Habt ihr viel Zeit, dann erzähle ich euch alle meine Sexgeschichten. Dauert etwa 10min. (ein Fluch auf den vorschnellen Erguß).
Mit der Dame im Kino war ich dann auch noch bei THE RING (US). Da war sie aber eher eine hysterische Devotchka erichtig süß, ich hab mich totgelacht (heimlich)
Räusper, macht ihr mal weiter
Ich wollt ja Forenspießer werden
Re: Sieben - David Fincher (1995)
Verfasst: Di 26. Jun 2012, 13:36
von Blap
dr. freudstein hat geschrieben:
Ich wollt ja Forenspießer werden
Werden?
Re: Sieben - David Fincher (1995)
Verfasst: Di 26. Jun 2012, 15:51
von purgatorio
na hier geht's rund... allein die Rahmenthemen, die du immer mit dem Film in Verbindung bringen wirst, Herr Dottore, sollten sich doch positiv auf die Bewertung niederschlagen
Re: Sieben - David Fincher (1995)
Verfasst: Di 10. Jul 2012, 16:29
von purgatorio
Art of the Title hat just heut eine sehr umfangreiche und detailierte Überarbeitung derIntro-Besprechung mit Making-Off veröffentlicht: http://www.artofthetitle.com/title/se7en/
Re: Sieben - David Fincher (1995)
Verfasst: Do 14. Nov 2013, 12:58
von horror1966
Sieben
(Se7en)
mit Morgan Freeman, Brad Pitt, Daniel Zacapa, Gwyneth Paltrow, John Cassini, Bob Mack, Kevin Spacey, Peter Crombie, Reg E. Cathey, R. Lee Ermey, Hawthorne James, Charline Su, Dominique Jennings, Mario Di Donato
Regie: David Fincher
Drehbuch: Andrew Kevin Walker
Kamera: Darius Khondji
Musik: Howard Shore
FSK 16 USA / 1995
Eine unheimliche Mordserie erschüttert die City, in der zwei grundverschiedene Cops, der alte William Somerset und sein junger Hitzkopfpartner David Mills, gemeinsam ihren Dienst verrichten. Jede der bestialischen Gewalttaten verweist auf eine der sieben biblischen Todsünden. Mit nicht immer legalen Tricks kommen die Cops dem Serienkiller schließlich auf die Spur. Als sich dieser, in die Enge getrieben, sogar selbst stellt, scheinen die Polizisten den Fall abschließen zu können - doch der Schein trügt.
Thriller mit Serienkiller-Thematik gibt es zur Genüge, doch nur ganz wenige hinterlassen einen wirklich bleibenden-und nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer. Beispiele dafür sind ganz sicher Filme wie "Das Schweigen der Lämmer" oder auch "Resurrection - Die Auferstehung" und natürlich das vorliegende Meisterwerk von David Fincher. Mit "Sieben" hat der bekannte Regisseur eine Geschichte auf den Weg gebracht, die fast gänzlich auf explizite Gewaltdarstellungen verzichtet, aber dennoch einen immensen Härtegrad entfaltet, der sich durch die psychologische Schiene mehr als nur bemerkbar macht. So werden einem keinesfalls die brutalen des scheinbar religiös-fanatischen Mörders gezeigt, stattdessen wird man immer nur mit den getöteten Opfern konfrontiert und hat als Anhaltspunkt für die bestialischen Morde lediglich die Dialoge, die zwischen den beiden ermittelnden Detectives Somerset und Mills ausgetauscht werden. Dabei erhält man eine detaillierte Schilderung darüber, wie sich die Taten des Killers abgespielt haben müssen und genau in diesem Punkt zeigt sich eine der herausragenden Stärken dieses Werkes, das wie ein Dampfhammer auf die Psyche des Betrachters einschlägt. Entfalten sich doch in der eigenen Fantasie Bilder, die voller Wucht und Intensität auf einen einprasseln, so das die dabei entstehende Härte weitaus stärker daher kommt, als wenn man das Szenario mit visuellen Gewaltdarstellungen angereichert hätte. So wird man auch von der ersten Minute an mit einer Gänsehaut überzogen, versprüht "Sieben" doch eine so dermaßen dichte-und düstere Grundstimmung, das diese einen wie ein Mantel einhüllt und dabei ein extrem beklemmendes Gefühl auslöst, das man bis zum bitteren Ende nicht ablegen kann.
