Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

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Blap
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

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DVD: CODE RED (USA)



Madman (USA 1982, Originaltitel: Madman)

Metzelmasse im Blockhaus! Mettgut im Wald! Madman Marz macht alle kalt!

Zu jedem Aufenthalt im Feriencamp gehören Gruselgeschichten am Lagerfeuer. Lagerboss Max (Carl Fredericks) hat eine besonders schaurige Erzählung auf Lager, eindrucksvoll berichtet er von fürchterlichen Blut­taten, verübt von einem wahnsinnigen Farmer, genannt Madman Marz. Niemand darf den Namen des Killers laut aussprechen, ansonsten kehrt er zurück, gnadenlos und mordlüstern. Selbstredend hallt der verbotene Name mehrfach laut durch den nächtlichen Wald, niemand glaubt wirklich an haarsträubende Schauermärchen. Welche schreckliche Fehleinschätzung, denn wenig später lässt Madman Marz fleißig die Axt kreisen ...

Momentan hat mich das Slasher-Fieber gepackt. Nein, bereits seit den frühen Achtzigern faszinieren diese Streifen das (damals jugendliche) Blap, ab und zu kocht die Leidenschaft auf besonders hoher Flamme. "Madman" tobt sich nicht auf irgendeinem Campus aus, hier wird das Jungvolk durchs feuchte Unterholz gejagt. Damen und Herren hauchen ihr Leben zwischen Blockhütten und Laubwald aus, wie es der Slashersüchtling aus den Klassikern der "Freitag der 13." Reihe kennt und liebt. Als Killer geht ein entstellter Hinterwäldler um, zielsicher stapft der grauhaarige Backwood-Pummel seinen Opfern hinterher. Wieso und warum? Antworten gibt es am Lagerfeuer. Mettgut, Möpse und Gekeife bewegen sich im üblichen Rahmen, Regisseur und Autor Joe Giannone verlässt sich auf bekannte Strickmuster. Im Camp werden besonders begabte Kinder betreut, freilich hindert das keinen Betreuer an dummen Verhaltensweisen oder schwachsinnigen Ansagen, geliebte Schablone, lang sterbe dein Füllmaterial.

Auf das Ensemble muss ich nicht näher eingehen, gängiges Fleisch für den Metzger. Austauschbar, überwiegend gefällig. Lediglich ein Gesicht sticht aus der Fleischtheke hervor, Gaylen Ross, bekannt durch ihre Hauptrolle in George A. Romeros Überwerk "Dawn of the Dead" (1978). Wer mag Anwärter auf den Titel Final Girl sein? "Madman" baut ferner auf einen einfachen und effektiven Score, stilsichere Kamera und geschickt über die Spieldauer verteilte Gewaltausbrüche. Schockierend, innovativ und herausragend? Aber nein, mehr als gepflegter Standard befindet sich nicht im Angebot. Ich wurde sehr angenehm und kurzweilig unterhalten, genau mein Näpfchen Blut.

CODE RED präsentiert "Madman" in ansprechender Qualität, obendrauf gibt es eine stattliche Menge Bonusmaterial zu sichten. Zwecks Bestellung empfehle ich die Website des Herstellers, erreichbar unter http://www.codereddvd.com .

7/10 (gut)


Lieblingszitat:

"Nobody's gonna come and get me? ... and chop off my head?"
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Blap
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

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Im Ultrakurzformat:


• Barbarella (Frankreich, Italien 1968) - In ferner Zukunft herrschen Frieden und Liebe. Als ein wahnsinniger Abweichler das Universum bedroht, muss Barbarella (Jane Fonda) eingreifen und den Irren stoppen ...

Der Weltraum, unendliche Weiten psychedelischer Wabermasse. Die Welten, bunte Spielplätze für schrullige & bizarre Gestalten. Mittendrin, obendrauf und darunter Barbarella, kokett-naive Erotikwaffe auf Rettungsmission. John Phillip Law flattert umher, Anita Pallenberg tyrannisiert, Milo O'Shea flippt aus. Jane Fonda geistert inzwischen als Anti-Falten-Creme-Oma durchs Werbefernsehen, vor 45 Jahren war sie ein echter Hingucker. "Barbarella" wurde Jane Fonda vom damaligen Gatten Roger Vadim auf den wohlgeformten Leib geschneidert, ein herrlicher Spass im Takt des Zeitgeistes der späten sechziger Jahre.

Auch auf Blu-ray macht "Barbarella" eine gute Figur. Leider bietet die Scheibe keine Boni, bei einem Klassiker dieses Formats eine schwache Vorstellung. Ich mag den Streifen sehr gern, meine Begeisterung ist in diesem Fall extrem von der Tagesform abhängig. Irgendwo zwischen 6-9/10 kommt das Pendel zur Ruhe, die aktuelle Sichtung meldet Pegelstand 8/10.


