Schimanski - H. Gies/J. Rusnak/M. Schlichter/A. Kleinert/M. Glasner/E. Berger/M. Stelzer u.a. (1997-2013) [TV-Serie]
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Re: Schimanski - H. Gies/J. Rusnak/M. Schlichter/A. Kleinert/M. Glasner/E. Berger/M. Stelzer u.a. (1997-2013) [TV-Serie]
Schimanski: Tödliche Liebe
„Schalke hat gewonnen!“
Alles neu bei „Tödliche Liebe“, der achten Episode des „Tatort“-Spin-offs „Schimanski“: Autorin Christa Kosmala verfasste erstmals ein Drehbuch für die Reihe und mit der Regie wurde Andreas Kleinert („Denk ich an Deutschland – Niemandsland“) betraut, der damit seinen ersten von zwei „Schimanskis“ inszenierte. Dieser wurde am 12. November 2000 erstausgestrahlt und verabschiedet sich vom losen Konzept, eine Krimihandlung mit deftigen Actionsequenzen aufzupeppen.
„Es gibt keinerlei Spuren, die auf einen Mord hinweisen.“
Marion, die jüngere Schwester des LKA-Beamten Thomas Hunger (Julian Weigend), wird tot aus dem Rhein gefischt, entsprechend angefasst und aufgewühlt ist Hunger. Die Spur führt zu einer Drückerkolonne, die vorzugsweise mit vom rechten Weg abgekommenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern agiert und diese mehr wie Sklaven denn wie Angestellte behandelt. Sowohl der ehemalige Duisburger Kripo-Kommissar Schimanski (Götz George) als auch Hunger schleusen sich unter falschem Namen inkognito in das Unternehmen, was zum einen oder anderen Konflikt zwischen ihnen führt – zumal Schimanski sich als die Branchengröße Baldorf ausgibt, die eigentlich gerade eine Strafe im Knast absitzt. Elke (Katrin Sass, „Das vergessene Leben“), die Leiterin der Kolonne, hat Haare auf den Zähnen, behauptet, Marion habe Selbstmord begangen, und hüllt sich ansonsten in Schweigen…
„Wer draußen nicht klarkommt, kriegt hier noch 'ne Chance!“
Wie so oft beginnt eigentlich alles ganz harmlos: Schimanski und Marie-Claire (Denise Virieux) wollen mit Hänschen (Chiem van Houweninge) und dessen Frau bei ihm zu Hause feiern, doch die Party ist bereits vorbei. Hänschen kommt ihnen entgegen und berichtet vom Mord an Hungers Schwester, während seine Frau zetert, dass ihm die Arbeit wichtiger als alles andere sei. Gemeinsam sucht man Hunger auf, der noch am Wasser bei der Leiche steht und völlig aufgelöst mit seiner Waffe herumfuchtelt. Schimanski leistet ersten Beistand, sucht daraufhin Baldorf (Bernd Tauber, „Lindenstraße“) im Knast auf – und kehrt als ebendieser zurück.
„Das ist hier wie bei der Mafia!“
Schimanski beherrscht seine Rolle als schmieriger Drücker-Mafioso sehr gut und Götz George dabei zuzusehen, wie er einen jemand anderen spielenden Schimanski spielt, ist eine Freude. Schimmi will Hunger am liebsten loswerden, weil er fürchtet, dass dieser die Ermittlungen gefährdet, doch der jähzornige LKA-Kollege erweist sich als hartnäckig – und wurde zudem offiziell als verdeckter Ermittler auf diesen Fall angesetzt. Nach dem Umstand, dass es ausgerechnet die Schwester eines LKA-Bullen erwischt, ist dies die zweite große Unwahrscheinlichkeit, die das Filmpublikum schlucken muss: Bei derartiger persönlicher Betroffenheit würde wohl kein echter Ermittler mit dem Fall betraut.
„Das ist meine Familie, ich hab' sonst niemanden.“
Mit ihrer düster-kalten Neo-noir-Optik weiß diese Episode hingegen zu gefallen. Sie zeichnet das Drücker-Milieu als einen Mikrokosmos, der aus der Bahn Geworfenen Zuflucht bietet, um sie zu drillen, zu misshandeln und auszupressen. Es existiert ein autoritäres Machtgefälle, auch Sex wird als Machtinstrument eingesetzt (Elke versucht sogar Schimmi ins Bett zu kriegen). Innerhalb der Gruppe gibt es Liebe- und Eifersüchteleien, Solidarität einer- und Missgunst andererseits. Einer der Drücker konfrontiert Schimanski damit, seine wahre Identität zu kennen, was ihm nicht gut bekommen wird. Ansonsten wird der Actionanteil zugunsten einer unwirtlichen Atmosphäre und Einblicken in die Arbeitsweise von Drückerkolonnen deutlich zurückgenommen. Brutalität findet meist lediglich offscreen statt.
