Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

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Blap
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn B

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Kleine Hartbox von Eyecatcher, Cover B


Ultra Force - Hongkong Cop (Hongkong 1986, Originaltitel: Wong ga jin si)

Krawall & Rache, Rache & Krawall

Michelle Yip (Michelle Yeoh) arbeitet als Polizistin in Hongkong, während einer Flugreise wird sie von Michael Wong (Michael Wong) angesprochen, der den Arm des Gesetzes in der dünnen Höhenluft vertritt. Auch der Japaner Peter Yamamoto (Hiroyuki Sanada) befindet sich an Bord, er verdiente seine Brötchen früher ebenfalls als Bulle. Zunächst erregt der Transport eines Gefangenen -mit dem unsere drei Helden nichts zu tun haben- kaum Aufmerksamkeit, plötzlich startet ein Komplize des Gauners jedoch eine rücksichtslose Befreiungsaktion, bei der er ohne mit der Wimper zu zucken über Leichen geht. Michelle, Michael und Peter können das Gesindel ausschalten, die Ganoven überleben das beherzte Eingreifen des Trios nicht. Während Michael von der tollen Zusammenarbeit schwärmt und nebenbei Michelle ohne Atempause anbaggert, möchte Yamamoto lediglich seine Frau und Tochter einsammeln, um mit seiner Familie nach Japan zurückzukehren. Daraus wird jedoch nichts, denn die beiden getöteten Schwerverbrecher gehörten zu einem eingeschworenen Quartett, die beiden verbliebenen Killer schwören blutige Rache. Wenig später explodiert eine Autobombe, Yamamotos Frau und Kind kommen auf grausame Art ums Leben. Ein knallharter Kampf auf Leben und Tod seinen Lauf...

"Ultra Force" ist ein unterhaltsamer und kurzweiliger Actioner aus Hongkong, der aus den üblichen Zutaten zusammengebraut wurde. Die Helden bleiben ohne Tiefgang, gleiches gilt für die Fieslinge, doch wen kümmert diese Tatsache, schliesslich soll in einem Streifen dieser Gangart ordentlich auf den Putz gehauen werden. Schon der Auftakt im Flieger sorgt für gute Laune, wüstes Geballer und Gekloppe, irgendwann kracht auch die härteste Schwarte. Ein weiterer Höhepunkt kommt in Form einer rasanten Autojagd daher, am allerbesten gefällt mir die blutige Schiesserei in einer Bar, bei der selbstverständlich heftige Schlägereien nicht zu kurz kommen. Was zu Bruch gehen kann, das geht in solchen Szenen zu Bruch, inklusive der anwesenden Menschlein. Der Showdown sorgt für endgültige Klarstellungen, erneut wird geballert und geprügelt, vor der stimmigen Kulisse eine Kiesgrube geht es letztmalig um Leben und Tod, obendrauf gibt es ein groteskes Panzerfahrzeug und einige Explosionen, ein stilvoller Abgang ist somit garantiert. Sämtliche "Martial-Arts-Momente" werden vermutlich nahezu jeden Fan erfreuen, die Szenen sind sehr ansprechend choreographiert, überhaupt mangelt es bei der Action nicht an gesunder Härte (die nie allzu ruppige Dimensionen annimmt).

Michelle Yeoh mag vielleicht keine Schönheit sein, kommt aber sehr sympathisch rüber. Michael Wong macht uns den fröhlich-lockeren Clown, ab und zu droht er dabei die Grenze in Richtung Nervensäge zu überschreiten, bekommt aber immer "irgendwie" knapp die Kurve. Hiroyuki Sanada hat die interessanteste Rolle ergattert, wird durch den Verlust seiner geliebten Familie zum unnachgiebigen Rächer, kennt wie die Widersacher keine Grenzen mehr, jegliche Vernunft kommt unter die Räder. Zwar bietet das Trio keine schauspielerischen Glanzleisten, die sind sowieso nicht gefragt, hält den Zuschauer aber mit natürlicher und recht liebenswerter Ausstrahlung auf Kurs. Das Verbrechergesindel wurde ebenso mit treffsicherer Sorgfalt ausgewählt, die Antriebsfeder für den unbändigen Wunsch nach Vergeltung wird nachvollziebar aufgedeckt. Weitere Gestalten füllen das Ensemble solide auf, Michelles Chef wird zunehmend ungehalten, die Kollegen sind harmlose Deppen usw.. Verluste sind übrigens auf beiden Seiten zu beklagen, die strahlenden Helden kommen nicht ungeschoren davon, was dem Finale zusätzliche Würze und kernige Griffigkeit verleiht.

Wer Lust auf Hongkong-Action verspürt, der tätigt mit "Ultra Force" einen guten Griff. Klar, der Film hangelt sich hauptsächlich von Actionsequenz zu Actionsequenz, doch dazwischen herrscht nie zu viel Leerlauf, kommt nie Langeweile auf. Als Genre-Highlight mag die flotte Sause nicht durchgehen, guter Stoff wird aber fraglos geboten. Vor ein paar Jahren hat Eyecatcher den Film in Deutschland veröffentlicht, damals wurden Hartboxen mit unterschiedlichen Covermotiven angeboten. Inzwischen existiert eine Neuauflage, bei der ein Amaray Case als Verpackung dient. Die vorliegende DVD bietet ein brauchbares Bild, im Bonusbereich findet man hauptsächlich Trailer zu weiteren Scheiben des Labels.

Fazit: Radau!!! Präsentiert in angemessener Form und Funktion.

7/10 (gut)

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"Ihr werdet alle sterben, ihr Hunde!"
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn B

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Charles Bronson Double Feature aus dem Hause Warner (USA)


Telefon (USA 1977, Originaltitel: Telefon)

Telefonterror der besonderen Art

Der für den KGB tätige Major Grigori Borzov (Charles Bronson) erhält mit einen äusserst brisanten Auftrag. Er soll den flüchtigen Alt-Stalinisten Nicolai Dalchimsky (Donald Pleasence) aus dem Verkehr ziehen, der sich aus der Sowjetunion in die USA abgesetzt hat. Dalchimsky hat Zugriff auf ein tödliches Dokument, in einem kleinen Buch befinden sich die Daten von mehr als fünfzig Schläfern, die vor etlichen Jahren von den Russen in den Vereinigten Staaten "installiert" wurden. Damals hat man einen hypnotischen Befehl im Unterbewusstsein dieser Personen verankert, der beim Hören eines Gedichts ausgelöst wird, die Schläfer umgehend auf eine vorgegebene Sabotagemission schickt, Tod oder Freitod inklusive. Der Abtrünnige hat bereits erste Anschläge verübt, die Mission Borzovs ist daher von grösster Dringlichkeit. Da man seitens der russischen Verantwortlichen das damalige Projekt "Telefon" um jeden Preis unter der Decke halten will, müssen General Strelsky (Patrick Magee) und Oberst Malchenko (Alan Badel) auf die Fähigkeiten Borzovs setzen, der über einen zuverlässigen Spürsinn und ein fotografisches Gedächtnis verfügt. In den USA trifft Borzov auf die Agentin Barbara (Lee Remick), das Team tarnt sich als Ehepaar. Auf Seiten der USA tappt man zunächst im Dunkeln, kann sich die scheinbar unmotivierten Terrorakte nicht erklären, da die Täter zuvor nie auffällig wurden, allesamt als brave Staatsbürger ein mehr oder weniger unscheinbares Leben führten. Lediglich die clevere Analystin und Computerexpertin Dr. Dorothy Putterman (Tyne Daly) erahnt einen Zusammenhang mit der sowjetischen Innenpolitik, denn in der UdSSR werden momentan etliche Betonschädel aus der Stalin-Ära beseitigt...

Don Siegel hat im Laufe seiner Karriere einige Klassiker inszeniert. Als Beispiele möchte ich "Die Dämonischen" (Invasion of the Body Snatchers, 1956) und "Dirty Harry" (1971) nennen, bereits diese beiden Filme stechen das Gesamtschaffen manch anderer Regisseure locker aus. "Telefon" kommt als unterhaltsamer Agententhriller daher, Siegel setzt hier nur selten auf wüste Action oder sonstige Schauwerte, er vertraut der Story und seinem solide aufspielenden Ensemble. Erfreulicherweise reduziert man das Thema "Amis & Russen" nicht auf "Gut & Böse". Die Geheimdienste beider Staaten kommen nicht besonders gut weg, die auftauchenden Entscheidungsträger denken vor allem daran den eigenen Hintern zu retten. Immer wieder kommt zur Sprache, dass sich das Verhältnis zwischen den Supermächten entspannt, vor allem weil sich die Russen sich vom blinden Fanatismus der Stalin-Zeit distanzieren. Eine weitere Stärke des Streifens ist sein feiner Humor, der stellenweise gar recht subtil angelegt wurde, dem aufmerksamen Zuschauer wird häufig ein zufriedenes Grinsen übers Gesicht huschen. Hört euch den Lebenslauf eines aktivierten Terrorschläfers an, der vom US-Geheimdienstler einem Kollegen vorgetragen wird, ein vorbildlicher US-Amerikaner, Mitglied der Republikaner und viele weitere "erstrebenswerte" Dinge zierten seinen einwandfreien Lebenswandel.