Unterstützt wird das Ganze durch eine sehr düstere Optik des Geschehens, die durch den anhaltenden Dauerregen in der Stadt noch zusätzlich unterstützt wird. Durch den religiösen Hintergrund der Morde gewinnen die Ereignisse immer mehr an Bedrohlichkeit und je mehr man über die Motive des Täters erfährt, desto mehr verdichtet sich die schon von Haus aus einzigartige Atmosphäre zu einem morbide erscheinenden Seherlebnis, das einem mächtig unter die Haut geht. Wohl eher selten hat man einen Thriller präsentiert bekommen, der einen so mitnimmt und ganz unweigerlich in einen sogartigen Strudel der Ereignisse zieht, aus dem es scheinbar kein Entrinnen gibt. Dabei wird die gesamte Geschichte im Prinzip lediglich von seinen drei Haupt-Charakteren getragen, wobei die meisten Spielanteile auf Morgan Freeman (Somerset) und Brad Pitt (Mills) fallen. Unterschiedlicher könnte ein ermittelndes Team kaum ausfallen, den mimt Freeman den kurz vor der Pensionierung stehenden Beamten mit einer fast stoischen Ruhe und rückt damit die Erfahrung und Ruhe von unzähligen Dienstjahren perfekt in den Fokus, so steht mit Mills ein ungeduldiger-und hitzköpfiger Heißsporn an seiner Seite, der zum Ende hin noch auf tragische Art und Weise in den morbiden Plan des Serienkillers hineingezogen wird. Trotz der total unterschiedlichen Charaktere ergänzen sich die beiden Beamten ganz hervorragend und das dabei dargebotene Schauspiel von Pitt und Freeman kann man wohl ohne Übertreibung als brillant bezeichnen. Dennoch stiehlt ihnen der gute Kevin Spacey ein wenig die Schau, denn obwohl er in der Rolle des Mörders erst im letzten Drittel des Filmes auch im Bild erscheint, ist seine Performance an Genialität schwerlich zu überbieten.
Die restlichen Darsteller kann man getrost vernachlässigen, lediglich Gwyneth Paltrow als Ehefrau von Mills nimmt noch einen erwähnenswerten Stellenwert in der Geschichte ein, wohingegen sämtliche anderen Charaktere nicht über den Status einer nötigen Staffage herauskommen. Das ist aber auch gar nicht weiter schlimm, denn das gesamte Szenario lebt von den vier Hauptfiguren und wird von diesen ganz allein getragen. So entpuppt sich auch Fincher's Erzählweise der Abläufe so, das sie vollkommen auf diese Charaktere zugeschnitten ist und keinerlei Freiraum für irgendwelche Nebenfiguren lässt. Dadurch erscheint einem das Ganze noch weitaus dichter und man wird immer tiefer in einen Plan hinein gezogen, der auf eine äußerst grausame Art eine gewisse Faszination freisetzt. Dabei eröffnet sich dem Zuschauer erst ganz am Ende die ganze Grausamkeit des Mörders und Fincher konfrontiert einen an dieser Stelle wohl mit einem der härtesten-und verstörendsten Schlusspunkte, die einem je in der Geschichte des Films präsentiert wurde. Auch hier wird dieser Eindruck nicht durch visuelle Gewalt ausgelöst, sondern lediglich durch Andeutung dessen, was der Serienkiller getan hat. Die psychische Wirkung ist dabei von einer solchen Vehemenz, das man gerade bei der ersten Sichtung des Filmes unter einer extremen Schockwirkung steht und das Ganze erst einmal lange sacken lassen muss, bevor man wieder zur normalen Tagesordnung übergehen kann. Allerdings ist es im Prinzip vollkommen egal wie oft man "Sieben" schon gesehen hat, der finale Showdown ist immer wieder verstörend und geht einem nahe, gleichzeitig wird man förmlich von einer Welle voller menschlichen Emotionen überrollt, in der sich grenzenlose Wut, Mitleid, Verzweiflung, Schmerz und Verständnis regelrecht überschlagen, bis man dann wieder einen klaren Gedanken fassen kann.
