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Darsteller(innen): Christoph Maria Herbst, Bjarne Mädel, Oliver Wnuk, Diana Staehly, Milena Dreißig, Maha Hamo, Yannik Heckmann, Yodit Tarikwa, Benedict Fellmer, Jonas Stenzel u. A.
Zwanzig Jahre sind vergangen, seit Bernd Stromberg (Christoph Maria Herbst) und sein Team von der Schadensregulierung der CAPITOL-Versicherung die deutsche Büro-Kultur auf den Kopf gestellt haben. Damals dominierten flapsige Sprüche, fragwürdige Umgangsformen und Kantinenessen ohne vegane Optionen. Nun steht ein Wiedersehen an, das klären soll, ob Stromberg und seine einstige Truppe sich ebenso verändert haben wie die moderne Arbeitswelt. Berthold „Ernie“ Heisterkamp (Bjarne Mädel), Tanja und Ulf Steinke (Diana Staehly und Oliver Wnuk), Jennifer Schirrmann (Milena Dreissig) und Stromberg selbst treffen sich erneut – im Rahmen einer pompös inszenierten Reunion vor laufenden Kameras. Doch wie bei jeder Familienfeier kommen alte Konflikte, ungelöste Spannungen und reichlich Alkohol ins Spiel. Was als nostalgische Rückschau beginnt, gerät bald außer Kontrolle und endet in einem Chaos, das niemand vorausgesehen hat.
„Stromberg“, die gewissermaßen „eingedeutschte“ Version der britischen Serie „The Office“, die im pseudodokumentarischen Mockumentary-Stil den Büroalltag mitsamt zwischenmenschlichen Befindlichkeiten, Business-Getue und ebenso nutzlosem wie unfähigem, aber umso selbstbewussterem, karrieregeilem, sich in souveränem Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit übendem Vorgesetzten fünf Staffeln lang köstlich aufs Korn nahm und es im Jahre 2014 sogar auf einen gelungenen Kinofilm brachte, war eigentlich auserzählt: Bernd Stromberg verließ die Capitol-Versicherung und ging in die Politik. Im Jahre 2025 – Deutschland wird mittlerweile tatsächlich von einem Stromberg-Verschnitt als Kanzler regiert – meldet sich das bewährte Team aus Autor Ralf Husmann und Regisseur Arne Feldhusen dennoch mit einem weiteren Kinofilm zurück.
„Ich bin wie die Lady Di – nur mit Bart!“
20 Jahre nach Ausstrahlung der „Stromberg“-Doku-Soap will das Fernsehen sowohl zurückblicken als auch die Gegenwart beleuchten, denn Bernd Stromberg & Co. sind mitnichten in Vergessenheit geraten, sondern genießen Kultstatus und verfügen über eine große Anhängerschaft. Für eine von Matthias Opdenhövel moderierte Fernsehshow sollen Stromberg und seine ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Capitol in einem Studio vor der Kamera versammelt werden. Tanja (Diana Staehly) und Ulf Steinke (Oliver Wnuk), die sich während ihrer Arbeit für die Capitol kennen- und lieben lernten, heirateten und eine Familie gründeten, sind nach wie vor für die Versicherung tätig, wobei Tanja im Gegensatz zu ihrem Mann dort sogar die Karriereleiter emporgeklettert ist. Das damalige Dauermobbing-Opfer Berthold „Ernie“ Heisterkamp (Bjarne Mädel) hingegen hat das Unternehmen verlassen, ein Buch über seine Mobbing-Erfahrungen veröffentlicht und bietet sogar Workshops zum Thema an. Jennifer „Schirmchen“ Schirrmann (Milena Dreissig), Strombergs ehemalige Geliebte, ist nunmehr mit dem wesentlich jüngeren Web-Content-Creator Julian (László Branko Breiding, „Start the fck up“) liiert, der seine Anwesenheit bei der Produktion für reichlich Social-Media-Beiträge nutzt. Die junge Produktionsleiterin (Sophia Burtscher, „Die Bachmanns“) sieht sich bei Blicken ins Archiv erstmals mit den frauenfeindlichen und verletzenden Sprüchen des menschlich mehr als fragwürdigen Bernd Stromberg konfrontiert und weigert sich, diese erneut auszustrahlen. Vor den Studiotüren indes treffen Stromberg-Fans, nicht selten als ihr Idol mit Klobrillenbart und Glatze verkleidet, und feministische Aktivistinnen und Aktivisten, die gegen die Sendung protestieren, aufeinander…
