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Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Verfasst: Mo 16. Mär 2026, 15:08
von buxtebrawler
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Garfield Gets a Life

Mit „Garfield Gets a Life“ (im Deutschen: „Garfield – So gewinnt man Frauen“, nur auf VHS erschienen und leider nirgends mehr erhältlich) endete nach zehn Jahren die für den US-Fernsehsender CBS produzierte Zeichentrick-Kurzfilmreihe um Jim Davis‘ Comic-Kater Garfield. Die Erstausstrahlung des rund 22-minütigen Films erfolgte am 8. Mai 1991. Die Inszenierung übernahm diesmal John Sparey anstelle Phil Romans.

Der Prolog zeigt Jon zusammen mit Garfield und Hündchen Odie beim Frühstück, und zumindest Jon und Garfield sind enorm angeödet. Man beschließt, endlich eine Frau im Haus zu benötigen, woraufhin Garfield einen Ratgeber aus Jons Bücherregal fischt und Jon erfolglos die verschiedenen empfohlenen Orte zum Frauenkennenlernen abgrast. Schließlich meldet er sich bei der „Lorenzo School for the Personality Impaired“ an, wo er Mona kennenlernt, die sich auch für ihn interessiert…

Wie Garfield sich gelangweilt, aber auch nicht willens, sich mehr zu bewegen als nötig durchs Fernsehprogramm zappt, hat schon etwas Mediensatirisches, zumal Fernsehbild-Realaufnahmen untergemischt werden. Vornehmlich dreht es sich in diesem Falle aber um den Junggesellen Jon, dessen Partnersuche zu einem lustigen, cartoonesk überzeichneten Ritt quer durch Dating-Klischees gerät. Die Musik mit exklusiven Stücken B.B. Kings („Monday Morning Blues (Blues for Mr. G)“) und der Temptations („Shake Your Paw“) ist hochkarätig, Zeichnungen und Animationen im gewohnt liebevollen Funny-Stil und das Tempo hoch.

Im Finale steht jedoch ein Konflikt, strenggenommen sogar zwei: Garfield wird eifersüchtig und hadert damit, dass Jon plötzlich liiert sein soll, woraufhin sich indes herausstellt, dass Mona eine Katzenhaar-Allergie hat und ein Zusammenleben somit nicht möglich wäre. Jon entscheidet sich ohne lange zu überlegen für seinen gefräßigen Stubentiger, bleibt aber mit Mona befreundet. Einerseits skizziert dies die irrationale Liebe von Menschen zu ihren Haustieren, andererseits wird der eigentliche Konflikt umgangen bzw. gar nicht erst als ein solcher thematisiert. Das ist etwas arg gefällig. Hätte man diesem letzten Kurzfilm zwei bis drei Minuten mehr spendiert, hätte man aus der Prämisse noch etwas mehr herausholen können.

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Verfasst: Di 17. Mär 2026, 16:14
von buxtebrawler
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Plötzlich wieder jung – Zurück in die 80er

„Eines Tages endest du allein und einsam!“

Per Zeitmaschine unverhofft zurück in die 1980er – diese Prämisse der US-Komödie „Hot Tub – Der Whirlpool... ist 'ne verdammte Zeitmaschine!“ greift auch diese französische 80s-Rollback-Komödie des Regisseurs Dominique Farrugia („Duo Infernale – Zwei Profis ohne Plan“) aus dem Jahre 2015 auf, die in Frankreich erfolgreich im Kino lief, es hierzulande aber lediglich zur Heimkino-Veröffentlichung brachte.

„Scheiße, haben wir einen gesoffen!“

Die beiden Mitvierziger Patrice (Kad Merad, „Willkommen bei den Sch'tis“) und Eric (Franck Dubosc, „Boule & Bill – Zwei Freunde Schnief und Schnuff“) sind beste Freunde, beneiden sich aber gegenseitig um ihr jeweiliges Leben. Patrice führt ein absolut solides Dasein als Gynäkologe, ist verheiratet und hat ein Kind – befindet sich aber inmitten einer Midlife-Krise. Eric hingegen ist ein ungebundener Casanova, der ein Sushi-Restaurant betreibt – und Steuerschulden angehäuft hat. Als sie betrunken in eine Zeitmaschine stolpern, erwachen sie verkatert und nackt im Jahre 1986 – ohne dies zunächst zu ahnen. Nun sind beide wieder 17 Jahre jung, stehen kurz vor ihrer Abiturprüfung und leben noch bei ihren Eltern. Patrices Frau ist noch nicht mit ihm liiert und lediglich eine Mitschülerin. Ist das nicht die Chance, die Weichen neu zu stellen und kurzerhand die späteren Leben miteinander zu tauschen…?

„Irgendwas ist hier nicht normal...“

Das Sujet ist so weit bekannt: Zurück in die Vergangenheit, um alles anders und besser zu machen; und der Film war am Puls der Zeit, erschien er doch auf dem Höhepunkt des ‘80er-Retro-Filmtrends. Bereits in der Gegenwart wird’s amüsant und popkulturell referenziell: Es wird suggeriert, dass beide viel herumgehurt hätten, bis sich herausstellt, dass Patrice Gynäkologe ist. Mit Eric unterhält er sich über das Synthie-Pop-Projekt Desireless, das in den 1980ern mit „Voyage, voyage“ einen Megahit landete, der zum Evergreen avancierte. Im Jahre 1986 angekommen, sehen die beiden im Spiegelbild und für alle anderen jung aus, nur fürs Filmpublikum nicht, woraus sich ein großer Teil des Humors speist. Zudem laufen sie in ‘80er-Jugendklamotten rum, was als witziger Kontrast fungiert. „In Between Days“ von The Cure erklingt als Teil des Soundtracks, „Top Gun“ soll in der nächsten Woche ins Kino kommen, Frankreich steht im Halbfinale der Fußball-WM in Mexico und die Bilder der Stadt sind im Stile des „Take On Me“-Videoclips der Norweger a-ha verfremdet. Auch das alte Kinderzimmer steckt voller Popkultur, vieles davon spezifisch französisch: Comic-Antiheld Gaston, Zeitschriften, ein Filmfoto aus „Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen“.

„Wir leben in den ‘80ern und das inspiriert mich!“

Die Begegnungen mit den Eltern weisen dann eher eine melancholische Note auf, bis Patrice und Eric schnell in ihre jugendlichen Verhaltensweisen zurückfallen und wie Teenager mit ihnen streiten, während die Alten ständig Ohrfeigen verteilen. Patrice und Eric versuchen an Geld zu kommen, indem sie Drehbücher später erfolgreicher Filme – z.B. „Willkommen bei den Sch‘tis“, in dem Patrice-Darsteller Merad die Hauptrolle spielte – verkaufen und ebensolche Popsongs vorsingen. Sie kommen nicht in die Clubs, also verschlägt es sie in die Rollschuhdisco. Patrice begegnet David Guetta als noch unbekanntem DJ und Eric trifft den jungen Zidane, den er ermutigt, weiter Fußball zu spielen. Der Humor inklusive der einen oder anderen Slapstick-Einlage ist überwiegend angenehm und gelungen, dabei weniger krawallig als im eingangs erwähnten „Hot Tub“.

