Was vom Tage übrigblieb ...

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Maulwurf
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Je suis Karl (Christian Schwochow, 2021) 8/10

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Ein junges Mädchen, Maxi Baier, naiv und unerfahren, wie man mit wasweißich 18, 19 Jahren halt so ist, im linksliberalen Milieu großgeworden und mit einiger Reise- und Welterfahrung da deutsche Vater und französische Mutter, Maxi also verliert bei einem Bombenanschlag Mutter, ihr Zuhause, die zwei jüngeren Brüder. Nichts ist mehr so wie es mal war, und das sowieso nie sehr gute Verhältnis zum Vater bricht gleich völlig entzwei, weil der Vater aus der traumatisierten Sichtweise eines 40-jährigen agiert, und Maxi diese typische und natürliche jugendliche We want the world and we want it now-Haltung hat - Ich will nicht abwarten, es muss jetzt was passieren! Maxi lernt einen jungen Mann kennen, Karl, der sich rührend um sie kümmert, der sensibel ist und auf sie Rücksicht nimmt, und der sie seinen Freunden vorstellt. Alles junge Leute, die viel Liebe im Herzen tragen, und die ihr helfen wollen, diese entsetzliche Katastrophe zu überwinden. Junge Europäer, die Musik hören, die diskutieren, die sich Sorgen machen um die Zukunft, die Partys feiern, die lachen, die Liebe machen, die farbige Menschen hassen …

JE SUIS KARL ist kein Film, den man mal eben zwischen Tür und Angel konsumiert, dafür ist er zu intensiv in Darstellung und Sprache. Aber diskussionsfähig ist er, das auf jeden Fall, denn JE SUIS KARL ist in vielerlei Hinsicht ein polarisierender Film. Einer, der so tut, als ob er Position bezieht, diese Position dann als ihr Gegenteil darstellt, und so dem Zuschauer auch mal gerne die Stütze unter dem Hinterteil wegzieht. JE SUIS KARL äußert eine klare politische Aussage, und dies ist ihm unbedingt und ganz hoch anzurechnen.

Maxi überlebt also diesen Bombenanschlag auf ein Mietshaus im Berliner Kiez. Wir sehen das Haus, wir atmen kurz diese Atmosphäre ein, und wir wissen, dass dies ein Haus ist, dessen Bewohner weitgehend aus einem eher linken Milieu stammen dürften. Vielleicht aus der früheren Hausbesetzerszene, in Berlin sicher keine Seltenheit, auf jeden Fall aber wohnen hier Menschen, die eher miteinander als gegeneinander leben. Wir lernen auch, dass das Ziel des Anschlags zufällig ausgewählt wurde, dass es halt irgendein Haus auf dem Kiez getroffen hat, aber kein bestimmtes, was die Sache nur noch schlimmer macht, und wir erfahren zumindest ansatzweise, wer hinter dem Anschlag steckt.

Und an dieser Stelle beginnt dann die Fahrt in eine Szenerie, die man durchaus als Hölle bezeichnen kann. Wir lernen viele junge Menschen aus ganz Europa kennen, die gut drauf sind, die studieren, die Spaß haben wollen, und die in Prag zu einer Art Seminar zusammenkommen. Wir erfahren, dass dort klassische rechte Parolen nicht erwünscht sind, und ganz allmählich setzt sich ein Mosaik zusammen, dass mit jedem Steinchen ein wenig finsterer und gruseliger wird. Karl und seine engsten Freunde sind Reisende in Sachen Faschismus (den man jetzt nicht mehr so nennen darf, weil es „nur noch“ Rechtspopulismus ist, und selbst das würde Karl entrüstet zurückweisen – Er will doch nur ein sauberes und angstfreies Europa.). Hier ein Referendum über die Todesstrafe unterstützen, dort eine Bombe legen … Und dies alles mit einem so unendlich perfiden Plan, einer sehr genau ausgearbeiteten und durchdachten Strategie, dass einem beim Zusehen angst und bange wird. Denn der Film, und hier beginnt die Sache mit der Polarisierung, der Film gibt Karl und seinen Freunden Raum zur Darstellung. Karl kann in vielen klugen Worten referieren, warum er das macht was er macht. Warum er auf ein Europa hinarbeitet, das frei sein soll von Farbigen und Flüchtlingen, und seine Argumente sind dabei, das ist das Hinterhältige, nachvollziehbar und gar nicht falsch. Jeder, der einmal spät abends durch die Fußgängerzone gelaufen ist, weiß, was Karl meint, und wird ihm zustimmen. Karl ist kein Eiferer, der über Ausländer schimpft, über Juden herzieht und der (klassische) Nazis toll findet. Und vor allem ist Karl kein glatzköpfiges und baseballschläger-schwingendes Ungetüm. Im Gegenteil, Karl ist gutaussehend, er hat Charisma, er kann sehr gut reden und argumentieren, er geht auf sein Gegenüber ein, und verdreht dessen Argumente in das eigene Weltbild, so dass dem Gegenüber eigentlich kaum eine Möglichkeit bleibt, Karl NICHT zuzustimmen. Karl möchte, dass junge Frauen beim Joggen angstfrei sind. Dass es keine terroristischen Anschläge durch traumatisierte Asylbewerber gibt. Dass sich alle Menschen in Europa sicher fühlen können. Und ich möchte denjenigen sehen, der sich diesen Worten verweigern kann.

Der Film geht aber noch weiter, und wir sehen, was hinter Karls schönen Worten steckt. Die Wirklichkeit hinter seinem Politikergesicht, die so ganz anders ausschaut als die Sonntagsrede vor der laufenden Kamera. Und diese (filmische) Wirklichkeit wirft ein düsteres und fragwürdiges Licht auf viele der terroristischen Anschläge in der Realität der letzten Jahre. Ob das beabsichtigt ist weiß ich nicht, aber tatsächlich wirft der Film die Frage auf, ob hinter den Amokfahrten auf Weihnachtsmärkte wirklich „nur“ Ausländer stecken, die vom zügellosen Leben in der westlichen Freiheit die Schnauze voll hatten. Oder ob möglicherweise etwas anderes dahintersteckte. Wer sich mit der Geschichte des Terrorismus in Italien in den 1970ern beschäftigt wird wissen worauf ich hinaus will: Die sicherheitspolitische Kunst, Anschläge selber auszuführen, und sie politischen Gegnern in die Schuhe zu schieben. Erst am Ende des Films fällt die Maske, und das, was wir dort sehen, ist so grauenhaft und leider auch real – Oder wurde bereits vergessen, was im Juli 2025 in Southport und anderen englischen Städten passiert ist? Leider hat JE SUIS KARL hier prophetische Bilder gezeigt, die tief unter die Haut gehen, und die wirklich Angst machen. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass Teile der arrivierten Filmkritik gerade diese Szenen bei Erscheinen des Films 2021 als aufgesetzt und unrealistisch bezeichneten …

Es ist klar, dass dieses Vorgehen Diskussionen hervorruft. Viele werden Karls Argumenten folgen, gerade WEIL sie Angst haben in der Fußgängerzone, in der späten Straßenbahn, oder halt generell im Merz’schen Stadtbild. Viele werden auch sagen, dass Karl nicht falsch liegt, und dass vielleicht die Methoden nicht richtig sind, aber die Zielsetzung passt. Und dass das Ende des Films Phantasterei ist. Ist das so? Sind die Straßenkämpfe in Southport vielleicht niemals geschehen, und nur eine Erfindung der oft propagierten Lügenpresse? Als Hitler 1933 an die Macht kam war das gesammelte Bürgertum Deutschlands der festen Überzeugung, dass der Mann jetzt mit dem Gesindel aufräumen, und danach wieder von der Bildfläche verschwindet wird…