Werfen wir einen Blick auf die Besetzung. Charles Bronson spielt seine Rolle mit souveräner Lässigkeit. Als Major Borzov muss er nur selten auf den Putz hauen, bei Bedarf handelt er jedoch kalt und präzise, sein analytischer Verstand hilft bei der Vermeidung schwerwiegender Fehler und sonstiger Nachlässigkeiten. Lee Remick ist mir durch "Das Omen" (The Omen, 1976) und "Der Schrecken der Medusa" (The Medusa Touch, 1978) in bester Erinnerung. Leider verstarb die talentierte Schauspielerin bereits 1991 im zarten Alter von lediglich 55 Jahren an Krebs. Zunächst mutet sie wie die typische "Alibi-Dame" an, aber ihre Rolle hat deutlich mehr zu bieten, wegen akuter Spoilergefahr gehe ich nicht weiter darauf ein. Mit den unzähligen denkwürdigen Auftritten von Donald Pleasence lassen sich vermutlich Romane füllen. Für mich ist er schon allein wegen seiner Darstellung des Dr. Sam Loomis unsterblich, er bereicherte "Halloween" (1978) und dessen Fortsetzungen ungemein, Loomis ist der wohl einer kauzigsten und neurotischten "Serienkiller-Antagonisten" der Filmgeschichte! In "Telefon" gibt Pleasence den Bösewicht, trägt ein paar lustige Verkleidungen zur Schau, darf aber leider nie die wilde Wutz von der Leine lassen. Dennoch unterhält auch ein ausgebremster Pleasence vortrefflich, geschickt vermeidet der Film die direkte Konfrontation mit Häscher Bronson, Borzov bekommt erst im Finale Zugriff auf den fanatischen Dalchimsky (oder vielleicht gar nicht? Überprüft es bitte selbst!). Tyne Daly durfte im dritten Dirty-Harry-Flick an der Seite von Clint Eastwood agieren, in "Telefon" sorgt sie für Witz und erntet jede Menge Sympathiepunkte, lässt ihre Vorgesetzen verdammt alt und dümmlich aus der Wäsche glotzen. Damit sind die herausragenden Rollen genannt, Patrick Magee deckelt die übrigen Militär- und Geheimdienstschädel mit seiner verschlagenen Fiesheit, General Strelsky ist perfekte Verkörperung der klassischen Arschkrampe.

Ich liebe Charles Bronson, der Mann mit dem kühlen Blick und dem kernig-kantigen Antlitz, war einer der ganz grossen Helden meiner Jugend. In den achtziger Jahren landeten seine Cannon-Streifen immer wieder im VHS-Kasten, teils hatte ich die Möglichkeit ein paar dieser Perlen damals im Kino zu sehen. Zug um Zug fanden weitere Werke mit Charlie den Weg in mein Herz, der auch in meinem Lieblingsjahrzehnt -natürlich den siebziger Jahren- in unverzichtbaren Filmen am Start war. Alte Liebe rostet bekanntlich nicht, so hat sich an meiner Verehrung für Charles Bronson nichts geändert, immer wieder sind seine Filme zu Gast in meinem DVD-Player, sie werden mich mit Sicherheit bis an mein Lebensende begleiten. Doch ich will nicht in unbändige Lobhuldigungen und Liebeserklärungen verfallen, es wird Zeit für die abschliessenden Worte zu "Telefon". Hektiker werden wenig Freude mit diesem Streifen haben, Siegel nimmt sich Zeit, lässt den Figuren und der Atmosphäre Raum zur Entfaltung. Eventuell hätte dem Gesamteindruck ein leichtes Anziehen der Spannungsschraube gut zu Gesicht gestanden, in dieser Hinsicht löst lediglich das Finale eine deutliche Beschleunigung des Pulsschlags aus. Dieser Kritikpunkt dämpft den Unterhaltungswert für meinen Geschmack kaum, nur das zu weichgespülte Ende passt mir nicht in den Kram, da war in den Siebzigern manch anderes Werk mutiger und konsequenter unterwegs.

In Deutschland liegt bisher keine offzielle DVD zu "Telefon" vor, ein Bootleg wird rege und mit dreister Stumpfsinnigkeit vertrieben, ein Blick ins Netz gibt Aufschluss. Ich will keinesfalls den Moralprediger geben, doch ich habe lieber zur sehr preiswerten DVD aus den USA gegriffen, anstatt weitaus mehr Zaster für eine zumindest fragwürdige Scheibe auf den Tisch zu legen. Warner bietet leider nahezu keine Boni an, mehr als ein Trailer ist nicht zu finden. Auf der doppelseitigen DVD liegt weiterhin "St. Ives" vor, zu dem ich nach erfolgter Sichtung meinen Senf abgeben werde. Die Bildqualität geht in Ordnung, schwankt zwischen gut und befriedigend, einige Szenen schwächeln in der Diszilpin Schärfe, der englische Ton lässt sich durch Untertitel ergänzen. Wer auf die deutsche Synchronisation verzichten kann, tätigt mit diesem Bronson-Doppel einen sehr guten Kauf, die DVD bekommt man für wenige Taler regelrecht nachgeworfen.

Bronson cool und überlegen, auch ohne viel Getöse ein echter Gewinner!

Gut = 7/10

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"Cleopatra says there will be snow from the West. Bang, Bang, Bang."
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn B

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Grosse Hartbox von X-Rated


Durch Liebe weg vom Stoff (Frankreich 1979, Originaltitel: Une femme spéciale)

Frau Schubert auf dem Trip

François (Paul Pallardy) nutzt seine Gattin Yasmine (Karin Schubert) schamlos aus. Ständig schmuggelt Yasmine Drogen für ihren Mann über die Grenze, hinter ihrem Rücken treibt der Bursche es jedoch mit einer anderen Dame. Als schwere Jungs dem geldgierigen François ein besonders ertragreiches Geschäft in Aussicht stellen, lässt sich dieser trotz Bedenken seiner Freunde darauf ein. Diesmal soll Yasmine nicht Hasch transportieren, sondern den weitaus ertragreicheren Stoff Heroin. Zufällig beobachtet die Blondine ihren Göttergatten beim Akt auf verbotenem Terrain, wütend und verletzt entsorgt sie das Pulver im Meer, kehrt François kommentarlos den Rücken zu. Jean-Louis (Jean-Marie Pallardy), alleinerziehender Vater von zwei Kindern, hat ganz andere Sorgen. Seine erste Begegnung mit Yasmine verläuft wenig freundlich, denn er hat kein Verständnis für die Drogensucht der schönen Unbekannten, ihr persönlicher Bedarf endet ebenfalls in den Fluten. Kurzerhand packt sich der Fischer die widerspenstige Frau, will sie in seiner bescheidenen Behausung entgiften. Zunächst wehrt sich Yasmine gegen die unerwünschte Hilfsbereitschaft, dennoch fühlt sie sich zu dem konsequenten Jean-Louis und dessen Familie hingezogen. Wird sich Yasmine auf ein neues Leben einlassen, ihren untreuen und hinterhältigen Ehemann und die Drogen für immer abhaken? François hat derweil mächtig Ärger am Hals, denn seine "Geschäftspartner" wollen endlich Kohle sehen, fiese Schergen machen sich auf die Suche nach Yasmine...

"Durch Liebe weg vom Stoff" baut auf die Vorzüge Karin Schuberts, die keinesfalls etwas mit dem schauspielerischen Talent der Hamburgein zu tun haben. Frau Schubert vergnügt sich vorzugsweise am Strand mit Jean-Marie Pallardy, der neben der männlichen Hauptrolle auch die Regie beisteuerte. Diese Momente sind Klischee in Reinkultur, nackte Leiber zucken im Rausch der Lust, die bebenden Körper werden von den sanften Wellen umspült. Es mangelt Pallardy an Gespür für wirklich stimmungsvolle Kameraeinstellungen, einem Joe D'Amato kann er zu keiner Zeit das Wasser reichen. Keine Panik, der Flick bleibt auf Softkurs, die Schubert sollte bekanntlich erst ein paar Jahre später im HC-Sektor aktiv werden. So flach das Gerödel am Strand auch anmuten mag, ein gewisse Schönheit, Erotik und einen Hauch Romantik kann man den Szenen nicht absprechen, daran ändert selbst die teils unbeholfene Inszenierung nichts.

