bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

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Sabrina

„Mein Vater hat das Steuer in der Hand.“

US-Regisseur Billy Wilders („Boulevard der Dämmerung“) Liebeskomödie „Sabrina“ aus dem Jahre 1954 ist die Leinwandadaption eines Theaterstücks.

„Es gibt einen Rücksitz und einen Vordersitz – und eine Glasscheibe dazwischen.“

Sabrina Fairchilds (Audrey Hepburn, „Ein Herz und eine Krone“) Vater (John Williams, „Bei Anruf Mord“) ist als Chauffeur der auf Long Island residierenden vermögenden Unternehmerfamilie Larrabee angestellt, in deren jüngsten Sohn David (William Holden, „Stalag 17“) Sabrina sich verguckt hat. David lebt jedoch in seiner eigenen Welt und würdigt das Mädchen aus der Arbeiterklasse kaum eines Blickes, während er sich lieber mit seiner Gespielin Gretchen (Joan Vohs, „Sittenpolizei“) vergnügt. Damit Sabrina auf anderen Gedanken kommt und einmal etwas von der Welt sieht, schickt ihr Vater sie nach Paris, wo sie eine Kochschule besucht und Baron St. Fontanel (Marcel Dalio, „Die große Illusion“) kennenlernt, der sie in die Haute Couture und Etikette einführt. Als sie wie verwandelt nach Long Island zurückkehrt, wird David plötzlich auf sie aufmerksam. Dessen Bruder Linus (Humphrey Bogart, „Casablanca“) jedoch versucht gegen Davids Willen dessen Ehe mit Elisabeth (Martha Hyer, „Ein Herz aus Gold“) zu arrangieren, der Tochter des zweitgrößten Zuckerrohrimporteurs. Dessen Vermögen benötigt Linus zwingend für seine neueste Erfindung, ein unzerstörbares Plastik. Damit die Eheanbahnung nicht misslingt, versucht Linus, Sabrina von sich zu überzeugen…

Wilder eröffnet seinen Film mit einer Märchenerzählerin aus dem Off, die die Figuren vorstellt. Sabrina wirkt wie ein scheues Reh und ist eifersüchtig auf Davids Gretchen. Von Paris will sie zunächst nichts wissen, sondern sich aus Liebeskummer umbringen. Sie scheibt einen Abschiedsbrief und will sich mit Autoabgasen im Fuhrpark der Larrabees vergiften, wird aber glücklicherweise rechtzeitig von Linus gestört. Wir wissen also: Es ihr ernst und sie ist verdammt verzweifelt. Die in der Pariser Kochschule spielenden Szenen geraten zu einer Persiflage auf die französische Küche und all das Gewese um dieselbe. Welch gute Seele Sabrina ist, verdeutlicht unter anderem der Umstand, dass sie regelmäßig nach Hause schreibt. Ihr Vater liest allen Bediensteten ihre Briefe vor.

Nach ihrer Rückkehr erkennt David sie gar nicht wieder, doch fällt sie nun in sein Beuteschema, denn er macht ihr unvermittelt Avancen – obwohl er bereits mit Elisabeth verlobt ist. Das sagt viel über David aus, diesen Bruder Leichtfuß, aber auch über die Familie, in der „standesgemäße“ Heiraten aus Kalkül anberaumt werden und die stellvertretend für die Oberschicht steht, in die Sabrina aus hehren Motiven einzudringen versucht. Dem verkopften Linus muss sie erst Lebensfreude und Leidenschaft lehren. Bei aller Romantic-Comedy-Leichtigkeit und allen märchenhaften Zügen schwingen so doch immer auch Verballhornung und Kritik an der Klassengesellschaft mit, wenngleich „Sabrina“ letztlich dann doch eine (aus heutiger Sicht) recht konventionelle, humorige und dialogreiche Dreiecksromanze wird, durch die sich der Chanson „La vie en rose“ zieht.

Diese jedoch wartet nicht nur mit einem US-Traumensemble auf, sondern auch mit einem schönen, wendungsreichen Finale. Und ihre Absage an Standesdünkel ist ebenso zeitlos wie richtig.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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Der Geisterjäger

„Mein Junge, jedes Mal, wenn dein Gehirn anfängt, Daten auszuspucken, ist öffentliches Eigentum in Gefahr, die Frauen fangen an zu schreien und die Hunde jaulen!“

Der australische Genrefilmer Brian Trenchard-Smith („Die Insel der Verdammten“, „BMX Bandits“) legte im Jahre 1986 mit „Der Geisterjäger“ (im Original: „Frog Dreaming“) ein leicht gruseliges Mystery-Jugendabenteuer vor. Während es im Jahre 1988 in der BRD lediglich eine Videopremiere hatte, konnte es, wie zuvor „BMX Bandits“, einen Kinostart in der DDR vorweisen.

„Da könnten sogar Dinosaurier leben, oder ein alter Negerstamm!“

Der 14-jährige Waise Cody (Henry Thomas, „E.T.“) lebt im australischen Outback zusammen mit seinem Vormund Gaza (Tony Barry, „Coca Cola Kid“) und ist nicht nur von einem ausgeprägten Tüftlergeist beseelt, sondern auch mit viel Neugier gesegnet. Der örtlichen Polizei ist er daher eher ein Dorn im Auge. Bei den Mädchen ist er dafür umso beliebter, insbesondere bei Wendy (Rachel Friend, „Nachbarn“) und Jane (Tamsin West, ebf. „Nachbarn“), mit denen zusammen er einen entlegenen, in keiner Karte verzeichneten See am „Teufelsbrocken“ entdeckt, auf dessen Grund ein Monster hausen soll. Bei seinen Nachforschungen stößt er auf die Aborigine-Legende des Donkegin, wie die Ureinwohner die angeblich unsterbliche Kreatur nennen…

„Mann, ist das hier unheimlich!“

Der Auftakt gerät sehr ruhig; wir sehen schöne Aufnahmen von Reptilien und Amphibien am See, unterlegt von Naturgeräuschen und unheilschwangerer Streichermusik des australischen Soundtrack-Komponisten Brian May (nein, nicht der von Queen). Plötzlich spielt das Wasser verrückt und begräbt das Boot eines Mannes namens Neville (Peter Cummins, „Dakota Harris“), um den Ärmsten anschließend zu Tode zu erschrecken. Nach diesem Prolog lernen wir Cody kennen, der an seinem Fahrrad schweißt, um eine Vorrichtung zu konstruieren, mit der er tollkühn auf Bahngleisen fahren kann. Seine Clique fährt (natürlich) BMX-Räder. Trenchard-Smith zeigt uns einen strahlend blauen Himmel und wunderschöne Landschaftsaufnahmen, arbeitet aber auch viel mit Untersicht und (naheliegenderweise) Froschperspektiven. Am See scheint ein riesiger Froschfuß kurz zu sehen zu sein und von Neville wird nur noch das Skelett gefunden, was die Erwachsenen auf den Plan ruft. Klassischer Spannungsaufbau.

