Gnadenlos schön - Michael Patrick Jann (1999)

Moderator: jogiwan

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jogiwan
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Gnadenlos schön - Michael Patrick Jann (1999)

Beitrag von jogiwan »

Gnadenlos schön - Michael Patrick Jann (1999)

Bild

Originaltitel: Drop Dead Gorgeous

Herstellungsland: USA, Deutschland / 1999

Regie: Michael Patrick Jann

Darsteller: Kirsten Dunst, Ellen Barkin, Allison Janney, Denise Richards, Kirstie Alley, u.a.

Story:

In dem kleinen Ort Mount Rose stehen die alljährlichen Wahlen zur Schönheitskönigin an und zu diesem Zweck findet sich ein kleines Kamerateam ein um die Geschehnisse rund um die Wahl zu filmen und werden Zeuge gar seltsamer Ereignisse....
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buxtebrawler
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Re: Gnadenlos schön - Michael Patrick Jann (1999)

Beitrag von buxtebrawler »

Michael Patrick Janns („Reno 911“) Regiedebüt aus dem Jahre 1999 soll trotz Staraufgebots ein ziemlicher Flop gewesen sein – falsche Promotion oder Desinteresse an einer bissigen Satire auf Schönheitswettbewerbe und die damit verbundene US-amerikanische Unkultur? Ich weiß es nicht, aber mit Kirstie Alley, Kirsten Dunst & Co. verfügt „Gnadenlos schön“ über einige zugkräftige Namen. Der Film gibt sich als ein Dokumentarfilm, fällt aber dennoch nicht in den Bereich „Mockumentary“, da er so dermaßen überkandidelt und überspitzt angelegt wurde, dass selbst der dümmste Ami kapiert, dass es sich um keine echte Dokumentation handelt. Das ist sehr schade, öffnet aber andererseits Tür und Tor für vordergründigen Brachialhumor, makabere, schwarze Scherze und Übertreibungen jeglicher Art, wobei vor kaum etwas Halt gemacht wird und alle ihr Fett wegkriegen – seien es nun verbissen-ehrgeizige Eltern, geltungssüchtige, oberflächliche Teenager, eine in allen Belangen inkompetente Jury etc. pp. Darunter leidet allerdings der Handlungsfaden etwas und es ist nicht immer leicht, zwischen all den Gags den Überblick über die Charaktere und die eigentliche Geschichte zu bewahren. Das hat zur Folge, dass wer es humoristisch lieber etwas subtiler mag, relativ bald auf Durchzug stellen könnte. Leider ist auch das Timing gewöhnungsbedürftig, insbesondere, wenn das eigentliche Finale deplatziert und aufgesetzt wirkt, weil der Höhepunkt bereits zuvor erreicht wurde. Einige aberwitzige Ideen, z.B. wenn nach einer Explosion und daraus resultierenden Verbrennungen eine Bierdose eine dauerhafte Symbiose mit der Hand einer „White Trash“-Mama (Ellen Barkin) eingeht, sind aber sehr memorabel und sorgen für ein klar überdurchschnittliches Vergnügen. Die Schauspielerinnen geben hier wirklich alles, scheinen sich teilweise selbst zu parodieren und als hellstes Sternchen blitzt Kirsten Dunst hervor, die Sympathieträgerin, sofern es überhaupt eine gibt, des Films. Unterm Strich eine gelungene, unterhaltsame, etwas überfrachtete Satire, von der ich mir gut vorstellen kann, dass sie bei wiederholtem Ansehen den Zuschauer weniger fordert, zusätzliche Details offenbart und noch besser zündet.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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purgatorio
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Re: Gnadenlos schön - Michael Patrick Jann (1999)

Beitrag von purgatorio »

GNADENLOS SCHÖN (DEOP DEAD GORGEOUS, USA/Deutschland 1999, Regie: Michael Patrick Jann)

