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THE DEVIL ALL THE TIME - Antonio Campos (2020)

Verfasst: Fr 16. Okt 2020, 14:05
von purgatorio
THE DEVIL ALL THE TIME
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Deutscher Titel: THE DEVIL ALL THE TIME
Originaltitel: THE DEVIL ALL THE TIME

Regie: Antonio Campos
Produktionsland: USA (2020)

Darsteller: Tom Holland, Robert Pattinson, Sebastian Stan, Bill Skarsgård, Mia Wasikowska, Eliza Scanlen, Jason Clarke, Riley Keough, Haley Bennett, Harry Melling, Douglas Hodge, Emily Towles...

Story
Im Pazifikkrieg erlebte Willard Russell die Hölle. Die Grausamkeiten, die der Mensch dem Menschen antut, erschüttern seinen Glauben jedoch nicht. Lediglich Matthäus 5,39 wird für ihn keine Geltung mehr haben. So lehrt er im Nirgendwo des US-amerikanischen mittleren Westens seinem Sohn Arvin, dass jedem, der ihm Böses tut, mit Bösem begegnet werden müsse. Schicksalsschläge führen Arvin jedoch nicht ins Heil, sondern tiefer ins ländliche Elend der 1950er und 60er Jahre, wo er an der Seite seiner Oma, seines Onkels und seiner Stiefschwester zum Mann reift, der mit der Religion hadert. Und die Geister seiner Vergangenheit treiben ihn um, während die Zukunft sich unheilvoll aufbaut. Der neue Pfarrer im Dorf scheint ein doppeltes Spiel zu treiben, die geliebte Schwester wird als frommes Mädchen wiederholt zur Zielscheibe der Dorfjugend und in einem anderen Bundesstaat bereitet sich ein Killerpärchen auf ihren alljährlichen Sommerurlaub der besonderen Art vor...

„Wehrt euch nicht, wenn euch jemand Böses tut! Wer euch auf die rechte Wange schlägt, dem haltet auch die andere hin" (Matthäus 5,39)

Re: THE DEVIL ALL THE TIME - Antonio Campos (2020)

Verfasst: Fr 16. Okt 2020, 14:23
von purgatorio
Aus Gründen, die ich gerade nur schwerlich rekonstruieren kann, erwarb ich vor wenigen Wochen das Buch "Das Handwerk des Teufels" von Donald Ray Pollock. Vor zwei Wochen nahm ich es von meinem Stapel und begann zu lesen - schon nach wenigen Seiten mit Genuss und Interesse. Und dann plötzlich hatte mich das Buch und lies mich nicht mehr los. Ein paar Stunden später war ich durch. Holy Shit - was für ein bitteres, trostloses, nihilistisches Werk. Ich war beeindruckt.
Am vergangenen Sonntag traf ich mich mit einer langjährigen Freundin auf ein paar Bierchen und Gespräch. Wie beiläufig erzählte sie mir von einem völlig schrägen, abgefahrenen Film, der sie ebenso abstieß wie anzog, der ihr zu lang war und sie doch packte, den hassen wollte und doch mochte. Sie nannte mir den Titel, mir sagte das nichts. Ich fragte, worum es ginge. Das sei schwierig zu erklären, weil zu viel passiere und die Erzählung wirr sei. Ein Mann kommt aus dem Krieg, trifft eine Frau, deren Namen er nicht erfährt. Er will sie heiraten und verlässt darum seine Mutter und den Onkel. Sie bekommen einen Sohn, doch das Schicksal trifft sie hart... ich unterbreche und frage: Die Mutter erliegt dem Krebs? Alles Beten im Wald von Vater und Sohn hilft nichts? - Sie starrt mich erschrocken an, ich grinse süffisant. Längst erahnte ich, dass "Das Handwerk des Teufels" offenbar verfilmt worden ist. Und so ist es tatsächlich: Netflix hat mit einem riesigen Staraufgebot diesen literarischen Tritt in den Magen in ein sperriges und unangenehmes, trostloses und dreckiges Stück Film verwandelt.

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Ich fahre also Heim, platziere mich vor dem Fernseher und tauche noch mitten in der Nacht in diesen Abgrund. Liegt es daran, dass ich gerade das Buch las? Ich vermag es nicht zu sagen, ich konnte mich ja orientieren. Und darum mochte ich diesen bösen Film. Keine perfekte, aber eine gute Literaturverfilmung. Sicherlich stark eingedampft, punktuell abweichend variiert, im Kern aber exakt die böse Geschichte von Elend und Tod, die Donald Ray Pollock zu Papier brachte. Hier wird einfach gestorben, hier ist Gewalt ein gängiges Mittel, hier ist in Inhalt und Form Moral nicht zu finden. Alles leidet, alles stirbt, alles vergeht. "Manche Menschen werden geboren um begraben zu werden" spricht der korrupte Scheriff im Film so treffend und kurz. Wie das aussehen kann, darf man sich hier zweieinhalb Stunden lang ansehen. Spaß macht das nicht!