Centurians of Rome - John Christopher (1981)
Verfasst: Sa 13. Jun 2020, 14:28
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Originaltitel: Centurians of Rome
Produktionsland: USA 1981
Regie: John Christopher
Darsteller: George Payne, Eric Ryan, Scorpio, Fred Gormley, Jeffery Scott, Jerome C. Fox, Dave Ruby
Abt. Peplum Porn
Anfang der 80er Jahre schafft es ein gewisser George Bosque, seines Zeichens Angestellter der Sicherheitsagentur Brinks, seinem Arbeitgeber 2 Million Dollar zu stibitzen. Tja, und was tut man dann anschließend mit einer solchen prallen Beute? Sich in die Karibik absetzen? Sich eine neue Hochstapler-Identität als Adelsspross verleihen? Sich eine Rassemopszucht zulegen? Nein, man produziert – unübersehbar inspiriert von Tinto Brass‘ kurz zuvor in die Lichtspielhäuser gelangten „teuersten Porno aller Zeiten“ CALIGOLA - den bis dato teuersten Schwulenporno aller Zeiten namens CENTURIANS OF ROME, - wobei einen offenkundig auch ein über Nacht bis zum Nähteplatzen aufgestocktes Bankkonto nicht davor feit, gleich im Filmtitel einen eklatanten Rechtschreibfehler unterbringen. (Tatsächlich habe ich aber erst einmal recherchiert, ob es denn nicht doch vielleicht ein obskures englisches Wort namens „Centurian“ geben sollte, möglicherweise ja ein Slang-Ausdruck aus der Homosexuellenszene, der irgendetwas Versautes bedeutet. Aber nein, Fehlanzeige: Gemeint sind die Offiziere des Römischen Reichs, die bei uns Centurio heißen, und bei Bosque eben Centurians. Das geht ja gut los…)
Jenseits seiner Paratexte eröffnet CENTURIANS OF ROME mit einer durchaus amüsanten STAR-WARS-Hommage respektive -Parodie. Weltall, Sternenhimmel. Zu bombastischer Musik entrollen sich die Credits in die ewigen Weiten des Universums. „A long, long time ago... Somewhere outside of Rome... In a village not so far away...” (Präsentiert wird uns der Film übrigens von der Produktionsfirma Uranus = Your anus, versteht ihr?) Wer, wie ich, nach dieser Exposition indes glaubt, im Folgenden vor allem eine Camp- und Trash-Verballhornung des Peplum-Genres um die Ohren gehauen zu bekommen, der wird positiv überrascht. In ernstem Tonfall stellt uns CENTURIANS OF ROME, (nachdem er aus dem Kosmos ins Altertum geswitcht ist, als wolle er dem berühmten Montagesprung vom Primatenwerkzeug zum Space-Ship in Kubricks 2001 Konkurrenz machen wollen), zunächst unsere beiden nominellen Identifikationsfiguren vor: Die unzertrennlichen Freunde Octavius und Demetrius verdienen sich ihren Lebensunterhalt mit harter Arbeit auf den Feldern. Zwar handelt es sich bei beiden um Kriegsveteranen, doch zählt das unter der Regentschaft des blutrünstigen und goldgierigen Kaisers Caligula genauso wenig wie man Gnade erwarten darf, wenn man es nicht fertigbringt, als Landwirt pünktlich die horrenden Steuersummen abzudrücken, die erbarmungslose Geldeintreiber einem notfalls unter Bedrohung des eigenen Lebens aus den Rippen leiern. Eines Tages ist auch der Onkel von Octavius im Zahlverzug, befindet sich jedoch nicht auf seinem Gehöft, als Caligulas‘ Schergen eintreffen, um den alten Mann auf sein Versäumnis hinzuweisen und gegebenenfalls einen Kopf kürzer zu machen. Octavius und Demetrius haben sich gerade eine kurze Siesta auf dem Acker gegönnt, bei der wir tief eingetaucht sind in Octavius‘ Träume, in denen dieser sich wiederum wünscht, ebenso tief einzutauchen in Demetrius, zu dem er längst mehr als nur freundschaftliche Gefühle hegt. Gefilmt ist diese Traumsequenz übrigens recht geschmackvoll vor schwarzem Hintergrund und weichzeichnerischer Lichtsetzung, die zumindest in mir Erinnerungen an die homoerotischen Passagen in Derek Jarmans ebenfalls im antiken Milieu spielenden Drama SEBASTIANE wachruft; der zugehörige Score indes klingt freilich wie etwas, das wahlweise auch im Intro eines beliebigen Pagan-Metal-Albums oder aber in einem epischen Fantasy-Video-Game ertönen könnte. Octavius‘ Phantastereien enden jäh, als Caligulas Bluthunde kurzerhand beschließen, statt der ausstehenden Steuersumme dann eben den Neffen zu kidnappen, und als Sklave zu verschachern. Zwar versucht Demetrius wie eine Löwenmutter seinen Freund zu verteidigen, doch hat er keine Chance gegen die Soldaten, die ihn vermöbelt auf dem Feld liegenlassen, während sie mit dem in Ketten geschlagenen Octavius davongaloppieren.