„Dieser Teufel – er ist ein guter Tänzer, findest du nicht?“

Die Familie Wendys und ihrer (sehr herzigen) kleinen Schwester Jane wird leicht komödiantisch vorgestellt. Ihr Vater ist gegen eine Beziehung Wendys mit Cody, der als echter Draufgänger auch schon mal ohne Begleitung Auto fährt. Die Hinweise auf die originaltitelgebenden Frösche verdichtet der Film wenig subtil, indem er Frösche in Nahaufnahmen zeigt. Im Rahmen einer Tanzveranstaltung spielt eine Rockabilly-Combo sehr sehens- und hörenswert zum Tanz auf. Cody freundet sich mit den Aborigines an, die hier erfreulicherweise nur marginal exotisiert werden. Natürlich läuft die Handlung darauf hinaus, dass sich jemand todesmutig in den See stürzen muss, und natürlich wird dies Cody obliegen. Dieser hat den Sheriff gegen sich, ist aber ein verkanntes Genie, das sich sogar eine Art Taucheranzug bastelt, den er – nach viel eher auf Atmosphäre setzender gemächlicher Dramaturgie – in einer hochspannend inszenierten Sequenz einsetzt.

„Der Geisterjäger“ spielt mit der Mystik um die Ureinwohner – und damit indirekt dem schlechten Gewissen der Weißen. Abseits der bereits erwähnten Naturaufnahmen verwöhnt Trenchard-Smith das Auge mit wunderschön, auch artifiziell ausgeleuchteten Szenen, vor allem die surreal anmutende Begegnung Codys mit Charlie Pride (nicht dem Country-/Western-Sänger) sei hier hervorgehoben. Die Geschichte weist starke Anleihen bei der Monster-von-Loch-Ness-Legende auf sowie leichtere bei „Poltergeist“, erinnert mich zudem an den (später entstandenen) „The Cellar“ (hierzulande als „Anthony II“ auf Video erschienen), ist aber einige Nummern kleiner als es beispielsweise „Die Goonies“ war – und in ihrer Auflösung reichlich bizarr. Hier hätte sich etwas sorgfältigere Ausarbeitung bezahlt gemacht. Und ob das Ende so mit dem Umweltschutz vereinbar ist, sei einmal dahingestellt. Dafür wird die scheinbar rationale Erklärung im Epilog remystifiziert, was ein cleverer erzählerischer Clou ist. Alles in allem ein schöner Film, der etwas unter seiner nicht ganz geglückten deutschen Synchronisation leidet.

Als US-Produktion wäre „Der Geisterjäger“ mit seinem Land-Abenteuer, seinen ‘80er-Wohlfühl-Ingridienzien und dem sein junges Publikum zur Identifikation einladenden Cody (den viele zudem noch aus „E.T.“ gekannt haben dürften) zum Kultfilm avanciert. So aber geriet er leider arg in Vergessenheit. Wer offen für diese Art ‘80er-Kino ist, sollte versuchen, sich die DVD aus der „Schröder Media“-Bootlegklitsche brennen zu lassen.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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Garfield’s Thanksgiving

Comic-Kater Garfields zehntem für den US-Fernsehsender CBS produzierten Zeichentrick-Kurzfilm liegt ein Comic zugrunde, den Garfields Schöpfer Jim Davis zusammen mit Kim Campbell adaptierte (und dabei in einigen Details abänderte). Der 24-minütige Film wurde wie üblich von Phil Roman inszeniert und am 22. November 1989 erstausgestrahlt.

Ein Blick auf den Kalender verrät Garfield, dass ein Termin bei der Tierärztin Liz ansteht. Kurzerhand entfernt er das Kalenderblatt und stellt fest, dass am Tag darauf Thanksgiving ist. Also drängt er Herrchen Jon dazu, Essen für den Feiertag einzukaufen, was dieser auch tut – sich zu Garfields Entsetzen aber auch an den Arzttermin erinnert und auf der Rückfahrt vom Supermarkt kurzerhand bei Liz‘ Praxis haltmacht. Die von Jon angeschmachtete Veterinärin untersucht Garfield und setzt ihn auf eine strenge Diät, Jons Avancen ignorierend. Mit Luftanhalten erpresst Jon sie jedoch, bis sie zusagt, zum Thanksgiving-Dinner vorbeizukommen. Dieses muss letztlich aber Jons Großmutter retten…

Im Gegensatz zum Inhalt vieler seiner anderen Zeichentrickfilme erlebt Garfield hier keine aushäusigen Abenteuer, sondern spielt der Großteil zu Hause in seinem gewohnten Umfeld. Damit ist „Garfield’s Thanksgiving” wesentlich näher an den klassischen Comics, denen dieser Film ja auch entspringt, und somit auch an deren Humor. Insbesondere ab dem Zeitpunkt, zu dem man von der Tierärztin wieder zu Hause ist, gerät der Film zu einer ganz wunderbaren Persiflage auf Thanksgiving, das Leben mit Haustieren und unbeholfen datende Alleinstehende.

Da Garfield auf von Odie überwachter Diät ist, ist er noch unausstehlicher und sarkastischer als sonst, zuweilen regelrecht zynisch. Wir lernen Jons kompletten Kleiderschrankinhalt kennen, als er sich einen Dress für Thanksgiving aussucht, jeweils abschätzig von Garfield „kommentiert“. Als Liz eintrifft und Garfield über mögliche Nebenwirkungen einer exzessiven Diät aufklärt, stellt dieser jedes einzelne Symptom in Grimassenform nach. Damit es mit dem Essen überhaupt etwas wird, ruft er Jons Großmutter auf den Plan, die innerhalb von Sekunden auf der Matte steht und die Küche übernimmt, dabei eine Mega-Performance hinlegt, die man gesehen haben muss. „Oma ist die Beste“ in a nutshell, Garfield dabei stets an ihrer Seite. Fehlt nur noch, dass die beiden sich ein Likörchen gönnen.

Jon hängt derweil Liz mit der Geschichte der Thanksgiving-Feierlichkeiten in den Ohren, bis sie wegdöst. Das Essen aber stimmt sie versöhnlich. Wenn Garfield und Odie am Schluss mit ihren dicken Bäuchen auf dem Sofa hängen, wird abschließend eindrucksvoll diese besondere Bewegungsunfähig-aber-glücklich-Stimmung nach einer Fressorgie vermittelt.

„Garfield’s Thanksgiving“ transportiert den besonderen Charme der Comic-Strips, die sich zu großen Teilen in den eigenen vier Wänden abspielen, und nutzt die Möglichkeiten der Animation, deren Humor zusätzlich aufzupeppen. Damit hat dieser Kurzfilm bei mir einen besonderen Stein im Brett.
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Schüler-Report – Junge! Junge! Was die Mädchen alles von uns wollen!

„Das Mädchen der Siebzigerjahre ist sexuell wesentlich früher erwacht als seine Großmutter. Es menstruiert im Durchschnitt drei Jahre eher als die Urgroßmutter.“

Eberhard Schröder („Hausfrauen-Report“) war einer jener deutschen Fummelfilmer der 1970er, die mit ihren Inszenierungen auf die vom „Schulmädchen-Report“ losgetretene Pseudoreportagen-Sexploitation-Welle aufsprangen. Der im Jahre 1971 veröffentlichte „Schüler-Report“ ist ein typisches Produkt jener Zeit.

