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Re: Geschichten aus der Gruft [TV-Serie] (1989 - 1996)
Verfasst: Fr 27. Mär 2026, 16:44
von buxtebrawler
S5E03: Ein Souvenir mit Folgen
US-Erstausstrahlung: 02.10.1993
Deutsche Erstausstrahlung: 10.03.1996
„Überrasch uns mit einer Sensation!“
Es kriselt bei Kriegsfotograf Dalton Scott (Roger Daltrey, „Der Spion, der aus der Highschool kam“): Seine jüngsten Fotos sind nichts geworden, sein Chef kritisiert ihn und sein junger Kollege Isaac „Ike“ Forte (Steve Buscemi, „Geschichten aus der Schattenwelt“) droht, ihm den Rang abzulaufen. Ausgerechnet mit diesem soll er demnächst beruflich in ein mittelamerikanisches Kriegsgebiet reisen. Als Dalton Ike besucht, verknallt er sich in dessen Frau Bobbi (Lysette Anthony, „Genie und Schnauze“). Da entwickelt Dalton den perfiden Plan, Ike in ein Dorf zu schicken, von dem er weiß, dass der dortige Einsatz von Biowaffen eine rasch tödlich verlaufende Krankheit heraufbeschwört. Anschließend will er sich Bobbi krallen. Als der zurückgekehrte, infizierte Ike wie ein Zombie auf Dalton zugeht, erschießt dieser ihn. Zurück in der Zivilisation ist Dalton nun der gefeierte Fotostar, doch hat jemand Bobbi darüber informiert, was genau passiert ist…
„Krieg mag die Hölle sein, aber ich sag' dir: Du schläfst wie ein Toter...“
US-Regisseur Gary Fleders zweite „Geschichte aus der Gruft“ wurde von Drehbuchautor Harry Anderson dahingehend aktualisiert, dass sie auf Konflikte und Kriege referenziert, die es zur Zeit des ihr zugrundeliegenden Comics noch nicht gab. Fleder spielt mit
Neo-noir-Optik inklusive Blaufilter, setzt Bobbi erotisch in Szene und überzeugt mit einer tollen Kameraarbeit. Die Episode verhandelt im Subtext die moralische Ambivalenz von Kriegsfotografie. Ein etwas eigenartiger Regieeinfall bzw. Schnitteffekt ist Ikes plötzliche Rückkehr aus dem verseuchten Dorf – wirkt ein wenig, als fehle da etwas. Alles andere stimmt hier aber, vor allem die deftigen Make-up-Effekte, die in ekligen
Bodyhorror übergehen, sowie das herbe Ende, in dem
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Bobbi mit Dalton ins Bett geht, weil sie weiß, dass sie ebenfalls infiziert ist und inmitten einer Sexszene vor sich hin mutiert – natürlich nicht ohne dass es Dalton auch erwischen würde.
8/10
Re: Geschichten aus der Gruft [TV-Serie] (1989 - 1996)
Verfasst: Mi 1. Apr 2026, 17:09
von buxtebrawler
S5E04: Der große Zambini
US-Erstausstrahlung: 06.10.1993
Deutsche Erstausstrahlung: 16.06.1996
„Er besitzt Kräfte, von denen du nichts verstehst!“
„Der große Zambini“ (Ernie Hudson, „Ghostbusters“) ist ein arroganter und herrischer Zauberkünstler, zudem psychisch labil und libidinös verunsichert. Ausgerechnet so einer verfügt aber über telepathische Fähigkeiten. Diese macht er sich zunutze, um den Willen seiner Freundin und Assistentin Sulturna alias Connie (Joan Chen, „Twin Peaks“) zu kontrollieren, was er sexuell ausnutzt. Am Lesen ihrer Gedanken scheitert er aber – noch. Gorilla-Dompteur Johnny (John Laughlin, „Todestal der Wölfe“) hat sich in Connie verknallt und möchte mit ihr durchbrennen, doch sie warnt ihn eindringlich vorm eifersüchtigen Zambini. Als dieser telepathisch Wind davon bekommt, dass die beiden miteinander fummeln, verbrennt er seinen Nebenbuhler grausam bei lebendigem Leibe. Doch am Ende lockt Zambini versehentlich die Gorilladame herbei – und mit der ist nicht gut Kirschen, aber umso besser Zauberer essen…
„Ich will nicht, dass du meine Gedanken liest!“
Regisseur Rodman Flender („Unborn – Kind des Satans“) hat sichtlich Freude an der Inszenierung eines Freakshow-Zirkus-Ensembles und einer Aufführung dessen vor Publikum, der wiederum die TV-Serien-Zuschauerschaft folgt. Die etwas arg konstruierte Figur des grausamen Zauberers Zambini, der tatsächlich über übersinnliche Fähigkeiten verfügt, ist eine Art Fantasy/Horror-Crossover, die Oben-ohne-Duschszene weiblicher siamesischer Zwillinge ein kurioser Fan-Support. Trotz (oder wegen?) seiner zwei Gewaltspitzen eine recht spaßige Episode, die von ungesunden Abhängigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen erzählt – die aber nicht immer dem vermeintlich schwächeren Part zum Verhängnis werden müssen.
