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Re: Das Pendel des Todes - Roger Corman

Verfasst: Mi 1. Feb 2012, 01:44
von dr. freudstein
Filmprogramm Deutschland
Retro Filmprogramm 26
8 DIN A5 Seiten, Januar 1984 (für die Ösis Jänner 1984)
nicht gebunden
 ! Nachricht von: buxtebrawler
Entfernt, da beim Bildhoster Imageshack leider nicht mehr verfügbar.

Re: Das Pendel des Todes - Roger Corman

Verfasst: Do 23. Feb 2012, 23:33
von Blap
Bild


Das Pendel des Todes (USA 1961, Originaltitel: The Pit and the Pendulum)

Saures für die Ehebrecher

Francis Barnard (John Kerr) sucht das herrschaftliche Anwesen des Don Nicholas Medina (Vincent Price) auf. Der junge Mann möchte mehr über die Umstände erfahren, die zum frühen Tod seiner Schwester Elizabeth (Barbara Steele) führten, welche mit Don Medina verheiratet war. Don Medinas Schwester Catherine (Luana Anders) begegnet dem Besucher mit ehrlicher Freundlichkeit, bittet ihn aber inständig darum auf ihren Bruder Rücksicht zu nehmen. Tatsächlich ist Nicholas ein gebrochener Mann, der den Tod seiner geliebten Frau nicht verkraftet. Jedoch weckt das seltsame Verhalten des Witwers den Argwohn seines Schwagers, zusätzlich kommt es zu merkwürdigen Vorfällen, für die Francis zunächst Don Medina verantwortlich macht. Was geht tatsächlich in dem alten Gemäuer vor, in dessen Kellergewölben einst grauenvolle Dinge ihren Lauf nahmen...???

"Eigentlich" kann ich mir weitere Worte sparen. Roger Corman war während seiner "Poe-Phase" auf dem Höhepunkt seiner Fähigkeiten als Regisseur, Vincent Price ist genial und Barbara Steele das Sahnehäubchen. Für jeden Freund geflegter Gruselunterhaltung Pflicht. Ende der Durchsage! Ok, ein paar Zeilen will ich mir nicht verkneifen, aber ich fasse mich kurz, versprochen.

Bereits die Eröffnungscredits sind ein wahrer Augenschmaus. Eine Augenweide, gegen die heutige CGI-Spielchen wie ein stinklangweiliger Witz anmuten (klar, jetzt kommt der alte Griesgram wieder mit seinem "Früher-war-alles-besser-Scheiss" aus der Kiste. Und? Die Wahrheit muss auf den Tisch!). Wir tauchen umgehend in eine wundervolle Gothic-Grusel-Atmosphäre ein, aus der uns das Werk während der gesamten Spieldauer nicht mehr entlassen wird. Ein Rausch aus herrlichen Farben, Licht und Schatten, stilvolle Kameraarbeit macht den Zugang leicht, die Optik geht runter wie ein erstklassiger Single Malt. Wie "Die Verfluchten" ("House of Usher", 1960) kommt auch "Das Pendel des Todes" als (etwas grösser angelegtes) Kammerspiel daher, wodurch die Intensität eine weitere Verstärkung erfährt.

Wenden wir uns den Darstellern zu. Vincent Price! Gepeinigt von Schuldgefühlen und einer düsteren Familienchronik, begegnet uns Don Medina zunächst als Nervenbündel, ein Wrack am Rande des endgültigen Zusammenbruchs. Herrlich verschroben und überspannt, wer könnte es besser als der Meister? Damit nicht genug, später stürzen wir mit Vincent Price in einen Taumel des Schreckens, aus Don Medina bricht ein dämonischer Sadist hervor, der Schlund der Hölle öffnet sich! Neben Price regiert Horror-Queen Barbara Steele das Szenario, die trotz recht weniger Szenen eine kaum minder beeindruckende Vorstellung abliefert. Steele wurde durch Mario Bavas Meisterwerk "La maschera del demonio" (1960) unsterblich, auch hier strahlt sie Boshaftigkeit und Verdorbenheit aus, sieht dabei aber schöner, betörender und atemberaubener denn jemals zuvor/danach aus. Es wäre unfair die weiteren Mitwirkenden als Statisten zu bezeichnen, da die Damen und Herren ihre Arbeit ohne Fehl und Tadel ausführen. John Kerr verkörpert überzeugend den nach der Wahrheit suchenden "Jungen Wilden", Antony Carbone erscheint in einem verdächtigen Licht, Luana Anders ist nett (nicht im Sinne der modernen Deutung des Wortes). Hinzu kommen weitere Nebenfiguren, deren Auflistung ich mir an dieser Stelle erspare.