„Totaler Sexualentzug – da wird einem echt die Milch sauer!“

Die von Manfred Purzer geschriebene „Reportage“ beginnt im Altertum mit einem klassischen Duell zweier junger Männer um ein Mädchen, anschließend wird zur Kaiserzeit im Ersten Weltkrieg vorgespult, gefolgt von der Weimarer Republik, der Nazi-Diktatur und dem Zweiten Weltkrieg, alles im Schnelldurchlauf. In den 1950ern angelangt, wird der titelgebende Schlager gesungen und dazu getanzt, während der Vorspann läuft. Ein Voice-over-Erzähler meint zu wissen, dass die Mädchen heute viel selbstbewusster und die Jungs daher verunsichert seien. Diverse Jungs werden als Zeugen dafür angeführt, der 17-jährige Schorsch (Dieter Stolzenburg) ist einer von ihnen und so gebührt ihm die erste Episode: Er ist bei der Bundeswehr und führt aus dem Off in seine Anekdote ein.

In seiner Eigenschaft als Gebirgsjäger zeltet er mit seinen Kameraden im Gebirge inmitten einer idyllischen Landschaft. Eine weibliche Wandergruppe kommt des Weges, als die Soldaten gerade homoerotisch nacktbaden. Eines der Mädchen simuliert eine Verletzung und spricht nun auch selbst aus dem Off. Mit ihrer Freundin Traudl (Felicitas Peters, „Der Neue Hausfrauen-Report – 2. Teil“) beäugt sie die wehenden Bananen durchs Fernglas. Auf einem Bergwipfel erwarten die beiden Schorsch und dessen Kameraden im Eva-Kostüm. Mittlerweile sind alle nackt und es wird gemeinsam geplanscht. Eine Softsexszene oder ähnliches gibt es hier noch nicht zu sehen. Stattdessen weiß ein wissenschaftlicher, mit einer albernen Zeichentrickszene illustrierter Einschub über Eifersucht von Brüdern, wenn ihre Schwestern sexuell aktiv zu werden beginnen, zu berichten.

Die nächste Episode erzählt Toni (Andy Vix), der eine Gesäßverletzung auskuriert. Er berichtet dem Arzt, wie das passieren konnte, was eine Rückblende einleitet: Ein Wespennest wird geborgen, Tonis Schwester vögelt mit ihrem Freund im Haus, Toni und seine Freunde spielen ihnen mit dem Wespennest einen Streich. Toni und seine Freundin Bettina (Birgit Tetzlaff, „Liebe unter 17“) werfen sich anschließend nackt aufs Bett, doch jeglicher Ansatz von Erotik wird durch die Racheaktion seiner Schwester mit Feuerwerk im Bett zunichte gemacht – was dann auch seine Verletzungen erklärt. Es folgt ein statistischer Einwurf, erneut inklusive alberner Zeichentrickszene, zur überholten kirchlichen Sexualmoral.

„Einmal im Monat sind die Alten weg und du machst schlapper Hugo!“

Helmut (Thomas Brendl) und Günther (Peter Kranz, „Ehemänner-Report“), beide 17 Lenze, spielen Tischtennis, als Helmut aus dem Off zu erzählen beginnt: Günther zieht zu Helmuts Entsetzen um, was eine nun wiederum von Helmut aus dem Off erzählte Rückblende einläutet: Er mag Günthers Mutter Linda (Elisabeth Volkmann, „Zieh dich aus, Puppe“) sehr. Er übt Englisch mit ihr, als sie übereinander herfallen. Am Abend steigt er dann mit seiner Hannelore (Inge Vierzi) ins Bett, hat aber keine Lust mehr. Günther weiß Bescheid und nimmt’s gelassen, doch Helmut hat ein schlechtes Gewissen. Dennoch wird eine richtige Affäre daraus. Helmuts Mutter (Angela Cenery, „Nachbarn sind zum Ärgern da“) findet Lindas Liebesbriefe und reagiert erzürnt. Sie informiert Lindas Mann und stresst herum, bis sich Günther gegen seine eigene Mutter richtet. Trotzdem wird am Ende dieser in der Ober- bzw. „gehobenen Mittelschicht“ spielenden Episode umgezogen. Blöd für Günther. Ein Zeichentrickintermezzo mit Statistik, diesmal zur Meinung Jugendlicher zu ihren Eltern, folgt wie gewohnt.

„9 von 10 Befragten, das sind 90 Prozent…“

Der 14-jährige Hubert (Arnim Hennig) interessiert sich für die körperliche Entwicklung seiner Schwester Carla (Sonja Spitzweg, „Die jungen Ausreißerinnen“), nennt seinen Vater Heinz (Günther Kieslich, „Schulmädchen-Report“) stets „Erzeugervater“ und hat auch eine per Rückblende erzählte Geschichte auf Lager. Der Erzeuger glotzt in der Stadt den Mädchen hinterher, schwingt zu Hause aber Reden gegen freizügige junge Frauen. In einer Bar gräbt er die junge Doris (Helene Sedlekova) an, die genervt reagiert und ihn auffordert, direkt zu sagen, was er wolle. Er blitzt ab und wird düpiert. Keine Ahnung, weshalb das in Huberts Rückblende vorkommt, aber sei’s drum. Jedenfalls kommt nun Carla ins Spiel, die mit Tiefbaustudent Olaf (Klaus Bradke, „Die Klosterschülerinnen“) liiert ist und sich mit ihm eine kurze Softsexszene liefert. Anschließend suchen sie gemeinsam besagte Bar auf, wo Clara von Doris erfährt, was los war. Doris beweist ihr, wie einfach es ist, Heinz abzuschleppen. Sie nehmen sich ein Zimmer, Doris zieht sich aus und… man redet über Altersunterschiede. Sie will, dass er erst duschen geht und wird anschließend von seinen Kindern überrascht. Dies war ein heilsamer Schock: Fortan lässt Heinz seine Kinder abends ausgehen, was er ihnen bisher untersagt hatte.

„Aber das ist doch alles ein saudummer Scheiß!“

Nach einem Intermezzo über Eltern stellt sich Michael (Gerhard Ruhdorfer), sechzehneinhalb, vor und berichtet aus dem Off, vor 14 Tagen mit Hilde (Kati Kienzle, „Die Klosterschülerinnen“) von gegenüber gevögelt zu haben. Die sei zwar erst 14, zeige aber gern ihre Brüste am Fenster. Hildes Vater Franz (Uli Steigberg, „Deep End“) findet ihre Klamotten ohnehin zu kurz und erfährt zu allem Überfluss am Frühstückstisch von seiner Frau, dass sein Töchterchen keine Jungfrau mehr sei. Er reagiert stocksauer, zumal seine Frau ihr die Pille erlaubt hatte. Er konfrontiert Michaels Vater (Josef Fröhlich, „Urlaubsreport – Worüber Reiseleiter nicht sprechen dürfen“) damit und geht sogar auf Michael los. Nun schimpft auch noch Michaels Vater mit seinem Sohn und will ihn ins Internat schicken. Franz wiederum schimpft mit seiner Tochter, die sich jedoch alsbald heimlich mit Michael in der Mühle trifft. Es stellt sich heraus, dass sie bis dato noch gar nichts miteinander hatten! Nun legen sie es aus Trotz aber darauf an. Beide ziehen sich aus, eine ungelenke Softsexszene wird kurz angedeutet, dann will sie doch nicht mehr und zieht sich wieder an. Beim Frauenarzt beweist sie ihren Eltern schließlich, dass sie noch unberührt ist, woraufhin der Arzt zwischen den Fronten vermittelt. So versöhnen sich die Struckmeiers mit den Kohsiecks. Witzige Wendung: Just in diesem Moment machen Hilde und Michael tatsächlich miteinander herum…

