Sexy Girls in den Klauen des Krampus - Pierre Deville (2012)

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Salvatore Baccaro
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Sexy Girls in den Klauen des Krampus - Pierre Deville (2012)

Beitrag von Salvatore Baccaro »

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Originaltitel: Sexy Girls in den Klauen des Krampus

Produktionsland: Österreich 2012

Regie: Pierre Deville

Cast: Stefanie Angerer, Tamara Freiler, Bernadette Hartl, Martina Matzenberger, Alexander Krakolinig, Andreas Ortner, Tabea Pirker


„4 Sexbomben haben einen Liebhaber. Mit dem Krampus kommt der Killer, der mit den Sexbomben abrechnet. Ein Film im Stil von Jess Franco.“ So lautet die knappe und reichlich wirre Inhaltsangabe zu einem österreichischen Film aus dem Jahre 2012, der wahlweise unter Titeln wie SEXY GIRLS IN DEN KLAUEN DES KRAMPUS, 4 MODELS FOR THE DEVIL, PROVOCATIVE GIRLS IN THE CLAWS OF CRAMPUS oder LAS CHICAS PROVOCADORAS – SEXY GIRLS AND THE KAMPUS unters Volk gebracht worden ist. Lesen kann man sie auf einem Streaming-Dienst, der für dieses Werk sage und schreibe 1,99 Euro verlangt: Nach PayPal-Überweisung kann man sich SEXY GIRLS IN DEN KLAUEN DES KRAMPUS für 48 Stunden so oft anschauen, wie man möchte. Ein Schnäppchen, möchte man denken, - da würde ja das Parken vorm Kino mehr kosten. Ich jedenfalls werde mir dieses Machwerk allerdings in meinem Leben sicher nicht noch einmal anschauen und habe es schon lange nicht mehr derart bereut, 2 Euro vor die Hunde geworfen zu haben…

Regie geführt haben soll bei SEXY GIRLS IN DEN KLAUEN DES KRAMPUS ein gewisser Pierre Deville, der zumindest in der IMDB ansonsten nur noch für einen 2013er Film über Ingeborg Bachmann gelistet wird. Als Drehbuchautorin wiederum wird im Vorspann eine Dame namens Monica Armstrong aufgeführt. Aufhorchen jedoch ließ mich der Name Elmar Weihsmann, der hier als „Executive Producer“ genannt wird. Genau dieser Weihsmann hat zusammen mit seinem einstigen Partner Stefan Peczelt mit SILENT BLOODNIGHT (2006) und TAG DER TEUFEL (2007) zwei (unterdurchschnittliche) Kärntner Amateur-Slasher verbrochen, von denen wenigstens einer – nämlich TAG DER TEUFEL – sich explizit der Krampus-Thematik widmet. Außerdem frönen beide Filme – TAG DER TEUFEL mehr als der vergleichsweise zurückhaltende SILENT BLOODNIGHT – etwas, das ich einmal als „Spanking-Fetish“ bezeichnen möchte: Vollständig bekleideten Frauen wird kräftig der Hintern versohlt, wobei sie sich erst die Seele aus dem Leib schreien und sich anschließend den Allerwertesten reiben, als habe ihnen der Schlagabtausch insgeheim doch ziemlich gefallen. Ebenfalls aufs Konto von Weihsmann/Peczelt geht ein Streifen namens SPANKING DEVILS (2008), von dem ich indes nur Auszüge kenne, die sich als Bonus auf der TAG-DER-TEUFEL-DVD befinden: Auch hier ist ausnahmslos zu sehen, wie Krampusse sich in variablen Settings auf junge Frauen stürzen, um ihnen per Rutenhieben die Pobacken aufzuglühen. Könnte es sein, dass Weihsmann tatsächlich wesentlich federführender bei vorliegendem Film agiert hat, als die Credits einen glauben lassen wollen? Immerhin schreibt der Mann auch Romane und hat sich für diese Profession ebenfalls eine Unmenge an Pseudonymen zugelegt. Ein Zufall wird es sicher nicht sein, dass mindestens eine Szene in SEXY GIRLS IN DEN KLAUEN DES KRAMPUS unmissverständlich Bezug auf einen ganz ähnlichen Moment in TAG DER TEUFEL nimmt. Und, mal ehrlich: Pierre Deville = Pierre Devil?, und Monica Armstrong = Monica mit dem starken Arm (fürs Rutenhauen)?