Seinen tatsächlichen Unterhaltungswert entfaltet der Streifen aber durch zahlreiche Absurditäten, teils auch durch die bescheuerte Synchronisation für den deutschsprachigen Raum, die Schwachsinn und handwerkliches Unvermögen perfekt miteinander verbindet. Yasmine und François scheinen in einer Art "Post-Hippie-Drogen-Kommune" zu leben, die sich durch den Handel mit soften Drogen finanziert, nebenbei werden gern Körpersäfte ausgetauscht. Damit sein Weibchen stets gefügig bleibt, wird Yasmine von François mit harten Drogen vollgepumpt, ein Gewissen ist dem Saukerl fremd. Freilich hört sich das noch nicht allzu beknackt an, die Leistungen der Darsteller (in Verdindung mit der deutschen Syncho) lassen aber von Beginn an auf ein besonderes Filmerlebnis hoffen. Ja, die Sause lässt sich im weiteren Verlauf tatsächlich nicht lumpen. Ganoven tauchen bei François und Konsorten auf, verschaffen sich per Prügel Gehör ("Durch Prügel zurück zum Stoff" wäre eine herrliche Alternative zum biederen Titel für den deutschen Markt). Naja, die Fieslinge vermöbeln Männlein und Weiblein, die bekifften Pseudo-Späthippies schauen unbeholfen zu. Nun ergießt sich der erste sinnliche Höhepunkt über den Zuschauer! Ein Hänfling springt auf, führt wilde Verrenkungen auf, vermutlich hat er zu viele Bruce Lee Filme geschaut, sein Gegenspieler kontert mit nacktem Oberkörper, beendet das Treiben -nach einigem wilden Gezappel- mit einem Tritt in die empfindliche Zone seines Widersachers. Was für ein debiles Gehampel, ich habe Tränen gelacht!

Gesichtsruine Gordon Mitchell spielt übrigens auch mit, naturgemäß gibt er ein Ekelpaket. Der liebe Gordon darf sich mit Jean-Louis kloppen, ein weiterer Hirni lässt die Fäuste fliegen, unsere Karin tritt zu, Gordon hört die eigenen Nüsse knacken. Karin hat genug, sie haut auf die Pauke, Ende im Gelände. Wer, wie, was??? Verdammt, überzeugt euch selbst davon, ich übertreibe nicht! Zusammenfassend prasseln entweder dümmliche Dialoge auf den Zuschauer ein, hagelt es Schläge, oder gibt sich Frau Schubert der Lust hin. Ihr wolllt es genauer wissen? Wollt erfahren wann (und ob) sich Yasmine endgültig für ein neues und besseres Leben entscheidet? Strand, Titten und flinke Finger, mehr sage ich dazu nicht.

"Durch Liebe weg vom Stoff" ist manchmal erotisch, immer auf besondere Art unterhaltsam, sorgt für viele (unfreiwillige?) Lacher, ist in erste Linie knuffig und saudoof. Für eine sehr angenehme Überraschung sorgt die DVD aus dem Hause Bethmann (X-Rated). Die Kinofassung läuft rund 74 Minuten, die knackig-kurze Spielzeit erweist sich nicht als Nachteil, kaschiert die arg schmale Story sehr gut. Diese Version wird in einer wirklich schönen Bildqualität präsentiert, ich bin begeistert. Als Bonus bietet die DVD eine deutlich längere Variante an, die es auf knapp 94 Minuten bringt. Dort sind ein paar HC-Szenen enthalten, allerdings auch ein paar zusätzliche Szenen die ein Scherflein zur Handlung beitragen. Zwar haben die HC-Szenen keinen sinnvollen Bezug zum Rest des Streifens, sind aber durch die Mitwirkung von Brigitte Lahaie interessant, die jedem Erotik- und/oder Rollin-Fan bekannt sein dürfte. In der SC-Version ist Lahaie nur mehrfach kurz zu sehen. Die lange Fassung wirkt weniger stimmig, stellt für Fans aber eine schöne Beigabe dar. Im Gegensatz zur Kinofassung liegt die HC-Version nicht anamorph vor, das Bild ist von "nostalgischer-80er-Videotheken-Qualität" (was ich in diesem Zusammenhang nicht negativ werte). Daumem hoch für diese Veröffentlichung!

In diesem Fall verweigere ich die Zahlenwertung! "Durch Liebe weg vom Stoff" (Eigentlich: "Aus Liebe weg vom Stoff", so ist es zumindest im Vorspann vermerkt) ist ein Film für Freunde groben Unfugs und wohlgeformter Damenkörper. Das Wiedersehen mit Karin Schubert war angenehm, ich erinnere mich noch schwach an ein paar HC-Streifen, die vor mehr als zwanzig Jahren zufällig den Weg in meine Tapemaschine fanden (Ähm, das tut nichts zur Sache, genug für den heutigen Abend). Vergesst bitte nicht, die Schubert ist auch in "Blaubart" am Start, in dem Richard Burton richtig feist vom Leder zieht! (Netter Versuch...)

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"Sie haben den Führerschein wohl per Telefon gemacht!"
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn B

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Grosse Hartbox von X-Rated


Die Todeskarawane der Shaolin (Hongkong, Taiwan 1972, englischer Titel: The Adventure)

Blinde Rache, die Pelzmütze schlägt zu

Vor zehn Jahren fielen Meister Lo und seine Begleiter einem heimtückischen Überfall zum Opfer. Wang Yu (Wang Yu) hat Rache geschworen, will den/die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Der Zeitpunkt der Entscheidung rückt näher! Auch die Familie Wan, mit der Wang Yu befreundet ist, scheint in das Netz aus Machtspielen und Rachegelüsten verstrickt zu sein...

Die herrlichen deutschen Titel etlicher Eastern aus den siebziger Jahren, haben häufig wenig bis gar nichts mit den Originaltiteln zu tun. So wird der geneigte Fan auch hier weder "Shaolin" noch eine "Todeskarawane" vorfinden, für ein zufriedenes Schmunzeln sorgt die hiesige Namensgebung jedoch mühelos. Wang Yu ist nahezu ein Garant für kernig-knuffige Easternunterhaltung, allerdings zählt "Die Todeskarawane" nicht zu den Höhepunkten innerhalb seiner Filmographie.

Keine Panik, ein Griff ins Klo ist der Flick keineswegs, er bleibt lediglich spürbar hinter den üblichen Qualitäten eines Streifens mit Wang Yu zurück. Die Kampfszenen muten teils holprig an, gleiten ab und an in unbeholfenes Gezappel ab. Ungewöhnlich, denn Wang Yu versteht es sonst blendend, seine nicht unbedingt meisterlichen Martial Arts Künste geschickt ins rechte Licht zu setzen. Zusätzlich sorgt der Gebrauch von Schusswaffen für ein "unrudes" Bild. Immerhin verhilft die unfassbar ungelenke Anwendung der Knarren dem Film zu zahlreichen Lachern, wen kümmert es da schon, dass diese Schenkelklpofer vermutlich nicht beabsichtigt waren. Wang Yu war in den frühen siebziger Jahren sehr beschäftigt, diesmal kommt er mir fast ein wenig lustlus und ausgelaugt vor. Es passt daher ins Bild, wenn der "Rachefeldzug" erstaunlich zahm und manchmal fast lahmarschig über den Bildschirm flimmert. Gegen Ende wird es sogar richtig unangenehm für den Helden, da hilft ihm selbst seine neckische Kopfbedeckung nicht weiter. In den Nebenrollen entdeckt man diverse Gestalten, die immer wieder in Beiträgen zum Genre auftauchen. Fiese Schurken, verschlagene Intriganten, tragische Figuren, hübsche Frauen. Handwerklich bestenfalls durchschnittlich, vor allem der Schnitt kommt mir holprig vor.

Einsteiger schauen sich besser an anderer Stelle um, Fans und Sammler kommen auf ihre Kosten. Die DVD aus dem Hause X-Rated reisst wahrlich keine Bäume aus, doch die Zielgruppe wird mit der gebotenen Qualität leben können. Mich stören die unzähligen Kratzer und sonstigen Verschmutzungen nicht, Technikfetischisten und Pixelzähler sollten die Scheibe meiden!

Fazit: Nette Unterhaltung. Von den Perlen des Genres ist "Die Todeskarawane der Shaolin" mindestens 999999 Kampfschreie & Knochenbrüche weit entfernt! Freundlich gestimmte 6/10 (Obere Mitttelklasse) von meiner Seite.

