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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mi 14. Jan 2026, 19:38
von jogiwan
One False Move

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Gemeinsam mit ihren Freund Ray und dessen Bekannten Pluto hinterlässt die junge Fantasia nach einem Raub im Drogenmilieu mehrere Leichen in Los Angeles. Da die Polizei vermutet, dass die drei in ein verschlafenes Kaff flüchten könnten, um bei einem Verwandten unterzutauchen, wird von den ermittelnden Beamten auch Dale informiert, der in dem eher verschlafenen Städtchen Star City als Polizeichef mit seinen Kollegen den Dienst versieht. Dieser ist sogleich Feuer und Flamme von dem brutalen Kriminalfall und geht zur Belustigung seiner Kollegen aus L.A. auch recht überambitioniert und voller Tatendrang ans Werk. Wenig später spitzt sich die Lage weiter zu, als das Trio eine blutige Spur durch das Land zieht und der Stadt immer näherkommt, während auch Dale in den Fall auch tiefer involviert ist, als es auf den ersten Blick scheint…

„One False Move“ hält sich ja nicht lange mit Nebensächlichkeiten auf und beginnt auch gleich mit mehreren brutalen Morden, de von einem kaltblütigen Trio begangen werden. Dann switcht der Film in den verschlafenen Ort, wo ein überambitionierter Polizeichef seine große Chance wittert, endlich mal richtigen Gangstern das Handwerk zu legen. Doch das ist natürlich noch nicht die ganze Geschichte und „One False Move“ steckt noch voller Überraschungen, interessanten und vielschichtigen Charakteren und einer Handlung, die bis zum Ende packend bleibt. Die Geschichte ist durchaus ruppig und knackig erzählt und auch Bill Paxton glänzt hier mal ausnahmsweise nicht als Bösewicht. Ich bin durch eine Liste von unterschätzten Thrillern aus den Neunzigern auf den Film aufmerksam geworden, fand den wirklich sehr gelungen und daher möchte ich an dieser Stelle auch nicht viel mehr darüber schreiben, sondern eine ausdrückliche Empfehlung aussprechen. Tipp!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Do 15. Jan 2026, 19:10
von jogiwan
Tödliche Gedanken

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Behäbig erzählter Thriller aus den Neunzigern, bei dem die Darstellerriege und schauspielerischen Leistungen eher im Widerspruch zur Qualität des Drehbuchs stehen, dass uns hier in Rückblenden eine soapige Kriminalgeschichte erzählt. Die Darsteller wie Demi Moore und Bruce Willis hatten wohl Lust auf eine kleine Veränderung und so spielt erstere eine bodenständige Friseuse und zweiterer den prolligen Ehemann ihrer besten Freundin und Salon-Besitzerin, der irgendwann mit aufgeschlitzter Kehle im Firmen-Van gefunden wird. Sonderlich glaubwürdig sind sie beide nicht und werden auch mühelos von den restlichen Darstellern wie Glenne Headly an die Wand gespielt. Die Geschichte einer toxischen Beziehung und Loyalität unter Freundinnen ist ziemlich mau und auch der Versuch die ganzen Ereignisse in Rückblenden aufzurollen ist ebenfalls mäßig gelungen, da so etwas wie Spannung nie wirklich aufkommt. Eher wirkt das Ganze wirklich eher wie die Folge einer amerikanischen Seifenoper, der gegen Ende mit einem kleinen Twist endgültig der Rest gegeben wird. Die Neunziger haben wirklich sehr viele gute Thriller hervorgebracht – „Tödliche Gedanken“ zählt da eher nicht dazu.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Fr 16. Jan 2026, 18:28
von jogiwan
Io, Emmanuelle

