Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Pink Narcissus

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01.jpg (47.38 KiB) 138 mal betrachtet
Ansprechend gemachter Experimentalfilm ohne greifbare Handlung über einen jungen Mann, der sich erotischen Träumen hingibt, die wahlweisen von Stierkämpfern, Bikern, Männer-Harem und dergleichen handeln. „Pink Narcissus“ erinnert stark an Kenneth Anger, jedoch wirkt das hier weniger ernsthaft, sondern viel verspielter und mit großem Mut zum Kitsch und Überzeichnung. Ein Handlungsbogen ist rudimentär vorhanden und Szenen aneinander montiert, die einmal von idyllischer Natur, dann wieder von den Abgründen der Großstadt handeln. Immer jedoch mit sexuellem Unterton, der von Minute zu Minute gesteigert wird, bis dann auch ein ejakulierender Penis in Großaufnahme zu sehen ist. Doch auch das wirkt hier nicht plakativ, sondern ist kunstvoll und kreativ in die hübschen Bilder montiert, in denen es auch abseits von primären Geschlechtsorganen viel zu entdecken gibt. Hedonismus, Promiskuität und Narzissmus werden hier in allen Facetten ausgiebig zelebriert und so ist es auch wenig verwunderlich, dass der vor Kreativität überbordende Streifen in den Siebzigern auch den Nerv des Publikums traf und seitdem ausgiebig popkulturell auch ausgiebig zitiert wird.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Gothika

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01.jpg (86.67 KiB) 129 mal betrachtet
Miranda ist Psychologin in einem Frauengefängnis und betreut Patientinnen, die ihre teils grauenvollen Schicksale erfolgreich verdrängen. Wenig später wechselt Miranda jedoch unverhofft die Seiten, als sie nach einem Filmriss an einem regnerischen Abend damit konfrontiert wird, ihren Ehemann und Leiter der Anstalt mit der Axt zerstückelt zu haben. Miranda kann sich jedoch nur an Bruchstücke der folgenschweren Nacht und einer mysteriösen Begegnung erinnern, sieht ihrerseits kein Motiv und versucht verzweifelt ihre Unschuld zu beweisen, während sie von ihren ehemaligen Kollegen als renitente Patientin behandelt wird.

„Gothika“ habe ich ja tatsächlich all die Jahre nie gesehen und irgendwie hab ich dabei auch nichts Großartiges versäumt. Der Streifen wandelt ja auf den Spuren von Filmen wie „The Ring“, M. Night Shyamalan und anderen erfolgreichen Produktionen aus den ausklingenden Neunzigern bzw. frühen Nullerjahren und versucht Mystery, Grusel, Thriller und Drama mehr schlecht als recht unter einen Hut zu bringen. Die Geschichte ist ja eher mittelprächtig und Herr Kassovitz schafft es irgendwie nicht, eine gruselige Stimmung zu verbreiten. Stattdessen flackert ständig das Licht und es gibt irgendwelche Erscheinungen, die nur dazu dienen, den Puls des Zuschauers kurzfristig in die Höhe zu treiben. Neben den durchschaubaren Jump-Scares, der mäßigen Geschichte, ein paar optischen Spielereien und den bekannten Darstellern gibt es ja nicht viel, was hängen bleiben könnte und irgendwie kommt auch die Geschichte nie richtig in Fahrt und bleibt stets auch ziemlich unglaubwürdig und zäh erzählt. Losgelöst von seiner Entstehungszeit geht das zwar für einen verregneten Nachmittag schon in Ordnung, aber mehr als durchschnittliche und austauschbare Hollywood-Horrorkost von der Stange ist „Gothika“ dann auch nicht geworden.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

