Das Pendel des Todes (USA 1961, Originaltitel: The Pit and the Pendulum)
Saures für die Ehebrecher
Francis Barnard (John Kerr) sucht das herrschaftliche Anwesen des Don Nicholas Medina (Vincent Price) auf. Der junge Mann möchte mehr über die Umstände erfahren, die zum frühen Tod seiner Schwester Elizabeth (Barbara Steele) führten, welche mit Don Medina verheiratet war. Don Medinas Schwester Catherine (Luana Anders) begegnet dem Besucher mit ehrlicher Freundlichkeit, bittet ihn aber inständig darum auf ihren Bruder Rücksicht zu nehmen. Tatsächlich ist Nicholas ein gebrochener Mann, der den Tod seiner geliebten Frau nicht verkraftet. Jedoch weckt das seltsame Verhalten des Witwers den Argwohn seines Schwagers, zusätzlich kommt es zu merkwürdigen Vorfällen, für die Francis zunächst Don Medina verantwortlich macht. Was geht tatsächlich in dem alten Gemäuer vor, in dessen Kellergewölben einst grauenvolle Dinge ihren Lauf nahmen...???
"Eigentlich" kann ich mir weitere Worte sparen. Roger Corman war während seiner
"Poe-Phase" auf dem Höhepunkt seiner Fähigkeiten als Regisseur, Vincent Price ist genial und Barbara Steele das Sahnehäubchen. Für jeden Freund geflegter Gruselunterhaltung Pflicht. Ende der Durchsage! Ok, ein paar Zeilen will ich mir nicht verkneifen, aber ich fasse mich kurz, versprochen.
Bereits die Eröffnungscredits sind ein wahrer Augenschmaus. Eine Augenweide, gegen die heutige CGI-Spielchen wie ein stinklangweiliger Witz anmuten
(klar, jetzt kommt der alte Griesgram wieder mit seinem "Früher-war-alles-besser-Scheiss" aus der Kiste. Und? Die Wahrheit muss auf den Tisch!). Wir tauchen umgehend in eine wundervolle Gothic-Grusel-Atmosphäre ein, aus der uns das Werk während der gesamten Spieldauer nicht mehr entlassen wird. Ein Rausch aus herrlichen Farben, Licht und Schatten, stilvolle Kameraarbeit macht den Zugang leicht, die Optik geht runter wie ein erstklassiger Single Malt. Wie
"Die Verfluchten" ("House of Usher", 1960) kommt auch
"Das Pendel des Todes" als
(etwas grösser angelegtes) Kammerspiel daher, wodurch die Intensität eine weitere Verstärkung erfährt.
Wenden wir uns den Darstellern zu. Vincent Price! Gepeinigt von Schuldgefühlen und einer düsteren Familienchronik, begegnet uns Don Medina zunächst als Nervenbündel, ein Wrack am Rande des endgültigen Zusammenbruchs. Herrlich verschroben und überspannt, wer könnte es besser als der Meister? Damit nicht genug, später stürzen wir mit Vincent Price in einen Taumel des Schreckens, aus Don Medina bricht ein dämonischer Sadist hervor, der Schlund der Hölle öffnet sich! Neben Price regiert Horror-Queen Barbara Steele das Szenario, die trotz recht weniger Szenen eine kaum minder beeindruckende Vorstellung abliefert. Steele wurde durch Mario Bavas Meisterwerk
"La maschera del demonio" (1960) unsterblich, auch hier strahlt sie Boshaftigkeit und Verdorbenheit aus, sieht dabei aber schöner, betörender und atemberaubener denn jemals zuvor/danach aus. Es wäre unfair die weiteren Mitwirkenden als Statisten zu bezeichnen, da die Damen und Herren ihre Arbeit ohne Fehl und Tadel ausführen. John Kerr verkörpert überzeugend den nach der Wahrheit suchenden
"Jungen Wilden", Antony Carbone erscheint in einem verdächtigen Licht, Luana Anders ist nett
(nicht im Sinne der modernen Deutung des Wortes). Hinzu kommen weitere Nebenfiguren, deren Auflistung ich mir an dieser Stelle erspare.
Vincent Price in Bestform, Barbara Steele in Bestform, Roger Corman in Bestform, so schliesst sich der Kreis. Mir gefällt die Boshaftigkeit zum Ausklang natürlich sehr
(der allerdings noch ein wenig fieser sein dürfte). Die deutsche Synchronisation ist von guter Qualität, ich rate allerdings zum Originalton. Vor allem während des quirligen Finales kommen Price und Steele im O-Ton noch besser rüber, überzeugt euch bitte selbst davon!
Über die DVD gibt es nicht viel zu sagen, der Film liegt in ordentlicher Qualität vor, die Ausstattung ist gewohnt geizig
(MGM).
Sehr gut = Dicke 8/10
Lieblingszitat:
"Kein Mensch wird jemals mehr diesen Raum betreten."