Der findet sich im Zelt eines Centurios wieder, der gar nicht aufhören kann, sich ganz verzückt über sein „Engelsgesicht“ zu zeigen. („You have the face of an angel!“) Engel rufen in dem Offizier indes offenbar zuallererst den Wunsch wach, ihre Unschuld zu zerstören, denn statt Octavius ob seiner angeblichen Unschuld besonders achtsam zu behandeln, befiehlt er seinen Soldaten im nächsten Schritt, ihm zuerst einmal die Jungfernschaft seines Mundes zu rauben. („Take his mouth!“) In einer erneut nicht uninteressant gefilmten, weil scheinbar vorwiegend oder einzig von Flammenflackerschein erhellten Szene, die aufgrund ihrer grellen Rottöne zumindest in mir Erinnerungen an Klassiker des queeren Avantgardefilms wie beispielweise Jack Smith oder Kenneth Anger wachruft, sehen wir nunmehr minutenlang dabei zu, wie der arme Octavius von den ruppigen Männern zu einem Blow Job nach dem andern genötigt wird. Aber die Rettung naht in Gestalt von Demetrius, der seinen Freund natürlich nicht im Stich lässt, sondern der Spur der Pferde gefolgt ist, und sich in stiller Nacht an die Zelte heranpirscht, um Octavius aus seinem Martyrium zu erlösen. Kurz steht er davor, den schlummernden Centurio mit einem Stein zu erschlagen, lässt diesen dann aber doch in einem edelmütigen Old-Shatterhand-Move fallen, um Demetrius nach draußen zu folgen, - nur um in letzter Sekunde doch noch von den inzwischen erwachten Soldaten überrumpelt zu werden. Die Folge ist, dass sich am Ende der Befreiungsaktion lediglich die Rollen vertauscht haben: Octavius befindet sich in Freiheit, während nun Demetrius an der Reihe ist, dem übelwollenden Centurio als Sexspielzeug zu dienen. Wobei der indes schon weiterführende Pläne für sein Beutestück hat: Auf den Sklavenmarkt nach Rom soll’s gehen, wo er den, wie er sagt, muskulösen, vor Kraft nur so strotzenden Gefangenen höchstbietend versteigern will!
Längst hat sich der Soundtrack auf düstere Dungeon-Synthies verlagert, als Demetrius wie ein Stück Vieh für den Preis von ein paar Drachmen (und nicht etwa, wie jeder Asterix-Leser weiß und wie es historisch korrekt gewesen wäre, für ein paar Sesterzen) an den kaiserlichen Hof gelangt, wo er dazu ausgebildet werden soll, dem gottgleichen Kaiser zu Diensten zu sein, denn der, heißt es, habe noch jedes Frauenzimmer verschmäht, das ihm seine Mutter zugeschleust habe: Nein, Caligula steht nur auf zartes Jünglingsfleisch! Während Demetrius, der übrigens fortan den Großteil der Laufzeit splitterfasernackt irgendwo festgekettet verbringen wird, halb angewidert, halb entsetzt mitanschauen muss, wie im Sklavenverließ unaussprechliche Vergewaltigungsorgien vonstattengehen, ist Octavius endlich bei seinem Onkel angelangt, und bittet diesen, ihm seine Steuerschulden bar auszuhändigen, damit er mit dem Münzbündel nach Rom reisen, und Freund respektive Neffe aus der Gefangenschaft loskaufen kann. Bis Octavius es indes in die Reichshauptstadt geschafft hat, wird Demetrius erst einmal einem gewissen Argos zugeführt, einem verschlagenen Charakter, der jene Sklaven erziehen soll, deren Schicksal es ist, von Caligulas sexuellem Heißhunger verschlissen zu werden. Wertvolle Tipps gibt Argos unserem Helden mit auf den Weg, als dieser (natürlich) gefesselt vor ihm steht, beispielweise, dass er in Caligulas Anwesenheit niemals Arme oder Beine verschränken solle, dass er stets eine grenzenlose Unterwürfigkeit an den Tag legen solle, dass er den Kaiser niemals anfassen dürfe, außer dann, wenn er ihm einen Blow Job verabreiche. Danach geht Argos selbst zur Tat über, und bläst Demetrius nach allen Regeln der Kunst einen, bevor er ihn brutal zu Boden reißt, und ihn rektal penetriert. Ich gebe zu Protokoll: Bis auf die zarte Traumsequenz ganz zu Beginn des Films sind sämtliche bisherigen Hardcore-Szenen Vergewaltigungen gewesen. Dies ändert sich übrigens auch dann nicht, als Octavius endlich im Kaiserpalast ankommt, um das schuldige Geld abzuliefern. Ausgerechnet der Centurio, dem er entwischt ist, begegnet ihm als Erstes, nachdem er die Stufen zur Hauptpforte hinaufgeeilt ist, und natürlich lautet dessen Befehl an seine Gefolgsmänner, den Jüngling dingfest zu machen, und ihn in seine Privatgemächer zu schleppen, wo er ihm, nachdem er ihm zuvor bereits die orale Unschuld genommen hat, nun auch noch die übrigen Körperöffnungen mit seinem Liebessaft füllt.