"Sieben" ist also nicht einfach nur ein handelsüblicher 08 / 15 Thriller mit Serienkiller-Thematik, vielmehr handelt es sich um ein echtes Meisterwerk seiner Art, in dem einfach sämtliche Details absolut perfekt aufeinander abgestimmt sind und so ein Gesamtwerk ergeben, das man nicht so schnell vergisst. Herausragende Hauprdarsteller, eine wirklich einzigartige Atmosphäre und absolute Hochspannung garantieren hier nicht nur für ein erstklassiges Film-Erlebnis, sondern gleichzeitig auch für eine Intensität, die man in dieser Form nicht jeden Tag geboten bekommt. An diesem Film gibt es wirklich überhaupt nichts zu kritisieren, gehen doch sämtliche Elemente der Geschichte perfekt ineinander über und sorgen so für einen absolut hervorstechenden Gesamteindruck. Auch knapp zwei Jahrzehnte nach seinem Erscheinen zieht einen "Sieben" immer wieder in seinen Sog und überzieht den Betrachter mit einer Gänsehaut, die man beim besten Willen nicht ablegen kann. Die Thematik der sieben Todsünden wird einem dabei so glaubwürdig und nachvollziehbar näher gebracht, das es einem in etlichen Passagen der Geschichte richtiggehend fröstelt und man fast zu dem Eindruck gelangt, selbst ein Teil der grausamen Geschehnisse zu sein.
Fazit:
David Fincher hat so einige tolle Filme gemacht, doch hier dürfte wohl ganz eindeutig sein Meisterstück vorliegen. Eine grandiose Story, knisternde Spannung, geniales Schauspiel und eine Grundstimmung, die an Brillanz nicht zu überbieten ist machen dieses Werk zu einem wahren Erlebnis, das man sich in regelmäßigen Abständen immer wieder gern zu Gemüte führt.
10/10
Re: Sieben - David Fincher (1995)
Verfasst: Sa 23. Nov 2013, 20:14
von buxtebrawler
„Wenn die Leute einem zuhören sollen, reicht es nicht, ihnen einfach auf die Schulter zu tippen. Man muss sie mit einem Vorschlaghammer treffen. Erst dann können Sie sich ihrer Aufmerksamkeit gewiss sein.“
Nach seinem Regie-Debüt „Alien³“ war der Psycho-Thriller „Sieben“ aus dem Jahre 1995 gefühlt US-Regisseur David Finchers eigentliches Debüt, da er mit ihm an kein Franchise wie noch bei der „Alien“-Fortsetzung gebunden war. Das Drehbuch stammt aus der Feder Andrew Kevin Walkers („8 mm“).
In einer US-amerikanischen Großstadt treibt ein Serienmörder (Kevin Spacey, „Die Jury“) sein Unwesen, der seine Opfer anhand der „sieben Todsünden“ aus der katholischen Theologie aussucht und seine Morde thematisch passend inszeniert. Ausgerechnet in seiner letzten Arbeitswoche bekommt es der Kurz vor der Pensionierung stehende Detective Lieutenant Somerset (Morgan Freeman, „Die Verurteilten“) nicht nur mit diesem Fall zu tun, sondern auch mit dem Nachwuchs-Detective Mills (Brad Pitt, „Die Todesparty 2“), der charakterlich das genaue Gegenteil von Somerset zu sein scheint…
Mit „Sieben“ setzte Fincher eine überdeutliche Duftmarke in die Thriller-Landschaft, worauf bereits der extrem durchästhetisierte Vorspann hinweist. Fincher hat ein nahezu perfektes Gespür für düstere Bilder und inszeniert für seinen Film eine nicht namentlich genannte Großstadt (die laut Walker von New York inspiriert wurde, gedreht wurde jedoch in Los Angeles) als urbanen Alptraum, in dem es permanent regnet und sich die Menschen gegenseitig fremd sind, sie in der Anonymität vor sich hinvegetieren – oder böse Pläne aushecken. Nahezu jede Einstellung scheint durchkomponiert, ohne damit aufdringlich oder verkünstelt zu wirken. In seiner inhaltlich unheimlich fiesen Geschichte hat beinahe jeder einzelne Dialog Gewicht und wird wenig dem Zufall überlassen. Fincher gelingt es, erzählerisch geschickt die Konzentration des Zuschauers zu binden und ihm die nicht ganz unkomplexe Handlung auf hoch spannende Weise nahezubringen. Bizarre, eindringliche Bilder der Tatorte, beginnend mit unappetitlichen Aufnahmen eines extrem Adipösen, fallen äußerst erinnerungswürdig aus und wie Fincher diese schrecklichen bis verstörenden Impressionen (erstklassige Make-up-Arbeiten!) präsentiert, ist die Definition von wohldosiert. Die eigentlichen Morde bekommt man dabei nicht zu Gesicht; es sind die Resultate mit ihren drapierten Leichen und die polizeilichen bzw. gerichtsmedizinischen Ermittlungsergebnisse, die eine sehr plastische Vorstellung davon liefern, was genau geschehen sein muss – psychologischer Horror vom Feinsten. Und in Form einen krassen Schockmoments, als ein vermeintliches Mordopfer sich als doch noch lebendig herausstellt, setzt man noch einen drauf. Zu jedem entdeckten Mord ertönt eine andere Hintergrundmusik, unterschiedliche Stile finden Verwendung, doch allen gemein ist die Ohnmacht der Polizei, die sich als Marionetten im Spiel des Mörders entpuppen, der ihnen stets einen oder gleich mehrere Schritte voraus ist und sie an der Nase herumführt. Er gibt sich das Allerweltspseudonym „John Doe“, das für eine nicht identifizierte Person steht, und wird bewusst kaum charakterisiert. Bis zum Schluss könnte er quasi jeder sein. Dadurch unterscheidet sich „Sieben“ von anderen Thrillern um psychopathologische Killer, erinnert jedoch hier und da ein wenig an „Das Schweigen der Lämmer“. Vielmehr dürfte „Sieben“ jedoch Inspiration für andere Filmemacher gewesen sein. Neben Thriller-Kost fallen mir spontan die „Saw“-Fortsetzungen ein, in denen sich ebenfalls jemand zur moralischen Instanz erhebt und „sündhaftes“ Leben bestraft.