Auch filmisch kann JE SUIS KARL aus verschiedenen Positionen gesehen werden. Die Rückblende, die die Identität des wahren Bombenlegers offenlegt, war mir persönlich zu Beginn zu früh im Film angesiedelt. Ich hätte mir, ursprünglich, ein längeres Hineinrutschen in die rechte Szene gewünscht, ohne dabei zu wissen, wer der wahre Bombenleger ist, und als Zuschauer gleichzeitig und zusammen mit Maxi die Wahrheit aufzudecken. Irgendwann habe ich dann aber erkannt, dass der frühe Zeitpunkt dieser Rückblende Sinn macht, denn so können das offizielle Gesicht und die wahre Politik Karls gleichzeitig gezeigt werden; ist es möglich, die Menschenverachtung und den Hass dieser Aktivisten umso intensiver und tiefer mitzuteilen. Und dies sogar, wie bei einem Splitscreen, zur gleichen Zeit, denn wir hören Karls Worte, mit Kreide im Maul, und wir sehen dabei seine Taten, mit der Massenvernichtung in der Hand. Ein Punkt für den klugen Drehbuchautor, denn nur so kann der Zuschauer Karl und seine Freunde frühzeitig identifizieren als das, was sie sind: Menschenfressende Wölfe im kuscheligen Schafspelz! Eine Alternative, die in die Hölle führt …
Cineastisch ist trotzdem nicht immer alles so wie es sein könnte. Und damit meine ich nicht nur die nervige Wackelkamera zu Beginn, genauso wenig wie die filmisch nicht überzeugende Figur des Yussuf, dessen einzige Aufgabe, nämlich Maxis Vater nach Straßburg zu bringen, möglicherweise auch anders hätte bewerkstelligt werden können. Nein, was ich meine ist, dass der Film vielleicht 10 oder 15 Minuten zu lang ist. Dass manche Szenen zu lang ausgewälzt wurden, wie die traumatische Verwirrung des Vaters in Berlin, oder der Beischlaf Maxis mit Karls. Die Szenen im Club gehen unter die Haut, wenn alle Schafe beim entsprechenden Song „In den Krieg, in den Krieg“ skandieren, ohne auch nur eine Ahnung davon zu haben was sie da eigentlich bejubeln, aber auch diese Szenen, die die leichte Verführbarkeit der Jugend illustrieren sollen, leiden ein klein wenig am suboptimalen Timing. Hier hätte etwas Straffung besser getan, um von der eigentlichen Geschichte nicht abzulenken, und den Fokus dorthin zu setzen, wo er eigentlich hingehört: Auf die Strategie der Volksverhetzer und sogenannten Populisten, die unter dem Mantel der Völkerverständigung und mit Worten, die gut klingen, einen wahren Kern und grauenhafte Konsequenzen haben, zu schrecklichen Dingen anzustiften, und Grauen und Hass zwischen den Menschen verbreiten. Und ganz ehrlich, ich könnte mir auch gut einen anderen Schluss vorstellen. Einen der wesentlich düsterer ist …

JE SUIS KARL ist ein guter und wichtiger Film, der nach seinem Erscheinen sicher für viele Diskussionen gesorgt haben dürfte. Schade, dass einige Jahre später diese Diskussionen zu Ende geführt scheinen, und die Elons Musks und Tommy Robinsons dieser Welt immer mehr auf dem Vormarsch sind, während die Albert Schweitzers und Erich Fromms zunehmend verschwinden. Zusammen mit Dennis Gansels DIE WELLE von 2008 sollte JE SUIS KARL eigentlich in allen Schulen im Staatskundeunterricht gezeigt werden, bevor gerade solche Filme irgendwann verboten oder sogar verbrannt werden …

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Vielen Dank an meinen Freund Richie Pistilli von Italo-Cinema, der den Text gegengelesen und mich auf kleine hässliche Fehler aufmerksam gemacht hat :thup:
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Maulwurf
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Und morgen die ganze Welt (Julia von Heinz, 2020) 5/10

Irgendwo in den Tiefen des Internets begraben.jpg
Irgendwo in den Tiefen des Internets begraben.jpg (7.4 KiB) 360 mal betrachtet

Luisa ist jung, und in der besseren Gesellschaft aufgewachsen. Behütet und beschützt wie sie bisher war, drängt es sie nun nach draußen. Ins Leben. Also sucht sie sich über eine Freundin einen Schlafplatz in einem besetzten Haus. Dort kommt sie in Kontakt mit Aktionen gegen Rechts, wie etwa einer Demo gegen eine Rechtsaußenpartei mit Extremismusbezug und deutlicher Nähe zum Nationalsozialismus. Doch ein paar aus der Gruppe starten bei der Demo eine eigene Sache, alles läuft ein wenig aus dem Ruder, und irgendwann steht einer der „Ordner“ über Luisa und will sie verprügeln. Wenn da nicht Alfa gewesen wäre, der dem Typen eine Eisenstange über den Kopf knallt, hätte die Sache schlimm ausgehen können. Das Ergebnis dieser Aktion ist das erfolgreich eingesteckte Handy des Glatzkopfs, und Alfa wiederum hat einen guten Freund, Lenor, der solche Geräte knacken kann. Man erfährt den Treffpunkt der nächsten rechten Aktion, man organisiert eine Gegenaktion, die in heftiger Gewalt und einer Verletzung Luisas endet, und mehr und mehr rutscht Luisa immer tiefer in etwas hinein, was auch als Linksextremismus bezeichnet werden kann: Illegale und gewaltsame Aktionen gegen Rechtsextremisten. Als in einem Versteck von Neonazis Sprengstoff gefunden wird, gehen die Meinungen, was man damit machen kann, schnell auseinander.

Was bedeutet es, links zu sein? Für den einen kann das heißen, in einem besetzten Haus zu leben, sich um benachteiligte Menschen zu kümmern, miteinander zu leben und zu diskutieren, und am Wochenende gegen rechte Veranstaltungen zu demonstrieren. Schilder hochhalten, Slogans skandieren, solche Sachen. Was um Himmels willen nicht falsch zu verstehen ist! Es ist wichtig, dass es Menschen gibt, die so etwas tun, die den fälschlicherweise „Rechtspopulisten“ genannten Neonazis wenigstens ein klein wenig versuchen Einhalt zu gebieten, und die vor allem ein soziales Miteinander leben und aller Welt zeigen, dass diese Lebenseinstellung sehr wohl funktioniert, gerade auch als Gegenentwurf zu aus dem Ruder gelaufenen Dingen wie dem (derzeitigen) Kapitalismus.

Für einige wenige andere wiederum bedeutet links sein etwas mehr. Nicht nur Schilder hochhalten bei der Demo, sondern Aktionen planen und ausführen. Autos von Nazis kaputtmachen zum Beispiel. Oder rechte Aktivisten ausspähen und in deren Abläufe Sand streuen. Es geht darum, zu versuchen, Neonazis so wenig Raum wie möglich zu lassen, damit die Rattenfänger wenigstens ein bisschen Probleme bekommen beim Einfangen ihrer Opfer. UND MORGEN DIE GANZE WELT zeigt diese beiden Entwürfe aktiven Linksseins, stellt sie gegeneinander, und zeigt, dass das Verprügeln von politischen Gegnern, die selber keine Gewalt scheuen, auf jeden Fall gefährlicher ist als das untereinander diskutieren, aber offensichtlich, so scheint es, auch sehr viel lohnender. Im Sinne einer Ausschüttung von Glückshormonen. Wie eine riesengroße Schnitzeljagd, wie ein Räuber und Gendarm-Spiel auf der Suche nach den spannenden Informationen, um den Rechten ordentlich ein Bein zu stellen. Dass da mal was schief gehen kann, OK, aber für die großen Jungs (und das eine Mädel) im Film ist das schon ziemlich ein Lebensentwurf. Trotz Verfolgung durch die Polizei, trotz massivem Gegenwind durch die Nicht-so-extrem-Linken, trotz der Gefahr, den Nazis in die Hände zu fallen, trotz allem ist das wie Extrembergsteigen ohne Vorbereitung und Seil. Oder mit 200 Sachen am Frankfurter Kreuz – Eine Mischung aus Adrenalin und Serotonin …

Oder verstehe ich den Film falsch? Prinzipiell versucht uns Regisseurin Julia von Heinz doch klar zu machen, dass gewalttätige Aktionen gegen Nazis sicher nicht immer und in jedem Fall gut zu heißen sind, aber unter dem Aspekt eines Abenteuers dann eben doch in Ordnung gehen. Lenor bringt zwar irgendwann mal das Argument ins Spiel, dass man sich mit diesen Aktionen auf die gleiche Stufe stellt wie die Gegner, aber auch Lenor wird irgendwann weitermachen. Die Sache mit dem Adrenalin halt …

Und weil so eine actiongeladene Story natürlich auch nach der entsprechenden Umsetzung verlangt, folgen wir Julia in einem wahren Schnittgewitter durch ihren zunehmend gewalttätiger werdenden Alltag, sprunghaft hintereinander montierte Szenen werden in einem Tempo abgearbeitet, das auch beim Zuschauer das Adrenalin hochjagt, und wenn dann das Blut im Ohr rauscht ob dieses Dauerstresses, dann ist es auch kein Wunder, dass knapp die Hälfte der Dialoge nicht zu verstehen sind, weil offensichtlich Aussprache an den Schauspielschulen kein Unterrichtsfach mehr ist. Fehler im Ablauf fallen dann auch gleich gar nicht mehr auf: Wenn Luisa mit dem Gewehr auf die Neonazis zielt ist dies vom filmischen Standpunkt eine spannende und packende Szene, aber es stellt sich die Frage, warum der Musiker im Zielfernrohr, der genau auf Luisa schaut, sie partout nicht sieht. Genauso wie die Frage, wie die scharfen Hunde auf dem Garagenhof überwunden werden, oder warum eine große Gruppe junger Leute in einem besseren Wohngebiet nicht auffällt (nämlich wenn sich alle versammeln, um die Autos der Nazis zu zerstören) – Punkte, die von seiten des Autors nicht gründlich überlegt wurden und damit aus dem ambitionierten Politprojekt schnell ein Märchen für träumende Linke machen: Ach wie schön wäre es doch, wenn wir einfach so auf das Gelände der Rechten spazieren und denen den Sprengstoff klauen könnten …