Enttäuschenderweise ignoriert dieser Film Strombergs Politikambitionen, mit denen der vorausgegangene Film geendet hatte. Dafür ist schnell die alte Chemie wieder da: Natürlich ist Ernie weiterhin der eher unbeholfene Verlierertyp, der nicht für voll genommen und zum Ziel diverser Spitzen wird, zoffen Tanja und Ulf, die zudem ihren etwas zurückgeblieben wirkenden Adoptivsohn Marvin (Max Kluge) dabeihaben, sich, und scheint Schirmchen in einer weiteren ihr nicht guttuenden Beziehung gefangen. Neu jedoch sind Umfeld und Ambiente: Man befindet sich nicht mehr im Büro und auch nicht auf einem Betriebsausflug, sondern in den Kulissen eines TV-Studios. Dort die Show witzig und pannenreich durchzuziehen, war nicht das Ansinnen Husmanns uns Feldhusens. Statt die verschiedenen Typen Büroangestellter mit ihren Macken und hierarchische Formen der Unternehmensorganisation zu persiflieren, begibt man sich auf die Meta-Ebene und möchte zudem sowohl einen gesamtgesellschaftlichen Kommentar abgeben als auch ein persönlichen Identitätsdrama Bernd Strombergs mit Road-Movie-Anleihen erzählen.
Und daran verhebt man sich leider, schlicht weil man zu viel auf einmal möchte. Das liegt zum einen daran, dass der typische „Stromberg“-Humor damit in weiten Teilen inkompatibel ist, weshalb er in weitaus geringerer Dosis vorkommt. Bricht er so richtig durch, hat er die Lacher noch immer auf seiner Seite und ich würde lügen, behauptete ich, hier nicht den einen oder anderen herrlich absurd-selbstüberschätzenden Bernd-Spruch gehört oder mich nicht über köstliche, aus dem Aufeinandertreffen grundverschiedener Charaktere resultierende Situationskomik amüsiert zu haben. Sie können es, wenn sie denn wollen.
Zum anderen wirkt die Meta-Diskussion erzwungen. Statt zumindest Teilen des Publikums „den Spiegel vorhalten“ zu wollen, hätte man es dabei belassen können, diejenigen Fans, die Stromberg-Zitate aus dem Serienkontext reißen und innerhalb eines vermeintlichen Kultur- oder Sonstwas-Kampfs positiv umdeuten, kurz abzuwatschen, statt sie zu einem Phänomen hochzustilisieren. Der Aspekt der Web-medialen Dauerpräsenz parallel zu den klassischen Medien, der hier in der Figur Julian personifiziert stattfindet, greift die damit einhergehenden Entwicklungen und Konsequenzen auf, setzt dabei aber recht eindimensional auf Krawall und nervt mit Julians Habitus mehr, als dass es amüsieren würde. Der zunehmend melancholische Tonfall, den der Film während Bernd Strombergs Sinnkrise durchläuft, passt wiederum nur leidlich – vor allem, weil er aufgesetzt und nicht ernstgemeint wirkt. Wäre er ernstgemeint, liefe er dem satirischen Konzept entgegen.
Irgendwie ist „Stromberg – Wieder alles wie immer“ nicht Fisch, nicht Fleisch, hat viel von der Leichtigkeit der vorausgegangenen Produktionen verloren und erscheint überambitioniert. Das Ende lässt einen dann auch eher indifferent zurück, statt dass es das Gesehene pointiert abzurunden wüsste. Und wenn dann auch noch echte Politikerfratzen auftauchen, die „Humor beweisen“, indem sie in diesem Film mitmachen – darunter Smithers-Lookalike und Kanzler-Stiefellecker Linnemann – und sich das Sponsoring durch McDonald’s (!) nicht nur in einer nervigen Werbekampagne niederschlägt, sondern sogar in einem Werbe-Epilog manifestiert, überwiegt unfreiwillig, womit die „Stromberg“-Welt so gerne spielt: die Fremdscham.
Bewertung: 5,5 von 10 Bernd-Stromberg-Kostümen
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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