Don't Look In The Basement (1973) - S.F. Brownrigg
Verfasst: Di 3. Aug 2010, 21:53

Und hier der "Don't Look In The Basement"-Text, der ursprünglich in der, dann doch nie erschienen, "Absurd 3000 Vol.3" abgedruckt werden sollte. Verfasst wurde er von mir auch im Jahre 2000. Und es gilt, was ich auch schon bei der "Super Ninja"-Review schrieb: Einiges ist mir heute ein wenig fremd. Vor allem der Schreibstil. Aber naja..
Don’t look in the Basement
USA 1973
Regie: S.F. Brownrigg
Nachdem die Italo-Reviews leider schon alle vergeben waren, blieb mir nichts anders übrig, als einen Blick über den großen Teich werfen. Und dies war eine willkommene Wiederentdeckung. US-Horror tendiert ja im Allgemeinen dazu, sehr glatt und vorhersehbar zu sein. Doch es gab auch bessere Zeiten. Ich spreche natürlich von den 70ern. In den 80ern ging es ja bekanntlich bergab und die Amis verlegten sich darauf, die selbe Geschichte immer und immer wieder durchzukauen und mit irgendwelche Maskenmänner auf Pseudo-Teenies, die zu blöd für die Schauspielschule sind, zu hetzen. Das hat zwar zunächst einen ganz netten Reiz, weil man quasi alte Bekannte wieder sieht, aber schon bald geht es einem nur noch auf die Nerven, wenn man 30jährige „Teenies“ durch die Gegend staksen sieht. Alle mit den selben glatten, austauschbaren Gesichtern und flotten Yuppie-Klamotten. Baaahhh.. Wie schön, dass in den USA auch mal ganz andere Filme gedreht wurden. Die 70er waren schmutzig, derb und angenehm unperfekt.
Einer der zu Unrecht eher unbekannteren US-Horror-Regisseure der 70er ist der Texaner S.F. Brownrigg (ein anderer Geheimtipp ist der spätere „Porky’s“-Regisseur Bob Clark). Leider ist mir über diesen Herren so gut wie gar nichts bekannt, außer dass er zwischen 1973 und 1979 vier sehr interessante Filme gedreht hat: „Keep my grave open“ von 1976 (dessen Review in Frank Trebbins „Die Angst sitzt neben Dir“ mir das Wasser im Munde zusammen laufen lässt) und „Poor White Trash II“ von 1979. Diese beiden waren mir leider noch nicht vergönnt in den Videorekorder zu schieben. Dafür kenne ich aber seine beiden 70s-Schocker “Don’t look in the Basement” und der 6 Jahre später entstandene “Don’t open the Door”. Diese so gut, dass ich es kaum erwarten kann mir auch seine beiden anderen Werken zu Gemüte zu führen.
„Don’t look in the Basement“ ist im Grunde eine Variante einer Edgar-Allan-Poe-Geschichte. Doch um die Pointe nicht zu vermiesen, verkneife ich es mir mal mit meinem Literaturwissen anzugeben und herauszuposaunen, um welches es sich dreht. Ein Tipp: Nein, „The Black Cat“ stand ausnahmsweise einmal nicht Pate. Der Film beginnt mit einem Axthieb.. und zwar in den Rücken des netten Dr. Stephens. Ausgeführt wurde dieser von dem verwirrten „Judge“. Ein älterer Herr, der ein nicht zu kleines mentales Problem hat. Wie eigentlich alle Personen, die in diesem Film auftreten, denn der spielt in einer ziemlich liberalen Klapsmühle. Die anderen Insassen, wie einen Vietnamveteran, der immer noch auf den Feind wartet; eine Frau, die hysterisch eine Puppe als Babyersatz behandelt oder der große Farbige Sam, der sich benimmt wie ein kleines Kind, werden nach und nach vorgestellt. Die Hüterin dieser verwirrten Schafe ist Dr. Masters. Sie pflegt die Theorie des verstorbenen Dr. Stephens, dass man den Irren eine Familienstimmung vermitteln müsste. So laufen die Patienten auch wie „normale Menschen“ durch ein Haus ohne abschließbare Türen. Gar nicht amüsiert ist Dr. Masters darüber, dass eines Tages die junge Ärztin Charlotte Beales vor der Tür steht. Dr. Stephens hat sie vor seinem gewaltsamen Abtritt noch für die Klinik gewinnen können. Da Dr. Masters die junge Charlotte nicht ohne weiteres wieder vor die Tür befördern kann, gestattet, mit süß-säuerlicher Miene, sie es ihr zu bleiben.
So richtig glücklich ist Charlotte mit ihrem neuen Arbeitsplatz aber nicht unbedingt. Besonders als sie von eine Alte, der der Wahnsinn förmlich aus den Augen springt, anherrscht wird: „Get out! Get out!“. Auch sonst geschehen schon bald seltsame Dinge im Haus. Die irre Alte wird am nächsten Morgen mit abgetrennter Zunge aufgefunden, eine Telefonmann hat einschneidende Erlebnisse...
Klar, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt... und dies wird von Brownrigg simpel, aber effektiv in Szene gesetzt. Das ständig wachsende Unbehagen der jungen Charlotte und die Steigerung der Spannung wird visuell dadurch unterstrichen, dass der Film am Anfang recht statisch ist und mehr wie ein Fernsehdrama wirkt (von den bizzaren Charakteren mal abgesehen). Doch während der 79 Minuten, die der Film dauert, ändert sich dies langsam. Die Kamerawinkel ändern sich und die Personen werden immer häufiger leicht von unten her fotografiert. Auch geht die Kamera immer näher an die Gesichter heran und umstreicht die Konturen, die durch ein immer stärker werdendes Licht- und Schattenspiel eindrucksvoll in Szene gesetzt werden. War die Farbgebung am Anfang des Filmes eher steril weiß, schwelgt der Film zum Höhepunkt hin in dunklen blauen und grünen Farben. Die Morde sind zwar brutal, aber kurz und seltsam unspektakulär. Das große Massaker zum Höhepunkt des Filmes ist z.B. vollständig off-screen. Zur Begutachtung lag mir die dänische Fassung vor. Ich meine einen Schnitt ausmachen zu können. Kann aber auch Einbildung gewesen sein. Die Darsteller sind allesamt recht passabel. Manche wirken zwar etwas, nun ja, gekünstelt, aber sie müssen ja auch Typen mit einer ordentlichen Klatsche spielen. Das passt dann wieder. Die Hauptdarstellerin ist kein aufgedonnertes Möchtegern-Modell (wie es später in den 80ern Usus sein sollte), sonder sehr natürlich und sympathisch. Auf jeden Fall lohnt es sich, diesen Film irgendwo auszugraben. In Deutschland ist er leider, wie auch Brownriggs andere Werke, nie erschienen. Eigentlich eine Schande, wenn man bedenkt, welcher Schrott unsere Videotheken überflutet.