Ausgesprochen ästhetisch inszeniert indes ist eine Gruppensexorgie gleich im Anschluss, die abgesehen von der Tatsache, dass der nunmehr ebenfalls gefesselte Octavius zwischen den Kopulierenden passiv auf dem Boden herumsitzt, keinerlei Berührungspunkte zur eigentlichen Handlung aufweist: Stets ist das Bild umhüllt von einem nebulösen, die Hardcore-Härte der dargestellten Handlungen mindernden Schleier, während wir sehen, wie in üppig eingerichtetem, obstschalenvollen Ambiente ineinander verschränkte Männergrüppchen einander Rim Jobs und Blow Jobs zugutekommen lassen. Etwas verwunderlich nach all den sexuellen Übergriffen mutet es an, wenn der bislang so bitterböse Centurio auf einmal Liebesgefühle für Octavius entdeckt, und ihm gegenüber damit nicht hinterm Berg hält: In säuselndem Ton erklärt er ihm, dass er ihn nun nicht länger missbrauchen könne, da jetzt sein Herz involviert sei; Octavius könne seine Sachen anziehen und gehen. Noch heftiger lässt indes Octavius‘ Reaktion zurückprallen: Ja, auch sein Herz sei für seinen Vergewaltiger und Entführer entbrannt, und er denke gar nicht daran, ihn zu verlassen. Zunächst hatte ich natürlich angenommen, dass Octavius seine Verliebtheit dem Centurio gegenüber nur schauspielt, um dessen rosarote Brille zum Freiboxen von Demetrius zu nutzen, aber Pustekuchen: Das Drehbuch von einem gewissen Timothy Michaels scheint es wirklich bitterernst mit Octavius‘ romantischen Gefühlen zu meinen. Großartig Zeit, sich darüber irritiert zu zeigen oder gar zu echauffieren, wie hier schonungslose Vergewaltigungen in sentimentale Verliebtheit münden, bleibt aber freilich nicht, denn inzwischen wird der noch immer gekettet irgendwo herumstehende Demetrius auf seine Audienz beim Kaiser vorbereitet, sprich: Eine „Waschung“ steht an, die auf Seiten der beiden mit der Säuberungsaktion des nackten Mannsbilds betrauten Sklaven dahingehend ausartet, dass beide sich an Demetrius‘ Geschlechtsteil zu schaffen machen. Erst am Ende der Sexszene erinnern sich die Jünglinge offenbar daran, dass sie Octavius doch eigentlich hätten baden sollen, weswegen sie synchron auf seinen (schlaffen) Penis ejakulieren, und ihn mit ihrem Sperma, sagen wir, einseifen.
Tja, und dann steht uns endlich der sagenhafte Auftritt des berüchtigtsten römischen Kaisers nach Nero bevor: CENTURIANS OF ROME modelliert Caligula als eine Mischung aus exaltierter Tunte, psychopathischem Sadisten und verletzlichem Kind im Männerkörper, wenn er erstmal, allein in seinem Schlafgemach, grell geschminkt einen Theatermonolog zum Besten gibt, in dem er all die Dinge aufzählt, an denen er sich erfreut, darunter vor allem seine „naughty naughty lusts.“ Genau die lebt er dann auch aus, als ihm endlich Demetrius zugeführt wird. Sein erster Befehl an die Adresse unseres Helden: Er solle sich mit der einen Hand einölen bis er glitschig sei wie eine „wet snake“ und sich mit der andern einen runterholen. Inzwischen hat sich der Soundtrack in etwas verwandelt, das zumindest für meine Ohren klingt wie prototypische Musik einer griechischen Taverne, nachgespielt auf etwas zu piepsigen Synthies. Caligulas Mäulchen macht sich zunächst über das Glied Demetrius‘ her, und fordert ihn im Anschluss auf, ihn anal zu penetrieren. Obwohl allein dies den Kaiser schon wie am Spieß plärren lässt, ist es ihm noch nicht Ekstase genug. „Take me with your hands!“, lautet seine nächste Handlungsanweisung, wobei ich das Gesicht von Demetrius einfach nur köstlich finde, wie er verständnislos den Bottich voller Vaseline anstarrt, den der Kaiser ihm plötzlich zuschiebt.
Wer schon immer mal sehen wollte, wie Caligula von einem Sklaven widerwillig gefistet wird, der kommt die nächsten Filmminuten auf seine Kosten. Derjenige, der von dieser Vorstellung eher abgestoßen ist, der sollte die kommenden Filmminuten überspringen, und stattdessen den ersten und einzigen Auftritt eines weiblichen Wesens in diesem Film genießen: Es ist eine namenlose, wortlose Sklavin, die um das Liebeslager von Octavius und dem Centurio herumschleicht, und sich kurz anschickt, zu ihnen unter die Bettdecke zu schlüpfen, worauf der Centurio sie anheischt, sie solle sich bloß wegscheren, (und damit auch die Gender-Agenda vorliegenden Films pointiert verbalisiert.) Nachdem die lästige Sklavin sich endlich gestrolcht hat, beratschlagt das Duo, wie man Demetrius am besten aus den Fängen Caligulas befreien könne, denn, ja, dessen Rettung hat der Centurio Octavius inzwischen in Aussicht gestellt. Der ausgeheckte Plan ist so simpel wie brillant: Während Caligula sein Schönheitsschläfchen hält, entern Octavius und Centurio die Kammer, in der Demetrius mal wieder gefesselt von der Decke baumelt. Ein letztes Küsschen zwischen Octavius und Centurio, und schon ist ersterer mit Demetrius auf und davon, während letzterer auf Caligula und seine gerechte Strafe wartet, die er indes gerne entgegennimmt, denn er wird in der Gewissheit sterben, einem Menschen, den er liebt, zum Glück verholfen zu haben. Zwar klingt CENTURIANS OF ROME auf Seiten Octavius‘ und Demetrius‘ durchaus beglückend aus, denn beide eröffnen einander ihre Liebe, nachdem sie sich per Pferd ungestört von der Hauptstadt zurück in die Wildnis geschlagen haben, (wohlgemerkt mit der Betonung, dass sie den Offizier, der ihnen den Hals gerettet hat, auf ewig in wundervoller Erinnerung behalten werden), doch für den vom Saulus zum Paulus geläuterten Centurio hat die allerletzte Einstellung einen grausigen Schluss-Twist parat: Da hängt er nämlich nunmehr an Demetrius‘ Stelle im Schlafgemach Caligulas, während dieser sich fies grinsend und mit der Aussicht, ihn zu Tode zu bumsen, über sein Rektum hermacht. Freeze Frame und Fin.
