König David - Bruce Beresford (1985)

Moderator: jogiwan

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Maulwurf
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König David - Bruce Beresford (1985)

Beitrag von Maulwurf »

König David
King David
Großbritannien/USA 1985
Regie: Bruce Beresford
Richard Gere, Edward Woodward, Alice Krige, Denis Quilley, Niall Buggy, Hurd Hatfield, Jack Klaff, John Castle, Tim Woodward, David de Keyser, Ian Sears, Simon Dutton


König David.jpg
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OFDB

Um zu KÖNIG DAVID wirklich etwas schreiben zu können, müsste ich wahrscheinlich vorher mal in der Bibel blättern, und die entsprechenden Bücher, laut Vorspann die Bücher Samuel I und II, Chroniken der Könige I und die Psalmen des David lesen. Tu ich aber nicht, ich mache jetzt mal einen auf moderner Mensch und behaupte, dass mir die 100-Minuten-Fassung der epischen Geschichte genügt.

Womit auch das Dilemma des Films bereits benannt ist: 100 Minuten reichen einfach nicht, um die Dramatik und den Atem solch einer Erzählung adäquat rüberzubringen. Hier steckt erheblich mehr drin als der Film es zu zeigen vermag, denn die Geschichte vom Aufstieg eines kleinen Hirtenjungen zum König von Israel und der Fall durch seinen eigenen Hochmut birgt eine Menge von dem , was man im Film so gerne sieht: Große Gefühle, blutige Schlachten, wilder Sex, böse und abgefeimte Schurken treffen auf edle Helden, hinterhältige Intrigen, und dahinter erscheinen Landschaftsaufnahmen die das Herz aufgehen lassen und durch die der Wind des Pathos weht. Klassisches Hollywood-Kino also …

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Und das ist auch tatschlich fast alles drin! Bruce Beresford hat sich definitiv Mühe gegeben, diese mehrere Hundert Seiten starken Geschichtstsunamis zu komprimieren und in eine mainstream-taugliche Fassung zu quetschen. Was dabei allerdings, wie bei so vielen Biopics, auf der Strecke geblieben ist, das ist der Geist der Geschichte. Vor allem in der ersten Hälfte ist das alles sehr holprig, die Episoden jagen sich wild durch die Handlung, damit bloß alle wichtigen Personen angerissen werden können, und den Kitt zwischen diesen Episoden muss man sich dann halt denken. Die zweite Hälfte, nach Davids Ankunft in Jerusalem wird ein klein wenig ruhiger und stabiler im Duktus, aber trotzdem will Beresford einfach zu viel, meint er unbedingt, den Film bis zum Anschlag vollstopfen zu müssen mit einer Geschichte, die halt locker die doppelte Laufzeit benötigt hätte, um wirklich einen Effekt erzielen zu können. Es hat schon einen Grund, warum so viele Bibelverfilmungen Laufzeiten weit jenseits der zwei Stunden haben – Viel Stoff braucht auch viel Atem.

Wenn da nicht diese wunderschönen Bilder von Kameramann Donald McAlpine wären, die viel Ruhe und Schönheit schaffen. Gedreht wurde im Sommer 1984 in der Basilikata, in den Abruzzen und in Sardinien, und das eingefangene Licht scheint warm und sanft auf wilde und herb-schöne Berglandschaften. Wenn der Schnee auf Davids Palast fällt senkt sich merkliche Ruhe und Behaglichkeit in das Gemüt des Zuschauers, und der Frieden dieser Landschaften und der Bilder überwältigt, und bildet eine herrliche Leinwand für eine Geschichte, die halt leider keine Synthese mit diesem Hintergrund eingehen mag. Die Schauspieler wirken oft unbeteiligt (Edward Woodward als König Saul) oder überfordert (Cherie Lunghi als Michal, Davids erste Frau), die Bärte sind sowas von künstlich dass es peinlich wird, und mit ganz wenigen Ausnahmen wirkt das alles nicht wie ein 21 Million Dollar-Projekt. Das Drehbuch ist so reduziert, dass wesentliche Konstellationen der Figuren einfach nicht funktionieren können. Die Freundschaft zwischen David und Sauls Sohn Jonathan? Ganz kurz angerissen. Die Liebe Davids zu Bethsheba? Wird auf ein Kind reduziert. Absaloms Verachtung seinem Vater gegenüber? Bleibt unbestimmter Herkunft …
Auf der anderen Seite dann wiederum einige Actionsequenzen etwas heftigerer Provenienz. Die Schlacht zwischen den Israeliten und den Hethitern (glaube ich) überzeugt in ihrer Brutalität, genauso wie der Tod Absaloms an die Nieren geht. Doch wirken diese Szenen seltsam isoliert, wie Fremdkörper in einer Umgebung, die in der Mehrzahl scheinbar aus weidenden Schafen und lockigen Männern mit sanften und dunklen Augen besteht. Und die eigenartig sprechen. Denn die Sprache sollte bewusst nicht aus der Bibel übernommen werden, aber modern ist das natürlich auch nicht. Was dann dabei herauskommt ist ein merkwürdig altertümlicher Mischmasch von Worten, die gerne mal am Nerv des Zuschauers vorbeizielen, und in ihrer Überladenheit irgendwann zum Überdruss führen, was dann dem ganzen Drama ein wenig den Todesstoß gibt.