Wie angenehm, und vor allem inhaltlich auch wesentlich stimmiger und interessanter, sind doch dann die Momente bei Dietmar, dem alten Kämpfer. Dietmar war vor langer Zeit bei den Revolutionären Zellen, ist auch ein paar Jahre im Knast gewesen deswegen, und hat sich jetzt aus dem politischen Leben komplett zurückgezogen (weswegen er den Untergetauchten paradoxerweise auch Unterschlupf bietet). Dietmar ist sowas wie das gute Gewissen der jungen Leute, und vor allem auch ihr Backup im Fall einer Verletzung oder falls sie untertauchen müssen. Dietmar ist ruhig, ist abgeklärt, und hier können sich auch Kamera und Schnitt endlich mal erholen von ihrer atemlosen Jagd nach Sensationen. Hier könnten gute Gespräche geführt und Meinungen diskutiert werden – Diskussionen, die zum Beispiel Hans Weingartners DIE FETTEN JAHRE SIND VORBEI so interessant und wichtig gemacht haben: Ein alternder und abgeklärter Revoluzzer gegen junge und tatendurstige Aktivisten, das hätte interessante Streitgespräche und Gegensätze gegeben. Aber diese Chance wird leider links (kein Wortspiel) liegen gelassen, stattdessen muss die Handlung schnell schnell weitergehen, müssen die Schnitte hageln, darf die Kamera auch gerne mal wackeln, müssen sich die drei Hauptdarsteller anbrüllen, reden, sich in die Arme fallen, dann wieder anbrüllen … Ja, das Leben im Untergrund ist nicht einfach. Das konnte man bei Zschäpe/Mundlos/Böhnhardt auch sehen, und ich werfe mal die unverschämte Frage in den Raum, ob ich denn der Einzige bin, der bei dem Team Luisa/Alfa/Lenor Parallelen zu den NSU-Terroristen gezogen hat?

Kleine Spitzen wie etwa der Umstand, dass der Kellner der Eisdiele problemlos und ohne Eingreifen der danebenstehenden Polizisten von Neonazis zusammengeschlagen werden kann, aber das Räumen eines besetzen Hauses ein Prügelfest für die beteiligte Hundertschaft ist, solche Momente sind fein, emotionalisieren, und zeichnen das Bild eines Staates, der längst aus den Fugen geraten scheint. Aber dieser Momente hat es zu wenige, und gleichzeitig wird hier die typisch linke Sicht der Dinge wiederholt, die die Polizei als Handlanger eines allmächtigen Staates und als Feinde darstellt. Da ist mir der ein Jahr später erschienene JE SUIS KARL erheblich näher, der den Staat längst auf dem Rückzug zeichnet, und aufzeigt, dass die modernen Rechten nicht mehr nur die allseits bekannten Abziehbilder von sonnenbebrillten und schwarzgekleideten Muskelmännern sind, sondern sich durch aufgetragene Wohlanständigkeit und geschickte Strategien längst in die Herzen der Menschen gepöbelt haben. Die eine unscheinbar wirkende Politikerin, die in UND MORGEN DIE GANZE WELT versucht Wahlkampf zu betreiben, wird als schwache Witzfigur gezeichnet, die mit einer geworfenen Torte in die Flucht geschlagen werden kann. Auch dies ist eher eine feuchte Fantasie eines linken Aktivisten, aber in keinster Weise an der Realität orientiert - Dem JE SUIS-Karl, dem gewieften und starken Rechtsnationalen, würde so etwas nicht passieren …

Letzten Endes stellt UND MORGEN DIE GANZE WELT die Frage in den Raum, ob der Gebrauch von Gewalt gegen Nazis gerechtfertigt ist. Und ob es keine anderen Wege gibt. Diese Frage wird sehr ambivalent beantwortet, denn die gemäßigte Figur des Lenor, der für sich persönlich Gewalt als Mittel ablehnt, aber die ausgeübte Gewalt seiner Freunde trotzdem unterstützt, wird durch die Schlussbilder konterkariert. Und für alle anderen scheint Gewalt ein legitimer Weg zu sein. Die Ausgangssituation, nämlich der Artikel 20 des deutschen Grundgesetzes, dass alle Deutschen das Recht zum Wiederstand (kein Schreibfehler meinerseits, das wird im Film so geschrieben) haben gegen diejenigen, die die bestehende Ordnung beseitigen möchten, diese Ausgangssituation ist klug gewählt, und aus diesem Gesichtspunkt ist auch der Verlauf der Handlung sicher nicht verkehrt. Aber für mich als Zuschauer stellt sich doch die Frage, ob weniger Hektik und mehr Gedanken nicht vielleicht auch mehr (in der Realität verhafteten) Inhalt vermittelt hätten. Und ob die schlussendliche Aussage, die mit den letzten Bildern übermittelt wird, wirklich diejenige ist, die in der Wirklichkeit Bestand hat, steht dann auf einem ganz andern Blatt. Bis dahin entpuppt sich UND MORGEN DIE GANZE WELT als erotischer Wunschtraum eines jeden jungen Linken, den dummen Rechten ihren Sprengstoff wegzunehmen, ihre Autos kaputtzumachen, und morgen die ganze Welt zu vereinen. Ein Märchenfilm für junge Erwachsene, der mit der komplexen Welt, in der der politisch interessierte Zuschauer heute lebt, überhaupt nichts zu tun hat.
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Beitrag von Maulwurf »

Killer’s Romance (Philip Ko, 1990) 5/10

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KILLER’S ROMANCE wird allgemein damit beworben, dass er die erste Verfilmung des Mangas Crying Freeman ist. Es ist lange her, dass ich zumindest die deutsche Ausgabe des Comics gelesen habe, und damit hat der Film eigentlich recht wenig zu tun. Wenn ich die Inhaltsangabe der zugrunde liegenden Geschichte in der deutschen Wikipedia lese, kommt mir der Film gleich noch viel entfernter vor. Die Grundgeschichte ist sehr wohl vorhanden, bloß sollte man sich da nicht so viel Originaltreue erwarten:

Als der Kopf der britischen Sektion der Yamada-Gang in London ermordet wird, kommt sein Adoptivsohn Yo aus Paris zurück um Rache zu nehmen und die Familie als Anführer zu übernehmen. Die Attentäter waren die Chinesen, ganz klar, und deren fieser Killer Chan Ben. Yo räumt also unter den chinesischen Bossen auf, wird dabei aber von einem jungen Mädchen, der Studentin Paula, fotografiert. Dass die Chinesen die Säuberungsaktion nicht wirklich lustig finden ist klar, also hängen sie sich an Paula, um den Aufenthaltsort Yos herauszufinden. Ein guter Plan, haben sich doch Yo und Paula längst ineinander verliebt, und Yo hat eigentlich gar keine Lust mehr auf Rache und Töten und so. Gleichzeitig kommt Chan Ben aus dem kurzzeitigen Exil zurück nach London, um nach der Macht zu greifen, jetzt wo über ihm niemand mehr steht. Chan Ben verständigt sich mit Yoshikawa, Yos rechter Hand, dass sie den lukrativen Drogenmarkt unter sich aufteilen. Der Einzige, der diesem Deal im Weg steht, ist – Yo.

Ja, die Grundstory von Crying Freeman ist in ihren rudimentären Ansätzen durchaus vorhanden: Der Killer, der sich in eine Zeugin verliebt, und sie zu seiner Verbündeten macht. Aber wer diese Geschichte sehen will, sollte vielleicht besser zu Christophe Gans‘ 1995er CRYING FREEMAN – DER SOHN DES DRACHEN greifen. KILLER’S ROMANCE ist eine andere Sache. Eine ganz andere Sache. Der Film spielt in London (was einen starken Hintergrund gibt, mal was ganz anderes als das ewig gleiche Hongkong) und thematisiert einen Bandenkrieg. Und zwar auf die denkbar ungünstigste Weise, nämlich durch langwierige Autofahrten, ein paar flotte Autostunts, viele bedeutungsschwangere Blicke, und ein paar wenige Actionszenen Die allerdings nicht von Pappe sind! Zwar wurde bei den Kämpfen in erster Linie über den Schnitt gearbeitet, was aber dem Ganzen keinen Abbruch tut: Es wird geballert und gestorben, und das nicht von schlechten Eltern. Der Schlusskampf ist dabei so intensiv geraten, dass er tatsächlich den größeren Teil des Films aufwiegt. Denn eigentlich ist mir während der Sichtung aufgefallen, dass die melancholische Stimmung des Mangas im Film ersetzt wird durch gediegene Langeweile. Nein, das stimmt nur bedingt, denn die Melancholie ist noch da, gemeinerweise nur ergänzt durch die genannte Langeweile. Der Film lässt sich einfach alle Zeit der Welt, um seine Geschichte zu entwickeln. Ein wenig zu viel Zeit vielleicht, denn wenn er dann mal in Fahrt kommt, dann beschleunigt er richtig und rast über den dösenden Zuschauer glatterdings hinweg. Aber bis dahin muss man leider ein wenig Sitzfleisch und Geduld mitbringen …