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"Sag deinem Chef, ich werd' auf ihn warten! Um ihm das Genick zu brechen!"
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn B

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Kleine Hartbox von Eyecatcher, Cover A


Blutiger Schweiss (Italien 1976, Originaltitel: Poliziotti violenti)

Der unbeugsame Eckschädel

Major Altieri (Henry Silva) stellt gern unbequeme Fragen, will illegale Machenschaften innerhalb des Militärapparates aufdecken und anprangern. Seinen Vorgesetzten passt diese Gangart nicht in den Kram, daher wird der lästige Offizier von Rom in Richtung Mailand abgeschoben. Immerhin lernt er während einer Zugfahrt die attraktive Anna (Silvia Dionisio) kennen, auf dem beruflichen Abstellgleis möchte er dennoch nicht versauern. Als Schurken vor seinen Augen einen kleinen Jungen entführen wollen, greift Altieri beherzt ein, rettet das Kind aus den Fängen der brutalen Verbrecher. Freilich lässt sich die lokale Unterwelt eine solche Frechheit nicht bieten. Altieri kassiert wenig später eine heftige Abreibung, die ihm eine lädierte Visage samt Krankenhausaufenthalt einbringt. Während man ihm die Kauleiste mit Anlauf verschönerte, bemerkte der geschundene Major eine beunruhigende Ungeuerheuerlichkeit. Die Gangster waren mit neuen Automatikwaffen ausgestattet, auf die bisher offiziell lediglich die Armee zu Testzwecken Zugriff hatte. Kommissar Tosi (Antonio Sabato) zeigt sich als zuständiger Ermittler zunächst wenig erfreut über Major Altieris Eifer, doch nach und nach lernen sich die Streiter für Recht und Ordnung schätzen, ziehen tatkräftig an einem Strang...

Denkt der Fan an die kernigen italienischen Polizeifilme der siebziger Jahre, kommen ihm vermutlich sofort klangvolle Namen wie Umberto Lenzi und Fernando Di Leo in den Sinn, denn diese Regisseure fügten dem Genre einige seiner grössten Klassiker hinzu. Michele Massimo Tarantini mag nicht zur ersten Garde der Poliziesco-Macher zählen, ein Streifen wie "Blutiger Schweiss" -der früher auch unter den besser gewählten Titel "Die Ratten von Milano" bekannt war- ist für jeden Freund dieser Filmgattung gleichwohl unverzichtbar.

Neue Aspekte kann der Flick nicht unters Volk bringen. Egal ob Drebuch, Inszenierung oder Darsteller, Tarantini und seine Mannschaft bedienen sich bekannter und bewährter Zutaten. Oft mutet "Blutiger Schweiss" wie "Lenzi-light" an, ohne dabei die Qualität des Meisters zu erreichen. Es wird geballert und geprügelt, geraubt und geschändet, selbstredend wird nicht auf geschrottete Autos und rasende Motorräder verzichtet. Hin und wieder geht es blutig zur Sache, der gewaltsame Tod unbeteiligter und harmloser Passanten untermauert die klare Ansage: In der Stadt ist das Pack unterwegs, brave Bürger müssen ständig und überall um ihr kleines Leben fürchten! Angenehmerweise tritt die Sause nicht ständig mit voller Wucht auf die Tube, immer wieder nimmt sich Tarantini Zeit für ruhige Einstellungen, stellt die (durchaus vorhandene) Schönheit der Stadt kurzzeitig in den Vordergrund. So lässt er seinen Helden Major Altieri durch ein stimmungsvoll beleuchtes Altstadtambiente schreiten, bricht den kleinen Anflug von Großstadtromantik aber sofort auf, kehrt ihn in die räudig-überzeichnete Polizieso-Realität um. Ihr ahnt es bereits, plötzlich taucht eine Horde fieser Fratzen auf, vermöbelt den unerwünschten Störenfried nach allen Regeln der Kunst. Klar, von solchen Bestrafungsaktionen lässt sich ein Recke wie Major Altieri nicht unterkriegen, mit zunehmendem Gegenwind schwillt der Kamm des Militärschädels heftiger und heftiger an.

Damit sind wir bereits beim üblichen Blick auf die Riege der Schauspieler angekommen. Henry Silva gehört ohne Zweifel zu den ganz grossen Namen des Genres. Sein markantes Gesicht prägt sich sofort nachhaltig ein, sein minimalistisches und effektives Spiel hat verständlicherweise noch immer viele Freunde, auch ich bin ein bekennender Verehrer des ruppigen Eckschädels. Egal ob sich Silva als Bulle um einen durchgeknallten Schwerverbrecher kümmern muss (Der Berserker, 1974), oder ob er selbst als Drecksack auf den Putz (und die bemitleidenswerte Frau Bouchet) haut (Die Rache des Paten, 1974), Henry Silva bleibt immer in Erinnerung, kann den Filmen seinen Stempel aufdrücken, zumindest eine eindeutige Duftmarke hinterlassen. Später setzte er ultraharten Superduperkampfbartklopskloppern wie Chuck Norris (Cusack - Der Schweigsame, 1985) und Steven Seagal (Nico, 1988) zu, fegte zuvor mit dem stählernen Besen durch die zerstörte Bronx (The Riffs II - Flucht aus der Bronx, 1983). Vor lauter Begeisterung möchte ich weitere Glanztaten des Herrn Silva aufzählen, doch das würde den Sinn dieses Beitrages sprengen (Lieber Chuck, lieber Steven. Nehmt mir die freundliche Umschreibung nicht übel, ich liebe euch, das wisst ihr doch!). Silva agiert in "Blutiger Schweiss" üblich, selten huscht fast ein kleines Lächeln über sein Gesicht, zeigt sich ein Anflug von Milde. Antonio Sabato hat als Co-Held keinen leichten Stand gegen die Präsenz Silvas, macht seinen Job dennoch gut, bleibt gleichzeitig aber weit von der Explosivität eines Maurizio Merli entfernt (was sich nicht als schädlich erweist, ich möchte lediglich keine "falsche" Erwartungshaltung erzeugen). Silvia Dionisio durchlebte "Horror-Sex im Nachtexpress" (1979), erlebte "Eiskalte Typen auf heißen Öfen" (1975). Als Freundin des Helden lebt sie nicht nur in ständiger Sorge um ihren Liebsten, sie wird mit in den Strudel der Gewalt gesogen, wird so zur Antriebsfeder der finalen Eskalation aus Zorn und Gewalt. Dionisio zeigt sich hier als eher biedere und unauffällige Durchschnittsfrau, kann ihre grosse Attraktivität aber erfreulicherweise nie verstecken. Schon ein Blick in ihre Augen beschleunigt meinen Puls, daran ändert die brav-dezente Anlage ihrer Rolle nichts (Lustgreise aller Länder, hechelt mit mir!).

Die übrigen Gestalten suhlen sich vornehmlich im Sumpf des Verbrechens, kleine und mittelgrosse Schweinebacken treiben den Zornespegel der Helden ausdauernd in die Höhe. Überall regiert die Verdorbenheit, korruptes Pack in den Büros, brutaler Pöbel auf der Strasse. Wie bringt es einer der Schweinepriester sinngemäß auf den Punkt: "Alle sind koruppt, nur der Preis ist unterschiedlich". Vielleicht hätte ein echter Antagonist dem Film zusätzliche Reize verliehen, allerdings erfüllt die konturarm wabernde Verbrecherflut ihren Zweck, unterstreicht die geringen Erfolgsaussichten der Aufrechten. Da passt dann auch das Finale pefekt ins Bild, über dessen Verlauf ich mich allerdings nicht auslassen werde.

Michele Massimo Tarantini hat dem Genre mit "Poliziotti violenti" keinen Höhepunkt zugefügt. Solides Handwerk und schmackhafte Ingredienzien vereinen sich zu einem unterhaltsamen Beitrag für Liebhaber, Neulinge werden nicht abgeschreckt, finden aber bei Lenzi und/oder Di Leo geeignetere Einstiegsdrogen. Den Score steuerten übrigens die De Angelis Brüder bei, daher wird auch in dieser Disziplin guter Stoff aufgeboten. Dank der DVD aus dem Hause Eyecatcher liegt der Film in ansprechender Verfassung vor, neben der deutschen Synchronisation befinden sich auch der italienische Originalton und die englische Variante an Bord. Im Bonusbereich gibt es Trailer zu weiteren Titeln des Labels zu bestaunen. Ursprünglich wurde die Scheibe in Hartboxen ausgeliefert, inzwischen dient ein herkömmliches Amaray-Case als Verpackung. Über die Seriösität der Label Eyecatcher, NEW (usw.) wurde bereits häufig diskutiert, ich will mich an dieser Stelle nicht dazu äussern.

Zieht man die Spitze des Genres zum Vergleich heran, müsste sich dieser Streifen mit einer Bewertung im Bereich 6-6,5/10 begnügen. Durch meine stets freundlich eingefärbte Fanbrille erblicke ich jedoch eine kleine 7/10 (gut).