Nach der starken ersten Hälfte gerät Farrugias Film jedoch zur relativ konventionellen Romantic Comedy. Zum Problem wird, dass sich Patrices Frau in Eric verliebt, womit Patrice dann doch gar nicht mehr so einverstanden ist und sich daran erinnert, weshalb er sie einst ehelichte. Zuweilen wird’s etwas rührselig und am Ende fügt sich doch vieles wieder so, wie es einst gekommen war – nur wesentlich besser, lebenswerter, aber auch vernünftiger. Ein bisschen was bleibt offen. Die promonogame und -familiäre Aussage des Films mag mancher als arg konservativ betrachten, ist meines Erachtens aber nichts per se Schlechtes und macht den Film eben zu einer Art Feelgood-Komödie – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Etwas mehr ‘80er-Musik im Soundtrack wäre aber nett gewesen – und dass „Voyage, voyage“ mehrmals zitiert wird, aber nie ertönt, ist ein mittlerer Skandal!

Im direkten Vergleich mit „Hot Tub“ ist „Bis“ (so der platzsparende Originaltitel) dennoch der bessere Film.

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Verfasst: Mi 18. Mär 2026, 15:53
von buxtebrawler
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Montrak – Meister der Vampire

„Frank, was ist denn los?!“

Der fränkische Gelegenheitsschauspieler und Amateurfilmer Stefan Schwenk debütierte im Jahre 2002 mit der Amateur-Splatter-Produktion „Montrak – Meister der Vampire“.

„Uah, ich muss scheißen! Warum passiert mir das immer, wenn ich geil bin?!“

Vampirfürst Montrak hatte einst eine Anhängerschaft um sich geschart, die jahrhundertelang dessen Wiederauferstehung und Machtübernahme anstrebte, es aber mit den Bloodguns, nicht lange skrupelnden Vampirjägern, zu tun bekommt. Diese wollen das entscheidende Ritual stören. Parallel versucht der von alldem nichts ahnende Jüngling Frank, bei seinem Schwarm Tanja zu landen – und gerät mitten in die erbitterten Kämpfe zwischen beiden Parteien…

Im Prolog reißt man mit tiefgestimmter Off-Erzählstimme kurz die Hintergrundgeschichte ab, dazu changieren Vorspannangaben mit kurzen Schwarzweißbildern eines Langhaarigen mit Vampirgebiss – Montrak, bist du’s? Anschließend befinden wir uns im Mittelalter (von dem böse Zungen behaupten, es habe in Bayern nie aufgehört) und bezeugen ein Wald-und-Wiesen-Live-Rollenspiel kostümierter Komparsen mit etwas Splatter und Gekröse. Keyboardklänge sollen für Atmosphäre sorgen. Nach etwas Ring-Palaver dann die Bayreuther Gegenwart des Jahres 2002: Frank (Stefan Schwenk) holt sich unter der Bettdecke einen runter und wird im Moment des in Zeitlupe gezeigten Ergusses von seinem jüngeren Bruder erwischt. Seine Schwester macht sich über ihn lustig, wenngleich ich wette, dass sie nicht so schön in Zeitlupe abspritzen kann wie Frankie.

Schwenk indes hat Gefallen an dieser Technik gefunden und setzt seine Zeitlupen inflationär, ob nun passend oder nicht, ein, als hole er sich tatsächlich einen darauf runter. Dazu gesellen sich einige Slapstick-Einlagen. Ein Mittelaltermarkt findet statt, parallel irgendwelcher dilettantisch und spannungsfrei erzählter Vampirkram. Die blutigen Effekte sind schlecht und ihr Tiefpunkt ist erreicht, als einem Mädchen eine Brust abgeschnitten wird. Man liefert sich Schießereien und lässt auch mal hardrockige bis metallische Töne erklingen; Stroboskopeffekte finden für Szenenübergänge Verwendung und passen dazu, dass Frank bei Tanja abblitzt. Wer dieses Wortspiel nun grottig fand, hat die aufgesagten Dialoge dieses Films und dessen provinziellen Humor noch nicht gehört. Zugegeben, so geht’s mir zumindest in Teilen selbst, denn die O-Töne sind zu leise und im fiesen Dialekt – ich verstehe kein Wort, vermisse dennoch keine Untertitel…

Der eigentliche Horror dieses Laientheaters ist das spießig deutsche Ambiente und die Eiche-rustikal-Inneneinrichtung. Freundinnen und Freunden pubertärer Selbstüberschätzung geht das Herz auf, allen anderen aber eher das Messer im Sack.

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Verfasst: Do 19. Mär 2026, 15:11
von buxtebrawler
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Death Time

„Die Sache war doch schon längst vergessen!“

Stimmt, sonderlich erinnerungswürdig ist dieser Low-Budget-Proto-Slasher des US-Regisseurs Joseph Mazzuca – sein letzter von nur drei Filmen – wirklich nicht. Interessant ist er dennoch, erschien er doch noch vor „Halloween“ und somit vor der endgültigen Ausdefinierung des Subgenres.

Als der Backfisch-Geheimbund „Die Schwestern“ vor sieben Jahren einmal mehr sein Aufnahmeritual durchführte, befand sich fürs Russisch Roulette plötzlich eine scharfe anstelle einer Platzpatrone im Revolver und tötete eine der Anwärterinnen. Sieben Jahre später werden die fünf Schwesternschaftlerinnen von einem Unbekannten in die Kleinstadt Paso Robles eingeladen, was sie prompt annehmen. Dort treffen sie auf Mark (Paul Carr, „Amputiert – Der Henker der Apokalypse“) und Joe (Joe E. Tata, „Rollerfieber“), die sie zu einer abgelegenen, aber luxuriösen Hacienda chauffieren. Diese entpuppt sich jedoch bald als Hochsicherheitstrakt, von dem es kein Entkommen gibt – und der ominöse Gastgeber als der Vater des damals getöteten Mädchens…

Der Prolog zeigt das schiefgehende Aufnahmeritual und weckt Hoffnung auf einen unterhaltsamen Film, denn er mutet zwar bizarr an, ist aber gut gemacht. Auch die schön unheimliche, unheilschwangere Titelmelodie macht Lust auf „Death Time“. Die eigentliche Handlung zieht sich jedoch arg, ist zuweilen richtiggehend zäh und in ihren Gewalteruptionen auch nicht sonderlich grafisch. Da die Schwesternschaft lange nicht weiß, was überhaupt los ist, verdächtigt man sich gegenseitig. Dass sie davon ausgehen, dass über den Todesfall von vor sieben Jahren längst Gras gewachsen sei, mutet reichlich kurios an. So richtig erstnehmen kann man das alles infolgedessen kaum. Laune macht hingegen, dass man die fünf Frauen – Judy (Claudia Jennings, „Hetzjagd im Sumpf“), Sylvia (Cheri Howell, „...Jahr 2022... die überleben wollen...“), Penny (Roxanne Albee, „Mannix“), Diane (Sherry Boucher, „Der Tiger hetzt die Meute“) und Francie (Sherry Alberoni, „Caged Women II – Gepeinigt und gequält“) – sehr unterschiedlich charakterisierte und dabei vor keinem Klischee Halt machte – was tatsächlich bereits stark ans spätere Slasher-Subgenre erinnert.