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• Dracula 2000 (USA 2000, Orignaltitel: Dracula 2000) Älterer Kurzkommentar, leicht überarbeitet

Der wohlhabende britische Antiquitätenhändler Abraham Van Helsing (Christopher Plummer), hütet im Untergeschoß seines Anwesens einen unsagbar wertvollen Schatz. Zumindest vermutet dies eine Bande professioneller Einbrecher, denn das Gewölbe ist mit einem extrem aufwendig konstruierten Sicherheitssystem vor unbefugten Zugriffen geschützt. Zur Abrundung der Sicherheitsmaßnahmen verrichten Wachleute rund um die Uhr ihren Dienst. Trotz dieser Hürden gelingt den Gaunern der Zugang, ärgerlicherweise finden sie keine der erhofften Kostbarkeiten vor, lediglich ein schwerer Sarg aus Metall scheint interessant zu sein. Da sich die Kiste nicht vor Ort öffnen lässt, nehmen die gierigen Gesellen das gute Stück kurzerhand mit. Auf dem Rückflug in die USA erleben die Schurken eine verdammt unangenehme Überraschung, aus dem Sarg erhebt sich Dracula (Gerald Butler) höchstpersönlich! Nach vielen Jahren der Gefangenschaft verspürt der Bösewicht einen unbändigen Blutdurst. Inzwischen hat sich auch van Helsing auf den Weg in die Staaten gemacht. Mitarbeiter Simon Sheppard (Jonny Lee Miller) hat sich an die Fersen des Chefs geheftet, obwohl sein Mentor ausdrücklich darauf bestanden hatte ohne Begleitung zu reisen. Als Simon erste unangenehme Begegnungen mit Schergen Draculas macht, erkennt er nach und nach die Tragweite der grausige Bedrohung. Dracula und van Helsing sind auf der Suche nach Mary (Justine Waddell), Abraham Van Helsings Tochter. In New Orleans prallen die Gegenspieler mit aller Härte aufeinander, welch erschreckendes Geheimnis hütet der alte Van Helsing ...???

2000 ließ Regisseur Patrick Lussier den mächtigen Blutsauger auf die Menschheit los. Da Wes Craven als Produzent mit an Bord war, musste sein bekannter Name herhalten, schliesslich kennt so gut wie jeder Horror-Fan den einen oder anderen Film des Genre-Veteranen. Patrick Lussier hat einen sehenswerten Vampirfilm auf den Weg gebracht. Christopher Plummer ist eine gute Wahl für die Rolle des Van Helsing, dem ewigen Gegenspieler des Blutsaugers. Natürlich bleibt Peter Cushing für immer und ewig der einzig wahre Van Helsing, leider hat der Meister bereits vor einigen Jahren (1994) die Bewusstseinsebene gewechselt, möge er in Frieden ruhen! Gerald Butler überzeugt als modernisierter Dracula, die übrige Besetzung erleidigt ihren Job solide, könnte aber auch beliebig ausgetauscht werden. Neue Erkenntnisse über die Herkunft Draculas wirken erfrischend, verleihen dem Film eine gewisse Eigenständigkeit. Es wird ein wenig gemetzelt, natürlich muss in einem Vampirfilm gebissen werden, aber auch der eine oder andere Kopf löst sich vom Rumpf, sehr angenehm. Musikalisch regiert Krawall, es gibt Monster Magnet, Slayer und weitere Krachmacher auf die Ohren. Dracula ist ganz offensichtlich von einem Monster Magnet Videoclip angetan, Geschmack hat der Untote.


Fazit: Obschon ich diverse Klassiker des Vampirfilms bevorzuge, gefällt mir die Variation des bewährten Stoffes gut. Angenehm und kurzweilig = 7/10
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Blap
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Im Ultrakurzformat:


• Sexorgien der roten Mönche (Italien 1988) - Nackte Haut, Kuttenträger, okkulte Rituale in alten Gemäuern, Mord ...

Zutaten nach meinem Geschmack, angerichtet in Italien, meinem liebsten Filmland. Dazu angenehm entschleunigt erzählt, beste Voraussetzungen für einen wundervollen Filmabend. Leider lässt Gianni Martucci sein Süppchen auf kleiner Flamme zu einem seltsam seelenlosen Brei verkochen, statt schmackhafter Reduktion wird fade Pampe serviert. Wie schafft man es, in diesem Umfeld kaum Atmosphäre zu erzeugen, es ist mir ein Rätsel. Leider vermögen die Protagonisten den Stoff nicht zu retten, Hauptdarstellerin Lara Wendel nervt mit zunehmender Spieldauer, lediglich die (im Ansatz) geheimnisvolle Malisa Longo bringt als kauzige Hausdame eine Prise Würze ins lustlose Treiben. Wenn die roten Mönche auftauchen, weht zumindest ein leichter Hauch Stimmung durch die Bude.

"Sexorgien der roten Mönche" erfuhr in Deutschland mehrere Veröffentlichungen. Mir liegt die DVD aus dem Hause X-Rated/X-NK vor, dort ist der Streifen in unterschiedlichen Bildformaten enthalten, die Scheibe kommt in einer grossen Hartbox. Nur für irre Sammler und Extremsüchtlinge geeignet, seltsame Nachtschattengewächse -wie der Verfasser dieser Zeilen- dürfen einen Blick riskieren.

Knappe 4/10
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DVD-Set: Shout Factory (USA)



The Slumber Party Massacre (USA 1982, Originaltitel: The Slumber Party Massacre)

Des Killers eindringliche Liebe ...

Trish (Michelle Michaels) freut sich über die Abwesenheit ihrer Eltern, am Abend will sie mit Freundinnen eine zünftige Pyjama-Party feiern. Einziger Bremsklotz könnte Mr. Contant (Rigg Kennedy) werden, er soll -im Auftrag der besorgten Erziehungsberechtigten- ab und zu nach Trish sehen. Schnell erweist sich Contant als locker und großzügig, ergo dürfen die jungen Damen auf einen gelungenen Abend hoffen. Bereits seit einigen Stunden treibt Russ Thorn (Michael Villella) sein Unwesen, ein wahnsinnger Massenmörder, frisch aus dem Irrenhaus entlaufen. Noch ahnen die Partygäste nichts vom tödlichen Unheil, welches sie bald mit aller Macht gnadenlos zu überrollen droht. Derweil hütet Valerie (Robin Stille) im Haus gegenüber ihre kleine Schwester Courtney (Jennifer Meyers), obwohl Trish die Mitschülerin ebenfalls zur Fete eingeladen hat ...

