Wenig Chancen für morgen - Robert Wise (1959)

Moderator: jogiwan

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sergio petroni
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Wenig Chancen für morgen - Robert Wise (1959)

Beitrag von sergio petroni »

WENIG CHANCEN FÜR MORGEN

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Originaltitel: Odds against tomorrow

Herstellungsland-/jahr: USA 1959

Regie: Robert Wise

Darsteller: Harry Belafonte, Robert Ryan, Shelley Winters, Ed Begley, Gloria Grahame,
Will Kuluva, Kim Hamilton, Mae Barnes, Richard Bright, Carmen De Lavallade,
Lew Gallo, Lois Thorne, ...

Story: Dave Burks plant einen Banküberfall, doch dafür benötigt er die Hilfe des weißen Earl Slater und des farbigen Johnny Ingram. Beide sind nicht gerade gewillt Burks bei seinem Plan zu unterstützen. Als Burks jedoch dafür sorgt, dass Ingrams Gläubiger Druck auf ihren Schuldner ausüben und Slater finanziell nicht für seine Freundin sorgen kann, stimmen die Beiden dennoch zu. Das Problem ist nur, dass Slater ein Rassist aus tiefsten Herzen ist und so kommt es schon bald zu ersten Spannungen innerhalb der ungleichen Gruppe...
(quelle: ofdb.de)
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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sergio petroni
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Re: Wenig Chancen für morgen - Robert Wise (1959)

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DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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sergio petroni
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Re: Wenig Chancen für morgen - Robert Wise (1959)

Beitrag von sergio petroni »

Der pensionierte Polizist Burke (Ed Begley) hat einen Coup ausgespäht. In einer
Vorstadt von New York lagern in einer wenig bewachten Bank große Mengen an Bargeld.
Um einen Überfall in die Tat umsetzen zu können, braucht Burke zwei Mitstreiter.
Diese hofft er in dem Veteran Earle Slater (Robert Ryan) und dem Spieler Johnny Ingram (Harry Belafonte)
zu finden, beides gescheiterte Existenzen. Für jeden sollen 50.000 Dollar herausspringen.

Slater versucht mit seiner bis zur Selbstaufgabe zu ihm stehenden Lebensgefährtin
Lorry (Shelley Winters) einen Neuanfang und steht sich dabei meist selbst im Weg.
Johnny lebt getrennt von Frau und Kind, verliert regelmäßig bei Pferdewetten
und steht deshalb bei einem Kredithai in der Kreide.

Als die beiden von Burkes Idee hören, lehnen sie zunächst kategorisch ab.
Die Dinge laufen jedoch nicht gut für die beiden. Johnny muß seine Schulden
kurzfristig zurückzahlen, sonst schweben Frau und Kind in Lebensgefahr.
Slater sieht die einzige Chance darin, Lorry zu halten in einem finanziellen
Neuanfang.
Und so gehen beide doch auf Burkes Angebot ein. Slater kann seine rassistischen
Ansichten nur schwer verbergen. Der eher liberal eingestellte Ingram versucht,
über Slaters Anfeindungen zu stehen. Aber je weiter das Unternehmen voranschreitet,
desto offener werden die Feindseligkeiten zwischen den beiden ausgetragen.

Mit einem der wohl letzten klassischen Noir-Filme hat Robert Wise einen Genrebeitrag
geschaffen, der zugleich in seinen beiden Hauptfiguren die Rassenproblematik
der USA abbildet. Der eigentliche Überfall, der in Heist-Filmen meist genüßlich
ausgewalzt präsentiert wird, ist hier recht nüchtern und kurz abgefaßt.
Das Augenmerk liegt vielmehr auf den zwischenmenschlichen Beziehungen und
den Mechanismen, die zu letztendlich offen ausgetragenen Feindseligkeiten führen.

Dabei wird der Weiße Slater als paranoider Rassist dargestellt, der nichts auf die Reihe
bekommt. Ab und zu wird ihm seine eigene Unzulänglichkeit schmerzhaft bewußt,
was aber keineswegs zu einer veränderten Verhaltensweise führt. Solch ein Moment
sehen wir, als Johnny mit Grips ein Grundproblem des Überfalls löst und Slater
nur staunend und still zustimmen kann.
Auf der anderen Seite haben wir den anscheinend weltoffenen Johnny, der sich tolerant
und elegant durch's Leben schlägt. Dabei unterstellt er aber den Weißen insgeheim,
die Schwarzen kleinhalten zu wollen. Letztendlich verstärken sich beide Haltungen
und führen zu einem Ende, das einen extremen Schwarzweiß-Scherz bereithält.

Auf der Scheibe von BFI befindet sich ein interessantes Interview mit Harry Belafonte aus dem Jahre 2009.
Belafonte hat den Film produziert und die ihm zugrunde liegende Story von William P. McGivernradikal geändert.
Sein Anliegen war es, einen Kommentar zum Verhältnis von weißen und schwarzen Amerikanern
abzugeben. Und dieser fällt nicht gerade positiv aus; nicht von ungefähr heißt der
Titel passenderweise auf deutsch "Wenig Chancen für Morgen"!
Mit der schlanken Shelley Winters und Femme Fatale Gloria Graham in einer ihrer letzten größeren
Rollen bietet der Film auch zwei starke Frauen auf. Regieveteran Robert Wise, der in fast jedem
Genre seine Duftmarke hinterlassen hat, gelingt ein konsequent und zielgerichtet gestalteter
Albtraum. Verdelt wird das Ganze noch durch den Soundtrack von John Lewis' Modern Jazz Quartet.
8/10
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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sergio petroni
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Re: Wenig Chancen für morgen - Robert Wise (1959)

Beitrag von sergio petroni »

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DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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buxtebrawler
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Re: Wenig Chancen für morgen - Robert Wise (1959)

Beitrag von buxtebrawler »

sergio petroni hat geschrieben:Auf der Scheibe von BFI befindet sich ein interessantes Interview mit Harry Belafonte aus dem Jahre 2009.
Belafonte hat den Film produziert und die ihm zugrunde liegende Story von William P. McGivernradikal geändert.
Sein Anliegen war es, einen Kommentar zum Verhältnis von weißen und schwarzen Amerikanern
abzugeben.
Liest sich interessant. Ich wusste gar nicht, dass Belafonte auch in Filme gemacht hatte.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Diese Filme sind züchisch krank!
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karlAbundzu
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Re: Wenig Chancen für morgen - Robert Wise (1959)

Beitrag von karlAbundzu »

der hat in einigen gespielt, und dass sehr gut. Und späte auch produziert, u. a. BEAT STREET
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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