Zurück zum Film: Seitens der polizeilichen Ermittler konstruiert man einen interessanten Kontrast zwischen dem aufstrebenden, machohaften Jüngling mit bezaubernder Ehefrau (Gwyneth Paltrow, „Hook“) und dem alleinstehenden, schwermütigen, alternden, aber hoch professionell arbeitenden Cop, die an ihre Grenzen stoßen, ohne ihre Zusammenarbeit jedoch vermutlich völlig auf der Stelle treten würden. Doch aller charakterlichen Entwicklung beider zum Trotz bleibt das Verhältnis des Zuschauers zu ihnen distanziert, ist eine wirklich starke emotionale Bindung zu niemanden möglich. Sympathieträger ja, Identifikationsfiguren eher nein, denn dafür müsste man sich entscheiden zwischen hochmütigem Eifer und betrübter Ernüchterung – während der Film indes alles dafür tut, letztere nachvollziehbar zu machen. Das perfekt konzipierte, unvorhersehbare Finale dreht die Spannungsschraube fast bis zur Materialermüdung, untermauert die Überlegenheit Does und arbeitet die zutiefst verständlichen, weil menschlich-instinktiven Schwächen vor allem Mills' heraus. Gleichzeitig verdeutlicht es die perfide Logik des Terrors, die das Verhalten von Menschen in Extremsituationen eiskalt berechnend einkalkuliert. Inszenatorisch beweist Fincher einmal mehr sein großes Talent, indem er den Zuschauer fast Glauben macht, selbst in den berüchtigten Karton hineingeschaut zu haben.
„Sieben“ ist hochkarätig besetzt mit Schauspielern, die ihre Rollen studieren und maßgeschneidert vor laufender Kamera nachleben; auch Brad Pitt, den manch einer eventuell zunächst für überfordert gehalten haben könnte, liefert letztlich eine einwandfreie Leistung. Finchers Stil bleibt trotz von der Stadt ins Wüstenumland wechselnden Drehorten konsequent bitter-schaurig und ungemütlich und wurde nicht zuletzt dadurch zu einem Meilenstein des Thriller-Genres, innerhalb dessen er sich jedoch strenggenommen ausschließlich bewegt, an dessen Grenzen er kratzt, provoziert und überrascht, sie jedoch nicht überschreitet, u.a. indem er die oben beschriebene Distanz wahrt. Das mulmige Gefühl, was sich so alles hinter Großstadtwohnungstüren abspielen könnte, nimmt der Zuschauer jedoch zweifelsohne mit und in Kombination mit manch bösem Bild dieses Films vielleicht sogar ein Leben lang.
Re: Sieben - David Fincher (1995)
Verfasst: Sa 23. Nov 2013, 22:44
von CamperVan.Helsing
Gut geschrieben, Bux!
Re: Sieben - David Fincher (1995)
Verfasst: So 24. Nov 2013, 08:42
von purgatorio
toller Text, Bux - und schön, dass dir der Film gefallen hat
Re: Sieben - David Fincher (1995)
Verfasst: So 24. Nov 2013, 19:58
von buxtebrawler
purgatorio hat geschrieben:toller Text, Bux - und schön, dass dir der Film gefallen hat
Danke und na klar, hatte den vorher schon paar mal gesehen, jedoch stets vor meiner FTB-Zeit.