7/10
Re: Geschichten aus der Gruft [TV-Serie] (1989 - 1996)
Verfasst: Mi 8. Apr 2026, 16:28
von buxtebrawler
S5E05: Zwischen Müll und Leichenwagen
US-Erstausstrahlung: 13.10.1993
Deutsche Erstausstrahlung: 17.03.1996
„Mein Bruder ist der Beste!“
Billy DeLuca (Bill Paxton, „Terminator“) will sich zusammen mit seinem Bruder Virgil (Brad Dourif, „Chucky – Die Mörderpuppe“) am Eisverkäufer Earl Byrd (Michael Lerner, „Das Geheimnis von Centreville“) rächen, der ihn wegen Diebstahls für zwei Jahre hinter Gitter gebracht hatte. Leichter gesagt als getan, wenn der eigene Bruder ein Einfaltspinsel und das Opfer nicht nur derjenige ist, als den man ihn kennt…
„Du hast geklaut!“
Die zweite von vier „Geschichten aus der Gruft“ des australischen „Highlander“-Regisseurs Russell Mulcahy eröffnet bildgewaltig mit einer in der Vogelperspektive von der Zimmerdecke aus startenden Kamerafahrt durch das etwas chaotische Wohnzimmer der beiden Brüder aus dem White-Trash-Milieu, von denen Billy jähzornig ist und Virgil etwas zurückgeblieben und harmlos wirkt. Während der bauchredende Eiswagenfahrer Mr. Byrd die Kinder begeistert, planen die beiden einen Coup. Billy, der eine seltsame Obsession für Butter hat, fuhr einst selbst den Eiswagen, bis er sich einmal zu oft an der Kasse vergriff. Nun will er zusammen mit dem von ihm manipulierten Virgil das Eiswarenlager ausräumen und es Mr. Byrd gewaltig heimzahlen. Doch wie so oft bei schlechten Ideen geht alles schief, wie die Handlung genüsslich böse durchexerziert: Die herrische Eislagerchefin ist scharf auf Mr. Byrd, kommandiert ihre Mitarbeiter herum und wird äußerst beleidigend. Offscreen ersticht Virgil sie, womit er den eigentlichen Plan gefährdet. Sie kriecht noch blutig durchs Lager, doch kurz bevor Mr. Byrd sie entdecken kann, jagt Billy ihr einen Haken in den Schädel. Da alles zu lange dauert, fährt Mr. Byrd in den Feierabend davon, womit der ursprüngliche Plan hinfällig ist.
Kurzentschlossen überfallen die Brüder ihn zu Hause, Virgil ballert ihm den Kopf weg. Doch Mr. Byrd lebt und schießt Billy einen Unterschenkel weg. Wie das geht, warum also Mr. Byrd noch unter den Lebenden weilt, spoilere ich hier ebenso wenig wie den schwarzhumorigen Epilog, verweise aber noch auf die generell tolle Kameraarbeit, einige visuelle Härten und wie klasse all das geschauspielert ist – und befinde, dass Bauchrednerhorror einfach zum Besten zählt!
8,5/10; eine meiner Lieblingsepisoden der Serie.