30 Days of Night: Dark Days

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01.jpg (57.75 KiB) 118 mal betrachtet
Eigentlich völlig unnötig erscheinendes Sequel zu „30 Days of Night“ das irgendwie alles vermissen lässt, was man in dem ersten Teil so mochte. Statt haufenweise Schnee gibt es die Sonne Kaliforniens, statt interessanter Charaktere irgendwelche Knallchargen und statt packender Action bemühte Dramatik und ein lahmes Finale, dass ich schon wieder verdrängt habe. Dass wir es hier mit einer Billig-Produktion zu tun haben, sieht man ja gleich in den ersten Minuten und die Geschichte ist ja auch ziemlich doof und nimmt insgesamt wenig Rücksicht auf seinen durchaus atmosphärischen Vorgänger. Die Jäger aus dem ersten Teil werden zu Gejagten, die Opfer zu toughen Jägern und statt dem böser Obermacker gibt es hier auf einmal eine Vampir-Königin namens Lilith, die mit ihrem Gefolge in der Kanalisation von Los Angeles lebt. Waren die Vampire im ersten Teil den Menschen weit überlegen und bedrohlich, sind sie hier auf einmal ziemlich doof und lassen sich bereitwillig von einer Gruppe Amateur-Vampirjäger dahinmetzeln, die auch wieder einmal nur aus den üblichen Stereotypen besteht. Dazu gibt es noch ein paar lächerlich erscheinende Einfälle und so etwas wie Spannung kommt ja sowieso zu keiner Zeit auf. Es gehört ja meines Erachtens schon sehr viel Unvermögen dazu, aus den Vorgaben des ersten Teils einen derart langweiligen Nachfolger auf Asylum-Niveau zu zimmern. Schnarch!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Resident Evil

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01.jpg (80.1 KiB) 110 mal betrachtet
Meine eher durchwachsenen Erinnerungen zu „Resident Evil“ wollte ich ja auch immer wieder auffrischen und die erneute Sichtung präsentiert Andersons Streifen als mittelprächtigen, aber auch durchaus funktionalen Horrorfilm aus den Nuller-Jahren. Der Streifen war ja meines Wissens einer der Ersten, in denen Zombies rennen können, ist eigentlich auch flott inszeniert und bietet Gore und Action, die so dosiert ist, dass weder ausufernd, aber auch nicht zu brav erscheint. Auf der anderen Seite haftet dem Streifen auch immer noch sein Gaming-Charakter an und die Geschichte ist wohl auch spannender, wenn man sich bereits damit beschäftigt hat. So wirken die Figuren etwas blass und die Handlung um einen Konzern mit unrühmlichen Geheimnissen im Keller und einer Titelfigur mit Gedächtnisverlust erwartet bisweilen auch viel Wohlwollen des Zuschauers. Die Feinseligkeit, die ich als ähm… ernsthafter Zombie-Fan der alten Schule „Resident Evil“ bei seinerzeitigem Kinobesuch entgegengebracht habe, ist aber mittlerweile gewichen und auch wenn mich die nachfolgenden Teile nicht sonderlich interessieren, ist der Auftakt der Reihe ein durchschnittlicher, Action-betonter Horrorfilm, der bis auf seinen eher aufdringlich erscheinenden Metal-Soundtrack optisch und technisch solide gemacht ist, voll und ganz auf Milla Jovovich zugeschnitten ist und auch sonst popkulturell durchaus seine Daseinsberechtigung hat.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Hunting Ground

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01.jpg (35.28 KiB) 98 mal betrachtet
Adela ist Anwältin für Kleinkriminelle und vertritt dabei die durchaus kontroverse Ansicht, dass die spanische Gesellschaft arme Menschen bewusst in Kriminalität treibt. Als sie damit eines Tages die Aufmerksamkeit von Mauri und dessen Freunde erregt, stehlen diese ihr Auto und kommen so auch in den Besitz des Schlüssels einer Villa, die Adela gemeinsam mit ihrem Mann Jorge besitzt. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände werden die Diebe bei ihrem Vorhaben jedoch von Adela und ihrem Mann überrascht, wobei sich ein Schuss löst und Jorge sein Leben lässt. Mauri kann fliehen und erpresst die eigentlich liberale Adela, die trotz ihrer pazifistischen Einstellung nur hilflos mitansehen kann, wie sie und ihr Umfeld immer weiter von einem Strudel aus Hass und Gewalt aufgesogen wird…

