"Hostel 2" ist ein ganz, ganz feines Filmchen, nur ist das der "Brett vor dem Kopf Masse" nicht aufgefallen.
ICH BIN NICHT VERRÜCKT, DIE ANDEREN SIND ES!!!
Ein älterer Kurzkommentar:
Hostel: Part II
Beth, Whitney und Lorna sind drei junge Amerikanerinnen die in Rom studieren. In Prag wollen sie ein paar schöne Tage (v)erleben, doch von einer neuen Bekannten namens Axelle lassen sie sich in die Slowakei umleiten. Den Damen ist natürlich nicht bewusst, dass dort mordlüsterne Burschen auf sie warten, die viel Geld dafür bezahlt haben, um hinter geschlossenen Türen aus Menschenfleisch Mettgut -oder schlimmere Dinge- zu machen. So nimmt das Unglück seinen Lauf, wer kann aus dieser Hölle entkommen...???
Als Eli Roth mit "Hostel" im Jahre 2005/6 durch die Filmlandschaft pflügte, sorgte dies vielerorts für helle Aufregung. Der Film wurde heftig diskustiert, Kritiker und Fans zogen alle Register der Begeisterung und Ablehnung. Mir hat "Hostel" gut gefallen, ergo musste irgendwann auch der zweite Teil ins Haus. Der Nachfolger toppt den Auftakt in allen Belangen. Woran liegt das? Der Verlauf der Geschichte ist natürlich recht vorhersehbar, dabei jedoch sehr effektiv und kurzweilig umgesetzt. Gewalt spielt selbstverständlich eine Rolle, aber sie ist immer passend in den Ablauf des Geschehens eingebettet. Beim Vorgänger wirkten diese Szenen manchmal ein wenig wie Selbstzweck, obwohl mich das ehrlich gesagt nicht gestört hat (War ja klar, du alter Gorebauer). Roth bietet hier -im positiven Sinne- etwas fürs Auge, das "Blutbad" im Stil der Gräfin Báthory weiss zu gefallen, andere Szenen dienen der Entlarvung der Bösewichter, kommen mit Vorsatz absurd und grotesk daher. Der Verlust eines gewissen Körperteiles dürfte jeden männlichen Zuschauer peinigen. Es ist unfassbar, was sich mit Zeug aus dem Baumarkt alles anstellen lässt. Die Darsteller machen ihren Job allesamt solide, auch die ekelhaften Blagen aus dem ersten Teil sind wieder dabei, diesmal müssen sie einen Tribut an den fiesen Obermotz entrichten. Besondere Freude machen natürlich die Gastauftritte der Kultstars des italienischen Genre-Kinos. Zunächst gibt der Franzose Luc Merenda einen Polizisten, dann kommt Göttin Edwige Fenech als Kunstprofessorin daher, Ruggero Deodato nimmt sich als Kannibale selbst auf die Schippe. Das macht richtig Freude, besonders Edwige hat mich wieder umgehauen. Wie schön diese Frau auch in ihren späten Fünfzigern noch immer ist, umwerfend! Im Vergleich zu Frau Fenech wirken die jungen Hollywood-Hühner wie Frauenattrappen oder Karikaturen.
Irgendwie glaube ich, in den vielen -teils hitzig- geführten Diskussionen, ist manchen Nörglern gar nicht aufgefallen, dass "Hostel: Part II" durch und durch eine herrliche Komödie ist. Roth betrachtet das Genre mit freundlicher Ironie, hält unserer heutigen Gesellschaft den zynischen Spiegel vor die entstellte Fratze, rundet das Gesamtpaket durch liebenswerte Huldigungen und eine stimmungsvolle Inszenierung ab. Die Auflösung hat mir gut gefallen, obwohl ein richtiger Showdown mehr oder weniger durch Abwesenheit glänzt, eine weitere Freiheit die sich Herr Roth gönnt. Ja, mir gefällt der zweite Besuch im Hostel richtig, richtig gut. Schon wenn die "harten" Kerle ihre zukünftigen Opfer im Internet ersteigern bleibt kein Auge trocken. Daddy will eben auch mal auf die Kacke hauen, genau wie das kleine Muttersöhnchen von nebenan. Der Film kommt rüber als hätte der Regisseur jede Menge Spass mit seinem Baby gehabt, diese Tatsache macht den Streifen für mich besonders sympathisch. Das Wiedersehen mit "meinen" Altstars erhöht die Freude zusätzlich, genau wie die kleinen Huldigungen und Querverweise, nebst Danksagungen an Fulci, Martino und Co. im Abspann. Vielleicht kann man diesen Film auch nur dann so richtig schätzen und mögen, wenn man die vielen, liebevollen Details erkennt und sich daran ergötzen kann. Ich mag Eli Roth und dessen Humor auf jeden Fall sehr gern. Ich mir sicher, dass wir von diesem Mann noch ganz, ganz grossartige Filme sehen werden.
Da die deutschen Ausgaben der Schere zum Opfer fielen, habe ich kurzerhand zur Blu-ray aus UK gegriffen. Diese bietet eine sehr ansprechende Bildqualität, glücklicherweise hat man das Filmmaterial nicht seines Korns beraubt, denn eine sterile Aufbereitung würde dem Werk schaden. Bonusmaterial gibt es natürlich auch zu sehen, ich habe es noch nicht vollständig betrachtet, werde dies aber bald nachholen. Achja, eine Rüge muss ich dann doch loswerden: Herr Roth, demnächst bitte wieder mehr Möpse!
Sehr gut = 8/10