Schöne Bescherung - Jeremiah S. Chechik (1989)

Moderator: jogiwan

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buxtebrawler
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Schöne Bescherung - Jeremiah S. Chechik (1989)

Beitrag von buxtebrawler »

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Originaltitel: Christmas Vacation

Herstellungsland: USA / 1989

Regie: Jeremiah S. Chechik

Darsteller(innen): Chevy Chase, Beverly D'Angelo, Randy Quaid, Miriam Flynn, William Hickey, Mae Questel, Diane Ladd, John Randolph, E.G. Marshall, Doris Roberts, Juliette Lewis, Johnny Galecki u. A.
Dass es über die Weihnachtszeit durchaus chaotisch zugehen kann, davon sollten die Meisten sicherlich ein Lied singen können. Auch für den fürsorglichen Familienvater Clark Griswold (Chevy Chase) wird die besinnliche Zeit alljährlich zu einer echten Herausforderung, wenn etwa wieder die nervigen Nachbarn vor der Haustüre stehen oder die eigene Verwandtschaft über die Feiertage einzieht. Doch auch wenn Clark durch seine Tollpatschigkeit in so manches Fettnäpfchen tritt, gelingt es ihm und seiner Ehefrau Ellen (Beverly D’Angelo) stets eine gute Mine während den anstrengenden Festtagen aufzusetzen. Selbst als sein abgedrehter Cousin Eddie (Randy Quaid) mitsamt Familie über die Weihnachtszeit anreist, kann ihn dies nicht aus der Ruhe bringen. Erst als bis zum Heiligen Abend noch immer Clarks erhoffte Weihnachtsgratifikation auf sich warten lässt, gerät der Hausfrieden allmählich ins Wanken.
Quelle: www.ofdb.de

Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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buxtebrawler
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Re: Schöne Bescherung - Jeremiah S. Chechik (1989)

Beitrag von buxtebrawler »

1989 debütierte US-Regisseur Jeremiah S. Chechik („Diabolisch“) mit der zweiten Fortsetzung der „National Lampoon's Vacation“-Ferienkomödienreihe. Mit der Verfilmung des John-Hughes-Drehbuchs gelang einer der Weihnachtskultfilme schlechthin: „Schöne Bescherung“ erfreut sich ungebrochener Beliebtheit und wird heutzutage gar regelmäßig in diversen Kinos in der Weihnachtszeit wiederaufgeführt.

Familienvater Clark Griswold (Chevy Chase, „Schatz, du strahlst ja so!“) verfolgt ein hehres Ziel: Nicht weniger als die perfekten Weihnachten für sich, seine Familie und auch die Verwandtschaft, die er über die Festtage eingeladen hat. Während er also alles vorbereitet und sich frohgemut der Herausforderung stellt, die überdimensionale Weihnachtsaußenbeleuchtung anzubringen, versucht er, stets die Nerven zu behalten und sich weder von den arroganten Yuppie-Nachbarn (Julia Louis-Dreyfus, „Troll“ und Nicholas Guest, „Zeit der Rache“) noch von der eigenen mitunter verhaltensauffälligen Bagage aus der Ruhe bringen zu lassen. Dass die Weihnachtsgratifikation seines Arbeitgebers, die er eigentlich fest eingeplant hatte, weiterhin auf sich warten lässt, wurmt ihn jedoch immer mehr…

Der animierte Vorspann, der eigentlich bereits ein Cartoon für sich ist, leitet in einen episodenhaften Auftakt über, der die krawallige, klamaukige Slapstick-Persiflage auf Familienweihnachten eröffnet. Geöffnet werdende Adventskalendertürchen strukturieren den Film um einen herrlich grimassierenden Chase, der in seiner Rolle als typischer US-Familienpapa ein traditionelles familiäres Weihnachtsfest zu erzwingen versucht, jedoch feststellen muss, dass das eine chaotische, unappetitliche und kreuzgefährliche Angelegenheit ist. Seine unverständliche Panik vor Eichhörnchen und seine Tollpatschigkeit machen es ihm nicht leichter, ständig geht etwas zu Bruch, eine Verletzung jagt die nächste. Die Antithese zu den Griswolds lebt gleich nebenan, ein betont modernes, kinderloses, gesundheits- und modebewusstes Paar mit CD-Stereoanlage und futuristisch anmutenden metallic-silbernen Jogginganzügen. Und als wäre Clark mit diesen Snobs nicht schon gestraft genug, kommt auch noch überraschend sein unzivilisierter Cousin Eddie (Randy Quaid, „Das letzte Kommando“) mit Frau (Miriam Flynn, „Endlich wieder 18“), Kindern und Rottweiler im Wohnmobil angereist.

