
Garfield’s Thanksgiving
Comic-Kater Garfields zehntem für den US-Fernsehsender CBS produzierten Zeichentrick-Kurzfilm liegt ein Comic zugrunde, den Garfields Schöpfer Jim Davis zusammen mit Kim Campbell adaptierte (und dabei in einigen Details abänderte). Der 24-minütige Film wurde wie üblich von Phil Roman inszeniert und am 22. November 1989 erstausgestrahlt.
Ein Blick auf den Kalender verrät Garfield, dass ein Termin bei der Tierärztin Liz ansteht. Kurzerhand entfernt er das Kalenderblatt und stellt fest, dass am Tag darauf Thanksgiving ist. Also drängt er Herrchen Jon dazu, Essen für den Feiertag einzukaufen, was dieser auch tut – sich zu Garfields Entsetzen aber auch an den Arzttermin erinnert und auf der Rückfahrt vom Supermarkt kurzerhand bei Liz‘ Praxis haltmacht. Die von Jon angeschmachtete Veterinärin untersucht Garfield und setzt ihn auf eine strenge Diät, Jons Avancen ignorierend. Mit Luftanhalten erpresst Jon sie jedoch, bis sie zusagt, zum Thanksgiving-Dinner vorbeizukommen. Dieses muss letztlich aber Jons Großmutter retten…
Im Gegensatz zum Inhalt vieler seiner anderen Zeichentrickfilme erlebt Garfield hier keine aushäusigen Abenteuer, sondern spielt der Großteil zu Hause in seinem gewohnten Umfeld. Damit ist „Garfield’s Thanksgiving” wesentlich näher an den klassischen Comics, denen dieser Film ja auch entspringt, und somit auch an deren Humor. Insbesondere ab dem Zeitpunkt, zu dem man von der Tierärztin wieder zu Hause ist, gerät der Film zu einer ganz wunderbaren Persiflage auf Thanksgiving, das Leben mit Haustieren und unbeholfen datende Alleinstehende.
Da Garfield auf von Odie überwachter Diät ist, ist er noch unausstehlicher und sarkastischer als sonst, zuweilen regelrecht zynisch. Wir lernen Jons kompletten Kleiderschrankinhalt kennen, als er sich einen Dress für Thanksgiving aussucht, jeweils abschätzig von Garfield „kommentiert“. Als Liz eintrifft und Garfield über mögliche Nebenwirkungen einer exzessiven Diät aufklärt, stellt dieser jedes einzelne Symptom in Grimassenform nach. Damit es mit dem Essen überhaupt etwas wird, ruft er Jons Großmutter auf den Plan, die innerhalb von Sekunden auf der Matte steht und die Küche übernimmt, dabei eine Mega-Performance hinlegt, die man gesehen haben muss. „Oma ist die Beste“ in a nutshell, Garfield dabei stets an ihrer Seite. Fehlt nur noch, dass die beiden sich ein Likörchen gönnen.
Jon hängt derweil Liz mit der Geschichte der Thanksgiving-Feierlichkeiten in den Ohren, bis sie wegdöst. Das Essen aber stimmt sie versöhnlich. Wenn Garfield und Odie am Schluss mit ihren dicken Bäuchen auf dem Sofa hängen, wird abschließend eindrucksvoll diese besondere Bewegungsunfähig-aber-glücklich-Stimmung nach einer Fressorgie vermittelt.
„Garfield’s Thanksgiving“ transportiert den besonderen Charme der Comic-Strips, die sich zu großen Teilen in den eigenen vier Wänden abspielen, und nutzt die Möglichkeiten der Animation, deren Humor zusätzlich aufzupeppen. Damit hat dieser Kurzfilm bei mir einen besonderen Stein im Brett.