Re: Geschichten aus der Gruft [TV-Serie] (1989 - 1996)
Verfasst: Fr 10. Apr 2026, 15:34
von buxtebrawler
S5E06: Koffer nach Chicago
US-Erstausstrahlung: 20.10.1993
Deutsche Erstausstrahlung: 02.06.1996
„Ich will nichts von dir, ich will nur leben!“
Die junge, attraktive Emma (Traci Lords, „Stephen King's Tommyknockers“) verlässt ihren langweiligen Geschäftsmann Andy (David Paymer, „Die Nacht der Creeps“), mit dem sie verheiratet ist, weil sie einen Neuen hat. Als sie ihm dies eröffnet, eskaliert die Situation jedoch und er bringt sie um, zersägt blutig ihre Leiche und will sie verschwinden lassen – doch ein junger engagierter Polizist ist ihm auf den Fersen: Officer Fine (Vincent Spano, „Rumble Fish“). Andy hat die Leichenteile in einen Koffer gestopft und steigt in einen Zug nach Chicago, um die Leichenteile zu entsorgen. Doch Fine befindet sich ebenfalls im Zug…
„Genau nach Fahrplan...“
TV-Regisseur Kevin Hooks inszenierte diese eindeutig von Hitchcocks „Verschwörung im Nordexpress“ inspirierte, überwiegend im Zug spielende Episode um psychologische Kriegsführung, die vom Officer ausgeht, der geradezu an Andy klebt und ihm tierisch auf die Nerven geht. Dass Fine Emmas Liebhaber war, riecht man zwar zehn Meter gegen den Wind, die Pointe ist dennoch überraschend und schwarzhumorig. Es hapert nur etwas mit der Logik: Woher wusste Fine, an welchem Koffer Andy sein Namensschild anbringen würde?
7/10
Re: Geschichten aus der Gruft [TV-Serie] (1989 - 1996)
Verfasst: Mo 13. Apr 2026, 14:46
von buxtebrawler
S5E07: Das Haus des Schreckens
US-Erstausstrahlung: 27.10.1993
Deutsche Erstausstrahlung: 25.08.1996
„Künstlerische Freiheit!“
Eine Idiotische Studentenverbindung um den sadistischen Les Wilton (Kevin Dillon, „Der Blob“-Neuverfilmung) demütigt und schikaniert ihre Anwärter Arling (Wil Wheaton, „Stand by Me“), Henderson (Jason London, „Confusion – Sommer der Ausgeflippten“) und Waters (Keith Coogan, „Seitensprünge“). Als nächstes steht eine nächtliche Mutprobe an. Eine weibliche Verbindung (u.a. Meredith Salenger, „Dream a Little Dream“) bietet sich als Schwesternhaus an; die Kerle lehnen ab, laden die Mädels aber ein, jener finalen Anwärterprüfung beizuwohnen. Die drei Aspiranten werden zu einem Spukhaus geführt, in dessen obersten Stock sie zu gelangen haben. Von außen steuert unbemerkt einer der Verbindungstypen elektronische Geisterbahneffekte im Hausinnern. Nachdem die ersten beiden Anwärter nicht zurückkehren, betritt Les das Haus, um nach ihnen zu sehen…
„Hey, ich hab‘ Angst vor Gespenstern!“
„Zurück in die Zukunft“-Drehbuchautor Bob Gale inszenierte die gleichnamige Zeichentrickserie und versuchte sich anschließend mit dieser Episode erstmals an der Regie einer Realserie. Die unmenschliche Behandlung der drei Anwärter geht zu Beginn mit einer ekelerregenden Sequenz einher, bevor er auf Grusel und Spannung setzt: Spukt es in jenem Haus wirklich? Gibt es einen Hinterhalt? Die Handlung unterscheidet sich von der Comicvorlage und hat mehrere Überraschungen parat, ist im Prinzip aber eine Geschichte über Hierarchien – wenn auch mit einem übertriebenen Ende um Kannibalinnen mit Kettensäge, das nicht 100%ig passen will, gleichwohl aber den guten schlechten Geschmack befriedigt und kurzweilig unterhält.