„Auf gute Nachbarschaft!“

Ein weiteres Intermezzo leitet über zum 15-jährigen Kochlehrling Peter Baumeister (Wolfgang Grimm). Der hat strenge Chefs und lässt versehentlich eine Packung Kondome in die Salatschüssel fallen. Bei einem jungen Kollegen holt er sich Ratschläge für sein Rendezvous mit Anni (Monika Hagen, „Lehrmädchen-Report“), einer wunderschönen Blondine – und berichtet sein Erlebnis aus dem Off: Anni und er liegen auf Tierfellen und sind so scheu, dass niemand den Anfang macht. Anni ergreift schließlich die Initiative, indem sie so tut, als habe sie etwas gestochen, und ihr Oberteil liftet. Sie verlangt, dass er sie auszieht, doch zum Beischlaf kommt’s nicht mehr. Am nächsten Tag beschwert er sich bei seinem Kollegen über die falschen Tipps. Gemeinsam rätselt man über die richtige Herangehensweise.

Das obligatorische Intermezzo gibt die nächste Statistik zum Besten. Dann heißt es Bühne frei für den 16-jährigen Max (Sascha Hehn, „Mädchen beim Frauenarzt“). Der hat katholische Eltern und deshalb sieben Geschwister. Seine Freundin ist die Balletttänzerin Bibi (Astrid Kilian, „Wilder Sex junger Mädchen“), mit der er sich nur heimlich treffen kann. In ihrer Garderobe wollen sie intim werden, werden jedoch gestört. Er versteckt sich, als andere den Raum betreten, darunter eine Opernsängerin (Maria Raber, „Josefine Mutzenbacher“). Diese freut sich, Max zu entdecken, zieht ihn aus und verführt ihn. Acht Tage später ist sie wieder da und schnappt sich sofort Max, obwohl er weiterhin mit Bibi zusammen ist. Er kann nicht, also nimmt sie sich kurzerhand einen Bühnenarbeiter. Bibi ahnt, dass ihr Max ihr fremdgegangen ist und der Film endet alsbald ganz abrupt ohne Abspann.

Schröders Film ist deshalb nicht uninteressant, weil er zwar klar der Sexploitation zuzuordnen ist, aber weniger Altherrenfantasien bedient als sich vielmehr als Anwalt der Jugend gibt und für selbstbestimmte weibliche Sexualität eintritt. In Zusammenhang mit der Zurschaustellung Minderjährige spielender Darstellerinnen und Darsteller bleibt da natürlich ein Geschmäckle, jedoch reizt Schröder diesen Aspekt nicht allzu sehr aus und verzichtet weitestgehend auf Sexszenen. Viele Episoden handeln davon, dass es eben nicht zur Kopulation kommt. Sexuelle Verhältnisse zwischen den Generationen finden ausschließlich zwischen älteren Frauen und Jünglingen statt; sich an ältere Männer heranschmeißende Nymphchen gibt es hier nicht und wer wie Heinz mit einem Teenie ins Bett will, bekommt dafür die Quittung. Das mag den einen oder anderen Voyeur enttäuschen, zeugt aber von einem gewissen Fingerspitzengefühl, das anderen Reportfilmen der 1970er völlig abging. Sogar der Humor ist hier subtiler als unter anderen Fummelfilm-Regisseuren, wenngleich er wahrlich keine Bäume ausreißt und es nun auch nicht sonderlich viel gibt, das den Film so richtig interessant machen würde.

Viele Pointen sind mau, die „Berichte“ wirken gekünstelt statt authentisch, die ach so frechen Sprüche klingen spätestens heute altbacken und der pseudowissenschaftliche Anstrich ist lachhaft. In Summe ergibt all das jedoch einen zumindest teilweise nett unterhaltsamen, bunten und kurzweiligen Ausflug in die Subgenre-Historie mit einem wie üblich zeigefreudigen Ensemble (darunter der blutjunge Sascha Hehn), der als No-Brainer an einem Sonntagabend durchläuft, ohne zu verstören, aber auch mehr als nur erahnen lässt, weshalb solche Filme schon lange nicht mehr gemacht werden: Die exploitative Behandlung der Sexualität Minderjähriger für ein älteres Publikum ist ein moralisches Minenfeld.
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Impfgegner – Wer profitiert von der Angst?

„Impfungen sind immer ein Stück weit Opfer ihrer eigenen Erfolge. Je effektiver Impfungen funktionieren, desto geringer sind Ängste vor Infektionskrankheiten. Umso stärker ist dann die Impfskepsis.“ (Historiker Malte Thiessen)

Der französische für den Fernsehsender Arte produzierte Dokumentarfilm „Impfgegner – Wer profitiert von der Angst?“ stammt von der Journalistin Lise Barnéoud, die für ihn mit Marc Garmirian, Colette Camden und Flora Bagenal zusammenarbeitete. Er wurde im Jahre 2021 auf dem Höhepunkt der Anti-Impf-Hysterie während der Covid-19-Pandemie ausgestrahlt.

Dieser rund eineinhalbstündige Film begnügt sich nicht damit, den damaligen Ist-Zustand zu dokumentieren, sondern geht bis in Jahr 1998 zurück und nennt ganz konkret Ross und Reiter, was ich in anderen Berichten, Reportagen und Dokus häufig vermisse. So dröselt er genau auf, wie sehr Impfskepsis, -angst und -gegnerschaft auf den karrieristischen, narzisstischen Scharlatan und ehemaligen britischen Arzt Andrew Wakefield zurückgehen. Dieser veröffentlichte 1998 im hochangesehen Fachjournal „The Lancet“ eine gefälschte Studie, in der er einen Zusammenhang zwischen der kombinierten Impfung gegen Mumps, Masern und Röteln und Autismus-Fällen bei Kindern behauptete. Aufgrund der guten Reputation jener Fachpostille griffen die Medien das Thema auf und trugen es in die Gesellschaft, die es dadurch verunsicherte und in der die Impfquote daraufhin deutlich abfiel – was leider tatsächlich Kinder das Leben kostete.

Die Studie war jedoch von einem Anwalt gekauft, der im Auftrag seiner Klienten den Hersteller des Kombinationsimpfstoffs verklagen wollte. Zugleich plante Wakefield davon zu profitieren, denn er wollte mit einem eigenen Patent auf einen nur gegen Masern gerichtete Impfstoff Millionen scheffeln. Als der Fehler des „Lancet“, eine manipulierte Studie ungeprüft veröffentlicht zu haben, aufflog, war das Kind längst in den Brunnen gefallen. Zwar wurde Wakefield die Zulassung als Arzt entzogen, doch dieser ging ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten, wo er sich seither als eine Art Guru verehren lässt und das große Geld macht. Es ist das klassische Geschäft mit der Angst, das immer noch am besten funktioniert. In besonders verachtenswerter Weise schrieb er ein Problem herbei, das es nicht gab, verkauft vermeintliche Lösungen dafür und schafft damit weitreichende reale Probleme. Zahlreiche weitere Scharlatane ließen sich davon inspirieren, betreiben Desinformationskampagnen und empfehlen oder verkaufen wirkungslose bis gefährliche „alternative Lösungen“ bis hin zum Trinken von Chlorbleiche.