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"In dieser verdammten Stadt scheint es nur Gewalt zu geben."
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn B

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Werwolf - Der Kuss der Bestie (USA 1990, Originaltitel: Meridian)

Full Moon im Schongang

Gina (Charlie Spradling) arbeitet in Italien, momentan restauriert die junge Künstlerin alte Gemälde. Catherine (Sherilyn Fenn) ist die Erbin eines mittelalterlichen Schlosses, gelegen in einer malerischen Ecke des Stiefellandes. Nach längerer Zeit sehen sich die Freundinnen endlich wieder, Gina folgt Catherines Einladung auf deren Anwesen. Als ein kleiner Wanderzirkus ganz in der Nähe eine Vorstellung gibt, überredet Gina die skeptische Catherine zum Besuch der Show. Da Gina von den Zirkusleuten begeistert ist, lässt sich die noch immer skeptische Catherine auf Drängen ihrer Freundin darauf ein, alle Mitglieder des Ensembles zu einem üppigen Mahl auf das Schloss zu bitten. Besonders der rätselhafte und charismatische Lawrence (Malcolm Jamieson) regt die Phantasie der Damen an, unbemerkt mischt man Catherine und Gina ein berauschendes Mittel in den Wein. Die Schlossherrin erlebt eine unfassbare Nacht, im Rauschzustand glaubt sie von einer haarigen Bestie geliebt zu werden. Am nächsten Morgen sind beide Frauen zerknirscht, der Zirkus scheint weitergezogen zu sein, Gina verlässt das Schloss und stürzt sich in ihre Arbeit. Catherine wird von erschreckenden Trugbildern gepeinigt, die vergangene Nacht wird nicht ihre letzte Begegnung mit Lawrence und dessen Begleitern gewesen sein. Welch fürchterliches Geheimnis umgibt den Magier und seine Truppe, welches Schicksal lauert auf Catherine...???

(Nicht nur) unter dem Full Moon Banner hat Charles Band zahlreiche Filme produziert und teilweise inszeniert, Band war bereits zuvor ein sehr umtriebiger Filmemacher. Full Moon bereicherte die bunte Welt der B-Movies um schöne Beiträge, als Beispiele möchte ich die Reihen "Puppet Master" und "Subspecies" anführen. "Der Kuss der Bestie" (der Zusatz "Werwolf" taucht erst seit der Veröffentlichung der DVD im Titel auf) zählt zu den ruhigeren Werken der Filmschmiede, präsentiert sich erstaunlich zahm, "überwiegend seriös" und krawallarm.

Band drehte in Italien, nutzt geschickt die reichlich vorhandene Ausstrahlung der alten Gemäuer, in denen sich der grösste Teil der Handlung abspielt. Die malerische Umgebung wird weniger konsequent eingebaut, in dieser Hinsicht wäre eine Prise mehr Fingerspitzengefühl angenehm. Trotzdem gelingt der Aufbau einer stimmigen Atmosphäre, die hauptsächlich durch die dunkle Romantik der tragischen Liebesgeschichte abgerundet wird, ein angehmer Schuss Erotik thront als schmackhaftes Sahnehäubchen auf dem Geschehen. Der Name Charles Band steht häufig für groben Unfug, Trash und diverse Kaputtheiten. Dieser Beiträg schwimmt ein wenig gegen den Strom, lediglich die nicht wirklich gelungene Aufmachung des Werwolfs sorgt für unfreiwillige(?) Grinser. Zugegeben, die Story ist reichlich abgenudelt, wurde schon unzählige Male ausgeschlachtet, einen Preis für Kreativität verdient das Drehbuch sicher nicht. Dennoch sind manche Klischees und Dauerwürste immer wieder für einen netten Filmabend gut, daher schaue ich gern über den Mangel an Innovation hinweg.

Sherilyn Fenn wurde durch den grossen Erfolg der TV-Serie "Twin Peaks" in den frühen neunziger Jahren zum Star, der Hype um das attraktive Nachwuchstalent löste sich jedoch schnell in Wohlgefallen auf. Seither taucht die hübsche Sherilyn immer wieder in Fernsehproduktionen auf. Aus der ganz grossen Karriere wurde nichts, doch immerhin versank Frau Fenn nicht im Meer der bedeutungslosen Eintagsfliegen. Die Rolle der Catherine passt wunderbar zu ihr, denn sie baut hauptsächlich auf ausdrucksstarke Augen und einen schönen Körper. In diesen Disziplinen zählt Sherilyn Fenn ganz eindeutig zur Oberklasse, nebenbei umgibt sie stets der reizvolle Hauch einer verführerischen Mixtur aus Naivität und Verdorbenheit. Charlie Spradling kann zwar nicht mit der Ausstrahlung Fenns mithalten, passt aber optisch noch besser in mein Beuteschema. Reduziere ich mich auf einen triebgesteuerten Lustgreis (wie bitte, mehr ist da sowieso nicht?), hängt mir die Zunge bei Frau Spradling noch ein Stück weiter aus dem geifernden Schlund. Beide Damen haben in den erotischen Szenen die Gelegenheit ihre Reize ansprechend zu präsentieren (leider nicht mit-/auf-/unter-/ineinander). Nur kurzzeitig gleiten die Erotikszenen in Klamauk ab, warum hat man den haarigen Unhold nicht stilsicherer ausgeführt? Malcolm Jamieson füllt seine Doppelrolle ohne Fehl und Tadel aus, Phil Fondacaro peitscht als zorniger Zwerg durch die Kulissen, der vielbeschäftigte Vernon Dobtcheff wird jedem Filmfreund bekannt sein, er ist als Kirchenmann zu sehen. Hilary Mason soll nicht unerwähnt bleiben, sie wirkt als gute Seele des Schlosses mit, dient Sherilyn Fenn/Catherine als zuverlässiger Rettungsanker.

Statt durchgeknalltem Trash gibt es wohlgeformte Rundungen auf die Augen, gerne hätte Band seine anziehenden Damen häufiger ausziehen dürfen! Die Momente der Nacktheit muten nie allzu offensiv an, der Streifen setzt ganz eindeutig auf Erotik, nicht auf Sex. Die Altersfreigabe (FSK 18) verwundert, denn Möpse sind vermutlich auch ab 16 unbedenklich, Gewalt und Mettgut finden nahezu nicht statt. Die DVD aus dem Hause Voulez Vous geht in Ordnung, Pixelzähler und Technokraten sollten allerdings die Finger von dieser Veröffentlichung lassen. Im Bonusbereich findet der Fan ein paar Trailer und andere Kleinigkeiten, das Wendecover zeigt auf der Rückseite das schönere Cover des alten Tapes, kommt ohne den dicken "FSK-Flatschen" aus (oben ist das neue Cover abgebildet). Wer von Charles Band und Full Moon nicht genug bekommen kann, darf sich diese Scheibe ohne Bedenken in die Sammlung stellen, der günstige Kaufpreis sollte die Entscheidung positiv beeinflussen.

Kein Knüller, aber schöne Frauen und knuffiger Grusel haben bei mir zu jeder Zeit Kredit!

6/10 (obere Mittelklasse)

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"Ein perfekter Körper. Sanft und klassisch."
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn B

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#9 der Koch Media Western Collection


Der letzte Zug nach Durango (Italien, Spanien 1967, Originaltitel: Un treno per Durango)

Herr Steingesicht macht Spass

Gringo (Anthony Steffen) und Lucas (Enrico Maria Salerno) schlagen sich mühevoll durchs Leben, gerade haben sie einen erfolglosen Trip auf der Suche nach Platin hinter sich. Nun soll die Reise per Zug nach Durango führen, für die Tickets gehen Gäule und Knarren drauf, denn die Taschen des Duos sind völlig leer. Im Zug trifft Gringo auf die äusserst anziehende Journalistin Elène (Dominique Broschero), in die er sich Hals über Kopf verliebt. Plötzlich knallt und scheppert es gewaltig, eine wilde Bande mexikanischer Schurken überfällt den Zug, Ziel ihrer Begierden ist ein Tresor voller Gold. Es kommt jedoch nicht dicker, Gringo wird von einem Banditen niedergeschossen, Elène fällt in die Hände der ruchlosen Verbrecher. Immerhin hat Gringo Glück im Unglück, die Kugel des Killers wurde durch ein zuvor gestohlenes Zigarrenetui gestoppt. Auch Lucas überlebt die Attacke der wüsten Horde, ferner finden die ungleichen Freunde die beiden zum Tresor gehörigen Schlüssel. Nun beginnt ein aufregendes Abenteuer für unsere Helden, die sich umgehend an die Fersen der Mexikaner heften, zumindest unternehmen sie den Versuch dazu. Selbstverständlich geraten Gringo und Lucas in jede Menge brenzlige Situationen, aus denen sie immer wieder ein rätselhafter Bursche (Mark Damon) rettet...