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Nein, der große Hit ist das nicht (und wurde es damals auch nicht – Nicht ganz 6 Million Dollar wurden eingespielt, und es hagelte Verrisse. Richard Gere wurde gar mit einer Nominierung für eine Goldene Himbeere als schlechtester Schauspieler „belohnt“). Hübsch anzuschauen wenn man müde ist und Hintergrundberieselung zum Einschlafen benötigt, oder wenn man sich durch die Quellen gelesen hat und passende Bilder dazu benötigt. Aber mehr als „nett“ kommt dabei einfach nicht raus. Wenn man historische Gestalten mit einigem Realismus gepaart sehen möchte, dann sollte man lieber zu Mel Gibsons BRAVEHEART greifen. Der zeigt, wie man den richtigen Ton trifft, wie vernünftige Schauspieler agieren, und wie vor allem aus der Mischung aus Schmutz, Tod und Romantik ein großer Kassenerfolg wird …

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4/10
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Jack Grimaldi
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buxtebrawler
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Re: König David - Bruce Beresford (1985)

Beitrag von buxtebrawler »

Maulwurf hat geschrieben: Mo 31. Jan 2022, 05:29 Wenn man historische Gestalten mit einigem Realismus gepaart sehen möchte, dann sollte man lieber zu Mel Gibsons BRAVEHEART greifen. Der zeigt, wie man den richtigen Ton trifft, wie vernünftige Schauspieler agieren, und wie vor allem aus der Mischung aus Schmutz, Tod und Romantik ein großer Kassenerfolg wird …
Wobei ich bereits den schon kacke fand, kaum Realismus und keine vernünftigen schauspielerischen Leistungen ausmachen konnte. Wie mies muss dann erst dieser hier sein...? :-?
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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jogiwan
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Re: König David - Bruce Beresford (1985)

Beitrag von jogiwan »

Hehe und ich musste heute in der Früh schon schmunzeln... Das Plakat mit seiner optischen Gestaltung, dem Bild und seiner Tagline "From the Director of Breaker Morant" and "Tender Mercies" fasst alles so herrlich zusammen, was mich ja mal so gar NICHT anspricht. :kicher:
it´s fun to stay at the YMCA!!!



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Maulwurf
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Re: König David - Bruce Beresford (1985)

Beitrag von Maulwurf »

Wenn ich euch an einem trüben Montag morgen zum Lächeln bringen konnte, dann habe ich doch schon etwas Gutes und Wertvolles getan :smile:
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Maulwurf
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Re: König David - Bruce Beresford (1985)

Beitrag von Maulwurf »