Aber wie dem auch sei: Ob nun Elmar Weihsmann das Mastermind hinter SEXY GIRLS IN DEN KLAUEN DES KRAMPUS ist, oder ob tatsächlich die No-Names Pierre Deville und Monica Armstrong zur Rechenschaft gezogen werden müssen, ist dieser Streifen eine sprachlos machende Katastrophe, die in sämtlichen kinematographischen Belangen einer Bankrotterklärung gleichkommt. Ich habe nun nicht jeden einzelnen von Jess Francos Filmen gesehen, doch mir kommt es eher vor, als würde der arme Jesus im Grab rotieren, wenn er wüsste, was da für ein Humbug mit seinem Namen wirbt. Gehen wir die einzelnen technisch-ästhetischen Belange doch einmal kurz durch:

Drehbuch: SEXY GIRLS IN DEN KLAUEN DES KRAMPUS tut zumindest so, als würde er eine kohärente Geschichte erzählen, - was jedoch pure Schaumschlägerei ist, denn das, was einem hier als Story angeboten wird, passt in folgende gedrängten Sätzchen: Linda lebt in einem luxuriösen Anwesen, (das eher wie ein Bürokomplex ausschaut, was es in der Realität wohl auch zu sein scheint). Sie möchte den 5. Dezember, den traditionellen Krampus-Tag, allerdings nicht allein verbringen, denn aus Erfahrung weiß sie, dass als zottelige Unholde verkleidete Jünglinge einfach in ihre Privaträume stürzen, um sie mit Ruten zu malträtieren. Deshalb hat sie drei Freundinnen namens Kelly, Cindy und Jacy zu sich eingeladen. (Dass sämtliche Protagonistinnen englische Namen tragen, ist eine weitere Gemeinsamkeit und Seltsamkeit, die sich SEXY GIRLS IN DEN KLAUEN DES KRAMPUS mit SILENT BLOODNIGHT und TAG DER TEUFEL teilt.) Man will sich besaufen, bedrogen und dann Männer für gepflegte One-Night-Stands aufreißen. Aus Gründen, die sich mir nicht ganz erschlossen haben, tritt Linda am frühen Abend eine Zugfahrt an – und wird dort von einem Maskenmörder gemeuchelt. Ihre Freundinnen, die natürlich nichts davon ahnen, dass Linda bereits unsanft in eine bessere Welt geleitet worden ist, schlagen nichtsdestotrotz zur vereinbarten Zeit in ihrer Villa auf. Als sie die Gastgeberin nicht vorfinden, vertreiben sie sich eben zu dritt die Zeit – und zwar mit endlos ausgewalzten Trinkspielchen, mit zotigen Unterhaltungen, mit derbsten Zickereien, die sich zuweilen bis hin zu waschechten Katzenkämpfen auswachsen. Zwischendurch tauchen auch immer mal Krampusse auf, die unbekümmert in die Villa flitzen und unseren Heldinnen ordentlich die Hintern versohlen, bevor sie sich wieder aus dem Staub machen – denn, immerhin, es ist Krampustag, und da gehört es zum guten Ton, dass man als Frau einen roten oder blauen Allerwertesten davonträgt, (zumindest in der misogynen Parallelwelt, in der vorliegender Film spielt.) Dann aber kippt die Stimmung: Der Strom spielt verrückt; die Streitereien eskalieren; und draußen wird einer der Krampusse von einem Unbekannten aka dem Maskenmörder, der schon Linda zerhackstückt hat, überwältigt, der sich danach seines Kostüms bemächtigt, um unbehelligt ganz dicht an unsere Heldinnen heranzukommen… Ich habe mich bemüht, die arg zerfaserte, arg disruptiv erzählte, arg stagnationsfreudige Handlung so flüssig wie möglich nachzuerzählen – und trotzdem wird wohl niemand den Eindruck bekommen, dass dieser narrative Lufthauch einen Film von immerhin eineinhalb Stunden Laufzeit trägt. Und wer darauf hofft, dass am Ende wenigstens eine knackige Auflösung der Identität des Killers steht, der unseren Heldinnen nach dem Leben trachtet, der wird genauso maßlos enttäuscht sein wie vom ganzen Rest des Films.