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Im Jahre 1969 ist der Sommer der Liebe endgültig vorbei und Journalistin Emmanuelle vegetiert von ihrem geliebten Professor verlassen in ihrer Wohnung und ist auch von tagespolitischen Dingen und dem Patriachat zunehmend so verstört, sodass ihr Weltschmerz sich auch körperlich manifestiert. Sie lässt sich treiben und besucht scheinbar wahllos Männer und Frauen aus ihrer Vergangenheit, um mit ihnen zu schlafen. Später gerät sie an einen exaltierten Biker, der sie zu verstehen scheint. Dennoch können diese Kontakte die Leere nicht füllen, die Emmanuelle in sich spürt und ihre latente Todessehnsucht sogar noch befeuern, ehe eine weitere Nachricht ihr endgültig den Boden unter den Füßen wegzieht…

„Io, Emmanuelle“ gilt zwar als (unbekannte) erste Verfilmung des legendären Buches, hat aber im Grunde wenig damit zu tun was Mann und Frau popkulturell darunter versteht und basiert auch auf einer anderen Kurzgeschichte. Hier geht es auch weniger um sexuelle Entdeckungsreisen als viel mehr um das Portrait einer depressiven Frau, die von persönlichen Erfahrungen, gesellschaftspolitischen Ereignissen und dem Weltgeschehen mitgenommen ist und nicht mehr allein den Weg aus der Negativspirale findet. Dabei ist „Io, Emmanuelle“ auch dem Arthouse-Drama näher als dem Softsex und bietet eine wunderbar sperrige und fast schon entrückt wirkende Erika Blanc, die mit ihrem blassen, fast maskenhaften Gesicht und ihrem markanten Gesicht auch perfekt in diese schwierige Rolle passt und sich passiv durch die Handlung treiben lässt. Dennoch bleibt „Io, Emmanuelle“ sperrig und lustfeindlich, als hätte Canevari bewusst einen Gegenentwurf zu sexuellen Begehren und Lebensfreude geschaffen, dessen Tristesse sich auch rasch auf den Zuschauer übertragen. Depression als Diagnose gab es ja damals noch nicht und damals wurden Frauen ja rasch ins Psychoeck gedrängt, wenn sie sich den patriarchalen Strukturen nicht fügen wollten und das ist dann auch das eigentliche Thema des Streifens, dem man aber auch eine gewisse Langatmigkeit nicht absprechen kann. Ich wollte den Streifen immer mal sehen und hab mit daher auch die neue Box aus dem Hause Severin (nicht codefree) gegönnt, aber so richtig hat mich der italienische Ausflug in die Welt von Emmanuelle nicht packen können.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Sa 17. Jan 2026, 19:22
von jogiwan
Sea of Love - Melodie des Todes

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„Sea of Love“ ist ja einer dieser vielen Thrillern aus den Achtzigern, die man irgendwann gesehen hat, halbwegs gut in Erinnerung hat und die sich bei erneuter Sichtung doch als recht schlecht gealtert herausstellen. Abgesehen davon, dass der Streifen zu keiner Sekunde auch nur ansatzweise spannend ist, bietet er auch katastrophale Figuren aus der schlimmsten Klischeekiste, die dann auch noch ständig völlig seltsame Dinge tun. Al Pacino spielt einen mit privaten Problemen überhäuften Polizisten mit kurzer Zündschnur, der auf eine selbstbewusste blonde Schuhladenbesitzerin trifft und sich Hals über Kopf in sie verliebt. Warum bleibt wohl das Geheimnis des Drehbuchautors, der wohl auch recht wenig Ahnung von Polizeiarbeit zu haben scheint. Dazu kommt John Goodman als humorvoller Sidekick, Bilder eines nächtlichen New Yorks und eine Auflösung, die ebenfalls völlig haarsträubend erscheint. Nach heutigen Gesichtspunkten würde man eine toxische Figur wie die von Al Pacino wohl nicht mehr positiv bewerten - im Jahre 1989 hingegen war das noch die klassische Identifikationsfigur für das männliche Publikum und vom Altersunterschied des On-Off-Paares will ich hier mal gar nicht anfangen. Aber auch so ist „Sea of Love“ als Mischung aus Polizeifilm, Erotik-Thriller, Buddy-Komödie und Alkohol-Drama insgesamt viel zu lang, zu mau und inhaltlich zu verkorkst, sodass er zwar immer noch irgendwie unterhaltsam ist, wenn auch aus den falschen Gründen.