Puh, ich muss gestehen, dass CENTURIANS OF ROME eine durchaus harte Nuss ist, will man diesen Film einer „objektiven“ Bewertung unterziehen. Dass seine finanzielle Grundlage offenbar ein räuberisches Verbrechen darstellt, und dass, wie man im Netz lesen kann, sein Soundtracks vom (mir unbekannten) FLASH GORDON aus dem Jahre 1980 entlehnt zu sein scheit, stört mich dabei nicht ansatzweise so sehr wie die Tatsache, dass sich das Gros seiner Sexszenen aus expliziten Vergewaltigungen zusammensetzt. Wenn man einmal die eine oder andere Orgien-Sequenz außer Acht lässt, dann haben wir gerade einmal zwei längere Szenen, (nämlich einmal den Lusttraum Octavius‘ gleich zu Beginn, und dann noch eine einvernehmliche Übereinkunft zwischen Octavius und dem Centurio, nachdem diese sich beschlossen haben, ineinander verknallt zu sein), bei denen die involvierten Parteien beide uneingeschränkt mit den sexuellen Handlungen einverstanden sind, die an ihnen vollzogen werden, - und da CENTURIANS OF ROME nun kein verstörender Arthouse-Film sein möchte, dessen Agenda es ist, uns über Sexualgewalt im Alten Rom aufzuklären, sondern ein Stück Pornographie, dem es angelegen sein sollte, sein Publikum sexuell zu erregen, finde ich diesen Umstand durchaus, sagen wir, fragwürdig. Wobei er freilich noch wesentlich bedenklicher wird, wenn man bedenkt, dass sich am Ende gar zwischen einem der Vergewaltiger und seinem Opfer eine völlig kritik- und wertfrei als romantische Liebe gezeichnete Beziehung entwickelt – eine Liebe allerdings, die wenigstens dazu führt, dass einer der Antagonisten des Films, der namenlose Centurio, letztlich doch eine Kehrtwende um hundertachtzig Grad hinlegt, und vom empathielosen Beschäler zum Märtyrer wird, der sich selbst opfert, um Octavius und Demetrius eine goldene Zukunft zu bescheren. Solchen inhaltlichen Entgleisungen entgegen steht die Tatsache, dass man CENTURIANS OF ROME sowohl das vergleichsweise hohe Budget wie auch die Mühen der Filmemacher, ihr Werk eben nicht ein trashiges Sabberlätzchen umzuhängen, in jeder Minute ansieht. Natürlich hätte das hier verbratene Geld im originalen CALIGOLA sicher nicht mal ansatzweise fürs Catering erreicht, gerade aber als einem Porno, der sich zudem an ein rein homosexuelles Publikum richtet, und somit quasi die Nische innerhalb der Nische bedient, kann man CENTURIANS OF ROME nicht vorwerfen, er hätte aus seinen begrenzten Mitteln nicht herausgeholt, was herauszuholen gewesen wäre. Sowohl was die Lichtsetzung, was die Montage, was die Kostüme, was die (wenigen) Außenaufnahmen betrifft, arbeitet der Film durchaus erfolgreich sowohl an der Illusion, wir hätten es mit einem „richtigen“ Spielfilm zu tun wie auch daran, wir würden tatsächlich einen Schlüssellochblick ins Altertum werfen. Anders gesagt: Ich kenne manchen italienischen Sandalenfilm aus den 60ern, der schmalbrüstiger und anachronistischer ausgestatteter ist, und hält man CENTURIANS OF ROME einem inspirationsfeindlichen Billigstreifen wie Lorenzo Onoratis 1984er ROMA – L’ANTICA CHIAVE DEI SENSI, (der in Deutschland als Caligula III vermarktet wurde), dann weiß man erst recht, was man an dem in nahezu grimmigem Tonfall vorgetragenen Sittengemälde hat, das einem in vorliegenden Film präsentiert wird.
Dem auf der imdb nur noch zwei weitere Einträge verzeichnenden Fred Gormley als hemmungslos over-actender und sich schamlos fisten lassender Kaiser Caligula kann keins der übrigen Cast-Mitglieder das Wässerchen reichen, zumal gerade unsere beiden Helden Demetrius und Octavius, verkörpert vom bärtigen Muskelprotz George Payne und einem Herrn, der sich Scorpio nennt, erstaunlich blass wirken, - da besitzt selbst der namenlose und sich innerhalb eines Fingerschnippens vom Folterknecht zum Edelmenschen wandelnde Centurio (Eric Ryan) wesentlich mehr Profil, und eine psychologisch interessantere Grundierung. Die Regie von John Christopher ist solide, gerade auch weil einige der Sexszenen selbst einem Stockhetero wie mir als außergewöhnlich ästhetisch ins Auge stechen. George Bosque übrigens wurde im November 1981 für seinen Raub vor Gericht gestellt, und in letzter Instanz zu fünfzehn Jahren Haft verurteilt. 1986 entlassen, stirbt er 1991 an einer Überdosis Drogen. Mit CENTURIANS OF ROME, seiner ersten und einzigen Filmproduktion, hat er sich dann aber doch in die Annalen (pun intended!) der obskureren Filmgeschichte eingraviert. Puh, und ich frage mich derweil, wann das denn endlich aufhört, dass mir diese obskure Filmgeschichte immer wieder aufs Neue derartig unfassliche Werke ausspuckt, (und denke: Hoffentlich nie.)