Montage: Unterstützt wird die nahezu non-existenten Handlung von einer völlig konfusen Montage, die gerade in den ersten beiden Dritteln wirkt, als würde hier alles in den Topf geworfen werden, was die Verantwortlichen zum Thema „Krampus“ an Bildmaterial akquirieren konnten: Immer wieder streckt man die dürftige Story mit Amateur-Bildern irgendwelcher Krampus- und Perchten-Läufe aus dem österreichischen Hinterland, und jedes Mal, wenn eine der Protagonistinnen solche Signalwörter wie „Popo“ oder „Versohlen“ artikuliert, zeigt man uns wahllos irgendwelche Frauen, die von irgendwelchen Teufelsgestalten die Rute zu spüren bekommen. (Wenn mich nicht alles täuscht, wurden hierfür manche Szenen gar aus dem früheren SPANKING DEVILS recycelt.) Um noch zusätzliche Laufzeit zu schinden, suhlt sich der Film in überflüssigsten Rückblenden, die teilweise Dinge bebildern, die wir nur wenige Minuten zuvor vor Augen geführt bekommen haben: Da fragen sich Kelly, Jacy und Cindy beispielweise, wo Linda denn bloß stecken könne, und wir sehen zum wiederholten Mal, wie sie in ihrem Zugabteil abgestochen wird, oder es wird zum hundertsten Mal erwähnt, das heute der „Teufelstag“ sei, und man spult zusammenhanglose Szenen von Leuten in Krampuskostümen ab, die schellenklingelnd durch die Winternacht hüpfen. (Btw kommt der Name "Krampus" kein einziges Mal über die Schauspielerinnenlippen; immer ist bloß vom "Teufel" die Rede.) Während solches „Zusatzmaterial“ etwa 40 Prozent des kompletten Films ausmacht, glänzt aber auch die „eigentliche“ Handlung nicht mit besonderer Homogenität. Wie viele Minuten man überhaupt darauf verwendet, zu illustrieren, wie sich die angeblichen Freundinnen gegenseitig beleidigen oder gar tätlich angreifen, kann ich genauso wenig nachvollziehen wie den Umstand, dass ich gefühlte Ewigkeiten (und teilweise per Zeitlupe!) zuschauen muss, wie ein Typ im Krampus-Zwirn unsere Heldinnen jagt, packt, drischt. Wäre SEXY GIRLS IN DEN KLAUEN DES KRAMPUS ein reiner Fetisch-Film, der für ein ausgewähltes Klientel produziert worden wäre, das sexuelle Lust dabei empfindet, wenn Mädchenhintern von Ruten gestreichelt werden, dann wäre ich damit natürlich völlig d’accord – (und hätte mir den Streifen mutmaßlich niemals angesehen, weil mich dieser Kink nun wirklich kein bisschen kickt.) Da der Film aber als Horrorkomödie vermarktet wird, die sich den Anschein gibt, als würde sie auch jenseits irgendwelcher Spezialneigungen Unterhaltungswert besitzen, bricht sein Wälzen in besonders exklusiven Obsessionen dem Film endgültig sein erzählerisches Genick.

KAMERA: All die erwähnten „Zusatzszenen“ sind mit einer Wackelkamera gedreht, wie ich sie schon lange nicht mehr sehen durfte: Da wirkt es echt so, als würde der Kameramann unter einem eiskalten Entzug leiden, wenn er es beispielweise nicht mal schafft, den Camcorder, (den mit nichts anderem wurde hier offenkundig gearbeitet), einigermaßen stillzuhalten, obwohl er am Rande einer Landstraße steht und einfach nur ein entgegenkommendes Fahrzeug filmt. Die Spielszenen der Kernstory indes hat man versucht, derart mit Filtern und Effekten zuzukleistern, dass sie den Eindruck erwecken sollen, eben nicht mit einem Camcorder gedreht worden zu sein, - was allein schon deshalb zum Scheitern verurteilt ist, weil sich der Einsatz dieser Effekte und Filter kein bisschen maßvoll vollzieht, das Bild regelrecht überladen wirkt von selbstzweckhaften Gimmicks.

