Z. B. im Barock und Rokoko war die Verklärung des Schäferlebens völlig gängig. Man schaue sich die ganzen Porzellan-Hirtenfiguren an und so was. Auch im Mittelalter gab es schon die lyrische Gattung der "Pastourelle", die oft von der Begegnung eines Edelmannes mit einer Schäferin und eines sich daraus ergebenden "Schäferstündchens" handelt. Oder geh noch weiter zurück und guck dir Vergils Eklogen an. Da sind Schäfer nur mit Liebe beschäftigt, was in der Lyrik noch bis in die Neuzeit nachhallt. Die wenigsten werden bei "Hirte" an Zyklopen gedacht haben. Aber es stimmt schon, wie diverse andere Berufe musste auch der des Hirten mit Unterstellungen kämpfen. Aber warum gerade Kannibalismus? Näher liegt wohl der Vorwurf, es mit den Schafen zu treiben.purgatorio hat geschrieben:Soetwas gibt es? Wohl nur aus der Großstadt-Perspektive! Bereits im antiken Griechenland war Hirtenleben nicht wirklich romantisiert, viel eher hatte man Angst vor den abseits und einsam Lebenden. Man sagte den Hirten sogar Kannibalismus nach! Man denke doch nur an Polyphem aus der Odyssee, der war Hirte! Ein einäugiges, menschenfressendes und verblödetes Scheusal.buxtebrawler hat geschrieben: (...)
„Sukkubus“ räumt kräftig mit verklärten Illusionen eines glücklichen Lebens von Viehhirten in der freien Natur auf. (...)
Hirtenverklärung gibt's - wenn überhaupt - wohl nur durch christliche Ikonographie. Und auch hier sind sie bettelarm, aber eben herzensgut.
Sukkubus - Den Teufel im Leib - Georg Tressler (1989)
Moderator: jogiwan
Re: Sukkubus - Den Teufel im Leib - Georg Tressler
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Re: Sukkubus - Den Teufel im Leib - Georg Tressler
Im antiken Griechenland war der Hirte etwas unheimliches, ein Außenseiter, der eben Dinge trieb. Und das Wissen um Zyklopen war damals Bildungskanon, auch bei der Landbevölkerung. Entsprechend werden die Griechen diese Assoziationen zu Polyphem durchaus geschlagen haben. Ich hatte da mal einen spannenden Artikel gelesen, der sich genau damit befassteAdalmar hat geschrieben:(...) Die wenigsten werden bei "Hirte" an Zyklopen gedacht haben. Aber es stimmt schon, wie diverse andere Berufe musste auch der des Hirten mit Unterstellungen kämpfen. Aber warum gerade Kannibalismus? Näher liegt wohl der Vorwurf, es mit den Schafen zu treiben.
Baudy, Gerhard: Der kannibalische Hirte. Ein Topos der antiken Ethnographie in kulturanthropologischer Deutung. In: Keck, Annette; Kording, Inka; Prochaska, Anja (Hrsg.): Verschlungene Grenzen. Anthropophagie in Literatur und Kulturwissenschaften, Tübingen 1999, S.221-242.
aber der behandelte eben wirklich nur die Antike. Gut möglich (oder besser: mittlerweile glaubhaft dargelegt), dass das Hirtenmotiv eine gewisse Verklärung seit dem europäischen Mittelalter erfuhr.
Im Prinzip funktioniere ich wie ein Gremlin:
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- kein Sonnenlicht
- nicht nach Mitternacht füttern
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- kein Sonnenlicht
Re: Sukkubus - Den Teufel im Leib - Georg Tressler
Wortkarger und schroffer Anti-Heimatsfilm bzw. die Verfilmung der in der Schweiz sehr populären Sage der „Sennentuntsch“ in der es drei abergläubische Hirten im hochalpinen Gelände mit teuflischen Mächten zu tun bekommen. In Österreich und in der Schweiz hat ja jedes Gebiet seine ganz eigene Sammlung von teils sehr herben Geschichten, die im Kern auch immer eine sehr eindeutige und erzieherische Botschaft in sich tragen und auch die schweizerische Geschichte bietet da keine Ausnahme und warnt Sennen, Hirten und andere Arbeiter in den Bergen eindringlich davor, ihre Arbeit und Gottesfürchtigkeit zu vernachlässigen und sich in Abwesenheit der holden Weiblichkeit von ihren Trieben übermannen zu lassen. Aber auch wenn die Geschichte natürlich sehr altbacken daherkommt, so ist Georg Tressler zweifelsfrei ein sehr interessanter Film gelungen, der mit verklärter Tradition und Alpenidylle auch so gar nichts am Hut hat und der mit seinen verschlossenen Charakteren, seiner einfachen Geschichte und kargen Handlungsorten auch ansonsten angenehm aus dem Rahmen fällt. Ein düsteres Märchen für Erwachsene, ideal für Freunde von seltsamen Filmen, die sich auch nicht der Masse anbiedern.