Amy Holden Jones liefert mit ihrem Regiedebüt einen äusserst unterhaltsamen Slasher ab, selbstverständlich mangelt es nicht an Klischees. Doch "The Slumber Party Massacre" kann mehr, funktioniert darüber hinaus als liebenswerte Parodie auf das Genre, viele Jahre vor Wes Cravens "Scream" (1996). So punktet der Streifen nicht nur mit blanken Brüsten, hysterischem Gekeife, einem herrlich durchgeknallten Killer und toller Atmosphäre, stets ist feiner Humor präsent, nur selten wird die Grenze zum plumpen Flachwitz überschritten. "Ernsthafte Schablonen" und gelungene Parodie wurden selten derartig stimmungsvoll verwoben, großartig!

Michael Villella agiert in der Rolle des Killers Russ Thorn ohne Maske oder sonstige Tarnkappe, recht früh bekommen wir sein Antlitz zu sehen. Sicher ist es einfacher per entmenschter Gesichtsmaske für Grauen zu sorgen, Villella kommt ohne solcherlei Maßnahme aus, sein entrückt-irrer Blick sorgt für wohlige Gruselschauer. Bevorzugt setzt Russ Thorn einen Akkubohrer von erstaunlicher Größe ein, gewissermaßen stahlharter Phallusersatz mit durchschlagender Eindringtiefe. Es wird nicht allzu ausufernd gemetzelt, vielmehr setzt man Momente des Mettguts stilsicher und punktgenau, vergrößert die Effektivität, beugt ermüdendem Overkill vor. Die Girls gehören zur hübscheren Gattung üblicher Slasheropfer, Michelle Michaels und Robin Stille agieren ansprechend als Final Girl Anwärterinnen, mein persönlicher Augenschmaus heißt Andree Honore, dralles Vollweib, längst dem Teeniestatus entwachsen. Ich möchte nicht alle Darsteller auflisten, freut euch auf nette Damen und einen wahnsinnigen Schlitzer. Übrigens merkt man Story und Regie die weibliche Handschrift deutlich an, abgesehen vom Killer, finden Bübchen und Herren nur am Rande statt, dienen lediglich als zusätzliche Metzelmasse.

Die Angst der Jungfrau vor dem Phallus. Sex, Drogen oder sonstige Laster? Der Killer kommt und holt dich! Vermutlich kommt der Killer tatsächlich, zumindest bis man ihm den Bohrer abschlägt. Armes Kerlchen. Barbie ist uncool und landet im Mülleimer, keine Sorge, Herr Driller Killer bringt sie zurück. Symbolik per Akkubohrer und sowieso Vorschlaghammer, Schablonen auf ausgetretenen Pfaden. Ironie in diesem Fall mehr als nette Garnitur, hinzu gesellt sich grandiose Arbeit des Cutters. Frauenpower auf dem Regiestuhl, Mädchenpower vor der Kamera, böser Killer, dein Riemen bespielt nie wieder irdische Orgeln, vergammelter Pillemann. Slasherhimmel ... mit und ohne Pi**el.

Aus den USA erreichte mich das schicke Set namens "The Slumber Massacre Collection". Zu den an ebenfalls an Bord befindlichen Werken "Slumber Party Massacre II & III", werde ich nach erfolgter Sichtung ein paar Zeilen schreiben. Neben den Filmen gibt es eine dreiteilige Dokumentation namens "Sleepless Nights: Revisiting The Slumber Party Massacre" zu sehen, Trailer, Fotogalerie und Booklet runden das Paket ansprechend ab.

Sehr gut = Dicke 8/10


Lieblingszitat:

"Mom, I'm eighteen years old, remember!?"
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Blap
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Die letzten Nächte im Ultrakurzformat:



• Halloween IV (USA 1988) - Innerhalb der Reihe oft unterschätzter Streifen. Dwight H. Little hat einen sehr ansprechenden Slasher inszeniert, hetzt unseren Liebling Michael Myers erneut auf panische Opfer, während Donald Pleasence verzweifelt versucht den Killer zu stoppen ...

Es existiert bereits ein älterer Kurzkommentar, diesmal kam jedoch die BD von Anchor Bay (UK) zum Einsatz. Einmal mehr starke 8/10 für meine alten Freunde Michael Myers und Dr. Loomis.


• Universal Soldier - Day of Reckoning (USA 2012) - Scott Adkins übernimmt die Hauptrolle der Reihe, stürzt in eine Welt des Schmerzes. Hier gibt es keine Gnade, keine Hoffnung, kein Entkommen. Dolph Lundgren und Jean-Claude Van Damme in Nebenrollen, Lundgren sorgt für einen Hauch Ironie, Van Damme unterstreicht die gnadenlose Finsternis des Stoffes. "Universal Soldier: Regeneration" war sein starkes Gesellenstück, mit "Day of Reckoning" liefert John Hyams ein äusserst beindruckendes Meisterwerk ab, sprengt die Grenzen des Actionfilms. Mit fröhlichem Krawall wie "The Expendables" hat "Day of Reckoning" nicht viel zu tun, ebenso gering sind Gemeinsamkeiten mit hysterischem Hype der Marschrichtung "The Raid".