Philip Ko war halt kein Ringo Lam, kein Johnny To und schon gar kein John Woo (behaupte ich jetzt einfach mal), und schafft es hier einfach nicht, eine stringente Geschichte zu erzählen, die mit Spannung und guten Fights unterfüttert ist. Schnitte und Szenenanschlüsse der Handlungsszenen haben oftmals Amateurniveau, und sogar als Schauspieler greift er daneben: Wenn er als Chan Ben ein bedauernswertes Opfer zu Tode tritt blickt Ko tatsächlich mehrmals in Richtung des Monitors, um seine Bewegungen zu kontrollieren …

Nein, der ganz große Wurf ist das nicht. Die Kämpfe sind stark, der Schlusskampf ist sogar mitreißend und wirklich knackig, spannend, blutig und waffenstarrend und rettet dem Film seine Wertung, aber der Rest ist eher etwas mau geraten …
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Beitrag von Maulwurf »

Der Don ist tot (Richard Fleischer, 1973) 7/10

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Der Don ist tot.jpg (22.53 KiB) 314 mal betrachtet

Der Don ist tot, und sein Erbe scheint nicht leicht: Die Stadt muss neu aufgeteilt werden. Eine Hälfte des bisherigen Regalbuto-Bezirks geht an Don Angelo, die andere Hälfte an Don Luigi. Sohn Frankie Regalbuto, dem die Führung einer eigenen Familie noch nicht zugetraut wird, kommt als Ziehsohn zu Don Angelo, und da die beiden schon immer eng befreundet waren, ist dies ein Arrangement, mit dem alle zufrieden sein können. Die besten Freunde Frankies, die Brüder Vince und Tony Fargo, machen sich im gleichen Augenblick selbständig und sind quasi für alle da. Die Welt könnte schön und übersichtlich sein, aber ein Mann ist mit dieser Aufteilung nicht einverstanden. Ein Mann will alles - Die ganze Stadt und die ganze Macht. Zwischen Don Angelo und Frankie passt kein Blatt Papier, so sollte man meinen. Irrtum, mit dem richtigen Plan ist es ganz einfach die beiden zu erbitterten Feinden zu machen. Und damit einen blutigen Gangsterkrieg zu entfachen, an dessen Ende genau ein einziger Sieger stehen wird. Bloß, ob das derjenige ist, der diesen Plan ersonnen hat, das sei mal dahingestellt …

Beim ersten Hinsehen wirkt DER DON IST TOT wie eine billige(!) DER PATE-Kopie, im Fahrwasser des Coppola-Klassikers als Schnellschuss realisiert, um aus der Mafiawelle, die Anfang der 70er-Jahre durch die Kinos raste, ein paar schnelle Dollars herauszuschlagen. Eine einfache Geschichte ohne große Haken und Ösen, billigste Studiokulissen, einiges an Action, aber unter bewusstem Aussparen von Sex und Gewalt – Ganz ehrlich, DER DON IST TOT wirkt wie eine Fernsehproduktion die versucht, das große Kino im kleinen Format abzubilden. Der dazu passende Aufhänger, nämlich den Tod Marlon Brandos im Vorbild gleich im Titel zu nennen, um die Assoziationen zu den darauffolgenden Ereignissen in DER PATE ebenfalls heraufzubeschwören, ist schon fast genial zu nennendes Marketing für so eine kleine Produktion.

Aber wenn man genauer hinschaut stellt man fest, dass Routinier Dick Fleischer, der immerhin mit genau dieser Art Film viele Jahre früher begonnen hatte, aus dem sichtlich kaum vorhandenen Budget doch sehr viel herausgeholt hat: Viel Geld dürfte für namhafte Schauspieler draufgegangen sein. Darsteller, die Gefühle transportieren können und einfach in keinem Augenblick billig oder peinlich wirken. Ein Umstand, der die einfach gestalteten Szenerien dann schnell wieder austariert. Die Musik von Jerry Goldsmith hat keinen irgendwie gearteten Wiedererkennungswert, aber sie unterstützt die Stimmung des Films ungemein, und baut vor allem zu Beginn eine dunkle und bedrohliche Atmosphäre auf. Was dann in Summe letzten Endes zum stärksten Pluspunkt des Films führt: Er zieht den Zuschauer in hohem Maße mit. Der Plan des Verräters ist so einfach und doch so effizient. Er hätte auch problemlos schief gehen können, zum Beispiel durch schlichtes Miteinanderreden, und das wirklich perfide daran ist, dass auf den Verräter dann trotzdem kein Verdacht gefallen wäre. Aber so, wie sich die Sache ausgeht, inszeniert dieser eine Mann ein gigantisches Blutbad, aus dem eigentlich nur er als Sieger herauskommen kann. Eigentlich, da neben dem schwachen und unerfahrenen Frankie noch sein Freund Tony steht, der inmitten der Blutlachen nicht den Überblick verliert, sondern sein Hirn benutzt, im Gegensatz zu den meisten anderen Akteuren. Und so wird das Duell zwischen Frankie Regalbuto auf der einen Seite, Don Angelo auf der anderen Seite, dem Drahtzieher im Hintergrund und Tony Fargo als dem Mann der tatsächlich agiert schnell sehr spannend und mitreißend, auch wenn die verwendeten Kulissen oft einmal stimmungstötend wirken.

Mir ist klar, dass die Story zum Teil Sprünge macht wie ein Stuntman bei Demofilo Fidani, und dass Dinge wie Realismus oder Logik hier schnell auf der Strecke bleiben ist offensichtlich. Ereignisse werden, anders als in den meisten anderen Mafiafilmen, oft nicht gezeigt, sondern erzählt. Menschen reden, doch wir hören sie nicht. Die dadurch erzeugte Stimmung ist eine ganz besondere, eine andere als in so vielen anderen Filmen, auch wenn die Handlung episodenhaft ist und alles andere als stringent. Fleischer verlässt sich nicht allein auf die Überzeugungskraft der Maschinengewehre, sondern er inszeniert einen richtigen Film, analog zu seinen frühen Arbeiten wie ARMORED CAR ROBBERY. Dazu kommt, dass die Hauptfigur im Laufe des Films wechselt, und der einzige sympathische Charakter, Don Antonio, durch sein Handeln nicht nur das Wohlwollen des Zuschauers verliert, sondern auch seine Macht und seine Gesundheit. Helden schauen definitiv anders aus als in DER DON IST TOT, und sie sterben auch anders. Heldenhafter, oder schmutzig-grausam. Aber nicht so erbärmlich wie hier. Was dem Film dann ebenfalls wieder eine ganz eigene Stimmung gibt.
Somit ist DER DON IST TOT grundsolides und gut anzuschauendes Handwerk für Fans von Gangster- und Mafia-Filmen, der sicher keinen Höhepunkt des Genres darstellt, aber viele andere DER PATE-Epigonen schnell hinter sich lässt, trotz seiner formalen und zu vernachlässigenden Schwächen.
Der Sieg des Kapitalismus ist die endgültige Niederlage des Lebens.
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Unternehmen Capricorn (Peter Hyams, 1977) 8/10

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Da denkt man nichts Böses und meint, sich einen typischen 70er-Jahre-Verschwörungsthriller anzuschauen (was immer das Wort typisch in diesem Zusammenhang auch bedeuten mag), und peng bekommt man stattdessen einen ganz außergewöhnlichen Action-Thriller vor den Latz geknallt, der so komplett anders ist, als man dieses Genre sonst so kennt.

Das Unternehmen Capricorn One steht vor dem erfolgreichen Abschluss: Die erste bemannte Rakete, die drei Astronauten zum Mars schickt. Ein Riesenerfolg für die NASA und den Projektleiter Dr. Kelloway. So erfolgreich, dass der Präsident der Vereinigten Staaten nicht mal selber vorbeischaut, sondern nur seinen Vize schickt … Die drei Astronauten sitzen also in der Kapsel und bereiten sich auf den in wenigen Minuten erfolgenden Start vor, da öffnet sich hinter ihnen die Türe und sie werden nachdrücklich aufgefordert, die Rakete zu verlassen. Sie treffen auf Kelloway, der ihnen erklärt, dass die Rakete ohne sie starten wird. Und der Mars in einem improvisierten Fernsehstudio in der Wüste von Texas gefilmt werden wird, mit ihnen in der Hauptrolle. Natürlich passt das den Männern überhaupt nicht, aber sie haben nicht viel Alternativen, denn es wird ihnen knallhart klargemacht, dass hinter diesem Plan Männer stehen, denen das Schicksal der Astronautenfamilien schnurzpiepegal ist. Also werden die drei für über ein Jahr in der Wüste sitzen und schauspielern, bevor sie als Helden wieder nach Hause dürfen.
Als nach dem Ablauf dieses Jahres die Rakete beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre dummerweise verglüht, stehen die drei Männer vor einem ganz anderen Problem: Sie dürfen nun nicht mehr existieren! Sie haben tot zu sein. Was sie aber natürlich mit anderen Augen sehen - Eine Flucht auf Leben und Tod beginnt …

