Jörg Buttgereit kuratiert die Filmschau «Something Different Saw Them First» - Eine kleine Geschichte des Unheimlichen, auf der kommenden Viennale
hat geschrieben:
«They wanted to see something different, but something different saw them first!» Mit diesen bitterernst undhastig eingesprochenen Worten beginnt der Trailer des kleinen, ruppigen und unabhängig produzierten Horror-Films THE HILLS HAVE EYES aus dem Jahr 1977. In diesem Film von Wes Craven macht eine Familie Camping-Urlaub in der kalifornischen Wüste und wird von einer kannibalistischen Mutantenfamilie brutal überfallen. «The story of an American family who lost everything but the will to survive» heißt es weiter im Trailer. Es ist dieser reißerische Exploitation-Werbespruch, der gleich zu Beginn der Vorschau von HÜGEL DER BLUTIGEN AUGEN – so der deutsche Verleihtitel – zu hören war, der die Sache mit dem Kino des Abseitigen auf wunderbar pragmatische Weise auf den Punkt bringt.
Es ist unsere offenbar unstillbare Lust auf das Außergewöhnliche, das Andere, das Abenteuer jenseits unseres Alltags, die uns immer wieder zum Verhängnis wird. Da ist unser unbändiger Forschungsdrang, die unermüdliche Suche nach dem Wissen, der vermeintlichen Wahrheit, mit der wir das Unglück immer und immer wieder heraufbeschwören. In unserer fortwährenden Ruhelosigkeit sind wir nur zu willig, Grenzen zu überschreiten. Zumindest im Kino. Dort gehen wir hin, um uns berauschen, belehren, erregen oder erschrecken zu lassen. Wir fühlen uns sicher in der Anonymität des Publikums und in der Enge des Kinosessels. Und werden immer wieder kalt erwischt. Denn im Kino haben die Hügel Augen und beobachten uns von der Leinwand herab schon lange bevor wir sie bemerken. Unsere latente Angst vor dem Unbekannten, diesem «Something», die auch immer die Angst vor dem eigenen Tod ist, materialisiert und manifestiert sich auf der Leinwand in Form eines schrecklichen Monsters, einer fremden Lebensform, einer grotesken Mutation, einer Bestie in Menschengestalt, die unsere Angst sicht- und greifbar werden lässt, damit wir in der Lage sind, sie bekämpfen zu können.
Am Anfang und Ende dieser von mir subjektiv zusammengestellten Filmreihe steht THE THING FROM ANOTHER WORLD (DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT). Wir präsentieren sowohl das Original von Christian Nyby aus dem Jahr 1951, als auch das von John Carpenter 1982 inszenierte Remake THE THING (DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT), ein Meilenstein des analogen Spezial-Effekt-Kinos. Dazwischen liegen Welten und so unterschiedliche Genreperlen wie Tobe Hoopers Splatterklassiker THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE (BLUTGERICHT IN TEXAS), der britische Riesenaugen-Film THE TROLLENBERG TERROR (DIE TEUFELSWOLKE VON MONTEVILLE), japanischer Monster-Trash wie UCHU DAIKAIJU GIRARA (GUILA FRANKENSTEINS TEUFELSEI) mit einem außerirdischen grünen Riesenhuhn oder Mario Bavas heimliche ALIEN-Vorlage TERRORE NELLO SPAZIO (PLANET DER VAMPIRE). Freuen Sie sich also auf taumelnde Pilzmenschen, Kettensägen schwingende Hinterwäldler und glibberige Tentakelmonster. Zur Einstimmung noch ein Zitat vom Ende des Trailers zu THE HILLS HAVE EYES: «She thought she knew what the world was all about, but nothing prepared her for this!»
Jörg Buttgereit
Filmauswahl:
Filmauswahl
THE THING FROM ANOTHER WORLD, Christian Nyby, USA 1951
THE TROLLENBERG TERROR, Quentin Lawrence, GB 1958
IT! THE TERROR FROM BEYOND SPACE, Edward L. Cahn, USA 1958
THE ANGRY RED PLANET, Ib Melchior, USA 1959
MATANGO, Ishiro Honda, Japan 1963
TERRORE NELLO SPAZIO, Mario Bava, E/I 1965
FANTASTIC VOYAGE, Richard Fleischer, USA 1966
UCHU DAIKAIJU GIRARA, Kazui Nihonmatsu, Japan 1967
DELIVERANCE, John Boorman, USA 1972
THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE, Tobe Hooper, USA 1974
THE HILLS HAVE EYES, Wes Craven, USA 1977
ALIEN, Ridley Scott, USA/GB 1979
CANNIBAL HOLOCAUST, Ruggero Deodato, I 1979
THE THING, John Carpenter, USA 1981
quelle:
http://www.viennale.at/de/special-programs