Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

After... Part One: Can't You Be Left Alone?

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exorcismo.png (102.4 KiB) 287 mal betrachtet
Nach dem Tod des Diktators Franco ist Spanien auf dem Weg in die Demokratie. Doch dieser Weg ist kein leichter, das Land und seine Bevölkerung zerrissen zwischen Aufbruch und Nostalgie, wirtschaftlich schweren Zeiten und Armut. „Después de… Primera parte: no se os puede dejar“ zeigt diese Zeit mit Stimmen der Bevölkerung und Politikern und zeigt Gruppen wie Arbeiter, Unternehmer, Nationalisten, FeministInnen, PensionistInnen, Katholiken, Atheisten und Jugendliche, sowie Studenten, die sich allesamt abgehängt fühlen und nun mit politischen Parteien und teils altbekannten, sowie progressiven Parolen nach Gehör streben.

Da hat man den Vorsatz die schicke „Exorcismo“-Box von Severin chronologisch zu gucken und landet statt eines Spielfilms auf einmal im ersten Teil einer Dokumentation aus dem 1983, die den gesellschaftlichen Umbruch in Spanien nach dem Ende der Diktatur auf dem Weg in die Demokratie nachzeichnet und dabei ein sehr ambivalentes Bild einer zerrissenen Bevölkerung zeichnet. Anstatt die Ereignisse geschichtlich nachzuzeichnen und auf Archivmaterial von Nachrichten zurückzugreifen, gehen die Regisseur in die Bevölkerung und lassen diese unkommentiert zu Wort kommen. Die handelnden Personen und Politiker sind mir nicht bekannt und einiges kann man wohl auch nur in bestimmte Richtungen mutmaßen, aber es kristallisiert sich relativ rasch heraus, dass es nach dem Ende der Franco-Diktatur sehr viele Verlierer gab und sich das Land erst langsam erholen musste. Dazu viele Nostalgiker und Nationalisten, die ihre Chance gekommen sahen, sowie progressive, sozialistische und kommunistische Kräfte, die den Blick nach vorne richteten. Die Stimmung ist aufgeheizt, die Wortmeldungen teils drastisch und zeugen von dem langsamen Prozess nach mehr Gerechtigkeit, der für das Land sicherlich kein leichter Weg war. Teils wird es auch heftig, wenn die Nationalisten und Franco-Fans zu Wort kommen oder beklagt wird, wie lasch Gewalt gegen Frauen geahndet wird. Sicherlich keine leichte Kost, aber empfehlenswert für politisch interessierte Menschen, wenn man bedenkt, dass das alles im Grunde noch gar nicht allzu lange her ist und den Verlockungen nach einfachen Lösungen in schwierigen Zeiten zum Glück nicht nachgegeben wurde.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Never talk to Strangers

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01.jpg (88.75 KiB) 267 mal betrachtet
Psychologin Sarah hat eine wilde Lebensgeschichte hinter sich, ein zerrüttetes Verhältnis zu ihrem Vater und generell Probleme damit, Menschen zu vertrauen. Während sie an einem aufsehenerregenden Mordfall mit der psychologischen Einschätzung eines Mörders beschäftigt ist, lernt sie eines Tages im Supermarkt Tony kennen, der sich sehr offensiv um die hübsche Frau bemüht. Später landen die Beiden in der Kiste und für Sarah beginnt eine Achterbahnfahrt der Gefühle, da sich nicht nur ihr neuer Lover zunehmend seltsam verhält, sondern sie sich auch noch mit anonymen Drohungen konfrontiert sieht.

Der nächste Neunziger-Thriller auf der Liste, der sich als etwas bemühte Mischung aus Erotik-Drama, Stalking-Krimi und Psycho-Kiste entpuppt, in der Rebecca de Morney die toughe Psychologin und Antonio Banderas den geheimnisvollen Latin-Lover gibt. Die selbstbewusste Psychologin mit Jugendtrauma ist ständig hin- und hergerissen zwischen Vernunft und Leidenschaft und später geschehen seltsame Dinge, die sie zunehmend an der Aufrichtigkeit ihres Lovers und Umfelds zweifeln lassen. Dabei wirken die Ereignisse teils überhastet erzählt und mit einer Laufzeit von etwas über 80 Minuten ist der Streifen auch recht kompakt gehalten. Die Auflösung fand ich aber recht gelungen und auch sonst kann ich die verhaltenen und teils sehr schlechten Kritiken zu dem Streifen nicht so recht verstehen. Sicherlich ist alles etwas holprig erzählt und nicht immer ganz nachvollziehbar, aber wer braucht schon eine durchgehende Logik, wenn zwischendurch mit nackter Haut nicht gegeizt wird. Das Drehbuch wirkt munter aus bekannten Versatzstücken zusammengebastelt und auch stets sehr auf Frau de Mornay zugeschnitten, die den Streifen auch mitproduziert hat. Am Ende wird es turbulent und zwischen den Protagonisten auch ordentlich abgerechnet und zurück bleibt die Erkenntnis, dass man nicht immer alles glauben sollte, schon gar nicht was auf der OFDB und IMDB an User-Kritiken so geschrieben steht.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

