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Gummo - Harmony Korine (1997)

Verfasst: Fr 12. Jul 2019, 15:01
von jogiwan
Gummo

Bild

Originaltitel: Gummo

Herstellungsland: USA / 1997

Regie: Harmony Korine

Darsteller: Jacob Reynolds, Nick Sutton, Chloë Sevigny, Max Perlich

Story:

Seitdem Xenia in Ohio in den Siebzigern von einem Tornado verwüstet wurde, ist die Kleinstadt ein seltsamer Ort geworden, der sich von dieser Katastrophe nie wieder erholt hat. Die jungen Leute wachsen ohne Ideale, Moral oder Erziehung heran und vertreiben sich die Zeit mit herumlungern in abbruchreifen und vergammelten Häusern und Schrottplätzen, sowie dem Töten von Haustieren, die an den örtlichen Fleischhändler verkauft werden. „Gummo“ zeigt in kleine Episoden das Leben der Bevölkerung des Ortes, die auf unterschiedliche Weise versuchen die Leere in ihrem Leben zu füllen und dabei auf der Suche nach Liebe, Anerkennung und Abwechslung auch vor drastischen Mitteln nicht zurückschrecken.

Re: Gummo - Harmony Korine (1997)

Verfasst: Fr 12. Jul 2019, 15:02
von jogiwan
Irgendwo zwischen Lars von Trier, John Waters und Ulrich Seidl platziert sich Harmony Korines Regie-Debüt aus dem Jahr 1997, dass eine Gruppe von sehr seltsamen und jungen Leuten in den Fokus stellt. Diese wachsen in einer Stadt heran, die sich von einer Tornado-Katastrophe nie mehr erholt hat und wie ein Freakshow-White-Trash-Parallel-Universum aus der Sozialempfänger-Hölle wirkt. Doch anstatt Elends-Porno entwickelt Harmony Korine Sympathie für seine Figuren und begleitet die Laiendarsteller wertfrei, während sie ihren zweifelhaften Freizeitaktivitäten fernab elterlicher Autorität, Moral oder Gesetzen nachgehen. Dabei ist Fremdschämen genauso angesagt wie Humor, der jedoch immer wieder im Halse steckenbleibt, wenn unschöne Dinge scheinbar ganz beiläufig präsentiert werden. Als Zuschauer ist man ebenfalls ständig hin- und hergerissen zwischen Neugier, Ekel und Abscheu, jedoch paradoxerweise nie in einer Weise, die das Schauen von „Gummo“ irgendwie unerträglich oder unbequem macht und Mitleid ist hier ebenfalls fehl am Platz. Der Streifen hätte für meinen Geschmack mit seinen spannenden Figuren auch noch ewig so weiter gehen können, ohne dass es mir langweilig geworden wäre. Schon ein sehr seltsamer und einzigartiger Streifen, der fern jeglichen Mainstream-Gedankens hier entstanden ist und natürlich auch dazu gemacht ist, um vom Zuschauer extreme Reaktionen zu provozieren.

PS: Speziellen Dank an dieser Stelle an den werten Menschen aus dem Harz, der mir die Sichtung dieses Artploitation-Reißer erst ermöglicht hat. Prost und verbeug! :prost: :verbeug:

Re: Gummo - Harmony Korine (1997)

Verfasst: Fr 30. Aug 2019, 17:18
von McBrewer
Gummo lief Ende der Neunziger immer mal wieder im Nachtprogramm der Öffentlich-Rechtlichen & dort auch konnte ich einen ersten Blick erhaschen, der mich mit meinen jugendlichen Augen sehr verwirrte & irritierte.
20 Jahre später sind die Bilder noch die gleichen, der Blick hat sich doch verändert. Was mich damals aufregte (NICHT "erregte") war die Darstellung der Jugendlichen (ähnlich wie bei dem Zeitlich ähnlichen KIDS) konnte ich mich zu der Zeit doch in etwa gleichaltrig wie die handelnden Personen doch so gar nicht identifizieren.
Heute sehe ich das natürlich nüchterner, ist doch dies nur ein Teil der Jugend auf diesem Planeten. Und Regisseur Harmony Korine schafft es auch, sich nicht über die "White Trash Kidz" lustig zu machen, sondern mit einem melancholisch-trostlosen Blick das Leben in der Kleinstadt/Vorstadt wieder zu spiegeln. Und da liegen Freud & Leid sehr dicht zusammen.
Was aber damals schon beeindrucken hängen blieb war der Druckvolle Soundtrack von u.a. Absu, Burzum, Nifelheim und natürlich der Stonerlegende Sleep, zu deren "Dragonaut" die beiden Männlichen Hauptdarsteller epochal auf Ihren Bikes durch die Strassen rollen...

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PS: Speziellen Dank an dieser Stelle an den werten Menschen aus dem Südlichen Nachbarland, der mich an diesen Artploitation-Reißer wieder erinnerte & ich so wieder mein Gedächtnis auffrischte. :prost: :verbeug: :winke: