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buxtebrawler hat geschrieben: ↑Do 19. Aug 2021, 13:55
ugo-piazza hat geschrieben: ↑Fr 30. Apr 2021, 16:30
Ab August von Koch auf Blu-Ray
Ist mutmaßlich am 12.08.2021 bei Koch Films auf Blu-ray und auch noch einmal auf DVD erschienen:
Extras:
- Spielfilmlanges Interview Billy Wilder im Gespräch mit Hellmuth Karasek
- Featurettes mit Wilder und Volker Schlöndorff
- Trailer
- Bildergalerie
Quelle: OFDb-Shop
Gestern gekauft und gleich geschaut, denn erstmalig hatte ich nun die Möglichkeit, zum O-Ton auch Untertitel zu genießen. Die orientieren sich auch tatsächlich am Originalton und sind somit wahrlich hilfreich, denn spätestens, wenn McNamara bei Ottos Umerziehung auf Vollgas umschaltet, habe ich mit meinem Schulenglisch rettungslos verloren gefühlt.
Die technische Bearbeitung soll übrigens von LSP gemacht worden sein.
Im Bonusmaterial sind die 3 Minuten mit Schlöndorff wahrlich unnötig, und dann gibt er auch noch den Inhalt falsch wieder. Aua!
„Manchmal weiß man wirklich nicht, wer den Krieg gewonnen hat!“
US-Regisseur Billy Wilder („Manche mögen's heiß“) drehte 1961, im Jahr des Mauerbaus also, in West-Berlin seine komödiantische Kalter-Krieg-Satire „Eins, zwei drei“, deren Drehbuch er zusammen mit I. A. L. Diamond verfasste. Dieses fußt auf dem gleichnamigen Bühnenstück Ferenc Molnárs aus dem Jahre 1929 und scheint zudem vom US-Spielfilm „Ninotchka“ beeinflusst. Während der Dreharbeiten kamen Wilder und seinem Team der Bau der Berliner Mauer in die Quere, weshalb Teile in den Bavaria-Filmstudios gedreht werden mussten und ein (verkleinerter) Studionachbau des Brandenburger Tors zum Einsatz kam. Bei seiner Erstaufführung floppte der Film, u.a. aufgrund der aufgeheizten politischen Stimmung, im Laufe der Jahrzehnte und hierzulande im Zuge einer Kino-Wiederaufführung in den 1980ern entwickelte sich jedoch eine immer größere Fan-Gemeinde, die Wilders rasanten Persiflage-Rundumschlag zu schätzen lernte.
„Wie wär‘s jetzt mit einem Wodka-Cola?“
Der Chef des West-Berliner Coca-Cola-Sitzes C.R. MacNamara (James Cagney, „Der Admiral“) will mit dem koffeinhaltigen Erfrischungsgetränk auch den roten Osten erobern und steht daher in Verhandlungen mit der sowjetischen Handelskommission, als der erzkonservative Konzernchef Hazeltine (Howard St. John, „Verschwörung im Nordexpress“) mit einer Bitte an MacNamara herantritt: Er solle ein Auge auf Hazeltines jugendliche Tochter Scarlett (Pamela Tiffin, „Ein schwarzer Tag für den Widder“) haben, die auf Berlin-Besuch kommt. Das ist leichter gesagt als getan, denn Scarlett ist ebenso weltfremd und naiv wie liebesdurstig – und verliebt sich ausgerechnet in den idealistischen Ost-Berliner Jungkommunisten Otto Ludwig Piffl (Horst Buchholz, „Die Halbstarken“), den sie einen Tag, bevor ihr Vater ebenfalls nach Berlin reist, heimlich ehelicht. Und es kommt noch ärger: Schwanger ist sie auch noch von ihm! Nun ist Coca-Cola-Land in Not, wie soll MacNamara das seinem Chef erklären? Da hilft nur noch eines: Ideologische Umerziehung im Schnelldurchlauf. Wird es MacNamara gelingen, aus Piffl einen USA-kompatiblen Kapitalisten zu machen…?
Die Handlung spielt kurz vor dem Mauerbau, deutsche, österreichische und schweizerische Filmstars wie Liselotte Pulver („Ich denke oft an Piroschka“) als MacNamaras Sekretärin und Vertreterin des „Fräuleinwunders“, Karl Lieffen („Tadellöser & Wolf“) als MacNamaras stetig salutierender Fahrer Fritz, Hanns Lothar („Die Buddenbrooks“) als MacNamaras Diener Schlemmer, Leon Askin („Die Lachbombe“), Ralf Wolter („Der Maulkorb“) und Peter Capell („Der Satan lockt mit Liebe“) als die Sowjets Peripetchikoff, Borodenko und Mishkin sowie natürlich Horst Buchholz geben sich die Klinke in die Hand. MacNamara führt zu Beginn als Off-Erzähler in die Handlung ein, um als Berufshektiker sowie Choleriker in Gestik, Mimik und Sprache anschließend das hohe Tempo des Films vorzugeben, das zur Handlung passt: geschäftiges kapitalistisches Treiben, alle haben wenig Zeit und nicht zuletzt die Verwestlichung der Nachkriegs-BRD in einer Mordsgeschwindigkeit. „Eins, zwei, drei“ ist ein von MacNamaran auch im Originalton auf Deutsch wiederkehrend verwendeter Ausspruch, um seine Mitmenschen anzutreiben, „Sitzen machen!“ ruft er (ebenfalls auch im O-Ton) seinen Mitarbeitern zu, wenn sie – durch die NS-Diktatur sozialisiert – strammstehen, wann immer er ihr Großraumbüro betritt.
Wilders Film lebt viel vom spitzem Dialog- und Wortwitz inklusive zahlreichen Anspielungen auf die deutsche Nazivergangenheit (MacNamaras Frau Phyllis (Arlene Francis, „Alle meine Söhne“) pflegt ihren Mann „Mein Führer“ zu nennen…) und das sozialistische Ostsystem, ergänzt um Situationskomik, Running Gags und Slapstick-Elemente, kulturelle Anspielungen und Verballhornungen von Stereotypen. Der deutsche Gehorsams- und Untertanengeist wird ebenso aufs Korn genommen wie die Geschichtsvergessenheit – es sei doch nie etwas gewesen, eigentlich sei man unschuldig etc. –, die insbesondere Diener Schlemmer verkörpert. Dieser schlägt noch immer inbrünstig die Hacken zusammen, kann sich an einen Adolf aber nicht mehr erinnern… MacNamaras Kraftakt in Bezug auf Piffl wiederum veranschaulicht und persifliert die Oberflächlichkeiten des Kapitalismus. Übertrieben ist es indes, Piffl keinerlei Tischmanieren zuzugestehen. Letztlich bekommen aber eben alle drei Parteien ihr Fett weg.
Wilder arbeitet zeitgenössische Ereignisse wie eine sozialistische Demonstration inklusive Gesang der Internationalen ebenso in den Film ein wie die ebenfalls reale Geheimnistuerei um die Coca-Cola-Formel und lässt Ingeborg aufreizend den Säbeltanz auf einem Tisch aufführen, sehr zum Gefallen der sowjetischen Delegation. Jener Säbeltanz zieht sich als musikalisches Motiv durch den Film und unterstreicht bzw. verstärkt noch einmal die allgemeine Hektik. Eine Verfolgungsjagd findet stilecht per Trabant statt. Die Gags folgen nicht selten im Stakkato aufeinander, die Geräuschkulisse ist hoch und bewusst enervierend. Von Piffls Idealismus bleibt am Ende nicht viel, vom Amüsement fürs Publikum manch etwas plumpen Scherzes zum Trotz hingegen umso mehr. Dem gegenüber steht ein etwas fragwürdiges Frauenbild, das sich jedoch in die allgegenwärtige Ironie durchaus einfügt und sicherlich nicht überbewertet werden sollte. Schade finde ich persönlich, dass „Eins, zwei, drei“ noch in Schwarzweiß gedreht wurde, denn nur allzu gern hätte ich dieses Ensemble innerhalb dieser Handlung im Berlin kurz vorm Mauerbau in prächtigen Farben gesehen.
Nichtsdestotrotz ist Billy Wilder und seinem Team mit „Eins, zwei, drei“ eine der beachtlichsten US-Komödien der 1960er gelungen, die zudem ein wundervolles historisches Zeitdokument in cineastischer und politisch-historischer Hinsicht darstellt, die James Cagney überaus eindrucksvoll in seiner letzten Hauptrolle präsentiert und an der sich nicht zuletzt verbohrte Ideologen gleich welcher Strömung so richtig schön stören können – womit er seiner Zeit voraus war. Danke für die Aufmerksamkeit, Sitzen machen!
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Für mich wirklich bei jeder Sichtung ein Schenkelklopfer ist ja, wenn die drei Russen Piffl auslösen wollen, um Fraulein Ingeborg als Sekretärin zu gewinnen, und Borodenko sich als Geheimagent zu erkennen gibt, den Deal aber trotzdem durchziehen will. Peripetschikoffs Bedenken wischt er beiseite, notfalls würde man sich halt nach West-Berlin absetzen. Darauf sagt Peripetschikoff: "Du hast leicht reden, denn du bist Junggeselle. Weißt du, was sie machen mit meiner Familie? Sie stellen an Wand und schießen tot allesamt! Meine Frau, meine Schwiegermutter, meine Schwägerin, mein Schwager" Er hält kurz inne, dann huscht ein Lächeln über sein Gesicht. "Genossen, wir machen es!"