Anfang der 80er Jahre schafft es ein gewisser George Bosque, seines Zeichens Angestellter der Sicherheitsagentur Brinks, seinem Arbeitgeber 2 Million Dollar zu stibitzen. Tja, und was tut man dann anschließend mit einer solchen prallen Beute? Sich in die Karibik absetzen? Sich eine neue Hochstapler-Identität als Adelsspross verleihen? Sich eine Rassemopszucht zulegen? Nein, man produziert – unübersehbar inspiriert von Tinto Brass‘ kurz zuvor in die Lichtspielhäuser gelangten „teuersten Porno aller Zeiten“ CALIGOLA - den bis dato teuersten Schwulenporno aller Zeiten namens CENTURIANS OF ROME, - wobei einen offenkundig auch ein über Nacht bis zum Nähteplatzen aufgestocktes Bankkonto nicht davor feit, gleich im Filmtitel einen eklatanten Rechtschreibfehler unterbringen. (Tatsächlich habe ich aber erst einmal recherchiert, ob es denn nicht doch vielleicht ein obskures englisches Wort namens „Centurian“ geben sollte, möglicherweise ja ein Slang-Ausdruck aus der Homosexuellenszene, der irgendetwas Versautes bedeutet. Aber nein, Fehlanzeige: Gemeint sind die Offiziere des Römischen Reichs, die bei uns Centurio heißen, und bei Bosque eben Centurians. Das geht ja gut los…)
Jenseits seiner Paratexte eröffnet CENTURIANS OF ROME mit einer durchaus amüsanten STAR-WARS-Hommage respektive -Parodie. Weltall, Sternenhimmel. Zu bombastischer Musik entrollen sich die Credits in die ewigen Weiten des Universums. „A long, long time ago... Somewhere outside of Rome... In a village not so far away...” (Präsentiert wird uns der Film übrigens von der Produktionsfirma Uranus = Your anus, versteht ihr?) Wer, wie ich, nach dieser Exposition indes glaubt, im Folgenden vor allem eine Camp- und Trash-Verballhornung des Peplum-Genres um die Ohren gehauen zu bekommen, der wird positiv überrascht. In ernstem Tonfall stellt uns CENTURIANS OF ROME, (nachdem er aus dem Kosmos ins Altertum geswitcht ist, als wolle er dem berühmten Montagesprung vom Primatenwerkzeug zum Space-Ship in Kubricks 2001 Konkurrenz machen wollen), zunächst unsere beiden nominellen Identifikationsfiguren vor: Die unzertrennlichen Freunde Octavius und Demetrius verdienen sich ihren Lebensunterhalt mit harter Arbeit auf den Feldern. Zwar handelt es sich bei beiden um Kriegsveteranen, doch zählt das unter der Regentschaft des blutrünstigen und goldgierigen Kaisers Caligula genauso wenig wie man Gnade erwarten darf, wenn man es nicht fertigbringt, als Landwirt pünktlich die horrenden Steuersummen abzudrücken, die erbarmungslose Geldeintreiber einem notfalls unter Bedrohung des eigenen Lebens aus den Rippen leiern. Eines Tages ist auch der Onkel von Octavius im Zahlverzug, befindet sich jedoch nicht auf seinem Gehöft, als Caligulas‘ Schergen eintreffen, um den alten Mann auf sein Versäumnis hinzuweisen und gegebenenfalls einen Kopf kürzer zu machen. Octavius und Demetrius haben sich gerade eine kurze Siesta auf dem Acker gegönnt, bei der wir tief eingetaucht sind in Octavius‘ Träume, in denen dieser sich wiederum wünscht, ebenso tief einzutauchen in Demetrius, zu dem er längst mehr als nur freundschaftliche Gefühle hegt. Gefilmt ist diese Traumsequenz übrigens recht geschmackvoll vor schwarzem Hintergrund und weichzeichnerischer Lichtsetzung, die zumindest in mir Erinnerungen an die homoerotischen Passagen in Derek Jarmans ebenfalls im antiken Milieu spielenden Drama SEBASTIANE wachruft; der zugehörige Score indes klingt freilich wie etwas, das wahlweise auch im Intro eines beliebigen Pagan-Metal-Albums oder aber in einem epischen Fantasy-Video-Game ertönen könnte. Octavius‘ Phantastereien enden jäh, als Caligulas Bluthunde kurzerhand beschließen, statt der ausstehenden Steuersumme dann eben den Neffen zu kidnappen, und als Sklave zu verschachern. Zwar versucht Demetrius wie eine Löwenmutter seinen Freund zu verteidigen, doch hat er keine Chance gegen die Soldaten, die ihn vermöbelt auf dem Feld liegenlassen, während sie mit dem in Ketten geschlagenen Octavius davongaloppieren.