Eine überraschende Wendung und Auflösung gegen Ende wirkt dann doch recht überkonstruiert und geht erneut zu Ungunsten eines etwaigen Realismus, führt die Geschichte, in der es zwischen Marie-Claire und Schimanski schon wieder zu kriseln beginnt, aber zu einem akzeptablen Ende. Katrin Sass spielt die abgebrühte Chefin überzeugend; Inga Busch („Aprilkinder“) als deren Stiefelleckerin gibt sich sexier, als sie ist (was indes zur Rolle passt). „Tödliche Liebe“ ist alles in allem ein wesentlich besserer „Schimanski“ als es die vorausgegangenen Episoden waren und weiß nicht zuletzt mit seiner musikalischen Untermalung zu gefallen. Zudem bietet dieser Fall historisch interessante Einblicke ins Drückermilieu, das erst wie so manche Auflagenhöhe vom Siegeszug des World Wide Web hinweggefegt worden sein dürfte. Aus heutiger Sicht mutet es beinahe schräg an, welch kriminelle Energien einst im Zusammenhang mit Zeitschriften-Abonnements standen…
„Schalke hat gewonnen!“
Alles neu bei „Tödliche Liebe“, der achten Episode des „Tatort“-Spin-offs „Schimanski“: Autorin Christa Kosmala verfasste erstmals ein Drehbuch für die Reihe und mit der Regie wurde Andreas Kleinert („Denk ich an Deutschland – Niemandsland“) betraut, der damit seinen ersten von zwei „Schimanskis“ inszenierte. Dieser wurde am 12. November 2000 erstausgestrahlt und verabschiedet sich vom losen Konzept, eine Krimihandlung mit deftigen Actionsequenzen aufzupeppen.
„Es gibt keinerlei Spuren, die auf einen Mord hinweisen.“
Marion, die jüngere Schwester des LKA-Beamten Thomas Hunger (Julian Weigend), wird tot aus dem Rhein gefischt, entsprechend angefasst und aufgewühlt ist Hunger. Die Spur führt zu einer Drückerkolonne, die vorzugsweise mit vom rechten Weg abgekommenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern agiert und diese mehr wie Sklaven denn wie Angestellte behandelt. Sowohl der ehemalige Duisburger Kripo-Kommissar Schimanski (Götz George) als auch Hunger schleusen sich unter falschem Namen inkognito in das Unternehmen, was zum einen oder anderen Konflikt zwischen ihnen führt – zumal Schimanski sich als die Branchengröße Baldorf ausgibt, die eigentlich gerade eine Strafe im Knast absitzt. Elke (Katrin Sass, „Das vergessene Leben“), die Leiterin der Kolonne, hat Haare auf den Zähnen, behauptet, Marion habe Selbstmord begangen, und hüllt sich ansonsten in Schweigen…
„Wer draußen nicht klarkommt, kriegt hier noch 'ne Chance!“
Wie so oft beginnt eigentlich alles ganz harmlos: Schimanski und Marie-Claire (Denise Virieux) wollen mit Hänschen (Chiem van Houweninge) und dessen Frau bei ihm zu Hause feiern, doch die Party ist bereits vorbei. Hänschen kommt ihnen entgegen und berichtet vom Mord an Hungers Schwester, während seine Frau zetert, dass ihm die Arbeit wichtiger als alles andere sei. Gemeinsam sucht man Hunger auf, der noch am Wasser bei der Leiche steht und völlig aufgelöst mit seiner Waffe herumfuchtelt. Schimanski leistet ersten Beistand, sucht daraufhin Baldorf (Bernd Tauber, „Lindenstraße“) im Knast auf – und kehrt als ebendieser zurück.
„Das ist hier wie bei der Mafia!“
Schimanski beherrscht seine Rolle als schmieriger Drücker-Mafioso sehr gut und Götz George dabei zuzusehen, wie er einen jemand anderen spielenden Schimanski spielt, ist eine Freude. Schimmi will Hunger am liebsten loswerden, weil er fürchtet, dass dieser die Ermittlungen gefährdet, doch der jähzornige LKA-Kollege erweist sich als hartnäckig – und wurde zudem offiziell als verdeckter Ermittler auf diesen Fall angesetzt. Nach dem Umstand, dass es ausgerechnet die Schwester eines LKA-Bullen erwischt, ist dies die zweite große Unwahrscheinlichkeit, die das Filmpublikum schlucken muss: Bei derartiger persönlicher Betroffenheit würde wohl kein echter Ermittler mit dem Fall betraut.