Vincent Price in Bestform, Barbara Steele in Bestform, Roger Corman in Bestform, so schliesst sich der Kreis. Mir gefällt die Boshaftigkeit zum Ausklang natürlich sehr (der allerdings noch ein wenig fieser sein dürfte). Die deutsche Synchronisation ist von guter Qualität, ich rate allerdings zum Originalton. Vor allem während des quirligen Finales kommen Price und Steele im O-Ton noch besser rüber, überzeugt euch bitte selbst davon!

Über die DVD gibt es nicht viel zu sagen, der Film liegt in ordentlicher Qualität vor, die Ausstattung ist gewohnt geizig (MGM).

Sehr gut = Dicke 8/10

Lieblingszitat:

"Kein Mensch wird jemals mehr diesen Raum betreten."

Re: Das Pendel des Todes - Roger Corman

Verfasst: Fr 24. Feb 2012, 00:08
von buxtebrawler
Ich fürchte, mein alter UltrakurzkommentarTM wird diesem wunderbaren Film nicht wirklich gerecht:

Roger Cormans nach „Die Verfluchten“ zweite Poe-Verfilmung aus dem Jahre 1961 bedient sich ganz ähnlicher Elemente wie der Vorgänger. Wieder wurde die Hauptrolle mit Vincent Price besetzt, wieder geht es um eine Familientragödie, die die jüngste Generation traumatisiert, wieder spielt die Thematik des Lebendig-begraben-Seins eine Rolle – und wieder versteht es Corman, mit kargem Budget opulenten Gothic-Horror in herrlichem Technicolor auf die Leinwand zu zaubern. Das alte Schloss mit seinen Folterinstrumenten wurde sehr schön in Szene gesetzt und das gemächliche Tempo lädt ein, sich entspannt zurückzulehnen und wohligen Grusel zu genießen, während seltsame Ereignisse den Schlossherrn nach und nach in den Wahnsinn treiben... was dann seine Vollendung in einem rasanten Finale findet, in dem das „Pendel des Todes“ zum Einsatz kommt und das mit einer bösartigen Schlusspointe aufwartet. Trotz oder besser gerade wegen all der Parallelen zu „Die Verfluchten“ erreicht „Das Pendel des Todes“ nicht ganz die Klasse des innovativen, überraschend hochqualitativen Vorgängers, sollte aber alle Freunde des wohldosierten, niveauvollen Grusels der alten Schule voll zufriedenstellen.

Ich hatte sogar mal das große Glück, diesen Film im Kino von gigantischer Leinwand sehen zu dürfen - hach... 8-)

Re: Das Pendel des Todes - Roger Corman

Verfasst: Fr 24. Feb 2012, 01:00
von dr. freudstein
buxtebrawler hat geschrieben: Ich hatte sogar mal das große Glück, diesen Film im Kino von gigantischer Leinwand sehen zu dürfen - hach... 8-)
Bei mir war das kein Glück, sondern strikt geplant 8-)
UNVERGESSEN !!! Ich dachte, das Pendel meinte mich :angst: Solche Filme werden heute nicht mehr gemacht :nixda: :sabber:

Re: Das Pendel des Todes - Roger Corman

Verfasst: Fr 24. Feb 2012, 09:23
von buxtebrawler
buxtebrawler hat geschrieben:Ich fürchte, mein alter UltrakurzkommentarTM wird diesem wunderbaren Film nicht wirklich gerecht:
Huch, den hatte ich ja schon gepostet :oops:

Egal, freudschi hat Recht, solche Filme werden nicht mehr gemacht, wozu auch? Corman und Price haben Großes geleistet, zeitlose Klassiker, die man sich immer wieder anschauen kann.

Re: Das Pendel des Todes - Roger Corman

Verfasst: Mo 11. Feb 2013, 01:34
von dr. freudstein
Vincent Price verkörpert hier grandios in theatralisch gespielter Form einem dem Wahnsinn Verfallenen. Die schrecklichen Kindheitserlebnisse brannten sich in sein Gedächtnis ein und beherrschten sein Leben. Die schaurig-schönen Kulissen eines alten Gemäuers unterstreichen die herrliche Atmosphäre. Das Pendel als Folterinstrument scheint mir hier etwas zu aufwändig zu sein, um jemanden den Bauch aufzuschlitzen, ist aber eines der Höhepunkte des Films. Auf der Leinwand entfaltet es seine volle Wirkung, bei mir auf dem Bildschirm kommt es nicht ganz so intensiv daher. Vincent Price spielt hier auch 2 Rollen wie der nicht bei jedem beliebten Paul Naschy, aber wahre Filmfans bekümmert das natürlich nicht. Herrliche Farben unterstreichen den wohligen Charakter des Films, Liebhaber kommen hier voll auf ihre Kosten.

