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Kolobos - Daniel Liatowitsch / David Todd Ocvirk (1999)

Verfasst: Fr 6. Apr 2018, 22:36
von buxtebrawler
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Originaltitel: Kolobos

Herstellungsland: USA / 1999

Regie: Daniel Liatowitsch, David Todd Ocvirk

Darsteller: Amy Weber, Donny Terranova, Nichole Pelerine, John Fairlie, Promise LaMarco, Ilia Volok, Simms Thomas, Todd Beadle, Mari Weiss, Jonathan Rone, Linnea Quigley, Ivan Battee u.A.
Eine junge Künstlerin namens Kyra wird völlig blutüberströmt und mit Schnittwunden übersät auf der Straße aufgefunden und ins nächste Krankenhaus gebracht. Als sie zu sich kommt, erinnert sie sich an die schrecklichen Geschehnisse der letzten Stunden zurück. Alles begann damit, daß sie sich für ein Experiment gemeldet hat, bei dem sich Jugendliche der unterschiedlichsten Art, gemeinsam ein Haus teilen und kontinuierlich bei allen ihren Tätigkeiten gefilmt werden. Unter den Jugendlichen befindet sich Kyra, ein Girly, eine untalentierte Schauspielerin, ein Pausenclown und ein ziemlich unauffälliger Typ. Nachdem man sich bekannt gemacht hat, versucht man den ersten Abend so gemütlich wie möglich zu verleben. Diese Gemütlichkeit wird aber jäh unterbrochen, als das Girly fürchterlich abgeschlachtet wird. Plötzlich schieben sich Metallplatten vor alle Fenster und alle möglichen Ausgänge und es gibt keine Möglichkeit mehr das Haus zu verlassen. Versteckte Fallen erschweren den Jugendlichen das Weiterkommen und sie stellen bald fest, daß sie nicht allein sind.
Quelle: www.ofdb.de

Re: Kolobos - Daniel Liatowitsch / David Todd Ocvirk (1999)

Verfasst: Fr 6. Apr 2018, 22:41
von buxtebrawler
„Was wollen wir uns ansehen?“ – „Der Schlachthoffaktor! Hast du nie davon gehört?“ – „Nein!“ – „Muss ‘ne Kultsache sein…“

Die US-Direct-to-Video-Horror-Produktion „Kolobos“ aus dem Jahre 1999 ist das Regiedebüt Daniel Liatowitschs und David Todd Ocvirks. Der Low-Budget-Film mischt klassische Slasher-Motive mit Elementen aus dem Bereich der Mystery- und Psycho-Thriller und greift die damals neue und populäre „Big Brother“-Reality-TV-Thematik auf:

Die junge Kyra (Amy Weber, „Dangerous Seductress“) wird orientierungslos und blutig ins Krankenhaus gebracht, wo die Ärztin Frau Dr. Waldman (Kim Simms Thomas, „Tödliche Stille“) gemeinsam mit ihr die dazu geführt habenden Vorfälle zu rekonstruieren versucht. Demnach haben Kyra, die im Schlaf immer wieder „Kolobos“ vor sich hinmurmelte, und eine Handvoll weiterer junger Menschen an einem Videoexperiment teilgenommen, für das sie sich in einem ausladenden abgelegenen Gebäude haben einsperren und rund um die Uhr beobachten lassen. Die sensible, sich ritzende Borderlinerin Kyra hat bereits kurz nach ihrem Einzug unheimliche Visionen von bandagierten und blutverschmierten Gestalten – und es dauert nicht lange, bis ein Teilnehmer nach dem anderen auf grausamste Weise ermordet wird…

„Das hier ist echt ‘n Irrenhaus!“

Ein düsterer Kinderchor als Titelmelodie stimmt auf einen Film ein, der diese Stimmung sicherlich gern gehalten hätte, sich jedoch selbst ein Bein stellen wird. Der Prolog besteht aus einem blutig ausgehenden Autounfall aus dem Point of View des Opfers, das sich aus derselben beunruhigenden Perspektive auf dem OP-Tisch wiederfindet. Die Ärztin spricht zu ihm, das man noch immer nicht richtig sieht. Sie vermutet, es habe sich seine Verstümmelungen selbst zugefügt. Im weiteren Verlauf entwickelt sich eine ausgedehnte Rückblende, die fortan die eigentliche Handlung darstellt. Nacheinander werden die Teilnehmer des Videoexperiments vorgestellt, eine heil- und maßlos albern überzeichnete Ansammlung aus Dummschwätzer Tom (Donny Terranova, „Triangle Square“), der verhinderten Schauspielerin Erica (Nichole Pelerine, „Der Hollywood-Killer“), der arroganten Tina (Promise LaMarco, „The Thin Pink Line“) und dem Klugscheißer Gary (John Fairlie, „Lying in Wait“). Und mittendrin eben die schüchterne, psychisch labile Kyra, die bereits auf eine Karriere in der Klapsmühle zurückblicken kann, auf Medikamente angewiesen ist und morbide Zeichnungen anfertigt.