Harte Kost, die uns Jorge Grau hier mit seinem 1983 entstandenen „Coto de Caza“ und der Geschichte um Anwältin Adela präsentiert, die auf die sehr harte Tour lernen muss, dass ihre Vorstellung von Menschlichkeit und das Gute im Menschen nicht unbedingt mit der Realität übereinstimmen. Dabei erinnert die Geschichte im Grunde etwas an „Ein Mann sieht rot“ und nimmt auch „Home Invasion“ und Drama mit um dann eine andere Richtung einzuschlagen. „Hunting Ground“ ist kein Exploitation-Streifen, wie man ihn sich vielleicht aufgrund der Thematik erwarten würde, sondern wird ruhig erzählt und die Spirale der Gewalt zieht immer weitere Kreise, bis im Finale dann ordentlich aufgedreht wird. Jorge Grau geht es in seinem grimmig-pessimistischen Film auch darum zu zeigen, wie leicht die gutbürgerliche Existenz bedroht ist, wenn nur ein paar Parameter geändert werden und man sich auf einmal selbst in einer aussichtslosen Lage befindet, die nur die gewaltvolle Flucht nach Vorne zulässt. Dabei lebt der Streifen ja auch von der kraftvollen Darstellung von Assumpta Serna, die laut IMDB ja selbst Jus studiert hat, ehe sie in die Schauspielerei wechselte und somit perfekt in die Rolle passt. „Hunting Ground“ lässt sich auch viel Zeit, ehe er dem Zuschauer am Ende dann ordentlich einschenkt und auch recht eindrucksvoll zeigt, dass es im Falle von Gewalt nur Verlierer auf allen Seiten gibt. Ein Film, den man auch erst einmal verdauen muss und vor kurzen von „Mondo Macabro“ in sehr schöner Form veröffentlicht wurde.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Possum

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01.jpg (25.58 KiB) 91 mal betrachtet
Nachdem er seinen Job verloren hat, kehrt der introvertierte wie seltsame Philip in sein heruntergekommenes Elternhaus zurück, in welchem auch sein Onkel Maurice ein Zimmer bewohnt. Doch die Rückkehr bringt verdrängte Ängste zurück an die Oberfläche und Philip und Maurice begegnen sich auch eher feindselig als herzlich und auch sonst scheint der Puppenspieler alles andere als mit sich im Reinen zu sein. Er trägt eine Tasche mit einer seltsamen Puppe mit Spinnenbeinen mit sich herum, die er loszuwerden versucht, aber die wie seine dunkle Vergangenheit wie ein drohender Schatten an ihm heftet und sich auch nicht so einfach abschütteln lässt.

„Possum“ taucht ja mit einer gewissen Regelmäßigkeit in Listen mit ungewöhnlichen Filmen auf und beweist, dass sich Regisseur Matthew Holness mit Filmen wie „Eraserhead“ auseinandergesetzt hat. „Possum“ präsentiert sich als unruhiger und unheimlicher Alptraum, bei dem der Zuschauer von Beginn an die zahlreichen und sprichwörtlichen Dämonen förmlich spüren kann, die der Protagonist mit sich herumträgt. Dazu kommt die wohl unheimlichste Puppen-Kreation der jüngsten Zeit, die zartbesaiteten Gemütern wohl mühelos die Nachtruhe verderben wird. Andererseits lässt sich der Regisseur auch etwas sehr viel Zeit um den erahnbaren Background der Figur aufzudröseln und präsentiert alles bewusst sehr trist und heruntergekommen, sodass es fast schon etwas zu viel des Guten erscheint, wie hier die Hoffnungslosigkeit und der Pessimismus zelebriert wird. Holness lässt seiner traumatisierten Figur und dem Zuschauer keinen Hoffnungsschimmer und präsentiert „Possum“ als ausweglosen Alptraum, bzw. als sperrige Mischung aus Drama, Horror und Thriller, die zwar zweifelsfrei sehr gut und eindrucksvoll gespielt ist, aber mich auch nicht so wirklich erreicht hat. In jungen Jahren, in denen ich noch den Weltschmerz der Welt auf meinen schmalen Schultern getragen hab, hätte ich das Werk vermutlich auch ziemlich abgefeiert, aber so fand ich das irgendwie auch arg verkopft und die Geschichte hat mich auch nicht sonderlich angesprochen. Sicherlich ist „Possum“ aber auch kein Film, den man gut gelaunt an einem lauen Sommerabend in den Player schieben sollte.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Hollywood Horror House

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01.png (183.98 KiB) 83 mal betrachtet
Aufgrund seiner traumatischen Kindheit hasst Vic ältere Frauen und ermordet diese auf grauenvolle Weise und zerstreut ihre Körperteile in den Hollywood Hills. Als er eines Tages bei einer Bus-Rundreise auf das Anwesen der Schauspielerin Katherine gelangt, nutzt er die Gunst der Stunde um der persönliche Assistent der abgehalfterten Hollywood-Legende zu werden. Vic wickelt die alkoholkranke und geltungssüchtige Dame um den Finger und erlangt zum Leidwesen deren Angestellten immer mehr Einfluss auf deren Entscheidungen. Katherine hingegen blüht auf und sieht schon ein Comeback in Reichweite, als sich die wahren Absichten ihres jugendlichen Lovers nicht mehr leugnen lassen…

