Carnalità - Alfredo Rizzo (1974)

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Maulwurf
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Carnalità - Alfredo Rizzo (1974)

Beitrag von Maulwurf »

 
Carnalità
Carnalità
Italien 1974
Regie: Alfredo Rizzo
Erna Schurer, Femi Benussi, Jacques Stany, Pupo De Luca, Fiorella Galgano, Carlo Rizzo, Michelina Cavaliere, Consalvo Dell'Arti, Sonia Viviani,
Mario Pisu, Mario De Rosa, Carlo Micolano, Clara Spatafora, Assunta Oglio, Anna Perego, Lorenzo Piani, Ada Pometti


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OFDB

Die Frau des Professors Luciani ist todkrank, und der Arzt hat ihr Seeluft verordnet. Während ein normaler Mensch nun einen Urlaub am Meer machen wurde, wirft der hinterlistige Geschäftsmann Luciani mit Hilfe schmutziger Tricks ein homosexuelles Pärchen aus dessen am Meer gelegenen Schloss, und quartiert sich dort ein. Inklusive der todkranken Frau und inklusive ihrer Pflegerin Anna, seiner Geliebten. Denn Luciani ist ein rechter Hallodri vor dem Herrn, der prinzipiell alles anbaggert was bei drei noch einen Rock anhat. Neben dem Verhältnis zu Anna pflegt er nämlich noch ein inniges Verhältnis zu seiner Sekretärin, das Dienstmädchen ist ebenfalls in Nullkommanichts oben ohne, und auch eine Touristin, die so getan hat als ob sie ertrinkt und sich auf diese Weise ein paar Sonnenbadestunden auf seiner Jacht erschleichen möchte, geht mit großen Freuden auf seine Avancen ein. Die Sache mit dem Dienstmädchen kann Anna durch einen fristlosen Rausschmiss noch in ihrem eigenen Sinne geradebiegen, und die Sache mit der todkranken Ehefrau, nun ja, auch dies erledigt Anna dergestalt, dass sie ihren Professor dann endlich nur für sich hat. Doch nach deren Tod will Luciani für einige Zeit ganz alleine sein und er bittet Anna zu gehen. Anna hat natürlich den richtigen Riecher, dass da die Blondine vom Boot dahinter steckt, aber sie kann nichts machen - Sie muss gehen, besagte Touristin namens Roberta schmeißt sich an den Professor ran (oder umgekehrt, das kann man nun so oder so sehen), und schon bald vögelt man sich munter durch das komplette Schloss.

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Das Spannende an CARNALITÀ ist die Entwicklung von Luciani, der sich vom ziemlichen Arschloch, der nur sein menschenschindendes Geschäft und die Weiber im Kopf hat, relativ bald zur sympathischen Identifikationsfigur des Films wandelt. Der Mann hat Charme und Ausstrahlung, Geld ohne Ende, schaut gut aus, und scheint einen Dauerständer zu haben dem keine Dame widerstehen kann. Das Problem dabei ist, dass im Film außer diesen Dingen sonst einfach nichts passiert. Luciani bespringt alle Frauen, Anna regt sich deswegen auf weil sie ihren Professor für sich allein haben will, Roberta drängelt sich sanft aber nachdrücklich in das Geschehen, und das war es. Das Ende des Films, dass dann das Warum und Wofür auflöst, bietet keine echte Überraschung und ist so im Wesentlichen auch erwartbar – Und sonst ist da einfach nichts. Hübsche Bilder mit vielen nackten Frauen und einem sehr behaarten Mann, ein schönes Schloss dass fürmal nicht Balsorano ist sondern Santa Marinella im Lazio, und ein fast durchgehendes Urlaubsflair für Italiensüchtige bieten zwar den ein anderen Schauwert, aber sonst? Die OFDB versteigt sich dazu, CARNALITÀ in die Sparte Thriller zu stecken – Ich sehe das Filmchen eher in der Sparte Urlaubserinnerungen von Onkel Jacques und Tante Erna aus den seligen 70ern. Und bei solchen Filmen ist schon so manch einer eingeschlafen …

Alfredo Rizzo hat laut der OFDB vier Filme gedreht. Zwei davon, nämlich CARNALITÀ und THE BLOODSUCKER LEADS THE DANCE, habe ich nun gesehen, und beide sind ehrlich gesagt rechte Schnarcher. Was mich dann aber doch noch ein wenig für CARNALITÀ einnimmt, sind neben der hinreißend-herzschmelzenden Musik von Carlo Savina so kleine Kleinigkeiten: Die intellektuell daherschwatzenden Damen am Pool, der entsetzte Satz eines rettenden Skippers, „Women shouldn't be allowed in the water“ oder eine Ansicht der Spielerinnen aus der subjektiven Sicht eines Tischkickers schenken kleine Momente unerheblichen Glücks. Und eines hat der Film auf jeden Fall noch ganz groß im Gepäck, nämlich die erwähnte entspannte Sommerstimmung. Das Flair, das CARNALITÀ durchzieht, ist so heiter und leicht, dass der Abstand zur Wirklichkeit kaum größer sein könnte. Kein böser Gedanke, kein Verdacht trübt dieses leichte und heitere Flair, ernsthafte Erotik kommt sowieso nicht vor, ja nicht einmal ein Spannungsbogen stört den großen weiten Horizont – Luciani und Anna beziehungsweise Luciani und Roberta vögeln sich ausgesprochen jugendfrei durch das Schloss und das war’s. Ein Film für heiße Sommertage, wenn jedweder Anspruch nur Schweißausbrüche provozieren würde …

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4/10
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