Der Film spannt den Bogen bis zu absurden Covid-19-Verschwörungstheorien wie per Impfung implantierten Mikrochips oder durch die Impfungen angestrebte Bevölkerungsreduzierung, lässt – neben Expertinnen und Experten und in die Aufdeckung der Machenschaften Wakefields und Konsorten Involvierter – aber auch Impfgegnerinnen und -gegner selbst zu Wort kommen, vom Biobauern mit nachvollziehbarer Pharmachemie-Skepsis über Impfpassfälscher bis hin zu einer durchgeknallten Homöo- und Soziopathin. Auf der anderen Seite finden sich beispielsweise der junge Ethan, Sohn einer radikalen Impfgegnerin, der sich impfen lassen möchte, sowie diejenigen, die aktiv gegen Desinformationen und Scharlatanerie vorgehen. Bei alldem leibt der Film stets besonnen, sachlich und verurteilt niemanden, sondern hält sich an nüchterne Fakten, zeigt gar empathisch Verständnis für die elterliche Angst vor autistischen Kindern oder sonstigen Schädigungen des Kindeswohls.

So vernünftig ein gewisses Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen und Vorgaben nicht nur in autoritären, antidemokratischen, sondern auch in kapitalistischen Systemen auch ist – wird daraus blindes Vertrauen in vermeintliche Heilsbringer, ist das nicht Sinn der Übung. Kluge Menschen entwickeln gesunde Skepsis, Idioten laufen skrupellosen Scharlatanen hinterher. Besonders absurd wird’s, wenn diese ausgerechnet von jenen reichgemacht werden, die den Pharmaherstellern Profitmacherei vorwerfen.

Wäre man näher darauf eingegangen, weshalb die Pharmaindustrie (Big Pharma) dennoch in der Tat kritikwürdig ist, hätte verständliche und berechtigte Ängste aufgrund tatsächlich möglicher und ja auch erfolgter Impfnebenwirkungen bis hin zu Todesfällen aufgegriffen und vielleicht auch noch einmal ganz Grundlegendes zum Thema Impfen erklärt – ein Wissen, das in immer ungebildeter werdenden westlichen Gesellschaften nicht mehr vorausgesetzt werden kann –, hätte es diesen Dokumentarfilm ideal abgerundet.
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Beyond the Limits

„Machen Sie es sich gemütlich!“

Der ehemalige deutsche Amateur-Splatter-Papst und Spezialist für blutige Spezialeffekte Olaf Ittenbach schlug nach „Premutos“ konsequent den Weg eines Independent-Filmemachers ein, der mit höheren Budgets arbeiten und damit das realisieren konnte, was man gemeinhin unter „richtigen“ Filmen versteht. Auf „Legion of the Dead“ folgte im Jahre 2003 „Beyond the Limits”, ein fieser Bastard aus Gangster- und Historien-Mystery-Splatterfilm. Ich sah leider nur die gekürzte Fassung, von der ich mir versprach, zumindest die Handlung des Films nachvollziehen zu können.

„Und heute Abend wird noch gefickt!“

Der Friedshofswächter Frederick (Christopher Kriesa, „The Dentist“) erzählt der Journalistin Vivian (Kimberly Liebe, „Legion of the Dead“) die Lebensgeschichte des just angelieferten toten Gangsters Robert Downing (Daryl Jackson, „Garden of Love“). Dieser war damit betraut worden, eine mysteriöse uralte Reliquie zu besorgen, das „ewige Herz“, das sich ausgerechnet im Besitz des Mafiabosses Jimmy Levinson (James Matthew-Pyecha) befinden soll… Im Anschluss an diese äußerst garstige Geschichte will Vivian mehr über jene ominöse Reliquie erfahren, sodass Frederick weiter ausholt und vom finsteren Mittelalter erzählt, als in England David Deming (David Creedon, „The Rescue“) und dessen Hiwi Brewster (Russell Friedenberg, „Angels!“) Jagd auf Ketzer machten und ebenfalls hinter dem „ewigen Herz“ her waren…

„Das war furchtbar, was?“

Im Prinzip ist „Beyond the Limits“ also ein Episodenfilm mit zwei Erzählungen, die von einer Rahmenhandlung miteinander verbunden werden. Zunächst aber fährt die Kamera über den Friedhof und hält an verschiedenen Grabsteinen inne, wenn die Namen des Schauspielensembles eingeblendet werden – welch hübsch makabre Idee. Der Friedhof ist zugleich der Ort der Rahmenhandlung, also Fredericks Gesprächen mit Vivian. Es handle sich um den bekanntesten Friedhof der Gegend, zudem feiere Frederick in Kürze sein zehnjähriges Jubiläum als Friedhofswächter und sei Vivian an den Schicksalen seiner „Kunden“ interessiert.

Fredericks Ausführungen bilden dann die beiden als Rückblenden inszenierte Episoden, die erwartungsgemäß voller Grausamkeiten stecken. Mafioso Levinson lässt die Frau seines Konkurrenten Paul Pattucci (Joe Cook, „Riverplay“) misshandeln und ermorden. Eine weitere Rückblende zeigt Paul, wie er „nur noch diesen einen Job“ zu erledigen gedachte. Dann stirbt auch Paul. Nach einem Szenenwechsel bemüht Ittenbach ein typisches Horrorfilm-Klischeeunwetter, während Downing Levinson aufsucht. Dieser hält seinen Besucher für einen Rächer Pauls und reagiert entsprechend. Die Episode gerät zur Gangster-Scharade inklusive moderner Kameraspielereien. Weitere Figuren werden eingeführt, die Folge sind Schießereien, Folter und Sadismus. Das „ewige Herz“ liegt derweil in einem Koffer, und diese offenbar von Tarantino und Konsorten beeinflusste Gangstermär will nicht so recht zünden. Es wirkt, als habe Ittenbach Inhalt und Stil mehr schlecht als recht zu kopieren versucht und seine harsche Brutalität hinzugefügt.

„Ich stehe in der Verantwortung der Kirche!“

Schon besser weiß die zweite, im Mittelalter spielende Episode zu gefallen. Der Mönch James Flynn (Hank Stone, „Der Patriot“) soll wegen Ketzerei verhaftet werden. Pikanterweise macht ausgerechnet dessen ehemaliger Schüler Deming Jagd auf ihn, weil er ans „ewige Herz“ will, das sich in dessen Abtei befinden soll. Dieses soll, wie man nun erfährt, das Geheimnis des ewigen Lebens enthalten, zudem soll sich Flynn auch im Besitz einer Übersetzung der Gebrauchsanleitung befinden. Dennis (Darren Shahlavi, „Bloodmoon – Stunde des Killers“), der junge Assistent des Inquisitors, übt Kritik und macht mit seiner Freundin Annabelle (Natacza Soozie Boon, „Garden of Love“) herum. Flynn wird gefoltert und ihm ein Auge ausgestochen. Man versucht’s mit Menschenopfern fürs Herz (das liest sich seltsam, ich weiß), Zeit für Ittenbachs Splatter- und Gore-Einlagen. Schließlich wird Flynn auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Insbesondere Brewster tut sich als ausgemachter Fiesling hervor. Man versucht, all die Morde Annabelles Familie in die Schuhe zu schieben, Rooster vergewaltigt Annabelle und tötet ihren Vater. Dennis reicht's jetzt, also wird noch mehr gemetzelt.

