Zielfahnder: Flucht in die Karpaten - Dominik Graf (2016)
Verfasst: Mo 5. Apr 2021, 06:54
Zielfahnder: Flucht in die Karpaten
Deutschland 2016
Regie: Dominik Graf
Ulrike C. Tscharre, Ronald Zehrfeld, Arved Birnbaum, Axel Moustache, Dragos Bucur, Radu Bânzaru, Oliver Reinhard, Anna Schäfer, Rainer Laupichler,
Virgil Aioanei, Crina Semciuc, Florian Lange
OFDB
Deutschland 2016
Regie: Dominik Graf
Ulrike C. Tscharre, Ronald Zehrfeld, Arved Birnbaum, Axel Moustache, Dragos Bucur, Radu Bânzaru, Oliver Reinhard, Anna Schäfer, Rainer Laupichler,
Virgil Aioanei, Crina Semciuc, Florian Lange
OFDB
Der rumänische Gangster Liviu Caramitru hat vor einiger Zeit einen Polizisten in die Psychotherapie geschossen, wofür er berechtigterweise in den Knast kam. Jetzt ist er geflüchtet, und ein großes Aufgebot an Polizisten jagt den Mann von Düsseldorf bis an die polnische Grenze. Doch Caramitru schafft es, über die Oder zu entkommen, und die Befugnisse des LKA Düsseldorf enden dort nun mal. Die beiden Fahnder Hanna Landauer, deren Partner der damals Angeschossene war, und Sven Schröder reisen mit einem Amtshilfebegehren (nennt man das so?) nach Bukarest – Sie sollen die rumänische Polizei beim Einfangen des Flüchtigen unterstützen. Doch Bukarest besteht anscheinend in erster Linie aus Nachtclubs und Bordellen, und die Polizei wirkt auch nicht sonderlich motiviert. Trotzdem schaffen die beiden es, eine Spur aufzunehmen. Und die zeigt auf die Nordseite der Karpaten, zu einem kleinen Dorf, wo Caramitrus Schwester heiraten wird.
Im Vorfeld habe ich meiner Frau noch gesagt, das Dominik Graf derjenige deutsche Regisseur ist, der die guten Krimis und Thriller macht, und der qualitativ als einziger an internationale Produktionen herankommt. Ist das bei ZIELFAHNDER auch so? Nun ja, ein wenig ist mir diese Aussage schon im Hals steckengeblieben. Dabei meine ich nicht den schnellen Ablauf der Story, der keinerlei Längen zulässt, und von Beginn an den Zuschauer in einen Sog der fortwährenden Abläufe zieht. Ich meine auch nicht den professionellen Schnitt, der sich aus verschiedenen Stilmitteln zusammensetzt, und beispielsweise beim Grenzübergang Caramitrus nach Polen aus einem Kaleidoskop von Spielfilmaufnahmen, Nachbildkamera und Steadicam besteht, und sehr dynamisch und intensiv rüberkommt.
Nein, narrativ ist alles top, und die Spannung passt ebenfalls. Aber warum, bitte schön, ist es inzwischen Mode geworden, die Schauspieler so dermaßen nuscheln zu lassen? Ich habe über etwa die Hälfte der Laufzeit die Texte nicht verstanden, und bei den Simultanübersetzungen des rumänischen Polizisten wurde es dann richtig anstrengend. Echtton ist was hübsches, aber wenn man Teile der Handlung nicht mehr versteht, weil die Darsteller anstatt zu sprechen nur noch brabbeln, dann passt bei der Nachvertonung etwas nicht. Und das, Verzeihung, ist für mich leider ein ernsthafter Minuspunkt im ansonsten so aufregenden und professionell dargestellten Geschehen.
Denn eigentlich ist ZIELFAHNDER ein guter und spannender TV-Krimi mit dem Anspruch, verdammt tolle Bilder und eine mitreißende Story zu bieten. Die Flucht durch Deutschland ist spannend, die Erlebnisse in Bukarest sind ein Labyrinth aus Vergnügungssüchtigen und Rauschmitteln, das sich wie ein Strudel um die beiden Ermittler wickelt und in einer harten und bösen Prügelei in einem dunklen Hausflur kulminiert, und was dann zu guter Letzt in dem kleinen Dorf passiert ist sowieso nicht mehr normal. Wer immer auf die Idee kam, die beiden Großstadt-Cops aufs flache Land zu jagen, um dort eine rumänische Hochzeit zu dokumentieren, und am Ende sogar ein klassisches Karl May-Ende hinzulegen - Wer immer auf diese Idee kam, er verdient Respekt für so viel Mut, auch mal die nicht so ausgelatschten Wege zu gehen. Der Subplot um die verschwundenen Kirchenglocken hat mit der Handlung nichts zu tun, und er wirkt auch eher ein wenig wie eine Episode aus, sagen wir, ALLES IST ERLEUCHTET – NICHTS IST NORMAL, aber gerade dadurch zeigt sich die Meisterschaft Dominik Grafs: Eine knuffigeWohlfühlepisode in einen Krimi einzubauen, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren und ohne das Tempo auszubremsen.
Vielleicht ist ZIELFAHNDER einfach ein klein wenig wie HANNE, ebenfalls von Dominik Graf. Nicht als dramatische Auseinandersetzung mit Leben und Tod, sondern als Reise von einem festen Ausgangspunkt zu einem unbekannten Ziel. Mal sehen wohin einen der Weg bringt, man wird schon irgendwo ankommen. Wo? Mal sehen! Und genau an dieser Stelle ist Graf tatsächlich derjenige deutsche Regisseur, der es schafft, sich aus den ausgetretenen Pfaden eines TV-Krimis zu lösen und etwas Größeres zu wagen. Eine Geschichte zu erzählen, die einfach etwas anders endet als man sich das so vorstellt. Und der damit tatsächlich spannend bleibt, auch in seiner Entwicklung als Regisseur. Nur das mit dem Genuschel, da müssen wir noch ein wenig dran arbeiten …
6/10