"Der letzte Zug nach Durango" nutzt die mexikanische Revolution als "Hintergrundszenario", beschäftigt sich aber nur am Rande mit Politik. In erster Linie ist der Streifen ein typischer Italowestern, der durch die Zugabe einer ordentlichen Portion Humor in Richtung Komödie tendiert. Im Vorfeld sorgte das Wort "Komödie" für Sorgenfalten auf meiner alten Stirn, denn mit den üblichen Klamaukreissern kann ich (oft) nicht allzu viel anfangen. Glücklicherweise war meine Sorge unbegründet, der Humor rasselt hier nicht mit dem Vorschlaghammer samt "Kalauer-Synchronisation" auf den Zuschauer hernieder. Nein, dieser Film kann tatsächlich mit wirklich lustigen Momenten aufwarten, besonders die herrlich selbstironische Darbietung von Anthony Steffen sorgt für jede Menge Schmunzler (der Vollständigkeit halber: Antonio Luis von Hoonholtz de Teffè. Oder in der Kurzform: Antonio De Teffè). Regisseur Mario Caiano wirkte bei der Entstehung der Story mit, auch Duccio Tessari war involviert, der Fan des italienischen Genrekinos nimmt es mit Wohlgefallen zur Kenntnis.

Anthony Steffen ist noch immer für viele Italowestern-Fans ein Reizthema, oft wirft man ihm seine eingeschränkte Mimik vor, stempelt ihn als hüftsteif und hölzern ab. Unbestritten ist jedoch, dass Steffen zur grossen Zeit des Genres einer der gefragtesten Akteure war, daran können selbst seine grössten Skeptiker nicht rütteln. Ich mag Herrn De Teffè, seine Gestalt und sein markantes Gesicht reichen mir aus, um ihn zum erweiterten Kreis meiner liebsten Westernhelden zu zählen. Vielleicht lassen sich diesmal sogar die Nörgler zu einem milden Urteil bewegen, denn Steffen nimmt sich so treffsicher und gelungen auf die Schippe, wie soll man ihn da noch verteufeln? Also ihr spitzfindigen Meckermäulchen, gebt euch einen Ruck, es lohnt sich! Klar, Steffen profitiert ungemein von der Zusammenarbeit mit Enrico Maria Salerno, der die ihm zugeworfenen Bälle mit lockerer Meisterschaft zurückspielt, die beiden "tragisch-komischen Möchtegern-Helden" ergänzen sich vortrefflich. Bereits die zahllosen knuffigen Augenblicke zwischen Steffen und Salerno verleihen der Sause jede Menge Liebenswürdigkeit, der sich sogar ein Mufflon wie ich nicht entziehen kann. Mark Damon taucht stets zur rechten Zeit auf, hilft den überforderten "Schmalspur-Giganten" aus der Patsche. Bei Bedarf tuckert er mit seinem zwölf Pferdestärken aufbietenden Automobil herbei, lässt den Colt sprechen, im Ernstfall auch das Maschinengewehr rattern. Als undurchsichtiger "James-Bond-Ersatz" macht er eine gute Figur, obschon die Helden nur ungern und unfreiwillig auf seine Unterstützung bauen. Dominique Boschero sorgt für die weiblichen Reize, versteht es aber ebenso sich als wehrhafte Kratzbürste zu behaupten. In den Nebenrollen tauchen bekannte Gesichter auf, die jedem Freund des Italokinos ans Herz gewachsen sind. Namen wie Aldo Sambrell, Roberto Camardiel und José Bódalo sollten in dieser Hinsicht für sich sprechen. Wem diese Namen kein Begriff sind, sollte nach Bildern suchen, dadurch dürften sich einige "Ahaaaa-Momente" einstellen.

Mario Caiano stand ein solides Ensemble zur Verfügung, aus dessen Kreis vor allem Anthony Steffen mit einer bemerkenswerten Vorstellung im Gedächtnis bleibt. Die Kamera wurde von Enzo Barboni bedient, der später diverse Spencer & Hill Schoten als Regisseur verantwortete. "Un treno per Durango" bietet dem Fan ein wohlschmeckendes Mahl an. Es wird fleissig geballert und gestorben, der Humor ist für einen Western erstaunlich geistreich, eine Prise Revolution und ein Hauch Erotik runden den positiven Gesamteindruck ab. Übrigens beissen etliche Gesellen in den Staub, bei genauer Betrachtung offenbaren sich ab und an zynische Zwischentöne. Dass der Flick letztlich gar nicht soooo furchtbar typisch daherkommt, ist vor allem ein Verdienst des gelungenen Humors. Auf den Punkt gebracht: Überwiegend typisch, jedoch keinesfalls abgenudelt, angenehm frisch, frech & fröhlich!

Die Western Collection aus dem Hause Koch Media -wegen der farbenfrohen Covergestaltung gern "Regenbogen-Collection" genannt- ist für jeden Italowestern-Freund eine Quelle der Lust. Neben Klassikern des Genres ("Der Gehetzte der Sierre Madre" (1966) und/oder "Töte Amigo" (1967)) bietet die Reihe vor allem kleinere Perlen an, die auf ansprechende Weise aus dem Strudel der Vergessenheit gerettet wurden. "Der letzte Zug nach Durango" präsentiert sich sehr gut aufbereitet, die Bildqualität lässt kaum noch Wünsche offen, viel mehr geht auf einer DVD nicht. Im Bonusbereich plaudern Regisseur Mario Caiano und Darsteller Mark Damon aus dem Nähkästchen, ferner gibt es einen Trailer und eine Bildergalerie zu sehen. Wie üblich befindet sich die DVD in einem aufklappbaren Digipak, welches im Inneren einen lesenswerten Textbeitrag und hübsche Bilder anbietet. Noch ist die Scheibe für rund 10€ zu bekommen, in Anbetracht des Gebotenen ein geradezu unverschämt günstiger Preis, also greift schnellstmöglich zu!

Fraglos bleibt "Der letzte Zug nach Durango" deutlich hinter meinen Lieblingen zurück, dennoch ist dieser Streifen eine Bereicherung für jede Sammlung, für Fans sowieso unverzichtbar. Eine "sachlich-nüchterne" Bewertung (haha, als ob ich dazu in der Lage wäre) würde ich im Bereich 6,5-7/10 ansiedeln. An dieser Stelle muss ich einmal mehr in die grosse Kiste mit den Wohlfühl- und Knuffigkeitspunkten greifen, die der geneigte mit dem Herzen schauende Filmfreund bitte hin­zu­ad­die­ren möge.

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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn B

Beitrag von Blap »

Da zu den folgenden Filmen bereits unzählige Beiträge im Netz zu finden sind, werde ich mich diesmal auf ultrakurze Kommentare beschränken.


Psycho (USA 1960)

Die Story wird jedem Filmfreund bekannt sein. Meine letzte Begegnung mit dem Film lag bereits recht lange zurück, daher wurde es höchste Zeit die günstig erhältliche BD zu kaufen. Hitchcock inszenierte mit "Psycho" ein richtungsweisendes Meisterwerk, einen DER ganz grossen Klassiker der Filmgeschichte. Legionen von Regisseuren werden bis in die heutige Zeit durch "Psycho" inspiriert, herrliche Genres wie z.B. der Giallo und der Slasher berufen sich immer wieder und stetig aus Hitchcocks Überflieger.

Besser geht es nicht. Perfekte Besetzung, Spannung, Schockmomente, fasziniernde Atmosphäre. Aber das wisst ihr alles selbst, also schaut euch den Streifen mal wieder an, es lohnt sich immer! Die BD zeigt den Film in schöner Qualität, abgerundet durch jede Menge Bonusmaterial. Übrigens ist die "50th Anniversary Edition" zu bevorzugen, denn bei der Steelbook-Ausgabe fehlt das Booklet. Das leidige Thema um die gekürzten Szenen... ...kann leider auch die BD nicht aus der Welt schaffen.

10/10

---

Die Goonies (USA 1985)

Bei "familienfreundlicher" Unterhaltung ergreife ich gern die Flucht. Doch es geht auch anders, die Goonies mochte ich bereits in den achtziger Jahren. Damals gab man als "junger Wilder" zwar nur ungern zu einen solchen "Softie-Streifen" zu mögen, doch "irgendwie" hatte fast jeder die knuffigen Goonies gern. Ist euch aufgefallen, dass "Sloth" der Bruder von Shannen Doherty sein könnte? Die Stellung der Augen passt, gewissermaßen wie die Faust aufs Auge.

Aus den Kinderstars wurden teils brauchbare Schauspieler, z. B. ist Sean Astin kaum aus den "Herr der Ringe" Werken von Peter Jackson wegzudenken. Nicht zu vergessen Josh Brolin, auf dessen Dienste die Coen Brüder bauten. Joe Pantoliano und Gesichtsruine Robert Davy als trottelige Gangster, Körperruine Anne Ramsey als deren gar schröckliche Mamaaaa. Die BD wird Technokraten eventuell nicht komplett befriedigen, tatsächlich schwankt die gebotene Qualität, insgesamt aber eine solide Präsentation.