People who own the Dark

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exorcismo.png (102.4 KiB) 252 mal betrachtet
Ich mag ja „Ultimo Deseo“ ja bekanntlich sehr gerne und dank der „Exorcismo“-Box von Severin hat man nun die Möglichkeit zwischen der spanischen Fassung mit knapp 100 Minuten und der wesentlich kürzeren US-Fassung mit 86 Minuten zu wählen. Erstere Fassung beleuchtet die Charaktere und ihr Umfeld mehr, während die US-Fassung kürzer und knackiger daherkommt. Die Geschichte über eine Gruppe von elitären Männern, die sich in einem abgelegenen Anwesen mit hübschen Frauen eine Auszeit gönnen wollen, wirkt in Epstein-Zeiten ja doppelt unangenehm und auch die Überraschung, die alle während des Wochenendes ereilt, ja auch nicht mehr nur ein Hirngespinst, sondern wird als tatsächliche Bedrohung leider auch täglich realer. Was dann abgeht, ist zwar meines Erachtens eher eine Metapher über unterschiedliche Machtverhältnisse und aufständisches Verhalten, aber das Ende macht dann ohnehin alles wett. Das erste Mal hat mich das Fianle wirklich weggeblasen und daher hat „The People who own the Dark“ auch einen speziellen Platz in meinem Herzen. Sicherlich der bekannteste Streifen der Box und das meines Erachtens auch völlig zu recht.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Tödliche Absichten

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01.jpg (10.41 KiB) 232 mal betrachtet
Drei Jahre nachdem er von seiner Ehefrau Jude überraschend und ohne Angabe von Gründen bereits zum zweiten Mal für längere Zeit verlassen wurde, ist der Architekt Robert mit der Lehrerin Callie liiert, kümmert sich allein um die gemeinsamen drei Kinder und begehrt die Scheidung. Doch eines Tages kehrt Jude überraschend zurück und will nicht nur ihre Kinder sehen, sondern auch ihr altes Leben inklusive fürsorglichen Ehemann zurück. Dieser denkt jedoch nicht daran, den forschen Forderungen seiner Ex nachzugeben und als Jude bemerkt, dass Robert sie nicht zurücknehmen will, beginnt die exzentrische Soziopathin ein durchtriebenes Spiel aus Manipulation uns Intrigen, dass bald die ganze Familie und auch die junge Callie in sehr unangenehme Situationen und tödliche Gefahren bringt.

Im Zuge meiner Thriller-Retrospektive tauchen ja immer mehr Überraschungen auf, so wie auch „Tödliche Absichten“ in dem Jamie Lee „Everybody’s Darling“ Curtis eine durchtriebene Psychopathin spielt, die nicht lange fackelt, wenn es darum geht, ihre Familie nach längerer Abwesenheit wieder für sich zu gewinnen. Die Geschichte ist mit ja im Grunde völlig gaga und mit haarsträubend auch wieder einmal wohlwollend umschrieben, aber irgendwie schafft es der Streifen dann irgendwie doch eine sehr unangenehme Stimmung zu verbreiten und im Finale sehr spannend zu sein. Dazu gibt es zwei wirklich fiese Jump-Scares, die zwar nicht unbedingt zum Charakter des Films passen, aber ihre Wirkung ebenfalls nicht verfehlen. Auch sonst bietet der Streifen jede Menge Grund ihn irgendwie nicht zu mögen und provokante Themen und Momente, die bei Kritik und Publikum wohl nicht so wirklich angekommen sind. Warum „Mother’s Boys“ dennoch nicht bekannter erscheint liegt wohl daran, dass die DVD nicht so einfach zu bekommen ist, und man als Genre-Fan die werte Jamie Lee wohl lieber in anderen Rollen sieht und nicht als gewaltbereite Psychopathin, die sich wie die sprichwörtliche Axt im Walde benimmt. „Tödliche Absicht“ wird zwar vermutlich auch kein Lieblingsfilm von mir, aber ist neuerlich ein Streifen, den ich mir so nicht erwartet hätte und meine Jamie Lee hübsch gegen den Strich besetzt ganz garstig aufspielen lässt.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Carne Apaleada / Battered Flesh

