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Re: Garfield: alle Kurzfilme - Phil Roman und weitere Regisseure (1982-1991)

Verfasst: Di 10. Feb 2026, 10:35
von buxtebrawler
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Garfield’s Thanksgiving

Comic-Kater Garfields zehntem für den US-Fernsehsender CBS produzierten Zeichentrick-Kurzfilm liegt ein Comic zugrunde, den Garfields Schöpfer Jim Davis zusammen mit Kim Campbell adaptierte (und dabei in einigen Details abänderte). Der 24-minütige Film wurde wie üblich von Phil Roman inszeniert und am 22. November 1989 erstausgestrahlt.

Ein Blick auf den Kalender verrät Garfield, dass ein Termin bei der Tierärztin Liz ansteht. Kurzerhand entfernt er das Kalenderblatt und stellt fest, dass am Tag darauf Thanksgiving ist. Also drängt er Herrchen Jon dazu, Essen für den Feiertag einzukaufen, was dieser auch tut – sich zu Garfields Entsetzen aber auch an den Arzttermin erinnert und auf der Rückfahrt vom Supermarkt kurzerhand bei Liz‘ Praxis haltmacht. Die von Jon angeschmachtete Veterinärin untersucht Garfield und setzt ihn auf eine strenge Diät, Jons Avancen ignorierend. Mit Luftanhalten erpresst Jon sie jedoch, bis sie zusagt, zum Thanksgiving-Dinner vorbeizukommen. Dieses muss letztlich aber Jons Großmutter retten…

Im Gegensatz zum Inhalt vieler seiner anderen Zeichentrickfilme erlebt Garfield hier keine aushäusigen Abenteuer, sondern spielt der Großteil zu Hause in seinem gewohnten Umfeld. Damit ist „Garfield’s Thanksgiving” wesentlich näher an den klassischen Comics, denen dieser Film ja auch entspringt, und somit auch an deren Humor. Insbesondere ab dem Zeitpunkt, zu dem man von der Tierärztin wieder zu Hause ist, gerät der Film zu einer ganz wunderbaren Persiflage auf Thanksgiving, das Leben mit Haustieren und unbeholfen datende Alleinstehende.

Da Garfield auf von Odie überwachter Diät ist, ist er noch unausstehlicher und sarkastischer als sonst, zuweilen regelrecht zynisch. Wir lernen Jons kompletten Kleiderschrankinhalt kennen, als er sich einen Dress für Thanksgiving aussucht, jeweils abschätzig von Garfield „kommentiert“. Als Liz eintrifft und Garfield über mögliche Nebenwirkungen einer exzessiven Diät aufklärt, stellt dieser jedes einzelne Symptom in Grimassenform nach. Damit es mit dem Essen überhaupt etwas wird, ruft er Jons Großmutter auf den Plan, die innerhalb von Sekunden auf der Matte steht und die Küche übernimmt, dabei eine Mega-Performance hinlegt, die man gesehen haben muss. „Oma ist die Beste“ in a nutshell, Garfield dabei stets an ihrer Seite. Fehlt nur noch, dass die beiden sich ein Likörchen gönnen.

Jon hängt derweil Liz mit der Geschichte der Thanksgiving-Feierlichkeiten in den Ohren, bis sie wegdöst. Das Essen aber stimmt sie versöhnlich. Wenn Garfield und Odie am Schluss mit ihren dicken Bäuchen auf dem Sofa hängen, wird abschließend eindrucksvoll diese besondere Bewegungsunfähig-aber-glücklich-Stimmung nach einer Fressorgie vermittelt.

„Garfield’s Thanksgiving“ transportiert den besonderen Charme der Comic-Strips, die sich zu großen Teilen in den eigenen vier Wänden abspielen, und nutzt die Möglichkeiten der Animation, deren Humor zusätzlich aufzupeppen. Damit hat dieser Kurzfilm bei mir einen besonderen Stein im Brett.

Re: Garfield: alle Kurzfilme - Phil Roman und weitere Regisseure (1982-1991)

Verfasst: Mi 4. Mär 2026, 13:54
von buxtebrawler
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Garfield's Feline Fantasies

Der vorletzte für den US-Fernsehsender CBS produzierte Zeichentrick-Kurzfilm um den verfressenen Comic-Kater Garfield ist der 24-minütige „Garfield's Feline Fantasies“, der am 18. Mai 1990 erstausgestrahlt und meines Wissens als einziger nie in deutscher Sprache synchronisiert wurde. Auch dieser wurde von Phil Roman inszeniert.

Wie so oft schläft Garfield zu Beginn der Handlung. Er träumt davon, ein U-Boot-Kapitän zu sein. Sein Stoffteddy Pooky ist kommandierender Offizier. Als sein Wecker klingelt, träumt er einfach weiter und wird sich den ganzen Tag über kontinuierlich in verschiedenste Fantasien begeben, in die Hündchen Odie ihm folgt. So sehen wir Garfield in einem Western- und einem Fantasy-Szenario sowie zusammen mit Odie als Pilot eines Jets mit Motorschaden.

