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Darsteller(innen): James Mason, Shelley Winters, Sue Lyon, Gary Cockrell, Jerry Stovin, Diana Decker, Lois Maxwell, Cec Linder, Bill Greene, Shirley Douglas, Marianne Stone, Marion Mathie, James Dyrenforth, Maxine Holden, John Harrison, Colin Maitland, Terry Kilburn u. A.
Humbert Humbert (James Mason), Professor für französische Literatur, will am Ende des Sommers eine neue Stellung annehmen und sucht sich zur vorherigen Entspannung ein Zimmer in New Hampshire, wo ihn die sexuell frustrierte Witwe Charlotte Haze (Shelley Winters) aufnimmt. Humbert zögert, bis er Charlottes Tochter Dolores (Sue Lyon) kennenlernt, ein frühreifes, kindhaft flirtendes Gör, in das er sich auf der Stelle verliebt und "Lolita" nennt. Charlotte verlangt in der Folge mehr und mehr von Humberts Aufmerksamkeit, er jedoch bleibt hauptsächlich wegen Dolores vor Ort, heiratet die Mutter schließlich sogar. Als diese ihre Tochter wegschickt und dann erfährt, wie sehr Humbert ihre Tochter begehrt, kommt sie bei einem Unfall ums Leben. Humbert holt Dolores daraufhin aus dem Mädchencamp und gibt sich in der Folge als ihr Vater aus, während die quer durch die Vereinigten Staaten reisen. Ihre Reise oder Flucht mündet schließlich in eine Affäre, doch da ist noch jemand, der den beiden stets folgt und das Verhältnis aus der Ferne betrachtet...
Als Ausnahmeregisseur Stanley Kubrick („Wege zum Ruhm“) Vladimir Nabokovs Pädophilendrama „Lolita“ zu verfilmen beschloss, mutete er sich nicht nur eine Mammutaufgabe zu, sondern musste auch auf die damalige Zensur Rücksicht nehmen. Erschwerend hinzu kam, dass er mit dem von Nabokov persönlich verfassten Drehbuch nichts anfangen konnte, weshalb er ein eigenes verfasste. Das in britisch-US-amerikanisch koproduzierte Ergebnis, das im Jahre 1962 in die Kinos kam, war ein 154 Minuten langes Schwarzweiß-Drama, das mit Nabokovs Skandalroman nicht mehr viel zu tun hatte.
„Ein kleines Mädchen, das so einen netten Namen hat. Er klang so lyrisch, so poetisch...“ – „Lolita!“
Der 37-jährige Literaturprofessor Humbert Humbert (James Mason, „Der unsichtbare Dritte“) lernt die Witwe Charlotte Haze (Shelley Winters, „Die Nacht des Jägers“) in New Hampshire kennen – und deren Tochter, die 14-jährige, frühreife Dolores (Sue Lyon, „Die Nacht des Leguan“). Er verliebt sich in Dolores und nennt sie fortan Lolita. Um in Dolores‘ Nähe sein zu können, heiratet er ihre Mutter. Als diese ahnt, worum es ihrem Mann wirklich geht, entsendet sie ihre Tochter in ein Camp, kommt kurz darauf aber bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Humbert holt Dolores aus dem Camp zurück und reist mit ihr durch die USA, wobei er sich als ihr Vater ausgibt. Tatsächlich entwickelt sich eine Affäre zwischen Dolores und Humbert, doch ein Mann namens Clare Quilty (Peter Sellers, „Ladykillers“) verfolgt die beiden…
„Lolita – die Koseform von Dolores. Tränen und Rosen.“
Aus dem Päderasten – also jemandem, der auf Kinder steht und seine Triebe in die Tat umsetzt – der Literaturvorlage wird unter Kubrick ein Parthenophiler, also jemand, der auf heranwachsende Mädchen, im Prinzip also Jugendliche steht, die bereits geschlechtsreif sind. Das ist nicht schön, aber dann doch noch einmal etwas anderes als Pädophilie. Statt zwölf ist Dolores dementsprechend hier 14 Jahre jung, sie wird auch nicht von Humbert vergewaltigt, und Humbert ist im Film bisher offenbar auch noch nicht durch psychische Probleme aufgefallen oder hätte gar Aufenthalte in der Klapsmühle hinter sich.
Humbert erschießt bereits im Prolog den betrunkenen Quilty, bevor die eigentliche Handlung, wie es so weit kommen konnte und wer diese Männer überhaupt sind, in Form einer vier Jahre zuvor einsetzenden Rückblende mit Humbert als aus seinem Tagebuch zitierendem Off-Erzähler gestaltet wird. Dies gibt der Figur Humbert die Möglichkeit, seine Gedankengänge ausführlich darzulegen, wovon Kubrick wiederholt Gebrauch macht. Humbert missbraucht und objektifiziert Dolores nicht, sondern verliebt sich in sie bzw. in seine Vorstellung von ihr – und lässt sich von ihr an der Nase herumführen und ausnutzen, bis es zur Katastrophe kommt.
Kubricks „Lolita“ geht auf Nummer sicher und verzichtet (bis auf etwas Fußfetischismus) komplett auf erotisch konnotierte oder gar Sexszenen, schickt Humbert stattdessen mit Dolores ins Autokino, wo sie sich einen Frankenstein-Film mit Peter Cushing ansehen. Alles in allem ist die Handlung dieses überlangen Films dialogreich, dabei leider ereignisarm und arg gedehnt. Man beobachtet Humbert bei seinem Verfall in eine Art Wahnsinn, dem er, wie es bei unglücklich Verliebten vorkommt, kaum noch Ratio entgegenzusetzen hat. Er zerbricht nicht nur an seinen Gefühlen, sondern an einer kalten, egoistischen, nur auf den eigenen Vorteil bedachten Welt, die auch längst von Dolores Besitz ergriffen hat. „Lolita“ wird unter Kubrick zu einem persönlichen Drama mit einer 14-jährigen Göre als Femme fatale, was gegenüber dem Roman also offenbar so etwas wie eine Täter-Opfer-Umkehr bedeutet, wenn man es so nennen will, jedoch ohne faden Beigeschmack oder sexploitative Tendenzen.
Aber auch ohne Moralismus, was dem Film zugutekommt. Er ist nicht schlecht, unter bildästhetischen und schauspielerischen (Sue Lyon debütierte) Gesichtspunkten in jedem Falle sehenswert, aber er ist auch keines der Meisterwerke Kubricks. Zwiespältig ist zudem der Einfluss zu betrachten, den der Film (vielleicht sogar eher dessen Vermarktung) auf Populärkultur und den Erotikmarkt ausübte, wo nun überall „Lolitas“ in sexualisierten Posen zu sehen waren und Parthenophilie zum guten Ton zu zählen schien. Dafür kann Kubrick vermutlich wenig, zum Zerrbild der ursprünglichen Lolita dürfte er mit seinem Film aber beigetragen haben.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)