Mir liegt die ungekürzte BD aus Deutschland vor, die den Film in erstklassiger Qualität bietet. Auf der Scheibe ist auch die 3D-Version enthalten, ich bevorzuge jedoch die normale Variante. Feiste 8,5/10 (sehr gut bis überragend)


• C2 - Killerinsect (USA 1993) - Fiese Zecken mutieren und greifen an. Schleimiger Insektenhorror, eingebettet in ein typisches Backwood Slasher Umfeld. Nette FX und brauchbare Darsteller, kein Überflieger, dennoch kurzweilig. Die DVD von HDMV gab es für einen Taler im Wühltisch, sehr angenehm. Etliche Auflagen erreichten den deutschen Markt, in den USA ist der Film inzwischen auch auf BD verfügbar.

6,5/10 (oberste Mittelklasse)


• Firewalker (USA 1986) - Die deutsche Version macht den Streifen zur "Feuerwalze", Chuck Norris und Louis Gossett Jr. wurden debile Kalauer in den Mund gelegt. Bei all dem Unfug geraten Abenteuer und Action zur Nebensache, obschon ich den Originalton bevorzuge, muss man die Blödelsynchro gehört haben, unfassbar.

In meiner Sammlung befindet sich die ordentliche DVD aus den Niederlanden, diese enthält u. a. die deutsche Fassung.

6/10 (obere Mittelklasse)


• Night Train Murders (Italien 1975) - Böser Klassiker aus Italien, älterer Kurzkommentar sollte im Forum vorhanden sein. Inzwischen bekam meine UK-DVD Gesellschaft aus den USA, Blue Underground spendierte dem Werk eine sehr ansprechende BD.

Wächst mit jeder Sichtung, ich erhöhe auf 9,5/10 (überragend +)
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BD+DVD Combo: Synapse films (USA)



The Dorm That Dripped Blood (USA 1982, Originaltitel: The Dorm That Dripped Blood)

Der Letzte macht (nicht nur) das Licht aus ...

Joanne (Laurie Lapinski) leitet die Entrümpelung eines in die Jahre gekommenen Studentenwohnheims, eine kleine Gruppe Helferlein steht ihr bei diesem Vorhaben zur Seite. Zwar könnte man die Ferien auf angenehmere Art verbringen, dennoch herrscht überwiegend gute Stimmung. Für Beunruhigung sorgt ein verwirrt aus der Wäsche glotzender Bursche (John Hemmit), welcher das Gelände trotz mehrfacher Aufforderung nicht verlässt, sich immer wieder dem Zugriff des Aufräumkommandos entzieht. Bald kommt es zu befremdlichen Vorfällen, Joanne und ihre Kommilitonen werden von unguten Gefühlen ergriffen. Wenig später schlägt zarte Angst in pures Grauen um ...

Jeffrey Obrow und Stephen Carpenter haben "The Dorm That Dripped Blood" mit wenig Geld und viel Herzblut inszeniert. Bewährte Zutaten bilden das Fundament für diesen Slasher aus den frühen achtziger Jahren. Das Ensemble besteht aus unverbrauchten Gesichtern, die Frischlinge machen ihren Job gut. Man vertraut auf bodenständige Charaktere, hat die dazu passenden Gesichter gewählt, vielleicht eher unscheinbar, fraglos sympathisch. Am gemäßigten Erzähltempo werden hektische Zuschauer wenig Freude haben, der geneigte Fan taucht mit Wonne in die typische "Achtziger-Campus-Slasher Atmosphäre" ein. Glaubt man den Angaben des Labels zu dieser Veröffentlichung, bekommen wir endlich die tatsächlich ungekürzte Fassung des Streifens zu sehen. Teils sind die Morde sadistisch ausgeführt, hinzu gesellen sich einfache -aber sehr effektive und liebevoll gemachte- Panschereien. Sicher wird mancher Betrachter den Killer vorzeitig ermitteln, aus meiner Sicht gelingt der Twist jedoch gut, vor allem das bitterböse Ende sorgt für dicke Ausrufezeichen!!! Ich lobte die Damen und Herren vor der Kamera bereits, weitere Auflistung der Truppe scheint mir unnötig, entsprechende Informationen sind im Netz verfügbar. Kurz möchte ich Laurie Lapinski hervorheben, die mit ihrer freundlichen Ausstrahlung sofort Punkte sammelt. In einer Nebenrolle ist Daphne Zuniga zu sehen, heute gefragte TV-Darstellerin in den USA.

In Deutschland wurde der Film unter dem Titel "Todestrauma" vermarktet (alternative Titel für den englischsprachigen Raum: "Death Dorm" und "Pranks"), bisher nur auf Tape, vielleicht erreicht uns irgendwann eine DVD oder gar BD. Dramtisch ist die Marktlage nicht, Synapse hat dem Flick eine ansprechende DVD/BD Combo spendiert. Das verwendete Material erweist sich als grobkörnig, zum Glück blieb der Filterwolf im Keller, die rohe Optik steht dem Werk sehr gut. Extras geben interessante Infos her, es gibt einen Audiokommentar von Obrow & Carpenter auf die Ohren, hinzu gesellen sich zwei Beiträge über Make-Up FX und Score, dort melden sich Matthew Mungle (FX) und Christopher Young (Musik) zu Wort. Sehr erfreulich, denn die herrlichen FX und der starke Score, haben diese zusätzliche Würdigung absolut verdient. Weiterhin lässt sich der Film nur mit Musik betrachten. Testet die Option, mit einfachem Equipment und geringen finanziellen Mitteln, hat Christopher Young großartige Arbeit abgeliefert (inzwischen ist er seit vielen Jahren ein gut beschäftigter Komponist, was ich nach dem Genuß von "Dorm" gut nachvollziehen kann).