„Geht und tut Buße!“

Die zweite Episode gerät auch in der zensierten Fassung zur reinsten Schlachtplatte, hat mit ihrer kirchenkritischen Handlung zudem die bessere Geschichte zu bieten. Hank Stone trägt eine klasse Charakterfresse spazieren und als Pointe winkt eine schnieke Höllenvision. Die Eindimensionalität der Figuren zieht sich jedoch durch beide Episoden, was – Qualität der grafisch expliziten Spezialeffekte hin oder her – auch aufgrund Ittenbachs Versuchen, seinen Film möglichst humorlos, dafür umso böser und zynischer erscheinen zu lassen, auf Dauer ermüdend wirkt. Zudem wartet man vergeblich darauf, dass das ominöse „ewige Herz“ noch für einen besonderen Clou gut wäre. Diese dem Film ja als Aufhänger dienende Idee ist schwach ausgearbeitet und bleibt sehr vage. Letztlich bietet „Beyond the Limits“ für meinen Geschmack nur Durchschnitt, denn es mangelt ihm an erzählerischer Finesse, Seele und, ja: Herz. So richtig Lust, mir die weiteren Gewaltexzesse der vollständigen Fassung anzusehen, verspüre ich da nicht – und Ittenbachs Frühwerk empfinde ich als wesentlich kultiger.

4,5 von 10 Interviews auf Friedhöfen
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Polizeiruf 110: Der Wanderer zieht von dannen

Sachsen-Anhaltinisch noir

„Sieht nach ‘nem klassischen Badewannenunfall aus.“

Nach ihren Fällen aus den Jahren 2021 und 2024 tritt das Hallenser „Polizeiruf 110“-Kripoduo Henry Koitzsch (Peter Kurth) und Michael Lehmann (Peter Schneider) mit seinem dritten und leider letzten Fall „Der Wanderer zieht von dannen“ ab. Der Titel ist erneut dem Volkslied „An der Saale hellem Strande“ entlehnt, das in Teilen durch die handelnden Figuren rezitiert wird. Und erneut verfasste Clemens Meyer das Drehbuch zusammen mit Thomas Stuber, der wieder mit der Inszenierung betraut wurde. Die Uraufführung erfolgte am 1. Dezember 2025 auf der Weimarer Televisionale, die Erstausstrahlung folgte am 15. Februar 2026.

„Zu viel Fernsehen geguckt, was?“

Katrin Sommer (Cordelia Wege), jene attraktive Frau, die mit Uwe Baude, dem Opfer aus dem ersten Teil der Trilogie, liiert war, schaut auf der Wache vorbei und berichtet Kommissar Lehmann davon, gestalkt zu werden. Der verweist sie an einen Kollegen. Anschließend wird er zusammen mit seinem Kollegen Koitzsch zu einem Leichenfund in einer Plattenbauwohnung gerufen. Hausmeister Trojanowitz (Henning Peker, „Als wir träumten“) hat die ältere Dame Frau Krüger (Sibylle Maria Dordel, „Mein Falke“) tot in ihrer Badewanne gefunden. Zunächst sieht alles nach einem Unfall aus, doch Koitzsch bemerkt, dass etwas nicht stimmt – handelte es sich um einen Raubmord? Im Zuge der Ermittlungen kommt man einer Mordserie auf die Spur, die Verbindungen zu Baudes bisher unaufgeklärtem Tod aufweist…

„Er sucht sich die Alten, Schwachen, Einsamen…“

Mit der ersten Einstellung wird der Zuschauerschaft suggeriert, sie befinde sich zusammen mit einem Toten in einem Kühlfach innerhalb der Leichenhalle. Die eine oder andere weitere morbide Spitze wird folgen in diesem sonnigen, sommerlichen und dennoch verdammt düsteren Fernsehkrimi. Koitzsch ist äußerst wortkarg und trägt permanent eine Leichenbittermiene im Gesicht. Zudem hat er Visionen, die auch das TV-Publikum zu sehen bekommt und sich stets erst im Nachhinein als Koitzschs subjektive Wahrnehmung herausstellen. Wir sehen die nackte Leiche in der Wanne und lernen Rita Schmidtke (Jule Böwe, „Leif in Concert“) kennen, die die bindungssüchtige, promiske Katrin in einer Selbsthilfegruppe kennenlernt und sich mit der etwas spröden und verschlossenen Frau anfreundet. Der erste Verdächtige, der Hausmeister, ist spätestens dann keiner mehr, als er in der Wohnung der Toten nach Ersparnissen sucht und prompt vom Täter überrascht wird, der wiederum von unseren Kripobullen überrumpelt wird.

Damit ist der Fall – bzw. sind die Fälle – aber noch lange nicht gelöst. Kurze Flashbacks rufen den Mittelteil der Trilogie in Erinnerung, vor allem aber den ersten Teil, wenn sich die Hinweise verdichten, dass zu diesem eine Verbindung besteht. Klassische Polizeiarbeit findet statt, spielt gegenüber der traurig-melancholischen Atmosphäre, die Koitzsch mit jeder Zelle verkörpert, aber die zweite Geige. Mitraten lässt sich prima und ist bald auch gar nicht so schwer, es bleibt jedoch die Frage nach dem Motiv des Blumenblüten als sein Zeichen an den Tatorten hinterlassenden Täters. Koitzsch sucht einmal mehr seinen alten Knackikumpel Roman (Thomas Lawinky) im Bau auf und erfährt so von – für mein Empfinden etwas weit hergeholten – Stasi-Seilschaften. Dieser „Polizeiruf“ ist spannend, mysteriös und legt den Fund zwei weiterer Leichen obendrauf, zieht die Schraube immer weiter an. Stuber und Meyer arbeiten mit Thriller-Elementen, die sie sehr gut beherrschen, und appellieren an die Urangst, unwissentlich nicht allein zu Hause zu sein – was möglicherweise als weiterer Wink mit dem Zaunpfahl gen MfS-Vergangenheit Ostdeutschlands verstanden werden will.

Doch es geht eigentlich um etwas anderes: um Einsamkeit, den Wert, der in Tristesse gefangenen Menschen zugemessen wird, und darum, wie lebenswert das Leben dennoch ist. Das Motiv des Täters bleibt bis zum Schluss leider vage, darüber hätte man gern mehr erfahren. Die volle Härte dieses Hallenser Schwanengesangs bleibt dem Publikum glücklicherweise erspart, wenngleich der Film damit nicht all in geht. Der Epilog stimmt mit seinem Happy End sogar derart versöhnlich, dass man meinen könnte, das Team habe Angst vor seiner eigenen Courage bekommen. Hängen bleibt aber vor allem der Noir-Stil aller drei Hallenser Episoden mit seiner bedrückenden, dabei zugleich überaus nachvollziehbaren Stimmung. Und die Klanghölzer im Score, die mich immer wieder angenehm an Lalo Schifrins Soundtrack zu „Der Mann mit der Todeskralle“ erinnerten.
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Goldenes Gift

„Du hast immer irgendwelche Geheimnisse!“

Der US-Film-noir „Goldenes Gift“ aus dem Jahre 1947, inszeniert vom Franzosen Jacques Tourneur („Ich folgte einem Zombie“) und geschrieben von Daniel Mainwaring, der damit seinen eigenen Roman für die Leinwand adaptierte, gilt als einer der Höhepunkte des Genres.