7/10
Re: Geschichten aus der Gruft [TV-Serie] (1989 - 1996)
Verfasst: Di 14. Apr 2026, 12:59
von buxtebrawler
S5E08: Der Zauberlehrling
US-Erstausstrahlung: 03.11.1993
Deutsche Erstausstrahlung: 29.09.1996
„Sie sind ein wahrer Gentleman.“
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verläuft eine Aufführung des Zauberers Miles Federman (Billy Zane, „Critters – Sie sind da!“) dilettantisch, wofür dieser anschließend seine Assistentin Greta (Maryam d'Abo, „X-Tro – Nicht alle Außerirdischen sind freundlich“) verantwortlich macht und sie feuert. Mit Miles ist generell nicht gut Kirschen essen, seinen Vorgänger Zorbin hat er gar ermordet. Bald stellt sich ihm ein älterer, geheimnisvoller Berufskollege namens Franz Kraygen (Martin Sheen, „Apocalypse Now“) vor und lädt ihn zu seiner Vorstellung ein. Dort wird Miles Zeuge einer faszinierenden Show voller gefährlicher Tricks und ist begeistert. Kraygen weiht Miles zumindest in Teilen ein, wie seine spektakulärste Illusion um die Todeskiste funktioniert, woraufhin Miles ihn ermordet und die Todeskiste mitnimmt. Jemand mit einer Filmkamera bietet ihm an, seine Vorstellung aufzunehmen und parallel an mehreren Orten aufzuführen, was für Miles allein schon unter monetären Gesichtspunkten attraktiv ist. Für die Show kopiert er Kraygens Illusion, doch Greta manipuliert diese unbemerkt – mit fatalen Folgen…
„Heute Abend werden wir beweisen, dass der Tod nur eine Illusion ist!“
Elliot Silversteins („Nachtmahr“) vorletzte Inszenierung einer „Geschichte aus der Gruft“ wartet mit gelungenen Kulissen vergangener Schaustellerzeiten auf und ist von allen Beteiligten sehr inbrünstig gespielt. Sie überzeugt mit einer überraschenden, wenn auch etwas weit hergeholten und unwahrscheinlichen, dafür zynisch-erschreckenden Pointe, und verhandelt letztlich auf überspitzte Weise die unsolidarische Konkurrenzhaltung im Showgeschäft mitsamt ihrer harschen Konsequenzen. Der Verweis auf die Entwicklung von Filmkameras ist nicht nur nettes Zeitkolorit, sondern auch eine Selbstreferenz aufs eigene Medium sowie Fingerzeig auf die (aus Sicht des Zeitpunkts, in dem die Handlung angesiedelt wurde) nahe Zukunft und deren technische Möglichkeiten.
7/10
Re: Geschichten aus der Gruft [TV-Serie] (1989 - 1996)
Verfasst: Mi 15. Apr 2026, 15:09
von buxtebrawler
S5E09: Die unsterbliche Mumie
US-Erstausstrahlung: 10.11.1993
Deutsche Erstausstrahlung: 13.06.1997
„Lernen bringt mir nichts!“
Der fiese Ägyptologieprofessor Dr. Finely (Jeffrey Jones, „Beetlejuice“) hat seinen Studenten Reggie Skulnick (Anthony Michael Hall, „Breakfast Club“), eine als Student nicht sonderlich strebsame Sportskanone, auf dem Kieker. Doch Reggie muss den Kurs bestehen, um sein Football-Stipendium zu behalten. Also bittet er seine nerdige Kommilitonin, das Mauerblümchen Stella Bishop (Nina Siemaszko, „Tucker“), ihm zu helfen. Sie lässt sich darauf ein, doch Reggie hat andere Pläne und versucht, sie zu einer kriminellen Handlung zu überreden: Sie soll ihm die Prüfungsfragen von Finley besorgen. Als sie ablehnt, becirct er sie und bekommt sie schließlich doch noch überredet. Finley jedoch hat überraschenderweise eine echte ägyptische Grabkammer im Keller seines Hauses und will Stella der uralten Mumie Ramseth opfern. Da es einer Jungfrau bedarf, hatte er kurzerhand Reggie gebeten, Stella unter einem Vorwand ins Haus zu locken…
„Die Frauen werden immer stärker heutzutage...“
Ja, die Handlung der einzigen Regiearbeit des Drehbuchautors Jeffrey Boam hält die eine oder andere überraschende Wendung parat, die Boam pointiert und getimt innerhalb der kuren Laufzeit unterbringt.
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Zu den bereits genannten zählt auch Reggies Versuch, seinen Professor zu erpressen, was jedoch daran scheitert, dass ihm ein Drink in Windeseile die Gedärme zersetzt – inklusive einer Point-of-View-Perspektive kurz, aber eklig dargestellt. Nina Siemaszko als bebrillte Streberin ist niedlich, kann sich dank ihres Wissens aber des Angriffs der Mumie erwehren und avanciert in ihrer Inkarnation als Prinzessin Nephra zum echten Hingucker – und dem Doc geht's an den Kragen bzw. durch die Nase ans Hirn.
„Die unterbliche Mumie“ ist besserer Mumienhorror als so mancher Vollzeitspielfilm, wunderbar auf seine Hauptdarstellerin zugeschnitten (aber generell stark besetzt), vermittelt, wie wertvoll vermeintlich unnützes Wissen sein kann, und überzeugt nicht zuletzt mit einem schwarzhumorigen, makabren Epilog. Kein Überflieger, innerhalb der Serie aber durchaus hervorstechend!
7,5/10