Curse of the Aztec Mummy - Rafael Portillo (1957)

Moderator: jogiwan

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Salvatore Baccaro
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Curse of the Aztec Mummy - Rafael Portillo (1957)

Beitrag von Salvatore Baccaro »

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Originaltitel: La maldición de la momia azteca

Produktionsland: Mexiko 1957

Regie: Rafael Portillo

Darsteller: Ramón Gay, Rosa Arenas, Crox Alvarado, Luis Aceves Castaneda, Jaime González Quiñones

Die Aztekenmumie, Folge 2:
Noch im gleichen Jahr wie LA MOMIA AZTECA entsteht, erneut unter der Regie von Rafael Portillo, das Sequel LA MALDICIÓN DE LA MOMIA AZTECA – wobei der eine Film derart organisch in den vorherigen hineinwächst, dass es fast den Eindruck erweckt, es handle sich bei LA MOMIA AZTECA eher um eine von Anfang an seriell konzipierte Filmreihe und nicht um mehrere eigenständige, unabhängige Filme. Tatsächlich setzt LA MALDICIÓN DE LA MOMIA AZTECA genau dort ein, wo LA MOMIA AZTECA geendet hat, und zwar ausnahmslos mit exakt den gleichen Figuren und Schauspielern, der gleichen effekthascherischen Musik, der gleichen grob-naiven Ästhetik, die mir schon beim ersten Film kindliche Freude bereitet haben.

Der Superverbrecher El Murciélago, der es in LA MOMIA AZTECA auf einen sagenumwobenen Aztekenschatz abgesehen und damit Leib und Leben unserer Helden gefährdet hatte, ist gefasst und enttarnt: unter dem putzigen Fledermauskostüm steckt ein Kollege Dr. Almadas, ein gewisser Dr. Krupp, dessen deutscher Name allein schon Gänsehautschauer sorgt, wenn es sein teuflisches Spitzbärtchen wider Erwarten nicht schaffen sollte. Zu Beginn von LA MALDICIÓN DE LA MOMIA AZTECA sitzt Krupp gerade auf dem örtlichen Polizeirevier und hat für die stochernden Beamtennachfragen, wo denn seine Bande versteckt sei, nur Hohngelächter übrig. Ebenfalls anwesend sind Eduardo Almada, sein kleiner Bruder Pepe sowie seine Liebste, Flor, die trotz des Tods ihres Vaters im ersten Teil und trotz der Tatsache, dass sie von einer Aztekenmumie verschleppt worden ist, bester Dinge zu sein scheint. Krupp, dem eine seltsame Hintergrundgeschichte angedichtet wird, in der es heißt, er habe seinen akademischen Ruf dadurch verspielt, dass er Tieren menschliche Organe implantiert und dadurch schreckliche Monstren geschaffen habe, von denen man in vorliegendem Film allerdings leider kein einziges zu Gesicht bekommt, steht ihr darin in nichts nach, und bleibt erwartungsgemäß sowieso nicht lange in Polizeigewahrsam. Seine Getreuen – inzwischen ist die Fledermausbande von zwei Scheren zu insgesamt sieben angewachsen - zögern nicht, ihn bei der Überfuhr ins nächste Gefängnis aus den Fängen der Staatsgewalt zu befreien.

Trotz des völlig unvermittelten Auftauchens eines luchadors namens El Ángel, den ich im ersten Moment für El Santo gehalten habe, sind die Schlapphutganoven erfolgreich in ihrem Unternehmen. Eine Schießer- und Prügelei später liegt El Ángel erniedrigt und vermöbelt im Sand, sämtliche Polizisten sind von Maschinengewehrsalven niedergemäht, und Dr. Krupp wird von seinen Untergebenen in sein in irgendeiner entlegenen Lagerhalle liegendes geheimes Labor geführt, wo er sofort wieder Feuer und Flammen bei dem Gedanken fängt, nun zum zweiten Mal in den Besitz des oben erwähnten Aztekenschatzes zu gelangen zu versuchen, nicht aber, wie er ausdrücklich betont, um des plumpen Reichtums willen, sondern aus purem Ehrgeiz. Leider weiß Krupp nicht, wo genau in der Pyramide Tenochtitlans die Schatzkammer versteckt ist, nur Almada und seine Familie kann ihm da weiterhelfen, weshalb eine weitere Entführung ansteht, erneut mit Flor als Opfer, und, weil sie von dem Lärmen geweckt wird, Almadas Töchterchen Anita. Almada, Pepe und Pinacate, der, wie in LA MOMIA AZTECA, erneut mit seiner unverhohlenen Feigheit für Lacher sorgen soll, werden grün und blau geschlagen, die Verbrecher entkommen mit ihrer kostbaren Beute und liefern sie an Dr. Krupp aus, dessen Plan nun vorsieht, Almada zu erpressen: sollte er ihm nicht Schriftzeichen auf dem bereits aus Teil eins wohlbekannten Brustharnisch und Amulett entziffern, die eindeutig den Ort des Schatzverstecks bezeichnen, wird er Anita und Flor sämtliche Härchen ihrer zarten Körper krümmen. Almada gibt sich, da ihm kein anderer Ausweg bleibt, in die Hände der Banditen und muss diese in die verfluchte Pyramide begleiten, in die man die kostbaren Relikte einen Film früher zur Besänftigung der Mumie zurückgebracht hat. Es ist nur eine Frage der Zeit bis diese erneut erwacht und sich bitter an den Störern ihrer Ruhe zu rächen beginnt…