Diesmal sah ich eine TV Aufzeichnung von Kabel 1.
8,5/10
nur einmal gepostet, bin ja nicht selbstverliebt :mrgreen: :P

Re: Das Pendel des Todes - Roger Corman

Verfasst: Mo 11. Feb 2013, 01:55
von Adalmar
Einer der großen Corman-Price-Klassiker, und Barbara Steele gibt es noch obendrein. Ebenso wie "Die Verfluchten" und "Das Grab der Ligeia" Pflichtprogramm für den traditionsbewussten Horrorfan.

Re: Das Pendel des Todes - Roger Corman

Verfasst: Do 31. Okt 2013, 09:24
von purgatorio
DAS PENDEL DES TODES (THE PIT AND THE PENDULUM, USA 1961, Regie: Roger Corman)

Begeisterungswürdiger und toll ausgestatteter Film mit umwerfender Atmosphäre! Ein Klassiker des Horrorfilms, der seinem Ruf alle Ehre macht. Schön getrickst, zügig erzählt und wirklich spannend. 8/10

Re: Das Pendel des Todes - Roger Corman

Verfasst: So 16. Nov 2014, 18:28
von CamperVan.Helsing
Schön old-schooliger gothic horror mit einem price-verdächtigen Vincent Price als Don Nicolas Medina, der als Kind sah, wie sein eifersüchtiger Vater die Mutter lebendig einmauerte, was bei klein Nicky verständlicherweise zu einem Trauma führte. Nun ist auch seine Frau Elizabeth verschieden, und er trauert schwer um seine funky cold Medina. Das sein Schwager vermutet, er könnte an ihrem Tod schuld sein, wirkt auch nicht unbedingt förderlich auf Nicolas' Gemüt. Als es dann noch zu mysteriösen Vorkommnissen im Schloss kommt, und sein Arzt bestätigt, dass Lissy tatsächlich noch gar nicht tot gewesen sei, als sie in alter Familientradition eingemauert wurde, verfinstert sich Nicolas' Geisteszustand endgültig. Wie schön, dass sein alter Herr im Schloß eine vollständig eingerichtete Folterkammer hinterlassen hat, die Nicky nun reaktiviert. Und nicht alles ist so, wie es zu sein scheint...

Leider hat Barbara Steele hier zu wenig screamscreentime abgekommen, taucht sie doch erst gegen Ende auf. Ein bißchen mehr Qual im Keller wäre wohl auch nicht verkehrt gewesen, aber das namensgebende Pendel macht schon gewaltig was her. Die Farbgebung tut das auch. Die mir vorliegende MGM-Scheibe von 2006 spoilert auf dem Backcover imho etwas zu sehr, hat aber immerhin noch eine KJ-Freigabe. Bei der Neuauflage von 2013 ist der Film auf "Frei ab 12" heruntergestuft, so kauft den doch keiner mehr... :mrgreen:

Re: Das Pendel des Todes - Roger Corman (1961)

Verfasst: So 21. Dez 2014, 16:23
von Salvatore Baccaro
Poe im (frühen) Kino, Folge 9:

Für mich ist Edgar Allan Poes Kurzgeschichte THE PIT AND THE PENDULUM von 1842 einer der Gründungstexte der Moderne. Der Ich-Erzähler befindet sich in den Folterkellern der Spanischen Inquisition. Er ist auf einem Brett festgebunden, über ihm schwingt ein übergroßes Pendel, das in eine überscharfen Sichel ausläuft, hin und her, sich langsam, in aller Ruhe, auf den Gefangenen herabsenkend, um ihm irgendwann so nahe gekommen zu sein, dass es ihm den Brustkorb zerschneiden kann. Mehr braucht Poe nicht, um die paar Seiten, die die Erzählung in Anspruch nimmt, zu füllen: ein Kerkerloch, einen Todgeweihten, die eine oder andere Ratte, die dem Verurteilten Gesellschaft leistet, und eine präzise, detailreiche Sprache, deren Hauptaufgabe es ist, minutiös die Gedanken, Gefühle und Verzweiflungshandlungen des Namenlosen zu schildern. Mit seiner Reduktion aufs Wesentlichste, seiner minimalistischen Dekoration, seinem im Grunde in einem einzigen Satz zusammenfassbaren Plot ist Poes Text ein völliger Bruch mit der Tradition der Horror- oder Schauerliteratur bis zu diesem Zeitpunkt. Statt Schreckgespenstern, rasselnden Ketten und Teufelsbünden stellt Poe den Menschen mit dem ihm angeborenen Grausamkeitssinn in den Mittelpunkt. Ganze Generationen von SAW-Fans, würden sie die Kurzgeschichte denn einmal zu lesen bekommen, dürften begeistert von ihr sein.