Parallel dazu begleiten wir den erfolglosen Journalisten Caulfield, der einen guten Freund bei der NASA hat. Hatte, denn diesem Freund fiel auf, dass die Übertragungsdaten der Funksprüche aus einem Umkreis von höchstens 300 Meilen stammen, und niemals aus dem Weltall. Dieser Freund ist jetzt fort. Spurlos verschwunden. Buchstäblich von einer Minute auf die andere. Und Caulfield fällt auch auf, dass bei einer Videoübertragung der Astronauten an deren Ehefrauen die Reaktion einer Gattin etwas merkwürdig ausfällt. Als er nachhakt wird sein Auto manipuliert. Und auf ihn geschossen. Und noch besser: Niemand glaubt ihm …

Ja, ich weiß, das klingt wie ein Verschwörungsthriller. Ich dachte ja auch, dass dies einer sei. Aber Pustekuchen, auf solche Mätzchen lässt sich ein Peter Hyams gar nicht erst ein. Stattdessen zeigt er uns, wie ein fähiger Regisseur mitreißendes und intelligentes Kino inszeniert, und dabei sämtliche Erwartungshaltungen geschickt unterläuft. Die beiden Handlungsstränge, einmal um die flüchtenden Astronauten und parallel dazu die Untersuchungen Caulfields, laufen tatsächlich parallel zueinander, und ob sie überhaupt jemals zusammenfinden werden möchte ich hier nicht spoilern. Beide Handlungen sind ausgesprochen spannend, und die Überblendungen zur jeweils anderen Erzählung sind an Stellen eingebaut, bei denen der Zuschauer überhaupt nicht mehr daran denken mag jetzt an den Kühlschrank oder aufs Klo zu gehen. Hyams behält die Zügel ganz fest in der Hand und lenkt beide Geschichten sehr zielstrebig zu ihren explosiven Höhepunkten. Elliott Gould als Caulfield ist ein sehr schnoddriger Ermittler, ganz im Stil der Zeit, was in seiner Erzählweise und Darstellung stark an De Palmas später entstandenen BLOW OUT – DER TOD LÖSCHT ALLE SPUREN erinnert, während der Erzählstrang um die Astronauten pures Actionkino mit Anleihen an Peter Watkins‘ STRAFPARK ist: Drei Männer, die erbarmungslos durch die Wüste gehetzt werden, und überhaupt keine Chance haben zu entkommen. Entweder erschossen werden oder verdursten, so heißen die Alternativen. Hyams erlaubt sich sogar den Spaß, die beiden Helikopter, die die Astronauten verfolgen, wie zwei Lebewesen zu zeigen, die sich anschauen, miteinander kommunizieren, und wie ein gut aufeinander eingespieltes Paar auch scheinbar wortlos Entscheidungen treffen können. Beängstigende und zugleich faszinierende Todeslibellen, und der Zuschauer möchte nicht in der Haut der Beute stecken. Wobei gleichzeitig auffällt, dass die Marsrakete sich als Fake entpuppt, Autos und Helikopter tödliche Fallen oder gleich ganz nutzlos sind, und ein einfacher Doppeldecker die High-Tech-Geräte alle in die Tasche steckt. Back to the Roots …

UNTERNEHMEN CAPRICORN macht in dieser, für das (anspruchsvolle) US-Kino ein wenig orientierungslosen Zeit, sehr vieles von dem richtig, was Film so faszinierend macht. Eine kluge und gefühlvolle Story um einen Ermittler der nicht merkt, wie er sich selber immer tiefer in die Scheiße reitet. Eine actiongeladene Story um drei Männer die nicht Teil einer Verschwörung sein wollen. Starke Schauspieler, die bis auf den kauzigen Gastauftritt von Telly Savalas der Handlung dienen und sich nicht profilieren wollen … Was dann in Summe einen starken und erinnerungswürdigen Abend vor dem Fernseher ergibt. Daumen rauf!
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Der vierte Mann (Phil Karlson, 1952) 8/10

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Drei Männer begehen in Kansas City einen Raubüberfall auf einen Geldtransporter, und der unschuldige Lieferfahrer Joe wird dafür von der Polizei verhaftet, geprügelt, und irgendwann auch wieder ausgespuckt, nur um dann von der Presse bloßgestellt und von allen misstrauisch beäugt zu werden. Der einzige Weg, seine Unschuld zu beweisen, ist, die drei Männer zu fangen. Das Problem: Die drei trugen Masken und kennen sich gegenseitig nicht. Und der Mann im Hintergrund, der den Plan entworfen und die drei eingestellt hat, trug ebenfalls eine Maske. Durch einen Tipp kann Joe den ersten der drei Männer entlarven, einen Glücksspieler namens Pete Harris. Durch Harris kann Joe die Spur zu den anderen aufnehmen, und als Harris von der Polizei erschossen wird, nimmt Joe die Rolle Harris’ an. Er reist in ein Touristenkaff nach Mexiko, wo sich die Männer mit dem vierten Mann, demjenigen im Hintergrund, treffen wollen um das Geld zu verteilen. Er findet zwei mutmaßliche Gangster im Urlaub. Einen pensionierten Polizeicaptain. Und dessen Tochter, die sich leidenschaftlich für ihn interessiert …

Vier Männer üben einen Raubüberfall aus. Einer redet und wird erschossen, die anderen werden vom Sündenbock gejagt. Ein Szenario wie aus dem Lehrbuch für fortgeschrittene Thrillerautoren, und DER VIERTE MANN macht folgerichtig auch keine Gefangenen. Die Story ist schnell, brutal und düster, und jeder hier hat ein Schicksal, das man höchstens seinen Feinden wünscht. Joe wird von den Cops hochgenommen, und die freuen sich wie die Schneekönige über den leicht gefundenen Täter. Und weil Joe bereits einmal im Knast saß, kann er ja nur der Räuber gewesen sein. Mit Einsatz harter Fäuste will man ihn zu einem Geständnis überreden, aber Joe ist härter als die versammelte Polizei von Kansas City. Da ist man beim Zusehen froh, dass man ein unbescholtener Zuschauer ist …

Auch die Gangster selber sind harte Knochen und Charakterschweine wie sie im Buch stehen. Der hypernervöse Kettenraucher Jack Elam, der Schlagetot Neville Brand und natürlich der Womanizer mit dem gefährlichen Blick und der sanften Stimme, Lee Van Cleef. Keine Gestalten denen man gerne im Dunklen begegnen möchte. Im Gegensatz zu den Typen wissen wir auch, wer der vierte Mann ist: der entlassene Captain der Polizei Preston Foster, nur sein Plan ist noch nicht klar. Geht es ihm um Rache an den früheren Kollegen? Um das Geld? Oder darum, zu beweisen, dass er der Beste ist? Ist das überhaupt wichtig? Wichtig ist doch nur eines: dass man sterben muss, damit Joe seine Unschuld beweisen kann.

Man sieht schon, lauter miese Typen, und mittendrin Joe, der seine Knochen hinhält für sein Leben und seine Rache (obwohl es die Rippen von Jack Elam waren, die ihm John Payne in einer Kampfszene gebrochen hat), sowie die hübsche Helen, Tochter von Captain Foster, angehende Rechtsanwältin, und Love Interest von John Payne. Dem aber sehr wohl klar ist, dass das unschuldige Mädchen ihre Füße in einen Haifischpool hängt, und der deswegen auch mal recht grob zu ihr werden muss, damit sie sich von ihm zurück zieht. Der Himmel hängt hier nicht voller Geigen, sondern voller Pistolen, alle Naslang wird jemand niedergeschlagen, und wenn er dann am Boden liegt geht es erst so richtig zur Sache. Feine Gefühle sind nicht die Sache von DER VIERTE MANN, hier wird mit der groben Kelle ausgeteilt und im Zweifelsfall lieber noch einmal mehr draufgehauen.

Der Verbrecher ist ein Ex-Cop, und der Ex-Sträfling läuft als Held und ermittelt, macht also den eigentlichen Job der Polizei – Im Amerika der frühen 50er-Jahre normalerweise undenkbar. DER VIERTE MANN ist düsteres, gewalttätiges und zutiefst unmoralisches Gangsterkino vom Feinsten, bei dem die Schatten an der Wand zusammenstehen und um das Leben der zwielichtigen Charaktere pokern. Großartig!!
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Goldene Zeiten (Peter Thorwarth, 2006) 4/10

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Eine vernünftige Inhaltsangabe ist gar nicht so einfach, also erstmal tief Luft holen: Event-Manager Ingo plant zusammen mit dem Präsidenten vom Golf-Club Jürgen und dem Kassier Kettwig ein Golfturnier inklusive großer Verlosung zugunsten eines rumänischen Kinderheims. Stargast der Veranstaltung ist der US-Schauspieler Douglas Burnett, der in den 80ern mal in einer beliebten Fernsehserie der Held war und eine ganze Generation weltweit mit seinen Sprüchen und seiner Action verzaubert hat. Sowas wie Michael Knight. Oder, um den Darsteller zu adeln, Faceman aus dem A-TEAM, denn um genau diesen handelt es sich hier. Der allerdings ist nicht echt, sondern heißt in Wirklichkeit Horst Müller, kommt aus Kornwestheim, und ist mit Ingo im Bunde, um zusammen groß Kohle zu machen. Jürgen wiederum will die Einnahmen ganz für sich allein haben, weswegen er große Probleme hat mit dem Besitzer des Golfgeländes, Bauer Buschschulte. Dem nämlich schuldet er die Pacht für das Green, weswegen Buschschulte dann auch pünktlich zu Beginn des Turniers die angrenzenden Felder mit Jauche besprengt …
Auf jeden Fall will Ingo an die Moneten, und will auch Jürgen an die Moneten. Selbstverständlich unabhängig voneinander. Ingo fährt, ganz der Gernegroß der er ist, im Mercedes-Cabrio seines Chefs durch die Gegend, der seinerseits gerade auf Mallorca ist und Ingos Freundin bumst. Ingo wiederum will an Melanie ran, die in der Schule in der Klasse unter ihm war, und mittlerweile Karriere gemacht hat als Seite 3-Starlet und One-Hit-Wonder. Und als Douglass Burnett/Horst Müller in seiner Rolle aufgeht und Nutten haben will, da beginnt die ganze Sache ein wenig zu eskalieren, denn dadurch kommt Ingo mit Zuhälter Grabowski in Kontakt. Der riesengroßer Douglas Burnett-Fan ist. Und natürlich gerne seine Mädels für den Star hergibt. Im Tausch für den Ehrenplatz neben dem Star bei der Tombola.