Der findet sich im Zelt eines Centurios wieder, der gar nicht aufhören kann, sich ganz verzückt über sein „Engelsgesicht“ zu zeigen. („You have the face of an angel!“) Engel rufen in dem Offizier indes offenbar zuallererst den Wunsch wach, ihre Unschuld zu zerstören, denn statt Octavius ob seiner angeblichen Unschuld besonders achtsam zu behandeln, befiehlt er seinen Soldaten im nächsten Schritt, ihm zuerst einmal die Jungfernschaft seines Mundes zu rauben. („Take his mouth!“) In einer erneut nicht uninteressant gefilmten, weil scheinbar vorwiegend oder einzig von Flammenflackerschein erhellten Szene, die aufgrund ihrer grellen Rottöne zumindest in mir Erinnerungen an Klassiker des queeren Avantgardefilms wie beispielweise Jack Smith oder Kenneth Anger wachruft, sehen wir nunmehr minutenlang dabei zu, wie der arme Octavius von den ruppigen Männern zu einem Blow Job nach dem andern genötigt wird. Aber die Rettung naht in Gestalt von Demetrius, der seinen Freund natürlich nicht im Stich lässt, sondern der Spur der Pferde gefolgt ist, und sich in stiller Nacht an die Zelte heranpirscht, um Octavius aus seinem Martyrium zu erlösen. Kurz steht er davor, den schlummernden Centurio mit einem Stein zu erschlagen, lässt diesen dann aber doch in einem edelmütigen Old-Shatterhand-Move fallen, um Demetrius nach draußen zu folgen, - nur um in letzter Sekunde doch noch von den inzwischen erwachten Soldaten überrumpelt zu werden. Die Folge ist, dass sich am Ende der Befreiungsaktion lediglich die Rollen vertauscht haben: Octavius befindet sich in Freiheit, während nun Demetrius an der Reihe ist, dem übelwollenden Centurio als Sexspielzeug zu dienen. Wobei der indes schon weiterführende Pläne für sein Beutestück hat: Auf den Sklavenmarkt nach Rom soll’s gehen, wo er den, wie er sagt, muskulösen, vor Kraft nur so strotzenden Gefangenen höchstbietend versteigern will!
Längst hat sich der Soundtrack auf düstere Dungeon-Synthies verlagert, als Demetrius wie ein Stück Vieh für den Preis von ein paar Drachmen (und nicht etwa, wie jeder Asterix-Leser weiß und wie es historisch korrekt gewesen wäre, für ein paar Sesterzen) an den kaiserlichen Hof gelangt, wo er dazu ausgebildet werden soll, dem gottgleichen Kaiser zu Diensten zu sein, denn der, heißt es, habe noch jedes Frauenzimmer verschmäht, das ihm seine Mutter zugeschleust habe: Nein, Caligula steht nur auf zartes Jünglingsfleisch! Während Demetrius, der übrigens fortan den Großteil der Laufzeit splitterfasernackt irgendwo festgekettet verbringen wird, halb angewidert, halb entsetzt mitanschauen muss, wie im Sklavenverließ unaussprechliche Vergewaltigungsorgien vonstattengehen, ist Octavius endlich bei seinem Onkel angelangt, und bittet diesen, ihm seine Steuerschulden bar auszuhändigen, damit er mit dem Münzbündel nach Rom reisen, und Freund respektive Neffe aus der Gefangenschaft loskaufen kann. Bis Octavius es indes in die Reichshauptstadt geschafft hat, wird Demetrius erst einmal einem gewissen Argos zugeführt, einem verschlagenen Charakter, der jene Sklaven erziehen soll, deren Schicksal es ist, von Caligulas sexuellem Heißhunger verschlissen zu werden. Wertvolle Tipps gibt Argos unserem Helden mit auf den Weg, als dieser (natürlich) gefesselt vor ihm steht, beispielweise, dass er in Caligulas Anwesenheit niemals Arme oder Beine verschränken solle, dass er stets eine grenzenlose Unterwürfigkeit an den Tag legen solle, dass er den Kaiser niemals anfassen dürfe, außer dann, wenn er ihm einen Blow Job verabreiche. Danach geht Argos selbst zur Tat über, und bläst Demetrius nach allen Regeln der Kunst einen, bevor er ihn brutal zu Boden reißt, und ihn rektal penetriert. Ich gebe zu Protokoll: Bis auf die zarte Traumsequenz ganz zu Beginn des Films sind sämtliche bisherigen Hardcore-Szenen Vergewaltigungen gewesen. Dies ändert sich übrigens auch dann nicht, als Octavius endlich im Kaiserpalast ankommt, um das schuldige Geld abzuliefern. Ausgerechnet der Centurio, dem er entwischt ist, begegnet ihm als Erstes, nachdem er die Stufen zur Hauptpforte hinaufgeeilt ist, und natürlich lautet dessen Befehl an seine Gefolgsmänner, den Jüngling dingfest zu machen, und ihn in seine Privatgemächer zu schleppen, wo er ihm, nachdem er ihm zuvor bereits die orale Unschuld genommen hat, nun auch noch die übrigen Körperöffnungen mit seinem Liebessaft füllt.