TON: Auch die Tonspur offeriert uns ein Tohuwabohu aus Sounds, die willkürlich collagiert wirken: Immer wieder dasselbe langweile und deplatzierte Rockgedudel; manchmal greifen die Verantwortlichen auf penetranten Techno oder volkstümliche Weisen zurück, oder kommen gar auf die Idee, einfach mal Pistolenschüsse abzuspielen, obwohl niemand im Bild überhaupt eine Waffe zückt. Dass man atmosphärische Landschaftsaufnahmen bei windigstem Wetter schießt, dabei einzig und allein den Kameraton verwendet, und diese dann auch noch völlig unbearbeitet in den Film integriert, sodass es einem in den Ohren rauscht und braust, finde ich wirklich unverständlich und zeugt entweder davon, dass die Macher es nicht besser wussten, oder wie egal ihnen ihr Produkt letztendlich gewesen sein muss. Überhaupt ist die Tonspur größtenteils so leise, dass ich Mühe hatte, mir die Dialoge zusammenzureimen – und wenn dann unvermittelt überlautes Schellengeklingel oder irgendwelche marktschreierischen Soundeffekte in Anschlag gebracht werden, droht einem das Trommelfell zu zerreißen. Es soll ja durchaus Programme geben, mit denen man die Lautstärke eines Films auf ein durchgängiges Level runterregeln kann, - doch davon haben die Drahtzieher von SEXY GIRLS IN DEN KLAUEN DES KRAMPUS anscheinend noch nie etwas gehört. Was mich gereizt hat wie ein rotes Tuch, das man einem Stier vorhält, ist das nervtötende Klingeln des Haustelefons. Der Killer nämlich scheint zu oft SCREAM geschaut zu haben und belästigt seine Opfer zunächst mit Telefonstreichen: Geht man ran, legt er auf. Und weil den Verantwortlichen dieses Mittel zur Erzeugung von Spannung so gefällt, bimmelt in SEXY GIRLS IN DEN KLAUEN DES KRAMPUS teilweise minutenlang am Stück das Telefon.

SCHAUSPIEL: Es ist sicher nicht die Schuld der vier Hauptdarstellerin Stefanie Angerer, Tamara Freiler, Bernadette Hartl und Martina Matzenberger, dass SEXY GIRLS IN DEN KLAUEN DES KRAMPUS ein äußerst fragwürdiges Frauenbild an den Tag legt und seine Protagonistinnen durch die Bank weg als äußerst dümmliche, rein hedonistisch orientierte Charaktere präsentiert werden. Dass die vier Actricen indes eine besonders saftige Gage dafür bekommen haben dürften, dass sie sich in vorliegendem Film zum Affen machen, kann ich mir angesichts der limitierten Produktionsmitteln kaum vorstellen - und ich frage mich ernsthaft, was Menschen sich dazu treibt, sich in solch einem Fetzen misslungener Kinematographie zu verdingen. Es wiederholt sich, was ich auch schon aus anderen Weihsmann-Produktionen kenne: Eine Qual ist es, den Schauspielerinnen zuzusehen, wie sie hörbar stumpf auswendiggelernte Sätze aufsagen, wie sie sich durch Dialogpassagen kämpfen, die auf dem Niveau von Bahnhofstoilettenwandsprüchen rangieren, wie sie mangelnde Ausdrucksstärke durch schrille Stimmen, stampfende Füße oder rollende Augen wettzumachen versuchen. Ganz fremdschaminduzierend wird es im Übrigen, wenn der Film sich an Selbstironie versucht – und sich dabei hoffnungslos verhebt.

Positiv kann ich im Grunde nur die (wenigen) Mordszenen bewerten, bei denen man die Farbfilter tatsächlich einmal wirkungsvoll einsetzt, und fast so etwas wie Giallo-Atmosphäre aufkommen möchte – nur kann man diese atmosphärisch dichten Momente an einer Hand abzählen und sie belaufen sich insgesamt auf vielleicht eine einzige Minute von neunzig.

Zum Abschluss noch einige denkwürdige Zitate:
„So ein paar hinten drauf bringt das Blut ganz schön auf Trab!“
„Wenn das so weitergeht, ist mein Po heute noch blau!“
„Ich habe heute schon genug Schläge bekommen und will nun endlich Sex!“
„Also ich bin schon überall hineingevögelt worden!“

In dem Sinne: Avoid at any cost!
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