Die Kamera arbeitet mit einigen Point-of-view-Perspektiven, löst diese jedoch durch Zooms auf Augenpartie und Gesicht des Stierenden stets direkt auf. Ansonsten krabbelt noch eine Vogelspinne herum und überschlägt man sich gegen Ende mit gleich zwei überraschenden Wendungen. Für Slasher-Allesgucker und Subgenre-Archäologen ist „Tödliche Spiele“, so der deutsche Titel, Pflichtprogramm, für alle anderen aber wohl verzichtbar.

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Verfasst: Di 24. Mär 2026, 09:20
von buxtebrawler
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Mädchen, die nach München kommen

„München heute: Stadt der Kunst, der Wissenschaft, der Industrie. Studentenstadt. Olympia-Stadt. Stadt, in der die Zukunft schon begonnen hat!“

Produzent: Wolf C. Hartwig, Drehbuch: Günther Heller, Regie: Walter Boos – da weiß man, was einen erwartet. „Mädchen, die nach München kommen“ aus dem Jahre 1972 ist ein weiter Pseudo-Report-Sexploitation-Episodenfilm, der im Fahrwasser von „Schulmädchen-Report“ und Konsorten entstand.

„Hier ist die Lebenslust das Thema Nummer eins.“

Ein Voice-Over-Erzähler führt in die damalige Olympiastadt München ein, in die junge Frauen zum Studieren ziehen – und für mehr, wie der Film zeigen wird. Schöne Bilder der sommerlichen bayrischen Metropole, ein spaßiger Gag um Ausländer und eine launige Titelmelodie leiten zur ersten Episode über, in der die junge Cecile (Elfriede Payer, „Schulmädchen-Report, 4. Teil – Was Eltern oft verzweifeln lässt“) als Fremdenführerin eine Touristengruppe durch die Stadt führt. Sie erzählt uns, wie sie an den Job kam, was die reportfilmtypische teilkommentierte Rückblende einläutet, die sich hier um ein wenig Culture Clash, Sprachbarrieren und Gefummel dreht – und sexy Cecile splitterfasernackt präsentiert. Der Sohn ihrer Gastfamilie und auch andere prahlen, sie habe sie „reingelassen“, und ein Jungspund fensterl – eines von vielen Bayernklischees. Cecile täuscht vor, ihn verführen zu wollen, parkt ihn aber im Schuppen zwischen. Das Gleiche tut sie mit zig anderen potenziellen Stechern, was komödiantisch in beschleunigten Bildern gezeigt wird. Sie verhohnepiepelt die geilen Böcke nach Strich und Faden. Der Hausherr schießt gar eine Ladung Schrot auf einen von ihnen, woraufhin diese miteinander zu streiten beginnen. Nur mit dem Sohn des Hauses treibt Cecile es dann wirklich. Ein recht klamaukiger Auftakt.

„Mädchen, Mädchen, Mädchen – eine hübscher und knackiger als die andere!“

Ina Kaufmann (Ulrike Butz, „Der Krankenschwestern-Report“) kam 17-jährig vor zwei Jahren aus dem Ruhrpott nach München. Sie arbeitet als Erzieherin und kam zunächst als Kinderschwester bei den reichen Brüggemanns (Marlene Rahn, „Der neue heiße Report: Was Männer nicht für möglich halten“ und Harald Baerow, „Ich, das Abenteuer, heute eine Frau zu sein“) unter; deren Tochter, die kleine Sylvie, und Ina verstanden sich auf Anhieb. Frau Brüggemann ist eine MILF, die Ina in einen Bikini steckt – ihr Mann sehe „so was sehr gern“. Beim Spielen im opulenten Garten am Pool zieht Frau Brüggemann schließlich erst sich und dann Ina ganz aus, die Kamera tastet ihre Körper ab. Frau Brüggemann stürzt sich auf Ina, doch diese will nicht und protestiert. Herrn Brüggemann hingegen findet sie toll. Sie geht mit ihm aus, verliebt sich in ihn und wird seine Geliebte, was in eine Softsexszene mündet. Sie werden von Frau Brüggemann erwischt, woraufhin sich Ina am nächsten Morgen davonschleicht, aber von Sylvie aufgehalten wird. Frau Brüggemann treibt’s dafür mit ihrem Friseur (André Eismann, „Laß jucken, Kumpel!“), wie eine weitere Softsexszene veranschaulicht, und wird dabei wiederum von Ina erwischt. Frau Brüggemann will, dass Ina bleibt, doch diese zieht empört von dannen. Inzwischen ist sie glücklich verheiratet. Ulrike Butz spielt ihre Rolle ziemlich gut, wenngleich diese Episode Altherrenfantasien vom willigen Kindermädchen bedient.

„Hat die a Fotzerl!“

Im Biergarten läuft Blasmusik, ein alter Knacker zeigt dem Kamerateam dort die Sexanzeigen der Münchner Abendzeitung und gibt sich als Gerichtsvollzieher Gründl (Ludwig Wühr, „Schulmädchen-Report, 3. Teil – Was Eltern nicht mal ahnen“) zu erkennen. Also erzählt er seine Geschichte: Im Büro hatte er eine Sekretärin aus Hamburg, für ihn eine „Preußin“. Ellinor Grünewald (Dorit Henke, „Blutjunge Verführerinnen“) heißt die Gute, die übern spitzen Stein stolpert und sehr sexy ist. Oberinspektor Huber (Josef Fröhlich, „Lehrmädchen-Report“) versucht, sie zu vergewaltigen, was der Film bemüht humoristisch darzustellen versucht und im Ergebnis eine alberne Farce ist. Glücklicherweise wird der Kerl gestört. Anschließend streicht er „Mausis Massagesalon“ an, was Gründl durch Zufall entdeckt. Dort trifft Huber Ellinor und kommt mit ihr ins Geschäft. Gründl spioniert ihr nach und wir sehen in einer Point-of-view-Perspektive Hubers, wie ihre nackten Brüste über ihm baumeln. Seine schwankende Erektion unterm Handtuch wird begleitet von „lustigen“ Geräuschen, er hat Erektionsprobleme. Nach etwas Gefummel führt Gründl weiter aus, dass Ellinor bald gekündigt habe und nun hauptberuflich Masseuse sei. Am Ende taucht der Huber mit seinem Drachen von einer Frau im Biergarten auf. Dieser bekommt hier also sein Fett weg, wobei der Versuch der lustigen Darstellung einer Vergewaltigung unter aller Kanone ist.

