Hm, die Theorien von euch beiden Doktoren sind äußerst interessant, ein bisschen relativieren muss ich sie von meiner Warte aus dann allerdings doch:
- okay, es stimmt, Betty scheint eine starke Frau zu sein, meiner Meinung nach ist jedoch eindeutig Roger der Held der Stunde, auch wenn er das Ende des Films nicht erleben darf (mag sein, dass die Figur heute eher abstößt, auch und vor allem wegen des Kleidungsstils, der bärigen Körperbehaarung und der offen zur Schau gestellten Potenz in Verbindung von Kleidungsstil und Körperbehaarung [sein ständig offenes Hemd, aus dem es förmlich hervorquillt], trotzdem ist er die starke Schulter des Films, wenn auch nicht frei von moralischen Fehlleistungen)
- natürlich kann man dem Film unterstellen, Pedros Tod sei eine Bestrafung für die Vergewaltigung, andererseits wirkt das Ganze dann doch eher, als sei er eher ein Opfer seines Hochmuts, immerhin will er die Templer mit seinem billigen Schnappmesserchen bezwingen
- schaut man sich an, wer hier alles stirbt, muss man feststellen, dass keine Figur frei von "Schuld" ist - in Virginia erwacht ihre unterdrückte Homosexualität und sie wird getempelrittert - Roger gibt sich unverblümt der sexuellen Anziehung hin, die zwischen ihm und Betty vom ersten Moment an herrscht, und wird ebenso getempelrittert - der namenlose Gerichtsmediziner scheint nach dem Feierabend gerne mal einen Leichnam zu vernaschen und wird von der untoten Virgina überfallen (witzig ist, dass dieser Plotpunkt in der Folge völlig vernachlässigt wird: soweit ich mich erinnere, kommt der Film nie wieder darauf zu sprechen, dass die Tempelritter-Opfer als Untote weitergeistern) - schließlich ist auch Bettys Schicksal gar nicht so golden, immerhin ist sie dafür verantwortlich, dass die Templer-Epidemie schlußendlich das gesamte Land erreicht, und ihr Schrei am Ende deutet auch nicht auf ein ihr blühendes angenehmes Schicksal hin - will man es nun unbedingt, kann man wohl ziemlich bedenkenlos auch die REITENDEN LEICHEN in eine Reihe mit US-amerikanischen Slashern etc. stellen, die im Grunde eine stockkonservative Weltsicht vertreten, und ihre Figur nach einem leicht durchschaubaren Schema elimineren, das auf christlich-engstirnigen Normen und Werten fußt - was wiederum völlig dem widerspricht, dass de Ossorio hier einen Film drehte, der auf Individualismus pocht, im Gegenteil
- zu guter Letzt: die Tempelritter sind ja nicht einfach da, irgendwelche Gespenster ohne Geschichte, sondern tragen selbst eine Schuld auf ihren Schultern, nämlich den Abfall vom christlichen Glauben, ihre historisch nicht korrekte Hinwendung zu Satanismus und Blutopfern, wodurch die gesamte Schuld-Thematik und die Dominanz christlicher Tugenden im Franco-Faschismus in einen noch weiter gespannten Kontext versetzt wird
Nun, meine fünf Cent...