Meine These ist: LA MOMIA AZTECA und LA MALDICIÓN DE LA MOMIA AZTECA sind keine eigenständigen, aufeinander aufbauenden Spielfilme, sondern in Wirklichkeit back-to-back gedreht worden, d.h. unter der Prämisse, aus einem bestimmten Haufen an Bildmaterial mehrere Filme zu schneiden, die dann allerdings separat vermarktet werden. Nicht nur, dass LA MALDICIÓN DE LA MOMIA AZTECA, dessen Laufzeit bloß etwas mehr als eine volle Stunde beträgt, mit exakt demselben Cast ausgestattet ist wie schon sein vermeintlicher Vorgänger, außerdem findet sich in ihm zweimal Material, das schon in LA MOMIA AZTECA verwendet wurde. Zum einen wird in einer knapp fünfminütigen, extrem zeitschindenden Rückblende noch einmal die komplette Vorgeschichte der aztekischen Mumie aufgekocht. Dr. Krupp berichtet seinen Untergebenen, die das doch eigentlich längst wissen sollten, davon wie er, verkleidet als Fledermaus, dem Experiment zugeschaut und zugelauscht hat, das Almada in Teil eins mit seiner Verlobten anstellte, verliert sich in langen Ausführungen zu Flors früherem Leben als Xochitl und schweigt schließlich, um dem Film Gelegenheit zu geben, in aller Ausführlichkeit die Tanz- und Sangriten zu wiederholen, mit denen Xochitls verbotener Verehrer Popoca lebendig begraben und zu ewiger Ruhelosigkeit verurteilt worden ist. Mögen diese Szenen im Kontext von LA MALDICIÓN DE LA MOMIA AZTECA durchaus Sinn machen – immerhin ist es möglich, dass selbst ein glühender Fan des ersten Teils bei Erscheinen des zweiten inzwischen das eine oder andere Detail vergessen hat -, gibt es einen Strauß anderer, die mich stutzig werden ließen. LA MOMIA AZTECA eröffnete mit einer Schießerei zwischen Anhängern der Fledermausbande und Polizisten, die dort ziemlich isoliert dastand und zudem nur wenige Sekunden gedauert hat. In LA MALDICIÓN DE LA MOMIA AZTECA wird die gleiche Schießerei gezeigt, diesmal jedoch, scheint es, in voller Länge. Offensichtlich ist, dass man LA MALDICIÓN DE LA MOMIA AZTECA wenigstens teilweise aus Material zusammen-gesetzt hat, das schon zu Zeiten von LA MOMIA AZTECA vorgelegen haben muss.

Nichtsdestotrotz hat LA MALDICIÓN DE LA MOMIA AZTECA lange nicht mehr die Frische des vermeintlichen Vorgängers, da mag der Film noch so sehr mit einer Naivität aufwarten, die keine Grenzen kennt. Dass nahezu der komplette Film in einer handelsüblichen Lagerhalle spielt und seine episodenhafte Handlung sich vorwiegend aus Entführungs- und Befreiungsszenen speist, wohingegen LA MOMIA AZTECA immerhin mit der Aztekenresidenz Tenochtitlan eine wesentlich schauderhaftere Kulisse aufzubieten hatte, die man in stimmungsvollen Schwarzweißbildern einzufangen wusste, ist wohl mein wichtigster Kritikpunkt. Ich finde es einfach nicht allzu spannend, selbst wenn es nur knapp eine Stunde dauert, dem hämisch grinsenden Dr. Krupp, dessen schickes Fledermauskostüm ich im Übrigen schmerzlich vermisse, dabei zuzusehen wie er unsere Helden bedroht, erpresst, einsperrt oder ordentlich zusammenschlagen lässt. Die Aztekenmumie selbst hat demgegenüber eine noch untergeordnetere Rolle als einen Film zuvor: ihr endliches Erscheinen wirkt mehr wie ein angetackerter Appendix, um den eigenen Filmtitel keine Lüge zu strafen, und wenn sie dann in Aktion treten darf, beschränkt sie sich, wie schon in Teil eins, darauf, zombiegleich umherzustapfen, die Arme wie Frankensteins Monster weit von sich gestreckt, um mit ihnen in Zeitlupengeschwindigkeit nach ihren Opfern zu greifen.