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- Die Kroete
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Re: Sukkubus - Den Teufel im Leib - Georg Tressler (1989)
Egal wie der Film ist. Das VPS-Cover ist absolut geil!
Re: Sukkubus - Den Teufel im Leib - Georg Tressler (1989)
Auch ganz Interessant dürfte sein das Christoph Schlingensief "Assistant Director" bei diesem Streifen gewesen ist!
Wer tanzen will, muss die Musik bezahlen!
- Die Kroete
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Re: Sukkubus - Den Teufel im Leib - Georg Tressler (1989)
...was den Film dann eher abwertet und ich mir das gut überlegen muß, ob ich den überhaupt sehen will!Onkel Joe hat geschrieben:Auch ganz Interessant dürfte sein das Christoph Schlingensief "Assistant Director" bei diesem Streifen gewesen ist!
- buxtebrawler
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Re: Sukkubus - Den Teufel im Leib - Georg Tressler (1989)
Wer nicht will, der hat schonDie Kroete hat geschrieben:...was den Film dann eher abwertet und ich mir das gut überlegen muß, ob ich den überhaupt sehen will!
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Diese Filme sind züchisch krank!
Re: Sukkubus - Den Teufel im Leib - Georg Tressler (1989)
Die Kroete hat geschrieben:...was den Film dann eher abwertet und ich mir das gut überlegen muß, ob ich den überhaupt sehen will!Onkel Joe hat geschrieben:Auch ganz Interessant dürfte sein das Christoph Schlingensief "Assistant Director" bei diesem Streifen gewesen ist!
Warum wertet das diesen Film ab??
Wer tanzen will, muss die Musik bezahlen!
Re: Sukkubus - Den Teufel im Leib - Georg Tressler (1989)
Saugeil! Ab 29.10.2021 in der Edition Deutsche Vita von Subkultur:
quelle: https://www.lisa-film-kollektion.de/pro ... ver-a.htmlEdition Deutsche Vita #15
Cover A (Original Kinoplakat) - Limitiert auf 1000 Stück
Nach erfolgreichem Viehauftrieb verbringen zwei Hirten und ein junger Knabe den Alpsommer längere Zeit auf einer abgeschiedenen Hütte in den Schweizer Alpen. Zunächst gehen die schlichten Gemüter ihrer Arbeit nach, doch jeder weitere Tag in dieser kontaktlosen Ödnis lässt die Enthaltsamkeit zur Qual werden. Im Rausch von Selbstgebranntem bauen sie eines Abends eine weibliche Puppe, deren Anblick die Situation eskalieren lässt. Den unterdrückten Trieben freien Lauf lassend, verlustieren sie sich wahnhaft an dem verkleideten Stück Holz und sprechen unbedarft eine uralte Beschwörungsformel aus. Schockiert wenden sie sich ab, als urplötzlich ein Tuch lebendig wird und sich gegen seine Peiniger wehrt.
Abgetan als mögliche Sinnestäuschung, legen sie sich schlafen. Am nächsten Morgen erscheint es allen wie ein böser Traum, doch die drei Männer bemerken zu spät, dass sie nicht mehr alleine sind...
Technische Details:
Blu-ray / DVD:
Bildformat: 1.66:1 (1080p, 23.976, AVC @ 35Mbit/s) / 1.66:1 (anmorph)
Ton: Deutsch (Magnetton), Deutsch (Lichtton) (DTS HD Master Audio 1.0) / Dolby Digital Mono
Länge: ca. 80 Min / ca. 77 Min
Untertitel: Deutsch, Englisch
Region Code: B / 2
Bonusmaterial:
- Archivinterview mit Regisseur Georg Tressler (ca. 18 Min.)
- "Nichtkopierer" - Verworfene Takes, Rohmaterial (stumm), ca. 154 Min. (HD) *
- "Reste" - Nicht verwendete Takes, Rohmaterial (stumm) (ca. 259 Min., HD) *
- "Schnittreste" - Im Schnittprozess entferntes Material (stumm) (ca. 195 Min. (HD) *
- "Kopiermuster" - Testkopierung etc., Duplikatnegativ (stumm), ca. 1 Min. (HD) *
- Deutscher Kinotrailer
- Bildergalerie
- Booklet mit einem Text von Paul Poet.
* Blu-ray Exklusiv
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