Fans kommen auf ihre Kosten, Slasherkost für Liebhaber kleiner Filme. Gern ziehe ich 7/10 (gut), rate zum Kauf des Sets aus dem Hause Synapse films.


Lieblingszitat:

"This is no joke! The power is cut and the phone's dead!"
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Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"

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Derrick Collectors Box 10 (Folge 136-150)



Folge 143 - Ein eiskalter Hund (Deutschland 1986)

Radikale Entsorgung

Luise Lohbach (Christine Buchegger) und ihr Gatte Jakob (Klaus Löwitsch) führen keine glückliche Ehe. Jakob geht nicht nur ständig fremd, seit einiger Zeit verhält er sich extrem kühl und abweisend. Für den untreuen Ehemann ist Scheidung keine sinnvolle Option, da die Gattin das Vermögen mit in die Ehe brachte. Eines Tages wird Frau Lohbach in ihrem Wochenendhaus ermordet. Jakob Lohbach kann ein wasserdichtes Alibi vorweisen, zum Tatzeitpunkt spielte er mit seinem Schwager und einem Mitarbeiter Karten. Offen bekennt er sich zu seiner Beziehung mit Greta Riemann (Gundi Ellert), die als Kellnerin im Gasthaus Lohbach arbeitet. Derrick und Klein verdächtigen den kaltherzigen Witwer, doch dessen Alibi scheint unantastbar ...

Klaus Löwitsch darf sich arrogant, abgebrüht, knallhart und extrem gefühlskalt zeigen, mit einem Menschen wie Jakob Lohbach möchte man sich kaum umgeben. Dem knarzigen Löwitsch steht die Rolle des berechnenden Gierhalses bestens zu Gesicht, gewissermaßen wie auf den Leib geschneidert. Horst Michael Neutze lässt sich von seinem Schwager blenden, erkennt zwar die kühle Oberfläche, rechnet jedoch nicht mit der grausigen Fratze hinter der kantigen Fassade. Ida Krottendorf überzeugt als leicht schrullige Bürokraft der Lohbachs, überdies liefert sie die Vorlage für einen kleinen Running Gag, der das triste Treiben hier und da auflockert. Christine Buchegger bleibt als Mordopfer nur wenig Entfaltungsraum, sie hechelt dem fiesen Gatten verzweifelt hinterher, arme Luise. Gundi Ellert bringt als Geliebte einen Hauch biederen Sexappeal ins Spiel, Axel Milberg sehen wir als zunehmend hektischen Bruder der Servierkraft.

Regisseur Theodor Grädler ringt mit dem wenig erbaulichen Drehbuch, vor allem der viel zu flotte Zusammenbruch des Eisblocks wirkt an den -kaum vorhandenen- Haaren herbeigezogen. Obendrauf sieht unser geschätzter Oberinspektor über fragwürdige Ermittlungsmethoden hinweg, Derrick muss sich dem schwachen Finale der Folge beugen. Schade und unpassend, hier hätte ich mir Mut zur Bitterkeit gewünscht, durch den "Ein eiskalter Hund" deutliche Aufwertung erfahren hätte. Interessante Ansätze bietet die Rolle Gundi Ellerts, deren Potential nicht genutzt wird, immerhin wird ihre zunehmende Angst vor dem bösartigen Liebhaber deutlich. Viel mehr gibt es nicht zu berichten, Fanbefriedigung auf kleiner Flamme, ansprechende Leistungen der Darsteller retten den mittelprächtigen Plot.

Knappe 6/10 (obere Mittelklasse)


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Ultrakurz:


• Scorpio (USA 1973) - Alain Delon und Burt Lancaster sind für den US-Geheimdienst als Killer unterwegs, eines Tages gerät Veteran Cross (Burt Lancaster) auf die Abschußliste seiner Auftraggeber ...

Michael Winner verdanke ich einige unterhaltsame Filmabende, darunter diverse Klassiker mit Charles Bronson. Hier liefern sich Lancaster und Delon ein packendes Duell in stilvollen Kulissen, inklusive Action, Thrill und trostlosem Ende. Kurzweilig, konsequent, dicke Empfehlung. Die DVD aus dem Hause MGM ist zum kleinen Preis erhältlich, Bild ordentlich, Ausstattung mager.

7,5/10 (gut bis sehr gut)


• Bloodmoon (Australien 1990) - Ein irrer Killer meuchelt sich durch die Reihen eines Mädcheninternats, nicht nur in den USA leben Teenager gefährlich ...

Zunächst lullt "Bloodmoon" den Zuschauer -auf sehr angenehme Art- ein, in der letzten halben Stunde ziehen Tempo und Boshaftigkeit deutlich an. Mettgut und Möpse in kleiner Dosis, sympathische Akteure und ein herrlich durchgeknallter Killer. Entspannte Slasherfans kommen auf ihre Kosten, mir hat der Trip nach Down Under zugesagt. Kinowelt präsentiert den Streifen auf einer soliden DVD, klarer Kauftipp!

7/10 (gut)


• Stadt in Flammen (Kanada, USA 1979) - Bemühter Schwanengesang, Nachhall der großen Katastrophenfilme der siebziger Jahre. In Erinnerung bleiben Barry Newman als emsiger Chefarzt, Ava Gardner als versoffene TV-Moderation, Leslie Nielsen macht uns den karrieregeilen Bürgermeister ...