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exorcismo.png (102.4 KiB) 217 mal betrachtet
Nach einem Scheck-Betrug landet Berta in einem Frauengefängnis und trifft dort auf die Ausgestoßenen der spanischen Gesellschaft. Trotz des harten und restriktiven Alltags schafft es die kultivierte Frau jedoch Freundschaften zu schließen und verliebt sich die Mörderin Senta, die mit ihrem Kind in einer anderen Zelle untergebracht ist. Später wird sie für einige Zeit verlegt und als die Wiederaufnahme ihres Falles vor Gericht nicht die gewünschte Haftverkürzung bringt, landet sie wieder in ihrem ursprünglichen Knast, der mittlerweile von der sadistischen Marta geführt wird. Sie wird Opfer eines Komplotts, landet in der Isolierzelle und richtet dennoch alle ihre Hoffnungen auf ein baldiges Leben in Freiheit, das sie auch mit Senta verbringen möchte.

Hui… ein heftiges Drama, das uns hier Regisseur Javier Aguirre mit seinem spanischen Women-in-Prison Film „Carne Apaleada“ präsentiert, das auf Deutsch so viel wie „geschlagenes Fleisch“ bedeutet. Der Gefängnisalltag im Spanien der Franco-Ära ist kein Zuckerschlecken und die wenigen hoffnungsvollen Momenten werden oftmals jäh zunichte gemacht. Zudem steckt in dem Streifen auch eine lesbische Liebesgeschichte, die gegen Ende aber ebenfalls nicht das gewünschte Ergebnis bringt. Der spanische WIP-Streifen ist jedenfalls überraschend pessimistisch ausgefallen und weit weniger schmuddelig als bei Herrn Franco, aber seine Wirkung als Downer verfehlt „Battered Flesh“ jedenfalls nicht. Die Ereignisse steigern sich, zwischendurch wird es ziemlich nihilistisch und am Ende wartet dann auch noch ein Schocker, der von Regisseur Aguirre in bester Fulci-Manier breit ausgewalzt wird. Alles irgendwie seriöser als bei den Italiener und zudem weit dramatischer und mit gesellschaftlicher Komponente, wenn zum Beispiel auch wieder mit Franco-Stiefelleckern abgerechnet wird. Zudem gibt es eine wunderbare Esperanza Roy und jede Menge andere Gesichter, die man auch aus Almodovár-Filmen kennt. Oftmals wirkt „Carne Apaleado“ zwar episodenhaft und etwas überhastet erzählt, aber wer hier nach 100 Minuten noch gute Laune hat – dem ist wohl nicht mehr zu helfen.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

El Sacerdote / The Priest

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exorcismo.png (102.4 KiB) 200 mal betrachtet
Im Spanien des Jahres 1966 lebt der erzkonservative Priester Miguel in einem kleinen Konvent mit anderen Priestern Nähe Madrid zusammen und sieht sich neben der zunehmenden Liberalisierung der Gesellschaft auch mit sexuellen Gedanken konfrontiert, die ihn zunehmend an der Ausübung seines Berufes hindern. Gespräche mit anderen Priestern bringen keine Abhilfe und so bekommt er die Order seine Tätigkeiten einzuschränken, um wieder auf klare Gedanken zu kommen. Doch sein sexuelles Verlangen steigert sich und Miguel entschließt sich zu ungewöhnlichen Entscheidungen, die den Konflikt zwischen weltlichen und kirchlichen Dingen und die Abkehr von seinen Brüdern und der Kirche aber nur noch steigern und ihn schließlich zu einem sehr drastischen Schritt bewegen…