Während in LA MOMIA AZTECA das Umherschwirren der Fledermaus wenig storyrelevant gewirkt hat, ist es in LA MALDICIÓN DE LA MOMIA AZTECA der Wrestler El Ángel, der irgendwie völlig sinnbefreit durch die Handlung geistert ohne sie jemals nennenswert zu beeinflussen. El Ángel, der seine Mission in eigenen Worten dahingehend zusammenfasst, dass er das Gute schützen und das Böse bekämpfen wolle, ist der wohl mit Abstand bemitleidenswerteste luchador der gesamten mir bekannten mexikanischen Filmgeschichte. Niemals, wirklich kein einziges Mal, schafft er es, als Sieger aus einem seiner Kämpfe hervorzugehen, ständig wird der Arme von Dr. Krupps Handlangern nach allen Regeln der Kunst verdroschen, in einer brenzligen Situation, nämlich an einer Deckenlampe festgeklammert über einer Grube voller giftiger Schlangen zappelnd, muss er gar den etwa zehnjährigen Pepe um Hilfe rufen, um sich von dem kleinen Buben das Leben retten zu lassen. Dass am Ende Angsthase Pinacante unter der Engelsmaske zum Vorschein kommt, ist da zumindest ein witziger Einfall, der es fast so wirken lässt, als habe man mit El Àngel so etwas wie die Karikatur eines typischen wrestlenden Superhelden konzipieren wollen – vielleicht denke ich aber auch einfach nur wieder zu weit, und die Verantwortlichen haben es schlicht für eine nette Idee gehalten, ihren storyarmen Film dadurch aufzupeppen, dass man eben einen modischen luchador in ihn hineinwirft, ob das nun Sinn ergibt oder nicht.

Man verstehe mich nicht falsch: LA MALDICIÓN DE LA MOMIA AZTECA ist unreflektierte Unterhaltung im besten Sinne, ein geistloses Machwerk im Geiste eines Kinos, das gerade erst das Laufen gelernt hat und durch eine Räuberpistole nach der andern taumelt, naiv, unbedarft, vorpubertär und mit großem Willen zum spektakulären Abenteuer. Im direkten Vergleich muss LA MOMIA AZTECA mit seiner Schauermotivik, seinem spröden Charme, seiner Fledermaus und seiner höheren Mumien-Präsenz jedoch definitiv als der bessere, weil weniger formelhafte, ursprünglichere Film gelten
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Salvatore Baccaro
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Re: Curse of the Aztec Mummy - Rafael Portillo (1957)

Beitrag von Salvatore Baccaro »

Zufällig bin ich auf diese hochinformative, faktenorientierte, historisch-kritische Mini-Dokumentation in mehreren Teilen gestoßen, die meinen Verdacht, dass sämtliche LA-MOMIA-AZTECA-Filme back-to-back gedreht und später erst zu drei eigenständigen Filmen zusammenmontiert worden sind, freiheraus bestätigt:

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karlAbundzu
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Re: Curse of the Aztec Mummy - Rafael Portillo (1957)

Beitrag von karlAbundzu »

Eigentlich als Mexiko-Vorbereitung inklusive Spanisch-Stunde hat er doch erst ein dreiviertel Jahr später den Weg in den Player gefunden.
Ja, sehr unterhaltsam. Trotz des unnötig komplizierten Plans des Oberbösewichts (ein wirklich hervorragend chargierenden Schauspieler, dieses Bartgekraule!!! Im Gegnsatz dazu die Darstellerin von Flor, die eigentlich ihr Gesicht gar nicht bewegt und ich vermute, dass sie die ganzen 67 Minuten hypnotisiert war) und kleiner Unlogeleien. Und doch allzu kurzem Auftritt der Mumie, die dafür aber recht anschaulich (Brrrr) war. Aber es gab auch einen Luchadore (nach meinem Aufenthalt in eben diesem wunderschönen Land inklusive einem Besuch bei einem Lucha Libre mag ich das ja noch mehr) El Angel, der wahrscheinlich erfolgloseste verkleidete Superheld ever. Der verliert fast alle Kämpfe. Und holt noch ein Kind in die Höhle des Löwen, um ihn zu retten. Nun gut.
Alles in allem spaßig und ich merkte, dass ich tatsächlich noch ein paar Wörter Spanisch kann.

PS: Danke für die Doku, Salvatore.

PPS: Ich hab die Ausrisse aus dem Flugzeug-Mag wiedergefunden, aber die Scans sind zu groß zum einbinden, muss ich noch mal ran. Von den Mumien ist auch keiner dabei, auch nicht in den Top11 von Benicio del Toros Topliste.

PPS: Ich habe eigentlich gehofft, dass die Mumie irgendwann : Give me my bracelet back. so wie in diesem song.[BBvideo][/BBvideo]
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Arkadin
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Re: Curse of the Aztec Mummy - Rafael Portillo (1957)

Beitrag von Arkadin »

Ich habe gehört, dass irgendjemand in diesem Blatt hier was längeres über die mexikanischen Mumienfilme geschrieben haben soll. :pfeif:

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http://35mm-retrofilmmagazin.de/produkt ... rilmai-17/
Früher war mehr Lametta
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