„Das ist meine Familie, ich hab' sonst niemanden.“
Mit ihrer düster-kalten Neo-noir-Optik weiß diese Episode hingegen zu gefallen. Sie zeichnet das Drücker-Milieu als einen Mikrokosmos, der aus der Bahn Geworfenen Zuflucht bietet, um sie zu drillen, zu misshandeln und auszupressen. Es existiert ein autoritäres Machtgefälle, auch Sex wird als Machtinstrument eingesetzt (Elke versucht sogar Schimmi ins Bett zu kriegen). Innerhalb der Gruppe gibt es Liebe- und Eifersüchteleien, Solidarität einer- und Missgunst andererseits. Einer der Drücker konfrontiert Schimanski damit, seine wahre Identität zu kennen, was ihm nicht gut bekommen wird. Ansonsten wird der Actionanteil zugunsten einer unwirtlichen Atmosphäre und Einblicken in die Arbeitsweise von Drückerkolonnen deutlich zurückgenommen. Brutalität findet meist lediglich offscreen statt.
Eine überraschende Wendung und Auflösung gegen Ende wirkt dann doch recht überkonstruiert und geht erneut zu Ungunsten eines etwaigen Realismus, führt die Geschichte, in der es zwischen Marie-Claire und Schimanski schon wieder zu kriseln beginnt, aber zu einem akzeptablen Ende. Katrin Sass spielt die abgebrühte Chefin überzeugend; Inga Busch („Aprilkinder“) als deren Stiefelleckerin gibt sich sexier, als sie ist (was indes zur Rolle passt). „Tödliche Liebe“ ist alles in allem ein wesentlich besserer „Schimanski“ als es die vorausgegangenen Episoden waren und weiß nicht zuletzt mit seiner musikalischen Untermalung zu gefallen. Zudem bietet dieser Fall historisch interessante Einblicke ins Drückermilieu, das erst wie so manche Auflagenhöhe vom Siegeszug des World Wide Web hinweggefegt worden sein dürfte. Aus heutiger Sicht mutet es beinahe schräg an, welch kriminelle Energien einst im Zusammenhang mit Zeitschriften-Abonnements standen…
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Diese Filme sind züchisch krank!
- buxtebrawler
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- Registriert: Mo 14. Dez 2009, 23:13
- Wohnort: Wo der Hund mit dem Schwanz bellt.
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Re: Schimanski - H. Gies/J. Rusnak/M. Schlichter/A. Kleinert/M. Glasner/E. Berger/M. Stelzer u.a. (1997-2013) [TV-Serie]
Schimanski: Schimanski muss leiden
„Ich muss nach Hamburg zum Geburtstag!“
Die neunte Episode des „Tatort“-Spin-offs „Schimanski“ präsentiert sich als Polit-Krimi, geschrieben von Michael Klaus und inszeniert von Matthias Glasner („Sexy Sadie“), der damit seine einzige Regiearbeit innerhalb dieser Reihe ablieferte. Die Erstausstrahlung erfolgte am 3. Dezember 2000.
„Die Frau ist wandelndes Dynamit!“
Schimanski (Götz George) und Marie-Claire (Denise Virieux) machen sich für die Fahrt nach Hamburg zum 80. Geburtstag Karl Königsbergs (Ulrich Matschoss), Schimmis ehemaligem Vorgesetzten, bereit. Die verstört und stumm vorm Hausboot der beiden stehende Kurdin (Jale Arikan, „Ärzte“) ignoriert Schimanski zunächst, doch sie drückt Marie-Claire einen Zettel in die Hand. Schimanski überantwortet die Frau, die zudem verletzt ist, dem jungen Polizisten Thomas Hunger (Julian Weigend), der sie im Krankenhaus behandeln lässt, wo man feststellt, dass sie zahlreiche Fotos am Körper bei sich trägt. Schimanski und Marie-Claire holen derweil Hänschen (Chiem van Houweninge) ab und machen zu dritt an einer Autobahnraststätte Halt. Dort werden sie unfreiwillige Zeugen, wie ein junger Delinquent einen vermeintlichen Drogendealer über den Haufen schießt und dessen Großmutter (Christiane Hörbiger, „Julia – Eine ungewöhnliche Frau“) beinahe Schimanski überfährt. Schimmi schaltet sich ein, steigt zu ihr ins Auto – und realisiert nach und nach, dass er zwischen die Fronten des politischen Kampfes zwischen Faschotürken und Kurden geraten ist, während Königsberg auf seinen Besuch wartet…
„Ich versteh' jetzt überhaupt nicht mehr!“
Um 5:30 Uhr schellt der Wecker auf dem Hausboot, und dann steht da auch noch diese Frau herum, die, wie man den Zuschauerinnen und Zuschauern als Wissensvorsprung gewährt, dort von zwei Menschen abgesetzt und Schimmi damit bewusst in Gefahr gebracht wurde. Genaueres weiß man aber lange nicht, zumal mit den Jünglingen Taco (Alexander Beyer, „Sonnenallee“) und Maya (Susanne Bormann, „Schlaraffenland“) zwei Figuren eingeführt werden, die eine Beziehungskrise, aber ansonsten erst einmal nichts damit zu tun haben. Wie bald darauf dann doch alles miteinander zusammenhängt, Anlass für Autostunts, Blech- und Anzugschäden wird und Schimanski mittenreingerät, ist zu Unterhaltungs- und Dramaturgie-Zwecken ein klassischer Fall von Überkonstruktion, aber eben auch eine der Prämissen dieser Episode.