Sehr wohlwollend ziehe ich 6/10, ich mag diesen unrunden Abschied aus dem grössten Jahrzehnt der Filmgeschichte. Leider kann ich die sehr lieblose DVD von VZM nicht empfehlen, nur sammelwütige Fanatiker (Blap und ähnliche Spinner) sollten einen Blick riskieren.
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Kleine Hartbox (Cover B) von CMV



Nightmares (Australien 1980, Originaltitel: Nightmares)

Scherbenhaufen

Noch immer leidet Helen Selleck (Jenny Neumann) unter ihrer traumatischen Vergangenheit, im Kindesalter erlebte sie Ruchlosigkeit und Tod der eigenen Mutter hautnah. Inzwischen ist die junge Frau eine talentierte Schauspielerin, Regisseur George D'alberg (Max Phipps) engagiert die Nachwuchskraft für ein kurz vor der Premiere stehendes Theaterstück. Auch Terry Besanko (Gary Sweet) ergattert eine Rolle, überdies scheint er Helen sehr zugetan, bemüht sich charmant um Nähe. Derweil wird Helen von grausigen Albträumen und Visionen geplagt, bald ereignen sich fürchterliche Morde im Umfeld des Schauspielhauses ...

Bewusst halte ich den Inhaltseinblick zu "Nightmare on the Street" (Titel für den deutschen Markt) kurz. Zwar wird der Streifen gern in die Schublade Slasher sortiert, doch Regisseur John D. Lamond gönnt sich immer wieder Blicke über den Tellerrand, bricht Grenzen des Genres auf. So fällt zunächst die recht offensive Gestaltung diverser Nacktszenen ins Auge, offensichtlich kann und will Lamond seinen Bezug zu erotischen Werken nicht leugnen. Morde machen nicht durch besonders spektakuläre Effekte auf sich aufmerksam, versprühen eher eine bedrückende bis nahezu verstörende Stimmung. Wenn in diversen Klassikern und Mitläufern der -oft maskierte- Schlitzer meuchelt, macht sich beim Zuschauer angenehme Horroratmosphäre breit. Hier greift dieses ungeschriebene Gesetz nicht, hier wird die wohlig blutwarme Suhle zur unbequemen Lava des Schmerzes. "Nightmares" stellt Killer und Motiv klar in den Raum, dreht Ensemble und Betrachter dennoch durch den Fleischwolf, nicht nur Glas zerspittert im Wahn aus Lust, Leid und Terror. Nicht minder elektrisierend Schnitt- und Szenenfolge, Taumel zwischen Hektik und Liebe zum Detail, bei Betrachtung des Gesamtpakets durchweg stimmig.

Großes Lob für Hauptdarstellerin Jenny Neumann. Wüste Übertreibungen treffen subtile Zwischentöne, Schönheit wird im Eiltempo zur Haßfratze, zu keiner Sekunde lässt mich die junge Dame unberührt, nie war hemmungslose Übertreibung prächtiger. Gary Sweet sorgt für Ansätze von Erdung, sein Terry ist ein angenehmer Typ, wünschen wir ihm Glück (was freilich ein hoffnungsloses Unterfangen bleibt). Max Phipps poltert als schablonenhafter Regisseur durch den Saal, zeigt sich zunehmend dünnfellig. Vor allem John Michael Howson darf für herrliche Momente sorgen, in der Rolle des tuntigen Kritikers Bennett Collingswood spuckt er Gift und Galle, will manchen Beteiligten nicht nur auf den schmerzempfindlichen Zahn fühlen. Ich möchte mich nicht in endlosen Auflistungen ergehen, belasse es bei herausragenden Charakteren, verneige mich erneut vor Jenny Neumann!

Ist "Nightmares" Kunst im Schundgewand? Schund im Kunstgewand? Großes Kino auf kleinem Fuß? Vielleicht die verkannte Avantgarde des Schlitzerfilms? Egal zu welchem Ergebnis man kommen mag, sofern überhaupt ein Stempel haftet, dieses Werk ist ein besonderer Film, ergißt sich abseits des großen Stroms in mein Herz, Hirn und den fahlen Schein des Grauens. Mir ist das einen Eintrag ins Buch der unverkrampft-abseitigen Spektakel wert. Down Under dreht am Rad, meine Rübe fühlt sich zwischen den rotierenden Speichen wohl. Danke!

CMV präsentiert "Nightmares" auf einer soliden DVD, der Bonusbereich besteht aus Trailern und einer Bildergalerie. Als Verpackung dienen kleine Hartboxen, zwei unterschiedliche Cover stehen zur Verfügung.

In Zahlen? Muß das unbedingt sein? 7/10? 10/10 für Jenny Neumann, 10/10 für Mut und Kreativität der Verantwortlichen!