Weniger als 7/10 mag ich nicht ziehen, denn noch immer sind die Goonies "irgendwie knuffig".
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn B

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UK-DVD von Optimum


She (Großbritannien 1965, deutscher Titel: Herrscherin der Wüste)

Usch Undress - Heisser als der glühende Wüstensand

Leo Vincey (John Richardson), Major Holly (Peter Cushing) und des Majors Diener und Vertrauter Job (Bernard Cribbins ) sind mutige und erfahrere Abenteurer. Eines Abends trifft Leo in einer Spelunke auf die junge Schönheit Ustane (Rosenda Monteros), mit der sich er wenig später an einen stilleren Ort zurückziehen will. Leider tappt der erwartungsfrohe Leo in eine Falle, wird von geheimnisvollen Gestalten hinterrücks ausser Gefecht gesetzt. Ustane soll jedoch nicht die Krönung dieser Nacht gewesen sein, denn plötzlich steht der Abenteurer vor der atemberaubend schönen und rätselhaften Ayesha (Ursula Andress), die ihm einen antiken Ring und eine alte Karte überreicht. Gemeinsam mit Holly und Job begibt sich Leo auf eine Reise voller Gefahren und Entbehrungen, die Karte soll den Gefährten den Weg zur sagenumwobenden Stadt Kuma weisen. Werden die Suchenden ihr Ziel erreichen, wird Leo die mysteriöse Ayesha wiedersehen, welche Pläne verfolgt die rätselhafte Grazie...???

Neben den herrlichen und prachtvollen Gothic Horror Werken, sorgte die britische Filmschmiede Hammer für viele andere reizvolle Streifen. "She" kommt als erbaulicher Abenteuer-/Fantasy-Mix daher, erfreut das Auge mit stimmungsvoller Ausstattung, vor allem mit einer erstklassigen Besetzung. Auf dem Regiestuhl nahm Robert Day Platz, in dessen Filmographie nicht nur einige Kinofilme auftauchen, sondern auch jede Menge Beiträge zu erfolgreichen TV-Serien. Keine Angst, "Die Herrscherin der Wüste" schrumpft zu keiner Sekunde auf TV-Format zusammen. Im Gegenteil, der Flick bietet sehr feine Hammer-Kost, obschon in diesem Fall nicht bewährte Größen wie Terence Fisher, Freddie Francis oder Roy Ward Baker für die Inszenierung verantwortlich zeichnen.

Hammer tischt uns all die schmackhaften Zutaten auf, die einen unterhaltsamen Abenteuerfilm mit deutlicher Schlagseite in Richtung Fantasy ausmachen. In der Wüste wird gekämpft, Durst und Hitze nagen mit Nachdruck an der Substanz der Helden. Wilde Wüstenkrieger setzen unseren Helden zu, wütende Schwarze sorgen für Krawall. Die Herrscherin der Wüste umgibt sich mit einer wehrhaften Leibgarde, deren Erscheinungsbild an römische Legionäre erinnert. Ein verschlagener Hohepriester darf nicht fehlen, ein magisches Feuer weckt gefährliche Begierden, im Finale wird ordentlich auf den Putz gehauen, bis dieser nicht nur von den Wänden fällt. Die tollen Außenaufnahmen werden durch gelungene Studiokulissen ergänzt, man sieht dem Film deutlich an, dass wird es hier mit einer der höherpreisigen Produktionen aus dem Hause Hammer zu tun haben.

Dennoch ist die beeindruckende Besetzungsliste die allergrösste Zierde des Streifens. John Richardson spielte 1966 die männliche Hauptrolle in "Eine Million Jahre vor unserer Zeit" (One Million Years B.C.), einer ebenso legendären Hammer-Schöpfung. In "She" bekommt er es mit den verehrungswürdigsten Kollegen des britischen Kinos zu tun, er hält sich erstaunlich gut, meistert seine schwierige Aufgabe ohne Fehl und Tadel. Freilich mutet Richardson oft wie ein Spielball an, dies ist der Rolle geschuldet, er verkommt trotzdem nie zur austauschbaren Randnotiz. Nun aber zu den Meistern, den Göttern, den Legenden, den Über-Helden (Contenance, Contenance)!!! Peter Cushing, Peter Cushing, Peter Cushing! Muss ich wirklich noch mehr schreiben? Ich liebe ihn, egal ob er sich todesmutig Dracula in den Weg stellt, oder den Todesstern unter seiner Knute hat, Cushing ist immer eine absolut sichere Bank, ein Schauspieler der unvergessen, unsterblich ist! Die Rolle es Ex-Militärs füllt er mit feinem Humor aus, bei Bedarf mit klugen Worten, im Notfall auch mit Taten. Damit nicht genug, in der Rolle des Hohepriesters sehen wir Christopher Lee, ein weiterer Liebling, ein Mann wie eine Edeltanne (hä?), ein Fels in der Brandung. Ich liebe ihn (wie überraschend)! Lee darf als Scheinheiliger ganz eigene Ziele verfolgen, die Maske fällt im Finale, mehr verrate ich nicht. Als wären wir damit noch nicht genug verwönht, präsentiert uns Hammer obendrein einen Star aus der zweiten Reihe, der sich brav hinter Cushing und Lee einordnet. Ja, der gute André Morell, der (wie alle Herren) unter der Fuchtel Ayeshas steht, den Vater der lieblichen Ustane (Rosenda Monteros) darstellt. Bernard Cribbins spielt sehr unterhaltsam den Diener Peter Cushings, das dynamische Duo ist ein knuffigesTeam, man möchte die beiden Burschen ständig knuddeln.

Ich will die Damen keinesfall in die zweite Reihe verbannen, doch das starke Geschlecht beschränkt sich auf lediglich zwei relevante Rollen (aber die haben es in sich!). Rosenda Monteros umschwärt als "Gute" den Abenteurer Leo, kämpft verzweifelt um dessen Liebe und Leben. Montereros passt vortrefflich in die Rolle der Ustane, fungiert als perfekt ausgewählter Kontrast zur "Bösen", der einzigartigen Ursula Undress (Andress! Verdammt!!!). Ok, Frau Andress wird nicht zu Frau Undress, der Fummel bleibt (leider) am Leib. Das "Original-Bond-Girl" darf als Herrscherin der Wüste auftrumpfen, trägt schrille und schöne Kostüme zur Schau, regiert mit gnadenloser Härte über ihre Untertanen. Wer sich IHR in den Weg stellt, der endet schnell im feurigen Schlund des Todes, wird vor ihrem Thron in ein glühendes Loch geworfen (nicht in IHR glühendes Loch, ihr Ferkel! Ich Ferkel?). Letztlich sehnt sich die mächtige Despotin nach Liebe, ihre Methoden sind allerdings von extrem fragwürdiger Natur, grrrrinsss. Ursula Andress ist umwerfend, ich kann meine Augen nicht von ihr lassen, gleite voller Freude mit Ayesha durch dieses kurzweilige Abenteuer.

"She" ist nicht nur ein sehr beachtlicher Abenteuerfilm, er punktet zudem mit einem konsequenten Ende. Ob dieses Ende nun freundlich oder fies daherkommt, davon müsst ihr euch schon selbst überzeugen, es lohnt sich! Eindrucksvoll ausgestattet und gefilmt, ein Drehbuch ohne Hänger, ausgezeichnet besetzt! Was will man mehr?

Weniger erfreulich stellt sich die Lage auf dem DVD-Markt dar. In Deutschland wurde der Film bisher nicht ausgewertet, daher dient mir die britische DVD als Ersatz. Von Optimum liegen mir diverse Scheiben vor, die Ausstattung ist in der Regel mager, die gebotene Qualität stimmt jedoch meist. Leider kann ich der DVD zu "She" kein gutes Zeugnis ausstellen. Das Bildformat ist nicht korrekt, überhaupt geht die Präsentation bestensfalls als "halbwegs brauchbar" durch. Hier wäre dringend eine Nachbesserung nötig, denn dieser feine Film hat es nicht verdient mit einem mittelprächtigen Scheibchen abgespeist zu werden! Da die UK-Scheibe zum kleinen Preis erhältlich ist, kann man zumindest einigermaßen mit ihr leben. Lieber nehme ich eine weniger gelungene Auswertung in Kauf, als völlig auf reizvolle Filme zu verzichten. Aaaber! Bitte, liebe Leute von Koch Media oder Anolis, kümmert euch um "Die Herrscherin der Wüste", sonst wird euch eines Tages Ayeshas Zorn treffen!

Mir liegen die wundervollen Hammer-Gothic-Grusler noch mehr am Herzen, aber "Die Herrscherin der Wüste" verdient zweifellos dicke 7,5/10 (gut bis sehr gut)!