„Ich bin ein Magnet für Idioten.“
Eine zweite ist die Thematisierung des türkisch-kurdischen Konflikts, und zwar auf eine PKK-kritische Weise. So wird die junge, verstörte und verletzte Kurdin Nadiye von beiden „Parteien“ skrupellos verfolgt, von ihren Landsmännern offenbar, da sie einerseits als Beweis für den türkischen Terror herhalten soll, andererseits des Verrats verdächtigt wird. Dr. Arkar (Tayfun Bademsoy, „Ein starkes Team“), der Chef der Duisburger Nerveneilanstalt, hängt da mit drin, auch Staatsanwältin Schäfer (Suzanne von Borsody) wird auf den Plan gerufen, Schimanski nimmt sich Hunger zur Brust, nur Marie-Claire hat keine Lust und sucht per Anhalter in einem Lkw das Weite. Idiotensicher ausformuliert werden die politischen Hintergründe und die Motivation der Figuren nicht, aber auch ein erfahrenes und gebildetes Publikum dürfte zumindest während der Erstsichtung hier und da Schwierigkeiten haben, dem Ganzen zu folgen.
„Warum drehen die Leute heute alle durch?!“
Das liegt unter anderem daran, dass Schimanskis Verhältnis zur Großmutter des Kleinkriminellen Taco gleichberechtigt erzählt wird und er schließlich sogar mit ihr ins Bett steigt. Zusammen mit dieser hatte er zuvor bereits Maya beim Sex mit einem anderen erwischt. In dieser Episode haben alle einen an der Waffel, und immer mal wieder bekommt man waghalsige Stunts oder auch mal eine Explosion zu sehen. Die Narration ist modern und das Tempo hoch, die Dialoge herrlich schnoddrig, der zwischen Verzweiflung und Verantwortungsbewusstsein hin- und hergerissene Schimanski nicht zu beneiden. Wo er geht und steht, passiert nur Scheiße. Die Handlung ist absurd, aber dafür schwer unterhaltsam. Insbesondere Christiane Hörbiger spielt ihre Rolle überaus sehenswert. Nur wird dieser Film dadurch seiner politischen Komponente kaum gerecht und ist dieser Inszenierungsstil dem Thema nicht angemessen, im Übrigen auch nicht so recht dem Abschied von einer altgedienten Figur aus „Tatort“-Tagen, Kriminalrat Karl Königberg.
Vielleicht hätte man aus dem Stoff zwei, dafür etwas weniger hektisch und nachvollziehbarer erzählte Filme machen sollen.
„Ich muss nach Hamburg zum Geburtstag!“
Die neunte Episode des „Tatort“-Spin-offs „Schimanski“ präsentiert sich als Polit-Krimi, geschrieben von Michael Klaus und inszeniert von Matthias Glasner („Sexy Sadie“), der damit seine einzige Regiearbeit innerhalb dieser Reihe ablieferte. Die Erstausstrahlung erfolgte am 3. Dezember 2000.