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DVD: Double Feature von Code Red (USA)



Dr. Jekyll vs. The Werewolf (Spanien 1972, Originaltitel: Dr. Jekyll y el Hombre Lobo)

Leidenschaft, Eifersucht & Peitschenzucht

Imre Kosta (José Marco) lebt seit vielen Jahren in England, er stammt jedoch aus einer abgelegenen Gegend im Südosten Europas. Mit Gattin Justine (Shirley Corrigan) im Schlepptau, sucht Imre das Grab seiner Eltern auf, dort werden die Eheleute von üblen Gaunern überfallen. Justine erlebt die gnadenlose Tötung ihres Mannes, kann aber vom herbeieilenden Waldemar Daninsky (Paul Naschy) aus den Fängen der Mördbuben gerettet werden. Waldemar erweist sich als fürsorglicher Gastgeber, doch er leidet unter einem schrecklichen Fluch. Bei Vollmond verwandelt sich Waldemar in einen Werwolf, niemand kann die reißende Bestie kontrollieren. Justine ist ihrem Retter sehr zugetan und will helfen. Gemeinsam reist man zurück nach London, vielleicht kann Justines alter Freund Dr. Henry Jekyll (Jack Taylor) Waldemar heilen. Zunächst zeigt sich Dr. Jekyll skeptisch, schreitet dann aber mit Unterstützung seiner Zuarbeiterin Sandra (Mirta Miller) zur Tat. Tatsächlich gibt es Anlaß zur Hoffnung, obschon Jekylls Therapie große Risiken für Waldemar birgt. Keiner erkennt die drohende Gefahr, Sandras Eifersucht schäumt hasserfüllt über ...

Regisseur León Klimovsky und Multitalent Paul Naschy waren ein grandioses Team, wir verdanken ihnen einige wundervolle Filmperlen, überwiegend im Horrorgenre angesiedelt. In Deutschland wurde der hier kurz vorgestellte Streifen unter dem Titel "Die Nacht der blutigen Wölfe" vermarktet. Die bewährte Geschichte um die Tragik des Werwolfs, verschmilzt mit Dr. Jekyll und Mr. Hyde zu einem interessanten und herrlich waghalsigen Gebilde. So mutet der Therapieansatz des hilfsbereiten Dr. Jekyll äusserst abenteuerlich an, vermutlich würden sogar Baron Frankenstein die Haare steil zu Berge stehen. Ich will nicht ins Detail gehen, lasst euch überraschen! Freilich bietet "Dr. Jekyll y el Hombre Lobo" schmackhafte Zutaten auf: Friedhof, Totenschädel, Geblubber im Labor, Werwolf im Blutrausch, Mr. Hyde im Wahn des Bösen, Liebe, Eifersucht, Hass und schmackhafte Auslagen (welche bei Bedarf per Peitsche gezüchtigt werden). Zarte Liebe prallt auf ruchlose Boshaftigkeit, eingebettet in stimmungsvolle Kulissen. Hölle, wie wohl fühle ich mich in dieser Suhle! Wenn Mirta Miller die Peitsche schwingt, wenn Paul im post-psychedelischen Beatschuppen mehrere Verwandlungen durchläuft, den gesamten Saustall innerhalb weniger Sekunden aufmischt, möchte ich vor lauter Glückseligkeit auf meinem Sofa Salti schlagen!

Paul Naschy in seiner Paraderolle Waldemar Daninsky, einmal mehr kämpft der warmherzige Waldemar mit dem finsteren Fluch, muß als Werwolf unfreiwillig Angst und Schrecken verbreiten. Damit nicht genug, Herr Naschy streift zusätzlich als abgrundtief widerwärtiger Perversling durch London, drangsaliert seine Opfer mit einem un­nach­ahm­lich irren Gesichtsausdruck, wechselt munter zwischen Mann, Unhold und Werwolf, mehr Freudenfest geht kaum! Mein lieber Knuffel zeichnet für Story und Drehbuch verantwortlich, ein waghalsiger Ritt durch den Horrorkosmos, grotesk und genial, eben typisch Paul Naschy! Jack Taylor ist jedem Fan europäischer Exploitation bekannt, verrichtete seine Arbeit häufig unter der Regie von Jess Franco (leider ist Jess Franco gestern (02.04.2013) verstorben, nun liegt mir ein Stein im Magen und ich ringe mit den Tränen. Verzeiht, es ist ein anderes Thema, aber ich komme seit dem gestrigen Tag nicht davon los). Interessanterweise fällt Dr. Jekyll in diesem Werk eine andere Rolle als üblich zu, er bleibt dennoch ein tragischer Charakter, Taylor spielt gewohnt solide und angenehm. José Marco dominiert das Geschehen nur zu Beginn, alte Verbundenheit zur verlassenen Heimat kann sehr verhängnisvolle Nebenwirkungen zur Folge haben. Mit Luis Induni ist ein sehr gefragter Nebendarsteller an Bord, seine Filmographie umfasst mehr als zweihundert Einträge. Induni mimt den feigen und skrupellosen Hinterlandganoven, unverzichtbares Klischee innerhalb der kargen Schönheit des fiktiven Südosteuropa vergangener Jahrzehnte. Raub, Notzucht und Mord, normaler Alltag des abscheulichen Pöbels. Zwei attraktive Damen wirken tatkräftig mit, Shirley Corrigan als blondes Herzchen, Mirta Miller macht uns das infame Miststück. Klar, die Sause fußt auf einem bezaubernd abstrusen Plot, gleichwohl sorgt das aufgeladene Beziehungsgeflecht für prachtvolle Momente, irgendwo zwischen Himmel, Peitsche und Höllenschlund pulsierend.

Vollbedienung für Verehrer des spanischen Horrorkinos, Vollbedienung für Fans des unvergessenen Paul Naschy, ich erspare uns die Auflistung weiterer Disziplinen der Glückseligkeit. So sieht großartiger Eurohorror/Eurokult der siebziger Jahre aus (ja, hier darf man ohne flaues Gefühl von "Kult" sprechen)! Noch wichtiger, so fühlt sich faszinierendes Kino an, es lebt und bebt, es ist überdreht, erotisch, humorvoll und auf liebenswerte Art sadistisch. Mirta, gib mir die Peitsche, lass die Klatsche auf mein fauliges Fleisch knallen! Hölle, wie ich diesen Stoff liebe!