Wieder einmal ein Film über die Abgründe Hollywoods, der sich dem Zuschauer aber dennoch etwas seltsam präsentiert. Die Geschichte über einen mental derangierten jungen Mann und der abgehalfterten Hollywood-Diva ist ja irgendwie recht unspektakulär erzählt, wären zwischendurch nicht immer wieder brutale Morde, die angesichts des Entstehungsjahres in ihrer blutigen Detailpracht fast schon an Herschell Gordon Lewis erinnern. Doch der Rest ist jedoch weit weniger aufregend und der durchtriebene junge Mann hat ja eigentlich ein leichtes Spiel sich ins Leben der geltungssüchtigen Frau zu drängen um Schaden anzurichten. Dabei thematisiert der Streifen am Rande auch den Abgesang auf das glamouröse „alte“ Hollywood der Technicolor-Filme und großen Studio-Produktionen, die durch B-Movies und Indie-Produktionen abgelöst werden. Herausgekommen ist zwar ein interessanter, aber nicht durchwegs spannender Streifen, der sich nicht so recht zwischen Drama und Psychothriller entscheiden kann und sich auch prompt zwischen die Stühle setzt. Die surrealen Flashbacks zeigen ja, was alles möglich gewesen wäre, aber so wirkt „Hollywood Horror House“ abseits der gorigen Momente immer etwas zu brav und werkt auch eher an der Oberfläche, als in irgendwelche Untiefen menschlicher Existenzen zu gehen, wo es dann wirklich hässlich wird.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

FAQ About Time Travel

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01.jpg (96.53 KiB) 75 mal betrachtet
jogiwan hat geschrieben:
Di 13. Mär 2018, 07:22
Augenzwinkernde und sehr sympathische Zeitreise-Komödie aus England, bei der man sich wirklich verwundert fragen muss, warum der Streifen hierzulande nicht bekannter ist. In „FAQ about Time Travel“ bekommt der Fan mit den drei Nerds und einem Abend im Pub ja nicht nur eine lustige Ausgangssituation präsentiert, sondern der Film spielt in seinem Verlauf auch hübsch mit den ganzen Auswirkungen und paradoxen Situationen, die sich durch das Zeitreisen nun einfach mal so ergeben. Doch die unterschätzten Helden sind natürlich durch ihre Kenntnisse in Film, Comics und Games natürlich auf alles vorbereitet und meistern so auch jedes noch so absurde Szenario halbwegs mit Bravour. Alles schwer unterhaltsam und immer augenzwinkernd inszeniert, nimmt der Indie-Streifen seine Figuren und Thematik aber durchaus ernst und schafft so einen erfreulich kurzweiligen, geistreichen und vor allem schwer unterhaltsamen Kommentar zu dem komplexen Thema des Zeitreisens. Wer Filme mit Zeitreisen mag, nichts gegen britischen Situationskomik, Pub-Feeling und Songs von Bonnie Tyler hat, sollte definitiv ein Auge riskieren. 80 Minuten positives Hirnrunzeln von Fans für Fans, sympathischen Cast, lustigen Momente am laufenden Band und viel Herumgehüpfe in der Zeit ergeben dann auch einen Streifen, der gestern sicher nicht zum letzten Mal im Player gelandet ist. Tipp!
Bei der Zweitsichtung ist "FAQ about Time Travel" vielleicht nicht mehr ganz so überraschend, aber sympathisch ist das Ganze dennoch ungemein. Ein lustiger kleiner Film über die Paradoxen des Zeitreisen und zu viel Bier im Pub. :)
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

A Dark Song

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01.jpg (34.53 KiB) 64 mal betrachtet
Seit dem gewaltvollen Tod ihres Kindes ist Sophia zerfressen von Hass, Selbstmitleid und dem Willen etwas daran zu ändern. Sie mietet ein abgelegenes Haus um mit dem Okkultisten Joseph ein geheimnisvolles Ritual zu vollziehen, dass Wochen dauern soll, die beiden Fremden an die physischen und psychischen Grenzen führt und an dessen Ende die Erfüllung eines Herzenswunsches stehen soll. Doch schon kurz nach Beginn des Rituals gibt es Differenzen und während Joseph zunehmend sadistische Züge offenbart, die er mit den strengen Regeln erklärt, scheint auch Sophia nicht mit offenen Karten zu spielen…