Ääh, habe ich alles? Nein, da fehlt noch mindestens die Hälfte des Inhalts. Aber zum einen wäre das Spoilern gemein, und zum anderen passiert hier sehr viel Aberwitziges, was nur schwer zu beschreiben ist. Das Problem dabei ist, dass dieser Wahnwitz innerhalb der etwas mehr als ersten Stunde des Films quer durch den Gemüsegarten galoppiert, und öfters einmal des Guten zuviel ist. Ohne dabei aber die Geschichte wirklich voran zu bringen, und ohne den Zuschauer dabei in helles Dauergelächter zu versetzen. Nach rund 80 Minuten färbt sich die Stimmung des Films düster und wird zur gangsterhaften Großstadtballade, um dann gegen Ende in ein Melancholie versprühendes TV-Drama umzuschwenken.

Was das dann alles soll ist mir dabei nicht so ganz klar geworden. Es ist einfach wunderbar, altgediente TV-Recken wie Ingrid Steeger, Bernd Herzsprung oder Claus Wilcke mal wieder zu sehen, und es macht auch durchaus Spaß, den Irrwegen von Ingo und Jürgen zuzuschauen und sich ob des vergnüglichen Chaos einen zu lachen. Aber mehr als einer ist es dann auch oft nicht, kommt die ganze Sache doch reichlich bemüht daher, und wirkt oft angestrengt und mühsam. Hey, da brauchen wir jetzt einfach noch mehr Irrwitz, da muss mehr Verwirrung und Chaos hinein, so scheint der Wunsch des Regisseurs (oder des Produzenten) gewesen zu sein. Und während all den Stimmungsveränderungen, den mal mehr und mal weniger gelungenen Ideen und den ganzen aufmarschierenden namhaften Schauspielern hat niemand gemerkt, dass GOLDENE ZEITEN ganze einfach über eine halbe Stunde zu lang geraten ist. Sich die eh schon mühsame Geschichte über Gebühr ausdehnt und irgendwann immer mehr in Richtung Langeweile tendiert, weil das ganze Brimborium einfach nicht zu einem vernünftigen Ende kommen will. Lieber noch eine Extraschleife einbauen, lieber nochmal an der Schraube in Richtung Wahnsinn drehen, anstatt rechtzeitig die Bremse anzuziehen.

Nein, so richtig glücklich macht GOLDENE ZEITEN nicht. Die Idee mit Dirk Benedict vom A-TEAM als Horst Müller der Dirk Benedict spielt ist klasse, Wotan Wilke Möhring, Wolf Roth und Ludger Pistor sind sowieso immer hervorragend, und alle anderen im Cast machen ihre Sache bewunderungswürdig. Nur die Story und ihre Umsetzung, da hakt es leider doch so sehr, dass der Spaß irgendwann mal auf der Strecke bleibt. Dann doch lieber mal wieder BANG BOOM BANG anschauen, den ersten Teil der Unna-Trilogie. Dieser dritte Teil ist eher wie das Kamener Kreuz: Hoffnungslos überlastet und zäh …
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Fluss ohne Wiederkehr (Otto Preminger, 1954) 8/10

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In der kleinen gesetzlosen Stadt sucht Matt Calder, der Mann ohne Vergangenheit, seinen neunjährigen Sohn Mark, der ohne ihn keine Zukunft haben wird. Die Sängerin Kay hatte Mark unter ihre Fittiche genommen und auf ihn aufgepasst, aber jetzt ist Matt ja wieder da und nimmt ihn mit. Fort von den Schießereien, dem Glücksspiel und den Prügeleien und raus aufs Land. Auch Kay kann endlich aus dieser Hölle raus, ihr Verlobter Harry Weston hat beim Glücksspiel besonders viel Glück gehabt und ist jetzt reich. Zumindest könnte er es sein, wenn er schnell ist, und seinen Anspruch auf die gewonnene Goldmine in der Bezirksstadt anmeldet. Der schnellste Weg ist der über den Fluss, mit einem Floss, doch das Flößen überschreitet das Können des Berufsspielers und bringt die schiffbrüchigen Harry und Kay direkt auf das kleine Anwesen von Matt. Matt hat ein Pferd. Matt hat ein Gewehr. Harry hat nichts davon, aber er hat jede Menge Zeitdruck. Also „leiht“ er sich Pferd und Waffe, wohlwissend, dass er Matt, Mark und Kay damit dem sicheren Untergang aussetzt. Die drei machen sich mit dem zurückgelassenen Floss auf die Reise in die Bezirksstadt, und es ist eine Reise in den sicheren Tod. Indianer, wilde Tiere, brunftige Goldgräber, und ein Fluss, der so gefährlich und unberechenbar ist wie alle anderen Gefahren zusammen.

Mal abgesehen von den Indianern könnte FLUSS OHNE WIEDERKEHR auch problemlos ein Großstadtthriller sein. Hier der harte und einsame Mann, dessen einziges Streben darin besteht, seinen Sohn anständig zu erziehen. Dort die schöne Nachtclub- bzw. Saloonsängerin mit dem Herz aus Gold, die die Schnauze voll hat vom Tingeltangel und von der Armut, und die endlich an die Fleischtöpfe will. Und zu guter Letzt der gewissenlose Betrüger, der nur auf seinen eigenen Vorteil schaut, und dem das Schicksal anderer vollkommen wurscht ist.

Eine Story, die man in den letzten 2000 Jahren schon oft gehört oder gelesen hat. Zu oft, könnte man meinen, aber was Regisseur Otto Preminger aus diesem schlichten Sujet hervorzaubert, das ist faszinierendes Kino in Reinkultur. Robert Mitchum als knarziger Ex-Knacki, der sich schlichtweg weigert, der Sängerin Marilyn Monroe den Hof zu machen, sondern lieber seine kratzige Kehrseite zeigt. Kein Wunder, dass die Holde mehr auf den schnieken Rory Calhoun steht, aber dem rauen Charme des grantelnden Tausendsassas kann halt auch die Marilyn auf Dauer nicht widerstehen. Das klingt jetzt etwas böse, aber wie gesagt ist die Story schlicht und einfach. Mitchums Widerwillen gegen alles was nicht sein Sohn ist, ist fast mit den Händen zu greifen, aber allmählich merkt der Zuschauer schon, dass diesem groben Mann sein eigenes Schicksal schnurzpiepegal ist, solange er sympathischen Menschen in Not helfen kann. Und die Monroe, die in ihrer Eröffnungsszene im grünen Scarlett O’Hara-Gedächtniskleid so nackt aussieht wie man es sich kaum vorstellen kann, und die ganz das Klischee vom männersuchenden Blondinchen zu erfüllen scheint, die Monroe merkt ebenfalls ganz allmählich, dass das Leben in der Wildnis vielleicht hart sein mag, und man auch mal in komplett durchnässter Unterwäsche da steht (lechz), aber mit einem Robert Mitchum an der Seite kann einem eigentlich kaum etwas passieren. Und dumm ist Kay nicht, überhaupt nicht. Nur ein wenig verblendet …