„Die Damen wollen halt auch leben!“

Anja (Christina Lindberg, „Verbotene Früchte der Erotik“) kommt aus einer Kleinstadt bei Hannover und lebt seit einem Dreivierteljahr in München. Sie zog auf eine Annonce, dass eine Stenotypistin gesucht werde, in die bayrische Hauptstadt. Doch das Unternehmen existiert gar nicht mehr. Als sie dort vor verschlossener Tür steht, schimpft ein urbayrisches Kittelschürzengroßmütterchen (wie immer: Rosl Mayr, „Paragraph 218 – Wir haben abgetrieben, Herr Staatsanwalt“) irgendetwas Unverständliches, dem ich zumindest entnehmen konnte, dass die Unternehmer jetzt wohl gesiebte Luft atmen. Sie empfiehlt Anja die Hostessenagentur Herrn Weigands (Karel Otto, „Tatort: Kressin stoppt den Nordexpress“), der sich als schmieriger Typ mit schlechten Scherzen heraus-, Anja aber stehenden Fußes einstellt. Für 40 Mark soll sie ihre Kundschaft drei Stunden lang begleiten, angeblich ohne Anrüchiges. Ihr erster Kunde ist der dicke Herr Brettschneider (Joachim Hackethal, „Wir hau'n die Pauker in die Pfanne“) aus Berlin, mit sie erst antike Bilder angucken geht und dann von Bar zu Bar zieht. Der Film zeigt, wie er betrunken eine Striptänzerin befummelt und dirty talkt, angemessen widerlich von Hackethal gespielt. Anja reagiert entsprechend angewidert. Zudem habe er sich in sie verliebt und wolle sie zu sich holen, was sie natürlich nicht will. Auch hier kommt die Männerwelt nicht gut weg.

„Jaja, die Mädchen und München gehören zusammen!“

Die blonde Hessin Irma (Karin Götz, „Erotik im Beruf – Was jeder Personalchef gern verschweigt“) erzählt von ihrem Besuch bei ihrer Schulfreundin Annette (Erika Binder). Annette haut mit Irmas Klamotten ab und lässt sie in Unterwäsche allein zurück. Da stürzt sich ein Maler (Dagobert Walter, „Psychologie des Orgasmus“) auf sie - aber der will sie nur malen: „Für meine Collage brauch‘ ich genau so ‘ne Primel wie dich! Verklemmte Sinnlichkeit, weißt du?“ Annette kommt mit reichlich Speis und Trank zurück, denn sie hat Irmas Reisekasse auf den Kopf gehauen. Eigentlich wollte sie weiter zum Bergsteigen nach Garmisch, nun bleibt sie zum Nackttanzen in der Künstler-WG, darunter eine neckische Schwarze. Irma wird schließlich doch noch vom Maler angebaggert, plötzlich gerät die Zusammenkunft zur Orgie und als sich dann auch noch der Maler auf Irma legt, sucht sie aufgebracht das Weite. Am nächsten Morgen hat sie einen Kater und fällt doch noch auf ihn herein, wobei man sie nackt zu Gesicht bekommt. Die Episode endet mit einer Softsexszene und der Information, dass sie ihn geheiratet habe – das kam unerwartet… Diese Episode verrät vor allem, was sich verklemmte und zugleich ferkelige Deutsche damals so unter einer Künstler-WG vorstellten.

Verlagsrezeptionistin Ilse (Monica Fleischer, „Schulmädchen-Report, 4. Teil – Was Eltern oft verzweifeln lässt“) erzählt von ihrer Freundin Betty (Ingrid Steeger, „Der lüsterne Türke“), die plötzlich aufgetaucht sei. Diese wirft sich in ihrer Episode dem Fotoreporter Knut Bergedorf (Wolfgang Reinhard, „Gefährlicher Sex frühreifer Mädchen II. Teil“) an den Hals und lässt Aktfotos, unter anderem beim Nacktreiten, von sich anfertigen. Sie nimmt ihn mit zu sich nach Hause und tanzt dort fast nackt wild durch die Wohnung – muss man gesehen haben! Eine akrobatische Softsexnummer folgt, Steeger (mit schwarzer Perücke) spielt völlig entfesselt und furios auf. Knut gibt ihr anschließend den Laufpass. Daraufhin heiratet sie einen Bauern, mistet den Kuhstall aus und vergnügt sich mit dem Knecht, einem muskulösen Hünen.

„Mädchen, die nach München kommen“ ist kompetent und hübsch bunt fotografiert, sexploitiert den urbanen Zuzug junger Menschen und ist dabei nur selten wirklich frauenfeindlich. Viel mehr zielt die Handlung in erster Linie gegen die Männer, dies jedoch zumeist komödiantisch und somit kaum ernstzunehmen. Der Humor ist, nun ja, eben wenn man trotzdem lacht… Wie so oft in solchen Produktionen sind es die offenherzigen Darstellerinnen, die sich mir nichts, dir nichts und ohne jede Scham in ihre körperlichen Szenen stürzen und einen erfrischenden Gegenpol zum Altherren-Softsex-Schmonzes bilden, obwohl sie eigentlich mittendrin sind. Insbesondere Butz und Steeger stechen hier hervor. Ich muss zugeben, lediglich die offenbar um zehn bis 15 Minuten gekürzte FSK-16-Fassung gesehen zu haben, da der Film in seiner vollständigen Fassung nach wie vor indiziert ist. Gut möglich also, dass der ungekürzte Film weit weniger harmlos ist.

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Verfasst: Do 26. Mär 2026, 15:00
von buxtebrawler
Tatort: Quartett in Leipzig

„Das war noch nüscht, das wird noch was!“

Anlässlich des dreißigjährigen Jubiläums der öffentlich-rechtlichen Krimireihe referenzierte man auf den allerersten „Tatort“ namens „Taxi nach Leipzig“, der einen bundesdeutschen Ermittler in die damalige DDR nach Leipzig schickte. Mittlerweile schrieb man das Jahr 2000, die DDR war seit einer Dekade Geschichte und Leipzig hatte im Duo Ehrlicher (Peter Sodann) und Kain (Bernd Michael Lade) sein eigenes Kommissarsteam. Auf dieses treffen in diesem von Hans-Werner Honert, Fred Breinersdorfer und Wolfgang Panzer geschriebenen und von Kaspar Heidelbach inszenierten Fall („Tatort: Der Mörder und der Prinz“) die Kölner Ermittler Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär). Es handelt sich bei dieser am 26. November 2000 erstausgestrahlten Episode also um ein Crossover.