„Kolobos – ab heute existierst du!“

Kyra sieht unheimliche Gestalten am Fenster und auf dem Bildschirm ihres Fernsehers, und während sich die anderen debilen Dialogen hingeben, wird Tina arg schmoddrig von einem Fallenmechanismus umgebracht. Die Leitungen sind natürlich tot und das Haus hermetisch abgeriegelt, doch es sind ja überall Kameras, installiert, weshalb die Verbliebenen glauben, die Aufnahmeleitung könne dahinterstecken. Nach einer recht gelungenen Parodie auf Amateur-Splatterfilme, in der Erica sämtliche „Schlachthausfaktor“-Filme nachstellt, begleitet vom verschwurbelten Kritikersprech eines Leidensgenossen, der ihre schauspielerische Darbietung in den höchsten Tönen ironisch lobt, findet sich Tinas Kopf im Kühlschrank wieder, jemand wird mit Frischhaltefolie erstickt und Gary in der Badewanne mittels Säure zerätzt und anschließend erschlagen. Erica und Tom verdächtigen nun Kyra, doch alsbald wird Ericas Haupt an einem Hirschgeweih brutal aufgespießt. Als schließlich alle nach dem Zehn-kleine-Negerlein-Prinzip dahingerafft wurden, gerät die Handlung vollends wirr, wenn sie einem wahlweise real werdende Zeichnungen Kyras weismachen oder aber in bemühter Rätselhaftigkeit in Betracht zu ziehen suggeriert, dass alles lediglich in Kyras Fantasie stattgefunden habe.

„Kolobos“ krankt, wie so viele mehr oder weniger ambitionierte Fan-Werke, in erster Linie an falsch gesetzten Prioritäten. Einen Teil der Zeit, den man offenbar in die möglichst harschen Morde und entsprechende Spezialeffekte investiert hat, hätte man besser für die Charakterisierungen der Figuren, ihre Dialoge und die Ausarbeitung der Handlung aufgewendet. So handelt es sich letztlich um nicht viel mehr als spekulatives, halbgares bis dämliches Videothekenfutter für die Splatterfraktion, die für ihre paar Sekunden Schmodder eine rund 80-minütige Geisterbahnfahrt ertragen muss, die auf psychologischer Ebene nahezu vollkommen versagt und bisweilen fast zu einer Tortur für den Zuschauer wird, der weder zu irgendeiner Form von Empathie angehalten wird noch ein ansprechendes atmosphärisches Grusel-/Horror-Erlebnis präsentiert bekommt, das es ihm erlauben würde, die Kulissenhaftigkeit zu vergessen und emotional mit ins Geschehen einzutauchen. Durchschnitt bis Schrott wie dieser wurde seinerzeit, in Zeiten des VHS-zu-DVD-Umbruchs, anscheinend auf Masse produziert und fand sein Publikum, wirkt heute jedoch überholt bis ärgerlich und gerät zu Recht immer mehr in Vergessenheit. Da helfen auch kein Scream-Queen-Semi-Star wie Linnea Quigley („The Return of the Living Dead“) in einer Nebenrolle oder ein zeitweise geschmackvoll ausgewählter Soundtrack (Tracy Bonhams „Bulldog“). 3,5 von 10 abgesetzten „Big Brother“-Plagiaten ist mir diese Schose wert, bevor ich wegzappe.

Re: Kolobos - Daniel Liatowitsch / David Todd Ocvirk (1999)

Verfasst: Mo 15. Okt 2018, 09:02
von jogiwan
Schon die ersten Minuten von „Kolobos“ machen klar, dass wir uns im Neunzigerjahre-Indie-Horrorfilm befinden und die beiden Regisseur konfrontieren den Zuschauer mit Bildern aus der Ich-Perspektive einer schwer verletzten Frau, die in ein Krankenhaus geliefert wird. Wenig später erfahren wir dann auch die näheren Hintergründe und das die Frau mit Verletzungen im Gesicht mit vier anderen Bewerbern an einem „Big Brother“-Experiment teilgenommen hat. Bis dahin ist der Film auch ganz okay und durchaus interessant. Doch dann wird „Kolobos“ zunehmend wirr und kann sich auch nicht entschließen, ob er jetzt eher straighter Slasher, Horror, oder surreales Psycho-Drama sein möchte und verzettelt sich immer mehr in Nebensächlichkeiten, die auch nur dazu dienen, ein paar herbe Abgänge zu präsentieren. Dazu haben sich die Macher auch sehr offensichtlich vom italienischen Genre-Kino vergangener Jahrzehnte inspirieren lassen und selbst die Musik klingt wie eine Hommage an Goblin und Keith Emerson und die Soundtracks von „Suspiria“, „Profondo Rosso“ und „Inferno“. Dennoch ist man davon aber natürlich meilenweit entfernt und vor allem im letzten Drittel kommt der lahm erzählte „Kolobos“ dann irgendwie inhaltlich überhaupt nicht mehr weiterm wirkt dabei völlig beliebig und reiht Schreckmomente , Splatter und Visionen scheinbar willkürlich aneinander, ohne dabei auf Atmosphäre, Logik, den Figuren oder etwaiges Potential der Geschichte zu achten. Und so bleibt dann auch ein inhaltlich sehr zwiespältiger Streifen, der gar nicht mal so schlecht beginnt, auf dem Gore-o-meter und unverbrauchten Darstellern punkten kann und dann irgendwie alles mit einem miesen Drehbuch völlig an die Wand fährt.

Danke an dieser Stelle nochmals an den werten Dänschi, dass ich nun auch diese Lücke füllen konnte! :prost: