Poison - Todd Haynes (1991)

Moderator: jogiwan

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jogiwan
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Poison - Todd Haynes (1991)

Beitrag von jogiwan »

Poison

Bild

Originaltitel: Poison

Herstellungsland: USA / 1991

Regie: Todd Haynes

Darsteller: Edith Meeks, Millie White, Buck Smith, Anne Giotta

Story:

Todd Hanyes verwebt drei von Jean Genet inspirierte Geschichten zu den Themen Liebe, Sexualität und Gewalt in unterschiedlicher Aufbereitung ineinander: In „Hero“ erschießt der siebenjährige Richie Bacon seinen Vater und fliegt anschließend von der Veranda davon. Die Ereignisse werden dokumentarisch aufgearbeitet, bis sich dem Zuschauer am Ende die Hintergründe erschließen. In 50er-Jahre inspirierten und tragischen Episode „Horror“ erfindet ein Wissenschaftler ein Hormon-Serum, das den Sexualtrieb verstärken soll und wird zum Mörder. In „Homo“ hingegen erzählt die Geschichte zweier Gefängnisinsassen, die sich trotz widriger Umstände und Anfeindungen anderer Insassen ineinander verlieben.
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jogiwan
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Re: Poison - Todd Haynes (1991)

Beitrag von jogiwan »

Regisseur Todd Haynes ist ja vor allem durch seinen Musikfilme „I’m not there“ und „Velvet Goldmine“ sowie dem Oscar-prämierten Drama „Dem Himmel so fern“ bekannt und präsentiert uns hier in seinem 1991 gedrehten Episoden-Drama drei unterschiedliche Geschichte über Liebe, Sex und Gewalt, die sich inhaltlich wie optisch voneinander unterscheiden und quasi nebeneinander erzählt werden. Dabei ist das Ergebnis für den Zuschauer nicht unbedingt schlüssig und die teils sperrigen Inhalte und Figuren auch eher metaphorisch zu sehen. So ist „Horror“ mit seinem 50er-Sci-Fi-Look wohl eine sehr persönliche Aufarbeitung der Aids-Thematik im Horror-Genre, während „Hero“ und „Homo“ wohl eher provokativ daherkommen und das Hetero-Publikum wohl eher etwas verschrecken sollen. „Poison“ wird ja über die Queer-Cinema-Schiene beworben, obwohl es nur in einer Episode um Liebe zwischen Männern geht und die breite Masse wird man mit so einem eher undergroundigen Low-Budget-Werk über Außenseiter der Gesellschaft auch eher nicht erreichen. Vom Hocker hat mich Haynes Werk ja leider nicht gerissen und auch den im Bonusbereich mitgelieferten Kurzfilm „Dotty gets spanked“ fand ich jetzt nicht so spannend. Sonderlich berührt hat mich keine der Episoden und irgendwie fand ich auch keine der Figuren so spannend, dass ich mich danach noch irgendwie mit ihnen gedanklich auseinandersetzen wollte. Vielleicht bringt eine Zweitsichtung mehr Aufschluss aber momentan bleibe ich bei meine Fazit: kann man gucken – muss man aber nicht.
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karlAbundzu
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Re: Poison - Todd Haynes (1991)

Beitrag von karlAbundzu »

Drei-Episodenfilm zu den Themen Sex, Gewalt und Liebe. Aus der Sicht von Aussenseitern.
HERO Ein siebenjähriger Junge tötet seinen Vater, als dieser seine Mutter bedroht. Im Stile einer True Crime TV - Produktion erfahren wir nach und nach die Hintergründe der Tat und Einlicke in die Welt des Siebenjährigen. Aber Fragen bleiben.
HORROR Ein Wissenschaftler kann den Sexualtrieb extrahieren und trinkt ihn Ausversehen. Das Serum verwandelt ihn und macht ihn zum Killer und Aussätzigen. Eine Allegorie auf Aids und die Paranoia im Stile eines 50er 60er SciFi B Movie, The Man with the X-Ray Eyes war wohl am nächsten.
HOMO: Zwei Männer im Knast mit gemeinsamer Vergangenheit. Klassischer schwuler Underground Gefängnisfilm mit Noir anleihen.
Das besondere ist hier, dass die Episoden nicht nacheinander, sondern paralell erzählt werden. Manchmal sind die Schnitte zwischen den Episoden assoziativ, manchmal nicht unbedingt nachvollziehbar, bzw. war wohl wieder Zeit für die nächste.
Jede einzelne Episode gefiel mir, in jeder Episode fiel mir ein*e Schauspieler*in auf, in Hero die Mutter, in Horror der Wissenschaftler, in Homo die Erzählerfigur. Man merkt, mit wie vielen Ideen und Liebe zu den Genres und seinen Figuren Haynes vorgeht.
Ansonsten konnte ich ja mit Todd Haynes nicht ganz so viel anfangen: der gehypte Velvet Goldmine fand ich so mittel, Dem Himmel so fern interessierte mich nicht, I#m not there habe ich trotz Interesse irgendwie verpasst.

Aber dieses Frühwerk gefiel mir gut, gilt anscheinend als Klassiker des New Queer Cinema, (umso merkwürdiger, dass der mir bisher nicht begegnete), bei dem es nicht mehr um Erklärung und Toleranz queeren Lebens ging, sondern um queere Lebensentwürfe und Selbstverständlichkeiten. Jarman und van Sant der frühen 90er sind so Beispiele.

Auf der DVD gab es noch den 30minüter Dottie got spanked um einen 7jährigen, einen Fan der Fernsehfigur Dottie. Berührend und knuffig. Und auch wieder ein Außenseiterfilm. Toll.

Danke für die DVD, lieber Grazer Wichtel.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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