„Die Frau ist wandelndes Dynamit!“
Schimanski (Götz George) und Marie-Claire (Denise Virieux) machen sich für die Fahrt nach Hamburg zum 80. Geburtstag Karl Königsbergs (Ulrich Matschoss), Schimmis ehemaligem Vorgesetzten, bereit. Die verstört und stumm vorm Hausboot der beiden stehende Kurdin (Jale Arikan, „Ärzte“) ignoriert Schimanski zunächst, doch sie drückt Marie-Claire einen Zettel in die Hand. Schimanski überantwortet die Frau, die zudem verletzt ist, dem jungen Polizisten Thomas Hunger (Julian Weigend), der sie im Krankenhaus behandeln lässt, wo man feststellt, dass sie zahlreiche Fotos am Körper bei sich trägt. Schimanski und Marie-Claire holen derweil Hänschen (Chiem van Houweninge) ab und machen zu dritt an einer Autobahnraststätte Halt. Dort werden sie unfreiwillige Zeugen, wie ein junger Delinquent einen vermeintlichen Drogendealer über den Haufen schießt und dessen Großmutter (Christiane Hörbiger, „Julia – Eine ungewöhnliche Frau“) beinahe Schimanski überfährt. Schimmi schaltet sich ein, steigt zu ihr ins Auto – und realisiert nach und nach, dass er zwischen die Fronten des politischen Kampfes zwischen Faschotürken und Kurden geraten ist, während Königsberg auf seinen Besuch wartet…
„Ich versteh' jetzt überhaupt nicht mehr!“
Um 5:30 Uhr schellt der Wecker auf dem Hausboot, und dann steht da auch noch diese Frau herum, die, wie man den Zuschauerinnen und Zuschauern als Wissensvorsprung gewährt, dort von zwei Menschen abgesetzt und Schimmi damit bewusst in Gefahr gebracht wurde. Genaueres weiß man aber lange nicht, zumal mit den Jünglingen Taco (Alexander Beyer, „Sonnenallee“) und Maya (Susanne Bormann, „Schlaraffenland“) zwei Figuren eingeführt werden, die eine Beziehungskrise, aber ansonsten erst einmal nichts damit zu tun haben. Wie bald darauf dann doch alles miteinander zusammenhängt, Anlass für Autostunts, Blech- und Anzugschäden wird und Schimanski mittenreingerät, ist zu Unterhaltungs- und Dramaturgie-Zwecken ein klassischer Fall von Überkonstruktion, aber eben auch eine der Prämissen dieser Episode.
„Ich bin ein Magnet für Idioten.“
Eine zweite ist die Thematisierung des türkisch-kurdischen Konflikts, und zwar auf eine PKK-kritische Weise. So wird die junge, verstörte und verletzte Kurdin Nadiye von beiden „Parteien“ skrupellos verfolgt, von ihren Landsmännern offenbar, da sie einerseits als Beweis für den türkischen Terror herhalten soll, andererseits des Verrats verdächtigt wird. Dr. Arkar (Tayfun Bademsoy, „Ein starkes Team“), der Chef der Duisburger Nerveneilanstalt, hängt da mit drin, auch Staatsanwältin Schäfer (Suzanne von Borsody) wird auf den Plan gerufen, Schimanski nimmt sich Hunger zur Brust, nur Marie-Claire hat keine Lust und sucht per Anhalter in einem Lkw das Weite. Idiotensicher ausformuliert werden die politischen Hintergründe und die Motivation der Figuren nicht, aber auch ein erfahrenes und gebildetes Publikum dürfte zumindest während der Erstsichtung hier und da Schwierigkeiten haben, dem Ganzen zu folgen.
„Warum drehen die Leute heute alle durch?!“
Das liegt unter anderem daran, dass Schimanskis Verhältnis zur Großmutter des Kleinkriminellen Taco gleichberechtigt erzählt wird und er schließlich sogar mit ihr ins Bett steigt. Zusammen mit dieser hatte er zuvor bereits Maya beim Sex mit einem anderen erwischt. In dieser Episode haben alle einen an der Waffel, und immer mal wieder bekommt man waghalsige Stunts oder auch mal eine Explosion zu sehen. Die Narration ist modern und das Tempo hoch, die Dialoge herrlich schnoddrig, der zwischen Verzweiflung und Verantwortungsbewusstsein hin- und hergerissene Schimanski nicht zu beneiden. Wo er geht und steht, passiert nur Scheiße. Die Handlung ist absurd, aber dafür schwer unterhaltsam. Insbesondere Christiane Hörbiger spielt ihre Rolle überaus sehenswert. Nur wird dieser Film dadurch seiner politischen Komponente kaum gerecht und ist dieser Inszenierungsstil dem Thema nicht angemessen, im Übrigen auch nicht so recht dem Abschied von einer altgedienten Figur aus „Tatort“-Tagen, Kriminalrat Karl Königberg.
Vielleicht hätte man aus dem Stoff zwei, dafür etwas weniger hektisch und nachvollziehbarer erzählte Filme machen sollen.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Diese Filme sind züchisch krank!