Ausgesprochen ästhetisch inszeniert indes ist eine Gruppensexorgie gleich im Anschluss, die abgesehen von der Tatsache, dass der nunmehr ebenfalls gefesselte Octavius zwischen den Kopulierenden passiv auf dem Boden herumsitzt, keinerlei Berührungspunkte zur eigentlichen Handlung aufweist: Stets ist das Bild umhüllt von einem nebulösen, die Hardcore-Härte der dargestellten Handlungen mindernden Schleier, während wir sehen, wie in üppig eingerichtetem, obstschalenvollen Ambiente ineinander verschränkte Männergrüppchen einander Rim Jobs und Blow Jobs zugutekommen lassen. Etwas verwunderlich nach all den sexuellen Übergriffen mutet es an, wenn der bislang so bitterböse Centurio auf einmal Liebesgefühle für Octavius entdeckt, und ihm gegenüber damit nicht hinterm Berg hält: In säuselndem Ton erklärt er ihm, dass er ihn nun nicht länger missbrauchen könne, da jetzt sein Herz involviert sei; Octavius könne seine Sachen anziehen und gehen. Noch heftiger lässt indes Octavius‘ Reaktion zurückprallen: Ja, auch sein Herz sei für seinen Vergewaltiger und Entführer entbrannt, und er denke gar nicht daran, ihn zu verlassen. Zunächst hatte ich natürlich angenommen, dass Octavius seine Verliebtheit dem Centurio gegenüber nur schauspielt, um dessen rosarote Brille zum Freiboxen von Demetrius zu nutzen, aber Pustekuchen: Das Drehbuch von einem gewissen Timothy Michaels scheint es wirklich bitterernst mit Octavius‘ romantischen Gefühlen zu meinen. Großartig Zeit, sich darüber irritiert zu zeigen oder gar zu echauffieren, wie hier schonungslose Vergewaltigungen in sentimentale Verliebtheit münden, bleibt aber freilich nicht, denn inzwischen wird der noch immer gekettet irgendwo herumstehende Demetrius auf seine Audienz beim Kaiser vorbereitet, sprich: Eine „Waschung“ steht an, die auf Seiten der beiden mit der Säuberungsaktion des nackten Mannsbilds betrauten Sklaven dahingehend ausartet, dass beide sich an Demetrius‘ Geschlechtsteil zu schaffen machen. Erst am Ende der Sexszene erinnern sich die Jünglinge offenbar daran, dass sie Octavius doch eigentlich hätten baden sollen, weswegen sie synchron auf seinen (schlaffen) Penis ejakulieren, und ihn mit ihrem Sperma, sagen wir, einseifen.
Tja, und dann steht uns endlich der sagenhafte Auftritt des berüchtigtsten römischen Kaisers nach Nero bevor: CENTURIANS OF ROME modelliert Caligula als eine Mischung aus exaltierter Tunte, psychopathischem Sadisten und verletzlichem Kind im Männerkörper, wenn er erstmal, allein in seinem Schlafgemach, grell geschminkt einen Theatermonolog zum Besten gibt, in dem er all die Dinge aufzählt, an denen er sich erfreut, darunter vor allem seine „naughty naughty lusts.“ Genau die lebt er dann auch aus, als ihm endlich Demetrius zugeführt wird. Sein erster Befehl an die Adresse unseres Helden: Er solle sich mit der einen Hand einölen bis er glitschig sei wie eine „wet snake“ und sich mit der andern einen runterholen. Inzwischen hat sich der Soundtrack in etwas verwandelt, das zumindest für meine Ohren klingt wie prototypische Musik einer griechischen Taverne, nachgespielt auf etwas zu piepsigen Synthies. Caligulas Mäulchen macht sich zunächst über das Glied Demetrius‘ her, und fordert ihn im Anschluss auf, ihn anal zu penetrieren. Obwohl allein dies den Kaiser schon wie am Spieß plärren lässt, ist es ihm noch nicht Ekstase genug. „Take me with your hands!“, lautet seine nächste Handlungsanweisung, wobei ich das Gesicht von Demetrius einfach nur köstlich finde, wie er verständnislos den Bottich voller Vaseline anstarrt, den der Kaiser ihm plötzlich zuschiebt.
Wer schon immer mal sehen wollte, wie Caligula von einem Sklaven widerwillig gefistet wird, der kommt die nächsten Filmminuten auf seine Kosten. Derjenige, der von dieser Vorstellung eher abgestoßen ist, der sollte die kommenden Filmminuten überspringen, und stattdessen den ersten und einzigen Auftritt eines weiblichen Wesens in diesem Film genießen: Es ist eine namenlose, wortlose Sklavin, die um das Liebeslager von Octavius und dem Centurio herumschleicht, und sich kurz anschickt, zu ihnen unter die Bettdecke zu schlüpfen, worauf der Centurio sie anheischt, sie solle sich bloß wegscheren, (und damit auch die Gender-Agenda vorliegenden Films pointiert verbalisiert.) Nachdem die lästige Sklavin sich endlich gestrolcht hat, beratschlagt das Duo, wie man Demetrius am besten aus den Fängen Caligulas befreien könne, denn, ja, dessen Rettung hat der Centurio Octavius inzwischen in Aussicht gestellt. Der ausgeheckte Plan ist so simpel wie brillant: Während Caligula sein Schönheitsschläfchen hält, entern Octavius und Centurio die Kammer, in der Demetrius mal wieder gefesselt von der Decke baumelt. Ein letztes Küsschen zwischen Octavius und Centurio, und schon ist ersterer mit Demetrius auf und davon, während letzterer auf Caligula und seine gerechte Strafe wartet, die er indes gerne entgegennimmt, denn er wird in der Gewissheit sterben, einem Menschen, den er liebt, zum Glück verholfen zu haben. Zwar klingt CENTURIANS OF ROME auf Seiten Octavius‘ und Demetrius‘ durchaus beglückend aus, denn beide eröffnen einander ihre Liebe, nachdem sie sich per Pferd ungestört von der Hauptstadt zurück in die Wildnis geschlagen haben, (wohlgemerkt mit der Betonung, dass sie den Offizier, der ihnen den Hals gerettet hat, auf ewig in wundervoller Erinnerung behalten werden), doch für den vom Saulus zum Paulus geläuterten Centurio hat die allerletzte Einstellung einen grausigen Schluss-Twist parat: Da hängt er nämlich nunmehr an Demetrius‘ Stelle im Schlafgemach Caligulas, während dieser sich fies grinsend und mit der Aussicht, ihn zu Tode zu bumsen, über sein Rektum hermacht. Freeze Frame und Fin.