In erster Linie geht es in „The Priest“ um einen erzkonservativen Priester und seiner Unfähigkeit mit seinen menschlichen Trieben umzugehen, während nebenher auch der gesellschaftliche Umbruch von Spanien thematisiert wird. Abgesehen von Nunploitation sind Filme mit Kirchenthematik jetzt aber nicht so meine Baustelle und auch „El Sacerdote“ bietet zuhauf sehr konservative Ansichten und die üblichen Gut-Böse-Erzählungen und ist in der ersten Hälfte für mein Empfinden auch eher etwas mau. Doch das ändert sich jedoch, als Miguel zunehmend mutiger wird und der innere Konflikt sehr plakativ nach außen getragen wird und auch sein Werdegang thematisiert werden. Dann kratzt „The Priest“ auch dezent die Kurve und wird vom Drama auch zum handfesten Exploitation-Film spanischer Prägung, in dem Sex, Gewalt und andere Tabu-Themen nicht zu kurz kommen. Irgendwie schafft es Eloy de la Iglesia dank seines spielfreudigen Ensembles auch sehr gut, die innere Zerrissenheit und auch die äußeren Umstände und den gesellschaftlichen Wandel einzufangen und irgendwie entwickelt man auch Sympathie für die doch recht sperrige Figur des erzkonservativen Priesters. Herausgekommen ist ein durchaus lohnenswerter Film, den ich mir unter normalen Umständen wohl nicht so schnell angesehen hätte und der im Rahmen der „Exorcismo“-Box mit progressiven Filmen der Post-Franco-Ära auch Sinn macht.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Bacanal en directo / Sins of a Nympho

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exorcismo.png (102.4 KiB) 182 mal betrachtet
Fermin und Stela sind ein sehr junges Paar, dass wie so viele andere im Nachtleben von Madrid unterwegs sind. Eines Abends werden sie in der Disco von einem Produzenten angesprochen, der junge Leute für eine Party sucht, die wenig später in der luxuriösen Wohnung eines befreundeten Regisseurs stattfinden soll. Fermin möchte gehen, doch Stela ist eher ablehnend eingestellt, sodass es zum Streit kommt. Am besagten Abend finden sich jedoch beide zur Party ein und wenig später gerät das gemütliche Beisammensein dank Alkohol und Drogen rasch aus dem Ruder, als sich die Party des Regisseurs in eine Art Orgie mit bizarren Rollenspielen verwandelt.

„Sins of a Nympho“ hat nicht nur einen sehr plakativen Titel, sondern ist auch sonst ein recht bizarr anmutender Film von Miguel Madrid, der in seiner überschaubaren Regie-Karriere ja auch den psychosexuellen „Killing of the Dolls“ zu verantworten hat. „Baccanale en directo“ beginnt als herkömmliches Teenager-Drama, kippt dann völlig und wandelt dann auf Spuren von Pasolinis „Salo“ mit einer Prise "Caligula" als eine feuchtfröhliche Party völlig aus dem Ruder gerät. Gesellschaftlich ist der Streifen in einer Zeit zu verorten, in dem Spanien die neu gewonnenen Freiheiten nach dem Tode Francos mit einem hedonistischen Lifestyle zelebriert wurde und dass dann eben nicht nur Gewinner kennt. Jung und unschuldig kommt unter die Räder, während der Rest der Meute ohne Rücksicht auf Verluste und nach eigenen Befindlichkeiten agiert und man so etwas wie ein Moralempfinden eher vergeblich sucht. Doch „Sins of a Nympho“ ist Low-Budget, teils absolut konfus erzählt und hat zwischendrin auch surreal anmutende Handlungselemente, bei denen ich keinen Zusammenhang mit der Haupthandlung erkennen konnte. Ich würde meinen, dass der Streifen in Punkto Gesellschaftskritik auch recht überambitioniert angegangen wurde und dann auf einen sehr freizügig anmutenden Sexstreifen mit Quasi-Happy-End zusammengestutzt wurde, als erkennbar war, dass man das Teil ansonsten nicht in die Kinos hätte bringen können. Aber das sind nur Vermutungen meinerseits, um die doch recht seltsamen Ereignisse in dem Streifen irgendwie erklären zu können. Ein ausgesprochen seltsamer Film!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Dismorfo

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exorcismo.png (102.4 KiB) 168 mal betrachtet
Die Ruhe des Einsiedlers Salomon wird gestört, als Nazi-Schergen Juden weit in die Berge jagen um diese zu erschießen. Da er selbst jüdischen Glaubens ist, entkommt er nur durch Zufall seiner Exekution und flüchtet mit letzter Kraft auf einen abgeschiedenen Bauernhof, wo er auf das zerrüttetes Paar Ana und Alejo, sowie dessen Mutter Rebecca trifft. Obwohl die Stimmung zuerst feindselig ist und ihm auch die psychischen Probleme von Alejo nicht verborgen bleiben, hilft Salomon bei der täglichen Arbeit und sieht sich zunehmend den Annäherungen von Ana, so wie auch des Bauern Alejo ausgesetzt. Später ist Ana verschwunden, Rebecca verlangt die Heirat für ihr Schweigen und Salomon immer tiefer in familiäre Konflikte gezogen wird…