„In' nahen Osten, mit alten Volkspolizisten rumstreiten?!“

Der Burschenschaftler Dr. Maik Frei wird in Leipzig erschlagen aufgefunden. Ein ähnliches Bild zeigt sich im Kölner Burschenschaftsmilieu: In einer aus Leipzig kommenden Bahn wird der Leichnam Dr. Karl Kuhns gefunden, der ebenfalls der Burschenschaft Votania angehörte – und offenbar mit Codein tödlich vergiftet wurde. Da beide kurz ihrem Tod ein Handytelefonat miteinander geführt hatten, kommen die Leipziger Ermittler um die Kommissare Ehrlicher und Kain sowie deren Kölner Pendants Ballauf und Schenk miteinander in Kontakt, zunächst noch inkognito. Obwohl in Leipzig kaum Interesse an einer Zusammenarbeit besteht, reisen Ballauf und Schenk in die Sachsenmetropole, um auf eigene Faust zu ermitteln. Nach anfänglichen Revierkämpfen rauft man sich zusammen und folgt einer Spur, die zu Professor Kleist (Vadim Glowna, „Steiner – Das Eiserne Kreuz“), dem Vorstand der Burschenschaft, führt, der pikanterweise auch Ehrlichers behandelnder Arzt aufgrund dessen Lungenerkrankung ist. Beide Mordopfer waren bei Kleist angestellt, hatten anscheinend etwas mit dessen Tochter Claudia (Theresa Hübchen, „Ärzte: Dr. Schwarz und Dr. Martin“), die aber eigentlich mit Professor Hauke (Max Herbrechter, „Auf eigene Gefahr“), dem Juniorpartner ihres Vaters, verlobt ist. Könnte Eifersucht ein Motiv gewesen sein? Oder spielen Kleists Forschungen eine Rolle – immerhin behauptet er, bahnbrechende Ergebnisse erzielt zu haben…?

Alles beginnt mit einer Röntgenaufnahme der Niere Ehrlichers, denn der Kommissar befindet sich gerade beim Arzt – Professor Kleist –, der etwas an dessen Lunge findet und ihn damit sehr verunsichert. Bereits die nächste Einstellung zeigt den Tatort, an dem Dr. Frei erschlagen wurde. Dass die Handlung beides zusammenführen wird, lässt sich hier noch nicht erahnen. Die Kölner Kommissare und „deren“ Leiche kommen ins Spiel und das Rätselraten ist zunächst groß. Klassische Ermittlungsarbeit gibt sich fortan mit der Abneigung der beiden Kommissarsduos gegenüber und dem daraus resultierenden Misstrauen und Gefrotzel die Klinke in die Hand. Insbesondere letzteres ist geprägt von Ost-West-Vorurteilen, aber auch recht unterhaltsam.

Man vernimmt den nach einer Burschenschaftsfeier verkaterten Ricardo Kleist (Matthias Koeberlin, „Schimanski: Rattennest“), Claudias Bruder, und spricht anschließend mit Claudia, während man als Teil des Fernsehpublikums versucht, den Überblick über all die eingeführten oder auch nur angesprochenen Figuren zu bewahren. Ein klassischer Splitscreen während eines Telefonats zwischen Ballauf und Ehrlicher stimmt nostalgisch, dass Ballauf sich bei den Burschifaschos als Kuhns Bruder ausgibt, erscheint etwas skurril, und dass eine Krankenakte verschwunden ist, verstärkt die Richtung Professor Kleist leitende Spur. Ehrlicher landet auf dem OP-Tisch und im Burschenschaftshaus kommt es während einer bizarren Zeremonie zum Showdown mit mehr oder weniger überraschender finaler Wendung.

„Quartett in Leipzig“ vermengt Kritik an pseudoelitären Burschenschaftsumtrieben mit Medizin-Thriller-Elementen und der Annäherung zwischen Ost- und Westdeutschland. Zu diesem Zwecke erzählt er eine überkonstruierte, Kommissar Ehrlich persönlich involvierende und gar als nächstes potenzielles Opfer präsentierende Geschichte, die eher unwahrscheinlich wirkt. Zudem ist dieser Fall etwas arm an Schauwerten, dafür schauspielerisch seriös gelöst. Die humorigen anfänglichen gegenseitigen Anfeindungen der Kommissarsteams machen hingegen Spaß, dass im Zimmer des toten Kuhn ein Blechreiz-Poster und weitere Ska-Plakate hängen, wirft Fragen auf, und die hoffnungsfrohe (heute überholt und naiv erscheinende) Aussage, dass sich Ost und West zusammenraufen könnten, um mit vereinten Kräften das Böse zu bekämpfen, ist vom grundsätzlich richtigen Geiste beseelt.

Mit kleinem Sodann- und Lade-Sympathiebonus komme ich daher auf 6 von 10 gemeinsam gezischten Pils.

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Verfasst: Mi 1. Apr 2026, 17:58
von buxtebrawler
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Schimanski: Schimanski muss leiden

„Ich muss nach Hamburg zum Geburtstag!“

Die neunte Episode des „Tatort“-Spin-offs „Schimanski“ präsentiert sich als Polit-Krimi, geschrieben von Michael Klaus und inszeniert von Matthias Glasner („Sexy Sadie“), der damit seine einzige Regiearbeit innerhalb dieser Reihe ablieferte. Die Erstausstrahlung erfolgte am 3. Dezember 2000.

„Die Frau ist wandelndes Dynamit!“

Schimanski (Götz George) und Marie-Claire (Denise Virieux) machen sich für die Fahrt nach Hamburg zum 80. Geburtstag Karl Königsbergs (Ulrich Matschoss), Schimmis ehemaligem Vorgesetzten, bereit. Die verstört und stumm vorm Hausboot der beiden stehende Kurdin (Jale Arikan, „Ärzte“) ignoriert Schimanski zunächst, doch sie drückt Marie-Claire einen Zettel in die Hand. Schimanski überantwortet die Frau, die zudem verletzt ist, dem jungen Polizisten Thomas Hunger (Julian Weigend), der sie im Krankenhaus behandeln lässt, wo man feststellt, dass sie zahlreiche Fotos am Körper bei sich trägt. Schimanski und Marie-Claire holen derweil Hänschen (Chiem van Houweninge) ab und machen zu dritt an einer Autobahnraststätte Halt. Dort werden sie unfreiwillige Zeugen, wie ein junger Delinquent einen vermeintlichen Drogendealer über den Haufen schießt und dessen Großmutter (Christiane Hörbiger, „Julia – Eine ungewöhnliche Frau“) beinahe Schimanski überfährt. Schimmi schaltet sich ein, steigt zu ihr ins Auto – und realisiert nach und nach, dass er zwischen die Fronten des politischen Kampfes zwischen Faschotürken und Kurden geraten ist, während Königsberg auf seinen Besuch wartet…

