Wen es interessiert:
Ich habe mir heuer für den besseren Filmgenuss eine dem ursprünglichen "Theatrical Cut" sehr nahe Fassung des Films geschnitten und daher auch eine recht ausführliche Liste der Schnitte. Das mondo macabro Release der Miramax-Version ist den einzig auf deutsch verfügbaren VHS-Veröffentlichungen qualitativ weit überlegen, trimmt aber so einiges:
  • Das Intro mit Gustav Mahlers 1. Sinfonie wurde um ca. eineinhalb Minuten gekürzt. Die anschließenden 15 Sekunden Bildmaterial durch Logos des US-Verleihs ersetzt. Die Ami-Version springt also direkt inmitten des bereits begonnenen 3. Satzes von Mahlers Sinfonie.
  • Eine Sequenz mit dem Journalisten wurde entfernt. Sein Aufenthalt im Café, sowie die Taxi-Fahrt zum Interview mit dem Parteivorsitzenden fehlen. Ca. 51 Sekunden.
  • Der Auftritt der Blasmusikkapelle wurde um ca. 27 Sekunden gekürzt.
  • Ca. 20 Sekunden wurden von Norbert Fürsts Rede geschnitten, was in der deutschen Tonspur des US-Releases durch den holprigen Schnitt stark auffällt. Es betrifft den Teil, in dem er fordert "an der Beseitigung des unglückseligen Begriffes Österreich zu arbeiten".
  • Bei der Demonstration wurde eine Sequenz, bei der ein Polizeitrupp eine Treppe hinunterstürmt um 3 Sekunden gekürzt.
  • Weiters wurde eine ca. 1 Minute und 50 Sekunden lange Sequenz bei den Wahlkampfreden gekürzt. Dies beinhaltet die Rede von Kamerad Schweiger.
  • Die Schlägerei in einem linkem Lokal wurde um ca. 12 Sekunden gekürzt.
  • Es fehlen ca. 47 Sekunden bei den Wehrsportübungen.
  • Eine etwas über 1 Minute lange Sequenz in der ein Kriegsveteran (gespielt von Rudi Schippel) über seine Erfahrungen im Krieg berichtet, wurde vollständig entfernt.
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Borderline666
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Re: Die Erben - Walter Bannert (1982)

Beitrag von Borderline666 »

1983: Der österreichische Teenager Thomas kommt aus einem Elternhaus, was wohl nicht gerade das beste ist: Die Mutter ist herrisch und der Vater traut sich nicht sich gegen seine Frau etwas aufzulehnen. Im Laufe der Zeit lernt Thomas den jungen Charly kennen, der sich in rechtsradikalen Kreisen rum treibt und ihn mit rein in das Geschehen zieht. Die von dem älteren Bonzen Fürst geführte Nachwuchsorganisation "Nationale Einheitspartei" schart junge Leute um sich, um sie in die nationale Bewegung ein zu führen, was mit Öffentlichkeitsarbeit und einem eigenen Treffpunkt verbunden ist. Als die "Nationale Einheitspartei" das gewalttätige Treiben der beiden Jungs nicht mehr weiter toleriert, werden sie Teil der Wehrsportgruppe "Jugendschutz", die das Maß der Gewalttätigkeit etwas höher legt. 

Der Hintergrund zu Bannert´s Skandalfilm ist klar: Er soll die Leute davor warnen in rechtsradikale Kreise abzudriften und veranschaulicht, was passieren kann, wenn dies dann doch geschieht. Ein Film in dieser Forma gab es in den frühen 80ern nahezu noch keine, auch weil es zu der Zeit noch recht wenige Skinhead-Gruppierungen gab, da es im ganzen Film keinen einzigen Glatzenträger gibt. Auch scheint es, dass die nationalen Bewegungen damals mehr von älteren Damen und Herren ausging, die junges Blut um sich scharen wollten. Der Film versucht aufzuzeigen, dass die Nähe zu politischen Extremen oftmals aus ihrem Gefühl der Entfremdung, Ausgrenzung und erzwungenen Ziellosigkeit Kapital schlagen. Was natürlich nicht immer der Fall ist, weil oftmals auch eine politische Überzeugung dahinter steckt, der Wunsch, etwas verändern zu wollen. 

Wie manches in dem Film dargestellt wird, lässt scheinen, dass Leute der nationalen Bewegung ziemlich frauenverachtend zu sein scheinen, was meiner Ansicht nach eher weniger der Fall ist, da Frauenfeindlichkeit keine politischen Hintergründe hat, sondern in jeder Szene oder Gesellschaft vor zu finden ist, egal wessen Geistes Kind man ist oder welcher Religion angehört oder oder oder. Der Film versucht letztendlich eher zu vermitteln, dass alle rechts-nationalen Menschen einer der größten Unholde sind, jedoch gehört an dieser Stelle gesagt, dass es überall Idioten gibt. 

Der Release in den Kinos damals stand auch unter keinem guten Stern, denn der Bannert und diverse Kinos standen unter der Bedrohung von Leuten aus der nationalen Bewegung, sprich: Oftmals wurde der Film dementsprechend aus dem Vorführprogramm genommen, um schlimmeres zu verhindern. Ob dies dann auch die Gründe sind, dass der Film es bisher nur in den USA auf DVD geschafft hat, ist fraglich. In Deutschland und in Österreich gibt es ihn bisher nur auf VHS, was ich etwas schade finde, denn sehenswert ist er allemal, ganz gleich wie man zu dem Inhalt steht. 
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