„Ein Mann mit 'nem Revolver ist wie 'ne Frau mit Stricknadel!“

Jeff Bailey (Robert Mitchum, „Späte Rache“) betreibt eine Tankstelle in der kalifornischen Kleinstadt Bridgeport und ist im Begriff, seine Freundin Ann (Virginia Huston, „Nocturne“) zu ehelichen, als ihn seine Vergangenheit einholt: Er wird von Joe Stephanos (Paul Valentine, „Blutsfeindschaft“) gefunden, der ihn darüber unterrichtet, dass der Gangster Whit Sterling (Kirk Douglas, „Die seltsame Liebe der Martha Ivers“) ihn sehen wolle. Jeff sieht sich gezwungen, Ann reinen Wein einzuschenken und ihr zu erzählen, dass er eigentlich Jeff Markham heißt und zusammen mit seinem Partner Jack Fisher (Steve Brodie, „Land ohne Gesetz“) einst ein Detektivbüro in New York unterhielt. Sterling hatte ihn beauftragt, seine Freundin Kathie Moffat (Jane Greer, „Dick Tracy“) aufzuspüren, die auf ihn geschossen und um eine erkleckliche Stange Geld erleichtert hatte. Jeff reiste nach Acapulco, wo er Kathie fand und sich in sie verliebte. Gemeinsam hintergingen sie Sterling und begannen in San Francisco zusammen ein neues Leben. Doch als Jeffs ehemaliger Partner Jack seinen Anteil an der Beute einforderte, erschoss Kathie ihn und floh. Jeff versteckte Jeffs Leiche und tauchte unter neuem Namen in Bridgeport unter. Zu seiner Überraschung stellt Jeff fest, dass Kathie mittlerweile wieder mit Sterling liiert ist, der Jeff beauftragt, ihn in Steuerangelegenheiten belastendes Material vom Anwalt Leonard Eels (Ken Niles, „The Inner Circle“) zu stehlen. Dafür sei er anschließend mit Jeff quitt. Doch Jeff bekommt Wind davon, dass Sterling ein Mordkomplott gegen Eels plant – und den Verdacht auf ihn lenken will…

„Wir verdienen einander!“

Die ausgedehnte Rückblende des in kontrastreichem Schwarzweiß fotografierten Films wird zuweilen von Jeff aus dem Off kommentiert, womit Erscheinungsbild und Struktur archetypisch Film noir sind. Kurz vor der Hälfte endet die spannend erzählte Analepse. Fortan liefern sich Jeff und Sterling einen Wettbewerb darin, sich gegenseitig jeweils einen Schritt voraus zu sein, obwohl die eigentliche Strippenzieherin Kathie ist. Was ziemlich aufregend beginnt, gerät im letzten Drittel dramaturgisch eigenartig ins Stocken und wird, so mein Eindruck während der Erstsichtung, komplizierter erzählt als nötig. Dafür sind das Ende und der Epilog sehr gelungen – und dass nicht alle Fragen in aller Eindeutigkeit beantwortet werden, tut dem Film letztlich gut. Mit Sicherheit ist Kathie eine der schlimmsten Opportunistinnen des Genres und somit eine Femme fatale par excellence.

Ein Pfund des Films sind die zwischen US-Großstadt, -Hinterland und mexikanischem Acapulco changierenden Drehorte, ein weiteres die Besetzung: Mitchum spielt seine Rolle als Privatdetektiv und Tankstellenbetreiber mit einer später oft kopierten Lakonie; Kirk Douglas stand noch ganz am Anfang seiner Karriere, empfahl sich mit seiner Leistung für etliche weitere Rollen, und Jane Greer ist hinter ihrer lieblichen Fassade wunderbar teuflisch und verschlagen. Die von ihr verkörperte Kathie erfährt im Roman übrigens ein anderes Ende, das ihn unterm Strich noch etwas härter als den Film machen dürfte.

Ich vergebe 7 von 10 Angelhaken unter Vorbehalt, denn ich spüre, dass da tatsächlich noch Luft nach oben sein, der Film seine ganze Pracht erst noch entfalten könnte. Eine Zweitsichtung wird beizeiten Gewissheit bringen. Zunächst aber muss die Neuverfilmung „Gegen jede Chance“ aus dem Jahre 1984 her, der seinerzeit recht populär war und dessen von Phil Collins beigesteuerter Soundtrack-Song „Against All Odds (Take a Look at Me Now)“ zum Evergreen avancierte.
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Nikos the Impaler

„Oh Gott, sieh dir diesen Mist mal an. Kaum zu glauben, dass sich diese Menschen Künstler nennen, geschweige denn Menschen.“

Nach „Demonium“ drehte der deutsche Amateur-Splatter-Filmer Andreas Schnaas die Fantasy-Horror-Komödie „Nikos The Impaler“, die er offenbar als vierten Teil seiner „Violent Shit“-Reihe verstanden wissen will. Hierfür reiste er eigens in die USA nach New York City und drehte mit einem internationalen Ensemble. Die Hauptrolle übernahm er höchstpersönlich.

„This makes no fucking sense!“

Vor 1.000 Jahren musste der sadistische rumänische Krieger Nikos (Andreas Schnaas) dran glauben, nach hunderten Gräueltaten und Morden wurde er gelyncht – schwor aber Rache. In der Gegenwart findet eine Ausstellung in einer Galerie in New York City statt, die das altertümliche Rumänien und die damit verbundenen Schrecken zum Thema hat. Kunstprofessor Frank Heller (Joe Zaso, „Demonium“) und die Lehrerin Sandra Kane (Felissa Rose, „Sleepaway Camp“) mitsamt ihrer Schulklasse zählen zu den Gästen. Als ein Dieb die ausgestellte Maske Nikos‘ stehlen will, erschießt er einen Wachmann und wird selbst getroffen, sein Blut gerät auf die Maske und erweckt den Schlächter zum Leben. Dieser fackelt nicht lange und metzelt sich mit seinem Schwert durch die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung, bis er schließlich die Straßen der Metropole unsicher macht…

„Gewalt verkauft sich!“

Im farbentsättigten Prolog geht es Nikos an den Kragen. Der Massenmörder wehrt sich noch, bis ihm einer seiner Verfolger das Gesicht abreißt. Der entstellte Nikos wird getötet, sein Darm baumelt aus seinem Körper. Er schwört Rache, beißt noch kurz in sein eigenes Gekröse wie der gute alte Man-Eater und bricht tot zusammen. Das klingt schlimm, wirkt aber vor allem albern. Im New York des Jahres 2002 spricht Professor Heller mit seinen Studierenden über die damaligen Ereignisse und die Folgen, was dann doch recht gut gemacht ist. Anschließend gibt’s viel Geplänkel in der Galerie, aber auch den Mord am Wachmann, in dessen Folge Nikos sein Comeback erlebt.