„Ich versteh' jetzt überhaupt nicht mehr!“

Um 5:30 Uhr schellt der Wecker auf dem Hausboot, und dann steht da auch noch diese Frau herum, die, wie man den Zuschauerinnen und Zuschauern als Wissensvorsprung gewährt, dort von zwei Menschen abgesetzt und Schimmi damit bewusst in Gefahr gebracht wurde. Genaueres weiß man aber lange nicht, zumal mit den Jünglingen Taco (Alexander Beyer, „Sonnenallee“) und Maya (Susanne Bormann, „Schlaraffenland“) zwei Figuren eingeführt werden, die eine Beziehungskrise, aber ansonsten erst einmal nichts damit zu tun haben. Wie bald darauf dann doch alles miteinander zusammenhängt, Anlass für Autostunts, Blech- und Anzugschäden wird und Schimanski mittenreingerät, ist zu Unterhaltungs- und Dramaturgie-Zwecken ein klassischer Fall von Überkonstruktion, aber eben auch eine der Prämissen dieser Episode.

„Ich bin ein Magnet für Idioten.“

Eine zweite ist die Thematisierung des türkisch-kurdischen Konflikts, und zwar auf eine PKK-kritische Weise. So wird die junge, verstörte und verletzte Kurdin Nadiye von beiden „Parteien“ skrupellos verfolgt, von ihren Landsmännern offenbar, da sie einerseits als Beweis für den türkischen Terror herhalten soll, andererseits des Verrats verdächtigt wird. Dr. Arkar (Tayfun Bademsoy, „Ein starkes Team“), der Chef der Duisburger Nerveneilanstalt, hängt da mit drin, auch Staatsanwältin Schäfer (Suzanne von Borsody) wird auf den Plan gerufen, Schimanski nimmt sich Hunger zur Brust, nur Marie-Claire hat keine Lust und sucht per Anhalter in einem Lkw das Weite. Idiotensicher ausformuliert werden die politischen Hintergründe und die Motivation der Figuren nicht, aber auch ein erfahrenes und gebildetes Publikum dürfte zumindest während der Erstsichtung hier und da Schwierigkeiten haben, dem Ganzen zu folgen.

„Warum drehen die Leute heute alle durch?!“

Das liegt unter anderem daran, dass Schimanskis Verhältnis zur Großmutter des Kleinkriminellen Taco gleichberechtigt erzählt wird und er schließlich sogar mit ihr ins Bett steigt. Zusammen mit dieser hatte er zuvor bereits Maya beim Sex mit einem anderen erwischt. In dieser Episode haben alle einen an der Waffel, und immer mal wieder bekommt man waghalsige Stunts oder auch mal eine Explosion zu sehen. Die Narration ist modern und das Tempo hoch, die Dialoge herrlich schnoddrig, der zwischen Verzweiflung und Verantwortungsbewusstsein hin- und hergerissene Schimanski nicht zu beneiden. Wo er geht und steht, passiert nur Scheiße. Die Handlung ist absurd, aber dafür schwer unterhaltsam. Insbesondere Christiane Hörbiger spielt ihre Rolle überaus sehenswert. Nur wird dieser Film dadurch seiner politischen Komponente kaum gerecht und ist dieser Inszenierungsstil dem Thema nicht angemessen, im Übrigen auch nicht so recht dem Abschied von einer altgedienten Figur aus „Tatort“-Tagen, Kriminalrat Karl Königberg.

Vielleicht hätte man aus dem Stoff zwei, dafür etwas weniger hektisch und nachvollziehbarer erzählte Filme machen sollen.

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Verfasst: Do 2. Apr 2026, 16:41
von buxtebrawler
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Obszönitäten

„Ich wette, der ist waffenscheinpflichtig!“

Der dritte Spielfilm des deutschen Sexploitation-Filmemachers Alois Brummer (nach „Graf Porno bläst zum Zapfenstreich“ und „Beichte einer Liebestollen“) ist die Sexklamotte „Obszönitäten“ aus dem Jahre 1971. Also Fliegenklatsche bereitlegen und mal gucken, was er diesmal so fabrizierte.

„Die sexuelle Befriedigung, die manche Frauen bei den Männern nicht finden können, schaffen sie sich selbst durch Masturbation.“

Johannes „Johnny“ Meier (Stefan Grey), ein menschliches Wunder an sexueller Potenz, verfügt über einen Riesenpimmel und verdingt sich als Callboy. Der irre Prof. Dr. Vogelsang (Johannes Buzalski, „Hexen bis aufs Blut gequält“) hat einen Patienten (Kurt Großkurth, „Der letzte Mohikaner“), der impotent, reich und scharf auf Johnnys bestes Stück ist. Wie gut, dass Vogelsang eine Expertise in Geschlechtstransplantation hat. 100.000 DM würde sein Patient sich Johnnys Pimmel kosten lassen. Doch Johnny lehnt dankend ab – zunächst…

„Das Loch müsste gestopft werden!“

Dass Johny sich eigentlich vor nichts fies ist, zeigt man uns gleich zu Beginn, als er auch seine dicke alte Vermieterin in Naturalien entlohnt. Der unvermeidliche Rinaldo Talamonti („Eros-Center Hamburg“) ist einmal mehr als notgeiler italienischer Gastarbeiter dabei, diesmal mimt er einen Tankwart. Der Name ist zumindest die Dialoge betreffend Programm, denn ein obszön aufgeladenes Wortspiel jagt das nächste. Johnnys ach so opulenten Schwanz hingegen bekommt man nie zu Gesicht, nicht einmal, als ein Fotograf ihn ablichtet – im Gegensatz zu weiblichen nackten Tatsachen. Klar, Brummer will natürlich keine Minderwertigkeitskomplexe bei seiner Zielgruppe auslösen. Wer weiß, wie dieser Film ausgesehen hätte, hätte er erahnt, dass einmal „Megacock“-Pornos en vogue werden würden…

„Tatsächlich hat es niemals an männlichen Weibern und noch weniger an weibischen Männern gefehlt.“

Ein paar Nackedeis in einem Wohnwagen bekommen es jedenfalls mit Politessen zu tun, die Johnny ebenfalls als Kundinnen gewinnt. Für eine Orgie präsentiert er sich als menschlicher Obstkorb, es folgt das große Fressen. Nach all diesem Klamauk ist der Besuch eines alten Gemäuers hingegen wie in einem Horrorfilm inszeniert. Und Brummer hat einen weiteren Stilwechsel parat: Bebildertes Doktorgequatsche über die sexuelle Revolution und Masturbation erinnert an pseudoaufklärerische Dokus und „Report“filme. Die eigentliche Alibihandlung scheint unvermittelt beendet. Ebenso unvermittelt installiert Brummer eine Lesbenszene im Büro, die gegen Ende von Doc Vogelsang aus dem Off kommentiert wird. Im gleichen Stil geht's weiter zum Thema außereheliche Beziehungen. Der dazugehörige Softsexclip endet damit, dass der Ehemann seinen Nebenbuhler von seiner Frau zerrt (wobei man erstmals in diesem doch eigentlich so schwanzfixierten Film einen Piephahn zu sehen bekommt), aus dem elften Stock des Hotels wirft und seine Frau schlägt. Na prächtig.

