Die Nylonschlinge - Rudolf Zehetgruber (1963)

Moderator: jogiwan

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buxtebrawler
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Re: Die Nylonschlinge - Rudolf Zehetgruber (1963)

Beitrag von buxtebrawler »

Erscheint voraussichtlich am 29.10.2021 noch einmal bei Pidax innerhalb der "Deutscher Krimi-Kult"-7-DVD-Box:

Bild

Enthält:
DAS RÄTSEL DER GRÜNEN SPINNE
DIE NYLONSCHLINGE
DAS GEHEIMNIS DER ROTEN QUASTE
DAS WIRTSHAUS VON DARTMOOR
DER NEBELMÖRDER
DER WÜRGER VOM TOWER
DER SPINNENMÖRDER

Quelle: https://www.ofdb.de/view.php?page=fassu ... vid=113026
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Diese Filme sind züchisch krank!
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Maulwurf
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Re: Die Nylonschlinge - Rudolf Zehetgruber (1963)

Beitrag von Maulwurf »

 
Die Nylonschlinge
Deutschland 1963
Regie: Rudolf Zehetgruber
Dietmar Schönherr, Ernst Schröder, Chris Van Loosen, Eddi Berger, Edward Hubbard, Alex Freihart, Erwin Parker, Gustav Knuth, Laya Raki, Hedda Ippen, Helga Sommerfeld, Curt Beck, Walter Kessler, Jean Weiss, Dennis Sailor, Ady Berber


Die Nylonschlinge.jpg
Die Nylonschlinge.jpg (84.3 KiB) 18 mal betrachtet
OFDB

Eine erpresserische Geldübergabe in einem Striplokal geht schief, und zurück bleibt ein toter Polizist. Ermordet mit einer Nylonschlinge. Inspektor Harvey möchte das eigentliche Erpressungsopfer befragen, findet wieder eine Leiche, und fällt dem Nylonschlingenmörder fast selber zum Opfer. Aber jetzt tauchen die ersten Spuren auf, und die führen zum Landsitz Elford Manor, wo gerade die Gründungssitzung einer Ölgesellschaft stattfindet. Mehrere zwielichtige Gestalten wollen sich Rechte an einer Ölbohrung sichern, jeder neidet jedem Geld und Einfluss, und insgesamt ist die ganze Bagage ziemlich verkommen. Und die Polizei, also Inspektor Harvey, mag hier schon gar keiner. Auch dann nicht, als der Mörder die Mitglieder dieser Gesellschaft nach und nach dezimiert.

Da ist der Vorsitzende, G.B. Harrison, der den Ex-Zuchthäusler Donald Smith als Privatsekretär eingestellt hat, und die beiden bekriegen sich bis aufs Blut. Da ist Mrs. Mabel Wells, die Smith in seinen besten Zeiten sexuell verwöhnt hat im Austausch gegen Geld. Und Marilin Wells, Mabels Tochter, die über sexuelle Gefälligkeiten bei Smith an das Geld von Harrison will. Jane Stone ist eher zufällig in diese Runde geraten, aber ihr Onkel, Charles Clifton, ist als Bankier dabei, und legt seine Hände auch gerne auf die schöne Nichte. Was auch O’Connor tut, der als echter Schotte sich weigert, den Erpresserbriefen (man erinnert sich: So ging es in der Stripbar los) Gehör zu leisten, und dies auch entsprechend büßen muss. Und natürlich Henry, der Hüne mit dem verbrannten Gesicht, der durch die Katakomben mit den 400 Jahre alten Mumien schleicht und offensichtlich versucht, Jane Stone nahe zu kommen.

Von der Menagerie her also ein Klassiker des Mystery Crime, dazu ein energischer Inspektor, ein etwas schusseliger Assistent (der angenehmerweise keine Ulkereien abzusondern hat, sondern wirklich nur ein wenig döspaddelig ist), und ein ehrwürdiger Herrensitz auf der englischen Countryside. Nichts Neues im Land, und eigentlich könnte man sich auf vergnügliche anderthalb Stunden Mörderraten im DAS INDISCHE TUCH-Stil freuen. Aber der Produzent hieß nicht Horst Wendlandt sondern, man staune, Erwin C. Dietrich, und der wollte halt schon immer etwas billiger produzieren. Die Masse der Schauspieler ist aus der zweiten bis vierten Reihe (was aber deren Arbeit nicht bewerten soll, die passt nämlich durchaus), Kamera und Musik sind die alten ECD-Mitstreiter Peter und Walter Baumgartner, die Kulissen sind ein klein wenig schäbig, Außenaufnahmen hat es nicht so viel (vor allem keine stimmungsfördernden Archivaufnahmen von London), aber eines hat es dafür jede Menge: Sex-Appeal! Wir sind bei Onkel Erwin, und der hat sich auch 1963 nicht gescheut, Laya Raki für einen Moment nackt zu zeigen. Wenngleich zugegeben auch „nur“ auf einem Ölgemälde. Frau Raki darf ihren sehr ansprechenden Tanz gleich mehrmals vorführen, und der Trick mit dem Licht, wenn das Bikinioberteil endgültig fällt, ist für den männlichen Zuschauer irgendwie das Gegenstück zu einem Coitus Interruptus … Man achte übrigens mal darauf, dass die Dame, die, wenn das Licht wieder an ist, von der Bühne anschließend fortgeht, eine komplette andere ist, zudem auch züchtig bekleidet …

Aber gut, es hat ja auch noch andere Damen im Cast: Chris van Loosen als Marilin bietet ihren Körper ausgesprochen offensiv an, wohingegen ihre Filmmutter Hedda Ippen vielleicht ein klein wenig altmodischer vorgeht, aber die Message durchaus die gleiche ist: Ich will Dein Geld und Du bekommst dafür richtig guten Sex! Habe ich schon erwähnt, dass DIE NYLONSCHLINGE von 1963 ist? Selbst die wunderschöne Helga Sommerfeld darf im fast Rückenfreien erotisch glänzen, und macht auch später im Baby Doll eine gute Figur.

Doch dummerweise muss man konstatieren, dass es das dann auch schon ist mit den aufregenden Dingen. Die Handlung selber ist eher mau geraten, auch wenn der Mörder relativ schwer auszurechnen ist. Aber es mag insgesamt einfach nur sehr wenig Spannung aufkommen. DIE NYLONSCHINGE war Regisseur Zehetgrubers erster Krimi im Wallace-Stil, und es scheint, dass er sich an das Genre erst herantasten musste. Die direkten Vor- und Nachfolger PICCADILLY NULLL UHR ZWÖLF und DIE SCHWARZE KOBRA haben bedeutend mehr Spannung, Action und Durchschlagskraft an Bord, somit ist also auch der Unterhaltungswert bedeutend höher. DIE NYLONSCHLINGE ist irgendwie … trocken geraten. Etwas bieder und etwas staubig, und in manchen Szenen wirkt der Film eher wie ein Fernsehspiel als wie eine Kinoproduktion. Nette und leicht altmodisch wirkende Unterhaltung, aber der im gleichen Jahr gedrehte DAS INDISCHE TUCH holt aus einem ähnlichen Sujet einfach erheblich mehr raus. Hat aber auch zugegeben deutlich weniger Sex im Angebot …

6/10
Der Sieg des Kapitalismus ist die endgültige Niederlage des Lebens.
(Bert Rebhandl)
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