Interessanter, ungewöhnlicher aber auch zweifelsfrei etwas polarisierender Streifen, der sich quasi als Kammerspiel zweier Personen in einem abgelegenen Haus präsentiert. Die Geschichte über ein okkultes Ritual mit Engeln und Dämonen fand ich ehrlich gesagt jetzt gar nicht mal so prickelnd, aber Regisseur Liam Gavin zieht das Ganze ernsthaft und ohne einen Funken Humor durch. Der Streifen wirkt auch sehr atmosphärisch und die eigenen Zweifel über derartigen Hokuspokus sind auch rasch ausgeräumt, als sich die ersten phantastischen Elemente in den Streifen mischen. Dennoch hat der Streifen auch ein paar Längen, ist bewusst sperrig gehalten und das Ende gefällt wohl auch nicht jeden Zuschauer und hinterließ auch bei mir einen nicht gänzlich geglückten Eindruck, auch wenn es sicherlich zum Nachdenken anregt. „A Dark Song“ ist auch ungefähr der Gegenentwurf zu aktuellen Horrorfilmen und verzichtet auf Jump-Scares, richtet sich an ein erwachsenes Publikum und ist auch insgesamt eher dramatisch ausgefallen. Dazu gibt es minimale Settings, zwei Darsteller, denen man ihre Tour-de-Force auch abnimmt und eine Geschichte, die man so sicherlich nicht alle Tage sieht. Leider hat die englische DVD keine Untertitel und ich hatte bisweilen etwas Probleme der Geschichte und Motivation der beiden zu folgen. Doch wenn man nicht alles versteht, ist das im Falle von „A Dark Song“ vielleicht auch gar nicht so schlecht. Solider Stoff für Menschen, die sich für Horrorfilme abseits des Mainstreams interessieren.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Wax

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01.png (115.63 KiB) 54 mal betrachtet
Der junge Filmemacher Mike bekommt von seiner Produzentin für ein Reality-TV-Format den Auftrag eine Nacht im sagenumwobenen Wachsmuseum von Barcelona zu verbringen, wo einst auch ein mittlerweile inhaftierter Serienkiller und Kannibale namens Dr. Nox sein Unwesen trieb. Mit dutzenden Kameras ausgestattet beginnt Mike sich und seine Gedanken in dem leeren Museum zu filmen, als er auf einmal bemerkt, dass er nicht alleine in dem weitläufigen Gebäude zu sein scheint. Als er auch noch einen Anruf seiner Produzentin erhält, dass Dr. Nox aus dem Gefängnis geflohen ist und auf dem Weg ins Museum sein könnte, gerät Mike zunehmend in Panik und Dr. Nox ist mit seinem Werk auch noch lange nicht zu Ende…

Spanischer Horrorstreifen von Victor Matellano der mit einigen guten Ideen, gorigen Szenen und Cameos aufwarten kann, aber diese mit einer etwas überfrachteten Rahmengeschichte mehr schlecht als recht zusammenklöppelt. Ein ambitionierter Filmemacher, ein gruseliges Wachsmuseum, ein kannibalistischer Serienmörder, Found-Footage-Anleihen, Drama und Kritik am Reality-TV und so weiter und so fort. In einer relativ kurzen Laufzeit von knapp 76 Minuten kommt ja doch so einiges zusammen und natürlich dauert es nicht lange, bis die Nacht im Wachsmuseum wieder einmal in eine völlig falsche Richtung geht. Dazwischen gibt es Jack Taylor als eine Mischung aus Hannibal Lecter und Mad Scientist, der sich mit chirurgischem Equipment und stoischer Miene an vornehmlich jungen Frauen zu schaffen macht. Dazu gibt es handgemachte Effekte, eine schicke Location und einen erwartbaren Twist, der jedoch den Streifen auch nicht über unteren Durchschnitt heben kann. So recht will der üppige Cocktail nämlich nicht zünden und so sehr man sich an Cameos von Antonio Mayans und der Stimme von Paul Naschy erfreut, so sehr nervt doch die Hauptfigur, die natürlich in kürzester Zeit die Nerven wegschmeißt und panisch zwischen den Wachsfiguren herumwandelt. Schön, dass sich junge Filmemacher an die lange und atmosphärische Tradition des spanischen Horrorfilms erinnern – doof, wenn der Streifen dabei aber doch nur in die völlig schludrige Qualitäten eines Jess Franco geht.
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