Vogelsang und sein Patient sind inzwischen bei Zigarren und Schnaps angelangt. Der Doc schwafelt weiter über die weibliche Sexualität und die Handlung macht einen Salto rückwärts, beim italienischen Tankwart landend. Der vögelt gerade die Verschmähten Johnnys, denn – hört, hört: Johnny sei impotent geworden. Die Damenwelt reagiert entsetzt. Johnny versucht‘s noch mal, reagiert aber angeekelt aufs Muschilecken und zieht von dannen. Der reiche Patient ist noch immer scharf auf Johnnys Stoßstange, der Doc attestiert Johnny aber, nicht mehr zu können, weil er sich verliebt habe. Während der Doc ein unbekleidetes Mädchen untersucht, versuchen hinter der Wand zwei weitere Mädels, Johnny mittels Lesbeleien wieder aufzumuntern. Dies gelingt ihnen jedoch nur mit Geld. Ist Johnny also doch nicht verliebt, sondern nur besonders geldgeil geworden? Wie auch immer, er kann‘s nun wieder mit seiner Freundin Monika und sein Prügel bleibt dran.

Die Darsteller(innen)riege entspricht bis auf den zuvor und danach nirgends mehr aufgetauchten Stefan Grey weitestgehend dem damaligen Standard, sprich: hübsche, zeigefreudige Mädels und weniger attraktive Kerle in einer schwachsinnigen, albernen Handlung, die ihren Inhalten zum Trotz umso verklemmter wirkt, je klamaukiger es zur Sache geht. Was der Film einem mit seinem widersprüchlichen Ende sagen will, wusste vermutlich nicht mal Brummer selbst. Seine Konzentration dürfte vielmehr der Ausrichtung auf die Zielgruppe gedient haben, die sich wahlweise mit Sexprotz Johnny, Lustgreis Großkurth oder dem unterprivilegierten Italiener identifiziert haben dürfte – sofern diesen idiotischen Film überhaupt jemand auch nur ein Stück weit auf diese Weise rezipiert hat. Die deutsche DVD nervt ein bisschen mit zahlreichen, auch mitten im Satz auftretenden Jumpcuts, jedoch nicht so sehr wie der Film an sich…

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Verfasst: Di 7. Apr 2026, 16:58
von buxtebrawler
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Es liegt mir auf der Zunge

„Mir ist daran gelegen, eine Bevölkerungsgruppe anzusprechen, die bisher noch viel zu wenig beachtet wurde...“

Regisseur Kaspar Heidelbach („Tatort: Quartett in Leipzig“) inszenierte die tragikomische Biographie „Es liegt mir auf der Zunge“ über den ersten deutschen Fernsehkoch Clemens Wilmenrod für die ARD, die den Film im Jahre 2009 erstausstrahlte.

„Schon mal was von Naturbegabung gehört?“

Anfang der 1950er-Jahre setzt sich der Gelegenheitsschauspieler Clemens Carl Hahn (Jan Josef Liefers, „Knockin' on Heaven's Door“) mit seiner Idee durch, eine Kochsendung für ein weibliches Publikum im deutschen Fernsehen zu etablieren. Die Rolle des Fernsehkochs bekleidet er unter seinem Künstlernamen Clemens Wilmenrod höchstpersönlich – obwohl er gar nicht kochen kann. Seine Ehefrau Erika (Anna Loos, „Anatomie“) assistiert ihm und kümmert sich um das Geschäftliche, während er vor der Kamera von Abenteuern in fernen Länder parliert, die er in Wirklichkeit nie besucht hat, und Gerichte wie arabisches Reiterfleisch oder Toast Hawaii präsentiert, die er von seinen Reisen mitgebracht haben will. Seine Sendung wird ein Erfolg, doch bald stellen sich Probleme ein…

„Die Basis ist die Grundlage eines jeden Fundaments.“

Nachdem Hahn spontan den Text einer seiner Kostümrollen geändert hat, verliert er seine Anstellung am Theater. Daraufhin reift seine Idee einer Kochsendung. Da er sich sehr elaboriert auszudrücken und entsprechend zu präsentieren versteht, scheint er als Fernsehkoch prädestiniert. Dass er gar nicht kochen kann: geschenkt, Fernsehen ist eben immer auch Illusion. „Es liegt mir auf der Zunge“ ist zunächst eine Komödie; wie der zur Selbstüberschätzung neigende, etwas selbstverliebte Hahn alias Wilmenrod Sender und Publikum an der Nase herumführt, ist köstlich, seine Gerichte, die ganz Deutschland nachkocht - das Toastmotiv zieht sich anfänglich durch den Film –, sind es weniger. Er geriert sich als vornehmer Fatzke, ist aber vor allem das, was er auch vor seiner TV-Karriere war: ein Schauspieler. Aber auch ein Geschichtenerzähler, dem man gern zuhört und der weiß, wie man sich und das, was man tut, verkauft.

Das weiß auch seine Frau, die an mehr Geld zu kommen versucht, indem sie Auftragsrezepte von der Lebensmittelindustrie annimmt bzw. ihr quasi Sendezeit verkauft. Und von dort aus ist es nicht weit bis zur handfesten Schleichwerbung, was natürlich nicht ewig gutgehen kann. Wilmenrod bringt sogar ein Buch heraus. Während er sich mit seiner Assistentin Hilde (Mira Bartuschek, „Crazy“) vergnügt und Toast Hawaii „komponiert“, stirbt sein Mutter. Ob das wirklich so war, sei dahingestellt; das erscheint mir doch arg dramaturgisch verdichtet – wie anderes auch. Er überwirft sich mit seinem norddeutschen Freund und Rezeptlieferant Willi Schmidtke (Justus von Dohnányi, „Hardcover“) und beginnt, sich in seiner Sendung um Kopf und Kragen zu reden.