In Sachen Humor kleckert „Schöne Bescherung“ nicht, sondern klotzt, was das Zeug hält und stellt damit eine sehr unterhaltsame Alternative zum üblichen Weihnachtskitsch dar. Etwas Sozialkritik gesellt sich dazu, als Clark erfährt, dass er lediglich eine symbolische Gratifikation, jedoch nicht die erhoffte Summe von seinem Boss Frank Shirley (Brian Doyle-Murray, „Die Geister, die ich rief…“) erhält, was dank Eddies Anwesenheit in eine Entführung und einen Polizeigroßeinsatz mündet. Was zunächst angenehm anarchisch anmutet, nimmt jedoch einen etwas arg versöhnlichen Verlauf. Auch wenn es Clark gelingt, für seine Interessen zu kämpfen, bleibt er doch vom Wohlwollen seines Chefs abhängig. Damit ist „Schöne Bescherung“ mehr sozialdemokratisch denn revolutionär und schließt mit einem betont kitschigen Happy End.

Clarks und Ellens (Beverly D’Angelo, „Hexensabbat“) Kinder werden diesmal von Juliette Lewis („Natural Born Killers“) und Johnny Galecki („The Big Bang Theory“) gespielt, die gern etwas mehr Präsenz hätten bekommen dürfen. „Schöne Bescherung“ ist jedoch derart gespickt mit Charaktergesichtern, dass es kaum möglich gewesen sein dürfte, diesem starken Ensemble vollumfänglich gerecht zu werden. Leider geht der Wortwitz in der deutschen Synchronisation etwas verloren, wodurch der Humor insgesamt brachialer wirkt, als er ohnehin schon ist. All diese Übertreibungen wiederum passen gut zur Weihnachtsthematik, deren zum festlichen Anlass geplanten und begangenen geschmacklosen und protzigen Übertreibungen ja über weite Strecken die Handlung bestimmen – statt der Kitsch- oder Kommerzfrontaloffensive bekommt man hier eben ein Maximum an sicherlich oft vorhersehbarem, aber überraschend gut gealtertem Humor serviert, der sich mittlerweile längst mit nostalgischen Gefühlen mischt und dazu beiträgt, einen Kultfilm aus „Schöne Bescherung“ zu machen. Umso schöner, dass man auch Sinn für feine Details bewies, z.B. die wiederholten Ehrerbietungen an Regisseur Frank Capras „Ist das Leben nicht schön?“, der bei den Griswolds im Fernsehen läuft und indirekt zitiert wird, wenn Clark mit der Motorsäge einem Treppenpfosten zu Leibe rückt. Wer genau hinschaut, entdeckt in den Angaben zur Regieassistenz Capras Enkel…

Zurück zu „Schöne Bescherung“: Ein im Rahmen seines Anspruchs gelungener Festtagsspaß für die ganze Familie samt Kind, Kegel, Hund, Cousin und Chef.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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Dr. Monkula
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Re: Schöne Bescherung - Jeremiah S. Chechik (1989)

Beitrag von Dr. Monkula »

Muss den jedes Jahr sehen ! Chevy rulez
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Dick Cockboner
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Re: Schöne Bescherung - Jeremiah S. Chechik (1989)

Beitrag von Dick Cockboner »

Wie jedes Jahr...
Ein toller Film! Hier passt (für mich) wirklich alles!
(Hab ich eigentlich schonmal erwähnt, das ich auch diese Eggnog Gläser habe :pfeif: )
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fritzcarraldo
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Re: Schöne Bescherung - Jeremiah S. Chechik (1989)

Beitrag von fritzcarraldo »

Dick Cockboner hat geschrieben: Sa 25. Dez 2021, 15:28 (Hab ich eigentlich schonmal erwähnt, das ich auch diese Eggnog Gläser habe :pfeif: )
Neid! :thup:
"Das ist nicht möglich!"
"Aber notwendig!"

(Interstellar)

"J&B straight and a Corona!"
(Patrick Bateman, American Psycho)

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