Eigentlich unglaublich was Spanien in den Achtzigern so alles als Filmland hervorgebracht hat. „Dismorfo“ ist eine völlig irre Familiengeschichte mit Sex, Habgier und Gewalt mit psychosexueller Ausprägung und Nazis, die man heutzutage wohl auch nicht mehr bringen könnte. Hinter und vor der Kamera diese Low-Budget-Werkes agiert ein Mann namens Rodjara, ein hagerer Mann mit Prinz-Eisenherz-Frisur, der nicht nur für seine Rolle viel zu alt erscheint, sondern auch sonst die Geschichte ohne viel Rücksicht auf Zuschauerbefindlichkeiten erzählt. Dazu kommen ausnahmslos schräge Charaktere, die sich den abgelegenen Bauernhof als Rückzugsgebiet für ihre Befindlichkeiten gesucht haben und ohne Rücksicht auf Verluste agieren. Die Geschichte ist eigentlich völlig gaga, reiht Abgründe an Abgründe ist auch immer so erzählt, dass man eigentlich nur staunen kann, was man dem Zuschauer inklusive einem sehr offenen Umgang mit Homosexualität seinerzeit so alles zumuten konnte. Irgendwie geht es um Eigen- und Fremdwahrnehmung, sexuelle Abgründe, Einsamkeit und dem Verlagen, anderen und sich selbst gerecht zu werden. Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht so wirklich, was ich von „Dismorfo“ halten soll, weil hier einfach so viel zusammenkommt, bei dem man nicht weiß, ob sich die Macher nicht ins Fäustchen lachen, dass man sich Jahrzehnte später noch immer so viele Gedanken zu einem rasch abgekurbelten Low-Budget-Werk macht, in dem inhaltlicher Anspruch und technische Leistungen doch auch recht weit auseinanderklaffen. Auf jeden Fall wieder ein sehr ungewöhnlicher, weil völlig jenseitiger Film, wie er eigentlich nur aus Spanien oder Italien kommen kann.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von Blap »

Die Box wird offenbar ein irrer Ritt. Muss ich bald ran ...
Das Blap™ behandelt Filme wie Frauen
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Sexo sangriento / Bloody Sex

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Drei junge Frauen mit großem Interesse an parapsychologischen Ereignissen landen bei einer Forschungsreise nach einer Wagenpanne eines Tages in einem nahezu verlassenen Dorf bei der Malerin Maria, die dort gemeinsam mit einem stummen Hausdiener als letztes die Stellung hält. Dort werden sie freundlich aufgenommen und man nutzt die Zeit die Forschungen an dem Ort weiter zu verfolgen und sich die Zeit mit etwas körperlicher Zuneigung zu vertreiben. Wenig später geschehen jedoch seltsame Dinge und vor allem die sensible Norma spürt die dunkle Vergangenheit des Ortes und es dauert auch nicht lange, bis sich die düsteren Vorahnungen auf blutige Weise bewahrheiten.

Sex und Gewalt waren naturgemäß die Lieblingsthemen spanischer Filmemacher nach Ende der strengen Zensur und auch „Sexo sangriento“ bietet zuhauf sleazige und brutale Momente, die teils auch in den herben Bereich gehen. Die Geschichte über drei junge Frauen, paranormale Studien, ein düsterer Ort, eine seltsame Malerin und ihr stummer Hausangestellte ist aber ansonsten eher nicht so prickelnd und auch eher nur ein Aufhänger und viel nackte Haut zu zeigen. Die erste halbe Stunde plätschert recht belanglos dahin und die Protagonisten verhalten sich als Gäste für mein Empfinden auch recht seltsam. In letzten Drittel wird es dann aber recht blutig und eine Szene ist auch sicherlich nicht für empfindsame Naturen gedacht. Sexuelle Gewalt und das Schlachten eines Hasen sollte man schon aushalten können, wenn man sich dieses rare und gesuchte Filmchen zu Gemüte führt, dass nun endlich in würdiger Qualität und mit englischen Untertiteln veröffentlich wurde. Trotzdem hat mich „Bloody Sex“ nicht so wirklich begeistert, da er inhaltlich doch recht unausgegoren wirkt und auch die finale Auflösung eher etwas mau um die Ecke biegt. Die Schwerpunkte sind hier auch sicher nicht bei der Geschichte zu suchen, sondern eher in der plakativen Zurschaustellung von Lesbeleien und Morden – was im Grunde ja auch vollkommen in Ordnung ist.
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