Das klingt jetzt alles immer noch so lächerlich, dabei ist nichts an diesem Film lächerlich (außer vielleicht den Rückpros bei der Flusspartie). Preminger setzt auf große und echte Gefühle und darauf, dass seine Schauspieler diese Gefühle auch transportieren können. Gleichzeitig stellt er den Darstellern beeindruckende Bilder an die Seite. Wie John Ford zeigt er überwältigende Landschaften, in denen die Menschen ganz klein sind, verloren in ihren dummen Händeln, im Kampf gegen die Natur und gegen sich selbst, und wie blind sie sind für die sie umgebenden Wunder. Beides, Darsteller und Bilder, erzeugen unter der Hand des alten Regieprofis Preminger einen Edelwestern, der den Zuschauer ab der ersten Minute in seinen Bann zieht. Natürlich ist von vornherein klar, dass der Westmann und die Tingeltangelmaus sich kriegen werden, und es ist natürlich auch klar, dass der kleine Mark das verbindende Element sein wird. Aber bekanntlich ist der Weg das Ziel, und der Weg ist gespickt mit Spannung und mit großen Gefühlen, und am Ende können dem Zuschauer sogar fast die Tränen kommen, so sehr geht die eigentlich ganz einfache Geschichte zu Herzen.
Vielleicht ist das so, gerade WEIL die Geschichte so einfach ist. Und weil so viel Überzeugungskraft darin steckt. Vielleicht sind die einfachsten Geschichten ja tatsächlich die besten. Er will sie, sie will ihn, beide wissen das noch nicht, die Umstände sind gegen sie, und am Ende weinen alle(!). Großes epochales Edelkino eines längst untergegangenen Hollywoods. So richtig zum Dahinschmelzen und Träumen. So großartig, dass jemand wie ich, der mit der Monroe nie viel anfangen konnte, mit nur einem einzigen Film zum heimlichen Verehrer wird …
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Frida, professione manager (Renato Polselli, 2000) 3/10

Irgendwo in den Tiefen des Internets begraben.jpg
Irgendwo in den Tiefen des Internets begraben.jpg (7.4 KiB) 240 mal betrachtet

Veio liebt Frida, und bringt sie mit seiner überbordenden Liebe dazu, ihn zu heiraten. Aber Frida stellt von vornherein klar, dass ihr Beruf, sie ist Bauingenieurin, ihr wichtiger ist als alles andere („Persönliche Beziehungen sind eine Abschreckung für jeden der professionell sein will“), und Veio immer die zweite Geige hinter ihrem Job spielen wird. Veio akzeptiert dies vermeintlich, aber tatsächlich versucht er sie von seiner eigenen Denkweise zu überzeugen: Der romantisch-philosophische Veio („Archäologie ist Leben, das in der Zeit eingefroren wurde“) ist Besitzer einer Gärtnerei, liebt Archäologie – Und Sex. Frida wiederum ist in der Hochzeitsnacht noch Jungfrau, und eigentlich gefällt ihr das mit dem Sex ja auch ganz gut, aber der Job. Die Termine. Der Druck … Auf die Dauer kommt Veio mit der Business-Attitüde seiner Frau nicht mehr klar und verschwindet eines Tages spurlos. Dadurch geht Frida erst auf, wie sehr sie Veio liebt. Als sie ihn wiederfindet poppt er gerade eines seiner Blumenmädchen. Und Frida macht sich eine Vorstellung davon, was Sex innerhalb einer Beziehung wirklich ausmacht. Sie möchte mit dem Blumenmädchen sprechen, aber das Hausfaktotum, der kluge Salvatore/Richard, bringt stattdessen nur eine aufblasbare Gummipuppe ins Haus. Frida erkennt, dass sie ihren Veio mit seiner sexuellen Vergangenheit nicht erpressen darf und fällt ihm glücklich in die Arme, während Salvatore/Richard und das Hausmädchen gemeinsam mit der Gummipuppe tanzen.

Zum Schluss, erst ganz zum Schluss, kommt so ein klein wenig dieser Polselli’sche Irrsinn auf, wenn Salvatore, der Richard genannt werden will (außer wenn es um die Ehre geht, da ist er Sizilianer und heißt Salvatore), mit der Gummipuppe ankommt. Aber bis dahin zieht sich die uninteressante Soap Opera über mühsame 85 Minuten, und der Flirt zwischen Daumen und Stoptaste wird mindestens genauso intensiv wie Fridas unkontrollierbare Temperamentsumbrüche. Sie will Veio sehen, nein sie will ihn nicht sehen, jetzt will sie wieder, jetzt wieder nicht, und dies in einem fort. Sie beobachtet Veio beim Vögeln mit einer anderen, sie will also wieder weg. Während der Rückfahrt will sie wieder zu ihrem Veio. Kaum dort angekommen, Veio treibt es noch immer mit dem Blumenmädchen, will sie wieder weg. Und dann doch wieder hin …

Polselli’scher Wahnsinn? Oder doch GZSZ? Eher letzteres, denn selbst das abstruse Figurenkabinett kann nicht davon ablenken, dass es im Kern um eine billige (und zudem auch noch platte) Geschichte geht: Die Businessfrau, die erst erkennen muss, dass ihr Heil in den Armen ihres Mannes liegt, nicht im Job. Dazu passen dann auch Charaktere(?) wie das Hausmädchen, das von Salvatore/Richard als Hure bezeichnet wird, und sich darüber immens freut. Bekommt sie von ihm für das Zeigen ihrer Schenkel doch immerhin selbst gemachte Ritterpuppen geschenkt. Dann sind da noch zwei klischeehafte Schwule, die in Veios Gärtnerei arbeiten und eine Art Hassliebe füreinander empfinden, dabei aber so übel und billig gezeichnet sind, dass einem ob dieser Plattitüden schlecht werden könnte. Und natürlich Salvatore/Richard, der sich wunders was einbildet auf seine sizilianische Ehre, und seine Ratschläge und Lieder prinzipiell im Dialekt seiner Heimat gibt (was die Erstellerin der Untertitel der gesehenen Version leider nicht übersetzen konnte), für den aber Frauen anscheinend grundsätzlich Huren oder Damen sind. Oder beides gleichzeitig!

Garniert wird diese Mischpoke von wohlfälligen Bildern römischer Gärten, Stauten und alter Bauwerke, sowie einer Fahrstuhlhintergrundmusik, für die der Begriff Muzak noch ein Kompliment wäre. Eingebettet in ein Heile Welt-Ambiente und sanfte Wohlfühlklänge sehen wir also einer Geschichte über eine Ehe zu, die fast daran scheitert, dass er nicht akzeptiert wie sie ist, und sie nicht akzeptiert wie er ist. Warum die beiden geheiratet haben? Das wird nicht erklärt, aber ich denke mal, dass bei ihm sexuelles Verlangen der Hauptgrund war, und bei ihr die Panik, keinen mehr abzubekommen. Erzählt wird im ersten Drittel in mehreren, nicht klar voneinander abgegrenzten, Zeitsprüngen, aber nach dem Verschwinden Veios ist dann auch diese, zumindest narrativ interessante, Erzählstruktur gegessen, ab dann geht es gradlinig weiter. Und da sichtlich wenig bis gar kein Geld für den Film da war (habe ich das richtig verstanden, dass Polselli an FRIDA 10 Jahre lang gewerkelt hat?), was sich in häufigen Großaufnahmen sowie vielen Dialogen in Schuss-Gegenschuss-Technik zeigt, wird das Gezeigte schnell langweilig und immer noch langweiliger.

Eine typische Soap eines Privatsenders hätte aus diesem Stoff bestimmt eine ganze Staffel zaubern können, Ingmar Bergman schaffte damit sogar einen preisgekrönten Spielfilm plus eine Fernsehserie. Renato Polselli, den ich normalerweise sehr verehre, greift bei seinem letzten Film aber leider ganz tief in die Schüssel und präsentiert eine ansprechende Schauspielerin (Daniela Mango ist verblüffend ähnlich zu Rita Calderoni und sehr sexy), Tano Cimarosa und einen Haufen günstig zu castender Nebendarsteller in einer Form, die das Prädikat Spielfilm leider kaum noch verdient. Stattdessen werden eine sprunghafte Frau und ein dauergeiler Mann in einem Szenario zusammengebracht, das in seiner Basis zwar interessant klingt, in der unerheblichen Umsetzung aber krachend scheitert.

So weit, so schlecht. Ein großes Aber hat es allerdings doch: Wenn ich so in verschiedenen, vor allem auch italienischen, Filmforen recherchiere, scheint es, als ob die Dialoge „wahnhaft“ und „voller Kultmomente“ sind. Als ob das Polselli’sche Delirium, das seine Filme in den 70ern so auszeichnete, gerne auch mal in Verbindung mit philosophischen Ergüssen, dass dieses Delirium hier durchaus wieder auftaucht, und somit dem Schaffen des Regisseurs einen runden Abschluss spendieren würde. Dass die Verbindung aus Fridas widersinnigem Verhalten („Ich habe eine Identitätskrise! Ich habe eine Identitätskrise!“ Alternativ könnte sie ja auch rufen „“Hyäne! Hyäne!“), den halluzinogenen Dialogen, den schrägen Gestalten und dem biederen Ambiente die Quintessenz aus Polsellis Filmschaffen ergeben könnte. Schließlich sind hier nicht nur einige Schauspieler aus Polsellis Filmhistorie versammelt (Tano Cimarosa, Marcello Bonini Olas) sondern auch genau diejenigen aus dem Freak-Kabinett entlaufenen Gestalten, die Polsellis Filmen das Prädikat Kult beschert haben: Eine Hure, die irgendwann mal da steht und erklärt, wie toll es ist die Beine breit zu machen. Ein Zimmermädchen, das kein Problem damit hat, seine Extremitäten zu zeigen, Hauptsache es bekommt ein Spielzeug. Zwei Schwule, von denen der eine als Sheriff angesprochen wird, und die sich in ihrer Hassliebe fortwährend Gemeinheiten und Brutalitäten um die Ohren hauen. Und natürlich Frida, die sich insgeheim nach BDSM-Sex sehnt, dann aber doch immer wieder Angst vor ihrer eigenen Courage zu bekommen scheint … Und wer weiß, vielleicht ist das Andeuten sexueller Akte bei gleichzeitigem strikten Nicht-Zeigen eine Folge der Pornos, mit denen Polselli in den 80ern gezwungen war sein Geld zu verdienen.