Puh, ich muss gestehen, dass CENTURIANS OF ROME eine durchaus harte Nuss ist, will man diesen Film einer „objektiven“ Bewertung unterziehen. Dass seine finanzielle Grundlage offenbar ein räuberisches Verbrechen darstellt, und dass, wie man im Netz lesen kann, sein Soundtracks vom (mir unbekannten) FLASH GORDON aus dem Jahre 1980 entlehnt zu sein scheit, stört mich dabei nicht ansatzweise so sehr wie die Tatsache, dass sich das Gros seiner Sexszenen aus expliziten Vergewaltigungen zusammensetzt. Wenn man einmal die eine oder andere Orgien-Sequenz außer Acht lässt, dann haben wir gerade einmal zwei längere Szenen, (nämlich einmal den Lusttraum Octavius‘ gleich zu Beginn, und dann noch eine einvernehmliche Übereinkunft zwischen Octavius und dem Centurio, nachdem diese sich beschlossen haben, ineinander verknallt zu sein), bei denen die involvierten Parteien beide uneingeschränkt mit den sexuellen Handlungen einverstanden sind, die an ihnen vollzogen werden, - und da CENTURIANS OF ROME nun kein verstörender Arthouse-Film sein möchte, dessen Agenda es ist, uns über Sexualgewalt im Alten Rom aufzuklären, sondern ein Stück Pornographie, dem es angelegen sein sollte, sein Publikum sexuell zu erregen, finde ich diesen Umstand durchaus, sagen wir, fragwürdig. Wobei er freilich noch wesentlich bedenklicher wird, wenn man bedenkt, dass sich am Ende gar zwischen einem der Vergewaltiger und seinem Opfer eine völlig kritik- und wertfrei als romantische Liebe gezeichnete Beziehung entwickelt – eine Liebe allerdings, die wenigstens dazu führt, dass einer der Antagonisten des Films, der namenlose Centurio, letztlich doch eine Kehrtwende um hundertachtzig Grad hinlegt, und vom empathielosen Beschäler zum Märtyrer wird, der sich selbst opfert, um Octavius und Demetrius eine goldene Zukunft zu bescheren. Solchen inhaltlichen Entgleisungen entgegen steht die Tatsache, dass man CENTURIANS OF ROME sowohl das vergleichsweise hohe Budget wie auch die Mühen der Filmemacher, ihr Werk eben nicht ein trashiges Sabberlätzchen umzuhängen, in jeder Minute ansieht. Natürlich hätte das hier verbratene Geld im originalen CALIGOLA sicher nicht mal ansatzweise fürs Catering erreicht, gerade aber als einem Porno, der sich zudem an ein rein homosexuelles Publikum richtet, und somit quasi die Nische innerhalb der Nische bedient, kann man CENTURIANS OF ROME nicht vorwerfen, er hätte aus seinen begrenzten Mitteln nicht herausgeholt, was herauszuholen gewesen wäre. Sowohl was die Lichtsetzung, was die Montage, was die Kostüme, was die (wenigen) Außenaufnahmen betrifft, arbeitet der Film durchaus erfolgreich sowohl an der Illusion, wir hätten es mit einem „richtigen“ Spielfilm zu tun wie auch daran, wir würden tatsächlich einen Schlüssellochblick ins Altertum werfen. Anders gesagt: Ich kenne manchen italienischen Sandalenfilm aus den 60ern, der schmalbrüstiger und anachronistischer ausgestatteter ist, und hält man CENTURIANS OF ROME einem inspirationsfeindlichen Billigstreifen wie Lorenzo Onoratis 1984er ROMA – L’ANTICA CHIAVE DEI SENSI, (der in Deutschland als Caligula III vermarktet wurde), dann weiß man erst recht, was man an dem in nahezu grimmigem Tonfall vorgetragenen Sittengemälde hat, das einem in vorliegenden Film präsentiert wird.
Dem auf der imdb nur noch zwei weitere Einträge verzeichnenden Fred Gormley als hemmungslos over-actender und sich schamlos fisten lassender Kaiser Caligula kann keins der übrigen Cast-Mitglieder das Wässerchen reichen, zumal gerade unsere beiden Helden Demetrius und Octavius, verkörpert vom bärtigen Muskelprotz George Payne und einem Herrn, der sich Scorpio nennt, erstaunlich blass wirken, - da besitzt selbst der namenlose und sich innerhalb eines Fingerschnippens vom Folterknecht zum Edelmenschen wandelnde Centurio (Eric Ryan) wesentlich mehr Profil, und eine psychologisch interessantere Grundierung. Die Regie von John Christopher ist solide, gerade auch weil einige der Sexszenen selbst einem Stockhetero wie mir als außergewöhnlich ästhetisch ins Auge stechen. George Bosque übrigens wurde im November 1981 für seinen Raub vor Gericht gestellt, und in letzter Instanz zu fünfzehn Jahren Haft verurteilt. 1986 entlassen, stirbt er 1991 an einer Überdosis Drogen. Mit CENTURIANS OF ROME, seiner ersten und einzigen Filmproduktion, hat er sich dann aber doch in die Annalen (pun intended!) der obskureren Filmgeschichte eingraviert. Puh, und ich frage mich derweil, wann das denn endlich aufhört, dass mir diese obskure Filmgeschichte immer wieder aufs Neue derartig unfassliche Werke ausspuckt, (und denke: Hoffentlich nie.)