Im Kleinstadt-Kaff Mount Rose, Minnesota, findet alljährlich ein Schönheitswettbewerb statt. Nebst Stipendien in Höhe von 50 und 150 Dollar für eine Berufsschule nach Wahl winkt der Siegerin die Möglichkeit an überregionalen Wettbewerben teilzunehmen und dem verhassten Ort zu entkommen. Entsprechend groß ist die Teilnehmerzahl und ebenso hart ist der Konkurrenzkampf. Ein Fernsehteam begleitet die Vorbereitungen, Proben und das große Finale und liefert somit einen eindrucksvollen Blick hinter die Scheinheiligkeit amerikanischer Spießbürger und solcher, die es werden wollen…

GNADENLOS SCHÖN ist eine gnadenlose, bissige und höchst amüsante Satire! Wie verbissen und auf wessen Kosten dem amerikanischen Traum nachgejagt wird, wie Fremdes in der eigenen Gesellschaft ausgegrenzt wird, wie Schönheitswahn in Idiotie gesteigert werden kann und wo Größenwahn beginnt - oder aufhört - oder beides, wird in diesem Film unter Zuhilfenahme einer beachtlich hohen Gag-Dichte eindrucksvoll und witzig präsentiert und parodiert. Die satirischen Überspitzen finden sich dabei sowohl dezent und im Hintergrund als auch in Form von Brachialhumor. Lediglich zum Ende hin nehmen die Intensität und auch die Trefferquote der Zoten ein wenig ab.

Selbst der dokumentarisch „objektive“ Blick bleibt nicht geschont. Auch die Männer hinter der Kamera bekommen ihr Fett weg während sie die Schattenseiten des american way of life dokumentieren. Dazu müssen sie nicht erst im Vorbeigehen mit dem Team der Fernsehserie COPS abklatschen – was sie dennoch tun.

GNADENLOS SCHÖN ist bis ins Detail abgefahren und skurril, schräg, komisch, albern und fantastisch unterhaltsam. Wahrscheinlich nicht zu Letzt eben weil es so real ist. 7/10!
Im Prinzip funktioniere ich wie ein Gremlin:
- nicht nach Mitternacht füttern
- kein Wasser
- kein Sonnenlicht
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jogiwan
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Re: Gnadenlos schön - Michael Patrick Jann (1999)

Beitrag von jogiwan »

ein sehr langer Bericht zum imho "most underrated movie ever" anlässlich des 15-Jahr-Jubiläums! :prost:

http://www.buzzfeed.com/louispeitzman/d ... dkx4jBJerw
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jogiwan
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Re: Gnadenlos schön - Michael Patrick Jann (1999)

Beitrag von jogiwan »

„Gnadenlos schön“ ist ja auch ein Film, der immer wieder gerne und regelmäßig im Player landet und in Zeiten von Trump und Co. ist diese Mockumentary über einen Teenie-Schönheitswettbewerb in einer US-Kleinstadt ja aktueller denn je. Eigentlich wenig verwunderlich, dass der Streifen im Jahr 1999 trotz seiner eindrucksvollen Besetzung wenig Anklang fand, da er ja der amerikanischen Bevölkerung gleich in Punkto Doppelmoral und sonstige Abgründe einen wenig vorteilhaften Spiegel vorhält und gleich im Bausch und Bogen gegen so ziemlich alles ätzt, auf was sich beschauliche Kleinstädte und ihre selbsternannten Bewahrer von Moral und Anstand sonst so etwas einbilden. Der Teenie-Wettbewerb dient ja hier auch nur als Aufhänger um die hässliche Seite solcher Kleinstädte zu zeigen und hier bekommen von den Republikanern bis hin zum „White Trash“ ja so ziemlich alle ihr Fett ab. Dass die bitterböse Satire dabei den Holzhammer auspackt und manchmal etwas über das Ziel hinausschießt, mag seinerzeit zwar etwas zu viel des Guten gewesen sein, aber war rückblickend ja nur ein kleiner Vorgeschmack dessen, was in den letzten Monaten so an seltsamen Nachrichten über den großen Teich getragen werden.
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