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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn B

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Links: Cover der Box (drei Amaray Cases im Pappschuber) / Rechts: Cover der DVD (auch einzeln erhältlich)


Die Rache der Dinosaurier (USA 1969, Originaltitel: The Valley of Gwangi)

Das goldige Urpferd und der fette Freßsack

T.J. (Gila Golan) betreibt eine Wild West Show, momentan gastiert die Truppe in Mexiko, der Erfolg hält sich in überschaubaren Grenzen. Als plötzlich Tuck (James Franciscus) auftaucht, gerät T.J. umgehend und heftig in Wallung, denn der lebensfrohe Strahlemann war einst ihr Lebensgefährte. Noch immer ist die junge Frau ihrem Ex zugeneigt, schnell verfliegt ihre mühselig aufgesetzte Kratzbürstigkeit. Tuck möchte T.J. (und vor allem sich selbst) zu einem lukrativen Geschäft verhelfen, als diese ihm stolz die kommende Hauptattraktion ihrer Show präsentiert. Es ist kaum zu fassen, aber ein kleines Pferdchen hoppelt fröhlich auf dem Tisch herum, ein Wesen wie aus einer anderen Welt. Kurz zuvor hat Tuck den schrulligen Paläontologen Professor Bromley (Laurence Naismith) kennengelernt, der beim Anblick des Tierchens völlig aus dem Häuschen gerät. Tatsächlich scheint es sich um ein Urpferd zu handeln, eine seit vielen Millionen Jahren ausgestorbene Tierart. Die alte Mexikanerin Tia Zorina (Freda Jackson) warnt ständig und ausdauernd vor dem verbotenen Tal -aus dem das Tierchen stammt- ihre Schergen entwenden das Pferdchen aus der Obhut seiner neuen Besitzerin. T.J., Tuck, Bromley und diverse Helferlein heften sich an die Fersen der Diebe, nach einem flotten Ritt findet man einen Zugang in das sagenumwobene Tal. Was die Dame und ihre Herren dort erwartet, übertrifft selbst die kühnsten Erwartungen des fachkundigen Prof. Bromley. Im vermeintlichen Paradies für Forscher und Geschäftemacher lauern allerdings immens gefährliche Ungetüme, darunter der stattliche und extrem gefräßige Allosaurus Gwangi...

Meine ältesten Erinnungen an wirklich beeindruckende Streifen, mich gewissermaßen fürs Leben prägende Werke, beziehen sich auf Gruselfilme der britischen Schmiede Hammer (Dracula, Blut für Dracula, Dracula jagt Mini-Mädchen), die damals wohl den Grundstein für meine Liebe zum Horrorkino legten. Dazu gesellen sich die ebenfalls im Gedächtnis eingebrannten Begegnungen mit japanischen Monsterknüllern (Godzilla, Die Rückkehr des King Kong). Später tauchten Filme auf meinem Schirm auf, bei denen Ray Harryhausen für die Monstereffekte sorgte. Ich mache keinen Hehl daraus, dass mir die Suitmation-Stampfer aus dem Land der aufgehenden Sonne noch immer (und ewig) näher am Herzen liegen, doch den knuffigen Stop-Motion Ungetümen von Harryhausen kann ich mich ebenfalls nicht entziehen. Klar, wer Monster und Monsterchen mag (oder gar liebt), der kommt nicht an den animierten Schätzchen des guten Ray vorbei. Noch heute fällt zuerst der Name Ray Harryhausen, wenn der Mann einen Film mit seinen Ungeheuern bereicherte, meist stehen Regisseure und Schauspieler in der zweiten Reihe. Dies ist bezeichnend für die Klasse und Bedeutsamkeit dieses legendären Könners, dessen liebevoll gestaltete Effekte jedes CGI-Spektakel zum kalten Kaffee degradieren. Star der Sause ist der ständig hungrige Saurier Gwangi, der sich kleinere Vertreter aus der Urzeit schmecken lässt, sich mit feisten Vierbeinern aus seinem Umfeld prügelt, vor allem Freude an seiner neuen Leibspeise Menschlein hat. Gwangi kommt zwar erst in der zweiten Filmhälfte zum Zuge, dafür dann aber nach allen Regeln der Stop-Motion Kunst! Zuvor darf das putzige Urpferchen unsere Herzen erobern, das Harryhausem mit sehr viel Fingerspitzengefühl (im wahrsten Sinne des Wortes) zum Leben erweckt hat. Ich will mich nicht endlos über die Klasse der Monsterszenen auslassen, es gibt Kämpfe, Entführungen und Krawall auf die Augen, für die liebreizenden Momente sorgt der winzige Traber des Jahres.

Die Story erinnert immer wieder an den Klassiker "King Kong und die weiße Frau". Wie ein einfallsloses Plagiat fühlt sich "Die Rache der Dinosaurier" jedoch nie an, dafür sorgt (nachrangig zur Arbeit Harryhausens) die clevere Verknüpfung von Westernfeeling und Monsterfilm, die wahrlich nicht alltäglich anmutet. Mir erscheint die Idee nicht nur klug, ich halte sie für durchaus mutig, denn die Gefahr sich zwischen alle Stühle zu setzen, ist nicht von der Hand zu weisen. Zwar gelingt die Verknüpfung der unterschiedlichen Genres im Ansatz ordentlich, doch Regisseur Jim O'Connolly inszeniert zu bieder und unkreativ, reizt die mutige Idee der Story nicht aus. Auch die Riege der Schauspieler kann mich nur bedingt erfreuen, werfen wir einen Blick auf die Herrschaften. James Franciscus gefiel mir in "Die Rückkehr zum Planet der Affen" (1970) und Dario Argentos "Die neunschwänzige Katze" (1971) sehr gut, in der Rolle des Sunnyboys Tuck kommt er bei mir nicht vollständig an. Zu uninteressant erscheint mir sein gelecktes Auftreten, ich musste mir grosse Mühe geben, Franciscus in dieser allzu glatten Ausführung zu mögen. Gila Golan kommt nicht über "nett" hinaus, die nur "angetäuschte Kantigkeit" ihres Charakters wird schnell zur Nebensache, ihr gezähmter Anflug von Sexappeal erinnert leider stetig an die späten fünfziger Jahre. Nahezu alle weiteren Mitstreiter bleiben austauschbar, lediglich Laurence Naismith kann sich als kauziger Professor immer wieder aus der öden Masse hervorheben. Ok, Freda Jackson gibt die "alte Hexe" herrlich geifernd, ihre Leistung soll nicht unterschlagen werden, so viel Zeit muss sein.

Will man einem Monsterfilm tatsächlich ankreiden, dass die Schauspieler weitgehend die Rolle von "Alibi-Füllmaterial" einnehmen? Sicher nicht, oder? Wenn jedoch der Versuch unternommen wird, zwei nicht näher verwandte Genres zu verbinden, dann sollte man IMHO nicht nur den Monstern den Starruhm überlassen. Wenn ich meinen Gedanken freien Lauf lasse, entstehen fantastische Bilder vor meinen entzündeten Augen. Anstatt in den USA hätte man den Streifen in Italien produziert, einen Mann wie Enzo G. Castellari auf dem Regiestuhl platziert, kernige Fratzen aus dem Italowestern vor die Kamera geholt, Ray Harryhausen seine Monster in diesem Umfeld für Angst und Schrecken sorgen lassen. Pünktlich zum Finale wäre ein Japaner im Monster Suit aufgetaucht, hätte mit gewaltigem Getöse das gesamte Szenario planiert. Hilfe, wäre ich nicht bereits seit Jahren aus dem Verkehr gezogen, würde bei diesen Gedanken eine gigantische Erektion meine Windel sprengen! Doch wie tönt es unüberhörbar aus dem prall gefüllten Phrasenschwein: "Das Leben ist kein Wunschkonzert!" Schade, schade, schade...

Fazit, Fazit. Fazitpopazit.
• Harryhausen und seine Monster, Knuffelchen und Knuffelmonsterchen = Knuffig, oberknuffig, putzig, süß und herzallerliebst!
• Die Idee Western und Monsterfilm zu verbinden = Sehr lobenswert, leider zu zaghaft und bieder umgesetzt.
• Die Damen und Herren vor der Kamera = Mittelprächtig bis schlapp, immerhin sorgen Laurence Naismith und Freda Jackson nach Kräften für Stimmung.


Die Monster verdienen eine Bewertung im Bereich der Höchstnote, keine Frage. Der "Rest" fällt (zu) stark ab, ebenso keine Frage. Letztlich reicht es für meinen Geschmack nur zu einem Platz im vorderen Mittelfeld, denn inzwischen habe ich jede Menge Genrebeiträge inniger ins Herz geschlossen, wirkt der Gesamteindruck auf mich eine Spur zu unrund (bla...). An der DVD aus der "Ray Harryhausen Collection" (Warner) gibt es nicht viel zu bemängeln. Labeltypisch geht das Bild in Ordnung, reisst das "Drumherum" aber keine Bäume aus. Immerhin gibt es vier Trailer zu sehen, zusätzlich eine kurze Dokumentation und ein kleines Easter Egg. Die Scheibe war auch einzeln erhältlich, in der Box befinden sich ferner "Dinosaurier in New York" (1953) und "Kampf der Titanen" (1981).

6,5/10 (oberste Mittelklasse) Die Monster sprengen die Skala, sie mögen mir die Bewertung bitte nachsehen.

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"Sie sind wahnsinnig. Völlig wahnsinnig!"
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