Kernstück des Films aber ist eine Fantasie, in die Garfield und Odie sich hineinsteigern, nachdem sie in Jons Kühlschrank geklettert sind: Garfield verkörpert Lance Sterling, eine Mischung aus James Bond und Indiana Jones, Odie alias Slobberjob ist sein Partner. Als Abenteueragenten bereisen sie Istanbul, Paris und den Regenwald am Amazonas, um „Die Banane von Bombay“ zu finden, bevor sie der Schurke „Fat Guy“ in die Finger kriegt. Währenddessen lernen sie die moldawische und geheimnisvolle Nadia kennen, die eigene Pläne verfolgt. Diese Fantasie ist ein Mix aus Hommage und Persiflage typischer Genrefilme und als solcher gelungen und mit zahlreichen amüsanten Gags gespickt. Die Geschichte endet, als die beiden aus dem Kühlschrank fallen. Abschließend begibt sich Garfield in eine kurze „Casablanca“-Fantasie inklusive „As Time Goes By“-Soundtrack.

„Garfield's Feline Fantasies“ ist ein Spagat zwischen der introspektiven Ausrichtung der Comicvorlagen, in denen die Erzählungen zu Hause bei Jon spielen, und den Abenteuern, die ein vermenschlichter Garfield in aller Welt erlebt (wie sie häufig in seinen Kurzfilmen und seiner Serie zu finden sind). Letzteres überwiegt hier natürlich, wobei insbesondere die Anspielungen auf Filme bzw. Filmgenres ein entsprechende Affinitäten aufweisenden Publikum erfreuen dürften, während Kindern die Kraft der Imagination vermittelt wird.

Wertung als Fan, der die bei und mit Jon spielenden Geschichten eigentlich am charmantesten findet, aber eben auch auf Filmpersiflagen steht: 7,5 von 10 träumenden Haustieren

Re: Garfield: alle Kurzfilme - Phil Roman und weitere Regisseure (1982-1991)

Verfasst: Mo 16. Mär 2026, 15:08
von buxtebrawler
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Garfield Gets a Life

Mit „Garfield Gets a Life“ (im Deutschen: „Garfield – So gewinnt man Frauen“, nur auf VHS erschienen und leider nirgends mehr erhältlich) endete nach zehn Jahren die für den US-Fernsehsender CBS produzierte Zeichentrick-Kurzfilmreihe um Jim Davis‘ Comic-Kater Garfield. Die Erstausstrahlung des rund 22-minütigen Films erfolgte am 8. Mai 1991. Die Inszenierung übernahm diesmal John Sparey anstelle Phil Romans.

Der Prolog zeigt Jon zusammen mit Garfield und Hündchen Odie beim Frühstück, und zumindest Jon und Garfield sind enorm angeödet. Man beschließt, endlich eine Frau im Haus zu benötigen, woraufhin Garfield einen Ratgeber aus Jons Bücherregal fischt und Jon erfolglos die verschiedenen empfohlenen Orte zum Frauenkennenlernen abgrast. Schließlich meldet er sich bei der „Lorenzo School for the Personality Impaired“ an, wo er Mona kennenlernt, die sich auch für ihn interessiert…

Wie Garfield sich gelangweilt, aber auch nicht willens, sich mehr zu bewegen als nötig durchs Fernsehprogramm zappt, hat schon etwas Mediensatirisches, zumal Fernsehbild-Realaufnahmen untergemischt werden. Vornehmlich dreht es sich in diesem Falle aber um den Junggesellen Jon, dessen Partnersuche zu einem lustigen, cartoonesk überzeichneten Ritt quer durch Dating-Klischees gerät. Die Musik mit exklusiven Stücken B.B. Kings („Monday Morning Blues (Blues for Mr. G)“) und der Temptations („Shake Your Paw“) ist hochkarätig, Zeichnungen und Animationen im gewohnt liebevollen Funny-Stil und das Tempo hoch.

Im Finale steht jedoch ein Konflikt, strenggenommen sogar zwei: Garfield wird eifersüchtig und hadert damit, dass Jon plötzlich liiert sein soll, woraufhin sich indes herausstellt, dass Mona eine Katzenhaar-Allergie hat und ein Zusammenleben somit nicht möglich wäre. Jon entscheidet sich ohne lange zu überlegen für seinen gefräßigen Stubentiger, bleibt aber mit Mona befreundet. Einerseits skizziert dies die irrationale Liebe von Menschen zu ihren Haustieren, andererseits wird der eigentliche Konflikt umgangen bzw. gar nicht erst als ein solcher thematisiert. Das ist etwas arg gefällig. Hätte man diesem letzten Kurzfilm zwei bis drei Minuten mehr spendiert, hätte man aus der Prämisse noch etwas mehr herausholen können.