Mit alldem ändert sich auch der Tonfall des Films, der nun zusehends tragischer wird. Wilmenrod entwickelt Magen- und Eheprobleme, sein alter Freund Schmidtke avanciert zu seinem direkten Konkurrenten und erhält sogar eine eigene Kochsendung, es kommt zu einer Generalabrechnung im „Spiegel“. Wilmenrods Leben endet tieftraurig. Dazu, ob er wirklich seine Frau betrog, positioniert sich der Film nicht eindeutig, wenn auch gegen Ende einiges dafürspricht. So bleiben also ein paar Fragen offen, während aber viele andere beantwortet werden und der Fokus auf ein Kuriosum der deutschen TV-Geschichte gerichtet wird. Liefers geht in seiner Rolle spielfreudig auf, spielt Wilmenrod als lausbübisch-sympathischen Geschichtenerzähler und hat mit Loos die ideale Partnerin an seiner Seite. Regisseur Heidelbach integriert authentisches Archivmaterial aus Wochenschauen und ähnlichen Formaten zu zeitgenössischen Ereignissen in seinen Film, Interieur und Ambiente lassen die deutschen 1950er aufleben.

„Es liegt mir auf der Zunge“ ist ein sehr gelungener Fernsehfilm übers Fernsehen, ein Wink mit dem Zaunpfahl gen Haute Cuisine und ähnlichem Gewese, das einfache Speisen wortgewandt zu kulinarischen Besonderheiten hochjazzt, ein Film über die Sehnsucht einer Nachkriegs-TV-Nation nach solch großen Geschichten und Gerichten, zudem ein respektvolles Porträt eines Mannes, der eine ganze Nation mit seinem Charme um den Finger winkelte – und nicht zuletzt ein Film, der erklärt, warum auf Hawaii nie jemand je vom „Toast Hawaii“ gehört hätte.

Bewertung: 7,5 von 10 Cocktailkirschen

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Verfasst: Mi 8. Apr 2026, 15:10
von buxtebrawler
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Indiana Jones und der Tempel des Todes

„Das Böse begann in Bangkok!“

Mit „Jäger des verlorenen Schatzes“ hatten Produzent George Lucas und Regisseur Steven Spielberg („Der weiße Hai“) im Jahre 1981 überaus erfolgreich das klassische Abenteuer-Genre reanimiert und modernisiert – und damit den Grundstein einer der beliebtesten und populärsten Unterhaltungskinofilmreihen überhaupt geschaffen. Drei Jahre später folgte das im Jahre 1935 spielende Prequel „Indiana Jones und der Tempel des Todes“, das sich mehr wie eine Fortsetzung anfühlt, da es auf typische Prequel-Charakteristika verzichtet und schlicht ein weiteres Abenteuer erzählt, dabei aber – ein üppiges Budget sei Dank – auch mehr von allem auffährt. Zudem hat es den coolsten Titel aller Indy-Filme, dank der Alliteration vor allem im Deutschen.

„Reichtum und unendlicher Ruhm!“

Der Archäologe und Abenteurer Dr. Henry „Indiana“ Jones jr. (Harrison Ford, „Krieg der Sterne“) muss in Shanghai beim Versuch, sich einen Diamanten anzueignen, um sein Leben fürchten, kann jedoch mit der Nachtclubsängerin Willie Scott (Kate Capshaw, „Dreamscape“) und dem zu ihm aufblickenden asiatischen Jungen Short Round (Ke Huy Quan, „Die Goonies“) mit einem Flugzeug fliehen. Aus diesem müssen sie aber über Indien abspringen, wo sie in ein Dorf geraten und es mit einer finsteren Sekte zu tun bekommen, die Kinder zu Minenarbeitern versklavt und die Weltherrschaft an sich reißen will, sobald sie bestimmte historische Artefakte gefunden hat: die sagenhaften Shankara-Steine…

„Willst du getötet werden für Reichtum, Ruhm und all den Unsinn?!“

Alles beginnt mit einem Gesangsauftritt der blonden Willie innerhalb einer opulenten Musical-Revue im Shanghai des Jahres 1935, worauf eine aufregende, actionreiche, wahnsinnige und bis ins Detail durchchoreographierte Handlungseröffnungssequenz folgt, die im Genre zeigt, wo der Frosch die Locken hat. Bereits hier werden aber die ersten problematischen Klischees offenbar: Inmitten eines Maschinengewehrfeuers bekommt Indy nicht einmal eine Schramme ab; ballert er zurück, trifft er aber umgehend. Das nächste Problem folgt auf dem Fuße: Anbiedernder, gefälliger Familienhumor, in den besonders sein Schützling Shortie involviert ist. Da ist er wieder, der spielberg’sche Kitsch.

Besser weiß der sich zwischenzeitlich entwickelnde Screwball-Humor zwischen Willie und Indy zu gefallen, allem voran aber die Kulissen und das Interieur aus wundervollen Landschaftsbildern in der Dämmerung, hübsch gruseligen Mumien und geheimen Katakomben mit fiesen Fallen sowie vielen Insekten und Gewürm. Auf Ekel setzt Spielberg zu Tisch, wenn es im wahrsten Sinne des Wortes Schlangenfraß zu vertilgen gilt. Der Höhepunkt in Sachen grafischer Härte ist eine heftige Opferungsszene, in der jemandem bei lebendigem Leibe das Herz herausgerissen und er anschließend in heißer Lava verbrannt wird. Generell passiert hier ständig etwas, der Film hat keinerlei Leerlauf. Mitreißend inszenierte Actionsequenzen, die wahrscheinlich erst im Kino ihre ganze Pracht entfalten, und waghalsige Stunts geben sich die Klinke in die Hand. Bei all diesen Schauwerten (für diejenigen, die’s interessiert: im Präfinale ist Indy oberkörperfrei zu sehen) ist die eigentliche Handlung eher nebensächlich.

Die dreht sich eben um eine furchtbare Sekte, etwas Voodoo ist im Spiel und irgendwie steht das Schicksal der ganzen Welt auf dem Spiel – drunter macht’s Spielberg nicht. So ist „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ also das ganz große Spektakel und zugleich der wohl düsterste, gruseligste Teil der Reihe – wenngleich sich dieser Aspekt kaum mit dem eingangs beschriebenen Humor verträgt und der Film unterm Strich nicht mehr (aber auch nicht weniger) als gelungenes Popcorn-Kino ohne jeglichen Tiefgang ist.

Ein weiterer Malus ist das durch Willie verkörperte fragwürdige Frauenbild, beispielsweise kreischt die Gute bei jeder Konfrontation mit einem Tier und ist mehr Klotz am Bein als alles andere. Und zumindest aus heutiger Sicht mutet die Darstellung der Inderinnen und Inder beinahe rassistisch an, werden sie doch fast schon als unzivilisierte Wilde konnotiert. Darüber hat man sich damals, gerade im fiktionalen Bereich, eben kaum Gedanken gemacht; eine Böse Absicht möchte ich nicht unterstellen. Dennoch war der Film offenbar deshalb lange Zeit in Indien verboten.