Das Museumsgeplänkel verfügt über einen überraschend gelungenen Humor: Alles total hässlich findende Besucher, bei ihren Kommilitoninnen abblitzende Studenten, eine nerdige Studentin, die mit ihrem unappetitliche Details aufweisenden Geschichtswissen andere dazu bringt, sich zu übergeben... Zur humorigen Ausrichtung passt dann auch das comichaft überzeichnete Gesplattere auf gehobenem Amateurniveau. Panik und Hysterie steigern sich mit jedem Toten und nach 56 Minuten geht's endlich raus auf die Straße – bis dahin handelte es sich quasi um ein Kammerspiel. Das Gemetzel weitet sich nun auf ein Fitnessstudio, ein Kino, in dem natürlich Schnaas-Filme laufen, und Läden des Rotlichtmilieus aus.

Das ist bis dahin für Schnaas- und Amateurverhältnisse größtenteils in Ordnung und, eine entsprechende geschmackliche Eichung vorausgesetzt, unterhaltsam guckbar, eine Nackt- und Duschszene einer Fitnessstudio-Mitarbeiterin bietet sogar einen leichten Erotiktouch. Doch noch vor Troma-Ikone Lloyd Kaufmans und Die-Ärzte-Drummer Bela B.s selbstironischem Gastauftritt zusammen mit Debbie Rochon in einer Videothek (mit Schnaas-Filmen im Schaufenster…) greift Schnaas plötzlich zu schlechten und unpassenden Fantasy-Spezialeffekten. Plötzlich gesellen sich völlig sinnbefreit auch noch ein Zombie und Ninjas dazu und der Film wird immer klamaukiger.

Damit nicht genug: Ein dicker Hitler – wie die anderen von Nikos aus den Videohüllen (!) zum Leben erweckt – stößt auch noch hinzu, angeführt von Nikos. Eine Vampir-Olle ist jetzt auch dabei, der Zombie schon wieder tot; Hitler stammelt etwas auf Deutsch und geht Nikos direkt auf den Sack, sodass er gleich wieder vernichtet wird. Ein Nazimädel in Tracht springt dazwischen ebenfalls herum, macht‘s aber auch nicht lange. Dieser miese, unlustige Trash drückt den relativ verheißungsvoll gestarteten Film leider doch wieder unter den Durchschnitt und muss als misslungener Versuch Schnaas‘, den Fun-Splatter-Bereich zu bedienen, betrachtet werden. Ein paar lachhafte computergenerierte Effekte konterkarieren zudem den Spaß an handgemachten SFX.

Die schauspielerischen Leistungen reichen von amateurhaft bis ganz gut (immerhin konnte man mit Felissa Rose eine echte Genre-Ikone gewinnen), Schnaas trägt einen sichtbares Wohlstandsbäuchlein unterm Kettenhemd spazieren. Der Soundtrack umfasst instrumentalen Metal und Elektroklänge bis hin zu nervigem Bauerntechno. Einmal mehr dürften die Filmemacher mehr Spaß gehabt haben als der gemeine Zuschauer und wenn ich 4 von 10 Punkten zücke, gilt das für Amateurverhältnisse. Schade, hier wäre mehr drin gewesen!
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Der dritte Mann

„Er war der übelste Schieber, den Wien je gesehen hat!“

Der ursprüngliche Film noir war eigentlich ein originär US-amerikanisches Genre. Einer der wenigen britischen Filme, die diesem Bereich weitestgehend zugeordnet werden können, stammt von Regisseur Carol Reed („Ausgestoßen“): der im Jahre 1949 veröffentlichte „Der dritte Mann“.

„Da war noch ein dritter Mann...“

Der US-amerikanische Schriftsteller Holly Martins (Joseph Cotton, „Im Schatten des Zweifels“) reist ins Nachkriegs-Wien, um seinen Freund Harry Lime (Orson Welles, „Citizen Kane“) zu besuchen. Vor Ort muss er sich jedoch berichten lassen, dass Harry Opfer eines tragischen Verkehrsunfalls geworden sei, an dessen Folgen er verstorben sei. Von Major Calloway (Trevor Howard, „Begegnung“) erfährt Holly zudem, dass Harry ein Schwerverbrecher gewesen sei. Diese Information kommt für Holly sehr überraschend, sodass er auf eigene Faust Nachforschungen anstellt – und mit widersprüchlichen Aussagen konfrontiert wird. Verdächtig ist zudem, dass Calloway ihn loswerden zu wollen scheint. Harrys ehemalige Lebensgefährtin Anna Schmidt (Alida Valli, „Der Fall Paradin“) und Holly erfahren von einem Portier (Paul Hörbiger, „Spione“), dass Harry nach dem Unfall noch gelebt habe und von drei Männern weggebracht worden sei. Im offiziellen Bericht ist jedoch lediglich von zwei Männern die Rede. Wer war der ominöse dritte Mann? Und weshalb muss der Portier diese Auskunft plötzlich mit seinem Leben bezahlen?

„Hauptsache ist, dass er tot ist!“

Der Film beginnt direkt in Wien, wo Major Calloway zunächst als Off-Erzähler in Erscheinung tritt. Die authentischen Schwarzweißbilder des nach dem Zweiten Weltkrieg von den Alliierten besetzten Wiens beeindrucken vermutlich umso mehr, je länger sie zurückliegen, denn in allzu vielen Spielfilmen dürfte man sie nicht zu sehen bekommen. Sie bilden die Kulisse eines Kriminal-Thrillers, der mit seiner Voice-over-Narration, der expressionistischen Schattenfotografie und seinem wenig Verheißung bereithaltenden Milieu- und Gesellschaftsbild dem Film noir verhaftet ist. Reeds Film ist mit Robert Kraskers Oscar-prämierten schrägen Kameraperspektiven faszinierend anzuschauen. Erinnerungswürdig sind wohl vor allem die am Prater spielenden Szenen, die toll gefilmte Verfolgungsjagd in der Kanalisation, Orson Welles‘ improvisierte Kuckucksuhr-Rede und die großartige, zum Genre perfekt passende Schlusseinstellung. Ach, und nicht zu vergessen: Anton Karas‘ sich als Thema durch den Soundtrack ziehendes charakteristisches Zither-Stück, das auch vom Film losgelöst zur populären Melodie avancierte.

„Wer war der dritte Mann?“

Über weite Strecken funktioniert „Der dritte Mann“ als Genrefilm nahezu perfekt, verliert ausgerechnet im letzten drittel jedoch seltsam an Drive und wird übermäßig ruhig. Eine für meinen Geschmack etwas fragwürdige dramaturgische Entscheidung, die das Filmerlebnis aber nur wenig schmälert. In die Figuren und ihren Umgang miteinander haben viele schlaue Köpfe viel hineininterpretiert; so symbolschwanger manche Szene aber sicherlich auch (beabsichtigt) sein mag: Den kompletten Film als politische Parabel oder ähnliches zu betrachten, halte ich für übertrieben und würde ich sein lassen, den „dritten Mann“ stattdessen als das nehmen, was er ist: Ein sehr gelungener, europäischer und besonderer Film noir.
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