König David

Tomas Milian als König Akiss in KING DAVID

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1984 trat Tomas Milian in EIN SUPERESEL AUF DEM KU'DAMM zum letzten Mal als Nico Giraldi in Erscheinung. Nach vielen Jahren des uneingeschränkten Erfolgs versuchte er nun, sich neu zu orientieren. Er reiste viel, veröffentlichte ein Fotobuch, und er probierte in Amerika als Schauspieler Fuß zu fassen. Doch dort war er ein Niemand, und seine erste Filmrolle nach dem Superbullen wurde ein ungefähr fünfminütiger Auftritt in einer Dialogszene mit Richard Gere in Bruce Beresfords KÖNIG DAVID. Gere, der damals als kommender Superstar gehandelt wurde, allerdings von vielen in diesem Film als Fehlbesetzung gesehen wird, wirkt in weiten Teilen des Films durchaus ansprechend, und es macht auch Spaß, seiner oft jungenhaften Art zuzuschauen. In dieser Szene mit Tomas Milian allerdings ist der deutliche Unterschied zwischen dem Jungstar, der zu dieser Zeit allerdings auch bereits 10 Jahre im Geschäft war, und dem alten Hasen deutlich sichtbar.

Von Steve McQueen habe ich mal gelesen, dass er in seiner ersten richtig großen Rolle, nämlich in DIE GLORREICHEN SIEBEN, hinter dem großen Yul Brunner stand, und ständig irgendetwas machte, um die Aufmerksamkeit der Kamera, und damit auch des Zuschauers auf sich zu ziehen. Eine Grimasse, eine Bewegung, irgendwas, Hauptsache Brunner nicht die Show überlassen. Tomas Milian macht das hier ganz ähnlich - Unaufhörlich bewegt er sich, ständig passiert etwas. Er isst eine Frucht, er verzieht sein Gesicht, er gestikuliert, und Richard Gere wird in der Wahrnehmung des Zuschauers immer kleiner und unauffälliger. Akiss lächelt höhnisch, Akiss lächelt freundlich, Akiss schaut skeptisch, Akiss zweifelt, und Milian legt sein ganzes Gewicht und seine ganze Erfahrung in diese paar Minuten. Einzig der Schnitt kann der Wahrnehmung des Zuschauers, dass Milian eindeutig der präsentere der beiden Schauspieler ist, noch etwas entgegensetzen, weswegen die Kamera scheinbar ziellos herummäandert. Der Ton aber läuft weiter, und Akiss treibt David während des Dialogs immer mehr in die Enge.

Eigentlich erbittet der flüchtende David von Akiss, dem König der Philister, Unterstützung und einen Platz zum Bleiben. Akiss allerdings ist nicht der selbstlose und gottesfürchtige Herrscher für den David ihn gehalten hat. Etwas schockiert von der Ausstellung von Reichtum und Macht einerseits, und der zynischen Profanisierung der Religion andererseits, steht David fast starr auf einem Platz, während Akiss um ihn herumläuft, und süffisant und politikerfahren versucht, David zu einer Aussage zu bewegen, die ihm, Akiss, einen Vorteil bieten kann. Milian legt den König als alten Politprofi an, der kühl kalkulierend sein Gegenüber auseinandernimmt, auf der Suche nach einem schwachen Punkt an dem er einhaken und sich selbst diesen Vorteil verschaffen kann. Akiss fragt offensiv danach, was für ihn bei dem Geschäft drin sei, und er versucht durch punktgenaue Fragen, David zu einer klaren Stellungnahme zu bewegen. Der weiß sich nicht mehr anders zu helfen als mit Stereotypen zu antworten, mit Zitaten aus den alten Schriften, die Akiss im harten Tagesgeschäft des Regierens schon längst als überholt erkannt hat. Seine Einschätzung von David ist die eines unbeholfenen Newcomers, der zwar kürzlich erst den stärksten Krieger des eigenen Heeres, Goliath, geschlagen hat, als zukünftiger möglicher König aber weich und formbar scheint, und damit als potentieller Verbündeter ganz weit oben steht. Und auch wenn David außer Plattitüden und ein paar wehrhaften Männern nichts bieten kann, willigt Akiss in das Geschäft schließlich ein - Mal sehen, ob ich mir das Königreich dieses Grünschnabels nicht unter den Nagel reißen kann, so ist seine ganz eindeutige Miene. Eine Schulstunde, gleichzeitig in angewandter Schauspielkunst und in Politik, so scheint es, und der Sieger nach Punkten ist ganz klar Tomas Milian, der trotz dieses winzig kleinen Auftritts dem Film einen zusätzlichen Farbtupfen gegeben hat.
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