Bereits 2002 veröffentlichte Mondo Macabro den Film in England. Auf dieser Scheibe ist leider lediglich die spanische Fassung enthalten, ergo bleiben die schmackhaften Früchte der Damen im Körbchen. Erfreulichweise präsentiert Code Red den Streifen nun in seiner ganzen Pracht, labt frisches Obst des Betrachters entzündete Augen. Neben "Dr. Jekyll vs. The Werewolf" befindet sich eine weitere Regiearbeit von León Klimovsky auf dem Silberling, das Werk trägt den klangvollen Titel "The Vampires Night Orgy" ( La orgía nocturna de los vampiros, 1974), Kurzkommentar demnächst in dieser Klinik. Bestellbar direkt beim Erzeuger: http://www.codereddvd.com/

Dicke 8/10 (sehr gut) + unermeßliche Wohlfühlatmosphäre und Knuffigkeit!!!


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Blap
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitrag von Blap »

Im Ultrakurzformat:


• Knightriders - Ritter auf heissen Öfen (USA 1981) - George A. Romero setzt seine Ritter auf Mopeds, strickt daraus einen Film über Außenseiter. Ed Harris als unbeugsamer(?) "König", Tom Savini gibt den Gegenpol. Aussteiger auf der Suche nach Freiheit und Individualität, doch der ständige Geldmangel führt zu Zerwürfnissen innerhalb der Gruppe.

"Knightriders" kommt nur auf den ersten Blick verschroben daher, erzählt letztlich nichts anderes als die übliche Story vom tragischen Rebell. Romero hält den Zuschauer zunächst auf Distanz zu seinen Charakteren, erschwert manchen Betrachtern dadurch eventuell den Zugang. Lediglich das arg pathetisch Ende trifft nicht meinen Nerv, ansonsten habe ich gern rund 140 Minuten am Rande der Gesellschaft verbracht (wo ich mich sowieso ständig aufhalte, wie mir zu Ohren kam). KSM präsentiert den Film in solider Qualität, hier wird die ungekürzte Fassung geboten, damals nicht synchronisierte Dialoge sind mit deutschen Untertiteln versehen. Übrigens wurden bereits BD-Auswertungen für den englischen (Arrow) und amerikanischen Markt (Shout! Factory) angekündigt. Ich bin mit der KSM-DVD zufrieden, Romero funktioniert auch ohne "echte" Zombies.

6,5/10 (oberste Mittelklasse)



• Triangle (Australien, Großbritannien 2009) - Melissa George spielt die alleinerziehende Mutter Jess, eine kleine Bootstour mit Freunden und Bekannten entwickelt sich zum Albtraum ...

Ich möchte nicht näher auf den Inhalt eingehen, lasst euch von "Triangle" auf einen Horrortrip der etwas anderen Art entführen. Zwar erfindet Regisseur und Autor Christopher Smith das Genre nicht neu, dennoch mutet sein Werk erfrischend an. Vor allem die Leistung von Hauptdarstellerin Melissa George bleibt in Erinnerung, die junge Dame liefert eine beeindruckende Leistung ab, verhilft ihrer "Jess" immer wieder zu neuen Facetten. Melissa und Christopher, ich werde euch gern im Auge behalten. Ascot Elite zeigt den Film in schöner Qualität, ich bin mit der BD sehr zufrieden.

7/10 (gut)



• Der Schatz im All (Italien, Frankreich, Deutschland 1987) - "Die Schatzinsel" von Robert Louis Stevenson wurde häufig verfilmt, diesmal verlegte man die Handlung die Zukunft, führt das Abenteuer Schatzsucher, Piraten und den zwölfjährigen Jimmy tief hinaus ins Weltall. Regie führte Antonio Margheriti, einer der wichtigsten Filmemacher des italienischen Genrekinos. Für diese TV-Serie konnten bekannte Gesichter verpflichtet werden, freut euch auf sieben Folgen bester Unterhaltung, knapp sechs Stunden Spannung und Spaß im All!

In der ersten Folge dominiert Ernest Borgnine das Geschehen, die prologartig angelegte Episode stellt Weichen, auch wenn Borgnine danach lediglich in kurzen Rückblenden zu sehen ist. Anthony Quinn, Klaus Löwitsch, David Warbeck und Philippe Leroy sind Stars der Serie, die Hauptrolle übernahm Itaco Nardulli. Kinder können sehr unangenehme Erscheinungen in Filmen/Serien sein, aber der wirklich putzige Itaco Nardulli hat sofort mein Herz erobert. Leider verstarb der Junge 1991 bei einem Badeunfall, er wurde lediglich 16 Jahre jung. In Nebenrollen werden Fans des europäischen Kinos geschätzte Gesichter erkennen, so sind z. B. Giovanni Lombardo Radice und Salvatore Borghese (bekannter als Sal Borgese) mit von der Partie. Hinzu kommt die stilsichere Inszenierung des zuverlässigen Antonio Margheriti, an schöner Ausstattung und stimmungsvollen Kulissen mangelt es ebenfalls nicht.

Verteilt auf drei DVDs, kommt die TV-Serie in guter Qualität ins Haus. "Familientaugliche Unterhaltung" ist eher nicht mein Spielfeld, aber hier wird wird toller Stoff geboten, klarer Kauftipp!

8/10 (sehr gut)
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