Die englischen Untertitel der gesehenen Fassung geben diese Einschätzung zwar nicht wieder, doch selbst ich als kaum-italienisch-Sprechender habe gemerkt, dass Subs und gesprochene Texte öfters einmal nicht zusammen passen. Und wer weiß, vielleicht sind Tano Cimarosas sizilianische Einschübe tatsächlich die besten Monologe der Filmgeschichte. Ich befürchte, die Nicht-Sizilianer im Publikum werden es niemals erfahren. Und bis dahin bleibt FRIDA eine eher langweilige und banale Sache, die ohne Italienisch- (respektive Sizilianisch-) Kenntnisse halt leider doch eine verdammt zwiespältige und zähe Angelegenheit ist.
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Ein halbes Leben (Nikolaus Leytner, 2009) 8/10

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Was ist das Schrecklichste an einem Verbrechen, an einem Mord? Der Verlust eines geliebten Menschen? Die Lücke, die entsteht, und die nicht gefüllt werden kann? Nicht zu wissen was passierte? Nicht zu wissen wer der Täter war und das Warum nicht zu kennen? Oder ist es nicht vielleicht ungleich entsetzlicher, zu wissen was passierte? Den Täter zu sehen und zu erkennen, dass dieser möglicherweise ein armer Hund ist, der nicht nur unsere Abscheu, sondern auch unser Mitleid verdient?

Zwei Männer. Der eine ist Peter Grabowski, Direktor einer Firma, glücklich verheiratet, Vater einer erwachsenen Tochter. Die vor 6 Jahren, im Jahr 1986, ermordet wurde. Der Täter wurde nie gefunden. Der andere Mann ist Ulrich Lenz, ein einfacher Mann, Führer einer U-Bahn, verlobt, verurteilter Sexualstraftäter, der seine Schuld abgesessen hat. Und der Peters Tochter getötet hat. Vor 6 Jahren. Was aber niemand weiß. Als im Laufe der 90er-Jahre die DNA-Analyse immer mehr verfeinert wird, und mit der Jahrtausendwende dann eine europäische Datenbank aller Sexualstraftäter aufgebaut wird, da zieht sich die Schlinge um Ulrich ganz allmählich zusammen. Obwohl im Grunde eigentlich gar niemand mehr möchte, dass Ulrich gefasst wird. Auch Peter nicht, der nach vielen Jahren der verzweifelten Suche irgendwann einmal seinen Frieden gefunden hatte. Bis jetzt …

Regisseur Nikolaus Leytner befasst sich hier mit dem Zusammenhang zwischen Wissen und Schuld. Da ist Peter, der über lange Jahre hinweg unbedingt in Erfahrung bringen wollte, wer seine Tochter umgebracht hat. Um jeden Preis wollte er das wissen, aber irgendwann, nach 15 Jahren, hat auch Peter einmal vermeintlich mit der Sache abgeschlossen. Konnte er sich mit der Leere und dem Nicht-Wissen in seinem Leben arrangieren. Doch plötzlich kommt durch die verbesserten Untersuchungsmethoden der Kriminalpolizei nach einem halben Leben alles wieder hoch, und dann ist da wieder diese Unruhe. Dieses Bohren und Nagen. Diese Angst. War der Zustand des Nicht-Wissens nicht vielleicht besser? Angenehmer?

Und dann Ulrich, der seit einem halben Leben mit der Schuld lebt, und mit der Angst, irgendwann gefasst zu werden. Seine Verlobte hat er verloren, als er sein Geheimnis mit ihr teilte. Sein Wissen mit ihr teilte. Irgendwann, viele Jahre später, lebt er in einer neuen Beziehung, in der er aber sein Wissen von vornherein für sich behält. Allein schon, um sein kleines Kind zu schützen und zu behalten. Das Nicht-Wissen gibt der Hauptfigur hier ein klein wenig Sicherheit, doch andere Menschen wissen: Der Film beginnt damit, dass die Frau, die Ulrich 1981 vergewaltigt hat, ihn in der U-Bahn erkennt. Und er erkennt sie. Dieses Wissen wird direkt umgemünzt in Angst, und wie Ulrich mit dieser Angst umgeht, dass da draußen jemand ist der ihn erkennen könnte, der jederzeit losschreien könnte was damals passiert ist, diese Angst liegt auf Ulrichs Seele wie Blei. Genauso wie die Angst vor einer Verhaftung wegen des Totschlags.

Entsprechend ist Ulrich erleichtert als diese ewig herbeigefürchtete Verhaftung vorbei ist, denn jetzt ist auch der Druck fort. Aber Peter ist bei der Verhaftung dabei gewesen und hat erfahren, dass Ulrich eine 8-jährige Tochter hat. Wissen, dass sich wiederum auf Peters Seele niederschlägt, als er herausfindet, dass diese Tochter in einem Heim gelandet ist. Seine verzweifelte Suche nach der Wahrheit mündet somit in der Ge-Wissheit, welche ihn nur bedrückt, ihn aber nicht freier macht. Die Frage nach dem Grund des Todes seiner eigenen Tochter, die wird sowieso nicht beantwortet. Weder von Ulrich, noch von irgendjemandem anders. Dieses Wissen wird Peter nie erlangen, aber irgendwann wird ihm auch klar, dass er das eigentlich gar nicht wissen muss.

Bert Rebhandl von der österreichischen Zeitung Der Standard stellt die Frage, wem damit gedient ist, wenn ein Mörder identifiziert wird.* Und wie ein fataler Moment ein ganzes langes Leben durchwirken kann. In einem grauen Wien, in dem es anscheinend permanent regnet oder schneit, sind graue Menschen in einer grauen Welt unterwegs, und versuchen ihre Schuld und ihr fortwährendes Grau-en zu bewältigen. Wir begleiten Peter auf seinem Weg durch Wut und Trauer, der ihn fast von seiner Frau entfremdet und nur allmählich, über viele Jahre hinweg dem Leben wieder annähert. Und wir begleiten parallel dazu Ulrich auf einem Weg, der von Angst und Schuld überschattet ist. Gefühle, die ihn immer zu einem Wandler jenseits der Gesellschaft machen werden und seine Seele ständig belasten. Niemandem kann er sich anvertrauen, nicht einmal seiner geliebten kleinen Tochter, und wenn er es doch tut, so wird er zurückgestoßen in die Einsamkeit seiner düsteren Welt. Der Zuschauer begleitet diese beiden Menschen auf dem Weg durch ihre ganz persönliche Hölle, und er ist dabei sehr nah bei ihnen. EIN HALBES LEBEN ist weniger ein Thriller im landläufigen Sinne, wie es etwa Baran Bo Odars grandioser DAS LETZTE SCHWEIGEN ist, sondern vielmehr eine Studie über Menschen, die sich in Schuld und Sühne verstricken. Die in ihrer Sprachlosigkeit am Leben verzweifeln. Und mit dem Wissen über ihre Schuld oder ihre Wut ihre Seele und ihr Leben genauso belasten wie dem Nicht-Wissen. Was ist schlimmer? Zu wissen was passiert ist? Oder es nicht zu wissen?

EIN HALBES LEBEN berührt tief, gerade weil wir so nah bei den Charakteren sind und sie in ihrer Reise begleiten. Und gerade weil wir, auch wenn wir (hoffentlich) niemals Teil eines Gewaltverbrechens waren, ihre Einsamkeit und ihre Verzweiflung spüren können. Ein intensiver Film und eine spannende Erfahrung.

* Gerade zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Textes wird in der deutschen Presse über die Aufklärung eines Mordfalles berichtet, der vor 31 Jahren stattfand. Durch DNA-Spuren konnte der Mörder, ein mittlerweile 81-jähriger Mann, ermittelt werden. „Der Vater des Opfer zeigte sich erleichtert. Die Festnahme sei eine gute Nachricht, sagte er und lobte die Polizeiarbeit. Der inzwischen 86-jährige Vater der Getöteten hofft, dass er bald dieses Kapitel in seinem Leben beenden und die Last ablegen kann.“ (Quelle) Eine in diesem Zusammenhang spannende Frage, die Sache mit der Last: Konnte der Vater seine Tochter nie wirklich beerdigen, nur weil er den Mörder nicht kannte? Und was hat er jetzt davon? Wird die Tochter wieder lebendig? Hat seine Sprachlosigkeit nun ein Ende? Das Wieso wird hier in keinster Weise beleuchtet, sondern einfach nur in den Raum gestellt. Das ist jetzt so, der Vater ist erleichtert. Punkt. Es würde mich wirklich interessieren, was ein Psychologe dazu sagen würde …
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