Wie aber aus dem selbst für Poe-Verhältnisse wirklich äußerst schmalen Text einen vollwertigen Spielfilm mit einer Laufzeit von eineinhalb Stunden stricken? Roger Corman, der nach dem Erfolg seiner HOUSE-OF-USHER-Adaption auf der Suche nach neuen Poe-Stoffen ist, die er auf die Leinwand bringen kann, hat die Antwort parat. Sein Rezept: man entnimmt der literarischen Vorlage einzig und allein ihr Hauptmotiv, nämlich das todbringende Pendel, und vermengt dieses mit einem ganzen Füllhorn von Einfällen, die entweder anderen Texten Poes entlehnt sind – vor allem THE CASK OF AMOTILLADO – oder direkt aus dem Vorgängerfilm übernommen wurden. Es ist erstaunlich, wie sklavisch Corman der selbstgeschaffenen Formel folgt. Alles, was HOUSE OF USHER von 1960 konstituierte, trägt auch THE PIT AND THE PENDULUM von 1961. In ihrer Grundstruktur wurde die Handlung beispielweise größtenteils THE FALL OF THE HOUSE OF USHER nachempfunden. Erneut trifft ein Reisender in einer von Tod und Verfall heimgesuchten Adelsresidenz ein. Diesmal nennt er sich Francis Barnard und Grund seiner Reise ins spanische Hinterland ist seine Schwester, die dort mit einem Edelmann namens Don Medina zusammenlebt. Kaum eingetroffen erwischt es ihn jedoch bereits kalt: Elizabeth ist kürzlich verstorben, ihr Gatte laviert seitdem am Rande des Nervenzusammenbruchs entlang, die Todesursache soll ein Schock gewesen sein, so groß, dass er ihr armes Herz ausgepustet hat. Erneut entwickelt die Story sich von diesem ähnlichen Anfangspunkt zu einem Kammerspiel, das die hübschen, gotischen Schlossstudiokulissen kaum einmal verlässt. Einziger Unterschied: in HOUSE OF USHER bestreiten lediglich vier Figuren die gesamte Handlung, während es in THE PIT AND THE PENDULUM, sämtliches Dienstpersonal des Hauses mitgerechnet, insgesamt sieben sind. Erneut spielt Vincent Price als Don Medina in einer Theatralik auf, die manchmal aussieht, als koste sie ihn selbst seinen Verstand. Allerdings gibt er sich im Vergleich zu HOUSE OF USHER wesentlich weinerlicher, wirkt zarter, gebrochener, um im Finale dann allerdings zu einem Folterknecht zu werden, dem der Wahnsinn aus den Augen blitzt. In allen restlichen technischen und ästhetischen Belangen ist THE PIT AND THE PENDULUM den in HOUSE OF USHER gesetzten Paradigmen hörig: Geheimgänge, unheimliche Familiengrüfte, eine psychedelisch-verzerrte Traumsequenz mit reichem Farbfiltereinsatz, viele Schleichszenen, in denen die Figuren die knuffigen Locations erkunden dürfen, ein suggestiver, oftmals für meinen Geschmack ein bisschen zu dick auftragender Orchester-Score – es dürfte einem nicht-eingeweihten Zuschauer vielleicht nicht mal auffallen, wenn man HOUSE OF USHER und THE PIT AND THE PENDULUM zu einem einzigen Film zusammenschneiden würde.

Besonders viele Worte kann ich über vorliegenden Film demnach nicht verlieren. Wem HOUSE OF USHER Freude bereitet hat, der wird mit THE PIT AND THE PENDULUM nicht viel schlechter fahren. Dass die zugrundeliegende Poe-Geschichte freilich mehr als bloßer Aufhänger dient als dass ihr wirklich gerecht werden würde, dürfte auf der Hand liegen.